1AHNDEN vb. tadeln, (be)strafen. (1)
herkunft: ahd. antôn
(auch anadôn) ‘
in heftige gemütsbewegung geraten, sich ereifern, tadeln, (
be)
strafen’
(fraglich bleibt daneben der ansatz einer form ahd. antên, ahd. wb. 1,556),
mhd. anden,
as. andon,
mnd. mnl. anden,
ae. andian,
ein nur westgerm. belegtes verb, ist abgeleitet von einem in ahd. anto (
auch anado)
m. ‘eifersucht, mißgunst, das eifern, ärgernis, strafe’,
jüngerahd. anta
f., mhd. ande
m. f. ‘kränkung, die einem widerfährt, das dadurch verursachte schmerzliche gefühl’,
as. ando
m., mnd. ande,
mnl. ande
f. n., ae. anda, onda (
auch onoða)
m. überlieferten substantiv (Wilmanns
gramm. 22,65),
das sich als bildung mit dem suffix germ. *-þan- (
durch -n-
erweiterte form des suffixes idg. -
*to-,
vgl. Krahe/
M. germ. sprachwiss. 3,146 f.)
zur verbalwurzel idg. *an(ә)- ‘
atmen, hauchen’ stellt. als germ. verwandte gehören zur selben wurzel an. ǫnd
f. ‘seele, atem’,
an. andi
m. ‘
atem, wind, geist’,
schwed. anda ‘
atem’ sowie ae. ōðian ‘
atmen, keuchen’
(alle mit -t-formans gebildet),
got. uzanan ‘
aushauchen’; außergerm verwandte sind aind. ániti ‘
atmet’,
grch. ἄνεμος ‘
wind’,
lat. animus ‘
seele, geist, gesinnung’,
lat. anima ‘
lufthauch, atem, seele, leben’,
air. anāl ‘
atem’.
als vermittelnde bedeutung für das germ. ergibt sich ‘
durch erregung verursachtes keuchen’ (Pokorny
wb. 1,38 f.).
die in ahd. anado (
dazu anadôn)
und ae. onoða
belegten formen mit zwischenvokal sind mit dem um einen bindevokal erweiterten suffix germ. *aþan-
gebildet (Krahe/
M. a.a.o. 147). –
unwahrscheinlich Kluge
wb. 2110a,
der ahnden (
wie ahnen)
zur präposition an
stellen will, ausgangsbedeutung ‘
einen ankommen’. –
schreibung mit -h-
tritt im 17. jh. zunehmend auf und überwiegt im 18. jh. (2)
bedeutung und gebrauch: die ahd. bedeutung ‘
in heftige gemütsbewegung geraten, sich ereifern’
schließt noch den einsatz für eine gute sache ein (vgl. [zelo] zelatus sum andoda [pro domino deo exercituum] 3. reg. 19,10, ahd. gl. 1,446,41 S./S.),
während bereits im mhd. der anlaß des ereiferns immer negativ ist und folglich getadelt, gerügt, bestraft und verfolgt werden muß. heute ist ahnden
weitgehend offizieller sprache vorbehalten. frühnhd. geläufig in formeln wie ahnden und (oder) rächen, äfern
(s. unter 2). –
nur vereinzelt steht auch ahnen
für ahnden: 1665 solte allen übrigen hiemit gnade erteilet seyn, und ihr verbrechen nicht geahnet werden Bucholtz
Herkuliskus 928a. ⟨1669⟩ daß er, was vorgangen, an keinem unter ihnen im bösen ahnen und rechnen wolte Andersen
in: Olearius
reisebeschr. (1696)74b. 1
etwas tadeln, rügen: 863/71 so siu tho thaz gihorta, thaz er
(Jesus) iz antota
(daß sie ihn heimlich berührt hatte) Otfrid
III 14,37 E. ⟨v1230⟩ daz sol zunstæte nieman an mir anden (‘
als wankelmut vorwerfen’) Walther
1079,36 K. ⟨M14.jh.⟩ es kumet dicke eime uswendigen menschen ein usserlich liden zuͦ .., das in dunket das ime ze unrecht geschehe ... kund der mensche das selbe in im vertrucken und .. enklagte es nit noch en andet es: im solt der wunden ein wunneklich fride antwurten Tauler
173 DTM. 1444 („
redlichkeit“ zum priester) ind dar umb so mois ich anden/ dat du noch neit en hais geleert/ we du castyen ind stoissen salt unverkeert
pilgerfahrt d. mönchs 706 M. ⟨1531⟩
(Titus) was .. so freygebig, das er niemand trawrig von jm ablies scheiden. als dis sein freünd gegen jm andten, sprach er, von des keisers angesicht sol niemand traurig .. abtretten Franck
zeitb. (1536)1,172a. 1660 hierauf seind die jenige, so auf die deputation gestimmt .. aufgestanden, zu dem directorial-tisch getreten, und haben diß beginnen aufs schärffste geantet Heiden
grundfeste 124. 1698 bauete er mit gewalt einen berg-frieden darauf, welches die von Franckenstein sehr ahndeten, und sprachen, er nähme ihnen das ihre wieder gott und wieder recht Beer
Ludwig 11 faks. ⟨v1791⟩ der verzerrte mund, welchen diess instrument hervorbringt, und den die Griechen so oft ahndeten, lässt sich bey den geraden flöten nicht so denken, wie bey der querflöte Schubart
tonkunst 323 Sch. ⟨1882⟩ die klagen
(des liebenden) .. erhielten nie eine andere erwiderung, als einen drohend aufgehobenen finger oder ein kopfschütteln, von einem lächeln begleitet, wie man unarten eines menschen ahndet, den man für unverbesserlich hält Heyse
[1924] III 3,133. 2
etwas (unrecht, vergehen) bestrafen, (strafrechtlich) verfolgen (und durch eine strafe sühnen) ⟨v1022⟩ sô geskihet ouh taz man sculde hartôr andôt. alde minnera andôt, tanne iz reht sî Notker
1,1,77 ATB. 1366 daz alles furbaz nymmer gerechen oder antten sullen, mit vns selber oder mit andern luten, mit gericht .. oder one gerihte
mon. boica 45,232. 1455 sulch sach und verhandlung sullen beideteil .. hinfur nymermer anden, efern, noch rechen, sunder das als ein abgetane .. sach hinfur .. halden
chr. Eger 275 G. ⟨1529⟩ solche beschwerliche vorhaben .. gegen menniglich .. mit und ane recht zu anten und anzufechten
urkb. mansfeld. saigerhandel 617 M. 1613 hat sie
(beklagte) solche diffamation und injurien derogestalt geandet und geeifert, das er
(kläger) ihr .. abbitte thun mußen
brand. schöppenstuhlsakten 3,170 S. ⟨1718⟩ sintemal die verspürte untreue .., als sich gegen eydbrüchige und diebe geziemt, mit schwerer leibes-strafe geahndet, geringe fahrläßigkeit .. aber mit ziemlicher geld-busse .. belegt werden soll
corp. ivr. metallici 701 W. 1799 die policeygerichtbarkeit, welche nicht nur die verletzungen der policeygesetze ahndet Berg
hdb. policeyrecht 1,140. 1811 vergehungen gegen .. die höchste gewalt des staats wurden militärisch, durch streiche und enthauptung geahndet Niebuhr
röm. gesch. 1,340. ⟨1878⟩ nun wäre .. diese übertretung des gesetzes wohl nicht strenger geahndet worden als mit einer nachträglichen geldbuße Heyse
[1924]I 5,399. ⟨1911⟩ hatte man mit einem neuen § 153 a die bestrafung des kontraktbruchs vorgeschlagen, dieser sollte mit geldstrafe bis zu 150 mark oder haft geahndet werden Bebel
leben [1946]2,251. 1936 eine solche ueberschreitung kann jedoch .. als eine strafbare handlung aus fahrlässigkeit nach maßgabe der bestimmungen des zweiten teiles dieses strafgesetzes geahndet werden
in: Kimmel
öst. staatsbürgerb. 313. 1972 privates fischen war verboten. übertretungen wurden mit der zerstörung des kahnes geahndet Glade
seen 131. 1973 mißbrauch von macht .. muß geahndet werden, und gemäß meiner losung war schlechte literatur ein mißbrauch von macht: also ahndete ich Schneider
nekrolog 48. 1980 eigentumsverfehlungen von kunden im sozialistischen einzelhandel können durch leitende mitarbeiter der verkaufseinrichtung selbständig geahndet werden
konfliktkommission 2203. —
im sport: 1966 bedauerlicherweise litt diese partie .. unter der von jenaer seite ins spiel getragenen härte, die schiedsrichter
M. nicht genügend ahndete
berl. ztg. (13.11.)7f. 3
selten unpersönl., kränken, ärgern: ⟨M13.jh.⟩ ez andet ein hundelîn sô ez sînen kunden an siht, ob er sîn keinen war tuot
dt. mystiker 1,323 P. 1412 ir hertze das wart es gar dicke anden/ wynn sy von hertzen ubel muͦte/ das der keiser sin suͦn vil guͦte/ so recht jnneclichen liep hatte Hans v. Bühel
Dyocletianus 435 K. ⟨1531⟩ da leget der bapst singen vnd lesen darnider, eben vmb die palmwochen in der fasten, das andet das andechtig volck hart Franck
zeitb. (1536)2,47b. 1533/4
(es) ant in hart, das die Römer in .. vertriben Turmair
4,1,468 ak. 4
selten (obd.) ‘
sehnsucht haben’
(vgl. ahd. antôn schmerzlich beklagen, ahd. wb. 1,556) u1390 möht ir anders gehann,/ als wir in unsern landen,/ golt, silber, gesmeyd, euch anden/ würd nach der gezierd
grosser Alexander 4376 DTM. 1556
requirere sich etwas reüwen lassen, ein ding vast anden vnd klagen, oder wider wünschen Frisius
dict. 1148b. 1626 wir habend derglychen krancken exempel die ihren pfarrer geandet ein ganze nacht (‘
schmerzlich nach ihm verlangt’)
in: schweiz. id. 1,301. 1904 anden ..
in jetziger ma.: vermissen, sehnsucht haben Fischer
schwäb. wb. 1,182.Pfeifer