wässern,
verb. mit wasser versehen, wasser von sich geben, wässerig sein. das wort ist westgerm., im ahd. nicht belegt, mhd. weʒʒern,
mnd. wateren Schiller-Lübben 5, 614
b neben weteren 701
b,
nnd. watern
brem. wb. 6, 398. Schütze 4, 343
neben wätern Danneil 244,
mndl. nndl. wateren;
ags. wæterian (
praet. wæterode),
mengl. wateren.
im anord. steht dafür vatna,
schwed. vattna,
dän. vande;
schwed. vattra,
dän. vatre '
moiriren'
sind lehnwörter. das ags. läszt auf ahd. *waʒʒarôn
schlieszen, es wäre dann später analogischer umlaut eingetreten, oder es stand *waʒʒarôn
und *waʒʒarjan
nebeneinander. mhd. ist einmal intr. waʒʒern '
wässerig sein' (
medicinisch)
belegt fundgruben 1, 397
a;
trans. wassern
erscheint auszer in vocabularen (
voc. theut., Nürnb. 1482, n n 3
a.
voc. opt., Leipzig 1505, P 5
a)
häufig im bair.-österr.: österr. weisth. 5, 106, 38 (
neben wässern 107, 1,
Etschland 1509). 4, 30, 36 (
Vinstgau 1538).
Sterzinger spiele 25, 1064. Berthold v. Chiemsee
t. theologey (1852) 203.
altd. passionsspiele a. Tirol 501, 21. Guarinonius
grewel der verwüstung 434 (
auch Meurer
wasserrecht, Cöln 1663, 83);
in der neueren mundart vertritt a
z. t. lautgesetzlich ä: Schöpf 803. Hügel 186. Castelli 265,
s. unten Nestroy, Raimund, Anzengruber, Rosegger.
junge bildung ist wol wassern '
die ruder eintauchen' Kehrein 439, '
auf dem wasser niedergehen',
von flugzeugen (
nach landen Götze,
Heidelberger sitzungsber. 1917, 9, 24),
und '
taufen' (
s. A 1
e). Campes
unterscheidung zwischen wassern '
wässerig sein',
auch '
harnen',
und trans. wässern
läszt sich nicht halten (Opitz
hat an der angeführten stelle wässern). AA.
an wasser
in eigentlicher bedeutung anschlieszend. hier hat sich neben dem alten transitiven gebrauch nur in einzelnen fällen ein intransitiver entwickelt. A@11)
mit wasser versehen, trans. und absolut. A@1@aa)
wasser hinein, darauf-, nd. auch ableiten. A@1@a@aα)
alt ist (
wie auch ags. wæterian
gebraucht wird)
land, feld, wiese, garten wässern. A@1@a@a@11))
von personen '
land, zur erhöhung der fruchtbarkeit, mit wasserläufen, gräben durchziehen' v. Pfister 334,
das wasser in diese lassen, bei wiesen auch '
überschwemmen' (
vgl. bewässern). A@1@a@a@1@aα)) ir welher sin matten wesseren wil, der mag durch des andren gter wesseren
weisth. 4, 6 (
Elsasz ende 14.
jahrh.); wenn ovch daʒ zit kumt, daʒ man die wisen wëssern sol, so sol der meyer daʒ wasser des ersten dry tag und dry nächt habn uff des hoffs wisen 1, 74 (
Örlikon); sein garten zu gewisser zeit zu wassern Meurer
wasserrecht (1663) 83; wer Spitzbergen zu einem Tahiti erwärmt, die Sahara zu einem Ägypten gewässert ... hätte Jahn
volksth. 28; ihr wiesen, die ich wässerte! ihr bäume, die ich gepflanzet, grünet fröhlich fort! Schiller 13, 187 (
jungf. v. Orl. prol., 4).
in obscönem bilde: mein herr wil fremde wisen grasen ... darumb ich billich ding ein knecht der mir mein wisen wesser recht.
fastnachtsp. 145, 12.
mit auf (
vgl. unten β u. γ): der Kreuselman gibt 2 meczen korns von 1 rynnen uff sein wisen zu wessern
monumenta Boica 47, 365 (
Nürnberg 15.
jahrh.).
absolut: der amman noch sein gewalt sol auch mit dem Lanckwasser nit wessern noch das sust abslagen Tucher
baumeisterbuch 221, 13; wie wenn ein wässernder mann von des bergquells dunklem gesprudel über saat und gärten den lauf der gewässer daherführt. Voss
Ilias 21, 257; wenn der eine denkt zu wässern, wills der andre trocken haben. Rückert
ges. ged. 5, 99.
eine stadt wässern,
sie mit wasserleitungen versehen: die stadt Ecbatanam hat sie mit unglaublichen unkosten gewässert Grimmelshausen 4, 895, 27 (
Musai lebenserzehlung 4)
Keller. von gott '
ströme, regen senden' (
s. auch Weckherlin
unter wasserlos): du wässerst, heimsuchst auch das land, und machst es reich mit deiner hand. H. Sachs 18, 258, 18
Götze; die berge wässerst du aus deinen wassersälen; mit deiner arbeit frucht ersättigst du die welt. Herder 11, 270
Suphan; giesze nur (
Jupiter), tränke nur fort die rothbemäntelten wäss're das durstende land. frösche, Göthe 1, 312
Weim. ausg. auch von gestirnen '
regen bringen': wann den winter der frühling scheucht, und dem wässernden (
aquoso) fisch nachfolgt der heitere widder. Voss
metam. 2, 175. A@1@a@a@1@bβ))
vereinzelt wasser zum reinigen durchleiten; bildlich (
mit anspielung auf die bedeutung d β): (
Gottsched) der unsre sprache wie Augias stall rein wässerte, ein Herkul überall. Herder,
von und an Herder 3, 305. A@1@a@a@1@gγ))
bildlich auf geistigem gebiete '
beeinflussend fördern': darmitte sy (
die Athener) den gantzen umkraisz der welte durch mittailung sölicher künsten tuont fruchtbar machen, wessern und fuoren
N. v. Wyle
translat. 141, 4
Keller; Epicurus, wölicher seine gärten aus des Democriti brünnen hat gewässert Alpinus
Vergilius 3
b; dagegen habe ich aus dem diarium des von Grün ... schon manches merkwürdige ausgezeichnet, es wird mir ... wohl die wichtigste quelle bleiben, woraus ich meine anlagen wässern kann Göthe
briefe 4, 184
Weim. ausg. A@1@a@a@22))
ein gewässer wässert
das land: und es gieng aus von Eden ein strom zu wessern den garten
1. Mos. 2, 10; immer abwärts, immer tiefer, wässern wir, mäandrisch wallend, jetzt die wiese, dann die matten, gleich den garten um das haus. Göthe 15, i, 242 (
Faust 2, 10007)
Weim. ausg.; hochbegras'te hügel, dichte hügelschatten, und du klare quelle, die sie lieblich wässert! Kind
ged. (1817
ff.) 3, 310.
absolut: irriguus fons, eyn brunn der stets wässeret Dasypodius 209
c.
auch nur '
bespülen': so lang das meer unsre küste wässert, so lange die sonne diese insel erleuchtet Klinger 2, 376 (
Damocles 2).
vom regen u. ä.: den feldern verschaffet ein wässernder regen das frohe gedeyen, den nährenden segen. Weichmann
poesie der Niedersachsen 6, 50; und wie der thau das dürre erdreich wässert. Löwen (1765) 1, 99; dann (
in der stratusbildung der wolken) hebt sichs wohl am berge, sammelnd breit an streife streifen, so umdüstert's weit die mittelhöhe, beidem gleich geneigt, ob's fallend wässert, oder lustig steigt. Göthe 3, 99
Weim. ausg.; ofries. watern,
regnen ten Doornkaat-Koolman 3, 521
b. A@1@a@bβ)
ein gewässer wässern: und wird eine quelle vom hause des herrn her aus gehen, der wird den strom Sittim wessern
Joel 3, 23.
ein gewässer wässert,
speist ein anderes: die 2 new teiche, die ... den multeich wessern K. v. Nostitz
haushaltungsb. d. fürstenth. Preuszen (1578) 77, 5
Lohmeyer; ähnlich, mit auf: 2 sehe ..., welche auff die molen wessern 42, 11.
ein zufluszgebiet wässert
ein gewässer: es ist nicht ieder teich dem andern gleich zu stellen, bald wässert ihn das feld, bald hat er eigne quellen Picander 2, 326. A@1@a@gγ)
nd. das wasser von einem lande ableiten (
vgl.abwässern, entwässern), watern na
einem orte brem. wb. 6, 398, up
einen nachbar Schütze 4, 345,
auch: min land en weterd in den ziel nicht (1505) Schiller-Lübben 5, 701; waternen
ostfries. urkundenb. 1, 230 (
nr. 270, 1391). A@1@a@dδ)
im salzbergbau wasser zum einlaugen einlassen, bes. österr. Veith 559. A@1@a@eε) ein (
noch auf stapel stehendes) schiff wässern,
wasser einpumpen, um etwaige lecke zu finden Röding 6, 883. A@1@bb)
wasser zur nahrung geben (
in gleicher bedeutung ags. wæterian). A@1@b@aα)
pflanzen wässern (
jetzt ungebräuchlich): der do pflantzt und der do wessert die seint ains Mentels
bibel, 1. Cor. 3, 8; der weinstock ... streckt seine reben aus gegen im, das er gewessert würde vom platz seiner pflantzen
Hes. 17, 7; ein junges propff wird weder wurtzeln noch keimen, wenn es nicht fleiszig gewartet, gewässert und beschnitten wird
discourse der mahlern (1721
ff.) 2, 177; sie tragen wasserkrüge ..., um die zarten pflanzen zu wässern G. Forster (1843) 9, 179; wenn gott das gedeihen nicht giebt, so hilft unser pflanzen und wässern nichts Kirchhofer 131.
bildlich: die kirche wird durch der christen blut besprenget, gefeuchtiget und gewessert Luther 16, 17, 18
Weim. ausg.; du solt dich frewen dasz got dein leben und blut dar zu gebraucht, das er damit sein wort wesseret und meret Zwingli
das die geistliche genante gewalt usw. (1523) C 4
b; wir ... wöllens lieber helffen mehren und bessern, und im die gecken wol wessern, bis sie gröszer und reiffer werden Nigrinus
wilkom und abdanck usw. A 4
b. A@1@b@bβ)
thiere wässern,
tränken, zur tränke (
auch zur schwemme?)
führen: wol mogen sie soliche swein zu zimlichen zeiten des tags ein mal und nicht mer an das wasser treiben und die wessern
Nürnberger polizeiordnungen 282
Baader; adaquo, wässern
oder trencken Calepinus
XI ling. (1598) 28
b.
bes. bair.-österr.: wássăn (
die rosse)
mit wasser versorgen Hartmann
volksschauspiele, glossar 604; Schöpf 803. Hügel 186 (
vgl.wässerer 2); '
zur tränke führen'
in Kärnten Martiny
wb. der milchwirtsch. 137,
in Steiermark wörter u. sachen 1, 131: 'hast g'futtert?' 'jo'. 'hast g'wassert?' 'jo'. 'dann spann ein. wir fahr'n gleich' Anzengruber 2, 274 (
schandfleck); die kühe futtern, wassern und melken, das kann ich auch Rosegger I, 7, 228.
doch auch md. die pferde wässern Müller-Fraureuth 2, 643
b;
mnd. wetern Schiller-Lübben 5, 702;
nd. watern,
dem vieh das saufen zutragen brem. wb. 6, 398, wätern Danneil 244,
neumärk. węęterę
zeitschr. f. d. mda. 1910, 39: ich habe die hengste gewässert Arndt
werke 6, 186.
scherzhaft einen menschen wässern: laszt mir etwas zuflieszen, sonst musz ich verdursten. dein durst ist uns recht lieb, wir haben dich darum hierhergebracht, um dich zu wässern Raimund (1855) 9, 53. den hals, die kehle wässern '
mit trank laben' (
hier kann auch die bedeutung '
ausspülen'
mit hineinspielen, vgl. waschen II 2
g): doch wo war Ludwig ietzt! er sasz bey vollen fässern, fern von des herrn geschrey, den dürren hals zu wässern. Zachariae
poet. schriften (1763
ff.) 2, 61. A@1@cc)
etwas in wasser legen, bes. zum reinigen, auslaugen (
vgl.auswässern),
erweichen, aufquellen u. a. A@1@c@aα)
speisen wässern: so en sall gein swinenvleischmenger gein swin wesseren (
aufquellen) up deme schragen, as't upgesneden is
Kölner zunfturkunden 2, 126, 12 (1407)
v. Lösch; erbisz wässeren Krämer 1212
b; man nimmt ... frische grüne nussen ... und wässert sie eilff oder zwölff tage ... inn frischem bronnwasser Sebiz
feldbau (1580) 381; den salat wässeren,
sciacquar (
abspülen) Krämer 1212
b. eingesaltzene sachen wässern Steinbach 2, 949: wie sie die versaltzene butter wässern und dadurch das überflüssige saltz heraus ziehen
Simpl. 1, 355 (4, 1)
Kurz; ein stück butter, die vorhero rein ausgewaschen und gewässert worden Amaranthes 17.
bes. fische wässern: so sollen auch die jenen, die ire gesaltzen vische bey dem prunnen ze
waschen pflegen, nit neher dann sechs schrit davon wessern
Nürnberger polizeiordnungen 281
Baader; das von etlichen in ire (
der heringer,
heringsverkäufer) innunge gegriffen und gewessert gut verkaufft werde
rechtsdenkmale aus Thüringen 390 (
Erfurt 1483); häring, stockfisch wässeren Krämer 1212
b, dürre fische Stieler 2446: die stockfische ... waren ... geklopft und gewässert und ... wieder echtes und rechtes fischfleisch geworden Hansjakob
aus meiner jugendzeit (1910) 135.
an das fleischwässern knüpft scherzhaft an: nachdem ich fünf wochen hindurch den siechen leib von innen und auszen gewässert hatte Seydelmann
bei Rötscher
S's leben 167. A@1@c@bβ)
anderes festes; ins wasser werfen, mit wasser vermengen: er (
Luther) würde ... die verdampte und verbrante ketzerey aus Johannis Hussen gewesserter asche wider aufblasen Mathesius
historie d. Luthers 89, 32
Lösche. kalk wässern,
löschen Rode
Vitruv (1800)
anh. 42. holzgefäsze wässern,
dicht machen und auslaugen: wanne man ain leyssen wilt, so sall derselbe kneth den kelter und büden zo forre drye ader veir dagh gewessert hain, dasz sye geheyfft werden
weisth. 2, 465 (
Mosel 1516); (
bier-)tonnen wateren
zeitschr. f. hamb. gesch. 6, 540 (1594); der mehrere essigfässer zugleich wässert v. Görres
briefe 2, 85. weidenstecken zu reiffen wässern Ludwig 2396. den hanf Sebiz
feldbau (1579) 12, den flachs Krämer 1212
b. Henry
dial. de Colmar 202, vlas wateren,
ihn rösten Cornelissen
en Vervliet 1421: und wenn der flachs geraffet ist, so will er auch ins wasser hinein. lieber mann, wässert ihn dann, so seh ich meine freude dran. Simrock
deutsche volkslieder nr. 265. gut gewässert ist halb gebleicht Körte 6539. eine haut wässern Rondeau, das leder Jacobsson 4, 606
b. A@1@c@gγ)
bildlich '
prügeln',
wie stockfisch, hanf, flachs, felle bearbeiten, die gewässert
und geklopft werden: so sagen sie, Pedrillo sey ein stockfisch, und lassen mich wässern und blaüen wie einen stockfisch Wieland 11, 308 (
don Sylvio 4, 2);
österr. Erommann 3, 190. 4, 48. Castelli 265 (
vgl.auslaugen '
peinigen'). A@1@dd)
flüssiges mit wasser verdünnen. A@1@d@aα)
in eigentlichem sinne, wessern den trancke
voc. inc. teut. C 4
a,
bes. den wein: man sol in (
den wein) zuo zeiten wessern
Decamerone 426, 17
Keller; in heusern, kellern, noch in fessern thut er (
Neptun) mich (
Bacchus) haymlich dückisch wessern. H. Sachs 4, 248, 21
Keller; herr kellner, ir seit alzeit vol und wessert uns den wein zw wol. 23, 63, 8
Götze; ist das, was uns gefällt, denn lauter starker wein, den man erst wässern musz, wenn er soll heilsam seyn! Lessing 1, 179; und lasz den schlechten wein den schlechten schenkwirth wässern. Rückert
werke 8, 219. die milch wässeren,
wateren Kramer (1719)
hdl.-d. 504
c: die milch musz gewässert seyn, sonst betrinken sich die leute so drinne
der lustige Leipziger (1764) 9; dasz Minchen ... bleich im gesicht wie gewässerte milch würde, wenn man das wort Jude ausspräche Hippel 2, 29 (
lebensl. 2).
tinte: die ohnedies nicht allzuleserliche hand einer guten frau, die mit oft gewässerter dinte geschrieben hatte Brentano 4, 213. A@1@d@bβ)
übertragen geistiges durch ausführlichkeit gehaltloser machen, wie breittreten;
beliebt bes. bei Lessing
und Herder;
jetzt ist dafür üblich verwässern (
vgl.gewässert 4, wasser II B 1
g): doch auch diese (
gedanken) hat er oft ziemlich gewässert Lessing 4, 301; der übersetzer ... nahm sich noch die mühe, sie (
die schrift) mit Spalding-Mendelsohnscher philosophie zu weihen und zu wässern Herder 5, 269
Suphan; wässert er (
der paraphrast) alles in eine langweilige brühe 10, 185; hier und da werd' ich das italienische wörtlich übersetzen, wo ich den gedanken durch eine umschreibung wässern, oder gar weglassen müszte Heinse 3, 224
Schüddekopf. A@1@ee)
in der gaunersprache wassern '
taufen' v. Train
Chochemer Loschen 134. A@22)
mit wasser versehen sein. A@2@aa)
vereinzelt bewässert sein: der mensch ... hat die bäche künstlich so geleitet, dasz die wiesen wässern, und dem auge wohlgefallen! Gleim (1798
ff.) 2, 292. A@2@bb)
im wasser liegen, in der küchensprache neben dem trans. gebrauch: darinn das gedörrt ... kraut ... gewässert hat Sebiz
feldbau (1579) 244; ein stockfisch ... der zu lang gewässert hat Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 170; man lasse sie (
die sardellen) in abermals frischem wasser 10—15 minuten wässern Davidis
kochbuch35 27. A@33)
die eigenschaften des wassers haben, von den verben auf -ern
beeinfluszte bedeutung: es (
dies fleisch und blut) fleischert und blutert nicht ... gleich wie ... das zuckerwasser nicht mehr wessert, sondern es zuckert, es giebt und wircket die krafft, so der zucker hat Luther 33, 188, 26
Weim. ausg. nach wasser schmecken: wässern, wässerlen,
einen faden geschmack verraten Stalder 2, 437. BB.
wasser '
absonderung'
von sich geben, etwas damit benetzen. hier ist der intransitive gebrauch mehr entwickelt als der transitive und reicht weit (
mengl. his eʒen watereden Stratmann - Bradley 672
a)
zurück. B@11)
absonderung von sich geben. B@1@aa)
von mensch und thier. B@1@a@aα)
harnen (
hierher wol auch die stelle bei Schiller-Lübben 5, 614
b: dat ... dat perde eme totrAed, soe dat he bloit dar aff hadde ghewatert unde was ock ghewundet,
vgl. ndl. bloed wateren,
blut harnen van Dale
4 1853
a): darauf flugs inn ain winkel ging, sas nider, als ob si wolt wässern. Fischart
flöh. 1477
Hauffen; dort (
in Berlin) rieselt die Spree, und in ihr bette pflegen zu wässern die jungen kadette. Heine 2, 218
Elster; wässern, wässerlen Stalder 2, 434; watern
brem. wb. 5, 207. Strodtmann 280. ten Doornkaat - Koolman 3, 521
b.
in der jägersprache (
der es Adelung
ausschlieszlich zuweist)
von wilden thieren, wie feuchten, nässen,
gebraucht Jacobsson 8, 151
a,
vom rot- und schwarzwild Behlen
suppl. 205,
vom hund Brehm
2 1, 579: doch fallen ihm (
dem hund) jetzt die zähne aus, er kann nur bellen und wässern. Heine 1, 251
Elster. B@1@a@bβ) mit den augen wässern: er von stund an anfing zuo wessern mit seinen augen Wickram 1, 156, 1
Bolte. schweiz. auch alleinstehend wässern, wässerlen '
weinen' Stalder 2, 437. B@1@a@gγ) wässern '
einen wässerigen mund haben'
?: hülflos und halb verschmachtet wässerte der arme dichter umher, bei tage hungerte ihn, und bei nacht träumte ihm davon
Firlifimini 39
neudr. B@1@bb)
von einem körpertheil, meist mit persönl. dativ. B@1@b@aα) die augen wässern '
thränen': es (
das kranke auge) wässert und fleüszt gar gern Gersdorff
wundarzney (1517) 61
b; das yhm fur groszer wollust und freude die augen gewessert haben Luther 17, i, 291, 25
Weim. ausg.; ich musz aber erstlich kurtz deine lügen mustern, und darnach wieder in die nasen reiben, das dir die augen wessern Nigrinus
widerlegung der ersten centurie J. Nasen H 3
b; die augen sollen dir (
von dem rauch) noch ehe wessern dann mir Kirchhof
wendunmuth 1, 410
Österley; fing ihn an zu scheeren, dasz ihme die augen gewässert, und er ... die zähne geblecket Abr. a S. Clara
huy! und pfuy! (1725) 196; er wurde ... so gerührt, dasz ihm die augen wässerten Musäus
volksmährchen 2, 110
Hempel. wässern machen: das stückchen hat mir die augen wässern gemacht, welches bei mir was seltenes ist Bürger
briefe 2, 248
Strodtmann; wo nicht mein auge beizt der rauch, und wässern macht die zwiebel. Rückert
ges. ged. 3, 202. wässernde augen: er hatte ein rotes breites gesicht und kleine wässernde augen drin Rosegger
nixnutzig volk (1906) 193. B@1@b@bβ) der mund,
auch die zähne, die zunge, der gaumen wässern einem (
vgl.wasser II E 1
d).
volksthümliche, seit dem 16.
jahrh. auftretende wendungen. B@1@b@b@11)) mund, maul, schnabel;
wortspielend: dir wässerts maul. nein, es weinelt mir
Garg. 146
Alsleben. B@1@b@b@1@aα))
in eigentlicher bedeutung. als zeichen von trunkenheit, müdigkeit: er aber gint schläffrig und faul, hoschet, und wessert im das maul, fieng an zu göcken in seim rachen und speit, das im sein hals thet krachen, gros brocken, wie ein ledrers-hund. H. Sachs 21, 228, 8
Götze; trinckt, bis euch das bier besiegt, nach manier der alten. fort! mir wässert schon das maul. Günther 924; seine groszen und groben hände kloben an den knien und sein breiter mund wässerte Federer
berge u. menschen12 258.
esz- oder trinklust bekommen: wenn ich essen und trinken sehe, so wässert mir gleich das maul, und ich möchte auch zugreifen
F. L. Schröder
dram. werke 3, 4; hier haben sie einstweilen einen zucker und ein schnäpschen, damit ihnen der mund nicht zu sehr wässert G. Keller
bei Bächtold 3, 145. nach etwas: dasz einem nicht nach ... delicaten speisen das maul zu sehr wässern ... soll Olearius
reisebeschr. (1696) 277; affenfleisch hab ich nie gekost, darumb hett ich dazu woll lust, darnach wessert mir fast der mund.
Froschmeuseler X 3
a (II, 2, 1); euch winzern wässert wohl, wie leicht zu glauben, das maul hier nach verbothnen trauben. v. König
ged. 484; nach lauem wasser kann kein mund je wässern. Tieck
gedichte (1834) 2, 264. B@1@b@b@1@bβ))
von der liebesbegier, wol ausgehend von '
küszlust bekommen': wenn der meister dem knecht sein hauszfrawen verbieten, so würt im erst das maul darnach wessern Keisersberg
brösamlin 2, 52
b; Florindo, dem das maul allezeit nach der liebsten wässerte Weise
erznarren 63
neudr.; denn, nachdem ich einmahl fremdes fleisch gekostet, so wässerte mir das maul immer darnach
jungfer Robinsone 97; 'o du schelmenkind! zähl' d'rauf, dasz ich komme!' rief die frau mit lüsternem gesicht und der mund wässerte ihr G. Keller 4, 131; dem wassert's maul nach uns'ren stub'nmad'l Hügel 186; wie manchem wird nach deinen küssen der mund vergebens wässern müssen? Günther 178; die jungfrau stund bey die en worten wie eine rose da, und wer sie sah dem wässerte der mund. Wieland 18, 307 (
sommerm.). B@1@b@b@1@gγ))
dann überhaupt '
begierig nach etwas sein': dasz verlange ich woll nicht, aber wen man lang jung bleiben könte, ... da solte einem woll dasz maul nach wässern Elis. Charl. v. Orleans
briefe 1716 —1718, 190
Holland; die wilden waren über den unfreundlichen willkomm so erschrocken, dasz ihnen das maul nicht nach mehrerm wässerte
Rob. Crusoë (1720) 2, 285; nach dem Eschenheimer thurm wässert mir der mund, ich möchte gar zu gern darin sitzen Börne (1829
ff.) 13, 24; da stund einr von den suppenfressern, dems maul nach gelt auch gund zu wässern, verstund seins herrn meinung wol. Waldis
Esopus 4, 100, 66
Kurz; wenn nur der brief nicht gar zu appetitlich wäre! ... die reizung ist zu grosz, kein mensch kann widerstehn! es wässert mir das maul, wie ein gebeizter hase. Göthe 9, 91 (
mitsch. 3, 3)
Weim. ausg.; wohl manchem wässerte der mund (
nach dem schatz), doch mancher ward geprellt. Bürger 24
a (
der raubgraf).
auch beim genusz selbst und beim nachgenusz: ein exerzierplatz, freund, findet sich selten wie der. welche maneuvres sah ich hier an, mir wässert der mund noch! Platen 44. B@1@b@b@1@dδ)) das maul wässern machen Krämer 1213
a: und sonsten andere schleckerbiszlein, welche ich nicht alle erzehlen will, damit ich nicht jemand das maul wässern mache
Simplic. (1684) 3, 736; damit ich dir ... den schnabel nicht länger wässern mache, so höre zu Wieland
Lucian (1788) 1, 113. B@1@b@b@1@eε)) wässernder mund
u. ä.: der ... mit verachtendem aber wässerndem munde den hirsenbrei seines essenden gutmüthigen dieners anblickt Brentano 4, 396; ihn (
den apfel) mit wässerndem munde zu schälen Gutzkow (1872
ff.) 2, 379; mund mit breiter ... unterlippe, beständig etwas wässernden winkeln H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 12. B@1@b@b@22)) die zähne wässern. B@1@b@b@2@aα))
eigentlich; in der trunkenheit: ja, ja, für nur zu betthe mich! es wil mir gleich der kopff umbgehn. mir wessern, mir wessern die zeen. H. Sachs 9, 98, 13
Keller; vgl. fab u. schw. 6, 924, 43.
bei ekel: und stellen sich so unflätig und unverschämpt, dasz, wer es sihet, im die zene darüber wässern und eilig werden
F. Dauler
tantzteuffel, theatr. diab. 1, 180
b.
in der wut: grosze, blanke zähne weisend, die man ordentlich wässern sah, rief er seinem opfer zu ...
M. Meyr
erzähl. a. d. Ries 1, 121.
bes. aus begierde nach speise und trank (
vgl. ndl. watertanden '
begierde haben'): ersahe er (
der wolf) ... eine schöne, feiste kuhe ..., es wässerten ihm schon die zähne darnach Stranitzky
Fuchsmundi 293, 26
neudr.; das ihr bei der (
gemalten) melone und bei den pfirsichen die zähne wässern Castelli
werke 14, 214; der Cyclops will ihm (
Ulysses) zu, der grosze menschenfresser, die zähne wässern ihm. Opitz 3, 290. B@1@b@b@2@bβ)) nach bulschafft wasserten im die zen (1546) Schöpf 803; Maseto desz alten red wol vernommen hette, und die zähn im zu den nunnen wessern wurden Montanus 56, 16
Bolte; so euch doch die zähn wässeren nach dem ehestand Abr. a S. Clara
Judas (
Salzb. 1686
ff.) 1, 24; mir habn offt gwassert nach dir di zend. du glabst nit, wie oft ich an dich han tacht.
Sterzinger spiele 25, 1064 (1535)
Zingerle; nein, nach dir, nach dir, o lieber, wässert täglich mir der zahn. Blumauer
ged. (1782) 165; wer im vorbeygehn nur sie sah, dem wässerten die zähne. Ratschky
ged. (1791) 8. B@1@b@b@2@gγ)) die öffentliche glückhafen ... worinnen offt solche schöne glantzende göldene keder vorgestellt werden, dasz fast einem jeden anzubeiszen die zähn wässern Abr. a S. Clara
reimb dich (1702) 161 (
Lösch-Wienn); geld und reichthumb aber waren die schnapbissel, nach welchen ihnen die zähn gewässert
gemisch gemasch 85; dieser mensch hoffete gar gewisz ein stattliches lob, nach deme ihm die zähne gewässert
etwas für alle 2, 142; maszen frembde fehler zu entdecken ... eine wiederwärtige sache ist, darnach wenigen die zähne wässern
mediz. maulaffe 963. B@1@b@b@2@dδ)) wässern(d) machen: ich (
ein mädchen) wil mich felsensteif halten, um ihme durch meine verstellte unempfindlichkeit die lust zu schärfen, und die zähne noch mehr wässerend zu machen Lindenborn
Diogenes 1, 95. B@1@b@b@33)) die zunge, die lippen, der gaumen wässern: wa dan mit solchem glatten schmer der buntschuo süsz gesalbet wer, so wessert dem gemeinen man das mul und auch die zung darvan. Murner
vom luth narren 3113
Kurz; wie schade, wär es nur ein schönes luftgesicht, wornach er uns die lippen wässern machte! Wieland 9, 58 (
Musarion 2); so ist mir nun die süsze kost entgangen, nach der mein gaumen mir gewässert schon. Tieck
schriften (1828) 5, 556 (
Phantasus 2); er (
der wolf) leckt die gierige zunge, denn der gaumen wässert ihm schon nach den feisten hammeln K. G. Cramer
turnier zu Nordhausen (1822) vii. B@1@b@b@44))
auch nur es wässert einem: wenn es dir (
bei der aufzählung der leckerbissen) hierbey irgendwo wässert, so rathe ich zu einem stückchen Edamer Lichtenberg
briefe 3, 172
Leitzmann. B@1@b@gγ)
vom nasenflusz, unpers.: vom scharfen märzwind ..., der einem so herb in die nase sticht, dasz es darnach wässert Fr. Müller 3, 395. B@1@b@dδ) eine wunde wässert: so die wunden am letsten anheben wässern, und nimmer den rechten aiter des excrements geben Paracelsus
wund- und artzneybuch (1571) 21; wenn ein wunden, die erstlich einen guten eyter hat gegeben, ... nachmalen anfangt zu wässern Würtz
wundartzney (1612) 288; (
man) brennet ihr darmit ein auglein rein ausz, dasz es wässere Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 155. B@1@b@eε) welker vrouwen dat herte watert (
wassersüchtig ist)
Gothaer arzneibuch bei Schiller-Lübben 5, 614. B@1@cc) der bienenstock wässert: ein sicheres kennzeichen eines guten stocks ist ..., wenn er abends und sonderlich morgens brav wässert oder die ausdünstung tropfenweis am flugloche hängt J. P. Friederich
prakt. bienenzucht (
Berlin 1800) 23. B@22)
benetzen. B@2@aa)
mit augenabsonderung. B@2@a@aα)
der mensch wässert,
bethränt etwas: wie Magdalena than und des herren füesz mit aigen zæhern gewässert hat Berthold v. Chiemsee
t. theologey (1852) 494; von meiner threnen rinnen ... wesr' ich mein ligerstet. Melissus
psalmen 6, 7
neudr. B@2@a@bβ) thränen wässern
etwas, bes. die augen: dasz die zehren immerzu diser klaren augen glantz wässern. Opitz
t. poemata 111
neudr.; doch seh' ich thränen deine augen wässern. Schiller 6, 182 (
Eurip. Iphig. 3, 3); stumm verlieszen wir ihn; die saat des heiszen verlangens streut' er in unsere brust: wässert, o thränen die saat! Herder 16, 319
Suphan. B@2@a@gγ)
reflexiv: die thränen, so ich schon in meine brust geschüttet, gehn ungeheiszen durch, die augen wässern sich. Günther 1005. B@2@bb)
mit speichel befeuchten (?): die laute stimmen, eh man greifet; die flöte wässern, eh man pfeilet. v. Schönaich,
das neueste a. d. anm. gelehrs. 4, 255. B@33) die augen, den mund
u. ä. wässern '
wässern machen, wässerig (
s. d. 1
a ε 2)) )
machen',
seit dem 18.
jahrh. in der dichtersprache: B@3@aa) das mitleid wässert jeden blick. Stoppe
Parnasz im Sättler 382; und süsz ist es ..., zu wissen, dasz unsre angst in fremdem busen zittert, dasz unsre leiden fremde augen wässern! Schiller 5, ii, 201
don Carlos 2, 2). B@3@bb) der frevler zittert, dasz die fessel klirrt, als noch der lohn ihm wässerte den mund, ein kecker fuchs — und jetzt ein feiger hund. v. Droste-Hülshoff 3, 381
Kreiten; spielmann, hab eifer! tänzerin, lauf'! 'der mit dem sabel', leibstück des Oberlands, wässert den schnabel. Sauter
ausgew. ged. 32
Kilian. CC.
zeuge, bes. taft, kamelott, damast, wässern (
vgl.wasser II C 3),
ihnen wellenförmigen glanz geben, sie moiriren Krämer 1212
b. Jacobsson 3, 83
b. Heiden
handwb. der textilkunde 615.
auch stahl, waffen wässern,
sie damasciren. gewässert (
vgl. dies 3
b),
wellenförmig gemustert oder geformt: ein gewässertes band hieng schief über den lazurblauen sammt seines (
des hofmarschalls) kleides v. Thümmel
Wilhelmine 30, 13
neudr.; schickte er (
der vollmond) ... einen hellen lichtstreif, der, wie ein gewässertes band, zwischen beiden ländern eine täuschende vereinigung zu knüpfen schien G. Forster
tagebücher 292
Leitzmann; sonst ist das junge (
eschen-)holz schön gewässert, und spielt sehr ins seidenhafte Krünitz 11, 515; die gewässerte porcellane,
porcellana achatina (
mit gewässerten bändern auf dem rücken) Martini
conchyliencabinet 1 (1769) 342; die ränder dieses blattes (
des wasserlaubs, s. d.) sind gewässert Jacobsson 8, 149
b. DD. '
schwätzen' (
vgl.wasser II C 1
e): der vetter aber weiter wessert, und sprach, was seid ihrs denn gebessert und wozu dient kost und erbeit, die ihr auffwandt die lange zeit?
Froschmeuseler X 5
b (II, 2, 2).