zimbel,
m., n., f. ,
name verschiedener musikinstrumente; die wenigen ahd. belege bewahren die schreibung des lat. cymbalum,
im mhd. gilt zimbel;
die vocabulare schlieszen sich wieder an die lat. vorlage an; Luther
schwankt. danach wirkt das muster des franz. cymbale,
so dasz bis in die neuzeit cy-,
häufiger zy-
dem geläufigeren zimbel
zur seite stehn. auch die zweite silbe zeigt nicht selten die romanische schreibweise, der in der bedeutung 2
die osteuropäische entspricht, und einige belege verwenden das auf der zweiten silbe betonte wort, das franz. Schiller 15, 1, 12
G., das ungar.-slaw. v. König
ged. (1745) 96.
die undiminuierte kurzform tritt einigemal auf: mit cimbon Notker
psalm 150, 5; zimbe
vocab. von 1476 Diefenbach
n. gl. 90
a;
als lat. glosse: zimbel
cimbalum vel cimba voc. incip. theut. ante lat. ca. 1495 E 1
b.
angleichung des -mb-
zu -mm-
kommt bereits im mhd. vor und erscheint verstreut noch später. das fem. geschlecht ist aus dem plural cymbala
hergeleitet; dieser kam dem alten instrument, das aus zwei gleichen stücken bestand, ja zu und wurde durch die glockenspiele der mönche (
s. 1 b
α)
von neuem nahegelegt. 11)
die gruppe der hohlgefäszinstrumente. sie benennt das griech. κύμβαλον als diminutiv von ὁ κύμβος höhlung, hohlgefäsz, schüssel, becken eindeutig, und κύμβαλον ist so ein treffender name der uralten schallbecken der vorderasiatischen und der ägyptischen kultur, die wir becken
nennen. die biblischen zimbeln
sind becken
gewesen. das westliche abendland behält die griech.-lat. bezeichnung bei: afranz. cimble,
f., nfranz. cymbale,
f., aengl. cimbal(a),
m., nengl. cymbal,
meist plur. cymbals,
auch älterital. cembalo.
nach C. Sachs
reallex. d. musikinstrum. (1913) 43
a zeigen abendländische miniaturen schallbecken bis ins 15.
jh. hinein; danach erneuern die Türken die bekanntschaft mit ihnen. 1@aa)
die alttestamentlichen zimbeln
waren zwei grosze, in der mitte ausgebauchte bronzeplatten, die mit beiden händen gehalten und gegeneinander geschlagen wurden; sie dienten als taktinstrument im orchester; vgl. Hauck
realenzykl. f. protest. theol.3 13, 594.
in der ersten deutschen bibel wird mehrfach noch das heimische wort schelle
gesetzt, wo Luther cimbal, cymbel
hat, so: und da sie in (
den neuen wagen) mit der lade gottes aus dem Abi Nadab freten ..., spielete David und das gantze haus Israel fur dem herrn her mit allerley seitenspiel von tennen holtz, mit harffen und psaltern und paucken und schellen und cimbaln (in den herpffen und in den leiren und in den baucken und in den hOernern und in den schellen
erste dt. bib.)
2. Sam. 6, 5; und da die bawleute den grund legten am tempel des herrn, stunden die priester angezogen, mit drometen, und die Leviten ... mit cymbeln (in den schellen
erste dt. bib.) zu loben den herrn mit dem geticht David des kOeniges Israel
Esra 3, 10;
oder dieses ersetzen erst spätere auflagen: in den psalterien und in den leyren und in den schellen (zimblen 4.
bis 8.
auflage, zimmeln 9.
bis 13.
auflage, zymbalen 14.
auflage 1518)
erste dt. bib. 1. chron. 15, 16; lobet in mit hellen cymbeln, lobet in mit wolklingenden cymbeln (in den woldönenden schellen, ... in den schellen der frewden
erste dt. bib. 1.
bis 3.
auflage, in der wolklingenden zimblen, ... in den zymblen der iubilyerung 4.
bis 13.
auflage)
psalm 150, 5;
auch Luther
zieht das alte wort vor 1. Kor. 13, 1: so were ich ein donend ertz oder eine klingende schelle (als ein ere lautent oder als ein schell klingent
erste dt. bib.; γέγονα χαλκὸς ἠχῶν ἢ κύμβαλον ἀλαλάζον,
factus sum velut aes sonans aut cymbalum tinniens);
vgl. dazu: so ainer gleich mit englischer zung predigt und die lieb nit hat, ist er doch zuozegleichen ainer klingunden schellen oder seszen zymeln Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey 101
Reithm. die ältesten glossen des abrogans Steinmeyer-Sievers 1, 259, 12
mengen die benennungen zweier instrumentengattungen (
s. u. 2),
indem sie das lemma tymphanis tympanis mit cymbolon cymbalon
glossieren. aus der frühmhd. dichtung seien zwei stellen angeführt: si (
Mirjam) nam ir zinbelen, si begunde vil luote singen, under der menige vor allem deme herige
Vorauer genesis 47, 5
Diemer; do luitin simo zisamini mid trumbin joch mid cymbilin, mid phigilin undi swegilbeinin, mid rottin undi mid lyrin, mid pfiffin undi mid sambucin
ältere Judith 26
Waag; im kreise der bibel halten sich zahlreiche nachreformatorische belege: mOegen ire churfrstliche gnad ... springen und tantzen mit harpffen, paucken, zimbeln und schellen Luther
briefw. 8, 625
W.; wenn in disem tempel (
des heiligen geistes) kirchweyhung ist, da klinget man nit mit glocken noch zimbaln
ders. w. 17, 2, 501
W.; lobt in mit schönen melodeyen der pfeiffen, saiten und zimel Hans Sachs 18, 557
G.; Judith aber machet zu danck dem herren ein schön lobgesangk, sang mit psalter, harpffen und zimbeln
ebda 1, 250
K.; als weren sie götter im himel. ehrten sie mit paucken und zimmel
ebda 8, 714
K.; vgl. 3, 199
K.; o singet und klinget auf cymbalen schön 340;
M. A. v. Löwenstern
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 1, lobet ihn mit wollautenden cymbalen Spee
güldnes tugendb. (1649) 421; zimbeln klangen, pauken schallten, dasz die heiligen gewölbe bebten Herder 28, 495
S.; musik von zimbeln, flöten, pauken O. Ludwig
ges. schr. (1891) 3, 372 (
Makkab. III).
belege aus dem griech.-röm. kulturgebiet: schwerlich würden wir ... die nymphe an den kleinen becken oder zymbeln, welche sie schlägt, zu erkennen imstande sein, wenn ... Brunn
kl. schr. (1898) 3, 164; ich hab helffanten gesehen da der eine auff einer cymbeln spilt Heyden
Plinius (1565) 96; liesze durch ganz Rom die musik der flöten ... und cymbalen sich hören A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 502; in der rechten hand hatte sie drey zymbeln Lohenstein
Arminius (1689) 2, 509
a; habt acht, sobald ich befehle, mit groszem geschrei, posaunen, zimbeln, sie (
die verkleideten ochsen) auf den feind zu jagen Grabbe
w. (1874) 3, 429 (
Hannibal III). 1@bb)
die von der bibel unabhängige literatur versteht unter einem zimbel
eine art glocke von verschiedener gestalt und grösze. α)
in den mhd. epen ist ersichtlich, dasz er mit einem hammer von auszen angeschlagen wurde: ouch hôrte man der glocken schal in der burc über al, sô man an den zimbel sluoc Ulrich v. Zazikhoven
Lanzelet 4187; 4314; dô nam der edel wîgant den hamer in die hant sîn und sluoc an daz zimbellîn sô vaste, daz ez lûte schal
ebda 4200; swie verholne ich rüere den zimbel der zelle dîn Neidhart v. Reuental 55, 14
H.; swenn er (
der widder Jasons) begunde schütten sich, sô clanc diu wolle an sîner hût, als ob ein zimbel würde lût Konrad v. Würzburg
troj. krieg 10 054; uf der burg ein zimmol (: wol) von ere was gegozzen Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österr. 1204; iedoch ich iu betten wil waz der zimmol da fr truog. swenne man dar an gesluog, so wart der gal und der doz also wit und also groz
ebda 1209;
noch in einem vocab. des 15.
jahrh.: cimbalum zinbel als in den clOestern ist und klopt daran ze tisce Diefenbach
n. gl. 90
a;
ebda zimbal, schell, tischglocken;
dasselbe meint wohl cinibolum eyn klingende ysen
vel eyn zimbe
voc. von 1476
ebda. aus solch kleinen glocken setzten die mönche glockenspiele zusammen, die sie cymbala
nannten. β)
viertelstundenglocke der turmuhren, meist f.: item es ist ert. ein zymmeln von 5 oder 6 zenttnern ... machen und oben in den turn zu S. Sebolt uber die slahglogken zu dem slahen der vierteyl einer hor zu gebrauchen ze hencken (
Nürnb. 1493)
chron. dt. st. 11, 584
fuszn. 5; von der ure, zimbele und pratspisz zu machen zwai hundert zwainzig pfund (
nämlich heller; 1553)
württ. geschichtsquell. 14, 482; wie viel centner metal zue sollicher zimbl vonnOetten (1575)
quelle bei H. Fischer 6, 1, 1205;
glocken in klosteruhren: cimbalum schellen,
proprie que sonant in horologiis monachorum klingel ysen
voc. ex quo (
Nürnb. 1482) pp 7
b; Melber
voc. praedic. (1493) c 8
a;
γ)
kleine aufgehängte glöckchen: sî sach obe in schînen einen himel mit ketenen guldînen, an îegelîchem ketenlîn ein zimbel oder ein glöckelî
n. diu wârn gegozzen blîde von guldînem gesmîde
visio Tnugdali (12.
jh.) 1900
Wagner; tieren um den hals gehängt: zwai cleine thierle ... haben zimbelen an den helsen hangen gehapt
Zimm. chron. 4, 213
B.; oder an einem gürtel befestigt: ein gürtel von klingenden zimmeln, der het umbfangen iren leib Hans Sachs 20, 486
G.; am klingelbeutel, mit welchem in den protestantischen gottesdiensten geldgaben eingesammelt wurden: die diacon der armen sollen ... umb gehen des heiligen tages vor und nach der predigt in der kirchen, mit beuteln, daran ein zymbel sey, auff das sie nicht bitten dürffen, sondern die leut hören, das sie da sein Bugenhagen
braunschweig. kirchenordn. (1531) Y 1;
der danach im lande Sachsen zimbelsäckchen
genannt wird und in Torgau dem einsammler die bezeichnung zimbelträger
verschafft; solche glöckchen gar als besatz eines rocksaumes: einen hagern herrn mit ... langem schlafrock, der ... hatte unten einige zimbeln am saume, die aber immer gedämpft waren, um ihn nicht im nachdenken zu stören Eichendorff
s. w. (1864) 3, 434.
δ)
glöckchen, die in der hand geschwungen werden: es giengen alle knaben mit korrocklein und auch mit zimeln vor der par her und klengelten all mit den zimeln (
Nürnberg 1505)
chron. dt. st. 11, 691; cimbl
cymbalum, glögglein wie mans zur wandlung oder elevation braucht Schönsleder
prompt. (1618) K 1
a; ein grauer bart ist eine cymbel des todes
barba bianca è cembalo di morte Castelli
ted.-it. (1709) 1605.
am geläufigsten als bezeichnung eines musikinstrumentes, welches das antike tympanum
mit dem cymbalum
vereinigt, indem schellen (zimbeln)
am rande einer kleinen handpauke oder -trommel befestigt sind und durch schütteln oder schlagen auf das trommelfell zum erklingen gebracht werden; die zuordnung der belege geschieht zum teil mit bedenken: harpffen und cleyn zimel hatt nit so süeszen don als mich uwer red schon erfrewt in mynem hertzen Altswert 147; der meyster selfyseren nicht waz vor irme sange, noch organiseren, noch cymbel mid geclange Eberhard v. Cersne
minneregel (1404) 406; der lay instrument ..., welche clyngen als die hammer uff dem ampos, ... die glöcklin und zimeln Seb. Virdung
musica getutscht (1511) 19
Berl. ndr.; das drit geschlecht ist aller instrument die von metall gemacht werden behent, und ander materia die klinget wie ein hammer auff dem anpos singet, als sind zimbeln, strofideln, glocklein und ander instrument, die yhn gleich sein (1528) Agricola
musica instrum. deudsch 112
Berl. ndr.; der ander tantz geschahe durch 4 andere personen mit zimbalen A. Olearius
Mandelslos morgenl. reisebeschr. (1696) 3; sie rührt sich, die cymbeln im tanze zu schlagen Göthe I 1, 227
W.; eine cymbale
als attribut der allegorischen figur des tanzes bei Schiller 15, 1, 12
G.; aber rings gesang sich hebet, freudig flöt und zimbel klangen Brentano
ges. schr. (1852) 3, 180; nur schade, hör ich der zimbeln hüpfend helles klingen, fühl ich im herzen tausend natterstiche Heine
w. 2, 268
E.; da hörte man ... trompeten, clarinetten, zinken und zim beln Kürnberger
ausgew. nov. (1857) 12; (
sie) hielt mit beiden aufgehobenen armen eine cymbel wie zum tanze hoch in die höh Eichendorff
s. w. (1864) 2, 147.
ε) '
ein aus kleinen hellklingenden glöckchen bestehendes orgelregister' Hoffmann
dt. wb. 1, 639; Adelung
2 1, 1356;
der zimbelstern '
ein am prospekt sichtbarer stern, der vermittels eines durch einen registerzug regierten luftstroms bewegt wird und klingelt'
Meyers lex.7 12, 1792: sie wrden in der kirche das kind wiegen, den vogelsang und den stern mit den cimbeln gehen lassen Chr. Weise
erznarr. 189
ndr.; es gehOeren zum vollen werck (
der orgel) die principale, die sordunen, die salicionale, ... die zimbeln J. Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 467; zimbel ... '
ist ein orgelregister, welches aus gantz kleinen pfeifgen bestehet und zur ausfüllung des gröszern wercks dienet'
Noel Chomel (1750) 8, 2414;
übertr. das ganze cymbalium
die gesellschaft, die gesamtheit aller beteiligten, zimpAeAel
krämchen Müller-Fr. 1, 183
b.
ζ)
gleich zimbelstimme,
in der orgel eine gemischte stimme, acuta
oder scharf
Meyers lex.7 3, 137. 22)
ein viereckiges, mit drahtsaiten bezogenes und mit doppelten stegen versehenes instrument, dessen saiten mit hölzernen '
hAeckgen oder schlägeln tractiret und gespielet'
werden Noel Chomel (1750) 8, 2414;
gleich hackbrett: cymbal, ein zymbel, hackebret Wächtler (1703) 93; hackbret
it. ein cymbal
instrumentum citharoedorum jacens, cuius aeneae chordae duobus plectris tacta sonant Frisch (1741) 1, 391
c; Hoffmann
dt. wb. 6, 964;
acitabulum ein seitenspiel
voc. optim. Diefenbach
gl. 9
c;
der name ist dem instrument eigentlich in Osteuropa eigen: ungar. czimbál,
russ. cymbaly,
lit. cimbolai,
poln. cymbalki;
dafür sprechen auch die drei liter. zeugnisse: ein neues chaos ist dein wunderbar zimbal (: zahl) v. König
ged. (1745) 96; und der dritte behaglich schlief, und sein cimbal am baum hing, über die saiten der windhauch lief, über sein herz ein traum ging Lenau
s. w. 161
Barthel; die geige klagt im dunkeln hain, das zymbal jauchzet wundertönig. es sitzt auf einem grauen stein der lockige Zigeunerkönig Karl Beck
ged. (1844) 245.
da sich das griech. wort τύμπανον nach seiner sprachlichen bedeutung '
schlaginstrument' (
von τύπτειν schlagen)
als benennung nicht nur der antiken kessel- und handpauke, sondern auch des hackbretts eignet, nennen dieses das franz. tympanon,
das span. timpano;
das rumän. ambal,
m., f., imbalǎ,
f., mischt cymbalum
ein. zum tastenanschlag entwickelt sich das clavicymbalum,
das als erster (1404) Eberhard v. Cersne
minneregel 414
erwähnt, die vorstufe des cembalo
und des klaviers.