anstechen ,
incitare, stimulare, infigere, carpere, nnl. aansteken,
s. das einfache stechen
figere, pungere. 11) das pferd mit dem sporn, den ochsen mit dem stachel anstechen,
antreiben: da sasz er auf ein ungesattelts, ein gesattelts, mit sporen, ohn sporen, auf ein licht ros, ein harttraber, ein hochheber, ein hochstampfer, ein sanftzeltner, ein jungfrawdiener, ein rennros, da stach ers an, da must es traben.
Garg. 176
a; stach damit sein pferd an, wischt hinüber, wie ein tartarpferd übers muor. 233
b; stach er das pferd noch
an. 251
b; wie wann im wettelaufen sich einer ganz bemüht vor dem gemeinen haufen zu treffen auf den zweck, sticht seinen klepper an, der siegeshofnung voll. Opitz 3, 194; er säumte nicht, den rappen anzustechen, und zack zack! war er zum thor hinaus. Musaeus.
bei dem häufigen gebrauch dieses worts heiszt nun aber angestochen kommen
so viel als angeritten kommen und überhaupt in verächtlichem sinn herankommen, sich nähern, mit etwas auftreten, beispiele schon oben unter angestochen,
hier noch andere: wann eines von uns angestochen käme und sagte, ich bin der geiz.
Simpl. 1, 565; du bettelhund, wer warest du, als du in deinem lausichten mäntelchen angestochen kamest? Weise
erzn. 11; kommt einer mit etwas angestochen, als etwa vom wetter ... so ward ihm schlechtweg widersprochen. Wieland 21, 12; verzeihen sie, dasz ich schon wieder mit einem wisch angestochen komme. Wieland
bei Merck 2, 86; das blättchen schosz mir gleich, da sie angestochen kam. C.
F. Weisze; damit darfst du mir nicht angestochen kommen; da kommen schon wieder ein paar angestochen. Fr. Müller 3, 244. 22) das fasz, den wein anstechen,
dolium aperire: so wil ich in den keller gan und anstechen den besten wein, darbei da wöll wir frölich sein. H. Sachs II. 4, 1
a; schmeckt dir der wein nicht, so stich ein ander fasz
an. Wickram
rollw. 55
b; und stachen das best vasz weins an, aszen und trunken mit einander.
sch. und ernst cap. 153; wirt hast nit ein volles vasz? dasselb anstechen lasz, wir wollen zechen bei der glut, darzu sind kitten und kästen gut.
Garg. 97
a.
Vielleicht ist hiernach auch ein abstractes anstechen
auszulegen, das milder scheint, als das hernachfolgende anstechen: ich wils nur itzt kürzlich anstechen (
attingere) und zeigen, was von der ganzen Heinzen schrift in den andern sacramenten zu halten sei. Luther 2, 159
b; ich wil dismal dise sachen allein angestochen und entworfen haben, damit ichs nicht vergesse. 6, 544
b; meinen gnädigen herrn dorft ich nicht anstechen. Luthers
br. 4, 523. 33) anstechen,
reizen, pungere, lacessere, in verschiednem sinn, meist ungünstig und feindlich: das hat David wol verstanden und alhie der eins angestochen. Luther 1, 473
a; nach dem der jude, so mich bewegt hat, nehest mal von den jüden zu schreiben, auch dis stück anstach (
urgierte), es konte nicht beweiset werden. 8, 119
b; es sind auch wol etliche, die da meinen, das es wider die Phariseer von Christo ironice oder spöttisch geredt sei, das also Christus etwas herbe und hönisch ansteche ire phariseische heuchelei. J. Jonas
bei Luther 6, 408
b; er hat uns durch seine stichlichte rede angestochen. Witzenb. 3, 202; Lindus ward in einem glach oft mit worten angestochen, gleichwol aber hat er sich noch mit wort noch that gerochen. Logau 1, 10, 9; ei ich wils ihm ein noch reiben, dieses ding musz sein gerochen! einer hat mich, spricht Peninna, spöttisch unlängst angestochen. 2, 1, 41; Quadruncus sticht gemein gelehrte männer an, aus diesem hör ich wol, dasz er gewis nichts kan. 2, 5, 1; den kein wehklagen, kein schel gesicht noch neid ansticht. Gryphius 2, 152; wenn uns der strom der angst bis in den abgrund reiszet, wenn uns der feind ansticht. 2, 157; dasz auch die alten heiden (womit er den geschichtschreiber Strabo höflich ansticht) sogar davon gefabulieret.
Simplic. 1, 10; als mich aber auch diejenigen, die sich um das frauenzimmer umthun konten, meiner holzböckischen art und ungeschicklichkeit halber anstachen. 1, 292; die schädlichkeit des weiblichen geschlechts anstechen. Lohenst.
Arm. 2, 735; dasz der komödienschreiber Phrynichus ihn in einem seiner stücke angestochen (
auf ihn gestichelt) habe. Lessing 6, 303; Aristophanes hat mit dieser komischen benennung die flötenspieler anstechen wollen. 8, 72; geschwind, herr pfarrer, dann! sticht sie das mädchen an? Göthe 13, 15,
sticht es ihnen in die augen?; ich bemerkte, dasz sie mit weniger offenheit als sonst, mit einiger verlegenheit mit mir redete. das fiel mir auf. ist sie auch wie alle das volk? dachte ich, und war angestochen (
piquiert) und wollte gehen. 16, 104; dieses war eine von den übeln eigenheiten des so treflich begabten mannes (Basedows), dasz er gern zu necken und die unbefangensten tückisch anzustechen beliebte. 26, 278; ich kann seine blicke, seine augen nicht vergessen! es hat dich angestochen, mich auch. Klingers
th. 3, 164; angestochen sein,
einen leichten rausch haben; schon oft hat mich herr Gawein angestochen. Tieck 5, 587; ich wäre gar toll geworden und stäche boshaft das widernatürliche verhältnis ihres amtmanns und seines actuarius
an. J. Paul
teufelsp. 1, 137. 44)
noch anderes sinnliches anstechen: einen bissen, das fleisch an die gabel anstechen; die butter, eine tonne butter (
wie vorhin das weinfasz) anstechen; eine tonne heringe, einen haufen heu anstechen; ein halstuch anstechen,
bestechen, säumen; der apfel ist vom wurm angestochen; die rose welkt, sie ist angestochen.
mhd. sagte man auch den ring, daʒ vingerlîn an stëchen,
statt des heutigen stecken: ein vingerlîn kleine mit einem guoten steine zôchs ab der hant, daʒʒ nieman sach, hern Mauritien sie eʒ stach an sîner vinger einen.
Maur. 605.