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wehmuth

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wehmuth f.

Bd. 28, Sp. 117
wehmuth, f. älter auch m. ursprung, verbreitung, form. wehmuth ist nur scheinbar aus den subst. weh und muth zusammengesetzt, thatsächlich aus dem adj. wehmüthig rückgebildet. auch ags. wéamétto f. 'anger, wrath, passion, irascibility' Bosworth-Toller 1176 (aus wéamédðu Sievers ags. gramm. § 201, 4) ist secundär gegenüber dem adj. wéamód (s. u.wehmüte), mengl. liegt neben wâmêde adj. 'angry' gar nur das abgeleitete wêmôdnesse f. 'anger, ira' vor Stratman 661. mhd. ist ein subst. wêmüete nicht belegt, freilich auch wêmüetic nicht unmittelbar, aber doch aus dem allein belegten wêmüetecheit zu entnehmen. eine ganz entsprechende chronologie zeigen grosz-, klein-, sanft- und schwermuth: groszmuth ist jünger als groszmüthig (s. o. 5, 93); dem mhd. kleinmuotikeit und dem adj. kleinmüete folgt kleinmüthig im 15. jahrh., kleinmuth nicht vor Fischart; sanftmüthig ist im 15. jahrh. vorhanden, sanftmuth erst bei Weckherlin, während mnd. sachtmod, sachtmodich und sachtmodicheit gleichmäszig vorhanden sind; schwermuth lebt recht auf erst zu ende des 16. jahrh., während swærmüetic, swârmôdig schon mhd. und mnd., schwermüthigkeit seit Sachs und Maaler vorliegen. im gegensatz zum hd. sind mnd. neben wêmôdicheit auch wêmôd m. und wêmôdich adj. gleich gut und gleich früh entwickelt (Schiller - Lübben 5, 668; Lübben-Walther 571), vom nd. aus sind beide im 15. jahrh. ins md. und obd. gelangt und fortan parallel entfaltet. im 15. jahrh. wiegen unter den glossarien, die wehmuth buchen, die nd. noch durchaus vor: die bei Diefenbach gloss. 608b unter vecordia angeführten haben alle nd. einschlag oder buchen geradezu wemot mit nd. vocalismus. in nhd. wörterbüchern erscheint wehmuth erst seit Stieler 1299 und seitdem regelmäszig: Pomey (1709) 3, 338b; Ludwig (1716) 2413; Hederich 2616; Steinbach 2, 90; Frisch 2, 429b; Nieremberger (1753); Adelung (1801) 4, 1437; Campe 5, 628. nhd. geht im litterarischen gebrauch des wortes Luther im 16. jahrh. fast als einziger voran, die ostmd. schriftsteller stehen noch im 17. jahrh. durchaus im vordergrund: Fleming, Gerhardt, Zesen und vor allem die Schlesier: Butschky, A. und C. Gryphius, Günther, Hoffmannswaldau, Lohenstein, Mühlpfordt, Opitz, Schweinichen, Stoppe. ihnen gebührt der entscheidende antheil an der einbürgerung des wortes, indesz der md. westen (Happel, Schupp) und auch Niederdeutschland (Dach, Kantzow) auffallend zurückstehen, die Oberdeutschen kaum vor Abraham a S. Clara, die Schweizer nicht vor Bodmer, Breitinger und Haller theilnehmen. im gegensatz zu wehmüthig wurzelt das wort nirgends in deutschen mundarten, von nachbardialekten kennen es nur das nl. und fries.: weemoed. luctus, pusillanimitas Kilian (1777) 792; wêmôd Doornkaat Koolman 3, 534. durch sein geschlecht ist wehmuth im sprachbewusztsein der neuen zeit von muth geschieden, es wird vielmehr mit demuth zusammengefaszt, wenn es auch kaum je ausdrücklich neben diesem erscheint. auch in einzelentfaltungen stellt es sich nahe zu demuth: wie dieses oben 2, 921 als eigenname nachgewiesen ist, z. b. als name der magd im märchen vom spiegel mit dem pech, so tritt fraw Wehmuot als mutter des verlorenen sohnes auf bei Wickram werke 6, 246 Bolte; wie demuth das. als name von thymian und bohnenkraut belegt wird, so erscheint wêmuet als name eines blümchens mit krausem kraut in Dänikon bei Zürich, schweiz. id. 4, 585. in alter zeit hat die anlehnung an muth dialektisch wehmuth zum masc. gemacht: mnd. wêmôd ist regelmäszig m.: item in desseme iare (1470) markgreve Frederik ... quam in wemud unde melancolyen, [] also dat he unstede ward in allen dingen ... des reden em syn rad, dat he toge in Vranken, uppe dat he synen wemud vorghete unde queme wedder to sik sulven chronik des (Lübecker) lesemeisters Detmar 2, 331 Grautoff. bei Luther gilt m. neben häufigerem f.: wie gar kan der teuffel seynen wehmutt nicht bergen Weim. 10 II 250, 27, nur m. begegnet obersächsisch im 17. jahrh. wirff nun den wehmuth weg, du edler hauffe du Fleming teutsche poemata (1660) 592; setzt mir des wehmuths schmertzen zu, so find ich bey dir meine ruh als auf dem bett ein kranker Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 308; mit groszem wehmuht Zesen Ibrahim 1, 98; und wolte uns fast selbst seinen wehmuth zuverstehen geben polit. maulaffe (1679) 170. von den Schlesiern kennen nur wenige das m.: habe ich mit smerzlichem wehmut erfahren Butschky kanzlei 861; da sah er nichts als leid, das seinen geist bestrickte, und wehmuht, unter dem die seele fast verschmacht Mühlpforth hochzeitged. (1686) 3. gerade die Schlesier sind es, die im nhd. den sieg des f. durchgesetzt haben. die form wehemuth hat von haus aus nur graphische bedeutung. sie begegnet früh als kanzleimäszige schreibung: dasz uns fast in wehemute schwerlich zu herzen ist gegangen codex dipl. Sil. (1433) 12, 105 und unter einflusz der kanzlei bei Luther: solche innerliche wehemut und hertzengeschrey Mosi höret gott leise und bald Weim. 16, 183, sonst nur bei schriftstellern, denen der lebendige gebrauch des wortes fernliegt: wie ... Jesus ... zwölff jahr alt war, hat er sich ... nacher Jerusalem begeben, woselbst er von Maria und Joseph nit ohne sondern hertzenwehemuth verloren Abraham a S. Clara Judas (1690) 2, 16; es ist die welt ein garten, in welchem ... nichts ... wachset, als wehrmuth und wehemuth etwas für alle (1711) 1, 460; die frau, als sie solches mit höchster wehemuth erfahren, lieff vor den amtmann Happel akad. roman (1690) 52; so entfält mir hertz und muth, dasz ich darüber für wehemuth und traurigkeit beynahe versincken möchte Schupp schriften (1663) 445. von theoretikern hat die schreibung wehemuth nur der französische jesuit Pomey (1709) 3, 338b und nach ihm Ludwig (1716) 2413. metrisch ist sie ganz selten gesichert: an ihren wimpern bebte der thau der wehemuth Kosegarten bei Campe; gegen die schreibung ist dreisilbig zu lesen: der glocken ... schlag lenkt meine wemuth auf den betrübten tag Stoppe Parnasz (1735) 131. bedeutung. II. 'zorn', die alte bedeutung von muth, ist oben 6, 2781 zu eng als ostgermanisch bezeichnet worden. sie zeigt ihre spuren nicht nur ags. und asächs., sondern greift auch ins deutsche hinüber. im mnd. wêmôd ist sie durchaus fest: vordrete, troiss, vnwillen offte wemoedt gensliken moge hengelecht werden monumenta Livoniae ant. 4, 244 u. ö. bei Schiller - Lübben. die glosse vecordia. i. demencia vel furor we mut vel wemutigkeit gemma gemm. (Straszburg 1518) rechtfertigt sich wahrscheinlich damit gegen Diefenbach mlat.-hd.-böhm. wb. 280 und mhd. wb. 2 I 267), dasz ihr eine nd. angabe zu grunde liegt. wie das nd. kennt Luther die bedeutung 'zorn': hilff gott, wie zornig sind die helden, das sie ... fur groszem wehe mut und grym auch nicht sehen was odder warauff sie antworten sollen Weim. 26, 261, er variirt sie zu 'bornirter hasz': man sollt den Luther mehr mit fewer umbringen denn mit vornünfft ubirwinden: wer sollt doch nit hie lachen solches weybischesz unnd aller ding münchisches wehmütts? 9, 746, 'enge leidenschaft': seyn thun engstet sich altzeyt noch der hohe ... darumb hat mit diszem wort der prophet eygentlich seyne sorge und wehmut in solchem handel troffen 8, 713. md. hält sich die bedeutung 'zorn' bis ins 17. jahrh.: i. f. g. haben herzog Heinrich allemal als den sohn nicht lieb gehabt, hat oft übel auf ihn gescholten, wann die wehmuth i. f. g. überlief Schweinichen denkwürdigkeiten 16 Österley; [] solch einen abschäu und solch einen wemuht hab' ich, wan ich sehe, dasz einem menschen, den ich mehr lieb' als mich selbst, einige schmach zugefüget wird Zesen Sofonisbe 54. indem das bedeutungselement der feindseligkeit gegen einen bestimmten gegner verblaszt und sich der stumpfer gewordene affect gegen die auszenwelt allgemein richtet, wird der zorn zum verdrusz, so schon mnd.: so bidde wi ju, dat gi des (störfangs in der Newa) vorbat nicht en steden ... groten schaden und wemod dar mede to vermidende livländ. urkundenb. nr. 1793 (1409); so bevruchte wi uns, dat de kopman des vurder in vordret und wemod mochte komen das. 1830 (1410); später vereinzelt: bisz hieher bin ich wilde zu klagen ümb mein leid. hier wird mein wehmuth milde, der mich fast durch hat bracht, mein wehmuth ümb die zeit, die ich hier richte hin gantz ohne nutzbarkeit Fleming geist- und weltl. poemata (1660) 200. IIII. die alte enge bedeutung erscheint innerhalb des nd. verallgemeinert zu 'affect' überhaupt: hette einer eim armen pauren seine tochter mit gewalt geschwecht. dasselbig klagte die dyrne mit grossem wehmot dem khonige Kantzow chronik von Pommern 269 Gaebel. von da aus kann eine entwicklung nach verschiedenen richtungen eintreten: II@AA. nahe liegt die bedeutung 'äuszerung eines affects', die doch vereinzelt bleibt: diese rede beseelte sie mit einer so erbärmlichen geberdung und wehmuth, dasz sie dem Segesthes durch die seele ... drang Lohenstein Arminius (1689) 1, 48a. umgekehrt wird wehmuth zur 'ergriffenheit', die die äuszerung hindert bei Stranitzkhy: die fernere wort, die ich heimlich in dem hertzen geführt, kan ich vor wehmuth nicht so ausdrücklich geben Wiener neudr. 6, 29. II@BB. der affect kehrt sich auf das leid des nächsten und wird zum 'mitleid': bei aller noht der deinen ob schon die augen nicht, so musz dein hertz doch weinen ausz wehmut Dach 565 Österley; ich fall ietzund als knecht zu deinen zarten füssen, ich ruff als göttin dich mit bleichen lippen an, lasz einen milden strahl auf meinen scheitel schüssen und zeige dasz bey dir auch wehmuth wohnen kan Hoffmannswaldau heldenbriefe (1682) 6, danach bei Steinbach 2, 90; mein hertze steht dir offen, komm schaue disz nur selbst mit frischen augen an: drum lasz ihm auch ein theil von deiner wehmuth hoffen Neukirch in Hoffmannswaldaus u. a. gedichten 2, 94; fort, schreyt die schaar, nur fort mit ihm ans kreuze! ach ist denn nichts, das euch zu wehmuth reize? Neukirch ged. (1744) 68. gleichfalls auf den zustand des mitmenschen richtet sich wehmuth als 'zartgefühl': ein krüpel dient wohl sonst zur kurtzweil der gesunden, doch deine wehmuth ist mir allzuwohl. bekant Hoffmannswaldau heldenbriefe (1682) 11, bei Steinbach 2, 90 übersetzt: sed tuus animus mitis dudum mihi cognitus est. II@CC. vom affect erscheint wehmuth auf die ursache des affects übertragen, die wider sehr vielgestaltig sein kann. aus der trauer wird das 'unglück', das die trauer verursacht, so mnd.: desses wemodes si geweset ein hovetman (huius cladis auctor) chronicon sclavicum parochi Suselensis 36, 6 Laspeyres; ferner 'kriegsleiden': ach! dasz ichs nun sol nennen das liebe vaterland, das kaum noch ist zu kennen von wehmuth' ungestalt, von wehmuth' aller noth, in der es ohne todt nun ist so lange todt, sein eigen schwerdt und graab Fleming 95; 'trübsal': als man mit myhrren-essig ihn in höchster wehmut tränckt A. Gryphius freuden- u. trauerspiele (1663) 654; 'krankheit': Fabricius. ja! wo mein herr nur kan von seinem bett auffstehen. Flavia. wie lang ists, dasz er nun in dieser wehmut ligt? lustspiele 248, 29 Palm; 'körperlicher schmerz': wenn ich bald aug und ohr, bald hand und fusz verliere, wenn ich im hospital mich kaum vor wehmuth rühre Chr. Gryphius poet. wälder 2, 367. [] IIIIII. seit ausgang des 17. jahrh. herrscht mit neuer usueller verengung ausschlieszlich die bedeutung 'tiefe, innere, gleichmäszige trauer'. frühe belege schon im 16. jahrh.: so offt ich ietzundt sein gedenck, vor wehmut ich ein seufftzen senck H. Sachs werke 13, 469 Keller; dies alles gab mir nicht wenig herzbrechenden kummer und wehmuth Schweinichen denkwürd. 171 Österley; zur begriffsbestimmung gut geeignet die abgrenzung gegen nachbarwörter: das trauren kan zu rechter zeit auch hohe seelen nicht beschämen: denn wehmuth ist nicht weichlichkeit, und treuer schmertz kein schimpfflich grämen Günther 145. schwere, dauer und ausgeglichenheit der seelischen (nie körperlichen) depression sind damit dem worte mit nothwendigkeit vindicirt, die weitere entfaltung läszt sich von innen heraus darlegen, indem die in der begriffsbestimmung enthaltenen bedeutungselemente zergliedert werden. die definition enthält damit zugleich schon die disposition. III@AA. 'trauer', das genus proximum der definition, ist schon in sich kein ganz einfacher begriff und in seinen einzelnen anwendungen höchst wandelbar. III@A@11) früh verbreitet ist die anwendung auf liebesgram, zumal in gebundener rede: dein (der Venus) wesen ist ein marck, da leyd wird feil getragen, ein winckel da verdrusz vnd wehmuth innen steht Opitz poemata 148 neudr.; bist du denn harter stein und stahl, die mann doch zwingen kan? feld, wiesen, wälder, berg und thal sehn meinen wehmuth an Fleming poemata (1660) 494; o abschied voller zärtlichkeit! o wehmuth heiszer liebesthränen! o dörft ich eurer nicht erwähnen! Gottsched ged. (1751) 144; da wachte wehmuth auf, freud' und entzücken, die liebesgeister, die in ruhe schliefen, sie eilten über unsichtbare brücken Tieck schriften (1828) 1, 394 (Octavian 2, 5); dort seh' ich die liebste stehen, feuchte wehmut in den blicken Heine 1, 54 Elster; auch sie steht nun wohl in dem dämmerlichte, der wehmuth zug in dem gesichte, auf dem altan und denkt an mich Grabbe werke 1, 176 (herzog v. Gothland 3, 1). in prosa bedarf wehmut in diesem sinne der begrifflichen stütze: ach, sprach die gräfin oftmals mit zärtlicher wehmuth, wärs doch im rathe der wächter beschlossen, dasz wir beide zu gleicher stunde ins dunkle grab hinüber schlummerten Musäus volksmärchen 3 (1805) 259; liebe und wehmut tönen in holden geisterstimmen E. Th. A. Hoffmann werke 1, 38 Grisebach; vom prinz Johannes. von seinem wandeln in sehnen und wehmut ... bis ihm der einzigste anblick der schönen sonnenprinzessin gewährt wurde Grimms märchen (1812) 1, 386. III@A@22) die bedeutung 'trennungsschmerz' tritt später auf, spielt aber eine gröszere rolle. sie geht deutlich vom abschied zwischen liebenden aus: wann ein vertrauter sinn den andern musz verlaszen, was pflegt sich dazumal vor wehmuth zu umbfaszen, ein tag, der ist ein jahr Treuer d. Dädalus (1675) 1, 187; sein (Wulfs) naher abschied erregte bey ihr eine wehmuht, die sie (Alswitha) nicht bezwingen konte Haller Alfred (1773) 270; ich sehe die örter, wo du saszest, und schliefest, und spaziertest, mit einer gewissen wehmuth an Lavater verm. schriften (1774) 1, 58. auch das gefühl beim abschied der mutter vom sohn kann wehmuth heiszen: ich verliesz meiner eltern haus im november 1752, unterdessen meine selige mutter vor wehmuth schmelzte Hamann 1, 174, öfter beim abschied zwischen freunden und freundinnen: er ritt weg und hinterliesz die beiden freunde in der gröszten wehmuth Göthe Weim. I 23, 190; wir reiseten den 10 ten wieder ab, und, ich darf es bekennen, nicht ohne wehmuth von meiner seite Knigge roman meines lebens (1781) 1, 217; er nahm mit so vollem herzen und einer so sichtbaren rührung von uns abschied, dasz es in jeder fühlenden seele wehmuth erregte Forster sämtl. schriften 2, 78; [] einsam in wehmut, dacht' ich vergänglichkeit und freundes trennung Voss sämtl. ged. 3, 250; aber euch, schwestern grüsz' ich mit wehmuth, freudig scheidend aus eurer schaar Chamisso werke 3, 13. der abschied von den freunden grenzt nahe an den von der heimath: ich bin bange vor dem heimweh, oder mindestens davor, dasz ich meine fortwährende leise wehmuth im andenken an alle fernen freunde nicht wieder los werde Schücking an A. v. Droste-Hülshoff in deren briefen 65. schon vorher rückhaltlos für das gefühl bei trennung von der heimath: alle zeugen von menschlicher empfindung können die verzweifelnde wehmuth nicht ausdrücken, mit welcher ein erkaufter oder erstohlner negersklave die küste seines vaterlandes verläszt Herder 13, 262 Suphan; unverkennbar sah aus allen gesichtern die wehmut, den ort für immer verlassen zu sollen Ludwig ges. schriften 2, 172. damit ist der gebrauch bei trennung von leblosen gegenständen vermittelt, den Göthe kennt: dieses gilt namentlich vom hofrath Stark, der seine pathologischen vorlesungen beständig auf diese sammlung gegründet und nur mit wehmut sich künftig solcher belehrenden beyspiele beraubt sehen würde Weim. IV 33, 309; da ich sie (die gulden) ihm hingezahlt hatte ... wollt mir vor wehmuth fast das herz brechen I 8, 78. III@A@33) eine besondere form des trennungsschmerzes ist der beim abschied von einem sterbenden, so wird wehmuth zur trauer in diesem eigensten sinne des worts. auch dieser gebrauch geht vom nd. aus: fil er in die schentliche kranckheit der Frantzosen, das er ... die lenge darin starb mit grossem wemut der gantzen lantschafft Kantzow chronik von Pommern 369 Gaebel; sehnliche klage, welche bey ableiben des weitberühmten ... Heinrich Albert ... aus hertzlicher wehmut geführt ich Simon Dach Dach 130 Österley. von da greift er nach Mitteldeutschland über: weine, was du kanst vnd wilst. er (der verstorbene sohn) wird wo er ist, wohl bleiben. willst denn du den wehmuth treiben bisz auch du die erde füllst? Fleming poemata (1660) 334; Antonettens geist und tugend sint der zärtsten wehmuth werth Gottsched ged. (1751) 224. seit der classischen zeit überall möglich, und zwar nicht so sehr von der frischen trauer um einen toten, als von der fernen erinnerung an ihn: aber ich werd' auch leiden gewahr im vergangnen, wehmuth! es geht mit den leichen der geliebten mir vorbey Klopstock oden 2, 110 (das gegenwärtige); zitternde wehmuth und ehrfurchtsvoller schauer müssen sie durchwandeln, wenn ihr fusz auf die schon tief eingefallene grabstätten tritt, unter welchen Epaminonden liegen Abbt verm. werke 2, 53; machen das instrument zu einer schwarzen tinte, zu einem groszen gemählde, wo in jeder gruppe sich die wehmuth über einen entschlafenen freund legt Schubart ästhetik der tonkunst 291; Oberlins hinterlassene zahlreiche, nicht geistreiche, aber fleiszige excerpte in vielen pappdeckeln habe ich vorgestern abend mit wehmuth betrachtet Jacob an Wilh. Grimm 18. mai 1814 briefwechsel 326. durch die ferne ist die trauer gemildert, das tritt in den attributen gelegentlich hervor: die stille wehmuth Wilhelms (um den tod der gattin) verwandelte sich nun vor und nach in eine gesprächige und vertrauliche traurigkeit Jung-Stilling 1, 61; die fromme wehmut, als ob man einen ... toten beweint Arndt sämtl. werke 1, 108; in die sanfte wehmuth über den tod der verstorbenen ... mischte sich das entzücken beglückter leidenschaft Holtei erz. schriften 5, 61. anderseits kann durch attribute betont werden, dasz die trauer trotz der entfernung lebendig bleibt: mit lebhafter wehmuth erinnere ich mich der letzten stunden dieses edeln mannes S. v. Laroche gesch. des frl. v. Sternheim (1771) 1, 75; mit der innigsten wehmuth erinnere ich mich noch an die letzten worte der liebevollen freundin Pückler briefw. 3, 144; dem wittwer blieb eine namenlose wehmuth im herzen zurück Treitschke deutsche geschichte 1, 365. selten ist wehmuth der frische schmerz um einen eben verstorbenen: [] da Thyest an seinem fleische sich gesättigt, eine wehmuth ihn ergreift ... wirft Atreus grinsend ihm haupt und füsze der erschlagnen hin Göthe Weim. I 10, 18; aber ein Carlsschüler ... sah mit gefühlen kindlicher wehmuth, die der lebende herzog wohl nicht von ihm erwartete, seiner leiche nach Kerner bilderbuch 12, noch seltener die heisz ausbrechende trauer: der alte (in Wilhelm Meister) ... ergreift uns mit wilder wehmuth Fr. Schlegel im Athenäum 1, 12; Indianer sind's, die von der heimath scheiden ... nun feiern sie der todten angedenken ... da bricht die wehmuth plötzlich ihre hemmung, sie strömet laut und lauter in die lüfte, schon braust des schmerzes volle überschwemmung in wilden klagen um die stillen grüfte Lenau ged. 1, 222. III@A@44) wehmuth als religiöse trauer ist im erhabenen stil des 18. jahrh. nicht selten: und also werff ich hier mein hertz zu deinen (gottes) füszen, mit wehmuth ganz zerknirscht, doch glaubig und getrost Schmolcke trost- u. geistreiche schriften (1740) 1, 326; (wir) zerflossen in tönen der seel-erhebenden wehmuth. ehre Jehovah und heil uns glücklichen wesen! die wehmut ist vorüber, ihr letzter gesang zerflossen in freude Herder 12, 26 Suphan. III@A@55) quillt die innere bewegung über jede bethätigung von verstand und willen hinweg, so wird die wehmuth zur rührung, zunächst bei frauen: da sie aber langsam sich ihren frauen näherte, konnte sie sich der wehmuth nicht erwehren Haller Usong 33; wehmuth unterbrach ihre rede und auch der minister fand sich erschüttert Arnim werke 15, 97 Grimm; von männern gehemmt und verpönt: bezwinge die wehmuth, und gehorch! Ayrenhoff werke 2, 171, dagegen in der rührseligen zeit als beweis besonderen zartsinns gerühmt: nun kann kein edles herz die wehmuth mehr verschlieszen Ramler lyr. ged. (1772) 347 und auch von männern oft berichtet: ich konnte mich der wehmuth kaum erwehren Gellert bei Adelung; als ... mir das rührende buch ... vor wehmuth aus der hand fiel Gerstenberg schlesw. lit.-briefe 105 neudr.; im gegenwärtigen fall aber ist es eine frage von einer solchen wichtigkeit, dasz ich mich kaum der wehmuth dabey enthalten kann Hippel über die ehe 58; das leztemal predigte ich ... mit solcher rührung und wehmut Schubart leben u. gesinn. 1, 112; ihre vier hinterlassenen kinder konnte ich nur mit wehmuth ansehn Göthe Weim. I 22, 350; seine töchter ... konnte er vor wehmuth nicht mahlen 47, 134. dem 19. jahrh. ist der charakteristische ausdruck vergangener litteraturströmungen langsam abhanden gekommen, der begriff findet sich selten noch rein: kein mäuerchen, kein holz ist so geringe, dasz nicht mein blick voll wehmut an ihm hängt Mörike werke 1, 46 Göschen. III@BB. die drei notae specificae der definition, tiefe, innerlichkeit und ausgeglichenheit der trauer, treten mit wechselnder leuchtkraft zu tage: III@B@11) die tiefe der trauer wird betont III@B@1@aa) am liebsten durch attributives adj.: betrübtes Zion ... man ächzt ... aus tiefer wehmuth über dir Gottsched ged. (1751) 157; in den sayten der brust weht tiefe wehmuth Novalis im Athenäum 3, 189; der die frischen ruinen einer einsiedlerzelle mit tiefer wehmuth zu betrachten schien Pfeffel pros. versuche (1810) 5, 10; er las auf seinem gesichte die innere unruhe, die tiefe wehmuth Klinger werke 4, 17; mir schien, dasz ... seine seele ... mit einer tiefen wehmuth erfüllt war Holtei erz. schriften 2, 33; dadurch erweckte ich freilich alle schmerzen meines preuszischen gemüthes nur in noch tieferer wehmuth, aber von einer milden rührung umflossen Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 37; die alte dame sah mit einem blick der tiefsten wehmut herab zum steinernen herzen E. Th. A. Hoffmann sämtl. werke 3, 261 Grisebach. für tief treten wechselnde synonyma ein, zum theil älter zu belegen als tief selbst: vor groszem wehmut und trauren Erasmus Francisci (1668) [] 1384a; ihr gestriger brief hat mich in die gröszte wehmuth gestürzt Kretschmann sämtl. werke 5, 134; sei stille, sonst bringt mich deine aufrichtigkeit zu der äuszersten wehmuth Gellert werke 3, 172. auch attribute, die jünger sind als tief, arbeiten auf die gleiche wirkung hin: als das 1777ste jahr eintrat, so drükte ich meiner gattin mit dem schlage zwölfe mit unaussprechlicher wehmut die hand Schubart leben u. gesinn. 2, 122; ich war so bestürzt über diesen anblick, und fühlte eine so innige wehmuth über das herbe schicksal dieses groszen märtyrers Pückler briefwechsel (1873) 2, 392; inniger wehmuth voll suchte er den alten Wiesner auf Holtei erz. schriften 7, 66; entspr. 23, 37. selten fügt das attribut zur gradbestimmung eine färbung des begriffs: fieberhaffte wehmuth Göthe Weim. III 1, 29; ermattet sinkt er auf das faule stroh, und bittrer wehmuth weicht des zornes braus Lenau ged. (1857) 1, 82. III@B@1@bb) vereinzelt kann ein adverb dem gleichen zwecke dienen: zwahr vil verligen ietzt, die guts zuthun beginnen, und doch mit groszem schatz keins hällerswährt gewinnen, gehn, wie verschäuchte schaf, in wemuth gantz verirrt, dieweil das mort-gezänck hat statt und land verwirrt Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch (1647) 34; an jeden baum, an jede quelle hängt liebend die erinn'rung sich ... und zwischen weinen zwischen lachen die wehmuth endlich mächtig siegt Arndt ged. (1860) 325. III@B@1@cc) poetisch kann die wirkung auch rein durch starke verbale ausdrücke neben wehmuth erzielt werden: mit diesem dancke nehmt für willen (fürlieb), und seht mir in den himmel nach, so wird sich alle wehmuth stillen, wormit ich euch das hertze brach Günther ged. 233; du weiszt es nicht, wie mir das herz vor wehmuth bricht Becker Mild. liederbuch (1799) 67; bald seh ich euch der wehmuth dolch im busen Mastalier ged. (1774) 7, 7; verzeiht milords, es schneidet mir ins herz, wehmuth ergreift mich und die seele blutet, dasz irdisches nicht fester steht Schiller 12, 463 (Maria Stuart 2, 4). III@B@22) viel öfter wird die innerlichkeit des gefühls irgendwie gekennzeichnet. III@B@2@aa) äuszerung in worten widerspricht im allgemeinen unserm begriff von wehmuth, dem ausdrücke von der art: wie hört und sieht man nicht die wehmuth trostlosz wimmern König ged. (1745) 115 und auch: bald sunk das flöten der wehmuth immer tiefer, und bald schien's zu verstummen, verstumte Klopstock oden 2, 101, 43 fremd geworden sind. wo sich in neuerer zeit wehmuth doch einmal in worten äuszert, musz das unserem sprachgefühl achtsam vermittelt werden. sehon in der dichtung ist das nöthig: und wie es nun ringsum so stille wird, beginnt aus den thälern ein heimlich singen, als wollt's mit wehmut die welt umschlingen Eichendorff ged. 127 Strausz, vollends aber in prosa: jetzt von fern die küsten vorbei, da Fingals thaten geschahen und Ossians lieder wehmuth sangen Herder 5, 169 Suphan; wie sehr war ich ... verwundert, da ich ihn ... mit wehmut ausrufen hörte: schweigen wir von diesen dingen Göthe Weim. I 33, 66; es erschallen nicht in der einsamen kammer die klagen der mutter, nicht die wehmuth des vaters Klinger neues theater 1, 67 (Aristodymos 3); da entsiegelte ihm zuletzt vertraulichkeit und wehmuth die lippen Fouqué zauberring (1812) 1, 65; der Bismarck dieser verse stand über den dingen, die ihn umgaben. aber es ist ebenso gewisz: Bismarck stand zugleich mitten in ihnen drin; und ebenso echt sind in diesem verkehre die worte seiner wehmut und schwermut Marcks Bismarck 1, 279. im ganzen ist aber wehmuth nicht hörbar. III@B@2@a@aα) sie wird gesehen, aus den gesichtszügen oder den augen abgelesen: die wehmuth sah ihr aus den augen, doch blieb die bildung hold und nett Günther bei Steinbach 2, 90; [] von wehmut glänzt der augen licht Voss sämtl. ged. 5, 256; wer unter uns ist in seinen freunden so glücklich, dasz er nicht mit wehmuth im gesichte einen darunter so anzureden ursache hätte Abbt verm. werke 6 I 70; er ... bemerkt den lanzenstich in die seite des erblaszten mit sichtbarem gefühl der wehmuth Herder 19, 340 Suphan; ich kann es nicht sagen, welch' eine fülle von wehmuth und schmerz in diesem blick lag Holtei erz. schriften 1, 22; ist es nicht dasselbe gesicht, das ihr jetzt nachsieht ... so ehrlich, so mild in seiner wehmut? Ludwig ges. schriften 1, 213. III@B@2@a@bβ) das normale ist aber, dasz wehmuth empfunden wird. das ist der kern des neueren wortgebrauchs, für den in dichtung und prosa sehr mannigfaltige ausdrücke zu gebote stehen: das geschick ... hat noch diesz ruhge herz zur wehmuth nicht bewegt Cronegk schriften 1, 209 (Codrus 3, 8); unbezwingliche trauer befällt mich, entkräftender jammer, und ein moosiger fels stützet den sinkenden nur. wehmuth reiszt durch die saiten der brust; die nächtlichen thränen flieszen, und über den wald kündet der morgen sich an Göthe Weim. I 1, 286; und es hat mein feuchter strahl wehmuth ihm in's herz gethaut Rückert werke 1, 391; mir entbrannte mein herz von wehmut bitter Mörike werke 1, 90 Göschen; die ... scene ... läszt eine wehmuth in der seele zurück Lichtenberg nachlasz 164, 27; da fühlte er ein ungewohntes sehnen, und eine nie empfundene wehmuth in der seele Miller Siegwart (1777) 1, 11; mit wehmuth fühlet der innerlich unzufriedene sich selbst in den augen solcher glücklichen schwerfällig und dumm Zimmermann einsamkeit 3, 126; wer wollte die wehmuth nicht empfinden? J. v. Müller sämtl. werke 11, 13; mir ist das herz aufgegangen in wehmuth Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 14; füllt mit wehmuth unsre brust Arnim werke 22, 77 Grimm; soll denn der nie unterbrochene anblick inniger treuer ... liebe nicht einmal ihr gemüt mit ungewohnter wehmut berühren? Pückler briefwechsel (1873) 1, 457; welches deutsche gemüth ergreift nicht wehmuth beim anblick der langen züge unserer landsleute, welche mit weib und kind und habe eine neue heimat jenseits des weltmeeres suchen? Moltke ges. schriften 2, 308; feierliche wehmuth ergriff ihre herzen Ebner-Eschenbach ges. schriften 1, 169. III@B@2@a@gγ) die so empfundene wehmuth macht stumm: singen konnte ich es nicht, die wehmuth erstickte meine töne Pfeffel pros. versuche 1, 3. attributive adjectiva drücken das gern aus: der durch dein weites reich vergoszne thränen-bach, der unberedte schmertz, der stummen wehmut ach Heräus gedichte (1721) 146; (diese poetische wendung ist verfehlt, weil sie) die inwendige wehmuth des klagenden poeten weder unterstützet noch rechtfertiget Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 409; die musik hinter der scene geht in eine weiche schmelzende melodie über ... die flöten wiederholen, sie (Johanna) versinkt in eine stille wehmuth Schiller 13, 285 (jungfrau 4, 1); die ursprüngliche liebe erscheint ... als stille wehmuth Fr. Schlegel im Athenäum 3, 22; ich schaue mit einer stillen wehmuth auf die reste der lebendigen Steffens was ich erlebte 1, 13; wie er dennoch ... die verborgene wehmuht seines herzens aus der quelle der ehrerbietigkeit hervor brechen lässet Liscow sammlung satir. und ernsth. schriften 158; das heimliche verlangen schrieb sich ihr indes, wie jedes starke empfinden seine spur in den zügen hinterläszt, immer mehr ins gesicht als ein ausdruck sinnenden ernstes und verborgener wehmut Zahn die da kommen u. gehen (1909) 97; er lächelte froh, vielleicht manchmal mit einer kaum merkbaren wehmut 137. III@B@2@a@dδ) so eignet sich, auch im scherze, zum symbol der wehmuth nur ein stummer gegenstand, wie im Berliner 'tunnel', dem Fontane, Lepel usw. als mitglieder, Heyse als gast angehörte, der stiefelknecht grenzboten jg. 69 (1910) II 56. witzig symbolisirt er den schmerz, der entsteht, wenn sich scheidet, was für einander geschaffen ist. [] III@B@2@bb) dagegen gehören thränen und wehmuth aufs engste zusammen, Kant 10, 282 nimmt sie geradezu in die beschreibung der wehmuth auf: weinen begleitet die schmelzende empfindung eines ohnmächtigen zürnens mit dem schicksal, oder mit anderen menschen, gleich einer von ihnen erlittenen beleidigung; und diese empfindung ist wehmuth. es sind, wie Pierers anat.-physiol. realwb. (1829) 8, 641 hervorhebt, die entmuthigung des willens und das bewusztsein der kraftlosigkeit, die, wie sie das gefühl der wehmuth erregen, so auch die thränen hervorlocken.uns sitzen die thränen nicht mehr so locker, wie der rührseligen welt des 18. jahrh.: man vergosz wonnezähren beim schauspiel der untergehenden sonne, löste sich in wehmuth auf, wenn der mond busch und thal still mit nebelglanz füllte Hehn Italien 66. um so vertrauter ist derartiges der zeit Klopstocks und Gellerts: sehet, sanfter rührender schmerz deckt ihre (der jünger) gesichte, doch entstellt er sie nicht.so zeigen edlere seelen ihre wehmuth.sie weinen vielleicht um einen geliebten und entschlafenen freund Klopstock Messias 3, 109; einsam, von wehmuth voll, und bang und weinend, irr ich oden 1, 22 (auf m. freunde); schlafend sieht sie den jüngling, wie er in thränen zerflieszet, und mit bebender stimme die liebe endlich stammelnd ihr sagt, dann wieder in thränen zerflieszet, und mit stummer wehmuth ihr flehet 1, 34 (Salem); hier bebte der, den man nie zittern sehn, und dem, der nie geweint, flosz wehmuth vom gesichte Gellert fabeln (1767) 2, 51. III@B@2@b@aα) die beiden begriffe werden von den dichtern in der weise des letzten belegs gern einander geradezu gleichgesetzt: liebste, wertheste, schönste princessin! ihre thränen sind meine wehmuth, und dero klage betrübet mich bisz in den tod Ziegler Banise (1689) 319; die wange glüht, und hohe wehmuth thauet vom edleren auge nieder Denis lieder Sineds (1772) 183; wie das bäumchen nach starkem sommerregen tröpfelt, so tropfte wehmuth von dem auge des knaben Schubart sämtl. ged. 2, 34; wie die wehmuth aus den augen träufelt Hölty 36 Halm; mag die wehmuth sich verweinen, wenn die lust nicht mehr will blühn Rückert ges. ged. 5, 11. nicht mehr in derartig engster verbindung, doch nahe angrenzend stehen die begriffe im folgenden: o meine augen rinnen in wehmuth ganz dahin maler Müller werke 2, 291; von meinen in wehmuth dämmernden augen Arndt sämtl. werke 1, 10; eine hoheit des herzens und der gesinnungen, vor der ich oft in der stille meiner kammer mit beschämung, wehmuth und thränen niederfalle Zimmermann einsamkeit 1, 118. III@B@2@b@bβ) formelhaft geworden ist die thräne der wehmuth, wobei die wehmuth etwa als der kelch zu denken ist, aus dem die thräne quillt, die beiden also nicht mehr identisch gedacht werden wie im vorigen, sondern im verhältnisz von behältnisz und inhalt, inhaber und besitz: läszt sie der thränen viel ihn weinen, thränen der wehmuth, und der unaussprechlichen liebe Klopstock oden 1, 61; bald schwamm das auge in thränen tiefer wehmut E. Th. A. Hoffmann sämtl. werke 1, 19 Grisebach; thränen der freude und der wehmuth Raumer geschichte der Hohenstaufen (1823) 1, 197; so weint' ich leisen knabengefühlen schon, der wehmut thräne über dein traurig los Hölderlin ges. dicht. 1, 79 Litzmann; und der wehmut thräne quillt Geibel werke (1888) 1, 8; wie schwellten die zähren der süszesten wehmuth mein starrendes aug Denis lieder Sineds (1772) 2, 20; er sähe die zähre der wehmuth flieszen, so oft ein edler mensch seinen zu frühen, von ganz Europa beklagten verlust erfährt G. Forster sämtl. schriften 5, 172; in dem thränenstrom der wehmuth Tieck schriften 1, 232. III@B@2@b@gγ) in wechselnden verbindungen werden thränen und [] wehmuth gern vereinigt: die thräne, die in diesem trüben, erloschnen, nach trost schmachtenden auge schwimmt — wie rührend ist sie im ganzen gemälde des antlitzes der wehmuth Herder 5, 8 Suphan; weinen sie Walter. ihre wehmut wird gerechter gegen mich seyn, als ihre entrüstung Schiller 3, 500 (cabale u. liebe 5, 7); ein künftiger jüngling voll zärtlicher wehmut weine mir nach Cronegk schriften (1766) 2, 46; weinen wird er, küssen wird er mich, und vor bangigkeit und wehmuth schweigen Miller ged. (1783) 58; hingerissen von wehmuth wagt dann der blöde verführte, seine tränenden augen zum trohne der gnaden zu richten Lenz ged. 6 Weinhold; augen-nasz von wehmut und schmerz Arndt sämtl. werke (1892) 1, 101; was nun die süszen thränen mir entlockt ist wehmuth nicht, ist hohe vaterfreude Collin Regulus 100 (3, 5); es gewährt besitz uns nie dich, sanftere wehmut, selige thräne der huld Platen werke 1, 211 Hempel; warum wird jetzt der blick von wehmut feucht? Mörike werke 1, 24 Göschen. III@B@33) die lehrreichste und eigenste entwicklung giebt sich aus der dritten nota specifica der wehmuth, ihrer ausgeglichenheit. um ihretwillen wird wehmuth oft stürmischen, schmerzlicheren affecten gegenübergestellt: das volk ist auszer sich, da dich die wehmuth reget Pietsch schriften (1740) 121 Bock; da trat ein mann vor uns; mit blute nicht befleckt, und güte sprach in seinen zügen, die im augenblick mit zorn und trauer, wuth und wehmuth wechselten Herder 18, 229 Suphan; was zuletzt ein augenblick des zorns, was vielleicht meine wehmuth und ihr zureden errungen haben Iffland dram. werke 1, 29 (A. v. Thurneisen 2, 1); (wie die einsamkeit) allein oft mir die herzstösze der traurigkeit verwandelt hat in süsze wehmuth Zimmermann einsamkeit 3, 3; nicht in sanfter wehmut stimme, so wie die nachtigall ihr seufzendes lied singt: sondern in lautem wehgewinsel wird sie weinen Chr. Stolberg 14, 202 (Soph. Aias 631); sehn sie noch einen augenblick auf seine qual, auf seine wehmuth Göthe Weim. I 17, 237; so ward der wilde schmerz der seinigen zu sanfter wehmut gestimmt Klinger werke 4, 158; den stummen starren schmerz zu mildern in heilende wehmuth Kosegarten poesien (1798) 1, 21; doch wenn ich denken musz, dasz deine trauer mehr dem geliebten als dem bruder gilt, dann mischt sich wuth und neid in meinen schmerz, und mich verläszt der wehmut lezter trost Schiller 14, 116 (braut von Messina 4, 6); beste Elise, du hättest meine briefe ganz miszverstanden, wenn du glauben könntest, dasz du deinen schmerz und deine wehmuth um dein kind nicht gegen mich ausströmen dürftest Hebbel briefe 3, 78 Werner (12. april 1844); von schmerz gebeugt und von wehmut tief ergriffen ... werde ich euch nicht mehr lange ... zur last fallen Pocci lust. komödienbüchlein (1877) 6, 57; der boreaswind des zorns sprang in den lauen zephyr der wehmuth um Jean Paul komet 1, 36; wehmut nicht, ein seltsam grauen faszte mich Müllner dram. werke (1828) 2, 72 (schuld 2, 5); eifersucht und wehmuth stritten in ihm um die herrschaft Holtei erz. schriften 10, 113; mit einem gemisch von trotz und wehmuth hielt der kleine knabe den kleineren zurück 14, 34; reue empfand er nicht, wehmuth noch weniger 3, 107; der eindruck ... war um so überwältigender, da er ihn in einem augenblicke innerer wehrlosigkeit empfing; in einem augenblicke der wehmuth, der reue Ebner-Eschenbach ges. schriften 4, 44. III@B@3@aa) gegen wuth und zorn, qual und schmerz, wilde, starre, grausame und quälende gefühle erscheint die wehmuth mild, wolthuend, begehrenswerth. sie bekommt dementsprechende [] attribute, die vom strengen begriff der trauer weit abstehen: empfangt mich, füllet die seele mit holder wehmuth und ruh E. v. Kleist werke 1, 173 Sauer (frühling, 1749); dieser schöne frühlingsabend ... hat mich in eine so angenehme wehmuth gebracht, dasz ich nicht widerstehen konnte, einige meiner empfindungen niederzuschreiben 2, 142 (1766); ein gegenstand ... der aller herzen mit dankbarer wehmuth erfüllt Kästner verm. schriften 2, 42; die sanfte wehmuth kam zurück; mit ihr trost und vertraun Kretschmann sämtl. werke 1, 147; doch kann euch sanfte wehmuth mehr erquicken Mastalier ged. (1774) 8; süsz sind treuer wehmuth schmerzen Herder 25, 374 Suphan; dann sollen sie meiner seele sich nahn, in aller ihrer lieblichen wehmuth Bürger werke 279a Bohtz; hier ist der ausdruck selbstgelassener fester wehmuth um einen wink verfehlt Göthe Weim. I 37, 333; ach ... mit welcher zärtlicher wehmuth, sieht auch darum das weisze haupt auf die zeiten zurück da die wange von gesundheit glühte Zimmermann einsamkeit 3, 145; süszere wehmut lohnt auch dem lautener hier heiliger liebe gesang Voss sämtl. ged. 2, 18; süszer wehmuth gefährtin, erinnerung Salis ged. (Stuttgart 1811) 34; dasz Orpheus sich umringt sah von den wilden thieren, die in süszer wehmuth aufstöhnten mit den seufzern seines gesangs B. v. Arnim briefe 1, 286; denn endlos, süszer wehmut unersättigt, kehrt das immer gleiche wort zurück Mörike werke 1, 210 Göschen; kein vorwurf soll dich kränken, keine laute noch stumme klage in das herz dir schneiden. in milder wehmuth wird der schmerz sich lösen Schiller 14, 121 (braut von Messina 4, 9); eine wohltätige wehmuth erwärmte ihn Holtei erz. schriften 24, 48; allein die schönheiten der natur sind nur für ein ruhiges gemüth. sie entzücken den glücklichen und erheben den betrübten zur wohlthätigen wehmuth Moltke ges. schriften 1, 78; lächelnde, schalkhafte wehmut ... das ist so ihr wesen Schnitzler Anatol (1901) 117; insbesondere zog eine korinthische marmorsäule meinen blick immer wieder auf sich, die, wie eine gefangene in den gewaltigen viereckigen turm eingeschlossen, mit reizender wehmuth aus den grauen steinen hervorsah R. Huch triumphgasse (1902) 9. III@B@3@bb) zum geraden gegensatz des ursprünglichen begriffs führen die adjectiva heiter, froh, freudig: band ... in welchem ... gelesen und bey den übrigen aufsätzen mit heiterer wehmuth vergangener jahre mich erinnert habe Göthe Weim. IV 36, 266; dies alles stimmt mich wunderbar zu jener frohen wehmuth des frühlings Hnr. König die klubbisten in Mainz (1847) 1, 319; fühlte er z. b. freudige wehmuth, so leuchtete die freude aus dem braunen auge Immermann werke 1, 102 Hempel. III@B@3@cc) das oxymoron führt zur formel wonne der wehmuth, die, von Göthe Weim. I 1, 97 als überschrift eines liedes verwendet, ihren classiker in Jung-Stilling findet: nun begann die sonne unterzugehen, und Dortchen mit ihrem Wilhelm hatten recht die wonne der wehmuth gefühlt 1, 58; Rosine empfand grosze beruhigung bei Florentins rede, so dasz sich ihre schwermuth in eine gesprächige wonne der wehmuth verwandelte 9, 46; Stilling war zwar noch immer wehmüthig, allein es war die wonne der wehmuth häusliches leben 193, ohne doch weiterhin auf ihn beschränkt zu sein: nur die wonne der wehmut zeugt' in meiner seele von ihnen (den träumen) Hölderlin ges. dicht. 2, 125 Litzmann. anklingende ausdrücke bleiben das poetische eigenthum einzelner: dort pfleget sie der wehmut lust Denis lieder Sineds (1772) 100; so glaube, dasz auch ihm das herz in allen seinen saiten bebet, und dasz der wehmuth süszer schmerz um seine rauhe rinde weich sich webet Arndt werke 3, 29 Rösch u. Meisner; [] das dämmernde, träumerische gefühl der wehmuth, das uns nur einlullt zum süszen nichtsthun Gutzkow ritter vom geist (1852) 2, 106. III@B@3@dd) die umgebung des wortes im satze, namentlich der gefühlston des verbs, kann gleichfalls die wehmuth als erfreuliches, begehrenswerthes, beglückendes gut hinstellen: mit einer solchen tochter, sagte er mit wehmuth lächelnd, wer könnte söhne wünschen Haller Usong (1783) 233; mitten unter meiner wehmuth erfreue ich mich Gellert werke 10, 115; scene, welche vor mir lieget, giesze wehmuth mir zum busen Hölty ged. 49 Halm; mit leisen harfentönen sei wehmut, mir gegrüszt Salis ged. (1793) 14; und ich an mir selbst erfahre, dasz die wehmuth mich beglückt Rückert werke 2, 566. III@B@3@ee) damit sind ganz andere paarungen des wortes ermöglicht, als sie der grundbegriff 'trauer' an die hand giebt, wehmuth kann einen complex bilden mit sehnsucht, beschaulichkeit, theilnahme und behagen, ja mit heiterkeit, lächeln, wonne und freude. III@B@3@e@aα) zeitlich gehen die gegensätzlichen paarungen voraus: ein gemische von heiterkeit und wehmuth Pfeffel poet. versuche 2, 166; ein paar geschöpfe, an die ich bald mit wehmuth, bald mit lächeln dencke Lichtenberg briefe 2, 243; und du ... stätte meines grabes! die ich mir weihte; wo umher alle wehmuth, alle wonne meines lebens dämmert Göthe Weim. I 11, 182; hier war es, wo sie zuerst ... im drang von wonne und wehmuth die seligsten stunden verweilet maler Müller werke 1, 31; ich hab' das gefühl noch ganz, aber wie wär's auszudrücken! auch die nacht, wo ich mit dem sohn des malers zusammen aufsasz und wir Bürgers Lenore miteinander lasen! wonne, wehmuth, leben, tod, alles auf einmal: ein urgefühl Hebbel tagebücher 1, 306 Bamberg (6. febr. 1843); und das weiblein, roth von freuden und von wehmut, sizt bescheiden Voss sämtl. ged. 5, 207; neben der freude an der errungenen erkenntnisz liegt, wie mit wehmuth gemischt, in dem aufstrebenden, von der gegenwart unbefriedigten geiste die sehnsucht nach noch nicht aufgeschlossenen, unbekannten regionen des wissens Humboldt kosmos 1, 81. III@B@3@e@bβ) erst aus den grellen oxymoren wachsen kunst und wille zu milderer abtönung in minder schroffer gegensätzlichkeit; sie sind der besten kunstprosa des 19. jahrh. eigen: ihre sehnsucht, ihre wehmuth überströmten sie grenzenlos Arnim sämtl. werke 172 Grimm; ich fiel wieder mehr der natur anheim. damals aber legte sie ihre sehnsucht, ihre wehmuth in mich, und mit ihnen die poesie Kerner bilderbuch 256; es verbreitete sich dadurch eine gewisse wehmut über den tisch, welche nach und nach in eine ernste beschaulichkeit überging, als wir drei sitzen blieben und uns unterhielten Keller ges. werke 2, 39; eine lebhafte teilnahme, darin sich etwas von wehmut mischte Fontane ges. werke I 4, 275; es war ein mit wehmut gemischtes gefühl des behagens, das Erich von Kriebow erfaszte, als er die altgewohnten räume wieder betrat W. v. Polenz Grabenhäger 2, 5. III@CC. das gefühl der wehmuth haben deutsche menschen gekannt, längst ehe siebezeichnend genug von der küste und tiefebene herein wort dafür bekamen. gerade der wortgeschichtlichen darstellung musz sich aber diese vorgeschichte entziehen. seitdem haben stimmung und begriff überreiche poetische darstellung gefunden, wofür im vorstehenden zeugnisse vollauf enthalten sind. die wehmuth als stimmung liegt oft nahe bei der zur dichterischen production und hat ganzen epochen unserer dichtung ihren stempel aufgedrückt, eine früh beachtete, gelegentlich beklagte erscheinung. dagegen haben sich auffallend spät versuche eingestellt, die wehmuth im bilde zu fassen und sie zu personificiren. in prosa hat sich dergleichen nie recht entfaltet: ich kann die wehmut nicht los werden, die wie ein trauerflor über meine gegenwart sich legt [] B. v. Arnim die Günderode 1, 6. die dichter denken die wehmuth als hauch oder duft: vom hauche der wehmuth trübt sich des himmels bläuliche wölbung Schubart sämtl. ged. 2, 287; des weihers espen säuselten wehmut Salis ged. (1793) 37; aus meinen blumen soll dir wehmuth sprieszen Rückert werke 3, 196. aber auch als flügelwesen: der wehmuth schwingen tragen das milde herz Körner werke 1, 126 Hempel und als wandelnde frauengestalt: sie wandeln beide seit' an seite den weg dahin, doch keiner spricht, denn zwischen ihnen als geleite geht wehmut und verläszt sie nicht Wolff der fahrende schüler (1900) 7.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wehmuth

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Wehmuth , plur. car. ein hoher Grad der Traurigkeit, derjenige Zustand der Seele, da sie auf allen Seiten von unange…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wehmuth

44 Bildungen · 43 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von wehmuth 2 Komponenten

weh+muth

wehmuth setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wehmuth‑ als Erstglied (30 von 43)

wehmuthaccord

DWB

wehmuth·accord

wehmuthaccord , m. vom schwermüthigen liede der nachtigall: sanfter hallt nicht Aeolsharfengetön in Philomelens wehmutsakkorde Matthisson sc…

wehmuthauge

DWB

wehmuth·auge

wehmuthauge , n. wehmüthig blickendes auge, zu wehmuth III B 2 a α ): ich schaue dich allhier mit wehmuths-augen an, mich regt itzt deine no…

wehmuthbang

DWB

wehmuth·bang

wehmuthbang , adj. fügt zur bedeutung von melancholisch, dem es am nächsten steht, den begriff der besorgtheit. von der trauer um die gelieb…

wehmuthblick

DWB

wehmuth·blick

wehmuthblick , m. nahe zu wehmuthauge: lasz die wehmutsblicke, guter junge Hölderlin ges. dicht. 2, 155 Litzmann.

wehmutherregend

DWB

wehmutherregend , part. : sie hielt in der hand die wehmutherregende laute F. L. Stolberg ges. werke (1782) 1, 307 .

wehmuthfroh

DWB

wehmuth·froh

wehmuthfroh , adj. eines der oxymora, die unter wehmut III B 3 b) behandelt sind, hat im 19. jahrh. wortbildend gewirkt: in dem wehmutfrohen…

wehmuthgeflüster

DWB

wehmuth·gefluester

wehmuthgeflüster , n. halblaute klagen im zustande der wehmuth ausgestoszen Campe 5, 628 , der wehmuthsgeflüster ansetzt, aber allein wehmut…

wehmuthglocke

DWB

wehmuth·glocke

wehmuthglocke , f. nur bei Arndt, wie sonst bei ihm ( ged. 272) der sehnsucht glocken: wie ein reigen lieblich aber kurz verklingt, so verkl…

wehmuthkummer

DWB

wehmuth·kummer

wehmuthkummer , m. eine tautologie Zieglers, die mit recht ohne nachfolge geblieben ist: so begreiffe sie demnach, und lasse die vorgebildet…

wehmuthlächeln

DWB

wehmuth·laecheln

wehmuthlächeln , n. die oxymora mit wehmuth lächeln (wehmuth III B 3 d ) und das wehmüthige lächeln (wehmüthig III A 2 a ) haben gelegentlic…

wehmuthlaut

DWB

wehmuth·laut

wehmuthlaut , m. wehmuth äuszert sich im allgemeinen ( s. DWB wehmuth III B 2 a ) nicht in worten, so dasz es eigen klingt, wenn Ernst Fried…

wehmuthlied

DWB

wehmuth·lied

wehmuthlied , n. ein lied als ausdruck innerer wehmuth, in seiner bedeutung enger als wehmuthlaut: sanft neigend sein haupt an Michaels buse…

wehmuthpulver

DWB

wehmuth·pulver

wehmuthpulver , n. wehmutspulver: pulvis temperans Holfert-Arends 5 228, als mittel gegen erhöhte körperwärme, wie sonst niederschlagendes p…

wehmuthregend

DWB

wehmuthregend , adj. part. ein dichterisches wagnisz Pyrkers, dem -erregend zu kräftig klingen mochte: und vom thurme herab die wehmuthregen…

wehmuthreich

DWB

wehmuth·reich

wehmuthreich , adj. bei Bodmer für melancholisch, das nicht in den vers gepaszt hätte: dadurch besiegt' er ( Opitz ) auch das ungefäll der z…

wehmuthsang

DWB

wehmuth·sang

wehmuthsang , m. wie wehmuthlied: wo sonst nur lärmte tamburin und zimbel, erhob sich jetzt beim klingen der chitarre der wehmutsang, die sc…

wehmuthschauer

DWB

wehmuth·schauer

wehmuthschauer , m. erschütternder anfall von wehmuth Campe 5, 628 ; danach Kaltschmidt 1056 ; Sanders 2 II 898 b ; o süsze zeit! durchbebt …

wehmuthschleier

DWB

wehmuth·schleier

wehmuthschleier , m. wie ein schleier das gesicht, so verhüllt wehmuth die seele: ja, sein scharfes auge entdeckte den wehmuthsschleier über…

wehmuthschlummer

DWB

wehmuths·chlummer

wehmuthschlummer , m. seelische depression und körperliche müdigkeit können einander berühren: nah ich nach dreiszig nächten wieder, dich zu…

wehmuthschrecken

DWB

wehmuth·schrecken

wehmuthschrecken , m. ein betrübender eindruck wirkt als schreck, wenn er plötzlich einsetzt und weit freundlichere bilder verdrängt: stieg …

wehmuthschwanger

DWB

wehmuth·schwanger

wehmuthschwanger , adj. dem bei Wieland und Schiller beliebten unglücksschwanger stehen am nächsten unheil- und verderbenschwanger bei Steff…

wehmuthschweigen

DWB

wehmuth·schweigen

wehmuthschweigen , n. an wehmuth III B 2) anzuknüpfen: dir war der sturm der leidenschaften lieber, als wehmuthsschweigen tief im stillen he…

wehmuthschwer

DWB

wehmuth·schwer

wehmuthschwer , adj. vom seelischen druck der trauer: wenn ich so sitze in meinem sanften traume, wo ich an euch denke ... da wird mir oft b…

Wehmuthsgeflüster

Campe

wehmuths·gefluester

◬ Das Wehmuthsgeflüster , — s , o. Mz . das Geflüster der Wehmuth, d. h. halblaute Klagen im Zustande der Wehmuth ausgestoßen. Mit Wehmuthge…

Wehmuthslächeln

Campe

wehmuths·laecheln

◬ Das Wehmuthslächeln ( Wehmuthlächeln), — s , o. Mz . ein wehmüthiges Lächeln, ein Lächeln mit Wehmuth. — Mit trübem Wehmuthslächeln . Coll…

Wehmuthslied

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wehmuths·lied

◬ Das Wehmuthslied ( Wehmuthlied), — es, Mz. — er , ein Lied der Wehmuth, welches Ausdruck der Wehmuth ist. — sanft neigend sein Haupt an Mi…

Wehmuthsstimme

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wehmuths·stimme

◬ Die Wehmuthsstimme ( Wehmuthstimme), Mz. — n , eine wehmüthige, Wehmuth ausdruckende Stimme. — Wehmuthsstimmen erschallen — Klopstock.

Wehmuthsthräne

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wehmuths·thraene

△ Die Wehmuthsthräne ( Wehmuththräne), Mz. — n , Thränen aus Wehmuth vergossen. Doch siehst du im Gefolge jene, Die ein Vergißmeinnicht gepf…

wehmuthstimme

DWB

wehmuth·stimme

wehmuthstimme , f. schon unter wehmuth III B 2 a ) war zu betonen, wie Klopstock der geltenden vorstellung, dasz wehmuth stumm macht, widers…

wehmuthsüsz

DWB

wehmuthsüsz , adj. setzt das oxymoron süsze wehmuth ( das. III B 3 a ) voraus: woher stammt das wehmuthsüsze, behagliche gefühl des friedens…

wehmuth als Zweitglied (1 von 1)

Zornwehmuth

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zorn·wehmuth

○ Die Zornwehmuth , o. Mz . Wehmuth, mit Zorn vermischt. »Da war keiner, dem nicht die Zornwehmuth nach dem Herzen gegriffen hatte.« Wächter…