donner,
m. tonitrus, ahd. donar Graff 1, 149,
mhd. doner duner donre dunre Ben. 1, 383
a, dunnir
Anno 44.
altsächs. thunar,
altfries. thuner tonger Richth. 1080
b,
niederl. donder,
ags. þunor,
engl. thunder,
dän. dunder,
altnord. dunr, duna
f. und þruma,
franz. tonnerre;
s. J. Grimms
schrift über den namen des donners (
abhandl. der Berlin. akademie 1854),
wo auch das gothische þeihvô
erörtert wird. im 16
ten jahrhundert zeigen sich neben donner
und dunner
auch dunder
und donder.
beide stellt Henisch 727
zugleich auf, auch hat sich donder dunder
noch in der bairischen, schwäbischen und allemannischen sprache erhalten; s. Schmeller 1, 377. Schmid 132
und Hebel.
merkwürdig ist die bairische form darer
ein einzelner donnerschlag (Schmeller 1, 390),
weil sie zu dem keltischen gott Toran, Taran
mithin auch zu dem nordischen þorr
stimmt. das wort bezeichnet eine spannung der luft und gehört zu dehnen;
vergl.done, donen. 11.
in eigentlicher bedeutung. der donner murmelt, kracht, rollt, braust daher. der christliche bilger der do sicherlichen wandeln wil durch das ungewitter, hagel, donder, schne und blix Keisersberg
Bilger 58
d. und da der hagel oder dunner vergieng
ders. Sünden des munds 33
b. aber der herr liesz donnern einen groszen donner über die Philister desselben tages
1 Sam. 7, 10. der höhest liesz seinen donner aus 2
Sam. 22, 14. lieber, höret doch wie sein donner zürnet und was fur gesprech von seinem munde ausgehet. er sihet unter allen himeln und sein blitz scheinet auf die ende der erde. demnach brüllet der donner und er donnert mit seinem groszen schall, und wenn sein donner gehört wird, kan mans nicht aufhalten. gott donnert mit seinem donner grewlich und thut grosze ding, und wird doch nicht erkand
Hiob 37, 2—5. der gottlosen güter versiegen wie ein bach, wie ein donner verrauscht im regen
Sirach 40, 13. und er schrei mit groszer stimme, wie ein lewe brüllet, und da er schrei redeten sieben donner ihre stimme
Offenbarung Joh. 10, 3. und da die sieben donner ire stimme geredt hatten 10, 4. stosz mit dem fuosz hart an die thür, als ob der donder schluog darfür
Grobian. P 4. so sind donder und plitz auch guot, dasz sie die leut schrecken und in sich schlagen, ir leben zu bessern
Petr. 187
b. du wirst vom herrn heimgesucht mit donder Reiszner
Jerus. 2, 172
a. der ganz himmel erzittert vom tonder Maaler 404
b. man sol alle jar acht haben auf den nächsten donder der da geschicht nach dem aufgang des hundssternen Herr
Feldbau 6
b. sasz ich da allein tag und nacht, da der blitz schlug, der donner kracht. Rollenh.
Froschm. E ij. dafür sie all erstarret waren, als wenn blitz und donner zugleich erleucht und schlegt auf einem streich Mm j. bisz gott sie nicht mehr toben liesz, mit blitz und donner alles zerschmisz Nn j. das wetter schlug auch tapfer drein mit dem donner und blitzes schein Xx v. das alles in den lüften kracht, als poltert der donner mit macht Zz v. wie donner und hagel her prasselt Bbb iiij. das wunderlich zusammen rasselt, wie in weldern der donner prasselt Pp v. des landes bester ruhm und zier Parthenope vermeinet durch den plitz und donner zu zersplittern Opitz 1, 35.
[] ir sollt hier sicherlich den schwersten donner fühlen. Gryph. da des abschieds schwere stunde wie ein schlag vom donner klingt Günther 306. der donner reiszet die wolken in der mitte von einander Stieler 325. wie reden so laut die donner herunter Klopstock. und schon hör ich entfernt die lauten donner rollen. Weisze. aber schwarz und schwärzer immer zieht das wetter sich herauf: alles ist ein falber schimmer, lange donner folgen drauf. H. Chr. Boie
im Göttinger musenalm. 1773.
s. 225.
den biblischen ausdruck der donner donnert
gebraucht auch Voss. jetzo deckte ein so heller blitz den ganzen himmel auf und ein so brechender donner fuhr ihm nach dasz sie ihm die hand hinreichte J. Paul
Siebenk. 4, 82. 'ewig!' Dora lispeltest du: mir schallt es im ohre mit dem donner des Zeus Göthe 1, 300. der donner rollt, ein blitz der prasselnd schlägt, zersplittert wald und fels
ders. säuselts, säuseln wir erwidernd: donnerts, rollen unsre donner in erschütterndem verdoppeln, dreifach zehnfach hinten nach 41, 247. silberhelle fluten rieseln majestätisch prächtig nun wie des donners orgelton Schiller 3
a. der donner brüllt aus tausendfachem rachen 17
b. die wasser die sie hinunter schlang, die Charybde jetzt brüllend wiedergab, und wie mit des fernen donners getose entstürzen sie schäumend dem finstern schosze 63
b. hoch überm niedern erdenleben soll sie (
die glocke) im blauen himmelszelt, die nachbarin des donners, schweben und gränzen an die sternenwelt 80
a. ein regenstrom aus felsenrissen, er kommt mit donners ungestüm 80
b. plötzlich traf ein ungeheurer donner mein schlummerndes ohr 137
b. wenn die wolken gethürmt den himmel schwärzen, wenn dumpftosend der donner hallt 510
b. blitz, sturm und donner zischen, heulen um die wette. Kotzebue
Dramat. spiele 1, 327. niemand sah des donners pfad noch den fittig sanfter lüfte Uhland
Ged. 7. so denken wir an das wilde meer und hören die wogen brausen, die donner rollen drüber her 92. ob donner rollen, ob orkane wüthen, die sonne wankt nicht, und die sterne spielen 184. ich höre schon die fernen donner grollen 207. fern verhallen schon die donner und die vögelchöre singen 303. blitz, nun flattre dein wimpel, donner, rühre deine harfe, sturm, nimm mich in die arme wieg in wonne dein kind A. Grün
Ged. 259. doch wie der donner nun verhallt in thälern in die runde Mörike
Ged. 18. und ein entfernter donner schreckt mich auf 44. ja nun, indesz mit hoher feuerhelle der blitz die stirn und wange mir verklärt, ruf ich den lauten segen in die grelle musik des donners, die mein wort bewährt 45.
zusammensetzungen in ortsnamen wie Donnersberg, Donnersreut, Donnersted, Donnerkaute, Donnerbühel, Donnersfeld;
vergl. D. myth. 155. 169.
Rechtsalt. 801. Graff 5, 150. 22.
uneigentlich und bildlich. Eris schüttelt ihre schlangen, alle götter fliehn davon, und des donners wolken hangen schwer herab auf Ilion Schiller 62
a.
was schrecken erregt, dieser name ist ein donner in meinen ohren.
heftige, eindringliche laute rede, der donner seiner worte liesz nicht nach. wollt auch Demosthenes, vom Lethe kehrend, sie retten durch seinen donner Klopstock 7, 27. der beredsamkeit donner 11, 177. hier schleudr ich oft der wahrheit donner und des spottes blitz Gökingk 2, 14. wenn du ebenso leicht den donner wegblasen könntest, der mit zehntausendfachem gewicht auf deine stolze seele fallen wird Schiller 138
b. er liesz (
im gespräch) noch einige donner
[] nachrollen J. Paul
Siebenk. 4, 80. überhaupt nur der donner mündlicher beredsamkeit, der auf einmal über ein halbes volk hinrollt, dieses erschüttert, befruchtet, erschlägt
ders. Sphinxe 157. der donner dieser worte hatte mich meiner sinne beraubt Schiller 136
a. wenn man für jeden donner und blitz, den ihr losbrennt mit eurer zungenspitz, die glocken müszt läuten im land umher, es wär bald kein messner zu finden mehr 325
a. und euer donner schläft? Kotzebue
Dramat. sp. 1, 323.
das krachen des geschützes, le tonnerre de l'artillerie. dein donder mich erschrecken thet J. Ayrer
Comöd. 104
b. dein feurstral und donder
das. schon zwanzig tage spielen die geschütze, der stücke donner währet tag und nacht Soltau 2. 494, 3. krieger die den donner tragen Seume. dragoner rasseln in den feind, und seine donner ruhn
das geschütz verstummt. Schiller 7
b. sie kömmt, sie kömmt, des meeres stolze flotte, das weltmeer wimmert unter ihr, mit kettenklang und einem neuen gotte und tausend donnern naht sie dir 20
a. in groszer zeit erblühest du in ernsten tagen, wundervollen, wo über deiner kindschen ruh des heilgen krieges donner rollen Uhland
Ged. 96. als über das blaue meer ich zog, da flaggten mir alle schiffe, ihr donner zum ehrengrusz mir flog weithin an gestad und an riffe A. Grün
Ged. 261.
überhaupt starkes getös, heftiges krachen. vom wilden donner des hammers schallt ein lautes vermischtes gebrüll in die hohen gebirge. Zachariä. wagen auf wagen rollen heraus mit donnernden rädern über die rasselnden brücken, die unter dem donner erbeben.
ders. der donner stürzender paläste kracht Schiller 32
b. doch wehe, wenn in flammenbächen das glühnde erz sich selbst befreit! blind wüthend, mit des donners krachen zersprengt es das geborstne haus 79
b. 33.
da donner und blitz zusammen gehören, so erhält auch jener die bedeutung des treffenden wetterstrahls. man sagt der donner hat in diesen thurm eingeschlagen,
le tonnerre est tombé sur cette tour. bisz das der tunder kumbt mit für, so wirt verbrennt dann korn und schür. Brant
Narrensch. 82, 28. wer meint gott well in stroffen nit dar umb das er beit lange zit, den schlecht der tunder dick noch hüt 86,
γ. dann mancher sich dar uf verloszt, so im der tunder nit anstoszt sin husz sobald und schlecht in dot 86, 6. hitz, rif, kelt, hagel, tunders für (
feuer) 88, 24. der donner auch gemeinlich fehrt in hohen berg und grosz gebew Waldis
Äsop 70
b. und etwa besser wäre der donder und schauer erschlügs in boden S. Frank
Laster a iij. lieb ist ein solch gefehrlich gifft, wenn sie recht in das herze trifft, das sie brennet durch mark und bein wie der donner durch stahl und stein. Rollenhagen
Froschmeus. F v. die er mit donner all erschlug Eyering 3, 496. es hilft nicht ein jeden das lorberkränzlein für den donner, wie keiser Tiberium Fischart
Garg. 182
b nach Sueton Tib. 69;
es war nemlich volksglaube dasz der lorbeerbaum niemals vom blitz berührt werde, s. Bötticher
Baumkultus der Hellenen 363. feuer vom donner Henisch 727. der donner so in die erden schlägt
ders. blitz und donner schlägt darein (
in das haus)
ders. vom donner geschlagen, niedergeschlagen werden
ders. der donner so da versenget und verbrennet 728. vom donner gerüret und versenget
ders. smaragd hindert den donner
das einschlagen des blitzes ders. holt äste die kein donner rührt
bringt lorbeerzweige die kein blitz trift (
s. donnerfrei) Günther. vom donner getroffen Steinbach 1, 280,
wie frappé du tonnerre. der baum ist vom donner zerschmettert
ders. staunend vernahm die mutter, wie starrer fels, die erzählung: und, wie vom donner gerührt, stand lange sie
attonitaeque diu similis fuit Voss
Ovid nr. 25, 170 (
Metam. 5, 510).
[] als kracht einschlagender donner aus dem gewölk
ders. Luise 3, 681. prahlt, ihr fichten, die ihr, hochveraltet, stürmen stehet und den donner neckt? Schiller 6
a. mehschliche leiber mögen nicht ertragen die gegenwart desz der die donner wirft 16
a. da stand ich wie von tausend donnern getroffen 127
b. ein strahl des donners der geflügelt trift 438
b. aber auch aus entwölkter höhe kann der zündende donner schlagen 510
b. 44.
bildlich in diesem sinne bezeichnet donner
etwas böses, verderbliches, widerwärtiges, nicht zu ertragendes. in des sind mir donner und blitz von etlichen der unsern viel und namhaftigen personen fürgebracht, als soltet ihr die sach verraten haben Luther 5, 146
a. wie jener alte thumpfaff meinete und sprach 'wir pfaffen sind narren wurden, da ich jung war, schliefen wir den bürgern bei iren weibern und töchtern, da wurden uns die weiber hold und musten uns die menner auch hold sein, solten sie den donner haben. aber nu ein iglicher wil sein eigen hure haben, sind uns die weiber feind worden; darum gelten wir bei den mennern auch nichts mehr 5, 299
a. betrübter wittben fluch und armer waisen klagen sind donder, wassergüsz und gar gewisse plagen. Seladon (G. Greflinger)
Weltliche lieder (1651)
anhang s. 29. mag gar nit mehr an das schandmaul denkn: ich kriegt sunst die freusz, gelbsucht und allen dunder auf einander Schwabe
Tintenfasz 67. dan schlöckt der dunner 's rautlaf her. Marx
Gedichte in Nürnberg. mundart 102. dös dunners proahlen 70. a dunners närrscher moh. Weikert
Gedichte in Nürnb. mundart 1, 52. 2, 51.
so auch in Baiern dunderisch, dunderschlächtig
verflucht, verdammt Schmeller 1, 377,
wie man auch sagt verwettert. ein donnerschlächtiger kerl Schmid 133. 55.
es verstärkt auch in zusammensetzungen den begriff, wie in donneraas, donnersding, donnerhagelsaas, donnerskerl, donnerschlagen, donnerhure, donnerhexe, donnerschelm, donnervater:
sogar in guten sinne, so bei Hebel 184 dundersnett
sehr artig. 66.
in ausrufungen und verwünschungen. da solt wol fleisch und blut wünschen das zehen donner eim solchen auf den kopf fielen und neun ellen tief in die erden schlügen Luther 3, 288. vol usz! dasz dich der dunder slack Murner
Luth. narr 4273. hei! nun schlag der dunder darein!
ders. Schelmenzunft 1
b. ich wolt in schlüg der donner nider H. Sachs 3. 3, 41
c. und solt euch beid der donner erschlagen 4. 3, 38
b. das dich der donner erschlag! das dich das wetter angehe! Henisch 727. schlag mich der donner!
Simpliciss. 1, 92. ach die bluthex, schlag sie der donner! 2, 19.
Clarille. ei so wolt ich dasz flugs der donner drein schlüge, wenn sie uns keine (
kleider) will machen lassen.
Schlamp. da denke nur ein mensche, ein kind seiner mutter den donner an hals zu wünschen!
Schlampampe (1750)
s. 6. wenn eine schlange sie umflicht, ein crocodill sie hascht, ein scorpion sie sticht: eh treff ein donner euch! scheusale, wagt es nicht. Gerstenberg
Tändeleien 57. tratarat! dasz das donnerhageltausend wetter! Lenz 1, 92. dasz dich der donner! 156. dasz dich der donner erschlüge in die erd hinein 177. himmel sacrement! dasz der donner drein schlüg! Lud. Phil. Hahn 94. blitz, donner und hagel, seid still! Schiller 113
b. alle donner! ich frag 'war kein marschall da?' 200. donner und Doria! du sollst procurator werden 147
a. donner und wetter! da schauen sie nur hin! 210
a. donner und wetter! da fällt mirs wieder bei Kotzebue
Dramat. sp. 8, 114. donner und wetter! ich will das pöbelvolk zusammenhauen 8, 193. das donner und wetter! ich sitze schon ein säculum da J. Paul
Siebenk. 3, 9. dasz der donner dich und deine burg in den boden schlüge! Rochholz
Schweizersagen 1, 7. beim donner! 2, 201. donnersdonner! donnersschiesz! schiesz dich der schreck!
das. dasz ein donner, tauber, das gehör dir öffnete! Vetorin! Heinr. v. Kleist
schriften 1, 101. 77.
man nannte donner
den man herabsetzen oder schelten wollte. du fiper, nater, du weter, donder und plitz.
Fastnachtsp. 255, 19.
[] so ein armer donner (
kerl) deines gleichen darf sich nicht mit einem braven menschen von condition in vergleichung einlassen Chr. Weise
Unvergnügte seele 12. da geht nun der arme donner (
ein von seiner frau mishandelter mann), und wer weisz wie ihm das mittagsmahl bekommen wird
ders. Erznarren 14. inzwischen sasz der arme donner und spintisierte 335. 88.
noch deutlicher tritt die persönliche geltung hervor, wenn leiblich gestaltete, überirdische wesen darunter begriffen werden. hier ist die keltische gottheit Taran
zu erwähnen und der damit verwandte nordische donnergott Thorr.
natürlich kann es auch auf den bösen geist bezogen werden, in Norwegen bezeichnet man durch dunder
den teufel und in Schlesien (Weinhold 15
b)
sagt man die gänse gehen zum donner
zum teufel. Donner
als eigenname kommt noch heute vor, auch gab es ein edles geschlecht Donner von Lorheim
Deutsche myth. 170. 99.
sprichwörter. donner bringt groszen blitz, scham macht grosze donner Petri
Sprichw. R v. donner ist gottes stimme Henisch 728. auf heisz und schwül wetter folgt gern der donner
ders. 729. der blitz gehet für dem donner her
ders. der donner schlägt nicht in heimliche gemach
ders. der donner schlegt gemeingklich die höchsten berge
ders. spater donner, früer hunger, früer donner, spater hunger, das ist, wann es spat in den herbst hinein donnert, so folget tewrung, wann es aber bald im anfang des jars donnert, so folget wolfeile zeit
ders. vom donner (
drohen) fällt kein baum Lehmann 153. man musz einen donner mit dem andern vertreiben, donner mit donner schrecken 154. starke donner, kleine wetter
parturiunt montes, nascetur ridiculus mus Jac. Meier
Hortulus adagior. 41. auf donner folgt gern regen Simrock 1654. donner im winterquartal bringt eiszapfen ohne zahl 1657.