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Anfall

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Anfall

Bd. 1, Sp. 286
Der Anfall, des -es, plur. die -fälle, von dem Verbo anfallen, so wohl die Handlung des Anfallens, als auch die anfallende Sache, und der Ort, an welchen der Anfall geschiehet. 1. Die Handlung des Anfallens. 1) In der eigentlichen Bedeutung des Neutrius. Der Anfall des Baumes an die Wand, der Mauer an das Haus; wofür man aber lieber den Infinitivum das Anfallen gebraucht. 2) In der figürlichen Bedeutung des Neutrius. (a) Die schnelle Annäherung, besonders bey den Vogelstellern, von den Vögeln. Auf diesem Bogen ist ein guter Anfall, die Vögel kommen gern dahin. (b) Die unvermuthete Erlangung einer Sache, besonders durch den Todesfall eines andern. Der Anfall eines Gutes. Die Clausel auf allen ledigen Anfall, welche so wohl in Ehestiftungen als auch in Lehensbriefen üblich ist, bedeutet daher in jenen eine jede Erlangung einer Erbschaft, in diesen aber den Fall der Erledigung des Lehens. 3) In der Bedeutung des Activi, der schnelle feindliche Angriff. Der Anfall des Feindes, der feindliche Anfall. Einen Anfall auf den Feind thun. Den Feind bey den ersten Anfällen in die Flucht treiben. Große Leute weichen oft bey den leichtesten Anfällen. Ingleichen in weiterer Bedeutung, der heftige Angriff oder Ausbruch einer Krankheit, einer Leidenschaft. Der Anfall von dem Steine. Einen Anfall von dem Podagra haben. Das allerliebste Geschlecht hat doch immer seine eigensinnigen Anfälle, Weiße. Ich kenne schon dergleichen Anfälle von Tugend; sie gehen vorbey, wie ein Fieberschauer, ebend. Bereiten sie ihr Herz, den fürchterlichsten Anfällen des Schreckens und der Betrübniß Widerstand zu thun, von Brawe. Ingleichen ungestümes Bitten. Warum soll ich den unverschämten Anfällen eines jeden ausgesetzt seyn? Im weitesten Verstande oft eine jede schnelle und lebhafte Wirkung auf etwas. Den Verstand gegen so viele Anfälle der Sinne in seiner Überzeugung erhalten. 2. Dasjenige, was anfällt, doch nur in der figürlichen Bedeutung des Neutrius, ein Gut, welches man durch einen Zufall, und besonders durch einen Todesfall erlanget, anzudeuten; dergleichen Güter in dem Lateine der mittlern Zeiten Caduca und Escaetae genannt wurden. Sich aller künftigen Anfälle verzeihen. Es ist verglichen worden, daß die künftigen Anfälle als gemeinschaftliche Güter angesehen werden sollen. Ingleichen die Anwartschaft auf ein künftiges Gut, besonders auf ein Gnadenlehn, und das Recht, welches daraus entspringet; das Anfallsrecht, ingleichen, das Angefäll. Den Anfall auf etwas[] haben. Keinen Theil noch Anfall am Worte haben, Apostelg. 8, 21. In den Schwäbischen und Sächsischen Lehnrechten wird auch die Vormundschaft, die der Lehnsherr über einen unmündigen Vasallen führet, die Anefelle, das Anfall, und die Angefelle genannt, welchen Nahmen auch die Einkünfte des Lehngutes führen, die der Lehnsherr während dieser Zeit genießet. S. Schilters Gloss. v. Anevellunge. 3. Der Ort, und die Sache, woran etwas fällt. So werden 1) in den Bergwerken diejenigen Breter oder Hölzer in den Schächten und Strecken, welche das Hangende vor dem Einfalle bewahren, der Anfall, oder im Plural die Anfälle genannt. Da indessen dieses Wort von den Bergleuten auch Anpfahl gesprochen und geschrieben wird, so stehet dahin, ob es nicht mit mehrerm Rechte zu dem Worte Pfahl gehöret. 2) Auf den Vogelherden heißen diejenigen dürren Waldbäume, welche kein Laub mehr haben, und an der einen Seite des Herdes, wo die großen Vorläufer angemacht sind, befestiget werden, Anfälle, weil die Vögel gern auf diese Bäume zu fallen pflegen. Anm. Anfall, für ein angefallenes Gut und Anwartschaft, ist schon alt. In einer Urkunde von 1300 in der Thuring. Sacra, Th. 1. S. 571. heißt es: Omne jus successorum, quod vulgariter dicitur, anevall. Mehrere Beyspiele hat Haltaus, v. Anfall und Angefälle. Ob nun gleich dieses Wort schon in dem Schwäbischen Lehnrechte vorkommt, so muß es doch in der ersten Hälfte des 16ten Jahrhundertes in Oberdeutschland schon ziemlich unbekannt gewesen seyn, weil es in der 1523 zu Basel veranstalteten Ausgabe von Luthers neuem Testamente mit unter die unbekannten Wörter gesetzet, und durch anteil, loß, zufall erkläret wird.
4127 Zeichen · 55 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Anfall

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Anfall , des -es, plur. die -fälle, von dem Verbo anfallen, so wohl die Handlung des Anfallens, als auch die anfalle…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Anfall

    Goethe-Wörterbuch

    Anfall 1 a Angriff: tätlich er habe .. einen feindlichen A. abgewendet 33,78,26 Camp [ Auszug der Franzosen aus der Fest…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Anfall

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Anfall , s. Erbrecht .

  4. modern
    Dialekt
    Anfall

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Anfall [fàl Bf. Ndhsn. ; Ânfàl Str. ; Ônfàl K. Z. ] m. Anfall bei Krankheiten, bes. Hustenanfall, Krampfanfall. Er het …

  5. Sprichwörter
    Anfall

    Wander (Sprichwörter)

    Anfall 1. Anfall fällt vor sich. – Graf, 193, 56. Der Erbgang ist niederwärts. (S. Erbgut 3, Erbe 11 u. 27, Erben 4, Nie…

  6. Spezial
    Anfall

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    An|fall m. (-[e]s, Anfälle) 1 ‹fig› ona (ones) f. , colp (-s) m. 2 ‹med› (Krankheit) atach (-ac) f. 3 ‹econ› (Ertrag, Ge…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit anfall

16 Bildungen · 13 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

anfall‑ als Erstglied (13 von 13)

ANFALLARTIG

DWB2

anfall·artig

ANFALLARTIG , zuerst auch anfallsartig adj. in der art eines anfalls, plötzlich auftretend (zu anfall 3 ): 1936 daß diese anfallsartigen sym…

anfallen

DWB

anfal·len

anfallen , nnl. aanvallen, wiederum 1 1) incidere, aggredi, irruere, ingruere: der hund fällt alle leute an; der feind hat das land angefall…

anfallen

FWB

1. ›einfallen, hereinbrechen (von Naturerscheinungen wie Nebel o. ä., von Tageszeiten); eintreten, sich ereignen (von geschichtlichen Gegebe…

Anfaller

DRW

anfal·ler

Anfaller Angreifer, Belästiger welche ... sulche anfaller enthilten 1407 CDMorav. XIII 532 Faksimile

Anfallet

DRW

anfal·let

Anfallet Erbanfall SchwäbWB. VI Nachtr. 1511 Faksimile

ANFALLFREI

DWB2

anfall·frei

ANFALLFREI , anfallsfrei adj. zu anfall 3 . frei von anfällen: 1894 wo sich störungen der herzthätigkeit .. auch in der anfallsfreien zeit b…

Anfallgeld

DRW

anfall·geld

Anfallgeld Abgabe bei Antritt eines Lehens Scheidemantel,Repert. I 138 Faksimile

Anfallgerechtigkeit

DRW

anfall·gerechtigkeit

Anfallgerechtigkeit Recht auf Angefälle [Die Vormünder] sollen ... keine anfallsgerechtigkeit erlangen 1627 BöhmLO. VI 351 mit ... rechten, …

Anfallrecht

DRW

anfall·recht

Anfallrecht 1723 SchwäbWB. VI Nachtr. 1511 Faksimile 1794 PreußALR. I 14 § 5

Anfallsgêld

Adelung

anfall·s·geld

Das Anfallsgêld , des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, in den Lehnrechten, eine Art von Laudemien-Geldern, welche dem Lehnsherren von…

Anfallsrêcht

Adelung

anfall·s·recht

Das Anfallsrêcht , des -es, plur. die -e, überhaupt ein jedes Recht, welches aus der erhaltenen Anwartschaft auf ein Lehn entspringet, und a…

Anfallung

DRW

anfal·lung

Anfallung I Erbanfall 1358 Brinckmeier I 90 Faksimile 1478 NdJb. 43 (1917) 66 Wolff,GerichtsverfHochstAugsb. 325 II Lehensgefälle Brinckmeie…

anfall als Zweitglied (3 von 3)

Hustenanfall

RDWB1

Hustenanfall m j-d bekam einen Hustenanfall - на кого-л. напал кашель; кто-л. зашёлся в кашле

Schwächeanfall

RDWB1

Schwächeanfall m (Lakune) упадок сил устойч. einem ~ erliegen - кому-л. стало нехорошо; у кого-л. полный упадок сил устойч.