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Brille

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
21 in 18 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
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37

Eintrag · Adelung (1793–1801)

Brille

Bd. 1, Sp. 1195
Die Brille, plur. die -n. 1) Eigentlich, ein Erleichterungsmittel des Sehens, welches aus zwey vermittelst eines Bügels vereinigten geschliffenen Gläsern bestehet, und auf die Nase gesetzet wird. Die Brille aufsetzen. Durch die Brille sehen, lesen, schreiben. Die Brille gebrauchen. Die Brille ablegen, den Gebrauch der Brille. 2. Figürlich. 1) Von der vergrößernden Eigenschaft der Brille. Jemanden Brillen verkaufen, ihm eine Brille aufsetzen, in der niedrigen Sprechart, ihn hintergehen. Das sind Brillen, das ist ein Betrug, eine Verblendung. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit in der äußern Gestalt. Die Brille eines heimlichen Gemaches, die runde Öffnung in dessen Sitze, und das ganze Bret, welches diese Öffnung enthält. In der Landwirthschaft wird das Leder mit Stacheln, welches man jungen Lämmern, die man von dem Saugen entwöhnen will, auf der Nase befestiget, eine Brille genannt, und im Festungsbaue ist die Brille ein Außenwerk von zwey Faßen, welches zu beyden Seiten des Ravelins angeleget wird. Anm. Im Oberdeutschen und Niedersächsischen ist dieses Wort auch männlichen Geschlechtes, der Brill, welches der Abstammung gemäßer ist, als das Hochdeutsche weibliche Geschlecht. Im Dänischen lautet es Brille, im Schwed. Briller, als ein Plurale, im mittlern Lateine Berillus, im Böhmischen Breyle. Die gewöhnlichste Meinung ist, daß dieses Wort von Beryll, Beryllus, abstammet. Allein Beryll bedeutet alsdann nicht so wohl den in engerer Bedeutung so genannten meergrünen Edelstein, sondern einen jeden Krystall oder krystallähnliches Glas. Daher heißt es in dem Onomastico Paracelsi: Berillus speculum cristallinum consecratum; ingleichen: Berillistica est ars ipsa visiones[] in berillis et cristallis videndi. Brill, Brille, im alten Franz. Bericle, bedeutet also eigentlich den Krystall, in welchem man allerley unbekannte Dinge zu sehen glaubte, und der noch unter dem großen Haufen bekannt ist. Herrn Ihre's Ableitung von dem Ital. Briglia, ein Zaum, weil die Brille gleichsam ein Nasenzaum sey, ist dieß Mahl mehr witzig als gründlich. Ein Florentinischer Edelmann, Namens Salvini, der 1317 gestorben ist, soll der Erfinder der Brillen seyn, wenigstens wird ihm diese Erfindung in seiner Grabschrift beygelegt. Wenn es in einem Briefe eines Abtes Johann von dem Ende des 12ten Jahrhundertes bey dem du Fresne heißt: Statim ut litterarum vestrarum bajulum vidi, bustulam arripiens, non solum avide legi et relegi u. s. f. so erklären du Fresne und andere Bustula hier gleichfalls durch eine Brille. Allein es ist hier vielmehr das Diminutivum von Busta, ein Kasten, Büchse, und bedeutet weiter nichts, als das Behältniß, worin sich der Brief befand, welches Diminutivum auch Buxula, Buxtula, Bustilla, Bussola, Buxola u. s. f. lautet. Ehedem nannte man eine Brille auch einen Augenspiegel.
2803 Zeichen · 36 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    brillesw. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    brille , sw. M. Vw.: s. berille

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    brille

    Mittelniederdeutsches Wb. · +1 Parallelbeleg

    brille , Brille. Das Sehen durch die Brille gilt als Täuschung: de dü̑vel wê(i)t der werlde brillen tõ vorkö̑pen unde up…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Brille

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Brille , plur. die -n. 1) Eigentlich, ein Erleichterungsmittel des Sehens, welches aus zwey vermittelst eines Bügels…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Brille

    Goethe-Wörterbuch

    Brille pl auch in der Bed des Sg a bes häufig (überwiegend nach 1820) in negativer Beurteilung sowie in Bekundungen unüb…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Brille

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Brille (von Beryll, welches im Mittelalter nicht bloß den Halbedelstein Beryll, sondern überhaupt durchsichtige Steine b…

  6. modern
    Dialekt
    Brille

    Bayerisches Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    Brille Band 3, Spalte 3,366

  7. Sprichwörter
    Brille

    Wander (Sprichwörter)

    Brille 1. Brillen sind nit ohne Grillen. – Eiselein, 96. 2. Brillen und graue Haare machen, dass man die Liebeshändel ve…

  8. Spezial
    Brille

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Bril|le f. (-,-n) odlá m.pl. ▬ eine Brille tragen avëi i odlá; die Brille aufsetzen se vistí i odlá; die Brille abnehmen…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit brille

118 Bildungen · 98 Erstglied · 20 Zweitglied · 0 Ableitungen

brille‑ als Erstglied (30 von 98)

Brille(n) I

Idiotikon

Brille(n) I Band 5, Spalte 584 Brille(n) I 5,584

Brille(n) II

Idiotikon

Brille(n) II Band 5, Spalte 585 Brille(n) II 5,585

Brille(n) III

Idiotikon

Brille(n) III Band 5, Spalte 586 Brille(n) III 5,586

Brille(n)g(e)sicht

Idiotikon

Brille(n)g(e)sicht Band 7, Spalte 262 Brille(n)g(e)sicht 7,262

Brille(n)g(e)stell

Idiotikon

Brille(n)g(e)stell Band 11, Spalte 73 Brille(n)g(e)stell 11,73

Brille(n)toni

Idiotikon

Brille(n)toni Band 13, Spalte 264 Brille(n)toni 13,264

Brille(n)täschli

Idiotikon

Brille(n)täschli Band 13, Spalte 1879 Brille(n)täschli 13,1879

Brilleneule

SHW

Brillen-eule Band 1, Spalte 1115-1116

Brillenglas

SHW

Brillen-glas Band 1, Spalte 1115-1116

brillenauge

DWB2

brillen·auge

brillenauge n .: ⟨1861⟩ Storm 2,128 K. 1974 frankf. allg. ztg. (30.4.)27 d .

Brillenbässe

Meyers

Brillenbässe , Spottname tremolierender Baßfiguren wie: 150@@break

Brillenducaten

Herder

brillen·ducaten

Brillenducaten , dän. Goldmünze = 1 / 4 — 1 / 2 Ducaten von Christian IV. geprägt mit einer Brille auf dem Avers zum Hohne für die, welche N…

brille als Zweitglied (20 von 20)

Amtsbrille

Wander

amts·brille

Amtsbrille Sich die Amtsbrille aufsetzen. Einen ernsten Ton anstimmen, den Ernst und die Würde des Beamten annehmen oder hervortreten lassen…

Feldbrille

Wander

feld·brille

Feldbrille He sett die Feldbrill up. ( Mecklenburg. ) – Latendorf, 226. Wenn man im Freien, um schärfer zu sehen, mit der flachen Hand die A…

Liebesbrille

Wander

liebes·brille

Liebesbrille Die Liebesbrille macht aus blauen Flecken blaue Augen. Die Russen: Wer durch der Liebe Brille sieht, dem erscheint seiner Braut…

Pêlakenbrille

Wander

Pêlakenbrille De Pêlakenbrille upsetten. – Stürenburg, 174. Scherzhaft für: sich oder andern das Verständniss eröffnen. Pêlaken = grobes Tuc…

staarbrille

DWB

staar·brille

staarbrille , f. brille für solche, denen der staar gestochen ist. Jablonski lex. (1721) 110 a . Adelung, brille, die die wirkung der bei de…

Stadtbrille

Wander

stadt·brille

Stadtbrille 1. I muss dir nur d' Stadtbrill' ufsetza. ( Ehingen a.D. ) – Birlinger, 706. Um zu sagen: damit du siehst. 2. Lass dir die Stadt…

wagenbrille

DWB

wagen·brille

wagenbrille , f. metallner beschlag der deichselstangenspitze. in Steiermark Unger-Khull 614 a .

ōgenbrille

KöblerMnd

ōgenbrille , M. Vw.: s. ōgenbril*