weck,
wecken,
m.,
auch wecke,
f. keil als werkzeug; keilförmiges, besonders weizenbrot in keilform. II.
herkunft und formen. I@11) weck,
mhd. wecke, wegge,
ahd. wekki, wecgi, wegki, weggi, wegi, wecke, weke,
cuneus Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 466, 35. 500, 28. 519, 23. 677, 5. 699, 5. 3, 616, 45. 657, 3
ist ein gemeingerm. wort, grundform wagja —
und daneben ablautend wegja —;
dazu and. weggi Wadstein 86, 36,
mnd. wegge,
vereinzelt wigge Schiller-Lübben 5, 653 (wigge
jetzt westfäl. Woeste 324),
mndl. wegge Verdam 686
b, wigge 692
b (wegghe, wigghe Kilian 659
b),
ndl. wig (
vläm. wigge De Bo
2 1383
a),
keil, wegge,
weizenbrötchen (
beides f.),
afries. wegk,
schlitten Richthofen 1131 ('
von der form des untergestells auf das fahrzeug selbst gewendet' Heyne
hausalt. 2, 34),
ags. wecg,
keil, metallklumpen Bosworth-Toller 1180
b,
mengl. wegge (
daneben wigge) Stratmann-Bradley 674,
engl. wedge,
keil (
daneben wig,
weizenbrötchen),
anord. veggr,
keil, norw. vegg,
schwed. vigg,
dial. vägg,
dän. vægge,
im got. nicht belegt. auszerhalb des germ. entspricht lit. vagis,
lett. wadsis,
keil, die nach Kauffmann
altertumskunde 106
anm. 3
aus dem germ. entlehnt, nach andern urverwandt sind. als verwandt angesehen wird ein altes wort für die pflugschar ahd. waganso (
s.wagense); Johansson
in Bezzenbergers beitr. 18, 38
leitet beide mit wachs '
scharf'
von einer idg. wurzel veg
vh '
scharf sein'
ab, dazu noch ir. fecc '
spaten' Fick
4 3, 384.
vielleicht ist aber wekki
von waganso
zu trennen und zu wegan
zu stellen als '
der bewegende, treibende, drückende'
; idg. forsch. 6, 324
wird aind. pravahatē '
er drängt, drückt'
herangezogen. wacke,
das als '
keilförmiger felsblock'
von einigen hierhergestellt wird (
die ursprüngliche bedeutung ist aber '
kiesel'
s. sp. 204),
steht wol in keiner näheren verwandtschaft mit weck. I@22)
das ck
im mhd. wecke
ist aus gg
entstanden. die schreibung wegge
erhielt sich in obd. quellen, die mit ck
den lautwert k
Χ verbanden, so bei dem Tiroler Oswald v. Wolkenstein 112, 128 (wegg),
besonders aber bei Alemannen Hätzlerin 2, 67, 138. Anshelm
Berner chron. 5, 299. Joach. v. Watt 2, 282, 12. Schade
satiren 2, 119, 5. H. R. Manuel
weinspiel 206. Österreicher
Columella 1, 152.
die Schweizer Frisius 352
b, Maaler 487
b und noch Dentzler (1716) 2, 344
schreiben (
wie auch Stalder
und Kirchhofer) weggen, Calepinus 359
a wegg.
andrerseits wurde die schreibung wegge
durch das niederd. begünstigt, sie wird bei Stieler 2530
erwähnt und findet sich noch im 18.
jahrh. z. b. in Beiers
handlungslex. 471
b. I@33)
das wort flectirt ursprünglich nur stark, wecke
wird später (
am frühesten in bair. quellen, so schon Enikel
weltchr. 18268
Strauch)
zu weck
verkürzt. übergang zur schwachen decl. erfolgt daneben schon ziemlich früh: wecken
als dat. sg. Mone
altd. schausp. 2, 197.
acc. sg. weisth. 4, 188 (1339).
pl. mhd. erzähl. 3, 40, 74
Rosenhagen. Virginal 1025, 6.
des teufels netz 5313.
im 15.
jahrh. sind schwache formen schon sehr gewöhnlich, im 16.
überwiegend, auch der nom. sg. kann n
annehmen, wecken Dasypodius 452
b, weggen Frisius
und Maaler,
gewöhnlich aber ohne erweiterung (
wol unter einflusz der zusammensetzungen) weck (wecke
noch voc. inc. teut. C 3
b).
doch kann der sg. auch stark flectiren (
gen. wecks H. Sachs 14, 53, 19.
dat. weck Schumann
nachtb. 29.
acc. weck H. Sachs 22, 272, 12. Alberus
fab. 42, 51
u. ö. Wickram 4, 159. Ryff
chirurgey 138
a),
seltener der pl. (weck
Erlauer sp. 4, 195.
Eulensp. 28. H. Sachs 9, 430, 19;
in wendungen wie weck backen
oder essen
kann man meist collectiven sg. annehmen).
die wörterbücher setzen seit Hulsius weck
an und so gewinnt die starke form im sg. wieder die oberhand, doch überwiegt im pl. noch wecken,
so bei Wieland, Göthe, Brentano, G. Keller, Storm, Rosegger
u. a. der pl. wecke (
den Adelung
ansetzt)
ist seltener (Heine 2, 157. Grimm
märchen 2, 125. Varnhagen
tageb. 5, 216),
für das zeichen im wappen überhaupt nicht gebräuchlich (
im 16.
und 17.
jahrh. auch hier weck
s. II 2
c).
neben weck
steht aber jetzt eine form wecken
im sg. sie herrscht namentlich im bair.-österr. (Schmeller 2, 845. Schöpf 806. Loritza 141. Unger-Khull 622
a. Lexer 252),
steht aber auch im alem.-schwäb. neben weck (Stalder 2, 440. Martin-Lienhart 2, 808
a),
während das md. diese form vorzieht (
doch im lothr. wecken Follmann 533
neben weck,
ebenso thür. u. sächs. Hertel 254. Müller-Fraureuth 2, 645
a).
so erscheint der sg. wecken
bei v. Gaudy 3, 88. v. Droste-Hülshoff 4, 65. Gotthelf 1, 65.
das fem. läszt sich vor dem 18.
jahrh. nicht nachweisen (
wol nach semmel, bretzel
usw. entwickelt),
jetzt findet es sich vereinzelt im obd. (wecka '
keil'
in Davos Bühler 201),
auch im lothr. neben m. und n., hauptsächlich im nd. und in ans nd. angrenzenden md. gegenden für '
weizengebäck' Leihener 132. Bauer-Collitz 113
a (weje). Woeste 319 (wei). Schambach 292 (weie,
gewöhnlich wecke). Frischbier 2, 459 (wecke, wegge
neben weck,
m.). Sallmann 2, 51. Liesenberg 218. Herwig 30. Jecht 122.
von wörterbüchern hat der Norddeutsche Ludwig wecke,
f. neben weck,
auch bei Adelung
und Campe
erwähnt. zu dem gewöhnlich im plur. erscheinenden wecken
beim wappen wird auch ein fem. sg. wecke
gebildet Trier
wapenkunst 172.
litterarisch ist wecke,
f. selten z. b. v. Eichendorff 3, 403.
auch ndl. wegge
ist f. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
die ursprüngliche bedeutung '
keil'
kommt jetzt noch in den obd. mundarten von Elsasz und der Schweiz bis Steiermark vor, auszerdem noch in Lothringen und Luxemburg Follmann 533.
wb. d. luxemb. mda. 479.
die älteren belege weisen auf Oberdeutschland, Rhein- u. Ostfranken; im gröszten theil Mitteldeutschlands ist das wort also in der ursprünglichen bedeutung früh veraltet. neben weck
stehen gleichbedeutende ausdrücke: weck, keyl oder speydel,
cuneus voc. theut. (1482) nn 3
b; bisz, keil, weck Schöpper
syn. f 1
d; wecken oder bisz, damit man etwas spaltet,
epischidion, cuneus Dasypodius 452
b,
ähnlich Frisius
und Calepinus; beiszel, zweck
u. a. (
s. th. 5, 449). weck
wird aber in der alten bedeutung in fast allen wörterbüchern, auch den md. und nordd. (
nicht bei Ludwig),
angeführt; Adelung
bezeichnet es aber als längst veraltet, wenn auch in einigen obd. gegenden noch üblich. die Schweizer bibel kennt das wort: aber das volck darinnen fuort er ausz, und legt sy under eysen sägen und hagken und eysen wecken (Luther: keile) 2.
kön. (2.
Sam.) 12, 31.
sonst kommen litterarische belege bis ins 17.
jahrh. vor. II@1@aa)
ein werkzeug von holz oder eisen, das in etwas eingetrieben wird, namentlich beim holzspalten benutzt: ein wecken eyntreyben oder eynschlahen Frisius 244
a; mit wecken von einanderen gespalten oder getriben 426
a; er wîstin, dâ ein villân einen wecke hâte getân in ein bloch und hâte in durchgeslagen.
Reinhart fuchs 1543
Reiszenberger; thu als einer der holtz howet, der musz je über ein weil den keidel oder den wecken, den er in das holtz musz schlagen, spitzen Keisersberg
baum der sel. 21
b nach Ch. Schmidt
wb. d. elsäss. mda. 191
b; er sach, das einer ein wecken oder ein speidel in ein holtz hett geschlagen
sünden des munds 5
b,
ebenda 332
a; und so dick er mit der agst den boum uffschluog, so stiesz er darin einen wecken und zoch dann die axt herusz
buch der beispiele 23, 22; dise sechs haben ... auch gehauen holtz alda gefunden, wie sie dann die kleybkeul oder wecken, damit man das holtz zuspalten pflegt, mit sich gebracht Hulsius 3.
schiffahrt 118; wer gibt uns weck zum holzzerspälten? Weidner
ged. (1621),
Hoffmanns findlinge 259.
auch beim steinbrechen verwendet: si dûhte als behende trîben einen wecke in eines steines ecke, als daʒ man möht gespalten die schar. Ottokar
reimchr. 16491
Seemüller; 8 eysen wekhen stain ze prechen
inventare aus Tirol u. Voralberg 42, 75 (1462)
Zingerle. pflock zum einschlagen: so solt der smid recht bi der wid an wagen isen stahel legen, zuom aller minsten dri weggen.
des teufels netz 10783; hat unser genadiger her ... zwo stainpüchsen mit wegken aus geformt und sünst auch ain torröspüchsen
städtechr. 15, 387, 27 (
Mühldorf 1400); schlach obnan ain hultzen weck zwischen die büchsz und die stangen
hs. v. 1429
bei Schmeller 2, 845; '
holzkeil, der an der haue oder dem eisernen ringe in den stiel eingetrieben wird' Unger-Khull 622
a; '
keil als unterlage eines möbels oder zur befestigung eines zapfens' Follmann 533.
keil als werkzeug der gärtner u. a.: und solt (
beim pflanzen) bi der wurtz den block oder stamm spalten und in den spalt ain tennin weggen tuon Österreicher
Columella 1, 152
Löffler; soltu (
beim impfen) ... den mittel stammen mit dem scharpffen messer ein wenig spalten ... dar nach soltu den wecken als vast es liden mag darin thuon 1, 155; der (
impfer) musz zuvor eyn starcken keydel oder wecken von eynem starcken, harten holtz machen, das er ihn zwischen die rind und das holtz hinein tringe Herr
feldbaw (1551) 131
b,
ähnlich Sebiz
feldbau (1580) 325; so man unden ihren stammen bei der wurtzel durchboret, und ein wecken oder keil feiszt von bech bisz mitten in den körn hinein treibt, so wirdt all ir säure und bitterkeit, in einen süszen lieblichen safft verkehret Schweickhart v. Helfenstein
Basilius Magnus (1591) 40.
als chirurgisches instrument: und lege ain wecken oder knebil zwischen die zen Braunschweig
chirurgia 104
b; leg ihm (
dem patienten) den hülzen weck under die achsel, also dasz das rund theil gerad under die achsel komme, alsdann trit kreftig mit eim fusz wider den hölzin weck und streck den arm in solchem trit Ryff
chirurgey 138
a.
das ndl. wig '
keil'
ist als wiggen
in die deutsche seemannssprache eingedrungen Röding 6, 904. II@1@bb) weck
neben andern werkzeugen genannt: das ouch nyemant keinen jungen eichin reitel oder keinen jungen eichen hebel oder wecken uff dem forste howen noch machen sol
deutsche rechtsquellen des ma. 224 (
Hagenau 15.
jahrh.)
Wasserschleben; dieselbigen legten ihm einen strick ahn halsz, und träheten denselbigen mit einem höltzen wecken oder bengel zusammen Höniger
sarracenische gesch. (1579) 160; 7 ysen wecken, 3 steinhemmer, 1 ysen slegel
Basler zeughausinventar v. 1415,
anz. f. schweiz. altertumskunde n. f. 12, 232; so muosz man zuo den unspältigen stöcken axen, sagen, bissen, weggen und schlägelbruchen Anshelm
Berner chronik 5, 299; er soll allen werkzeug, so zu einem ziegelhove gehören mag, als hauen, bickel, model, narten, äxt, schlegel, wecken und dergleichen, ... neue machen
Schlettstadter stadtrechte 2, 1040 (1555)
Gény; kerch, zeynen, bennen, wecken und schlegel.
Straszburger hausratsgedichte b 5
b Hampe. namentlich gehören weck
und schlägel '
klopfhammer'
zusammen: wenn die, so uszerhalb der statt gsessen sind, ... gantze höltzer ... mit schlegel und wecken uffholtzent
rechtsquellen des kantons Bern 1, i, 357 (1539)
Welti; sie (
die bauleute) ... schlossen heut in ihren schrein schlegel und weggen wieder ein. Reithard
geschichten u. sagen aus d. Schweiz 177.
daher die redensart: man musz schlegel und wecken brauchen
d. i. zwangsmittel Stalder 2, 326; wie er nun sach, dasz man im sines willens nit gestatnen wolt, ergrimpt er in sim selbs und liesz schlegel an weggen gon, suocht alles ..., damit er uns zuo schaffen geb, und bracht 24 artikel zuosam, die er uns ansprach J. v. Watt
d. hist. schriften 2, 282, 18.
vgl.: holtzschlegelet den wecken dapffer drein (
obscön)
Garg. 116
Alsleben. II@1@cc)
sprichwörtlich: wer wecken will einschlagen, der musz derb draufschlagen Wander 4, 1841; da heiszt es, wer den kopff bekompt, der schär den bart: und will man da wecken einschlagen, so musz man warlich darauff schlagen
Garg. 336
Alsleben; uf e harte nast gheert au e harte weke Martin-Lienhart 2, 808
a. II@22)
das wort wird dann nach dem aussehen auf keilförmiges übertragen. zunächst im vergleich: Spanien ... ist gespitzt und gestaltet wie ein weggen Frisius 352
b; dann trägt man kurtz, dann lange röck, dann grosze hüt, dann spitz wie weck. Philander 2, 72 (
angeblich aus Brant,
aber im Straszburger druck steht 4, 10 spitz mit eck); nach dem sie nuhn die zwo armaden also inn ein gespitzte oder einem wecken gleichformige ordnung gerichtet Xylander
Polybius (1574) 19; haben sich die fehnlein des Angeli ... eilendts in ein dreieckechte spitzen gleich einem wecken angestellt Höniger
sarracenische geschichte (1580) 163.
daran schlieszt sich der übertragene gebrauch: II@2@aa)
keilförmige schlachtordnung: inn mitteler feldschlachtordnung liesz sich der könig sampt seinen landfürsten selber finden, mit keihel, wecken und monordnungen, von siben tausent Janitscharen, grad gerechnet, umbgeben
Garg. 317
Alsleben. II@2@bb)
keilförmiges zeugstück an der kleidung, zwickel, im mhd.: doch was (
an den wappenkleidern) ein underscheide zwischen den weggen und der nât. K. v. Würzburg
troj. krieg 3819; ein adelar besunder in iegelichem wegge was. 3827. II@2@cc)
meist im pl. (wecken,
früher auch wecke),
in der heraldik auf der spitze stehende vierecke mit gleichen seiten von länglicher form, von der ebenso breiten als langen raute
unterschieden Trier
wapenkunst (1714) 172. v. Querfurth
wb. d. herald. terminologie 171: des ein fürst sich nit darff schamen, löw und wegken schön mit namen. H. Wirre
fürstl. hochzeit (1561) B 2
a; (
sie) fuorten wis weken in roten schilten
Basler chroniken 4, 369 (
um 1400); derhalben haben die Baiern ... ein und zwenzig wecken blau und weis in iren wappen und schilten gefürt Aventin 1, 342, 28
Lexer; er beweiszt ye statlich, das ime die 12 roten weck des Mansfeldischen wapens im weiszen feld gebüren Nas
das antipap. eins und hundert 5, 32
a; ein weiszer schildt, der weck darin rot, auff dem helm der hut rot, der stulp weisz, die weck (
es sind 2) darin auch rot Siebmacher
wappenbuch (1605) 80; seine (
des schlosses) herren haben in iren wappen getheilte wecken gefuert Quad
teutscher nation herligkeit 117; er führt drey rothe wecken im weiszen felde Rondeau; die abwechselnd weisz und blauen wegken im bayrischen wappen Schmeller 2, 846. II@2@dd)
eine keilförmige masse im körper: apostema splenis, ein härter wecken under den rippen Paracelsus 1, 1085 A. II@2@ee)
in Lothringen der wetzstein der mäher Follmann 533. II@2@ff)
in Tirol das weberschiffchen Schöpf 806. II@2@gg)
in der wirtschaft werden gern keilförmige stücke weck
genannt: schneid davon (
vom teig) als ein weck und auch als vinger langk
kuchemeysterey b 2
b; eyer in gut räsz abers gesprüddelt und kleine wecken daraus gemacht v. Hohberg
Georgica 1, 203.
namentlich von der butter fast in ganz Mitteldeutschland üblich (
vielfach auch da, wo sonst weck
nicht gebräuchlich)
wb. d. luxemb. mda. 479. Crecelius 897. Vilmar 445. Spiesz 38. Hertel 254. Hentrich 41. Müller-Fraureuth 2, 645
a. Gusinde 192,
auch westf. Woeste 318
und ndl.: wegghe, botterwegghe,
massa butyri oblonga, utrinque acuta Kilian 659
b.
man versteht darunter eine länglich geformte buttermenge, meist von 1 ℔
gewicht, oder überhaupt ein stück butter Martiny
wb. der milchwirtschaft 137; derselbig (
Luther) nam den wecken butter (
Eck, der vorher mit einem butterweck verglichen war) und den grauen esel zusamen und thet si wie den teufel bannen. Schade
satiren 2, 193, 110.
auch von andern genuszmitteln: mandelwecke
von guter speise 23 (
nr. 73); aromin kommt in viereckigen, sauber verpackten wecken in den handel
anzeige in den Leipz. neu. nachr. 23. 8. 1912. II@33)
die weiteste verbreitung hat weck
als bezeichnung eines backwerks gefunden. II@3@aa)
auch hier ist von der form auszugehen: weck
ist zunächst ein brot in keilform, länglich-rund mit zwei spitzen, mlat. auch als cuneus
bezeichnet. ein weck brotes: wann er khommet mit den vischen, so soll man ihm geben einen weckhen brotes und einen trunckh wins
weisth. 4, 188 (
Münster i. Els. 1339);
kärnt. a~ wegge proat Lexer 252.
von dem meist runden laib
unterschieden: so soll er habn ain weck protz und all sambtztag nacht ainen laip protz
weisth. 6, 120 (
Niederbaiern 15.
jahrh.); eynen schilt mit zwen broten schibelechten obenwendig des schildes, dar undire andere brot die man nennit wecke Seyler
berufswappen 53
b (
siegel der Hallischen bäcker v. 1420).
so ist es auch wol zu nehmen, wenn in einem niederrheinischen weisthum v. j. 1260,
weisth. 4, 775, cunei
und panes
unterschieden werden. es kann dabei auch an roggenbrot gedacht werden: panis siligineus, weck Diefenbach
gl. 409
c (
Nürnberg 1530); swanne der rok giltet ein halphunt, so schol der rokyn wek haben ainlefthalbe march und der semelrok zehenthalb march
monum. boica 53, 729 (
Regensburg 14.
jahrh.).
so ist in älteren quellen unter weck
wol auch sonst roggenbrot zu verstehen: desselben tags git man ie dem man einn wek und ein mensaur piers
quellen u. erört. z. bayer. gesch. 1, 432 (13.
jahrh.); wan sie kommen mit den roggen, gibt man einen jedern einen halben wegge
cod. tradit. westfalic. 5, 94 (1574).
noch jetzt bezeichnet man in Baiern als wecken
ein längliches schwarzbrot, das doppelt so grosz ist wie ein kipf,
vgl. Kretschmer
wortgeographie 152. II@3@bb)
ganz überwiegend wird aber bei weck
an ein gebäck aus weizenmehl gedacht. der ausdruck reicht weit zurück, da er allen wgerm. sprachen gemeinsam ist, er kommt auszer in Deutschland und den Niederlanden auch in England vor: wig,
feines weizenbrot von länglicher form, in zwei spitzen ausgehend, eine art kuchen Wright 6, 489
a.
in Deutschland erscheint die bezeichnung unter anderen speisen in einer glossenhs. des 12.
jahrh.: cuneus, weke Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 616, 45;
vorher gehen chraphe, chuchelin, phanchuoche, chrose (
fastnachtgebäck).
in den höfischen epen des 13.
jahrh. tritt sie aber noch nicht auf, erst um 1300
begegnet das wort häufig sowohl in Ober- als in Niederdeutschland (
vgl. auch bei Diefenbach
gl. 162
c.
nov. gl. 123
b).
damals musz das gebäck, das ursprünglich sich wol an bestimmte festtage knüpfte (
wie der krapfen
an fastnacht, die stolle
an weihnachten)
schon allgemeinere verbreitung gefunden haben. es erscheint auch später oft in verbindung mit weihnachten, seltener mit ostern: ze weihenachten funf kes und einen wegk, der vir schilling der kurtzen wert sei
städtechr. 1, 212, 19 (
Nürnberg 1352); zu sant Merteins tag iedem ein gans und zu weihennachten iedem ein weck Tucher
baumeisterb. 125, 24; ein weinachtweckhen
monum. boica 25, 25 (1426); schicken ich dir ein cristweck Steinhausen
privatbriefe des mittelalters 2, 148 (1446); zu paschen ein paschweck
weisth. 6, 683 (
Zülpich); christweck, osterweck
noch bei Adelung.
auch landschaftlich noch vielfach als festgebäck: weggen '
eine gattung weiszen jahrbrods' Beier
handlungslex. 471
b;
die mürbe wecke
mit butter, rosinen u. dgl. um weihnachten gebacken Rüdiger 2, 128 (
Obersachsen); wecke,
f. '
christstolle' Jecht 122,
ebenso wök,
m. Kleemann 25; '
groszer kuchen in keilform, der zu den festtagen gebacken wird'
nd. jahrb. 30, 30 (
Quedlinburg); heetweggen, '
ein fastnachtsbrod' Dähnert 181.
brem. wb. 5, 222; winterwegge, '
art weiszbrot, so gegen weihnachten gebacken wird' Strodtmann 282; wegge, '
keilförmiges, an beiden enden schräg zugespitztes feines weiszbrot, gewöhnlich nur in der erdbeerzeit gebacken und mit erdbeeren belegt' ten Doornkaat-Koolman 3, 527
a; '
kleine weizenbrote, die zur fastenzeit in den klöstern ausgetheilt wurden' Schütze 4, 368.
auch bei besonderen gelegenheiten im wirtschafts- und familienleben werden häufig wecken
verlangt und gegeben. dasz aber schon im mittelalter der weck
als gebäck in allgemeinen gebrauch gelangt war, geht aus der erwähnung in den denkmälern hervor. II@3@cc)
auf weizenbrot weist bei wecke
im mhd. der zusatz semelîn
oder schœne
hin: in sinem rôten schilte semlîner wecke drî. Ottokar
reimchr. 15967
Seemüller; er hât niur im selpvierden beseit ein lützel spîse ... dâ ist niht schœner wecke. S.
Helbling 15, 391
Seemüller; vgl.semelwecke Lexer 2, 875.
er wird in verbindung gebracht mit schönes brot (
s. th. 9, 1468), weiszbrot, strützel
und andren bezeichnungen von backwerken aus weizenmehl: man hieʒ dô tavel decken; man leite drûf wîn unde brôt, und swes dâ anders tete nôt, schœne brôt und wecken.
Virginal 1025, 6
Zupitza; sy hetten alle weisz prott ... die weggen gundens zerren, damit die mäuler uff sperren. Hätzlerin 2, 67, 138 (
s. 261); der ein zoch raus weiszbrot und weck, der ander fleisch, ein andrer visch. Wickram 4, 159 (
pilger 883)
Bolte; wytbroit, wegge, semele, stuten, mycken,
cuneus, simila Teuthonista 504
a Verdam; du muost uns ring und weggen bringen! H. R. Manuel
weinspiel 206
neudr. (
vgl. auch schweiz. idiot. 6, 1077); nim hin min swert unde setze iʒ einem becken umb struzel und umb wecken.
kleinere mhd. erzählungen 3, 40, 74
Rosenhagen; cuneus, strotzel ader wecke Diefenbach
nov. gl. XXIII (
Breslauer voc.);
torta, wege (
neben kuoch, zelt) 368
a;
collyrida, bretstelle, weck oder krapffen
gemma (1508) f 1
a;
pastillus, weck Emmelius
nomencl. 305; schick úch ... zwölf wecken und einen zopf und einen hannenkam Steinhausen
privatbriefe des mittelalters 1, 193 (
Stuttgart 1478); und waren in dem obern korb allerley brodt, laib, mund-semmel, pretzen, wecken, ... kipffel Abr. a S. Clara
Judas (
Salzb. 1686) 1, 10; sodann war aber auch (
beim Rochusfest in Bingen) für wecken, semmeln, pfeffernüsse und mancherlei buttergebackenes gesorgt Göthe 34, i, 19
Weim. ausg. besonders steht weck
neben semmel,
oft ganz gleichbedeutend gebraucht, z. th. aber auch unterschieden (
s. u. d Braunschweiger urkundenbuch, nach dem der weck
den doppelten umfang der semmel
hat)
: semella, wegghe Diefenbach
gl. 525
a (
nd.);
simila, wechghe
nov. gl. 339
a (
nd.); weck,
simila Alberus
dict. s 4
b;
panis similagineus, semmel oder weck Zehner
nomencl. 346; wecken oder semmel, kleine brödlein von weiszem mehl Ludwig 2403; sie hiesz ir balde dar bringen (
zur bewirtung) wecke und guten wyne und ander ding
Stuttgarter Oswaldprosa, Germ. 21, 173 (
im gedicht: semeln unde guoten win); da er in die bachstuben kam, so fint er weder weck noch semlen
Eulenspiegel 28
neudr.; aber gar schöne weisze wecken mögen uns Grobianern schmecken, gantz wol geschmack, weisz wie der schnee, von solchen semeln hielt ich meh. Scheit
Grobianus 2741; die speiszkammer die ist gantz vol, weck und semel gebachen wol. H. Sachs 7, 84, 12
Keller; so rufen wir dazu den becken, der bringt semmel und frische wecken.
M. Schirmer
bei Schmidt
westerw. idiot. 324.
zu einer guten mahlzeit und einem guten trunk gehören auch wecken: (
er) hat weggen und würst und trinkt so in dürst.
des teufels netz 5313; ich waisz ain schöne mätzen dort oben an dem egg, die soltu mir erswätzen, das gilt dir würst und wegg. O. v. Wolkenstein 112, 128
Schatz; ein vierteil eier schône bereit, gerüeret wol in einer pfan. dar zuo kam stork und sîn genôʒ und brâhte ein weck in sîner hant.
meisterlieder der Kolmarer hs. 96, 40
Bartsch; die groszen weck, die veisten praten, wenn ir dreu (
mit dem wein) bei einander seit. Rosenblut
Wackernagels altd. leseb.5 1372; trag mir einher das henlin und den praten und das kentelein mit wein und den wecken ob dem schrein! Uhland
volksl. 728; hingen vol würst, gens und pratfisch, bretzen und weck, was auff ein tisch gehört. H. Sachs 9, 430, 19
Keller; man fährt was eszbar ist ... rindszungen, schinken, bretzeln, wecken und würste aller art zu ganzen fudern
an. Wieland 18, 141; ach bringt mir weck, ach bringt mir wein, dasz ich mit meiner tochter kann fröhlich sein! Erk-Böhme
d. liederhort 1, 561; nam mit ihm ein guote flaschen mit wein und ein guot bratens, auch ein schüssel vol küchlein sampt einem groszen weck Schumann
nachtbüchlein 29
Bolte. als leckerbissen für kinder: darumb secht ihr, wie sie die kinder lehren betten, schicken sie zur kirchen und schulen, stecken ihnen allerley weck, schleck, treck und latwergen inn den schulsack
Garg. 98
Alsleben. weck und milch,
in milch eingebrockte semmel: lac frustulentum Corvinus
fons latinitatis (1646) 366; milch und semmeln, weck und milch Kramer
d.-ital. (1702) 58
c; das (
unflätige benehmen) brauchen die Grobianer sehr, wann sie weck und milch essen Scheit
Grobianus v. 911
f. am rande; sagen den kindern ... von weck und milch, und von allerhand dergleichen dingen, dasz den kindern lieb und anmühtig ist Dyke
nosce te ipsum (1638) 346; brock mir weck und milch ein, will der herr mein gast seyn? Grimm
märchen 1, 178.
vom kuchen
unterscheidet der weck
sich dadurch, dasz er zur alltäglichen nahrung gehört, darum häufig neben brot
genannt: brodt und weck zu bachen
Frankfurter zunfturkunden 1, 48 (1595)
Schmidt; dasz zu zeiten die becker das brod und die weck nicht nach dem verordneten gewicht zu backen pflegen
Nassau-Katzenelnbogische policeyordnung (1711) 32 (§ 94); man beckt auch da (
in Marburg) gut weck und brot. Alberus
fab. 42, 151
Braune; die stadtmausz bracht her (
zur bewirtung) brodt und weck. 8, 27; das geschniten prot oder den weck mit deinen henden nit verdeck! H. Sachs 22, 272, 12
Götze; wann er einscheust weck oder brot, so spricht er allweg: danck euch gott. Eyering
prov. copia 1, 648; und der mensch friszt brote und wecke. Heine 2, 157
Elster. im gegensatz zu einander: die hausspeisen ... seind ... von ... korn gebacken brot, bey maalzeiten, und sonsten auch wol weck oder weitzenbrot Textor von Häger
nassawische chronick (1617) 27; ein doctor ... sagte zu seinem enkel, einem sechsjährigen kind, welches immer weck essen wolte, es solte brot essen, davon bekomme man hübsche rothe backen Zinkgref
apophthegmata 347. Alberus
dict. 65
a unterscheidet: panis primarius, herrnbrod, weck, summenrocken
und panis secundarius ... schlecht brod für das gesind.
die beiden ausdrücke können aber auch einander gleich gesetzt werden: der vatter sere verbott, das man im geb kain brod, do enmocht ain halben wecken erwerben nit der recke.
liedersaal 2, 581 (156, 25); und so er schier kompt an daʒ egk, so läst er fallen ainen weck, daʒ er thet fallen in daʒ kot. er sprach: mein knab, heb auff daʒ prot! Keller
altd. erzähl. 106, 25.
auch jetzt wird in den meisten gegenden unter brot
auch der weck (
weiszbrot)
mit verstanden Kretschmer 151. II@3@dd)
seinem umfang nach war und ist noch der weck
sehr verschieden. früher gewöhnlich nach dem gewicht bestimmt: so wanne de scepel wetes ghilt 8 sol., so scal en wegke weghen 9 fert. ... unde de semelen two 9 fert.
urkundenbuch d. st. Braunschweig 2, 263 (1303); wann de weite ein marck gilt, so sall die wegge wigen ein silberpunt
weisth. 3, 28 (
grafsch. Mark); wenn ein scheffel weisze gilt ein loth, so sal der wecke wegen 2 marg lotigs
acten der ständetage Preuszens 1, 47 (1386).
auch nach dem preis unterschieden: hellerweck S. Franck
chron. Germ. 259
a; pfennigsweck
weisth. 6, 40 (15.
jahrh.); kreutzerweck Grimmelshausen
vogelnest 2, 369, 13
Keller; groschen-, batzen-, sechser-, zwölferwecken Schmeller 2, 846; jener kutscher, der einen weck ... um 3 groschen vor ein krümchen mit dem bier abschluckte
mediz. maulaffe 34; mir hatte die mutter einen batzigen wecken gekauft Gotthelf 1, 65.
ältere angaben lassen an groszen umfang denken: soll geben yeder pfluoge einen wiszen wegkhen, das der knabe uff dem pfluogegrendel sitzet und den wegkhen uff den rist des fuszes setzet und obwendig dem knuwe gnug darab isset
weisth. 4, 139 (
Elsasz 14.
jahrh.)
; ebenso: in der gegent Lebwol, do die weinreben mit wecken gepfält und mit würsten gebunden sein
Decamerone 475, 2
Keller. allmählich wurden die wecken
kleiner, wofür schon die habsucht der bäcker sorgte: ich pin gewesen ein pekch, ich puoch ze chlain wekk, wan er mich daucht zu grosz, so prach ich ab ein stoʒ.
Erlauer spiele 4, 195
Kummer. jetzt wird der weck
als festgebäck (
stolle)
oder für besondere gelegenheiten wol auch gröszer gebacken, im allgemeinen versteht man darunter die kleinen brötchen, die zum frühstück und als zuspeise zu den mahlzeiten gegessen werden. die form des wecks
ist noch überwiegend die keilförmige, nur sind gewöhnlich zwei in zwei spitzen auslaufende theile an der breiten seite zusammengefügt, die beiden spitzen pflegen mehr oder weniger abgerundet zu sein. ein solches gebäck wird in Südwestdeutschland in erster linie weck
genannt. als einfacher keil wird der weck
auch mit querstufen (
riefen, schrippen),
mit einem eingedrückten kreuz oder oben und unten mit knäufen versehen. doch wird die bezeichnung auch auf andre formen der semmel z.
b. in form einer rose, eines zopfs (
vgl. Kretschmer 154. 155)
übertragen. Jacobsson 4, 618
b kennt wecke (
wol nach nordd. gebrauch)
als '
drey- oder vierzackigte semmeln', Adelung
als vierecktes weizenbrot mit vier zipfeln. für die Niederlande gibt Kilian 659
b bei wegghe
neben '
libum oblongum'
auch '
libum lunaticum' (
hörnchen)
an. auf die form beziehen sich die ausdrücke bollenwecken,
round wigs, stutenwecken, spulenwecken,
pointed wigs Ludwig 2403, spitzweck Adelung, stutzweck Askenasy 123,
schweiz. züpfenweck
u. a. vgl. über die zahlreichen formen des wecks
noch Höfler
der wecken, philol. u. volkskundl. arbeiten K. Vollmöller dargebracht s. 1
ff. der herstellung nach wird meist von dem gewöhnlichen milchweck
der etwas gröszere wasserweck
unterschieden, bei dessen herstellung nur wasser verwendet wird. feinere zubereitung haben der eierweck Askenasy 123
und der mit butter hergestellte mürbe weck,
auch schon früher erwähnt: ich esz was die menschen gern schmecken, die murben dreygebacken wecken.
Froschmeuseler Ll 6
b (II, 6, 3); die ... einen mitgenommenen mürben weck bis zum letzten brosamen aufgezehrt hatten W. v. Chézy
malefizbuch 133. Lichtenberg
briefe 3, 97;
die mürbe wecke
bei Rüdiger
s. o. b. nach den zuthaten salzweck, kümmelweck
u. a. im 14.
jahrh. werden lose '
locker gebackene' wecke
erwähnt Schmeller 2, 845 (
Würzburg).
im folgenden ist wol ein mit fett beträufelter weck
gemeint: den ein wol begoʒʒen wecke des morgens fruo vil lieber wêre denne ein lecce künste swêre. H. v. Trimberg
Renner 17582
Ehrismann; betröifete wecke
zeitschr. f. d. alt. 4, 578. gesottene,
in heiszem wasser abgekochte wecke: als etliche becker bidden, sie der gesoden wecke auch lassen backen Kriegk
d. bürgerthum im ma. 574,
anm. 372 (
Frankfurt 1453).
unter heiszen wecken (hete weggen)
versteht man in nd. gegenden z. b. Schleswig, Meklenburg, Pommern (
westfäl. hetewigge Woeste 324)
semmeln mit füllung, mit heiszer milch übergossen. beliebt sind die wecken,
wenn sie frisch und warm vom bäcker kommen: uns ist gestolen der lichnam! daʒ haben Jhesus jungern gethan, wir sint kume recken cz eynem warmen wecken. Mone
altd. schauspiele 2, 197 (
s. 115); ich weisz gut frische wecken, da will ich beiszen ein. Waldis
Wackernagels kirchenl. 3, 792, 11; ich ... zehrte an vertrockneten brotrinden, während die schönsten weiszen wecke frischgebacken mir im bäckerladen unerreichbar dalagen Varnhagen v. Ense
tagebücher 5, 216. II@3@ee) weck
als gebäck wird jetzt nur in einem theil Deutschlands allgemein verstanden und kann nicht als schriftsprachlich im vollen sinn des wortes gelten. in der litteratur kommt es schon im 17.
und bis in die 70
er jahre des 18.
jahrh. nur selten vor. die wörterbücher haben es anfangs alle, doch gibt schon Schottel wekk '
panis candidus'
das zeichen des veralteten, Steinbach
bezeichnet das wort als provinciell und einige wie Kirsch
führen es gar nicht an, doch läszt es Adelung
in der schriftsprache zu. der litteratursprache hat es Göthe
als '
semmel'
wieder zugeführt, der es im Götz und Werther gebraucht: weiszt du noch, wie er das letztemal ausritt, da er dir weck mitbrachte 8, 21 (
Götz 1)
Weim. ausg. (
in der ausg. letzter hand weck',
in der bühnenbearbeitung dafür kuchen); in dem sie dem ältesten (
kind) einen halben weck gab 19, 19; auch fürs jüngste gab ich ihr einen (
kreuzer), ihm einen weck zur suppe mitzubringen 19, 20.
ihm sind andre gefolgt, die das wort aus ihrem heimischen gebrauch übernahmen: in dem sprang er weg, liesz wein und wecken holen Miller
Siegwart 1, 63; der ritter ... gab mir wecken von des grafen von Nassau tisch Brentano 4, 46; ein wenig fleisch und ein paar wecke, was zum haushalt gehört Grimm
märchen 2, 125; der vater ... kam nie nach hause, ohne ihm ein stückchen wecken oder dergleichen mitzubringen v. Droste-Hülshoff 4, 65
Kreiten; an etwas zuckerwerk oder weiszen wecken für die lieben kinder zu hause soll es euch auch nicht fehlen G. Keller 4, 132; froh gestimmt kam er heim, brachte den kindern wecken mit und dem weibe ein glas wein mit zucker Rosegger I, 1, 89; die kinder ..., die ... eine reihe von fünf wecken für den sonntag kaufen durften Viebig
das schlafende heer 2, 351; man läszt mich nicht aus Sion heraus, dasz ich etwa drüben in Telgte oder in Warndorf stracks einen weck mir vermöchte zu kaufen. Hamerling 5, 264.
manche machen auch von dem wort gebrauch, denen es nicht von hause aus geläufig ist: die im Gorgohelmbusch sendet dies zu essen dir, den weck, damit wir recht zum rudern sein erweckt. Voss
Aristophanes 1, 178 (
ritter 1182); die fahlen sandsteinhörner recken sich rund und glatt empor wie haufen von wecken! Immermann 15, 144
Hempel; weil es sitte war ... jedem chorschüler sechs kreuzer zu verehren und ein stück wecken v. Gaudy 4, 144; einen halben weck hab' ich dir mitgebracht ... ich mag ihn nimmer, er ist so viel süsz Heyse
nov. 2, 311; der bäcker landete mit seinen wecken und semmeln Fontane I, 4, 80; zum frühstück erhält jetzt ein jeder von euch zwei trockene wecken, die butter ist zu hause geblieben Storm 1, 9.
als f. gebraucht: dabei bisz sie von zeit zu zeit in eine wecke und streute einzelne krümchen über den rasen für die vögel v. Eichendorff 3, 403.
landschaftlich ist der gebrauch von weck
stark zurückgegangen, besonders in Norddeutschland. im mittelalter kommt das wort in bremischen, Lübecker, Rigaer quellen vor Schiller-Lübben 5, 653,
für das 18.
jahrh. wird es noch für Osnabrück Strodtmann 282,
Holstein Schütze 4, 368,
Pommern Dähnert 544 (
brem. wb. 5, 222
nur in hetwek
und pennwek)
bezeugt, jetzt ist es (
abgesehen von hete weggen)
fast nur im westen des nd. gebietes geläufig Bauer-Collitz 113
a. Woeste 324. Schambach 292. ten Doornkaat-Koolman 3, 527
a.
in Preuszen, wo es ältere quellen haben (
acten d. ständetage Preuszens 1, 48
v. j. 1386. Joachim
das Marienburger tresslerbuch 474, 35. Grunau
preusz. chronik 2, 521),
kommt es nach Frischbier 2, 459
noch vor, ebenso in Livland nach Sallmann 2, 51.
in den Niederlanden ist wegge
noch vielfach üblich (
in Groningen '
gerieftes weizenbrot' Molema 468
b,
vgl. 577
a).
wenig boden hat das wort im östlichen Mitteldeutschland; Müller-Fraureuth 2, 645
a kennt es aus einigen sächs. orten für '
weiszbrot'
; im nördlichen Thüringen und im Mansfeldischen steht es besonders für '
weihnachtsstolle'
s. o. (
in Ruhla Regel 280
wie südlich des Rennsteigs Spiesz 277
auch für '
semmel'). Luther
hat es nicht verwendet (
nur in der nicht von ihm geschriebenen Hamburger hs. 29, 503, 31
kommt wecken
vor),
wie es auch sonst bei Ostmitteldeutschen kaum begegnet (
doch hat der Anhalter Trochus
prompt. P 6 a
cuneus, ein weck
neben andern gebäcknamen).
dagegen ist es im westlichen Mitteldeutschland und im ganzen süden bekannt und in Südwestdeutschland (
auch im Elsasz, schweiz. meist weggli)
ist es das gewöhnliche wort für '
semmel'
vgl. Kretschmer 153
f. (
in der Rheinprovinz reicht es weiter nach norden, als hier angegeben; noch in Köln gilt weck Hönig
2 199
b).
in Baiern und Österreich steht wecken
neben andern bezeichnungen für die semmel, wird aber überall verstanden. II@3@ff)
redensarten und sprichwörter. II@3@f@aα) bis mir got wilkumen, lieber Cuonz! dich sich ich von herzen gern, mir hat erst nächten von dir getrombt: nun wolt ich doch nit weggen für dich eszen Schade
satiren 2, 119, 5; weisz der teufel, wie sie es nur machten, die schlingel gingen ab wie frische wecken! nun, man kann sie, scheint's brauchen! G. Keller 6, 280 (
vgl.semmel 2
d); wie der weck auf'm laden,
nicht mehr und nicht weniger, so dasz nichts abzuhandeln ist, ganz bestimmt so Wander 4, 1841. Sartorius 185. Herm. Kurz
sonnenwirth 1, 83 (
ähnlich: dat is as de bekker de weggen bakkt Dähnert 544, es gilt wie beim bäcker die wecke Frischbier 2, 459); er durfft nit ein weck do holen (
hat da gar nichts zu erwarten) Eyering 2, 229; die wird nun vermuthlich, ich kenn schon die wecken (
weisz die schliche), sich hinter den dalken vom vater verstecken. Meisl
theatral. quodlibet 2, 19 (
Orpheus u. Euridice 1, 7). II@3@f@bβ) de wegge ist gut legge Kirchhofer 357; mit dem weggen kann man's brod ersparen
ebenda; wer in der jugend weck essen will, musz ihm im alter kleyenbrod gut schmäcken lassen
quelle von 1663
bei Schöpf 807; he het et erscht de wäck gegeten v. Düringsfeld
sprichw. 1, 142
b; höflichkêit eszt enem ge brûet av, ävver se kann enem weck enbränge Gierlichs
sprichw. a. d. Eifel, rhein. geschichtsbl. 5, 113; ehe einer hungers sterben solt, esse einer so mehr käsz und wecken Lehman (1662) 3, 83; fuhrleut habens gut, sie essen ihr kraut mit weck 3, 100; weck macht faule säck 3, 482; wo der müller kein wecken schenckt, der fischer nach kein hechten denckt, glaub ich, dasz noch am rechten henckt. Kirchhof
wendunmuth 3, 252. II@3@gg)
dem aussehen nach wird das wort auf andre dinge übertragen. in Appenzell ist wegga
die verhärtung der brüste oder des euters Tobler 443
a.
pfälz. weck
von den hoden des ebers Heeger
tiere im pfälz. volksmunde 1, 18.
elsäss. wecke
n ist '
hinterer' (
im kindermund)
jahrb. f. Elsasz-Lothringen 11, 122
und '
weiblicher geschlechtstheil' Martin-Lienhart 2, 808
b.