zwickmühle,
f. ,
ein seit dem 15.
jh. bezeugtes wort, dessen herkunft und ursprüngliche verbreitung aus den historischen zeugnissen und den mundartlichen quellen nicht mehr ersichtlich ist. regelmäszig verzeichnet wird es nur in den wbb. des westlichen niederdeutschen, und zwar ausschlieszlich in der nichtniederdeutschen form zwick-
bezw. swickmöhle;
vgl. Dähnert
plattdt. wb. 562; Richey
idiot. Hamburg. 352;
bremisch-niedersächs. wb. 5, 318; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 764; Frederking
Hahlen 180; Woeste
westfäl. 266; Bauer-Collitz
waldeck. 106; Hofmann
niederhess. 273.
offenbar liegt in dieser mundartlichen bezeugung schriftsprachlicher einflusz vor. Müller-Fraureuth
obersächs. ma. verzeichnet neben zwickmühle 2, 720
auch das wort fickmühle 1, 338,
das sich bedeutungsmäszig mit zwickmühle
weithin deckt und im gesamten oberdeutschen (
z. t. neben ficke)
bodenständig ist, vgl. insbes. Staub-Tobler
schweiz. id. 4, 189; Fischer
schwäb. 2, 1468; Martin-Lienhart 1, 674; Schmeller-Fr.
bair. 1, 689; Unger-Khull
steir. 231; Schöpf
tirol. 135. fickmühle
reicht bis ins md., vgl. rhein. wb. 2, 45; Crecelius
oberhess. 1, 372
und Müller-Fraureuth
a. a. o.; zum ganzen s. teil 3,
sp. 1619
und die dort angeführten historischen belege. zwickmühle,
heute schriftsprachlich allgemein verbreitet und neben fickmühle
von Adelung
und Campe
verzeichnet, erscheint in frühen quellen auch auf obd. boden, obwohl es hier nach den mundartlichen zeugnissen nicht beheimatet ist, vgl. die unten folgenden belege von B. Hertzog, I. C. Dannhawer
und H. Guarinonius.
wieweit Luthers
vorbild hier nachwirkt, läszt sich nicht erweisen. dem ersten bestandteil liegt, wie bei zwickdarm, zwickdorn, zwickwort (
s. d.),
offenbar ursprüngliches zwie-
zugrunde; denn der begriff der doppelheit ist dem worte wesenhaft. der übergang von zwiemühle
zu zwickmühle
wurde in einem teil des sprachgebietes durch das bedeutungsverwandte fickmühle
erleichtert. 11)
eigentlich, eine stellung der steine im mühlespiel, bei der man mit einem zuge eine mühle schlieszen und eine andere öffnen kann: un moulin allant et venant eine fick- oder zwickmühle Duez
nomencl. (1652) 169;
le jeu des merelles zwickmühle Schwan
n. dict. 2, 1148;
vgl. Brendicke
Berlin 196. 22)
bildlich und in übertragener bedeutung früher und reicher bezeugt. 2@aa)
doppelter ausweg, zwei möglichkeiten, die man sich offen hält und je nach der lage benützt: der beheimisch konig wil unser tag vor für laszen kumen (
den landtag vorher zusammentreten lassen), ee er sie bescheidt, denn er leszt sich beduncken, die jungen herrn (
von Sachsen) ... hetten gerne ein zwickmul (
v. j. 1472)
publ. aus preusz. staatsarch. 59, 404; sie haben itzt eine zwickmül uberkomen, gefellets einem ym bapstum nicht, so kompt er zu uns ..., gefellets yhm bey uns nicht, so ... feret (
er) widder yns bapstum Luther 30, 3, 222
W.; das sie wollen die zwey heubter (
Frankreich und England) uneins behalten und eine zwickmülen haben, damit sie jtzt zu diesem, jtzt zu jenem, darnach der wind gehet, halten mügen
ebda 54, 232; das er eine zwickmülen hette vnd sagen möcht, ja, nein, darnach sich der wind richten würde
ebda 53, 191; (
der papst) macht ihm eine zwickmühle zwischen dem kaiser und Franzosen Luther
tischreden 4, 289
W.; vgl. ebda 4, 347; 5, 674; daher haben huren und buben ihre zwickmühle, werden sie an einem ort ausgeweiset, so weist man sie an dem andern wieder ein A. Mengering
gewissenswecker (1638) 24; sie ... wollen also zu beyden seiten eine zwickmühle und freye ausflucht haben Dannhawer
catech.-milch (1657) 5, 590; dasz man nach redart der Teutschen eine zwickmühle habe, will eine nicht mahlen, so msze die andere klappen Treuer
deutscher Dädalus (1665) 1, 89; (
Livia) wolte ... ihre hoffnung lieber mit zwey als einem ancker befestigen und für ihr eigenes glücke eine zwickmühle behalten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 404
a; diese herrliche zwickmühle (
zwei geliebte) nun nicht einzubüszen, wendete ich alle erdenkliche mühe an
Leipziger avanturieur (1756) 1, 225; abermal eine zwickmühle philosophischer unbestimmtheit! Hamann
schr. 7, 23
Roth; dasz ich mich hier (
in Baumgartenbrück) ansiedle, um mit Berlin eine zwickmühle zu haben (1836) Meusebach
an Grimm 229
Wendeler; wandernde nomadenstämme, denen eben ihr doppelverhältnis zwischen den beiden nachbarreichen zur zwickmühle dient Ritter
erdkde (1822) 2, 735.
juristisch: bald ligt es an einem spitzfindigen, durchtriebenen advocaten, der ... aller hand winkelzüge, zwickmühlen und schlupflöcher zu finden weisz Er. Francisci
alleredelste rache (1668) 206.
mundartlich: '
wenn jemand zwei geschäfte hat, von denen, wenn das eine nicht, das andere prosperirt, und ebenso umgekehrt' Hügel
Wien 201;
vgl. '
in Tirol die zwickmühle
scherzhafter ausdruck für einen fuchsbau'
zs. f. dtsche wortforsch. 9, 63. 2@bb)
anders, vom spielgegner aus beurteilt, von zwei möglichkeiten, die beide keinen ausweg bieten: in dise zwickmüle dachten sie (
die Juden), wolten sie jn stecken, er sagete ja oder nein, das er solte gefangen und das leben verfallen sein Luther 52, 530
W.; man müsse ihn (
Napoleon) dort (
in Dresden) wie in einer zwickmühle festhalten, dasz eine starke armee bei Töplitz, eine andere von Sachsen aus operiere L. Häusser
dtsche gesch. (1854) 4, 290
anm.; gibt er das ... gebot zu niedrig an, so fängt er sich im vorkaufsrecht, gibt er es ... zu hoch an, so fängt er sich in der alienationsgebühr, kurz es ist ... eine juristische zwickmühle Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 3, 1, 247; sehet, das ist eine jener verdammt feinen zwickmühlen, wie sie der zufall oder ein besserer in der weltgeschichte anlegt C.
F. Meyer
Pescara (1901) 24.
seit alters bis in die gegenwart in redensartlicher verwendung beliebt; in der zwickmühle stecken, sein '
nach keiner von zwei seiten einen ausweg wissen': der zweifelnde steckt in der zwickmühl Lehman
floril. polit. (1662) 2, 953; hochwürden, ich bin jetzt eigentlich in einer abscheulichen zwickmühl Rosegger
wildlinge (1906) 379;
ähnlich: er war vor etwa fünfundzwanzig jahren an der assessorecke gescheitert und hatte damals nicht lust gehabt, sich ein zweites mal in die zwickmühle nehmen zu lassen Fontane
ges. w. (1905) I 10, 400; solange sie nicht persönlich in die zwickmühle genommen werden
ebda I 4, 153;
üblich: in die zwickmühle geraten (
belegt 1918
u. 1934). 2@cc)
der gedanke an zwei möglichkeiten tritt in den hintergrund. 2@c@aα)
aus a
entwickelt; '
fester rückhalt, hilfsquelle': (
der kranke) sterb oder genesz, so habt jhr (
aufs honorar bedachte ärzte) ein zwickmle, die allemal von einnemmen sagt, die allemal gelt in die kuchen trägt und dem esel sein futter in stall Paracelsus
chirurg. bücher u. schr. (1618) 129
B; ich bin des guten Purschau beraubet worden, davon ich doch eine gute zwickmühle in die küche hatte H. v. Schweinichen
denkwürdigk. 502
Öst.; weil ihr bereits so schöne dukaten ... und ... einen ring bekommen habt, bedenket doch nur, was wir noch für eine schöne zwickmühle an diesem herrn haben können J. G. Schnabel
herumtaum. cavalier (1763) 341; deswegen willst du ihnen mein geld zuschanzen, damit du eine zwickmühle habest ... und so auf gut jüdisch dich brav bereichern könntest Hermes
Sophiens reise (1773) 5, 332; er pränumeriert und überläszt mir den ertrag seiner schriften; sie liefert mir die recensionen unentgeltlich; das ist eine herrliche zwickmühle, die mich um einige jahre dem rittergute näher bringt Raupach
dram.-kom. w. (1829) 1, 131; zwei andere bedenken sind noch da, diese zeitung für nichts weiteres als für einen rückhalt zu benützen, für eine zwickmühle, wie es in Schlesien heiszt Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 6, 38. 2@c@bβ)
von b
abgeleitet; '
falle, hinterhalt': hör zu, Sosia, und volg mir, so hast du ain guotte zwickmül, damit die betriegerin betrogen werd, ... gedenk du zuo betrügen iren betrug
tragedia von ritter Calixtus (
Augsburg 1520) s 3
b; vermeinden die Römer, sie wolten die Teutschen also in ein zwickml pringen oder in ein sack treiben und erwürgen B. Hertzog
chron. Alsatiae (1592) 86; denn solches gäbe dem feinde gute nachricht, was man künftige nacht vor netze ... aufstellen will, darauff könte er mir alsofort eine zwickmühl dargegen machen W. Schildknecht
harmonia (1652) 3, 39; der priester benutzt die geschichten als zwickmühlen, um die einfältigen zu betrügen Mich. Kosmeli
harmlose bemerk. (1822) 229; er wäre nicht so, wenn er nicht falsch wäre. eine zwickmühle ists O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 245. 2@c@gγ)
mit engerem anschlusz an das vb. zwicken: 'eine zwickmühle
ist ein scherzhafter ausdruck, worunter man einen menschen versteht, der einem immer geld abfordert, immer beutelanliegen hat' Kindleben
stud.-lex. (1781) 226.