Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
genâde stf.
1. das herabsinken um auszuruhen, die ruhe. diu sunne get ze genâden Morolf 1402. dô diu sunne ze genâden gieng, dô kêrt er abe der strâʒe das. 3567. vgl. Haltaus 1,652, Schmeller 2,680. genâde und ruowe bezeichnen verwandte begriffe. genâde unde ruowe Iw. 219. gnâde unde reste, ruhe und rast, Genes. fundgr. 2,16,14. sine lâʒent uns ruwe, deheine genâde, sine lânt uns geruowen Exod. Diemer 140,15. diu sêle fuor ze gnâden zu ihrer ewigen ruhe, zuo ir vater Abrahame Genes. fundgr. 2,52,12. si vuoren zuo den himelisken gnâden Diut. 3,48. mit gnâden ruwen, ungestört ruhen, das. 2, 72,38. ich wil iemer mit genâden belîben, ruhig, getrost, MS. 1,48. b. sage dîner vrouwen, daʒ si mit genâden sî und von allen sorgen vrî Lampr. Al. 69. a, sie soll ruhig und getrost sein und sich keine sorgen machen. si rieten ime, daʒ er mit genâden lebete, in ruhe lebte, nicht das paradies zu erobern versuchte, das. 69. b. ich lâʒe dich danne mit gnâden, lasse dich in ruhe, verlange nichts weiter von dir, kaiserchr. 65. a. ir sît immer mêr mit gnâden, ihr lebt immer in ruhe, das. 83. d. vil lange muʒet ir iuwer rîche mit genâden bûwen Diemer 192,22. ir lât si mit genâden, lasst sie in ruhe, MS. 2,83. b. lât si mit genâden Nith. 30,3. uns genâde nie geschach, ein ruhiges, friedliches leben ward uns nie zu theil, Herb. 1501.
2. ruhige, behagliche, glückselige lage, glück, vgl. Haltaus 1,654. von dem zweikampfe zwischen Alexander und Porus heisst es: nu nim du küninc wider mich unde ich ein einwîc wider dich: swer daʒ heil gewinne und mit gnâden kumet hinne, dem werden des andern man mit ir dienste undertân Lampr. Al. 52. a. sus hêrlîche was diu frowe rîche alle zît berâten, in ir kemenâte was gnâde unde heil, dâ ne gebrast nehein teil das. 63, b. gnâde was im tiure, darzuo sælde unde guot Wigal. 5689. eʒ wârn dem rîchen dürftigen alle genâde verzigen, wan daʒ er al sîn arbeit mit willigen muote leit Gregor. 2580. engeʒʒent in die wolve niht, daʒ aber vil lîhte geschiht, sô muoʒ er dâ ungâʒ ligen und aller gnâden verzigen das. 2700. zuo den êwigen genâden oder ungenâden, zur glückseligkeit oder verdammniss, Leys. pred. häufig. ist in einigen der angeführten stellen gottes gnade zu verstehen?
3. allgemein: neigung zu etwas. die herze, die dâ vol sint bôser genâden und gedanken Leys. pred. 56,35. swer niht genâden hât, von eim menschen guotʒ ze sagen, der sol ouch des bœsen gedagen Teichn. 137. vgl. Schmeller 2,679: und wer des gnâd hât, der mac dazu komen, v. jahr 1463 u. andere beispiele. mysse tut eyn man gên den râtmannen adir gên der stat rehte adir gên der burger kore, dâvon mugen dy râtmanne besserunge nemen nâch iren genâden und nâch irem willen kulmer recht 1,13. vgl. Haltaus 1,653.
4. besonders: freundliche zuneigung, helfende geneigtheit, theilnehmendes wohlwollen, milde, gnade, verzeihung. clemencia gnade sumerl. 5,11. propiciatorium das. 14,26.
a. höherer wesen zu menschen. numen est divina gracia, gotlîche gnade Diefenb. gl. 189. want ân die heilige minne nieman ze den êwigen genâden chomen mac fundgr. 1,125,27 (doch vgl. nr. 2). künegîn der genâden g. sm. XLIV, 6. got, von dînen gnâden was ich frô Wigal. 4924. von gotes gnâden vant er Trist. 3802. daʒ sîn der süeʒe vater nâch genâden pflege Walth. 108, 13. der genâden eine, was genâdelôs, Gregor. 2965. du bist genâden rîch, reich begnadet, dâvon du dô swanger wære MS. 1,28. b. si bâten got, daʒ sîn gnâde und sîn gebot in ze helfe kêrte Iw. 199. mir wirt gnâde schîn das. 290. got sî, der sîne gnâde tuo das. 271. nu hôret, welche gnâde in got geben wil kulmer recht 5,24. darzu, zu dem beginnen, genâde gebe mir der künec der allen künegen obet, Ludw. kreuzf. 16. alsô bedürfen wir, daʒ wir alle zît im warten gên der gnâden hant, als daʒ kint ze der muoter myst. 323,15. unde dâvon sô sie die genâde ie grœʒer erkanten, sô sie ir unwirdekeit ie schînbærlîcher verstuonden, unde dâ wider, sô sie ir unwirdekeit ie offenlîcher verstuonden, sô sie die genâde ie lûterlîcher erkanten, diu sie ir grôʒen unwirdekeit niht lieʒ enkelten, sie tæte mit in unde an in genâden site, daʒ ist wol tuon den unwirdigen myst. 332,30. menschen werden 'gefäss der göttlichen gnade' genannt. si geviel im baʒ und baʒ, wand daʒ gotes genâden vaʒ was beide schône unde junc Pass. K. 327, 84, vgl. das. 421,53. — vom papste = indulgentia. Urbanus gab ouch grôʒen ablâʒ und gnâde dâ zuo zürch. jahrb. 53,15, vgl. mehr beispiele bei Schmeller 2,679. — Marîa, der wunne ein blüendeʒ rîs, der sælde ein prîs, der gnâde ein wünschelruote, vol aller gnâde ein reineʒ vaʒ Gotfr. L. 2,9. 10. gip von dîner gnâden tuome mir dîns lobes anevanc MS. 1,28. a. hieraus entstand der spätere ausdruck 'ein gnadenbild', schon Bon. 38,35 und ist ein bilt ân gnâde gar. ein sprichwort scheint zu grunde zu liegen, denn in Steinhövels Esopus heisst es: ouch ûf die schönen unkündenden frouwen, denen man sprichet, das ist ein bild on gnad, eine geistlose schönheit. sîn schœni ist ze nihte guot und ist ân alle gnâde gar Scherz 523, vgl. auch Schmeller 2,679.
b. der menschen zu einander, gleicher zu gleichen. etwas verschieden von unserm heutigen 'gnade', welches nur von der zuneigung eines höhern zu einem geringern gebraucht wird (doch schon im kulmer recht 3,56 heisst es wan nieman denne got und die herren gnâde tun mogen). der sol genâde an mir begên mich freundlich behandeln, Wigal. 401. in sîne genâde er in enpfie das. 7198. dir sol genâde geschehen, du sollst wohl aufgenommen werden, Ulr. Trist. 169. gnâde unde triuwe mant iuch des küneges wîp Nib. Z. 220,71. begenc an uns genâde das. 322,44. genâde tuon an einem MS. 1,200. a. âne genâde, ohne barmherzigkeit, MS. 1,26. a; 27. a. zürch. jahrb. 70,14. eines genâde vâhen, ihm zugethan werden, Iw. z. 2303 u. 2309. vgl. büchl. 1,86 u. 1446. das. 2,84. si suohten sîne gnâde daʒ er in vername Genes. fundgr. 2,62,46. das. 63,32. an des genâde suoch ich rât Walth. 71,22. bî swære ist gnâde funden das. 77,8. sît nieman mîn genâde hât, sich niemand meiner annimmt, das. 55,7. ich suoch genâd ûf trôstbejac Suchenw. 26,4. zürch. jahrb. 47,38. ir sult durch iuwer triuwe dise genâde an mir begân, diesen act theilnehmenden wohlwollens, Nib. Z. 161,34. begêt genâde an mir Iw. 295. waʒ dunket iu guot, daʒ man der minne genâde tuot Suchenw. 24, 291. ob in iemen hæte genâde dâ getân, barmherzigkeit gegen sie geübt hätte, Nib. Z. 326,22. ir ensult iuch niht genâden an uns bewegen das. 333, 62. ichn hân genâden niht, bin nicht in der lage, gnaden zu ertheilen, Iw. 221 (vgl. die anm.). in geschach gnâde, freundliche aufmerksamkeit, unde gemach zuo ir wunden das. 283. einem gnâde tuon das. 291. wider einen gnâde tuon das. 212. gnâde versagen das. 209. und dô hate he grôʒe gnâde zu disen erzeten und ginc uber iren altâr unde bat si hulfe myst. 206, 38. si hete grôʒe gnâde zuo den juncfrowen das. 224,12. si haten solhe genâde zuo dirre stat, daʒ si sich in korzer zît sêre besserte, hatten solche zuneigung zu ihr, zitt. jahrb. 4,8. und hatte als vil gnâdn zuo dirre stat als sîn vater das. 4,18. und gewan dâselbes gnâde zuo geistlîchen liuten das. 18,28. alsô liep alsô dir mîn hulde unde mîn genâde sî Ludw. 18, 23. der selten zürnet und verruochet, daʒ er gnâde selten suochet Bon. 34, 38. unz daʒ er genâde vindet, verzeihung, basler recht 12,5. — dô ergap sich diu stat an des kaisers genâde zürch. jahrb. 59,14. er muose sich in ir genâde geben Iw. 249. woldest du dich bekêren, sô wolde ich dir gnâde tuon myst. 199,25. — oft von der gunst und erhörung der frauen, der entgegenkommenden lieblichen anmuth gebraucht. ir sît schœne und sît ouch wert, den zwên stêt wol genâde bî Walth. 62,17. ir sît genâden rîche das. 52,12. genâde und ungenâde, dise zwêne namen hât mîn frowe beide das. 63,36. er seit, ich sül genâde finden das. 66,6. tûsent herze würden vrô von ir genâden das. 73,10. daʒ ein guot wîp dîn genâde hât, sich deiner mit ihrer huld erbarmt, das. 91,36. mirne werde ir gnâde baʒ beschert Iw. 204. vgl. auch oben nr. 4, a zum schlusse. wie sint danne hin verswunden mîniu jâr, hân ich die genâde funden mîner klage MS. 1,163. a. — genâde unde minne Vrid. 150, 14. ze gnâden joch ze minnen Genes. fundgr. 2,68,29. — beistand. ich man iuch der genâden, und ir mir habt geswarn Nib. Z. 329,51. Milius der burcgrâve mande Romære der gnâden, die si im gelobt heten kaiserchr. 46. a. ich suoches dînen rât, helfe und genâde Nib. Z. 290,54. — dem recht gegenübergestellt, die billigkeit, gütliche beilegung, vgl. Haltaus 1,655, wie ähnlich minne, vgl. oben 179, 28. a. nâch genâden und nâch. rehte, nach recht und billigkeit, Leys. pred. 34,23. das. 126,20. gnâde ist beʒʒer danne reht Iw. 15. gnâde über reht tuon myst. 356,37. daʒ man eʒ nâch genâden schiet, auf gütliche weise, Suchenw. 11,230. ebenso wird wohl zu verstehen sein daʒ riht er mit genâden rach und schiet eʒ tugentleichen das. 34,15, wo das glossar es mit 'gerichtliche genugthuung' erklärt. — die fuoren ze hove alle dan die niwen gnâde schouwen Erec 9764; es scheint dort das gegentheil von grausamkeit zu sein.
5. ûf genâde, im vertrauen auf das vorhandensein von wohlwollen, günstiger, milder, gnädiger gesinnung, im vertrauen auf die gewährung einer hoffnung. des wirt genigen dir ûf genâde sêre Gotfr. lobges. 46,14. ich wil niht mê ûf ir genâde wesen frô Walth. 61,32. dô was diu werlt ûf ir genâde frô das. 90,34. lât iu bevolhen sîn ûf triwe und ûf genâde den lieben bruoder mîn Nib. Z. 57,52. ich meldeʒ ûf genâde, vil lieber friunt, dir, daʒ du dîne triuwe behaldest ane mir das. 136,61. deist ûf genâde getân das. 136,64. daʒ sol iu friuntlîche ûf genâde sîn gekleit das. 98,43. si kômen ûf genâde her in ditze lant das. 291,33. ich hân iuch harte verre ûf gnâde gesuochet: got gebe daʒ irs geruochet Iw. 221. ich bin ûf gnâde her komen. ich gedinge mir sî unverseit ein gâbe der ich von iu ger das. 171. ûf gnâde bin ich komen her, im vertrauen auf die gewährung meiner hoffnung, Wigal. 270. ûf genâde habe ich muot MS. 1,45. b. man sol ûf genâde vrô bestân das. 1,202. a. ûf genâde singen das. 2,23. a. lîp unde sinne die gap ich ir vür eigen ûf genâde der si hât gewalt das. 1,9. b. sît ein kneht sînem herren dienet ûf genâde unde sorget niht umbe die spîse myst. 344,15. dô gâben si sich ûf genâde unde antwurten im daʒ slôʒ Ludw. 34,33. dô gâbent sie die stat ûf ûf gnâd unde mit sölichem gedinge, daʒ die zürch. jahrb. 77,13. vrouwe, durch iuwer edel sinne gebt dem ritter hulde, sô daʒ er umb die schulde ûf genâd ze buoʒe stê Suchenw. 30,129. — als sich derselbe man tzu genâden und in des râtes und in der stat genâde gegeben hatte kulmer recht 3, 56. si nemen yn tzu genâden und si mogen wol gnôde tun das. 3,57.
6. genâde in der anrede. nicht imperativ, auch nicht adjectiv, vgl. glossar zu Lachmann's auswahl aus den hochdeutschen dichtern. es wird bittend und dankend gebraucht. vgl. Gr. 3,306.
a. bittend: gewährt gnade (also genâde accusativ? aber vergl. Gr. 4,135, wo eine conjunctivellipse für gleichfalls möglich gehalten wird). wohl stets ohne zusatz. genâde, frouwe! seid gnädig, d. h. ich bitte, Walth. 55,17. gnâde, frou küniginne! lâ mich der leben mîne zît das. 56,12. genâde, frouwe! tuo alsô bescheidenlîchen: lâ mich dir einer iemer leben das. 70,19. genâde, ein künginne! das. 118,29. gnâde, liebiu frowe mîn! sol daʒ mit iuwern hulden sîn Wigal. 5652. mit grôʒen vorhten si dô sprach: gnâde, trûter herre mîn! müg eʒ an iuwern hulden sîn Boner. 54,11. genâde, edele frowe mîn! lât iu mîn sach bevolhen sîn das. 95,33. genâde, herre, eʒ ist zît Flore s. 7217. genâde, frowe, ich suoche rât das. 891. genâde, herre vater mîn! waʒ sol disiu rede sîn das. 1037. genâde, frouwe, durch got! das. 1253. genâde, lieber herre mîn! lânt iuwer witze werden schîn das. 1901. genâde, vrouwe wolgetân! lânt mit iwer hulden sîn dise botschaft Heinzelin Pf. 1068. genâde, liebiu frouwe mîn! nach dieser anrede kann der verwirrte liebhaber nicht weiter, das. 1670. ebenso nur die anrede einführend, das. 2287. — so ward allmälig dieses wort die einleitung einer verbindlichen anrede an einen vornehmeren und schmolz mit den worten vrouwe, herre so zusammen, dass gnadfrouwe, gnadherre fortan zur bezeichnung eines adlichen gebraucht ward. wan, solt ich nâch dem willen mîn genâdevrouwe bî iu sîn Staufenberg 113. seyt mir zu tausent mal wilkumb, gnadfraw, in ewer marggrafthumb Hans Sachs Griselda. in S. Francks sprichwörtern (1541) heisst es 2,93: es ist besser, es neme einer ein gnadfrouwe dann das er ein mach (d. h. eine niedrig geborne heirathe und zur gnädigen frau mache); und das. 2,25: Moses ein gnadherrn nennen; das. 2,109: als so ein pfaff einem priester begegnet und einander mit einem gnadherrn zelen. vgl. Schmeller 2,680 und ich genâde.
b. dankend: theilnehmendes wohlwollen ist vorhanden (also genâde nominativ?). der regel nach mit einem beiworte versehen, entweder einem pronomen, oder einem genitiv. herre, iuwer genâde! ihr seid gütig, ich danke, ir sprechet wol, daʒ ich vil gerne dienen sol Parz. 303,11. dîn gnâde, herre! swaʒ du begâst, du bist gnädig, Maria, fundgr. 2,153,27. hêr, iuwer genâde! sprach Gâwân, daʒ hân ich ungedient noch Parz. 362,6. hêr, iwer genâd, daʒ ir uns tuot iwer helfe sô grœʒlîche das. 389,22. iwer genâde, sprach der degen Lanz. 3920. iuwer genâde, sprach er, herre mîn, Karl 82. b. iwer genâde, ir redet wol Flore s. 2665. iwer genâde, sprach daʒ kint, daʒ ir mir sô genædic sint das. 3895 (schwerlich hat sich jedoch hieraus die anrede euer gnade entwickelt, vgl. leseb. 1037,31). ir genâde, swâ si sî MS. 1,72. b. vil michel iwer genâde, mîn vrou Prünhilt, daʒ ir mich ruochet grüeʒen vor disem küenem recken Nib. Z. 64,62. genâde, frouwe, dirre gebe, ich danke euch für eure gabe, Wigal. 6118. genâde sîner dienste, die er mir enboten hât Nib. Z. 220,31. ist Lachmann's vermuthung in dem glossar zur auswahl nöthig und richtig, Wigal. 8786 genâde mînes herren statt des dtv. zu lesen? — nicht selten steht aber auch genâde allein. genâde, frouwe, tûsentwarp. wol dem süeʒen munde, der sô genædeclîchen redet Engelh. 2380. 'sam mir got, geselle mîn, swie ich möhte dînen pîn unt dîn leit mit êren lieplich dir verkêren, des wolde ich gerne vlîʒen mich'. 'gnâde, frowe!' sus sprach ich Heinzelin Pf. 1926. genâde, frouwe! sus sprach ich, dar an tuost du sêre wol das. 2239. genâde, herre, sprach si dô, ir reit und bietet mirʒ alsô, als iu got lônen müeʒe Trist. 1543. 'kint, sprâchen si, got segene dich; ze sælden müeʒest du gevarn'. 'genâde! und got müeʒe iuch bewarn!' sprach aber der guote Tristan das. 2782. vgl. das. 3854. 'guot geselle, got grüeʒe dich'. 'genâde, herre', sô sprach ich Suchenw. 29,18. so entwickelt sich die nächste bedeutung.
7. der ausgesprochene dank, indem in der redensart 'genâde' sagen, 'genâde' bieten das angeführte wort bald als directes object des verbums angesehen wird. mit genitiv der sache und dativ der person. er neic ir minneclîchen, genâde er ir bôt Nib. Lm. 292, 1. genâde begunde der ritter jehen und seit den frouwen allen danc Suchenw. 30,134. dô begunde im Gunther darumbe grôʒ genâde jehen Nib. Z. 134,64. des wil ich genâde iu mit triwen immer sagen Nib. Z. 10, 74. der sol es ouch wesen geil unde sol es im genâde sagen Barl. 147,13. si begunden ime genâde sagen und danken sîner manheit Wigal. 5972. man sol dir des genâde sagen das. 54 und 1837. des sag ich dir lop; genâde und êre MS. 2,89. a. gnâde unde danc seit er im dô troj. 11471. vgl. leseb. 271,28. der lantgrâve im genâde seit Ludw. kreuzf. 5811. des sagt im gnâde Heime Alph. 38,1. si seiten irm beschirmer lob und gnâd, und mit allen irn kreften ruoften si sîn hilf und genâd an zürch. jahrb. 47,38. genâde gote wart gesaget Pass. K. 219,14. vgl. Scherz 523. und begunde sagen in grôʒe genâde allen drin arm. Heinr. im leseb. 347,2. mit daʒ: nu wil ich gote genâde sagen, daʒ er in mînen jungen tagen das. 339,1. — des sî im iemer mêre genâde lop und êre Barl. 133,1. gnâde sîner dienste, die er mir enboten hât, und ouch mîner swester, letzteres ohne frage der dativ, Nib Z. 220,32. sollte hienach noch nöthig sein genâde mînem herren! Wigal. 8786 mit Lachmann (glossar zur auswahl s. v. genâde) zu ändern in mînes herren, ja sollte diese änderung richtig sein?