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weichsel

nhd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weichsel

Bd. 28, Sp. 532
weichsel , f. name verschiedener kirschenarten. nur deutsch: ahd. wîhsela Graff 1, 738 allein aus der glosse; cromella wihsela Steinmeyer-Sievers 3, 487, 24 (11. jahrh.), mhd. wîhsel mhd. wb. 3, 650b, Lexer 3, 882, in geschlossener überlieferung seit dem 14. jahrh. aind. veṣ-ṭa- 'gummi, harz' enthält eine wurzel, die in lat. viscus, viscum und, mit ks neben sk, in gr. Ϝιξός 'mistel, vogelleim aus mistelbeeren' Boisacq 377 widerkehrt. auch dem kirschbaum hat sein reichthum an baumharz einen namen aus der wurzel idg. isk, iks verschafft. der bildung *īksila sind von ahd. pflanzennamen vergleichbar distila, hasala, quënala, swertala. aus dem germ. entlehnt ist ital. visciola, vissola 'weichselkirsche', schwerlich auch afrz. guisne, nfrz. guigne, span. guinda. zur gleichen wurzel mit anderm suffix (idg. *iks-nā) abulg. višńa, daraus russ. slov. serb. bulg. višnja, poln. wíšńa, czech. višně 'kirsche'; aus dem slav. entlehnt ngr. βισηνά, βύσσινα 'weichseln', βισηνιά, βυσσινιά 'weichselbaum', alban. višjε, türk. wišene, tat. wišnä, lit. vỹšna, vẽšna 'kirsche', vỹšnė 'kirschbaum', wahrscheinlich auch apreusz. wisnaytos pl. 'kirschen'. die ges. lit. bei Hoops waldb. 544 f.; Walde 2842. das genus des deutschen wortes ist f. auszer in rheinfr. der weichsel 'stecken aus weichselholz' Brugmann idg. forsch. 24, 65. hs ist assimiliert zu ss in westf. wesselte Woeste 321a und so nd. allgemein (s. u. weichselbeere, -braun, -kirsche), doch auch wiseln in e. Würzburger hs. des 14. jahrh.: buch von guter speise 25f. Maurer-Constant [] (wie wassen st. wachsen in theilen des ostfr. th. 13, 79). mit ts statt ks buchen Martin-Lienhart 2, 786a waitsl aus Urbis, kr. Thann, einen sec. nasal wie in nürnb. waingks Gebhardt § 103 anm. 2, rheinfr. waingskheɐšə Lenz vgl. wb. d. Handschuhsh. dial. 76b; Pfaff beitr. 15, 188; Heilig ma. d. Taubergr. § 133, hat schon Frisch (1741) 2, 431b beobachtet: einige sprechen es als weinxel aus; hierher gewisz auch weinstell 'saure kirsche' Bock kreuterbuch (1551) 386b. nd. ist das wort nach dem vorbild von mispel umgebildet: wispele Bauer-Collitz wald. 114b, wispelberen aus Bremen und Oldenburg s. u. weichselbeere. verbreitet ist das wort in allen obd. mundarten, mit ie vor ch schweiz.: wiechsslen Münster kosm. (Basel 1550) 402; Maaler 499a; wiechsel Wiederhold (Genf 1669) 419a; wiechsle Hunziker aarg. 296; wiechslen Pritzel-Jessen 314 aus Bern; alt in schweiz. orts- und flurnamen wie weichselmatten J. L. Brandstetter namen d. bäume (1902) 10, entspr. in oberels. namen ders., auszerdem els. wiechszlen Dasypodius (1537) 291c; weichsel Fischart Garg. 261 neudr.; waiksl Martin-Lienhart 2, 786a aus Rappoltsweiler, wîksəl mündlich aus Bickensohl am Kaiserstuhl; weichseln schr. d. ver. f. gesch. d. Baar (1594) 10, 37; wiechslen Konstanzer chron. (zusatz von 1460) zs. f. gesch. d. Oberrheins 2, 187; schwäb. weichsl städtechr. 5, 326 (Augsburg 1467); weichsel Franck weltb. (1542) 211b; Frischlin nomencl. (1586) 31b; Schmid (1831) 522; bair. weixl schon als lösung des mittelalt. rätsels: os in corde gero, latet intus vineus humor bei Schmeller 2, 841; weisseln Ortolf v. Bayrland 59b; weichslen Guarinonius grewel d. verw. 1316; weichszl Schönsleder (1622) Nn 4a; weixeln Hohberg georg. cur. 3, 150b; weichseln Kirsch cornuc. (1739) 95a; baichsela Schmeller cimbr. 170; östr. in allen kronländern: Steub drei sommer in Tirol 1, 243; aus Salzburg Pritzel-Jessen 313; Lexer kärnt. 253; Unger-Khull steir. 624a; Castelli Östr. u. d. Enns 263; böhm. Stifter 5 i 263. sonst md. nur vogtl. wa(i)gs Gerbet § 202. 245, in Nürnberg: weichseln städtechr. (1452) 10, 197; weichsel 10, 203. 362; weychszel Folz hausrath A 3a; weyxel Ayrer 4, 2628 Keller, dann erst wider im äuszersten westen: lothr. weigsəl Follmann 534b aus Rieding b. Saarburg; weichsel Pritzel-Jessen 316 aus Bertrich in d. Eifel. dagegen fehlt das wort in lux., hess., nass., henneb., eichsf., mansf., obers., schles. mundart, damit auch bei Luther, den classikern und in der schriftspr. deshalb bei Ostmd. nur mit vorbehalt: von sauren kirschen, so man sonsten weixel nennet Böckler haus- u. feldschule (1683) 763; (saure kirschen, die) an einigen orten weichseln genennet werden Zedler 15 (1737) 791; von da: allg. haush.-lex. 3, 717; Chomel 5, 1165; Jablonski allg. lex. 1 (1767) 706b; kirsch oder weichsel auch zwisseltsber-baum genannt Döbel n. jägerpr. 3, 3, in verschiedenen gegenden Adelung 4 (1801) 1446; Campe 5, 636b. nd. gelten ableitungen zu einer wurzel wĭhs- die mit hd. wīhs- in ablaut steht, s. nam. weichselbeere. bedeutung. 11) weichsel ist, wie Hoops bewiesen hat, ursprünglich die holz- oder vogelkirsche, prunus avium L., denn es muszte ein heimischer waldbaum sein, dessen namen (wie den der espe) die germ. mit den slav.-baltischen spr. gemein haben konnten. nur für die vogelkirsche ist die harzausschwitzung bezeichnend, sie ist in Deutschland seit vorhist. zeit heimisch und heiszt vielfach bis jetzt weichsel: weichsel ist hart und süsz Alberus dict. Ff 2a; wald. wispele 'holzkirsche' Bauer-Collitz 114b und viele nd. belege unter weichselbeere, dazu Pritzel-Jessen 313; Hoops 546. die holzkirsche war wenig süsz, daraus erklärt sich der übergang zu 22) prunus cerasus L. die sauerkirsche ist von den Römern spätestens im 2. nachchr. jahrh. aus ihrer transkaukasischen heimath nach Deutschland eingeführt, in schachtbrunnen der Saalburg haben sich ihre kugeligen kantenlosen steine gefunden: L. Jacobi Saalburg (1897) 152 f. 548. nächstdem erwähnt Albertus Magnus 3, 80 (vor 1280) die sauerkirsche unzweideutig mit dem namen amarena, amarella. wo man sie fortan von der (durchm. einflusz veredelten) süszkirsche unterscheiden muszte, lag es nahe, ihr den namen weichsel zu geben. mindestens [] seit dem 13. jahrh. geschieht das: amarellus wichselB. Steinmeyer-Sievers 3, 353, 22; von den suren kirsen, daz sint wiseln buch v. g. speise 25 Maurer-Constant. dasz prunus cerasus gemeint ist, bemerkt man an dem attr. sauer: eine weixel oder saure kirschen Corvinus fons lat. 180; entspr. Rädlein 1, 1040; Dietrich lex. d. gärtn. 7 (1807) 574 mit 41 versch. sorten; nie sah ich die saueren weichsel mehr in dieser grösze Kerner bilderb. 119, oder am späten reifen: disz jar het es vill weixl, das man noch am 9. octobris schen frisch weixll fail het städtechr. 15, 95 (Regensb. 1529). die beiden abarten der sauerkirsche, die lichtrothe amarelle und die dunkelbraune weichsel i. e. s. sind zunächst nicht geschieden: die rothen sauren kirschen, und schwartzen sauren kirschen, welche beyde art auch an einigen orten weichseln genennet werden Zedler 15 (1737) 791, nachwirkend bis Heinsius 4 (1822) 1560b. wo die sachgemäsze dreitheilung eintritt: amarellen, weichsseln und vogelkrissenbäum Sebiz feldbau 347, da ist weichsel ganz selten die amarelle: die weichseln seind weisz Agricola 750 sprichw. s 5b, seit etwa 1460 immer häufiger die dunkle abart, was widerum aus dem attr. deutlich wird: die rott prawn varb geet von weichseln zue, wann die zeittig werden schwäb. kochb., zs. f. d. alt. 9, 371; die kirschen sind zeitig, die weichseln sind braun wunderhorn 3 (1846) 115; von blauen augen: an ihren augen konnten einem keine weichseln einfallen, weit eher frische ... vergiszmeinnichtblümlein Rosegger 2, 48. selten ist das holz von prunus cerasus gemeint: weichsel ... wilde sauerkirsche ... hat schönes rothes holz Mothes baulex. 4, 470. 33) dagegen ist bei der felsenkirsche, prunus mahaleb L., stets das durch seinen cumaringehalt wolriechende holz gemeint: pfeifenröhre von weichsel und jasmin Pückler briefw. 2, 409; weichsel ... weichselholz, aus dem pfeifenröhren und ganze pfeifen verfertigt werden Martin-Lienhart els. 2, 786a; entspr. Follmann lothr. 534b; Schlechtendal flora 25, 143. 44) besonderheiten. nach der braunen kirsche erhalten braune kühe ihren namen, von Appenzell bis Kärnten und Steiermark: wîechseli Tobler 448a; weichsla Lexer 253; weichslo Unger-Khull 624a. wie dattel, feige, nusz wird weichsel zum scherzhaften euphemismus: bair. heiszt so ein stosz mit der faust zwischen die schultern: Klein prov.-wb. 2, 229; Schmeller 2, 841. die verbrecherspr. schwäb. strafanstalten nennt weichsel ein stück (brot oder fleisch) württ. viert.-hefte n. f. 16, 76. —
8378 Zeichen · 248 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Weichsel

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Weichsel , plur. die -n, ein Nahme, welcher in verschiedenen Gegenden sowohl den rothen, als auch den schwarzen saue…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Weichsel

    Goethe-Wörterbuch

    Weichsel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weichsel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Weichsel , lat. Vistula , poln. Visla , Hauptfluß Polens, entspringt in österr. Schlesien auf den Beskiden in 3 Hauptque…

  4. modern
    Dialekt
    Weichsel

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Weichsel Band 15, Spalte 355 Weichsel 15,355

  5. Sprichwörter
    Weichsel

    Wander (Sprichwörter)

    Weichsel Die Weichsel ist wie unser Herrgott, dem einen nimmt, dem andern gibt sie. Bezieht sich auf die grossen Verheer…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weichsel

55 Bildungen · 47 Erstglied · 8 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von weichsel

weich + -sel

weichsel leitet sich vom Lemma weich ab mit Suffix -sel.

weichsel‑ als Erstglied (30 von 47)

weichselbaum

DWB

weichsel·baum

weichselbaum , m. tritt im 12. jahrh. in Benedictbeurer und St. Florianer glossen als name des gummibaums auf, in Augsburg 1338 erstmals für…

weichselbeerbaum

DWB

weichselbeerbaum , m. prunus avium L.: von Hannover bis Meklenburg Pritzel-Jessen 313 ; östr. twieselbeerbaum Hoops waldb. 546 . —

weichselbeere

DWB

weichsel·beere

weichselbeere , f. mnd. wessel-, wisselbere Schiller-Lübben 5, 744 a , nd. vom 15. jahrh. an der häufige und lebendige name der vogelkirsche…

weichselblatt

DWB

weichsel·blatt

weichselblatt , n. wie das kirschblatt als tabaksurrogat erlaubt: handw. d. staatswiss. 2 7, 31. —

weichselbraun

DWB

weichsel·braun

weichselbraun , adj. mnd. wessel-, wisselbrunit, -bornit Schiller-Lübben 5, 697 b von dunkelbraunem tuch aus Brügge; aus steir. quellen seit…

weichselbusch

DWB

weichsel·busch

weichselbusch , m. prunus mahaleb, die in Norddeutschland nur als strauch gedeiht, oder pr. acida Dum., sonst strauchweichsel O. Ludwig 2, 1…

Weichselduurn

MeckWB

Wossidia Weichselduurn m. wie Wäpelduurn E. Boll Flora 41; E. Krüg. 71; eine sagenhafte goldene Kette um einen Burgwall is nich ihrer tau he…

weichselfärbig

DWB

weichselfärbig , adj. wie weichselbraun, von kühen Unger-Khull 624 a . —

Weichselfahrer

DWB

weichsel·fahrer

Weichselfahrer , m. schiffer der die Weichsel befährt: handelsrechn. d. d. ordens 114 Sattler; Marienburger tresslerb. 541 Joachim. —

Weichselgebiet

Meyers

weichsel·gebiet

Weichselgebiet ( Weichselgouvernements ), die russische amtliche Bezeichnung für Russisch-Polen; s. Polen , S. 87.

Weichsel-Haffkanal

Meyers

Weichsel-Haffkanal , Verbindung der Nogat mit dem Frischen Haff, angelegt wegen teilweiser Versandung der Elbinger Weichsel, wendet sich von…

weichselholz

DWB

weichsel·holz

weichselholz , n. stets das holz von prunus mahaleb: Immermann 9, 99 Hempel; Meisinger rapp. 225 a . dazu auch weichselholzrohr Fontane I 1,…

Weichselin

DWB

weich·s·elin

Weichselin , f. flusznymphe, wie sie nam. die Danziger dichter begeistert: Neumark fortg. lustw. 1, 432 ; Gottsched ged. (1751) 245 . —

Weichselkahn

DWB

weichsel·kahn

Weichselkahn , m. schiff, das die Weichsel befährt: handelsrechn. d. d. ordens 27 Sattler; Hennenberger erkl. d. preusz. landt. 415 ; Frisch…

weichselkirsche

DWB

weichsel·kirsche

weichselkirsche , f. verdeutlichende zus.-setzung zu weichsel, zuerst Cleve 1477 für prunus avium: wesselkerssen cerasum dulce Schueren teut…

weichsellatwerge

DWB

weichsel·latwerge

weichsellatwerge , f. brei aus sauren kirschen als arznei: weixel latwari md. arzneib. des meisters Bartholomäus Wiener sitz.-ber. 71, 556 ;…

Weichsellegion

DWB

weichsel·legion

Weichsellegion , f. im napoleonischen herzogthum Warschau 1807 aufgestellt Alten handb. f. armee u. flotte 2, 476 . —

weichsel als Zweitglied (8 von 8)

steinweichsel

DWB

stein·weichsel

-weichsel , f. , prunus mahaleb. Nemnich 571 ; die felsenkirsche ... heiszt auch ... steinkirsche, steinweichsel Roszmäszler d. wald 515 . —

süszweichsel

DWB

süszweichsel , f. , die süszsaure ' baumweichselkirsche ', s. Metzger pflanzenkde (1841) 792 : süszweichsel prunus aproniana Fischer schwäb.…

zivilweichsel

DWB

zivil·weichsel

-weichsel , f. , ' weiszbrot ', in der schwäb. soldatenspr. im ggs. zur kommiszweichsel ' kommiszbrot ' Horn soldatenspr. 90 ; vgl. weichsel…

Zwergweichsel

Campe

zwerg·weichsel

Die Zwergweichsel , Mz. — n , eine Art Kirschen (Prunus fruticosa L .); auch Erdweichsel, Steinkirsche, Bergkirsche .