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Atlas

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Atlas

Bd. 2, Sp. 48
Atlas (s. Karte »Algerien« etc.), 2300 km langes, von der Küste von Tunis bis zur atlantischen Küste Marokkos reichendes Gebirgssystem, von dem auf den tunesischen A. 300, auf das algerische Steppenplateau der Schotts 1150 und auf denn marokkanischen A. 850 km entfallen. Von der tunesischen Küste erstreckt sich der A. in zwei Ketten nach SW. Die eine beginnt am Kap Bon, die andre am Kap Blanc. Beide ziehen, zahlreiche Lokalnamen führend, in Form stark verästelter Züge zur algerischen Grenze, entfernen sich mehr und mehr voneinander und erreichen im Mittel 600 m im N., 800 m im S., erheben sich aber in ihren höchsten Gipfeln noch nicht bis 1600 m. Westlich von Tebessa scheidet sich das Gebirge in drei Teile, den Kleinen A. oder Tellatlas im N., das Hochland der Schotts, ein Steppenplateau, und die südliche Kette des Großen oder Saharischen A. Letzterer erreicht im Dschebel Aurês bedeutende Höhen (Scheliah 2310, Mahmel 2306 m), erhebt sich 1200–1300 m über das Schottplateau, ist im Winter mit Schnee bedeckt und schickt in den Hodnabergen einen nordwestlichen Ausläufer zur nördlichen Randkette bei Aumale. Die Südkette setzt sich westwärts in unregelmäßigen, parallelen Bergzügen (Ulad Nayl, Dschebel Amour, Montagnes des Ksours) fort, die auf der Südseite meist kahl, auf der Nordseite mit Vegetation bestanden und von zahlreichen Schluchten durchfurcht sind, durch die bereits Eisenbahnen von Bone, Philippeville und Oran nach der Sahara führen. Die größte Höhe erreicht hier der Dschebel Touila (1940 m), an dessen Nordabfall Géryville in 1380 m, an dessen bereits Wüstencharakter zeigenden Südabfall Laqhouat in 790 m liegt. In Marokko steigt die Südkette im Dschebel Seffah zu 2140 m, nimmt aber dann Schnell an Höhe ab und wird schließlich vom tiefen Tal des Wadi Gir (Gehr) durchbrochen. Die Mittelzone der Schotts (s. Schott) ist eine 800–1100 m hohe Hochebene, eben im W., in der Mitte hügelig, im O. bergig und in eine Reihe von abgeschlossenen, zwischen niedrigen Höhenzügen liegenden Becken zerfallend, in deren tiefsten Teilen im Winter das Wasser sich zu kleinen, im Sommer meist austrocknenden Salzseen sammelt. Die fließenden Gewässer der Hochebenen enden in diesen Schotts; nur der große Scheliff mündet ins Meer. Diese Hochebene ist ein Gebiet der Viehzucht, reich an den Weidekräutern und Halfa. Nur in den Ksur genannten Dörfern der Oasen unterstützt ein spärliches Wassernetz den Bodenbau seßhafter Stämme. Die Hochebene der Schotts ist im O. nur 80, im W. 170 km breit. Je mehr sie sich verbreitert, desto stärker werden der nördliche Zug des A. und die fruchtbare Küstenlandschaft, das Tell (s. d.), eingeengt. Das nördliche Randgebirge des Atlassystems, der Kleine A. oder Tellatlas, zerfällt in eine Reihe kleiner Gebirgsgruppen, unter denen die der Landschaft Kabylien im Dschebel Lalla 2308 m und das Setifgebirge im Dschebel Babor 2006 m erreichen. Nach W. erniedrigt sich die Nordkette und geht schließlich in die wilde und zerrissene Gebirgslandschaft Er Rif über, die das nördliche Marokko einnimmt und sich bis Tetuan erstreckt. In Er Rif wechselt das Streichen der Atlasketten, indem die einzelnen Falten nicht mehr von ONO. nach WSW., sondern von O. nach W. und dann nach NW. und N. verlaufen, so daß das Gebirge an der Straße von Gibraltar seine Fortsetzung in der Sierra Nevada Spaniens findet. Eine Anzahl von Flüssen (Scheliff, Seybuse, Medscherda) durchbricht die nördlichen Ketten auf dem zum Mittelmeer gerichteten Lauf. Wo an den Quellen des Wadi Gir die südliche algerische Randkette sich gegen NW. wendet, beginnt der Hohe oder Marokkanische A. (Idrâr-n-Dêrên, im Altertum Dyrin, kabylisch Dschebel Idrassen oder Drann), der in mehreren nebeneinander laufenden Zügen nach WSW. gegen das Meer zum Kap Gir zieht. Die Kammhöhe beträgt an der Küste 1500, weiter im Innern 1000, im O. bis über 2000 m. Die höchste Erhebung ist der Dschebel Ajaschi (4500 m) an den Quellen der Muluja, nach Thomson der Tamjurt (4700 m). Südwestlich der Stadt Marokko erreicht der Feliliß 3600 m. Während der Anstieg von N. allmählich erfolgt, fällt der A. nach S. steil ab. Von den Pässen sind die begangensten der Paß Tisi-n-Telremt (2182 m) von der Muluja zur Oase Tafilelt, Tisi-n-Teluet (2480 m), Tagherot (3500 m), Tisi Nimiri (3036 m). Im S. ist der nach Thomson 3000–3400 m hohe Anti-Atlas vorgelagert, der vom Wadi Draa durchbrochen wird. Der Südabfall des Marokkanischen A. trägt durchaus Wüstencharakter. In Marokko hat das Atlasgebirge noch ausgedehnte Waldungen von Zedern, verschiedenen Eichenarten, deren Bestände in Algerien meist schon verwüstet sind. Morphologisch und genetisch trägt das Atlasland keinen afrikanischen, sondern europäischen Charakter. Da es einer intensivern Faltung in der Tertiärzeit unterworfen gewesen ist, so schließt es sich als ein aus mehreren parallel laufenden Zonen bestehendes Faltungsgebirge an den Apennin und die Gebirge Spaniens eng an. Sueß unterscheidet vier Zonen: Die nördlichste am Mittelmeer ist die vulkanische, wird meist aus Inseln und Teilen des Kleinen Atlas gebildet und zieht von der Insel Galita nördlich von der tunesischen Küste nach W., bildet einen Teil der Landschaft Kabylien südlich von Dellys, kann westlich von Oran bis zu den Chaferinasinseln verfolgt werden und wird aus Basalt, Trachyt und Phonolith sowie von wenigen Resten von Tertiärablagerungen zusammengesetzt. Darauf folgt eine zweite Zone aus alten Schiefern, Gneis und Granit, ein archäisches und altpaläozoisches Gebirge, das nahe der Küste bis zur Straße von Gibraltar verläuft. Eine dritte Zone besteht aus roten Sandsteinen und Konglomeraten der jungpaläozoischen Zeit, Karbon und Perm. Endlich folgt als vierte Zone das stark gefaltete Kreidekalkgebirge bis zur Sahara. Zwischen den durch das Kalkgebirge gebildeten Ketten liegen tertiäre Ablagerungen; im S. von Oran wird die Kreideformation durch den Jura abgelöst. Erzlagerstätten (Kupfer, Eisen, silberhaltiges Blei) sind vielerorts vorhanden, aber noch wenig aufgeschlossen, auch Steinsalz, Kalk, Marmor werden gefunden. Gletscher fehlen heute im A.; doch tragen die höchsten Gipfel den größten Teil des Jahres eine Schneekappe. Der A. ist arm an Pflanzen. An den gegen die trocknen Nordwestwinde geschützten Abhängen beginnt der Wald in 1200–1400 m Höhe. Er enthält sommergrüne Laubbäume des nordischen Florengebietes, Nadelhölzer wärmerer Klimate, vor allem Zeder (Pinus Cedrus var. atlantica), Pinsapo-Tanne und Eschen-, Erlen- und Eichenarten. Die Baumgrenze zwischen 2400 und 2700 m bezeichnet ein Kranz verkümmerter Eichen (Quercus Ilex) und der anmutige Zwergstrauch Prunus prostrata. Sträucher von Ribes, Rosa, Berberis und Juniperus (J. thurifera) bilden weiter hinauf die untere alpine Formation, die dann in Wiesenmatten, geschmückt mit wohlriechenden Labiaten (Lavandula, Mentha, Thymus, Calamintha, Hyssopus), zuletzt in die Bestände des Felsgerölles übergeht, dessen Pflanzen z. T. den Charakter der Alpenflora zeigen. Die Bewohner des A. sind Berber, die in den schwer zugänglichen Teilen noch in völliger Unabhängigkeit leben. – Der Name A., heute nirgends in Afrika in Gebrauch, stammt aus dem Altertum. Vgl. Schnell, Das marokkanische Atlasgebirge (Ergänzungsheft 103 zu »Petermanns Mitteilungen«, 1902); Rohlfs. Reise durch Marokko (4. Ausg., Norden 1884); Hooker und Ball, Journal of a tour in Morocco and the Great A. (Lond. 1879); Lenz, Timbuktu (2. Aufl., Leipz. 1892, 2 Bde.); I. Thomson, Travels in the A. and Southern Morocco (Lond. 1889); Graham, Mogreb el Acksa, journey in Morocco (das. 1898).
7570 Zeichen · 103 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    atlasst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    atlas , st. M. nhd. Atlas (M.) (2), ein Seidenstoff Hw.: vgl. mnl. atlas Q.: Chr, NP, SAlex (1352) I.: Lw. frz. atlas E.…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    atlasN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    atlas , N. nhd. Atlas (ON) I.: Lw. lat. Atlās E.: s. lat. Atlās, M., Atlasgebirge; gr. Ἄτλας (Άtlas), M.=PN, Atlas (Gebi…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    atlasm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    atlas , m. , gen. des atlasses, pl. die atlasse, ein glattes, rauschendes seidenzeug, pannus subsericus. atlas arabice g…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Atlas

    Goethe-Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    1 Atlas mythol eine Medaille .. den A. [ Atlante ] mit der Himmelskugel auf dem Rücken 43,119,12 Cell I 8 die Elemente d…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    ATLAS

    Hederich (Mythologie, 1770) · +9 Parallelbelege

    ATLAS , antis, Gr . Ἄτλας, αντος, ( Tab. I . & VIII .) 1 §. Namen . Diesen hat er nach einigen von τλῆναι tragen , und z…

  6. modern
    Dialekt
    Atlas

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Atlas Band 1, Spalte 1,663

  7. Sprichwörter
    Atlas

    Wander (Sprichwörter)

    Atlas Der Atlas trägt den Himmel. Von denen, die sich in grosse und lästige Geschäfte einlassen und sich dadurch selbst …

  8. Spezial
    Atlas, anthroponomastischerm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +8 Parallelbelege

    Atlas , m , anthroponomastischer атлас , м , антропонимический → FiloSlov Personennamenatlas, m

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit atlas

52 Bildungen · 50 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

atlas‑ als Erstglied (30 von 50)

atlasch

KöblerMnd

atlasch , N. Vw.: s. atlas

atlasches

KöblerMnd

atlasches , Adj. Vw.: s. atlasisches*?

Atlasglas

Meyers

atlas·glas

Atlasglas , farbiges Glas, das durch Ausblasen in einer Metallform mit flachen Vertiefungen versehen und dann mit farblosem Glas überfangen …

Atlashaube

PfWB

atlas·haube

Atlas-haube f. : Atlashaub [Kus u. Umg.]; auch Taffethaube genannt. —

Atlasholz

Meyers

atlas·holz

Atlasholz ( Satin -, Seiden -, Feroleholz ), atlasartig glänzendes Holz, gelb, braun, purpurrot und geädert, wird zu seinen Tischlerarbeiten…

Atlas II

WWB

Atlas II Zeug ( Osn Klön, Rek Bo ), glatter Seidenstoff Ben Hi m. n. — Zus. Wul~.

atlasîn

LexerN

atlasîn adj. von atlas Np. 96. ain swarze atlaseine joppen Mh. 1,161. ein atlassen rock Inv. 1504.

atlasischen

KöblerMnd

atlasischen , Adj. nhd. Atlas...? Hw.: s. atlasisches E.: s. atlasisch L.: MndHwb 1, 128 (atlaschen)

atlasisches

KöblerMnd

atlasisches , Adj. nhd. Atlas...? Hw.: s. atlasischen E.: s. atlasisch L.: MndHwb 1, 128 (atlasches)

Atlaspapier

Meyers

atlas·papier

Atlaspapier ( Satinépapier ), seidenglänzendes Buntpapier, dessen Glanz durch Einreiben mit feinstem Talkpulver erzeugt ist.

Atlas powder

Meyers

Atlas powder (engl., spr. pauder, »Atlaspulver«), amerikan. Dynamit aus Nitroglyzerin, Natronsalpeter, Holzfaser und kohlensaurer Magnesia.

Atlaß-Band

Adelung

atlass·band

Das Atlaß-Band , des -es, plur. die -Bänder, ein Band, welches nach Art des Atlasses gewirket ist.

Atlaß-Bếếre

Adelung

atlass·beere

Die Atlaß-Bếếre , plur. die -n, die Frucht des Sperberbaumes oder Elsebeerbaumes, welche an einigen Orten diesen Nahmen führet, der vermuthl…

Atlaßboden

Campe

atlass·boden

Der Atlaßboden , des — s, d. Mz. ungew. bei den Zwillichwebern das, was andre Weber Atlaßgrund nennen, der atlaßmäßig geköperte Grund eines …

atlasseckel

DWB

atlass·eckel

atlasseckel , m. an iden fanen dazu henken ein atlasseckel und darinnen fünf denkpfenning, solchs lang zu sinnen. Fischart gl. sch. 970 .

atlassen

DWB

atlas·sen

atlassen , sericeus: ein atlassen band, kleid. bei Henisch atlasin.

Atlaß-Erz

Adelung

atlass·erz

Das Atlaß-Erz , des -es, plur. die -e, in den Bergwerken, ein krystallinisch angeschossenes grünes Kupfererz.

Atlaßglanz

Campe

atlass·glanz

Der Atlaßglanz , des — es, o. Mz. der dem Atlaß eigenthümliche Glanz; dann, ein diesem ähnlicher Glanz. Dieser Zeug hat einen schönen Atlaßg…

Atlaßholz

Campe

atlass·holz

Das Atlaßholz , des — es, d. Mz. ungew. ein schönes feines blaßgelbes und wie Atlaß glänzendes Holz, das aus Amerika zu uns gebracht wird.

atlas als Zweitglied (2 von 2)

Seidenatlas

DRW

seiden·atlas

Seidenatlas, m. schweres, glänziges Seidentuch; in Luxusverboten sammet und seiden-atlaß soll ihnen [weibern und toͤchtern] zu tragen gar ve…

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Cotta, M. (2026). „atlas". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/atlas/meyers
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Cotta, Marcel. „atlas". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/atlas/meyers. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „atlas". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/atlas/meyers.
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