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Gattung

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GWB
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Eintrag · Goethe-Wörterbuch

Gattung

Bd. 3, Sp. 1126
GattungRund 100 Belege, davon etwa zwei Drittel im Rahmen best Fachterminologien (1). Im natwiss Bereich (1 a) erscheint der Gattungsbegriff in seiner Relativität innerhalb eines hierarch Systems: einerseits als Träger typushafter Merkmale gegenüber der Mannigfaltigkeit der Arten, als konstantes Element, das die Gesetzmäßigkeit der Entwicklung gewährleistet, andererseits als Repräsentant des Mannigfaltigen gegenüber einem umfassenderen Ganzen. In der ersten Funktion findet der Begriff auch Eingang in G-s klassizist Kunsttheorie: zur Überwindung der einfachen Naturnachahmung wird der Künstler zur Darstellung gattungstyp Merkmale aufgefordert (sa Gattungsbegriff). Als poetolog Terminus (1 b α) spielt der Begriff insbes im Briefw mit Schiller, in der (aufgrund gemeinsamer Besprechungen von Schiller entworfenen) ‘Dramatischen Preisaufgabe’ u in Übs von Mme de Staëls ‘Essai sur les fictions’ eine Rolle. In G-s wichtigsten Schriften zur Gattungspoetik, dem Aufsatz ‘Üb epische u dramat Dichtung’, den einschlägigen Kapiteln in DivNot, den Aufsätzen üb die ‘Ballade’ u das ‘Lehrgedicht’ fällt der Ausdruck nicht. Goethe spricht hier vielmehr von ‘Dicht(ungs)arten’ od ‘Dicht(ungs)weisen’(sd), mBez auf die übergeordnete Gattungstrias Epos, Lyrik, Drama von ‘Naturformen der Dichtung’, den ‘drei Hauptelementen’, den ‘inneren nothwendigen Uranfängen’ od ‘Grundarten der Poesie’, die er als über die Gattungsgrenzen hinaus wirksame Formkräfte versteht. Damit überwindet er das starre Fächerwerk überkommener poetolog Theorien, gegenüber den Vermischungstendenzen der zeitgenöss Lit plädiert er allerdings für eine klare Trennung der Gattungen.kollektiver Begriff für Gegenstände, Phänomene, Lebewesen mit gemeinsamen (dominierenden) Merkmalen   1 im Rahmen best Fachterminologien   a natwiss: mehrere Arten umfassende Kategorie des Tier-, Pflanzen- od Mineralreichs1), Genus; iUz ‘Individuum, Art, Varietät’ u den übergeordneten Kategorien ‘Familie, Ordnung, Klasse’  Durch ein genaues Betrachten der Äußerlichkeiten organischer Wesen hat die Naturgeschichte .. gränzenlos gewonnen .. Dieser glückliche Erfolg wäre aber nicht möglich gewesen, wenn die Naturforscher sich nicht bemüht hätten die äußeren Kennzeichen reihenweis aufzustellen, welche den organischen Körpern, nach ihren verschiedenen Classen und Ordnungen, G-en und Arten, irgend zukommen mögen. So hat Linné die botanische Terminologie musterhaft ausgearbeitet GWBN8,63,14 Vortr VglAnatomie 1  Es gibt keine Individuen. Alle Individuen sind auch genera: nämlich dieses Individuum oder jenes, welches du willst, ist Repräsentant einer ganzen G. Gespr(He2,166) Riemer [Dez 06]  Hat man aber die Idee von diesem [anatom] Typus gefaßt, so wird man erst recht einsehen, wie unmöglich es sei eine einzelne G. als Kanon aufzustellen. Das Einzelne kann kein Muster vom Ganzen sein, und so dürfen wir das Muster für alle nicht im Einzelnen suchen. Die Classen, G-en, Arten und Individuen verhalten sich wie die Fälle zum Gesetz; sie sind darin enthalten, aber sie enthalten und geben es nicht GWBN8,73,12u15 Vortr VglAnatomie 2 GWB341,145,18 KuARheinMain GWBN8,266,21 VersGestaltTiere [für: espèce] GWBN7,159,28 Pflanzenbildg Decandolle GWBN1,249,11 FlD 626 [weitere Belege s v Art] im Plädoyer einer überindividuellen, das Typushafte einer Tiergattung berücksichtigenden bildl Darstellung  [Ich:] Nehmen Sie an .. daß er [der Künstler] sich nach mehr Individuen, nach Varietäten, nach Arten, nach G-en umthäte, dergestalt daß zuletzt nicht mehr das Geschöpf, sondern der Begriff des Geschöpfs vor ihm stünde GWB47,171,1 Samml 6   b im künstlerischen Bereich  α als poetolog Terminus; fast ausschließl bezogen auf (inhaltl od formal definierte) Subgattungen wie Roman, Fabel, Märchen, Tragödie, Komödie, Charakter- od Intrigenstück, Schäferspiel, ‘malende’, beschreibende Dichtkunst, Allegorie uä, selten für eine der drei Hauptgattungen (Epos, Drama, Lyrik)  ist er [der Deutsche] durch eine gewisse Mittelgattung von Dramen gewöhnt worden, das Heitere neben dem Tristen zu sehen .. Was uns betrifft, so wünschen wir .. daß wir .. mehr Stücke von rein gesonderten G-en erhalten mögen, weil die wahre Kunst nur auf diese Weise gefördert werden kann GWB40,83,13 WeimHoftheat  das Vortreffliche in dieser G. [Tragödie] veraltet nie, da die Leidenschaften auf der unbeweglichen Base der menschlichen Natur gegründet und folglich weit beständiger sind als die Sitten GWB40,69,16 DramatPreisaufg [G/Schiller]  Man unterscheidet aber auch in der rein komischen G. noch Charakterstücke und Intriguenstücke .. In dem Intriguenstücke sind die Charaktere bloß für die Begebenheiten, in dem Charakterstücke sind die Begebenheiten für die Charaktere erfunden. Das Genie wird das Vorzügliche beider G-en auf eine glückliche Art zu vereinigen wissen GWB40,70,15 u 71,7 ebd  Sollte dieses Erforderniß des Retardirens, welches durch die beyden Homerischen Gedichte überschwenglich erfüllt wird, und welches auch in dem Plan des meinigen [HermDor] lag, wirklich wesentlich .. seyn, so würden alle Plane, die grade hin nach dem Ende zu schreiten, völlig zu verwerfen oder als eine subordinirte historische G. anzusehen seyn GWBB12,91,19 Schiller 19.4.97 GWB22,177,6 Lj V 7 GWBB13,83,25 Schiller 28.2.98 Gespr Eckerm 30.3.24 Gespr(He1,694) Morgenstern 30.4.98 für die Dichtkunst insgesamt  Leider werden wir Neuern wohl auch gelegentlich als Dichter geboren und wir plagen uns in der ganzen G. herum ohne recht zu wissen woran wir eigentlich sind, denn die specifischen Bestimmungen sollten .. eigentlich von außen kommen GWBB12,386,11 Schiller 27.12.97  β in der bildKunst bezogen auf (gegenstandsgebundene od techn definierte) Einzeldisziplinen wie Landschafts-, Porträt- od Miniaturmalerei  daß er [Le Sueur] den Künstler beredete, sich vorzüglich .. der Landschaftsmahlerei zu widmen .. Dieser durch einen glücklichen Zufall ertheilte Rath bestimmte Hackerten für diese G., und schenkte der Welt einen der besten Meister in derselben GWB46,113,13 Hackert GWB47,141,9 Samml 3 Gespr Eckerm 26.2.24 uö(selten)  γ für versch musikal-theatral Werk- od Darstellungskategorien (Oper, Opera buffa, Rezitativ, schauspielerisches Rollenfach uä); auch in Gegenüberstellung dichterischer u musikal Werkgattungen  Der Vorschlag, Schauspiel und Oper zu trennen, hat daher den Hauptzweck, beide G-en auf sich selbst zu weisen, um jede separat zu ihrer Pflicht anhalten zu können GWB53,270,5 Votum 9.12.08 GWBB6,317,20 Kayser 28.6.84 [für: genre] GWB45,204,16 RamNeffe Anm GWB52,181,18 ThS V 13   2 als Kategorie einer individuellen Systematik  Meine Absicht ist: alle Erfahrungen in diesem Fache [Optik] zu sammeln, alle Versuche selbst anzustellen und sie durch ihre größte Mannichfaltigkeit durchzuführen .. Sodann die Sätze, in welchen sich die Erfahrungen von der höheren G.2) aussprechen lassen, aufzustellen und abzuwarten, inwiefern sich auch diese unter ein höheres Princip rangiren GWBN11,36,27 VersVermittlObjSubj  Die vortheilhaftesten Gegenstände [der bildKunst] sind die, welche sich durch ihr sinnliches Dasein selbst bestimmen. Die erste G. derselben ist die natürliche .. Die zweite G. ist die idealische selbst GWB47,91,12u19 ÜbGegenstände bild Kunst GWB47,95,17 ebd GWB32,309,6 ItR [Moritz]   3 allg im Rahmen versch (mehr od minder konventioneller) Einteilungen od Typologien   a für eine best Sorte od Kategorie von Gegenständen (Waren)  Fahrzeuge [Schiffe] von allen G-en GWB46,120,12 Hackert GWB31,266,15 ItR   b für einen best Menschentypus (unter berufsständischen, charakterolog od psycholog Aspekten), im Unterschied zum Individuum; auch für einen best Künstler- od poet Figurentypus  Jede G. Menschen, die Uniform trägt, imponirt dem großen Haufen und weiß sich ihres Vorzugs meistens sehr gut zu bedienen GWB51,188,5 ThS III 1  Man hat .. schon eingesehen, daß er [Shakespeare] nicht sowohl zu den Dichtern der neuern Welt, welche man die romantischen genannt hat, sondern vielmehr zu jenen der naiven G. gehöre, da sein Werth eigentlich auf der Gegenwart ruht GWB411,58,5 Shakesp u kein Ende  Charakterstücke stellen uns entweder Gattungen (die Molierische Komödie) oder Individuen (die englische Komödie) dar GWB40,70,19 DramatPreisaufg [G/Schiller] GWBB5,147,8 Lavater 22.6.81 GWB28,255,21 DuW 14 für das Geschlecht der Menschen überhaupt, mehrf in grundsätzl Wesensbestimmung  da ich .. den Glauben nicht verlieren darf, daß der Mensch einer Besserung, Ausbildung und Vollendung fähig sey und daß der größte Vorzug seiner G. darin bestehe, daß er sich zur Selbstbeherrschung erheben könne GWBB28,202,8 Hitzig 29.7.17 K  Der Stil erhebt das Individuum zum höchsten Punct, den die G. zu erreichen fähig ist, deßwegen nähern sich alle großen Künstler einander in ihren besten Werken GWB45,310,25 Diderot, Malerei Anm Gespr Kanzl Müller 8.6.21 personifizierend bezogen auf dichterische Phantasiegebilde  die luftigen Gestalten, die sie [die Einbildungskraft im Märchen] erschafft, sind uns als Wesen einer eigenen G. sehr willkommen; verbunden mit der Wahrheit bringt sie meist nur Ungeheuer hervor GWB18,223,23 Unterhaltungen   GWBBaumgattung GWBElengattung GWBHauptgattung GWBHirschgattung GWBKalkspatgattung GWBKunstgattung GWBMenschen- GWBMittel- GWBPflanzen- GWBTier-Syn zu 1 a GWBGenus GWBGeschlecht zu 1 b GWBFach GWBForm GWBGenre zu 2 u 3 GWBArt GWBKlasse zu 2 GWBKategorie zu 3 GWBEspece GWBSorte GWBSpezies 1) Das Linnésche System, dem G im biol Bereich weitgehend folgt, umfaßt auch das Mineralreich. Hier wurde es aber sehr bald durch andere mineralog Systeme abgelöst; vgl EF Glocker, Hb der Mineralogie, 1831,316ff 2) sonst in dem Aufsatz ‘Erfahrungen der (von einer) höher(e)n Art’ genannt GWBN11,33,16fu20 u 35,4u11fu23Gertrude Harlass G. Ha.
9578 Zeichen · 83 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gattung

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Gattung , plur. die -en, von dem Zeitworte sich gatten, so fern es ehedem sich zusammen schicken bedeutete, Dinge, w…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gattung

    Goethe-Wörterbuch

    Gattung Rund 100 Belege, davon etwa zwei Drittel im Rahmen best Fachterminologien (1). Im natwiss Bereich (1 a) erschein…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gattung

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gattung , der Inbegriff aller durch eigenthümliche Merkmale verbundenen Arten eines und desselben Dinges; im natürlichen…

  4. modern
    Dialekt
    gattung

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    gattung [kàtù Z. ] ordentlich, tüchtig, prächtig. Wë nn m e r früejer sechs Dablone n het bekumme n , is t s e gattunge…

  5. Sprichwörter
    Gattung

    Wander (Sprichwörter)

    Gattung 1. Drei Gattungen von Menschen sind in der Welt, verhasst: hochmüthige Arme, reiche Geizhälse und alte Narren. 2…

  6. Spezial
    Gattung, selbstständigef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +3 Parallelbelege

    Gattung , f , selbstständige жанр , м , самостоятельный

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gattung

20 Bildungen · 17 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gattung

gatt + -ung

gattung leitet sich vom Lemma gatt ab mit Suffix -ung.

gattung‑ als Erstglied (17 von 17)

Gattung N

Idiotikon

Gattung N. Band 2, Spalte 503 Gattung N. 2,503

Gattungsadjektiv

FiloSlov

gattung·s·adjektiv

Gattungsadjektiv , n прилагательное , ср , относительно-притяжательное

Gattungsbezeichnung

FiloSlov

gattung·s·bezeichnung

Gattungsbezeichnung , f имя , ср нарицательное → FiloSlov Appellativum, n → FiloSlov Gattungsbegriff, m → FiloSlov Gattungsname, m → FiloSlo…

gattungscharakter

DWB

gattung·s·charakter

gattungscharakter , m. der charakter der gattung: der gegenstand hätte mehr ins allgemeine gespielt und der gattungscharakter des philisters…

Gattungskauf

DERW

gattung·s·kauf

Gattungskauf, M., ›eine Gattungsschuld betreffender Kaufvertrag‹, 19. Jh.?, Lüs. nlat. emtio generis, F., ›Gattungskauf‹?, s. Gattung, Kauf

gattungsmäszig

DWB

gattungsmäszig , der gattung gemäsz: das gattungsmäszige im menschen erwachte in ihm mit aller gewalt und pracht seines wesens ( vom durchbr…

Gattungsschuld

DERW

gattung·s·schuld

Gattungsschuld, F., ›Schuld eines nicht nach individuellen sondern nur nach gat- tungsmäßigen Merkmalen bestimmten Ge- genstandes (z.B. 1 Ze…

Gattungsvermächtnis

DERW

gattung·s·vermaechtnis

Gattungsvermächtnis, N., ›einen nur der Gattung nach bestimmten Gegenstand be- treffendes Vermächtnis‹, 19. Jh., s. Gat- tung, Vermächtnis

gattungsverwandt

DWB

gattung·s·verwandt

gattungsverwandt , der gattung nach verwandt, als subst.: dadurch nähert sich dies gewächs, so wie seine gattungsverwandten, den stauden. Be…

Gattungswein

Wander

gattung·swein

Gattungswein Es ist ein Gattungswein. ( Rheinpfalz. ) Ein ganz gewöhnlicher Wein. Allgemein: Nichts Besonderes.

Gattungswort

Campe

gattung·swort

Das Gattungswort , des — es, Mz. die — wörter , ein Wort, welches ein zu einer gewissen Gattung gehöriges Ding bezeichnet.

gattung als Zweitglied (2 von 2)

mittelgattung

DWB

mittel·gattung

mittelgattung , f. mittelart: eine sprache, die eine mittelgattung zwischen der chalcidensischen und dorischen mundart ausmacht. Heilmann Th…

Zesamenvergattung

Idiotikon

Zesamenvergattung Band 2, Spalte 495 Zesamenvergattung 2,495 o.

Ableitungen von gattung (1 von 1)