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Gauner

nhd. bis sprichw. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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14 in 14 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gauner

Bd. 7, Sp. 392
Gauner (Jauner, Etymologie zweifelhaft) heißt im weitern Sinn der gewerbsmäßige Verbrecher überhaupt, im engern der gewerbsmäßige Betrüger in seinen verschiedenen Gestalten. In ausgeprägter Eigenart tritt uns das deutsche Gaunertum seit dem 15. Jahrh. entgegen. Juden und Zigeuner bildeten seinen Stamm, sie arbeiteten die Kniffe aus, schufen ein internationales Idiom, das sogen. Rotwelsch (s. Kochemer-Loschen), eine internationale Zeichensprache, die sogen. Zinken (s. d.), und waren die Stützen der über alle Länder sich erstreckenden Organisation, die bald auch das Augenmerk der Obrigkeiten auf sich zog. Aus dem letzten Jahrzehnt des 15. Jahrh. kommen die lebensvollen Schilderungen in Sebastian Brants »Narrenschiff« und in dem oft ausgelegten »Liber vagatorum« (s. Kochemer-Loschen). Um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges verwandelt sich das Gaunertum: 1650–1780 etwa blüht die Romantik des Räuberunwesens, das die Phantasie des Volkes lebhaft erhitzte und seinen hervorragendsten Vertretern die Unsterblichkeit sicherte. Cartouche (s. d.) und viele andre in Deutschland und Frankreich sind noch heute populär. Der Ausgang des 18. Jahrh. bringt die rohen, blutdürstigen Verbrecherbanden am untern Rhein, die, durch die Zeitwirren gefördert, einen erbitterten und lange Zeit erfolgreichen Kampf gegen die Rechtsordnung führen, bis sie endlich zersprengt und in ihren Trümmern allmählich (etwa 1820–30) vernichtet werden. Das heutige gewerbsmäßige Verbrechertum (s. Kriminalsoziologie) weist neue, selbständige Züge auf (wie z. B. die sogen. Bauernfänger, die unerfahrene Menschen zum Glücksspiel verleiten und dabei betrügen, die Taschendiebe, Leichenfledderer, die im Freien Schlafende ausplündern, Hochstapler etc.); besonders fehlt ihm die geschlossene, auf Blutsverwandtschaft gestützte Organisation. Die reichste Ersatzquelle für das Gaunertum ist gegenwärtig die Prostitution mit ihrem Anhang, den Zuhältern (Louis) und Rowdys. Vgl. Ave- Lallemant, Das deutsche Gaunertum in seiner sozialpolitischen, literarischen und linguistischen Ausbildung (Leipz. 1858–62,4 Teile in 3 Bdn., mit Wörterbuch der Gaunersprache); H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter (4. Aufl., Münch. 1904), Weiteres bei Artikel »Kochemer-Loschen« und »Zinken«.
2261 Zeichen · 36 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gauner

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Gauner , des -s, plur. ut nom. sing. in den gemeinen Sprecharten, ein Spitzbube, ein listiger geübter Betrieger. Er …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gauner

    Goethe-Wörterbuch

    Gauner einmal älteres ‘Jauner’ Betrüger, Spitzbube [ Courville: ] Ich weiß es daß der Kerl [ der Graf ] ein Jauner ist 1…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gauner

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gauner , Betrüger, diebischer Vagabund; Mitglied einer Art von Gesellschaft, die Raub, Diebstahl, Betrug etc. als Gewerb…

  4. modern
    Dialekt
    Gaunerm.

    Mecklenburgisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Gauner Jauner, -o- m. Gauner, Betrüger: De Buhr, de die ehn Joner iß Babst 1, 139; 3, 26; Ook gift dat dann un wann ehn …

  5. Sprichwörter
    Gauner

    Wander (Sprichwörter)

    Gauner 1. Ein Gauner will übergaunert sein. Span. : De diestro á diestro el mas presto. ( Bohn I, 211. ) 2. Je grösser G…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gauner

39 Bildungen · 38 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gauner 2 Analysen

gaunern + -er

gauner leitet sich vom Lemma gaunern ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Alternativen: gau+-ner

gauner‑ als Erstglied (30 von 38)

gaunerbande

DWB

gauner·bande

gaunerbande , f. wie räuberbande, spitzbubenbande; bei Schiller jaunerbande, jaunerhorde, s. unter gauner 1.

gaunerbuch

DWB

gauner·buch

gaunerbuch , n. buch über das gaunerwesen, im 18. jahrh. erbot sich in Leipzig ein gefangener verbrecher, als vergeltung für seine freilassu…

gaunerei

DWB

gaunerei , f. gaunerkunst, ' listiger betrug ' Campe. jaunerey M. Kramer 1787 .

Gauneridiom

GWB

gauner·idiom

Gauneridiom ‘eine Art G.’, für Sondersprache eines geselligen Kreises [ iZshg mit Schilderung des Lili-Kreises ] eine Sprach- und Gebärden-S…

Gaunerīe

WWB

Gaunerīe f. Tat eines Gauners, Betrügerei.

gaunerig

WWB

gaunerig Adj. [Min] geizig.

gaunerin

DWB

gau·n·erin

gaunerin , f. gaunerisches weib. Avé-Lall. 2, 6 . auch gaunerweib, jaunerin Hebel 2, 161 ( s. unter gauner 3, b oben ).

gaunerironie

DWB

gauner·ironie

gaunerironie , f. : ( bettelverse ) in denen das aufmerksame kennerohr leicht die freche gaunerironie erkennt. Avé-Lallemant 1, 210 .

gaunerisch

DWB

gauner·isch

gaunerisch , nach art eines gauners, z. b. gaunerische mittel, gaunerisch handeln. Campe ; ihr wiszt, ich bin .. unverschämt, gaunerisch. Gö…

gaunerkniff

DWB

gauner·kniff

gaunerkniff , m. gaunerischer kunstgriff: die gefährlichen klassen Wiens .. mit belehrenden winken über gaunerkniffe .. Wien 1851 ( Avé-Lall…

gaunerkönig

DWB

gauner·koenig

gaunerkönig , m. : und du, feiner hauptmann! herzog der beutelschneider! gaunerkönig! Schiller 2, 101 ( der pater zu Karl Moor ); solche kön…

gaunerkunst

DWB

gauner·kunst

gaunerkunst , f. : sie ( diese bande ) war die erbnehmerin der in schauerlichem geheimem erbgang fortschleichenden gaunerkunst. Avé-Lall. 1,…

gaunerliste

DWB

gauner·liste

gaunerliste , f. polizeiliches verzeichnis von gaunern, öfter bei Avé-Lallemant, z. b. 1, 236 , im 18. jh. schwäb. jaunerliste 4, 166. 1, 25…

gaunern I

RhWB

gaunern I beten, betrügen, winseln s. jaunern.

gaunern II

RhWB

gaunern II gǫ·u.- Wittl-Platten , Zell-Merl schw.: spötteln, heimlich, verstohlen lachen. — Abl.: die Gaunerei, dat Gegauner(sch), der Gaune…

Ableitungen von gauner (1 von 1)

begauneren

WWB

be-gauneren V. betrügen. De Tatern wurn dor; de hewwet de Buern wir schön begaunert ( Min Kb).

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gauner". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 8. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gauner/meyers
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Cotta, Marcel. „gauner". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gauner/meyers. Abgerufen 8. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gauner". lautwandel.de. Zugegriffen 8. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gauner/meyers.
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