vorfallen,
verb. ,
älter fürfallen,
s. dieses th. 4, 1, 1,
sp. 725; Lexer 3, 589;
precidere vorvallen Diefenbach
gl. 452
a; für-
oder vorfallen,
cadere, contingere, accidere Stieler 422; ich falle vor,
accido, contingo Steinbach 1, 373; Adelung; Campe;
aus dem deutschen entlehnt ist dän. forefalde.
der bedeutungsumfang des verbums hat sich immer mehr eingeschränkt, doch wirkt der freiere gebrauch, den das wort noch im 18.
jh. zeigt, bis in die sprache der gegenwart nach. 11)
in eigentlicher, sinnlicher bedeutung, nach vorn oder vor etwas fallen, dann von stellung, lage von etwas ruhendem mit gedachter bewegung: vorfallen,
precidere, vel in anteriorem partem cadere voc. v. 1482 m m 2
a;
proticere forfallin, vorwert vallen Diefenbach
gl. 468
a; eine fallthüre v. lassen Adelung;
nd. de mur is tō wīd förfallen ten Doornkaat-Koolman 1, 540
a; die figur fällt mit dem oberleibe weit vor Lessing 9, 54
M.; wenn fest gestein vorfället, so sonst nicht wohl mit der hand und gezeug zu gewinnen Hertwig
bergbuch (1784) 133
b; diese bedeckung hat einen ausfall, der durch drückung einer feder vorfällt Nicolai
reise durch Deutschland (1783
ff.) 1, 10; seine vorfallenden schultern Göthe 23, 132
W.; laszt beide schlösser v. Schiller
Fiesko 3, 5; das v. des oberleibes und zurückwerfen der beine Fr. L. Jahn 2, 40
E.; aus dem vorgefallenen uterus Sömmerring
v. baue d. menschl. körpers (1839
ff.) 8, 1, 381; jedesmal, wenn der kopf (
eines schlafenden) vorfiel Kolbenheyer
Paracelsus (1922) 2, 436; und plözlich fiel der schlagbaum vor Schiller 1, 276
G.; vor
zeitlich (
nur konstruiert): wann er vorfällt, so falle ich nach Kramer
teutsch. ital. dict. 1 (1700), 332
c. 22)
in übertragener anwendung. 2@aa)
innerlich in die erscheinung treten, der aufmerksamkeit sich darbieten, nur in älterer sprache: die philosophi sagen, was dem gemüt für ein bildnus in dem empfahen vorfellet, deme werde das empfangene kind gleich Heyden
Plinius (1565) 23; dem nach ifg. was vorgefallen, mit dem herrn von Coblin sich zu unterreden, sind ifg. ... auf nach Leubus Schweinichen
denkwürd. 167
Ö.; fället dir im herumspatziren des glükkes wankelmuht zu betrachten vor Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 5. 2@bb)
auf äuszeres geschehen übertragen, aber mit ausgedrückter beziehung auf eine person (
im dativ);
auch diese anwendung ist der sprache der gegenwart verloren gegangen: nichts lieberes hätte mir vorfallen können Stieler 422; es ist mir ein hindernisz vorgefallen; wenn mir eine gute gelegenheit v. sollte Adelung; (
wanderer,) der nicht weisz, was ihm auff der reise v. mag Moscherosch
insomnis cura par. 72
ndr.; dann ihm etliche geschäfften zu Pariss vorgefallen sind Prätorius
glückstopf (1689) 7; so sagte er ihnen gewöhnlich, dasz, wenn ihnen etwas vorfiele, sie sich an den agenten ihres hofes wenden sollten Archenholz
England u. Italien (1785) 2, 253; fiele mir etwas vor, so liesze ichs montags sagen Göthe IV 9, 31
W. —
in eigenthümlicher wendung: wann dem herrn etwas von meinen waaren v. solte,
quando le occorressero, bisognassero delle mie robbe Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700), 333
a. 2@cc)
ohne dasz eine beziehung auf eine person ausgedrückt wäre, in die erscheinung treten, wirklich werden, sich zutragen, sich begeben. Adelung
und ihm folgend Campe
wollen den sinn unvermutheten geschehens in das wort legen, was durch den sprachgebrauch nicht bestätigt wird. auch bei dieser anwendung des verbums ist die sprache ärmer geworden, indem die sprache der gegenwart es vermeidet, das verbum mit einem inhaltlich bestimmten subject zu verbinden. 2@c@aα)
im folgenden sind zunächst verbindungen belegt, die dem jetzigen sprachgefühl ungewöhnlich oder ganz fremd erscheinen. —
vorgänge in der natur: ich habe doch noch nichts gesehen, immer trüb um die zeit, da die phänomene
[] vorfallen Lichtenberg
br. (1901
ff.) 1, 58; bei uns, wo dergleichen ähnliche lufterscheinungen vorfallen Göthe IV 4, 127
W. —
meist aber auf geschehnisse, vorgänge, zustände im menschlichen leben bezogen. gewisse verbindungen finden sich häufiger; kampf, schlacht, streit, händel u. ä.: wo gemelter krieg nit vorgefallen ... were Sleidanus
reden 147
Böhmer; ungeachtet mit dem hertzog von Lothringen einige feindschafft bis dato nicht vorgefallen v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653), 163; als die bataille bey Fleury vorgefallen war v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 198; auszer den kleinen scharmützeln, die zwischen den cosacken und unsern vorposten vorgefallen Gottschedin
br. (1771) 1, 95; man vermuthet zwar, dasz den bevorstehenden landtag viel streitigkeiten hierüber v. werden Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 15; ein seltsamer kampf ist hier vorgefallen Göthe 49, 102
W.; darum fallen im mittelalter so viele holmgänge und kämpfe vor J. Grimm
kl. schr. 2, 59; schon am 21 sten fiel die schlacht in den dünen vor Ranke (1875) 364, 1; eine schlacht ist vorgefallen Schiller
Wallensteins tod 4, 4.
öfters begegnet in älterer sprache die verbindung mit frage: hie fället nun die frage vor Fr. v. Spee
cautio crimin. (1649) 114
a; dasz in dem Parnasso die frag vorgefallen Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 390; wenn die frag vorfiele von eines neuangenommenen dieners bestallung Lehman
floril. polit. (1662) 3, 284; da fielen nun hohe fragen vor Chr. Weise
erznarren 80
ndr.; wenn eine frage vorfällt, ob etwas dem instrumento pacis gemäsz Leibniz
dt. schr. (1838
ff.) 1, 188. —
rede, gespräch, äuszerungen verschiedener art: und also dermaszen ein jammer, klag und weinen vorgefallen (
ist) Kirchhof
wendunm. 2, 83
Ö.; (
dasz) unter andern auch die rede von austern vorgefallen wäre Gottsched
dt. schaubühne 4, 457; ein sechstes gespräch, welches unter diesen freunden vorfiel Lessing 13, 411
M.; vom kriegsdienst ist vor der hand zwischen uns beyden ... keine sylbe weiter vorgefallen Hippel
lebensl. (1778
ff.) 3, 1, 12; als Jacob die schüssel aufsetzte, fielen einige komplimente zwischen ihm und Sophien vor Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786
ff.) 6, 37; bei dieser gelegenheit fiel ein gespräch vor Göthe 47, 257
W.; so fiele seine liebeserklärung noch heute vor Jean Paul 7/10, 336
H.; auch einige starke äuszerungen seines selbstgefühls fielen vor Hebbel
br. 2, 144
W.; im conseil fiel ein heftiger wortwechsel vor Ranke 9, 121. —
noch fremder für den jetzigen sprachgebrauch: (
es) fallen zwischen dem Adrast und Julianen dann und wann blicke vor Lessing 2, 72
M.; besonders, dasz keine thräne bey allen diesen abschieden vorfiel Hippel
lebensl. (1778
ff.) 3, 2, 540; die ordnung der briefe ist chronologisch gemachet, doch so, dasz alle, die mit einem correspondenten vorgefallen, beysammen stehen
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751
ff.) 1, 648. 2@c@bβ)
so verbindet sich das verbum in älterer sprache mit den verschiedensten subjecten, um das eintreten eines vorganges, handlung oder zustandes zu bezeichnen: (
als) an frischem volcke, proviant und munition mangel vorfiel
M. v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648), 44; was vor ein sonderliches hertzeleid vorgefallen wäre Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 23; die reden und thaten Christi ..., die zu Jerusalem vorgefallen waren Herder 19, 306
S.; die gemeinsten geschäffte, welche täglich vorfielen Rabener (1777) 2, 37; obgleich verschiedene vakanzen vorfielen Nicolai
Seb. Nothanker (1773
ff.) 1, 159; ist die verlobung nicht vorgefallen, so hätte sie doch vorfallen sollen Hippel
lebensl. (1778
ff.) 3, 1, 271; in jenen tagen waren verschiedene ... unvorgesehene durchmärsche ... vorgefallen Göthe 22, 64
W.; um zehn uhr fiel die 'übergabe' der prinzessin vor Jean Paul 7/10, 139
H.; als vor dem thore, im freien, jene hinrichtungen vorfielen Tieck (1828
ff.) 20, 434; es waren eine menge ermordungen vorgefallen Ranke (1867
ff.) 40, 138; perfidien fielen seitens Östreichs auch vor Bismarck
ged. u. erinn. 1, 196
volksausg.; bei reformationen fällt immer unfug vor Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 5, 96.
[] 2@c@gγ)
dem jetzigen sprachgebrauch nähern sich die verbindungen, wenn in dem subject unbestimmter die vorstellung eines geschehnisses ausgedrückt wird: es sind da üble dinge, geschichten vorgefallen
u. ä.; doch bewegt sich auch hier die ältere sprache freier: es ist die gelegenheit ohngefähr vorgefallen Steinbach 1, 373; hier ist mit einem creutze vor der Bernhardiner kirche eine seltzame begebnüsz vorgefallen Prätorius
anthropodemus Pluton. (1666) 1, 206; begebenheiten in der ordnung, wie sie vorgefallen sind Gerstenberg
schlesw. litbr. 36
lit.-denkm.; mehrerer umstände, die dabey vorgefallen Göthe 38, 204
W.; einer unangenehmen geschichte, die neulich zwischen uns beiden vorfiel Schiller
Fiesko 3, 10; den neuigkeiten, die allhier vorgefallen Lenz 1, 67
Tieck; dasz diese scene in seinem hause v. muszte Tieck (1828
ff.) 17, 8; insofern romantisch, als die handlung in einer romantischen zeit vorfällt Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 109; inzwischen waren in dem hause des kommendanten die lebhaftesten auftritte vorgefallen H. v. Kleist 3, 279
Schm.; (
haus,) in welchem grausame und ungeordnete dinge vorfielen G. Keller (1889
ff.) 6, 107; (
scene,) die im angesicht des altares ... vorfällt Waiblinger
die Britten in Rom 122
Zoller; also der anfang hier in diesem spiele gantz betrübt, traurig und mit leid vorfiele W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 161.
spielerisch: ja, wenn und in dem fall der fall vorfiele O. Ludwig (1891
ff.) 3, 232. 2@c@dδ)
das wort wird in älterer sprache ganz in dem unbestimmteren sinne von vorkommen
gebraucht, das auch in schon gegebenen belegen, besonders nach pluralischem subject, bisweilen eingesetzt werden konnte: dafern in einem und andern punct einiger zweiffel v. solte
M. v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648),
vorr. 2; in nothwendigen sachen, da ewige wahrheiten vorfallen Leibniz
dt. schr. (1838
ff.) 1, 383; im kleinen müssen auch so viel kleine fehler, verzeichnungen, flecken u.
s. w. v. (
in einer übersetzung) Herder 5, 323
S.; obgleich auch selbst hiebey viele ungewiszheiten vorfallen Hippel
lebensl. (1778
ff.) 1, 165; bey der benennung der personen zu Claudine ist ein irrthum vorgefallen Göthe IV 8, 363
W.; damit ja kein versehen vorfiele Schiller 4, 228
G. 2@c@eε)
das subject ist gegenständlich oder nähert sich dem gegenständlichen: wan ein besthaupt zu Steinberg vorfelt
weist. 6, 39; namen so im fröschmeuseler vorfallen Rollenhagen
froschmeuseler (1600) b 6
b; gleich wie nun kein handwerck so geringe ist, dabey nicht etliche also genannte kunstwörter vorfallen Ch. Weise
polit. redner (1677)
vorr.; die bruchfälle, so in eurem orte vorfallen Möser (1842
ff.) 1, 271
A.; ganz ungewöhnlich: wenn dir etwa in den Pyrenäen ein langer herr vorfällt Stifter (1901
ff.) 1, 52. 2@c@zζ)
der gebrauch des wortes in der gegenwart ist charakterisiert durch die beschränkung in der wahl des subjects. sehr häufig ist was
als subject, sowohl in direkter frage als einen nebensatz fragend oder relativisch einleitend: was ist guts neues vorgefallen? Steinbach 1, 373; in vierzehn tagen, was kann da nicht v. Göthe 21, 6
W.; was ist hier vorgefallen nach meiner abfahrt? Rückert (1867
ff.) 10, 505; jetzt aber wil ich hingehen und hören, was weiter wird v.
schauspiele engl. comöd. 22
Cr.; (
kinder,) die von jugend von den eltern, was dabey vorgefallen, gehört Lehman
floril. polit. (1662) 1, 22; sie wissen also wohl nicht, was seit kurzem vorgefallen ist Lessing 2, 154
M.; hauptmann Breda schickt die relation, was weiter in Gent und der umliegenden gegend vorgefallen Göthe 8, 214
W.; nach dem, was zwischen uns vorgefallen Bauernfeld (1871) 2, 68; was inzwischen vorgefallen, wurde später ... bekannt G. Keller (1889
ff.) 2, 223; das nicht allein werd recht bestelt, was in ampts geschefften vorfellt Rollenhagen
froschmeuseler (1600) b 3
b.
[] es: es fällt zur ungelegenen zeit vor Steinbach 1, 373;
wie vorkommen: dat drd nêt wer förfallen ten Doornkaat-Koolman 1, 540
a. —
sehr beliebt ist etwas
als subject: ist etwas vorgefallen?
besonders oft mit zusätzen: etwas von wichtigkeit, neues, sonderbares, merkwürdiges, entscheidendes, unbedeutendes
u. ä. ist vorgefallen: trag es Eszmarch auf zu schreiben, wenn dort etwas vorfällt Hölty
ged. 220
Halm; unter dem essen fiel etwas vor, das ein biograph nicht entbehren kann Jean Paul 3, 75
H.; was
für etwas: ist etwan zu hause noch was mehr vorgefallen? v. Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 44; was vorjefalln, Glasenapp? G. Hauptmann
d. biberpelz (1893) 38. — wann etwas beschwerliches vorfält Lehman
floril. polit. (1662) 4, 250; als sei nie etwas böses unter uns vorgefallen E. T. A. Hoffmann 10, 295
Gr.; ohne das etwas weiteres vorfiel G. Keller (1889
ff.) 4, 45. —
besondere wendung der älteren sprache: sollte aber künftig noch etwas zu erinnern v. Schwabe
belust. 1, 17. — nichts: bey tische fiel nichts erhebliches vor Adelung; er thut, als sei nichts vorgefallen
u. ä.; (
ich statte) rapport ab, dasz diese nacht nichts vorgefallen Lessing 18, 423
M.; ist sonst nichts vorgefallen? Göthe 11, 79
W.; ein rosig unbefangenes kind blühte, als ob nichts vorgefallen wäre, der zeit entgegen G. Keller (1889
ff.) 2, 39. — dergleichen: im kriege fällt der gleichen gar oft vor Adelung; dergleichen kann oft in diesen gegenden v. Laube (1875
ff.) 8, 186. — viel, genug: da vielleicht noch genug vorfallen kan, welches einen grillen zu erwecken geschickt ist Stranitzky
ollapatrida 223
Wiener ndr.; vorgefallen ist viel und hab ich sehr glückliche tage gelebt Göthe III 1, 119
W.; dazu war zu viel vorgefallen Fontane I 6, 43. —
meist also verbindet sich v.
mit einem pronominalen subject, wie Paul (
wb.) bemerkt, oder einem dem pronomen ähnlichen. doch sind auch andere verbindungen möglich, so mit dem
n. eines
adj., das subj. bleibt unbestimmt: dort fällt nie merkwürdiges vor, unerwartetes ist vorgefallen,
wobei also ein etwas
fehlen kann. 2@c@hη)
die einschränkung des gebrauchs tritt auch in den verbindungen mit dem part. präs. hervor, die in der älteren sprache weit häufiger sind: wann mich die vorfallende geschäfften nicht verhindern Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700), 333
a; in vorfallenden überheufften ausgaben
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 53; in vorfallender kriegeszeit Micrälius
altes Pommerland (1640) 215; kunst- und andere wörter, die vorfallenden dinge damit recht deutsch zu nennen Zesen
helikon. rosentahl (1669) 7; bey vorfallender zeit zu gebrauchen Schupp
schr. (1663) 864; im regen und vorfallenden ungewitter Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) a 3
b; alle vorfallende fragen Leibniz
dt. schr. (1838
ff.) 1, 261; die dabey vorfallenden fehler Scheibe
d. crit. musicus (1745) 107; bey vorfallender nothwendigkeit Lessing 3, 188
M.; bei den fast wöchentlich vorfallenden gemäldeversteigerungen G. Forster (1843) 3, 458; zur bestreitung vorfallender ausgaben Göthe IV 29, 39
W.; bei den häufig vorfallenden schlägereien A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 262
Cotta. —
festere bindung: bey vorfallender gelegenheit Adelung; bey vorfallenden gelegenheiten wortstreite zu erregen J. E. Schlegel (1761
ff.) 5, 427. —
substantiviert: alles vorfallende gab gelegenheit zu reimen Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 4, 228. 2@c@thθ)
auch in der verbindung des part. prät. mit einem subst. bewegt sich die ältere sprache freier: wegen vorgefallener voranderung
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 33; so kan ich doch zu steuer der warheit in vorgefallener streitfrag ... nicht unterlassen Harsdörffer
frauenz.-gesprächspiele (1641
ff.) 1, m 4
a; eine mir unvermuthet vorgefallene reise Scheibe
d. crit. musicus (1745)
vorrede; (
die theaterbesucher) scheinen nicht den geringsten antheil an den vorgefallenen (
aufgeführten) stücken zu nehmen
br. d. neueste litt. betr. 12, 302; hauptinhalt der wirklich vorgefallenen reden Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 25; in Leipzig vorgefallene abendgespräche Nicolai
Seb. Nothanker (1773
ff.) 1, 79; die dabei vorgefallenen ceremonien G. Forster (1843) 2, 67; mein sohn erzählte von
[] seiner expedition und den dabey vorgefallenen heiterkeiten Göthe III 11, 25
W.; mittheilung einer vor etwa vierzig jahren vorgefallenen scene A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 363
Cotta; die vorgefallenen formverletzungen C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 8. —
häufig dagegen ist in der sprache der gegenwart das alleinstehende, substantivierte part. prät.: bei alle dem schäme ich mich über das vorgefallene fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873
ff.) 3, 414; sie wolle nach dem vorgefallenen nicht mehr in Goldach wohnen G. Keller (1889
ff.) 5, 59; zurückgekehrt machte er nach Wien hin meldung von dem vorgefallenen Fontane (1890) I 1, 19. 2@c@iι)
ganz veraltet wie fallen: allda muszte ich allezeit ifg. vor dem trank stehen, welches mir schwer vorfiel Schweinichen
denkwürd. 72
Ö.; ist mir hie unmüglichen und wolle auch die zeit viel zu lang darzu uns v.
schausp. engl. comöd. 249
Cr.; dieser pfleget den kindern desz unglaubens schwer vorzufallen Meyfart
himml. Jerus. (1670) 2, 362;
vgl.fürfallen 4,
th. 4, 1, 1,
sp. 725.