zwacken,
v. ,
mhd. wb. 3, 958
b; Lexer 3, 1203.
mit zwicken
gemeinsam in gleicher lautsymbolischer bedeutung und zugleich unterscheidung früh entwickelt, wobei zwicken
nicht an sich '
sinnlicher'
ist wie th. 1, 121
angedeutet wird. auch die verbindungen mit einfachen ortsadverbien wie z. b. ab-, an-, auf-,
auch erzwacken
u. ä. dürfen als gleichzeitig anzusehen sein. in den zusammengesetzten verben zeigt sich besonders die entfaltung des einfachen wortes, z. b. abzwacken: was man verspricht, das sollst du rein genieszen, dir wird davon nichts abgezwackt Göthe 2, 74
W. anzwacken: mit närlichen worten Stieler 2667, aufzwacken: Diefenbach 121
b, verzwacken: den gang v. Stieler
mit pfählen versperren u. ä. mit zwacken
wurde das veraltende zwagen
verwechselt und vermischt: ich wurd geradprecht, zwickt und zwagt H. Sachs 1, 402
K.; ein mann in krieg und streit geübt, darzu mit rechtshändeln wol gezwagt, der weisz zu geben guten rath Lehmann
floril. pol. (1662) 1, 320; schirstu mir, so wil ich dich zwagen Petri 3, S s s 1
b; darzu hette marggraff B. ... gern etwas von der beute gezwagen Dilich
hess. chron. (1608) 2, 211.
vor dieser verwechslung warnt ausdrücklich Bellin
hochd. rechtschreib. (1657) 139. 11)
die anwendung von zw.
beruht auf dem zugreifen, kneifen wie mit einer zange, mit fingern, zähnen und dergleichen: ir zwact mich bî den ôren, als ich der geiz vor zîten tet Jac. Grimm
Reinhart 338, 1276 (
fabel vom wolf in der schule, nicht vom Stricker, obwohl in der Wiener hs.); er begunde mich zwacken als einen leitpracken 339, 1319; ein hase zwackte einen wolf: noch heute ist er zagellos darumb
ackermann aus Böhmen 6, 2
B.; der den hund bei den ohren zwacket
spr. Salomonis 26, 17; es sol nicht gelten ..., das ... nit haben ... die frösch den ... ploch ... alweg veracht, die zwackende störch gforcht, geehrt und angbet Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 27
b; wenn ich ir denn gib eins an kopff, so thuts nach mir zwacken und beiszen H. Sachs 21, 188
G.; sonst soll man dich mit zangen zwacken und darnach legen auf ein radt Jak. Ayrer
dramen 1, 126
K.; zu einem strudel under bücken, welcher der dritt ist in dem Rhein ... dann er genant ist 'im höllhacken', weil nach den schiffen er thuot zwacken Fischart
glückhaftes schiff 430
ndr.; und fellt derselb ins strick hinein, der ein andern zwackt bei dem bein G. Rollenhagen
froschmeuseler 2, 194
G.; satyren und faunen ... ihn an allen orten des leibs zupfeten und zwakketen Sigm. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferei (1645) 56; damit keiner — auch nur zum schein dich im bein zwacke J. Fr. Löwen
schr. 2, 73; doch faule dirnen kneip ich blau, an arm und schenkel zwackend J. H. Vosz
ged. (1802) 4, 203. das kneipt und zwackt sich untereinander nach seiner art (
fliegen und spinnen im netz) Anzengruber
ges. w. 2, 116. 22)
man zwackt,
was man fressen will: was soll ich mein fleisch mit meinen zenen zw. Luther
Hiob 13, 14,
bibel 1, 410; mir thun nur we die euren zen, die mir in fleisch, brot, rübn und kraut am tisch schroten so uberlaut und mir so tückisch darvon zwacken grosze mundvol in beiden backen H. Sachs 9, 352
K.; oben auff in die raben saszen, ir augen ausbickten und fraszen, thetten von irem antlitz zwacken ir oren, lebsen, kyn und backen 3, 551
K.; (
du) magst aus allen schüsseln zwacken, das macht dich feiszt und füllt die backen K. Scheit
Grobianus v. 532; dasz er ... demselbigen todten ... mit lust und gierigen zähnen ... in das fleisch gebissen und es wacker hinunter gezwacket habe Prätorius
Blockesberges verrichtung (1688) 246.
in weiterer anwendung: bei nächtlicher weil ... in die gräber einsteigen, ansehnlicher verstorbener leute cörper heraus zwacken und also mit denselbigen in öffentlichen auditoriis die anatomiam exercieren J. Kepler
op. 1, 631. 33)
aus 1
ergibt sich die bed. verfolgen, belästigen, besonders von nachrückenden feinden: wy dy von Koln sich zwackten mit dem heer Stolle
thür. chr. 83
lit. ver.; errettet Israel von der hand derer, die ihn zwackten
1. Sam. 14, 48; auch zwackten seine hauptleute die Römer, wo sie kundten Luther 53, 496
W.; wie auch seine nachbarn dem evangelio den pasz wehren ... und seine gehülffen zwackten und schabernackten Mathesius
w. 3, 133
bibl. dt. schriftst. aus B.; lest all unser nachbarn aus hasz uns zwacken mit vil angest und not H. Sachs 18, 327
K.; das sie nur fester dessen ehr und ruhm mehren, den si heimbisch zwacken Guarinonius
greuel d. verw. (1610) 353; unterlies auch nicht ..., die evangelische zu zw., ihnen in ihren quartieren eintrag zu thun Chemnitz
schwed. krieg 2, 356 (1653); zwacken,
harceler, heiszt im kriegswesen ... eine im marsche begriffene, sich zurückziehende oder mit einer belagerung beschäftigte armee
etc. beständig beunruhigen Eggers 2, 1415. 44)
in weiterer bedeutung einen quälen, plagen, schlecht behandeln, bekritteln: eigene nutz gehet allzeit vor in rathschlegen, gemeiner nutz musz dahinden stehen und sich lassen zw. Petri 2, s 4
b; das gewüssen ist ein nagender härzwurm, welcher di verbrächer unaufhöhrlich zwakket und plaget Zesen
adriat. Rosemund 75
ndr.; an einzelnen stellen läszt sich jeder philosophische vortrag zw. Kant 3, 26
ak. ausg. 55)
an die zweite bedeutung knüpft an etwas aus einer menge, aus irgend einem zusammenhang herausreiszen: Calander wolt der vorderst sein, wo er ein schwarzen stein ersach, so zwacket er in auf darnach H. Sachs 21, 176
G.; welche (
städte) durch die kriegsempörungen mit der zeit voneinander gezwackt und zertheilt wurden G. Braun
beschreib. u. contrafaktur 5, 50. 66)
eine zeit lang in allgemeinem gebrauch, hat sich die bedeutung des widerrechtlichen, des raubens und stehlens an zwacken
geheftet: kanstu den splitter in eines andern auge sehen und schreien uber das zwacken der geistlichen güter, so müszt man dir die balken in deinen augen ... auch zeigen Luther 30, 2, 312
W.; es gilt nit zwackens, sondern teylens Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 53
a; es gieng ein dieb mit einem hacken, damit er etwas kundte zwacken L. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 90
ndr.; so meisterlich zwackten sie mir das geld ab Chr. Weise
drei ärgsten erznarren 34
ndr.; im übrigen so seind die müller und mühlknechte ... auf das zw. sehr abgericht frh. v. Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715), 68
a; die bäcker zw. immer etwas vom teig Kramer 2, 1489
a; wo was zu zwacken war, da zwackte er ab trotz kaufbrief und contracte S. G. Bürde
verm. ged. (1789) 54.
selten, vgl. aber zwacker,
und abzwacken
th. 1, 161,
sich absparen, geizen: der karge zwackt am erforderlichsten aufwande ..., um desto mehr im kasten zu behalten
F. G. Delbrück
sinnverwandte wörter (1796) 18. 77)
an 2
schlieszt sich ein wort aus dem zusammenhange herausreiszen: es gillt aber nicht eyn wort eraus zwacken und drauf pochen, man musz die meinung des gantzen texts, wie er aneynander hangt, ansehen Luther 18, 69
W.; wie sie on vor- und nachgende wort herauszzwacken Seb. Franck
chron. 335
a.
anders: so zwackte man ihn (
Karl) aus eurem testament und herzen Schiller 2, 308
G. 88)
meist ohne obj. von zwackenden
schmerzen im leibe: das zw. und gneifen in den gedärmen Bas. Faber 695
b.
allgemein in der umgangssprache Höfler 863
b: wenn es in allen gliedern zwackt Göthe 15, 1, 18
W. (
Faust 4988); die gicht, die ihn von jeher geneckt und gezwackt hatte Holtei
erz. schr. 18, 151; spüren sie irgendwo im leibe ein zwicken und zwacken Rosegger
nixnutzig volk (1906) 575. 99)
in der spr. der jäger der gezwackte hirsch J. H. Vosz
antisymb. 2, 135. —