Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
eck stN.
1.1 häufig ‘Schneide’ (bei zweischneidigen Waffen im Pl.; formelhaft mit den Epitheta → scharpf und brûn ; vgl. aber auch 2.2 )
1.2 hierher ‘Seitenkante’ (vgl. AWB 3,76 egga 1b zur Übers. von crepido ) oder zu 2.1 ‘Ecke’
2 spitzer/ hervorstehender Teil von etw.
2.1 ‘Ecke’ , aber auch der dazugehörige ‘Winkel’
2.2 ‘Spitze’
2.3 ‘Gipfel’ , übertr. wohl auch ‘höchster Punkt, Höchststand’
2.4 hervorstehendes Endstück, ‘Ende’
3 zur Bezeichnung verschiedener Geländemerkmale im Anschluss an 1 und 2 (z.B. Kreuzungen, Gipfel, Grate, Hügel, Halden, Ecken [und Grenzen?] von Feldern und Gehöften u.ä. [vgl. WMU 1,415 und SchweizId 1,156f.])
4 in Wendungen
4.1 an allen ecken ‘überall’
4.2 über ecke(n) : unklar (z.T. zur Erklärung herangezogenes phras. ‘kreuz und quer’ ist nur für die Verbindung bunt über ecke [erst frnhd.] gesichert)
4.2.1 bei SM:Go wohl ‘überall’ (vgl. NeidhWB 61 und Seelbach, Helmbr., S. 74)
4.2.2 im Helmbr wohl ‘querfeldein’
1 ‘scharfer Rand, (scharfe/ klar abgegrenzte) Kante’ 1.1 häufig ‘Schneide’ (bei zweischneidigen Waffen im Pl.; formelhaft mit den Epitheta → scharpf und → brûn ; vgl. aber auch 2.2): speres ort, swert bare / wurden da gevrbort, / daz in beide ecke vnd ort, / [...], / entweder in dem libe blieben / oder, [...], / des mannes lip namen / Herb 6702; Wig 7356; einen gêr vil scharpfen, [...] / der ze sînen ecken harte vreislîchen sneit NibB 440,4; Rol 3310; Er 9259. – auch für das ganze Schwert: dô griffen di recken / zô den scarfin ecken / und vohten mit nîde SAlex 3273 1.2 hierher ‘Seitenkante’ (vgl. AWB 3,76 egga 1b zur Übers. von crepido) oder zu 2.1 ‘Ecke’ die tavel [der Tafelrunde] houbt noch ende / hât nicht weder hie noch dort, / nindert ecke noch kein ort [nirgendwo Seitenkanten (?) noch Ecken] HvFreibTr 1342; der tigel hat dri ecke, / die gar ein fletze [Boden] han [die Öffnung ist ein gleichseitiges Dreieck] Mügeln 343,1; umbe den wurf der sorgen / wart getoppelt [ ‘gewürfelt’ oder ‘ein Pasch geworfen’ (Bartsch/ Marti, Parz. u. Tit. z.St.)] , do er den grâl vant, / mit sînen ougen, âne hant / und âne würfels ecke Parz 248,13 (würfels ecke pars pro toto [Bartsch/ Marti, Parz. u. Tit. z.St.]; vgl. das frnhd. Kompositum eckenwürfel [Tauber, Würfelspiel, S. 75]; s.u. 2.3 ) 2 spitzer/ hervorstehender Teil von etw. 2.1 ‘Ecke’, aber auch der dazugehörige ‘Winkel’ wüehse das spitze egge, dâ das A stêt, êweklich, es enwurde niemer alsô grôs als das stumpfe egge, das hinder im stât dâ das B stât, wand dis wêre allezît spiz wie sêre es wüehse unde genes stumpf Vorsmak 1,445; KvMSph 13,2; ain ekke der gruntueste daz ist diu diemuͦt die wir habin sulen umbe den lîp TrudHL 49,17; RvEWchr 1282; di sewl hette acht ecken HvNstAp 12000. 18000; HvNstGZ 131. – z.T. übertr. Teil eines Raumes/ Gebietes (auch mit dem Nebensinn der Abgeschiedenheit) : dâ het er bî im einen kruoc, / den er von ecken ze ecken truoc / in der zelle hin und her Renner 22920; da saß einer in eym eck, der het gesellenn nit Alph 306; dô er die schrift gelas in einer ecken Wartb Rs 16,6; Lanc 235,9; vnd in ainem ekk der stat was gepawn der turn, der hies Babel Schachzb 113,37; [des Erzbischofs Holz] des 7 eck sind [sieben turnusmäßig wechselnde Waldgebiete zum Holzschlag] , daz churtz eck, [...], Haimbuͦchech [...] daz si ie zuͦ dem jar einen ekk abnemen WeistÖ 9,384 Anm. (a. 1331). – ‘Straßenecke’ (?): her Eberhart der schvlthaiz von Rotwil, [...] her Hainrich der wirt ander egge UrkCorp N178,19 2.2 ‘Spitze’ sumeliche namen [...] krumme isen / [...] / in sinen lib si slugen / die scharfe ecken überal Pass III 122,69. – im Ggs. zu snîde: jglicher sin swert gewan / von der scheiden; mit nijde / das eck vnd die snijde / jglicher sinem gesellen bot Krone 15512 2.3 ‘Gipfel’, übertr. wohl auch ‘höchster Punkt, Höchststand’ da im sin [des Berges Oreb ] egge allir nehste lag, / da nieman ufe weidennes pflag / durh der wilde ungeleginheit; / [...] / er [Moses] treip zuͦ dem berge dar / nahir RvEWchr 9398. – höchster Stand des Schicksalsrades: wene daz geding in eren gatt / und an der höchsten egken stat, / daz ist uns dik worden kund, / es weltzett gern hin in den grund GTroj 24774. – hierher (?) ‘höchste Punktzahl der ougen auf den Würfeln bei einem Wurf, der höchste Wurf (bei mehreren mögl. Würfen)’ ir [Frau Minne] habt mir mangel vor gezilt / und mîner ougen ecke alsô verspilt / daz ich iu niht getrûwen mac Parz 292,10 (andere Deutungen zu 292,10: ecke als ‘Würfelspiel’ [BMZ 2,2:507b,34ff.] und ‘Wurf’ [Bartsch/ Marti, Parz. u. Tit. z. St.]). – ‘höchste Punktzahl, gewinnender Punktestand’ vielleicht auch Parz 248,13; (s.o. 1.2), dann etwa ‘‘ohne dass jmd. (die) Würfel in die Hand genommen hätte und ohne einen guten Wurf’’) 2.4 hervorstehendes Endstück, ‘Ende’ zwêne man sint nû dâ / an eine tür gegangen / und tragent eine stangen / alles twerches [quer] vor in / und koment doch nimmer dar in, / si kêren danne ein ecke für SpdtL 106,22; sînen tribelwegge [des Böttchers Schlegel (euphemistisch)] den nam si in die hant / mit sîner slehten egge KLD:GvN 39: 4,3; die vier ecke an deme crúce betútent die geloͮbe vnde die zuͦuersiht vnde die ware minne vnde verendunge guͦter werke Lucid 112,10 3 zur Bezeichnung verschiedener Geländemerkmale im Anschluss an 1 und 2 (z.B. Kreuzungen, Gipfel, Grate, Hügel, Halden, Ecken [und Grenzen?] von Feldern und Gehöften u.ä. [vgl. WMU 1,415 und SchweizId 1,156f.]): den steik hin bis an daz ekke der wuesthub UrkCorp (WMU) 462,4; ein acher an Sêhaltv̂n, ligent an dem velde vnd an der egge ze Horgen ebd. 395,27; zwo hvͦbe am langen ekke ebd. 2328A,16; von sime guͦte, daz da lit an Buͦcholter egge ebd. 1120,29,22 u.ö.; mir ist der tewrist man erslagen / [...] / das det ain ungetrewer man: / er habt auff dem ecke dort HvNstAp 19570 4 in Wendungen 4.1 an allen ecken ‘überall’ vnd swer vnreht wirbit / ane libe an sele stirbit / vnselic an allen eggen Martina 108,29 4.2 über ecke(n): unklar (z.T. zur Erklärung herangezogenes phras. ‘kreuz und quer’ ist nur für die Verbindung bunt über ecke [erst frnhd.] gesichert) 4.2.1 bei SM:Go wohl ‘überall’ (vgl. NeidhWB 61 und Seelbach, Helmbr., S. 74): wol gezieret stât diu grüene heide: / daz loub uber eggen / kiuset man bî den tolden wunneklîche SM:Go 3: 1,2; jârlang gruonet loup über egge / vil schône ze walde ebd. 2a: 3,1 4.2.2 im Helmbr wohl ‘querfeldein’ über velt [La. vber ecke ] wil ich draven / âne angest mînes verhes / und alle welt dwerhes Helmbr 416; ez müezen rinder vor mir lüen / die ich über ecke trîbe ebd. 367; daz ich niht ensnurre / mit den andern über ecke / und die gebûren durch die hecke / niht enfüere bî dem hâre, / daz ist mir leit zewâre ebd. 371 (vgl. auch ‘kreuz und quer’ [2DWB 7:45,45], ‘hin und her’ [Seelbach, Helmbr., S. 74], ‘beiseite, davon’ [Lambel, Helmbr. Anm.z. St., so auch Übers. Tschirch])
MWB 1 1484,12; Bearbeiterin: Baumgarte