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verirren

mhd. bis sprichw. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
14 in 13 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verirren verb.

Bd. 25, Sp. 597
verirren, verb. irre gehen, irre führen, mhd. verirren, ahd. farirrôn. zusammensetzung mit irren (theil 4, 2, 2163), dessen bedeutung durch ver nicht wesentlich geändert wird. 11) intransitiv, irre gehen, irre umherschweifen. ahd.: dar uuir nicht ferirron ne mugen. Notker 84, 1; mhd. der Krieche an daʒ gewilde unmâʒen verre gie, biʒ der werde Krieche verirren dô began. Wolfdietrich D V, 54 (Jänike). nhd. verirren, irre gan, aberrare Dief. 2b; jrr gon, ab dem rächten wäg gon, weyt abträtten, aberrare, deerrare, errare, declinare de via Maaler 422b (bei Stieler nur als transitiv, reflexiv, aufgeführt); jr könnent nit verirren, gondt auff d recht hand. Thurneiszer archidoxa 36 (1575); ich war kaum von dieser wundersee hinweg als ich bereits anfing in dem ungeheuren wald zu verirren, weil ich nicht achtung geben hatte, von wannen her mein knän mich zur see gebracht. Simpl. 2, 82, 7; unvermerkt verirrten sie dahin, wo der nachen am ufer stand. Geszner 1, 315; lasz einen wassertropfen in deinem gehirne verirren und dein leben macht eine plötzliche pause. Schiller hist.-kr. ausg. 2, 182 (räub. 5, 1); ein betler kann nach dem alten sprichwort nie verirren. Hebel 3, 23; sieht eine gartenthür' halb offen vor sich stehen, und, ohne viel sich umzusehen, dankt ers der liebe, die ihn leitet, und verirrt ... in Cleliens gartensaal. Wieland 21, 252; in unwegsame gegenden verirrte mein fusz. Schiller 36b. bildlich: vil meynen syn uff rechtem weg, die doch verjrren an den stäg. Brant narrensch. (107) 10; der wollusttrunkne blick verirrt, geblendet, taumelnd und verwirrt in einer see von reitz und wonne. Wieland 10, 169; aus dankbarkeit, von der er glühet, wird ihre schöne hand, wer weisz wie oft, geküszt; und da man sie zerstreut zurücke ziehet, indem er noch im küssen ist, verirrt sein mund ... verirrt, wie leicht verirrt man sich, verirrt sein mund auf ihren busen. 10, 202; ihm hatte, da sein mund (wie schon gesagt) verirrte, die phantasie den gleichen streich gespielt, wodurch die göttin ihn für ihren Tithon hielt. 10, 204; so verirrt ins grenzenlose der gedanke. Uhland 506; die liebe ist ihr groszes amt, bis jetzt verirrte sie zur mutter. Schiller 256 (don Carlos 1, 5); doch hier verirrte deine phantasie. 275 (don Carlos 2, 13). übertragen: mancher vil pfruonden bsitzen duot, der nit wer zuo eym pfründlin guot, dem er allein wol recht möcht tuon. der bstellt, duscht, koufft so manig pfruon, das er verjrrt dick an der zal. Brant narrensch. 30, 23 Zarncke; ich solt wol in der saubern wahr verirren in der kutten gar. Fischart dicht. 1, 153, 798 Kurz. 22) transitiv, in die irre führen. 2@aa) sinnlich: do verirrt Thomas unser gespan von uns, muszten lang uf in warten; also dasz die nacht und starker nebel einfiel, verirten also ab dem weg. F. Platter 139 Fechter; von der mennig desz volks und dem geschrei ward sie (die eule) verirret, dasz sie nit wuszte wo hin ausz. Kirchhof wendunm. 162b. 2@bb) übertragen: mhd. daʒ êrste, daʒ dâ heiʒet tiuvellisch lieht, daʒ verirret den menschen aller wârheit. myst. 2, 586, 33 Pfeiffer; nhd. verirren, vererren, vereren exacerbare Dief. 213c. mit persönlichem objecte: nun hör ich dargegen, dasz der pabst und cardinäl zuo Rom in für ein ketzer in ban thon haben ... wirt ich ganz verirrt, weisz nit wo usz. Schade sat. u. pasq. 3, 5, 34; und das liecht der leuchte sol nicht mehr in dir leuchten, und die stim des breutigams und der braut sol nicht mehr in dir gehöret werden, denn deine kauffleute waren fürsten auff erden, denn durch deine zeuberey sind verirret worden alle heiden. offenb. Joh. 18, 23; wohin verirrt dich der schmerz? Klinger 2, 122; darumb seidt still wenn man eintritt, das man hie werdt verirret nit. H. Sachs 2, 3, 80 (8, 301, 13 Keller); ... schweigt und habt rhu, dasz man niemand verirren thu. 5, 229b; dasz mich hinfür nichts mög verirren. Weckherlin vorr. zu d. psalmen 6; verirrt mich täuschung? oder ist wirklich wahr, was ein gedanke leise dem andern sagt? Klopstock 1, 57. mit sächlichem objecte: sie bewerben sich um den stein der weisen .. darüber sie aber ihren verstand verirren, verwirren, allgemach verlieren. Butschky Patmos 333; der verdamte geist schleicht allenhalben ein, veriret herz, sinn, muht und gedanken. Butschky kanzl. 722; weil des menschen verstand durch vier wege gefährlich verirret wird. 747; die kunst, herzen durch ihre eignen wünsche zu verirren. Dya Na Sore 4, 321. 2@cc) aus dem frühesten nhd. ist auch nachweisbar 'einen, etwas verirren' = vom rechten wege abführen, daher unfähig machen, das rechte zu treffen: do sprach Moyses: herre n ist dir wol kunt das myn mund zuo sprechende verirret ist und das ich mit der zungen lurcken. historienbibel 713 Merzdorf; do sprach Moyses zuo gotte: obe er nuo myne wort nit furbaʒ hören wil, wenne ich verirret bin an der rede. 716. 33) reflexiv, auf falschen weg gerathen. im mhd. selten nachgewiesen, ist es heute die verbreitetste form, unter der das zeitwort vorkommt. 3@aa) sinnlich: sich verirren deflectere a via Stieler 893. Frisch 1, 491b, in beiden wörterbüchern ist nur die reflexive bedeutung aufgeführt; wenn irgend ein mensch hundert schafe hette und eins unter den selbigen sich verirrete? leszt er nicht die neun und neunzig und sucht das verirrte? Matth. 18, 12; es begab sich, dasz wir uns in einer heide im schnee verirrten. Schweinichen 1, 110; denken sie nur, mein herr, das arme kind hatte sich diese nacht im walde verirrt. Thümmel 1, 42. mit angabe des ortes, zu dem man sich verirrt: da du dich nun einmahl ... eben so unschuldig, wie ich glauben will, als ehmals zu Korinth in mein gebiet verirrt hast, würde mirs übel ziemen dich unbewirthet zu entlassen. Wieland 33, 169; in diese gegend sich verirren, in welcher kaum noch tauben girren, ist wollust! Gleim bei Göckingk 3, 193. mit angabe des ortes, von dem man abirrt: vom wege sich verirren; verirrt sich auch der rechten stras. Ringwald laut. warh. 79. bildlich: wenn ich sehe, wie öfter sich die lippen verirreten .. so nennete man disz freundlichkeit. Banise 95; halten sie, mein herr; lassen sie sehen, wo wir sind, ehe wir uns weiter verirren. Lessing 1, 541 (Minna 2, 9); wir staunen sie (die frau, welche aus kaltem stolze frevelthaten verübt) an, wie wir ein monstrum anstaunen; und wenn wir unsre neugierde gesättigt haben, so danken wir dem himmel, dasz sich die natur nur alle tausend jahre einmal so verirrt. 7, 136; wie? wenn ich einen einzigen leser auf den pfad risse, den Abbt ging, ihm die abwege zeigte auf denen jener sich verirrte. Herder 13, 12 (1821); der flug der muse, der sich zu verirren scheint und doch nie verwirret. 27, 74; Mercier hat sich nach Frankreich verirrt. Klinger 11, 73; in dem vaterlande in das er sich verirrt hat. ebenda; Gustav war unsichtbar .. er verirrte sich in die reize der gegend, um eigentlich den gröszern reizen ihrer bewohnerin zu entkommen. J. Paul 3, 71; seine (Ramlers) verse waren die vollendetesten in deutscher sprache und seine verehrer, worunter sogar ein Lessing sich verirrte, meinten, weiter könne man es in der poesie nicht bringen. Heine 2, 284. 3@bb) in übertragener bedeutung: mhd. ob er sich veryret wider seynen herren. schwabenspiegel 35, 76, II; nhd. die vorsicht (d. i. die vorsehung) .. erweckt in allen ländern von zeit zu zeit männer, die es verhindern müssen, dasz sich die menschen von ihrer wahren verehrung nicht zu weit verirren. Lessing 2, 471; nachdem man sich nun tausendmal bei einem unterfangen verirrt hat, so wird der gewinnst, der hierdurch der erkenntnisz der wahrheit zugewachsen ist, dennoch viel erheblicher sein, als wenn man nur die heeresstrasze gehalten hätte. Kant 8, 11; Judas, wohin verirrest du dich? verirrest? was zürnst du über dich selbst? du verirrest dich nicht, wenn du also getäuscht wirst. Klopstock Mess. 3, 730; doch wir verirren uns zu weit (im gespräche) und sind deszwegen nicht gekommen. Platen (1848) 3, 194. 44) participien und constructionen mit denselben. partic. präs.: kein wunder, dasz der arme Hulderich ... kaum eines von ungefähr sich zu ihm verirrenden flüchtigen blicks gewürdiget wurde. Wieland 38, 147; er kehrte verspätet zwischen den gräbern am ölberg' um.verirrendes dunkel war sein führer. Klopstock Mess. 15, 204. part. präter. 4@aa) mit sinnlicher bedeutung des zeitworts: da mich dauchte, ich gienge in dieser groszen welt verirret herum, der menschen wesen und wandel hie und da zu sehen. Philander 1, 52 (1677); du hast in den abendstunden des ruhetages dieser woche ein armes, verirrtes mädchen den wölfen preisgegeben. Thümmel 1, 129; was für eine freude könnte ihm (dem propste) mangeln? nur die .. dasz er kein verirrtes schaf zu seiner heerde zurückkehren sieht, weil .. ihm noch keins verloren ging. 3, 176; weiszt noch, wie du mir gesagt hast, ein sternschusz sei ein verirrter stern, der wieder an seinen ort heimkehrt? Auerbach dorfgesch. 4, 115; eine verirrte kugel und alles war aus. Heyse k. d. welt 32, 115. bildlich: dazwischen noch manchmal eine kanonenkugel, die sich herüberverirrend in den überresten der dächer klapperte. Göthe 30, 73; nach schnellem wilde sah der hirten gott sie jagen und ihr verirrtes haar die weisze schulter schlagen. Uz (1786) 1, 80. 4@bb) übertragen: frau Mächtild was da zuo im komen, da er verirret stuond also. Heinr. Kaufringer 11, 467; Aurora sah durch sie verirrt im schönen Cefalus den Tithon sich verjüngen. Wieland 10, 198. 4@cc) verirrt mit zeitwort sein u. ä., sinnlich: und so sichs begibt, das ers findet, warlich sage ich euch, er frewet sich darüber mehr denn uber die neun und neuntzig, die nicht verirrt sind. Matth. 18, 13; gesetzt, es gelänge mir, diese ersten, die vielleicht nur von ungefähr zu uns verirrt sind, abzutreiben. Wieland 8, 158; ich selb der herr will mein schafen nachfragen ferr und sie suchen, gleich wie ein hirt sucht seine schaf, die sind verirt. H. Sachs 1, 62 (1, 266, 6 Keller); wo gehe ich nur her und hin, wann ich gentzlich verirret bin. 2, 1, 4 (6, 37, 6 Keller). 4@dd) übertragen: er ist aber sehr kleinmütig gewest in derselben letsten not, und also mit sich selbs verjrret, das er den glauben nicht allein hat könen beten. Luther 3, 131b; einen noch mer verirrter machen adjuvare alterius errorem Maaler 422b; wann es bisweilen ihnen selbsten angehet, so ist er zu rathen zu verirrt. Ayrer proc. 1, 11; er war ganz in seine gefühle verirrt. J. Paul 7, 76; doch seit stil! ist unser beger, das keinr im spil verirret wer. H. Sachs 3, 1, 180 (11, 163, 20 Keller); graw war des Francisci kleid, Dominicus trug schwartz allzeit, die farben han ein bald verfürt, drumb ist der babst auch da verirrt. Fischart dicht. 1, 141, 334 Kurz; ich war verirt vor angsten gar, insonderheit da ich muszt sehen mein vater den hals umtrehen. 2, 60, 2245 Kurz; da jnen das gefeilet und der churfürst zu Sachsen der aller erste erschein, hilf gott .. wie war da alle jre zuversicht verirret. Luther 5, 278; wo aber einer oder mehr der vorgeschriebenen artikeln verirret und in vergesz kommen were. Reutter v. Sp. kriegsordn. 19. adverb: starr blickt sie zum himmel, blickt verirrt umher. Göthe 9, 259. 4@ee) substantivisch gebraucht: wie viel traf nicht zusammen, mein herz gegen die arme verirrte zu schlieszen. Thümmel 1, 43; Judas vernahm des unsterblichen stimme.so hört ein verirrter stimmen im einsamen walde voll nacht, wenn über den bergen meilenferne gewitter die ceder der wolk entstürzen. Klopstock Mess. 7, 203. geistig verirrt: sanft verirrte phantasieren gewöhnlich idyllen; rasende heroische scenen. Herder lit. u. kunst 12, 135; sie wurden zurückgerufen in die welt, um die verirrten auf den rechten weg zu führen, und wer konnte es besser als die in den irrgängen des lebens schon eingeweihten? Göthe 17, 37; wenn sich der verirrte findet, freuen alle götter sich. 2, 31.
11874 Zeichen · 207 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verirrenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    ver-irren swv. BMZ BMZ tr. in die irre führen, irre machen, stören, verwirren, exacerbare (verirren, -erren) Dfg. 213 c …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verirren

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Verirren , verb. regul. welches sowohl als ein Neutrum mit dem Hülfsworte seyn, als auch als ein Reciprocum gebraucht wi…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verirren

    Goethe-Wörterbuch

    verirren [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verirren

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    verirre n . Er is t verirrt gsi n im Wald. [Eχ sen tes fərkòə neulich fərært em Krénəwàlt] im Grünwald Wh. Spw. Wë nn m…

  5. Sprichwörter
    Verirren

    Wander (Sprichwörter)

    Verirren 1. Ist man verirrt, wird man verwirrt. – Eiselein, 618; Simrock, 10862. 2. Bist veriirdt um en Schillig? – Sute…

Verweisungsnetz

32 Knoten, 31 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verirren

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verirren

ver- + irren

verirren leitet sich vom Lemma irren ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verirren 2 Komponenten

ver+irren

verirren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verirren‑ als Erstglied (2 von 2)

verirrende

KöblerMhd

verirrende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. verirrend Q.: Tauler (vor 1350) (FB verirrende) E.: s. verirren W.: nhd. verirrend, (Part. Präs.=)Adj.,…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verirren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verirren/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „verirren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verirren/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verirren". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verirren/dwb.
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