lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Weichsel

nhd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
15 in 12 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
8
Verweise raus
3

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Weichsel

Bd. 20, Sp. 467
Weichsel (poln. Wisla, lat.Vistula), Fluß, entsteht in Österreichisch-Schlesien am Nordfuß der Beskiden, aus der Vereinigung der Weißen, Kleinen und Schwarzen W. in dem Dorfe W. oder Wisla, bildet hier einen 6 m hohen Wasserfall und fließt in einem felsigen Tal bis Schwarzwasser, wo er das Gebirgsland verläßt. Die W. scheidet nun auf eine kleine Strecke Preußisch-Schlesien von Österreichisch-Schlesien und Galizien, dann nach Aufnahme der Przemsza in nordöstlichem Laufe Polen und Galizien und tritt unterhalb Sandomir nach Aufnahme des San ganz nach Polen über. Dieses Land durchfließt die W. in einem weiten, gegen Westen geöffneten Bogen. Bei Pulawy verläßt sie das südpolnische Plateau, fließt aber noch bis zur Einmündung der Piliza in einem bis auf 4 km eingeengten Tal zwischen steilen, bewaldeten Rändern. Von Pulawy an durchfließtsie eine weite Ebene, berührt Warschau und Nowogeorgiewsk (Modlin), wendet sich nach Einmündung des Bug, der in seinem untersten Lauf auch nach seinem Hauptzufluß Narew genannt wird, nach Westen und NW., rechts wieder von hohen Uferrändern eingefaßt, berührt Plozk und Wlozlawsk und tritt 15 km oberhalb Thorn auf preußisches Gebiet über. Unterhalb der Mündung der Brahe und des Bromberger Kanals durchbricht sie in nordöstlicher Richtung, Kulm, Schwetz und Graudenz berührend und zuletzt nach N. sich wendend, den Preußischen Landrücken, und zwar fließt sie hier, oft in Arme sich teilend, durch ein tiefes Tal, das von Thorn bis zur Montauer Spitze im Durchschnitt 8 km breit ist, bald längs des westlichen, bald längs des östlichen Höhenrandes, so daß in der Regel auf der einen Seite des Stromes Niederung, auf der andern Seite hohes Ufer ist. Östlich von der W. liegen die Thorner, Althausener, Kulmer und Marienwerdersche, westlich die Schwetzer, Neuenburger und Mewer Niederung. An der Montauer Spitze teilt sich die W. in zwei Arme: die W. und die Nogat. Der letztere Arm war vorzeiten unbedeutend, vergrößerte sich aber durch Ausgrabungen und starkes Gefälle so sehr, daß er im Laufe der Zeit mehr Wasser als die W. führte. 1845 bis 1857 ist der alte Eingang zur Nogat verstopft und 4 km unterhalb ein Kanal (W.-Nogatkanal) aus der W. in die Nogat geleitet worden. Die Nogat, 60 km lang, hat seitdem an Wasser viel verloren, ist in ihrem obern Teil kaum noch schiffbar, geht an Marienburg vorbei und mit vielen Mündungen ins Frische Haff; durch den Kraffohlkanal (5,9 km lang) steht sie mit dem Elbingfluß in Verbindung. Nogat und W. durchströmen ein sehr fruchtbares Delta, das zwischen Danzig und Elbing 53 km breit ist, in einzelnen Teilen selbst noch unter dem Spiegel der Ostsee liegt und Werder genannt wird (Danziger Werder westlich von der W., Großer Marienburger Werder zwischen W. und Nogat, Kleiner Marienburger Werder östlich von der Nogat), das noch durch die Schwente und Tiege bewässert wird. Durch das Delta strömt die W. an Dirschau vorbei in nördlicher Richtung zum Danziger Haupt, woselbst auf der rechten Seite die Elbinger W. vom Hauptstrom sich abzweigt, die gleichfalls mit zahlreichen Armen ins Frische Haff mündet, bei normalem Wasserstand aber kein Wasser mehr aus der W. empfängt, indessen durch den Weichsel-Haffkanal (s. d.), der die direkte Verbindung mit dem Frischen Haff herstellt, hier ersetzt wird. Der Hauptstrom wendet sich nun nach NW. und mündet seit dem Dünenbruch in der Nacht vom 1. zum 2. Febr. 1840 bei Neufähr in die Ostsee. Diese Mündung, sehr versandet, ist für die Schiffahrt nicht geeignet, die dem alten Laufe der W., der an Danzig vorüberführt, erhalten worden ist. Durch die Groß-Plehnendorfer Schleuse am Durchbruch bei Neufähr von der W. abgesperrt, befindet sich die Höhenlage des Wassers in diesem Arme fast im Niveau des Ostseespiegels; in die Ostsee geht er bei Neufahrwasser, wo die alte Mündung (die Norderfahrt) jetzt abgedämmt ist und die See durch einen Kanal (die Westerfahrt oder das Neufahrwasser) erreicht wird. 1888–96 wurde mit einem Kostenaufwand von 20 Mill. Mk. die Binnennehrung von Siedlersfähre bis Schiewenhorst durchstochen und dem Flusse statt der bisherigen nordwestlichen Richtung ein direkt nördlicher Lauf (6 km lang) angewiesen. Die Quelle des Stromes, dessen Gebiet 191,406 qkm (3476 QM.) umfaßt, sein Eintritt in Preußen und seine Mündung liegen fast unter demselben Meridian (18°50' östl. L.). Die Stromlänge beträgt 1050 km, davon kommen auf Westpreußen mit Einschluß der Grenzstrecke gegen Posen 251 km. Der Wasserspiegel des Stromes liegt an der Mündung des Przemsza 245, bei Thorn 35, bei Dirschau 3 m ü. M. Die mittlere Tiefe, im untern Laufe zwischen 2 und 7 m schwankend, im Danziger Hafen 5,6 m betragend, wechselt in den einzelnen Jahren durch die Veränderlichkeit der riesigen Sandmassen ganz bedeutend. An der Mündung der Przemsza wird die W. für kleine, bei Krakau für mittlere, bei Zawichost, unterhalb der Mündung des San, für größere Fahrzeuge schiffbar; Seeschiffe gehen bis Danzig hinaus. Thorn passierten 1906 zu Berg: 448 Schiffe mit 63,000 Ton. Ladung; zu Tal: 679 Schiffe mit 66,000 T. Ladung, außerdem 1,013,000 T. Floßholz. Haupttransportartikel sind von Thorn aufwärts Soda, Farbholz, Roh- und Brucheisen, Steinkohlen, Teer, Pech, Harze aller Art und Asphalt, Mauersteine etc. Im Talverkehr sind Getreide nebst Hülsenfrüchten, Zucker, Steine, Holz, Mehl und Mühlenfabrikate, Melasse und Sirup die hauptsächlich zur Verschiffung gelangenden Güter. Durch den Bromberger (Netze-) Kanal ist die W. mittelbar mit der Oder in schiffbare Verbindung gesetzt. Die bedeutendsten Nebenflüsse der W. sind, links: die Przemsza, Piliza, Bzura, Brahe, das Schwarzwasser, die Montau, Ferse und die Mottlau mit der Radaune; rechts: die Sola, Skawa, Raba, der Dunajec, die Wysloka, der San, Wieprz, Bug mit dem Narew und mehreren aus dem südlichen Ostpreußen kommenden Zuflüssen, die Drewenz, Ossa und Liebe oder Alte Nogat. Die W. bildet eine Menge Sandbänke, die sich fast nach jeder Anschwellung des Flusses verändern und die Fahrt sehr beschwerlich machen. Indessen wird an der Regulierung des Stromes eifrig fortgearbeitet, nicht allein in Preußen, sondern auch in Rußland und Österreich. Überschwemmungen, am größten an den Mündungen der Nebenflüsse, treten jährlich dreimal ein: die erste im April, die zwei Wochen und länger andauert, die zweite um Johannis, die dritte vier Wochen später. Die mittlere Zeit des Zufrierens der W. ist um Warschau der 24. Dez., die der Befreiung vom Eis der 7. März. Infolge des Eisganges erfolgten im Dezember 1876 und März 1888 verheerende Durchbrüche, welche die Niederung zwischen der Nogat, dem Elbingfluß und der Fahrstraße nach Marienburg der Überflutung preisgaben. An Fahrzeugen auf der W. unterscheidet man: Schunen (350 dz tragend), Dubassen (300 dz) und Galeeren (225 dz), Patelken und Wittinnen, die alle flach und ohne Masten sind und in der Regel nach ihrer Ausladung zerschlagen und verkauft werden; ferner in Preußen einmastige Berlinen oder Berlinken und Baidaken (von Pulawy bis Thorn fahrend) und zahlreiche Flöße (Tratwen); Dampfboote bugsieren die flachbodigen eisernen Gabaren. Die W. liefert viele und gute Fische. Der größte Vorteil aber, den sie Polen gewährt, ist die bequeme Ausfuhr der Landeserzeugnisse an Getreide, Holz etc., die jährlich nach Danzig gebracht und von da ausgeführt werden. Krakau, Iwangorod, Nowogeorgiewsk, Warschau, Thorn und Danzig beherrschen als feste Punkte den Strom; Eisenbrücken, zum Teil großartige Bauwerke, führen in Preußen bei Thorn, Fordon, Graudenz und Dirschau über die W., bei Marienburg über die Nogat. Vgl. Brandstäter, Die W., historisch, topographisch und malerisch (Marienwerder 1855); »Führer auf den deutschen Schiffahrtstraßen«, 6. Teil (3. Aufl., Berl. 1907); Scholz, Vegetationsverhältnisse des preußischen Weichselgeländes (Thorn 1896); H. Keller, Memel-, Pregel- und Weichselstrom, ihre Stromgebiete etc., Bd. 3 u. 4 (Berl. 1900); F. Braun, Die deutschen Weichselufer (Danz. 1905).
7954 Zeichen · 99 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Weichsel

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Weichsel , plur. die -n, ein Nahme, welcher in verschiedenen Gegenden sowohl den rothen, als auch den schwarzen saue…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Weichsel

    Goethe-Wörterbuch

    Weichsel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weichsel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Weichsel , lat. Vistula , poln. Visla , Hauptfluß Polens, entspringt in österr. Schlesien auf den Beskiden in 3 Hauptque…

  4. modern
    Dialekt
    Weichsel

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Weichsel Band 15, Spalte 355 Weichsel 15,355

  5. Sprichwörter
    Weichsel

    Wander (Sprichwörter)

    Weichsel Die Weichsel ist wie unser Herrgott, dem einen nimmt, dem andern gibt sie. Bezieht sich auf die grossen Verheer…

Verweisungsnetz

22 Knoten, 9 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 7 Sackgasse 14

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weichsel

48 Bildungen · 47 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von weichsel

weich + -sel

weichsel leitet sich vom Lemma weich ab mit Suffix -sel.

weichsel‑ als Erstglied (30 von 47)

weichselbaum

DWB

weichsel·baum

weichselbaum , m. tritt im 12. jahrh. in Benedictbeurer und St. Florianer glossen als name des gummibaums auf, in Augsburg 1338 erstmals für…

weichselbeerbaum

DWB

weichselbeerbaum , m. prunus avium L.: von Hannover bis Meklenburg Pritzel-Jessen 313 ; östr. twieselbeerbaum Hoops waldb. 546 . —

weichselbeere

DWB

weichsel·beere

weichselbeere , f. mnd. wessel-, wisselbere Schiller-Lübben 5, 744 a , nd. vom 15. jahrh. an der häufige und lebendige name der vogelkirsche…

weichselblatt

DWB

weichsel·blatt

weichselblatt , n. wie das kirschblatt als tabaksurrogat erlaubt: handw. d. staatswiss. 2 7, 31. —

weichselbraun

DWB

weichsel·braun

weichselbraun , adj. mnd. wessel-, wisselbrunit, -bornit Schiller-Lübben 5, 697 b von dunkelbraunem tuch aus Brügge; aus steir. quellen seit…

weichselbusch

DWB

weichsel·busch

weichselbusch , m. prunus mahaleb, die in Norddeutschland nur als strauch gedeiht, oder pr. acida Dum., sonst strauchweichsel O. Ludwig 2, 1…

Weichselduurn

MeckWB

Weichselduurn m. wie Wäpelduurn E. Boll Flora 41; E. Krüg. 71; eine sagenhafte goldene Kette um einen Burgwall is nich ihrer tau hebben, as …

weichselfärbig

DWB

weichselfärbig , adj. wie weichselbraun, von kühen Unger-Khull 624 a . —

Weichselfahrer

DWB

weichsel·fahrer

Weichselfahrer , m. schiffer der die Weichsel befährt: handelsrechn. d. d. ordens 114 Sattler; Marienburger tresslerb. 541 Joachim. —

Weichselgebiet

Meyers

weichsel·gebiet

Weichselgebiet ( Weichselgouvernements ), die russische amtliche Bezeichnung für Russisch-Polen; s. Polen , S. 87.

Weichsel-Haffkanal

Meyers

Weichsel-Haffkanal , Verbindung der Nogat mit dem Frischen Haff, angelegt wegen teilweiser Versandung der Elbinger Weichsel, wendet sich von…

weichselholz

DWB

weichsel·holz

weichselholz , n. stets das holz von prunus mahaleb: Immermann 9, 99 Hempel; Meisinger rapp. 225 a . dazu auch weichselholzrohr Fontane I 1,…

Weichselin

DWB

weich·s·elin

Weichselin , f. flusznymphe, wie sie nam. die Danziger dichter begeistert: Neumark fortg. lustw. 1, 432 ; Gottsched ged. (1751) 245 . —

Weichselkahn

DWB

weichsel·kahn

Weichselkahn , m. schiff, das die Weichsel befährt: handelsrechn. d. d. ordens 27 Sattler; Hennenberger erkl. d. preusz. landt. 415 ; Frisch…

weichselkirsche

DWB

weichsel·kirsche

weichselkirsche , f. verdeutlichende zus.-setzung zu weichsel, zuerst Cleve 1477 für prunus avium: wesselkerssen cerasum dulce Schueren teut…

weichsellatwerge

DWB

weichsel·latwerge

weichsellatwerge , f. brei aus sauren kirschen als arznei: weixel latwari md. arzneib. des meisters Bartholomäus Wiener sitz.-ber. 71, 556 ;…

Weichsellegion

DWB

weichsel·legion

Weichsellegion , f. im napoleonischen herzogthum Warschau 1807 aufgestellt Alten handb. f. armee u. flotte 2, 476 . —

weichsel als Zweitglied (1 von 1)