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untugend

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

untugend f.

Bd. 24, Sp. 1973
untugend, f. , mangel der tugend und ihr gth. an. údygð; mhd. untugent, -tugende; mnd. undoget; mnl. ondoget; nl. oudeugd; n. udyd; schwed. odygd. zu den formen s. tugend; veraltet: untogunt Stolle thüring. chron. 42 lit. ver.; untogent Alsfelder passionssp. 11 Grein; undogende (plur.) Wigand Gerstenberg chron. 12 Diemar; untuget Luther 17, 1, 37, 14 W. 11) untauglichkeit, untaugliche, fehlerhafte beschaffenheit: untüchtigkeit, schwäche des körpers mhd. wb. 3, 56a; etwenne ist di leber siech von ir selbir untugent Breslauer arzneib. 53; vitia excrementorum, die u. der excrementen Orsäus nomenclator (1623) 218; u. des ackers, feldes J. H. Voss Vergils georg. 1, 88; plur.: du solt zuo dem letzten lieb haben dinen lib, das du den ... ordelichen in notturft haltest und vor untugenden behtest Keisersberg bilger 46d; durch ... giftigen quecksilber erworbenen untugenden Guarinonius greuel (1610) 44. wie untucht (s. d.) im östl. Niederhessen ausschlag infolge ungesunder säfte Pfister 1. erg. 26. schriftsprachlich veraltet. 22) fehler, verstoß: möcht ... dawider ein andrer in wyter verstentnisz sprechen, sölichs wär ein u. Riederer rhetoric (1493) 6a; drey grosze untugent legt mir der geist (Zwingli) auf uber diesen worten Luther 26, 353 W. unbegründetheit, unglaubwürdigkeit: dieweil es den offenbahr krieg war, wurde seine (eines lügenden mönches) [] worte manigfaltig geweigert, man fandt ihre untugent Grunau preuß. chron. 2, 499. veraltet. 33) nachtheil, schaden: wen der fromme knecht ausz dem hause gestoszen wurde, das war nicht dem knechte ein unthugent, sondern dem herrn Luther 33, 69 W.; die artzte haltens gantz darfür, das unter anderen untugenden die rättich auch das ... aufstoszen machen Sebiz feldbau (1579) 198; enen ondoget doen schaden oder leid jemandem zufügen mnl. wb. 5, 479. veraltet. das n. sprachgefühl legt die moralische bed. zu grunde und nimmt übertragung an: hier ist es ..., wo der geschichtsschreiber ... nicht vergessen musz, dasz zu viel feuer ... u. ist Wieland Lucian 4, 131; sich alles anzueignen ..., scheint die ... u. aller modernen ausbildung K. G. v. Brinckmann filos. ansichten (1806) 231; die tauben-, wind- und wetterposten ... haben die u., die briefe hier erst bis auf acht tage nach der ankunft abzugeben Hegel 19, 1, 144. 44) unhöfliches, grobes, unanständiges u. dgl. benehmen; mangel an feiner bildung; mhd. wb. 3, 56a: ach, edle junckfraw, ich beger an ewr schön und zarte tugent, welt mir verzeihen mein untugend H. Sachs 12, 530, 31 G.; ich meister Grobianus ... (habe) groszen fleisz und arbeit angewant bey der verstockten jugent, mit täglicher underweisung, damit sie zu aller grobheit und untugent zum besten abgericht und perfect würde Scheit Grob. 8 ndr.; Forster fr. t. liedlein 16 ndr.; concret: solche grosze untugent, die hosentracht Musculus hosenteufel 17 ndr. veraltet. 55) üble angewohnheiten und eigenschaften von thieren: und ob schon etwan ein tugent in solchem unzieffer (wolf, schlange, fuchs) ist, so sindt zehen untugendten auch darbey Paracelsus (1616) 2, 356 H.; hatt aber eyn pferd ... eyn ... untugent Sebiz feldbau (1579) 149; die an pferden sich findenden ... untugenden allg. d. bibl. anh. 25/36, 2316; unzweckmäszige behandlung kann ... dem pferde viele untugenden anerziehen v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 672; von maulthieren Gaudy 5, 144; in anbetracht der untugenden, welche der affe zeigt, ... verschwindet der geringe nutzen, welchen er gewährt Brehm thierleben (1890) 1, 53. 66) in der nhd. hauptbed. bezeichnet u. üble menschliche eigenschaften oder schlechte angewohnheiten, bei deren beurtheilung der moralische gesichtspunkt zurücktritt: weil wir nun hier, was der künstliche laborant für tugenden an sich haben sol, vermeldet, aus welchen ein jeder die untugenden ... ersehen ... mag Thurneyszer magna alchymia (1583) vorrede 3; solte ein solcher halbgebackener teutscher Frantzos sich der frantzösischen wörter enthalten? solte er rein und lauter teutsch reden? er meint, es wäre ihm die gröste schand, er könte kein gröszere u. begehen teutscher sprachverderber (1643) 2; weil die weiber ... durch ihren ungehorsam, unfreundlichkeit ... und andere dergleichen untugenden ihren männern vielmahl ursach geben, sich der hochzeit zu gereuen Moscherosch gesichte (1650) 23; diese u. (bettharnen kleiner kinder) J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 1, 181; eine ihrer gröszten untugenden war eine unmäszige näscherei Göthe 22, 237 W.; IV 26, 294 W.; meine alte u. des schweigens im briefwechsel IV 15, 205 W.; meine freunde haben mich verwöhnt, so dasz ... aus der gewohnheit eine u. geworden ist schr. d. Göthegesellschaft 17, 38; die untugenden der buben Fr. L. Schröder dram. w. 3, 8; von allen fehlern und untugenden seiner zöglinge musz der erzieher den grund in sich selbst suchen Salzmann ameisenbüchlein 17; zweydeutige reden ... sind eine strafbare u. Lichtenberg nachlaß (1899) 50; die kleinen untugenden unserer damen E. Th. A. Hoffmann 4, 22 Gr.; Eichendorf 2, 37; es ist ... eine der untugenden des tages, sich an formeln zu hängen Gutzkow (1872 ff.) 10, 92; 6, 197; Holtei erz. schr. 25, 212; denn auch diese u. hatten einige der neuen priester von den alten herübergenommen, dasz sie auf der kanzel, wo sie allein das wort führten und niemand erwidern durfte, aussprachen, was sie irgend persönlich bedrückte, und nach gutdünken anklagten und anzeigten G. Keller 5, 302; er hat die u., politisch zu sein Fontane I 1, 487; [] sie machen aus der not, von der sie nichts wissen wollen, keine tugend, sondern nach burschenart eine prahlende u. Hans Grimm volk ohne raum 1, 18. zusammensetzungen z. b. haupt-, national-, stammesu.; erzuntugend, das glas nicht richtig zu fassen J. H. Voss; persönlich: wo eine u. hause, sei die zweite und dritte nicht weit G. Keller 2, 111. 77) im nhd. wird sonst die bed. mit vorliebe auf das moralische gebiet eingeengt. so schon in ä. spr.; mhd. wb. 3, 56a; mnd. wb. 5, 40b; mnl. wb. 5, 478. die größten schandthaten (vgl. a) konnten so bezeichnet werden. schwächer definiert Herbart: jeder mangel in dem, was zur tugend gehört, ist u. 8, 112 H. während im frühnhd. u. und laster kaum geschieden sind (vitium ein laster, u. Orsäus nomenclator [1623] 6; weil männiglich lieber geduldet, dasz die allgemeine laster generaliter durchgehechelt und gestraffet, als die eigne untugenden freundlich corrigiret werden Grimmelshausen Simpl. 2, 193 Bobertag), hält das humanitätszeitalter beide auseinander; die schwäche in befolgung der pflicht heiszt nicht sowohl laster als vielmehr blosz u., mangel an moralischer stärke Kant 5, 216 H.; untugenden können laster werden; kinder haben u., keine laster Weigand syn. 3, 904; Eberhard-Lyon (1904) 694. stärker als fehler: wenn einer uns umb eines fehlers oder auch wohl umb einer u. wegen liebet, weil er dergleichen auch an sich hat ..., so ist die liebe auf einen wankelhaften grund gebauet Chr. Wolff von d. m. thun u. lassen (1720) 566. a) als handlung, crimen Reyher (1686) O 2 rb; Herodes ..., du stifter aller untugend Mone schausp. d. m. (1846) 1, 180. ledige frauen sollen bi den burgern ire ontugent zu triben nit gehawszt und geherbergt werden J. Marstaller aufruhrbuch 13; Imola, ein dieb, ruffianer, falschspieler, todschläger, doch dobei seiner untugent nicht abegangen was Arigo decam. 258, 13 K.; sie haben eyn untugent (später mutwillen) und thorheyt gethan yn Israel Luther bibel (1906) 1, 25 W. richter 20, 6; das die elendesten bettelbuben ... alle buberey und untugent begehen durffen 2, 308 W.; mord, ehebruch oder ander u. Hans Worst 8 ndr.; ie mehr gesetze, ie mehr untugent Agricola sprichw. (1534) A 2a; Kirchhof wendunmuth 2, 128 Ö.; Fronsperger kriegsb. 1, 96b; ja nötiget sie, ... dasz sie schande und untugendt treiben muszten Rivander festchronica (1591) 23b; wollet ihr die u. (den ehebruch) an mir nicht straffen, so will ichs selbst thun A. Olearius morgenländ. reise 170; veraltet. alterthümelnd: dasz ... sich keiner erkühnen ... soll, sie zu fangen oder sonst eine u. ihnen zu erzeigen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 208; laster und untugenden waren ihm zuwider brüder Grimm d. sagen (1891) 1, 58; und erzählete ..., was die beamten für u. mit den armen unterthanen übeten 2, 177. b) als eigenschaft: wie grosz die untugent der ipocrasia ... bei den münchen ... ist Arigo decam. 257, 14 K.; es schafft nichts der tzorn, nichts der neid, nichts der geitz, nichts andere pestilentz und untugent des menschenlebens Erasmus von walfart (1524) 3d; der Türcken bosheit und untugent Luther 30, 2, 130 W.; laster und u. kainem alter wol ansteet Mayr sprichw. (1567) C 7d; ist aber je u. in wolgestalten weibspersonen, so kan der gifft ausz reden und geberden leichtlich ersehen ... werden Harsdörfer gesprechsp. 2, 173; alle regimenter in der welt sind durch tugend bestanden und durch u. zergangen Schottel ethica (1602) 16; u. aber kan auch den königl. thron erniedrigen Ziegler Banise 58 B.; weil aus wirtschaftlichem fleisze tugend, wie aus faulheit u. zu erwachsen pflegt J. H. Voss antisymb. 1, 169; die innere quelle der that ists, die zwischen tugend und u. entscheidet Schiller 1, 61 G. schon Adelung bemerkt, dasz u. in dieser bed. abgesehen von der biblischen schreibart, wenig mehr im gebrauch sei. veraltet für verletzung der jungfräulichkeit (vgl. den gs. tugend keuschheit) D. v. d. Werder bußpsalmen (1632) C 3a; Opel-Cohn dreißigjähr. krieg 220. bildlich: der wint der u. Arigo decam. 241, 9 K.; aufruhr ist eyne sündflut aller untugent Luther 18, 398 W.; hurerei aller u. ein ziechpflaster H. Sachs 1, 197, 13 K.; sich mit dem kohte der untugenden beschandflecken [] v. Birken ostl. lorbeerhayn 47; den geringsten fleck einiger u. Lohenstein Arm. 2, 1392a. u. persönlich vorgestellt: U. ein verbremter rock verhüllet Lobwasser calumnia (1583) B 8b; U. lehrt sich selbst Aler (1727) 2, 2103b; Hercules folgt der Tugend und verläszt die U. Albertinus hirnschleifer (1664) 372; Welcker denkmäler 3, 319; der U. sklav Gervinus gesch. d. d. dicht. 1, 434. ältere zusammensetzungen: untugendähre Kuhlmann geschichtherold (1673) 154, -farbe Lindenborn Diogenes (1742) 1, 3, -kleid Herberger hertzpostilla (1613) 2, 537, -tiger Kuhlmann lehrhoff (1672) 581. 88) im sinne der moraltheologie sünde: dú u. in dir sterbe H. Seuse d. schr. 107, 16 B.; wie uns der bOesze gaist anficht aller maist mit den untugenden Tauler serm. (1508) register 6a; der ew. weisheit betb. (1518) 47b; von gottlosen kompt untugent 1. Sam. 24, 14; alle untugent ist sünde 1. Joh. 5, 17; ich byn yn untugent gemacht (ps. 31, 7) Luther 24, 396 W.; Matth. 23, 28; du hast hynweg genomen die untugent meyner sunde Luther 15, 482 W.; 6, 18 W.; ein u. begehen 19, 593 W.; solche greuliche, verstockte u. und lesterung 28, 198 W.; H. Sachs 18, 113, 26 G.; meine grosze angebohrne u., sündhaftigkeit, J. Böhme (1620) 3, 167; durch u. war der mensch von gott getrennt Lohenstein geistl. gedanken 2 (1680), 63; abgötterei lehrt ihn untugenden nachzuahmen Herder 36, 313 S.; gott heilt meine untugenden meist dadurch, dasz er sie mir äuszerst beschwerlich ... macht Schubart leben u. gesinnungen 2, 180. zusammensetzung: untugend strick Herberger hertzpostilla (1613) 2, 353. veraltet. 99) personificiert: er mus ein untugend sein und ein loser, böser mensch Luther 30, 3, 230 W.; ... sagende, dasz er ein u. und verzweiffelter bub Zinkgref-Weidner 3 (1653) 49. veraltet.
11510 Zeichen · 367 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Untugend

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Untugend , plur. die -en, der Gegensatz der Tugend, doch nur so fern dieses Wort im Concreto einzelnen Neigungen und…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Untugend

    Goethe-Wörterbuch

    Untugend [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Untugendf.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Un-tugend f. : ' charakterlicher, sittlicher Mangel, Unart, Laster ', Uⁿtuchend, Un- [mancherorts]. RA.: Sie hot die siw…

  4. Sprichwörter
    Untugend

    Wander (Sprichwörter)

    Untugend 1. Eine Untugend ist bald angewöhnt, aber schwer wird man sie wieder los. Schwed. : Wanart är onder at kaste i …

  5. Spezial
    Untugend

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|tu|gend f. (-,-en) 1 (Laster) viz (vic) m. 2 (üble Angewohnheit) burta usanza f. 3 (Fehler) fal (fai) m. , defet (def…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit untugend

8 Bildungen · 4 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von untugend

un- + tugend

untugend leitet sich vom Lemma tugend ab mit Präfix un-.

untugend‑ als Erstglied (4 von 4)

untugenden

Lexer

un-tugenden swv. BMZ in untugent leben Ls. 2. 592,38 ;

untugendhaft

DWB

untugend·haft

untugendhaft , adj. adv. , gth. von tugendhaft. mhd. untugenthaft. Adelung bemerkte, dasz das wort wenig gebraucht werde. a) grob, roh, viel…

untugendlich

DWB

untugend·lich

untugendlich , adj. adv. , gth. v. tugendlich. mhd. untugentlich, -lîche; mnd. undogedelik, -dogelik, -dogentlik; mnl. ondogedelijc, -like, …

untugendsam

DWB

untugend·sam

untugendsam , adj. , gth. v. tugendsam. mhd. untugentsam; mnd. undogesam; nd. undugendsam ( Schambach 243 a ). vitiosus Sachses glossar ( He…

untugend als Zweitglied (2 von 2)

erzuntugend

DWB

erz·untugend

erzuntugend (erzúntugend), f. maximum vitium: tausendmal hab ich ihn, sohn, an die erzuntugend erinnert! Luise 1, 518 .

uruntugend

DWB

uruntugend , f. (ur- C 4 c) D. Fr. Strausz 10, 351 .

Ableitungen von untugend (2 von 2)

untugende

Lexer

un-tugent , un-tugende stf. BMZ untüchtigkeit, schwäche Frl. 192,8 ; untugend, sittenfehler, laster, vitium Dfg. 624 a . Iw. 8142. der sîn a…

uruntugend

DWB

uruntugend , f. (ur- C 4 c) D. Fr. Strausz 10, 351 .