umbringen,
vb. ,
trennbar. wie im simplex, s. teil 2, 384,
findet sich auch hier das part. prät. ohne ge-,
noch im 17.
jahrh. umbbracht
bei Grimmelshausen 2, 426
lit. ver.; umbracht
bei Gryphius
trauersp. 200
lit. ver.; zuletzt bei Miller
pred. f. landvolk (1776) 2, 159.
in der poesie ist nicht selten aus metrischen gründen das compositum zerteilt, z. b.: der Paetum umb hat bracht (: acht)
bei Zinkgref
auserles. ged. 9
ndr.; hiesz er bringen
die kyndlein umb (: herumb)
bei Kehrein
kathol. kirchenlieder 1, 383
oder auszerhalb des reims: der must sie bringen umb ...
bei Zinkgref
a. a. o. 47. AA.
die verwendungen, in denen um-
die auch sonst bei den um-
compositis häufig zu findenden bedeutungen trägt, sind heute höchstens dialektisch oder fachsprachlich vorhanden und scheinen auch in älterer zeit wenig lebenskraft besessen zu haben, da sie nur spärlich bezeugt sind. A@11)
an einen andern ort bringen; im bergwesen für bock, rost in ein anderes feuer bringen, úmbetten, vgl. teil 2, 204: bock umbringen, wenn das ertz einmahl gebrennet und wenn man es wieder auff einen neuen rost bringet Herttwig
bergbuch (1734) 90
a; man musz (
die röste) ... nochmals auf ein bett von frischem brennmaterial bringen (umbetten, wenden, umbringen des rostes) Muspratt
chemie 1, 1588.
bereits seit alters uneigentlich: (
die güter und dörfer) to vorzettende, to vorkopende effte umme to bringende in andere ... hande (1413)
urkdb. der stadt Lübeck 5,
nr. 477;
nur entfernt hierhin, im sinne von ändern, abwenden: (1480) auf die botschaft gen Hungern was mein antburt als vor, ich nems auch in chainem weg an ..., ich chund es aber nit umbbringen, es muest darauf besten
monum. Habsburg. I 3, 148
Chmel; wieder anders für úmbilden: ein gardyan ... bat ... umb disen jungling (
einen dieb) ..., er wolt in versuchen, wen junglinge weren wol umbzubringen S. Grunau
preusz. chron. 2, 344
Perlbach. A@22)
zurückbringen: wie woll ime (
dem kaiser) der herzog nach eilet und gern umbbracht, was doch sein majestat in solichem zorn entzündet, das si vort zoch
Wilw. v. Schaumburg 17
lit. ver.; heute mundartlich: öpis umebringe
zurückbringen Hunziker
Aargau 276; Leihener
Cronenberg 88
a; Rovenhagen
Aachen 96; hê hed dat bôk wër umbrocht Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 461
b; wat du an geld to föl hest, must du mî wër umbrengen
ebda; jem. umbringen
nach hause bringen in Flensburg und Wesel, s. korrespondenzbl. f. nd. sprachf. 17, 82;
R. Hildebrand-festschr. 68;
in Sylt Möller 190
b.
für '
wieder gut machen (
können)': mancherlei siechtäg, die nit zu heilen noch wider umzubringen warendt (
quelle um 1600)
bei Staub-Tobler
schweiz. 5, 713. A@33)
úmackern, úmpflügen: dieweil dies jahr ... man nicht sicher an dem ackerbaw arbeiten können ..., als ist der acker nur ... auf eine fahre umbgebracht und mit rogken beseet (
z. jahr 1631)
chron. der stadt Plau in Lisch
mecklenb. jahrb. 17, 206;
im wortspiel: als Zeno einen guten freund den acker mit groszer mühe bawen sahe, sagte er: es sey dann, dasz du den acker umbbringest, so würde er dich umbbringen Lehman
flor. polit. (1662) 3, 12; der durch diesen (
haken) umgebrachte (
umgewühlte) acker Sanders 1, 219
b; den dreesch (
d. i. der zur hütung unbesät bleibende teil des sommerfeldes) tief genug umbringen
ebda; s. auch Heyne 3, 1119. A@44)
zu boden bringen, werfen: jem. umbringen '
zu boden bringen' Hunziker
Aargau 275, '
zu boden ringen' Staub-Tobler
schweiz. 5, 713; etwas umbringen '
erreichen, dasz etwas umfällt' Hofmann
niederhess. 245
a; en baum umbringen '
zu fällen vermögen' Staub-Tobler
a. a. o. A@55)
jem. wegbringen; im gegs. zu A 1
ist hier der blick auf den ausgangspunct gerichtet: testimonio aliquem tollere durch zeugnusz hinwäg richten oder umbbringen, vertreyben Frisius (1556) 1314
b; das der zorn des herrn uber euch ergrimmet und euch bald umbbringet von dem guten land, das er euch gegeben hat (
auferemini ab hac terra optima)
Josua 23, 16;
die schon hier spürbare vermischung mit B
wird noch kräftiger, '
beseitigen': ire (
der feinde) frucht wirstu (
gott) umbbringen vom erdboden und iren samen von den menschen kindern (
fructum eorum de terra perdes ...)
psalm 21, 11; ich wil ... dich aus den völckern ausrotten und aus den lendern umbbringen und dich vertilgen (
perdam de terris)
Hesekiel 25, 7;
davon frei, als '
weg-, von etwas abbringen'
im ostfries.: hê hed hum d'r gau umbrocht Doornkaat-Koolman 3, 462
a. BB.
von anfang an überwiegt einen menschen (
seltener eine sache) umbringen
im sinne von '
ums leben bringen, vernichten'.
diese bedeutung läszt sich an die voraufgehenden gruppen anschlieszen, s. bes. A 5,
vgl. umbringung und auch: wieder ock dise gottliche mester hefft lugenhaft funden twe olde prester unde se ock tom dode umbgebracht (1534)
Soester Daniel 151
Schmitz. jedoch ist dieser zusammenhang zweifelhaft, weil die simplicia kommen
und bringen
eine einzigartige verwendung von um
zur bezeichnung einer einbusze oder eines verlustes (
s. sp. 796)
zeigen. möglich ist, dasz die vereinzelt stehenden compositionen umbleiben '
unterbleiben', umdäuen '
nicht verdauen' (?)
usw. von derselben basis ausgehen. näheres unter den compositionstypen am schlusse der alphabetischen reihe. B@11)
das leben nehmen, töten: vitam auferre umbbringen, tödten Frisius (1556) 140
b;
contrucidare gantz grausam umbbringen oder ertödten Calepinus XI
ling. (1598) 329
a; umbbringen, ums leben bringen
interficere Schönsleder (1647) J 1
a. B@1@aa)
einen menschen umbringen
ihn ermorden, heute meist mit dem nebensinn des erbarmungslosen, qualvollen oder heimlichen: wann er het 6 mört getan ungenötter sach und wolt den bischof auch umbpracht haben (1461)
städtechron. 10, 261; ein dieb kompt nicht denn das er stele, würge und umbbringe
Joh. 10, 10; H. v. Cronberg 81
ndr.; (
wenn ein tapferer held) sol von einem solchen schalck so gantz ungewarnet ermördt und umbracht werden Wickram 2, 353
Bolte; so der vater des kinds leiblicher muter oder die muter des kinds leiblichen vater nach dem leben zu stellen und sie umbzubringen understanden heten
Nürnberger reform. (1564) 183
b; darumb sie (
Aarons kinder) plötzlich und schrecklich uber iren verbotnen gottesdiensten verzart und umbbracht wurden Mathesius
ausgew. w. 3, 108
Lösche; (
eine schwangere) stelt list an, dasz sie ihn (
ihren mann) heimlich umbbringt Ruoff
hebammenbuch (1580) 242; Trepko (
ist) ... von den Türcken jämmerlich umbbracht worden H. Rätel
Curäi chron. Schlesiens (1607) 256; ... als er (
der fürst) durch gifft umbracht, erhielt printz Alovas des vatern thron und crone A. Gryphius
trauersp. 200
Palm; so wär ich wehrt, dasz mich die mutter umgebracht, eh ich die erste milch aus ihrer brust gesogen Günther
ged. (1735) 624; so befleyszt sich die bärin, ... die frucht umbzebringen im leyb und von ir zewerffen Herold-Forer
Geszners tierbuch (1563) 16
b; man musz sich für jene bastartdoctoren hüten, welche ... mit besonderer höflichkeit manchen menschen umbringen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 13; (
Gretchen:) meine mutter hab ich umgebracht, mein kind hab ich ertränkt Göthe 14, 234 (
Faust 4507)
W.; durch die veranstaltungen der verwittweten königin wurde dieser (
neapolitanische fürst) gräszlich umgebracht Ranke 25, 63; '... der schreckliche mörder!' wimmerte sie (
die tante). 'er fuhr auf mich los und wollte mich umbringen. er machte augen wie ein tiger' H. Seidel
Leberecht Hühnchen 287; wer ein gespenst groszzieht, den bringt es um Fontane I, 2, 114;
ungewöhnlich ist die hinzufügung einer instrumentalen bestimmung, doch vgl. dazu d; mit ruotten schmirbttend sy den einen, den andern brachtends umb mit steinen
schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 3, 151
Bächt.; doch zuvor (
wollte er) die evangelische burger, die er alle ... in einen keller eingesperret gehabt, mit fewr umbringen und in die luft sprengen Chemnitz
schwed. krieg 2, 343. B@1@bb)
auch der gebrauch von sich umbringen '
sich das leben nehmen'
hat in der gegenwart einen besonderen beiklang; abiudicabo me a vita ich wil mich selbs töden, ich wil mir selbs das läben nemmen oder mich umbbringen Frisius (1556) 7
a;
consciscere sibi mortem ihm selbs den tod anthun, sich selbs umbbringen Calepinus XI
ling. (1598) 312
b;
ammazzare se stesso sich selbst umbbringen, an sich selbst die hand legen Hulsius (1618) 2, 25
a: da gremet er (
Ptolemeus Macron) sich so seer, das er sich selbs mit gifft umbbracht 2.
Macc. 10, 13; dasz diejenigen, so zum ehestandt sein gezwungen worden, sich entweder selbs erhencket oder in andere weisz sich umbgebracht haben Sandrub
kurzweil 13
ndr.; (
die teufel) verursachen, dasz sie (
die menschen) in die brunnen oder in andere wasser springen und sich selbst umbbringen Äg. Albertinus
Lucifers königreich 11
Liliencron; Cato schlief kurz zuvor, ehe er sich umbringen wollte Nicolai
literaturbr. 2, 376;
heute so nicht mehr verwendbar; auch mit gewollt komischer wirkung: ... desto mehr nahm meine krankheit zu. ich hätte mich umbringen können; allein ich verfiel auf ein ander extrem: ich verheirathete mich Göthe 22, 99
W.; sogar die art sich umzubringen hat ihren theatralischen wohlstand, es ist kein geringes verdienst, einen guten dolch zu führen H. P. Sturz
schr. 2, 171;
s. unter d. B@1@cc)
ältere sprache verband mit umbringen
nicht notwendig den beisinn des verwerflichen, verbrecherischen und konnte das wort auch im neutralen sinne als '
töten'
verwenden;
heute so noch im schwäbischen der gewöhnliche ausdruck für töten,
s. Fischer 6, 84;
vom strafenden gott, der den menschen vernichtet, untergehen läszt, namentlich in der sprache des alten testamentes: welch volck ... dem könige zu Babel ... nicht dienen wil ..., solch volck wil ich heimsuchen mit schwert, hunger und pestilentz, spricht der herr, bis das ich sie durch seine hand umbbringe
Jer. 27, 8; der herr, dein gott ... vergilt denen, die in hassen fur seim angesicht, das er sie umbbringe, und seumet sich nicht, das er denen vergelte fur seinem angesicht, die in hassen
5. Mose 7, 10; (
Abraham zu gott) wiltu denn den gerechten mit den gottlosen umbbringen?
1. Mose 18, 23; der boshafftige, welchen der herr umbbringen wird mit dem geist seines mundes und wird sein ein ende machen durch die erscheinung seiner zukunft
2. Thessal. 2, 8;
daher auch: nachdem dann der todt Christi die sünde und den todt umbgebracht, solte er auch in uns als seinen glidern die sünde und den todt überwinden und umbbringen Gretter
erklärung der epistel s. Pauli (1566) 348; der herr in seinem schweren grimme bring alle falschen meuler ümme und rotte lose zungen aus Kehrein
kathol. kirchenlied 3, 131; denn du bringest alles um, herr, nur nicht dein eigenthum Neukirch
ged. (1744) 93;
vom unwetter: die sindflut ... brachte sie alle umb
Luc. 17, 27; die auffdauung desz wetters hat schir so viele leutte umbgebracht alsz die kalte Elisabeth Charlotte
briefe 240
Menzel; den 25. aprilis hat das wetter zu Haidelberg in das alt gschlosz eingeschlagen, ... 5 menschen umbracht Chr. Scheurl
briefbuch 2, 190; das der herbst fil leut umbbringt Murner
bei Hutten 5, 444
Böcking. für heutiges '
hinrichten': was schädlicher lt, nemlich dieb oder rouber hie nach betreten, gefangen und umbgebraucht werden (1417/23)
ält. stadtrechte v. Ravensburg 228
K. O. Müller; als sölt man mich mit bapstlichen bann verthammen oder in gefengnuosz legen oder aber öffentlichen umbbringen Hutten
opera omnia 1, 407
Böcking. vom kampfe: Gisulphi, den Cacanus in einer schlacht umbracht hat Seb. Münster
cosmographey (1550) 191; ein ... küner held, der in stürmen und schlachten vil umbracht hat Wickram 2, 377
Bolte; den verstorbenen ritter ..., den er im stechen umbbracht hatte
buch der liebe (1587) 339
a; ... dasz ein unbärtiger jüngling, namens Lucas Cellini, einen geübten und tapferen soldaten bekämpfte, der schon mehrmals in den schranken gefochten hatte ... diesen überwand Lucas durch eigne tapferkeit und brachte ihn um Göthe 43, 14 (
Cellini)
W.; ebenso: vom ritter sant Georgen, der den drachen umbbringet Er. Alberus
fabeln 3
ndr.; da er die grosze schlangen Pythona ... umbringet Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 98;
überhaupt vom töten, ausrotten, vertilgen der tiere: wie man die hummel vertreiben und umbbringen sol
M. Herr
feldbau (1551) 184
a; so hastu alles ungezifer umbgebracht Sebiz
feldbau (1579) 291; wer einer katzen schaden thut oder dieselbe gar umbringet, dem stehet ein grosz unglück vor J. G. Schmidt
rockenphilosophie (1706) 1, 106;
gelegentlich auch für '
auf der jagd erlegen, erjagen': wie viel er (
der jäger) hasen all sein tag het umbbracht mit seinem waidwerg Hans Sachs 5, 160
lit. ver.; einsmals understunden sichs drei junge gesellen, solchen (
einen bären) umbzubringen Zinkgref
apophthegm. (1628) 76; ein redlicher hünerfänger bringet nicht bald ein alt hun umb Aitinger
jagdbüchlein (1681) 20;
bereits 1751
vermerkt C. v. Heppe: umbringen musz heiszen erlegen, fällen
aufricht. lehrprinz 22. B@1@dd)
die heutige sprache kann umbringen
unbedenklich noch verwenden, wenn nicht an eigentliches töten gedacht ist (
s. die belege unter 2),
wenn also auch der beisinn des verwerflichen fehlt. das gilt z. t. schon von den fällen, wo ein lebloses subject als träger der handlung erscheint: sey nicht ein weinseuffer, denn der wein bringet viel leut umb
Syrach 31, 30; das die albern gelüstet, tödtet sie, und der ruchlosen glück bringt sie umb
sprüche Sal. 1, 32; der frasz bringet mehr umb dann das schwert
schöne w. klugreden (1548) 178
b; die narren bringt ir eygen glück umb S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 19
a; das unglück bringt den gottlosen umb Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, M 6
b;
heute durchaus möglich in gehobener sprache auch in fällen wie: ach, nachbarin, der kummer bringt mich um Drollinger
ged. 131; ja, wenn der kummer umbrächte H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 134; der schmerz ..., der mich noch zuletzt umbringt Göthe 21, 133
W.; er kann noch recht lange leben, wenn ihn der hunger nicht umbringt Bettine
dies buch gehört dem könig 2, 579;
auch bei hyperbolischer verwendung: von bettlern wird man in der that, bis auch ein arbeitshaus der rath wird baun, fast umgebracht Göckingk
ged. (1780) 3, 180; der lärm bringt mich noch um Cl. Brentano 7, 138; denen bringt der zorn schier um Martin-Lienhart
elsäss. 2, 194; des is zum umbringen
es ist zum totärgern oder totlachen Jakob
Wien. 200
b;
oder im mehr scherzhaftparadoxen sinne: ein prächtiger Neufundländer überfiel ihn mit den allerstürmischsten liebkosungen: 'Hektor, lasz gut sein, du bringst mich um' Fontane I, 1, 12; dasz sich die schwester rasch entschlieszen musz, gesund zu werden, denn die brächten sie vor lauter liebe um Bauernfeld
ges. schr. 4, 145; du sollest einen ja ümmebringen
du könntest einen ja vor übergroszer zärtlichkeit umbringen Schambach
Göttingen 240
a; der bringt mich um mit seinem geschwätz Nestroy
ges. w. (1890) 1, 11; die person wird mich noch umbringen mit ihrem phlegma
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 5, 252;
ähnlich in der formel es bringt einen nicht um
es wird mir nicht das leben kosten: mer denkt glei, s brängt an asu üm, s tut an' n aber derweeng nischt Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 154
a; das würd mich nüd umbringen
scherzhaft, das werde ich wohl aushalten Staub-Tobler 5, 713; das bringt mich nicht um, dafür soll ein groszer herr ... sagen können, er habe ein ordentliches essen gefunden ... G. Keller 5, 15; das wird dich nüd umbringen
zu einem gesagt, der vor einem unbedeutenden wagnis zurückschreckt Staub-Tobler
a. a. o.; gröber: rohe behandlung
u. ä. brächte ein rosz um Fischer
schwäb. 6, 84; Wiener ..., eure witze anhören, das bringt ein vieh um S.
Brunner erzähl. u. schr. 2, 7;
auch die reflexive verwendung ist in diesem übertreibendem sinne durchaus üblich: sich ombränge vir lad
sich im leid ungeberdig benehmen Christa
Trier 162
b; er bringt sich reene um
er kann sich nicht genug tun H. Meyer
der richtige Berliner9 182
b;
vgl. Christa
a. a. o.; mit ironischem nebenton: dä brängt sich nöd om
er strengt sich nicht an Christa
a. a. o. B@22)
eine sache umbringen '
sie zu nichte machen',
bes. im 16.
und 17.
jahrh. gebräuchlich in zweierlei bedeutung. B@2@aa)
zerstören, vernichten: stumme götzen und heydenische bilder umbringen Luther 15, 343
W.; vgl. Fischart
binenkorb (1588) 164
b;
mare naufragum das schiffbrüchig meer, das vil schiff umbbringt und verderbt Frisius (1556) 858
a; er (
der milch verschüttet hat) hette gottes tewre gaben ... schentlich umgebracht und zu nichte gemacht Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 163; wie eine unflätige sau, wenn sie mit ihren färcklein in einen lustgarten kömmt, alle schöne kräutlein und bäumlein auswühlet und umbringet
M. Möller
betrachtung der evangelien (1729) 116
a;
im krieg stadt oder land verheeren: man ... zu 10 und 12 dörfer ... brennen sahe, dasz einem das herze weinen mochte, dieweil ... so ein schön gebautes land ... also umgebracht werden sollte Schweinichen 86
Österley; die kosacken drohen, ... das pitschensche weichbild 'umzubringen'
regest aus d. j. 1621
in acta publ. 6, 19
Palm. in anderen fällen, namentlich neuerer zeit, kann übertragung aus den oben unter 1
genannten gruppen vorliegen: die wisheit der wisen ist umbracht, der verstand der verstendigen z'nüt gemacht
N. Manuel 183
Bächtold; da sein (
Frankreichs) ungeheures wüten unsern frieden umgebracht Pietsch
geb. schr. (1740) 273; der hochverräter als einer, der sein vaterland umzubringen versucht Kant (1838) 5, 153
Hart.; als der himmel in einer nacht so viel lenzhoffnungen umgebracht Rückert 2, 378; schreiben sie ja fleiszig, ich will auch mein langes stillschweigen bald wieder umbringen A. W. Schlegel
briefe an Lassen 70.
heute ist umbringen
im sinne '
zerstören, vernichten'
nur noch dialektisch bezeugt: umbringen
von menschen, tieren und sachen '
verderben, zu grunde richten, nicht gerade ums leben bringen' Kehrein
Nassau 1, 415; das spielzeug umbringen Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 154
a;
in umgangssprache und mundart zeug, stiefel, gerät, geschirr
u. dgl. ist nicht umzubringen,
ist unverwüstlich, s. K. Chr. L. Schmidt
westerwäld. 279; Müller-Fraureuth 2, 595
b; Staub-Tobler 5, 713;
vgl.: das schöne land war nicht umzubringen noch fortzuschleifen Görres
briefe 2, 639; ein haltbarer zeug
od. dgl. ist nicht zum umbringen Fischer
schwäb. 6, 84;
heute dafür üblicher ist unverwüstlich. er ist nicht umzubringen,
die dem vorigen parallele wendung, ist weit verbreitet, s. Staub-Tobler
a. a. o.; Martin-Lienhart 2, 194; Müller-Fraureuth
a. a. o.; K. Chr. L. Schmidt
a. a. o. B@2@bb)
durchbringen, verprassen, vergeuden, meist vom besitz, selten von der zeit. am häufigsten im 16.
und 17.
jahrh., bes. bei Luther;
früh bei lexikographen: publicam dilapidabat pecuniam der gemeine geld bracht er umb B. Faber (1587) 433
a; umbringen, verprassen, verthun, durchbringen
consumare ò spendere inutilmente ... Rädlein (1711) 961
a; 1746
wird dagegen (des andern guet nicht) umme bringen
übersetzt mit durchbringen
M. v. Wicht
ostfr. landrecht 379: die vier brüeder ... brachten umb vil geltz U. Füetrer
bayr. chron. 263
Spiller; und die pfaffen stelen das gold und silber von den götzen und bringens umb mit den huren im hurhaus
Baruch 6, 9; das grosze herren zu weilen ... grosz summen mit den kriegsleuten umbbringen umb einis cleinen nutz oder freyheyt willen Luther 6, 40
W.; den groeten praell der kleidung, des ... een untallick geld und guet so unnuthe dagelix wert umgebracht Beninga
chron. v. Ostfries. 771
Harkenroth; auch diejenigen vergriffen sich an gottes gebotten, die das ihre ohn noth schendtlich umbbringen Kirchhof
wendunmuth (1581) 217
a; was mit bösen praticken erworben ist, das wird mit bösen hendelchen und unartigen sachen umbgebracht Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, Z z 2
b; und hat des herren gut verschwendisch umgebracht, Logau 196
Eitner; oft neben verwandten verben wie verschwenden, verthun, verzehren
u. a.: viel proviandt (
wird) ... unnützlich verschwendet und umbbracht H. W. Kirchhof
militaris disciplina (1602) 21; der haushern gut verthan und umbgebracht Luther 27, 298
W.; wann eyner lang gescharret und gesamlet hat, so kompt ein anderer, der es vertzeret und unnützlich umbbringet
ders. 16, 517
W.; von der zeit: vor habe er zuo Menz al sein leben mit allerlei laster umbracht Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 131
a; in dem sie nun mit pfeifen, fluchen die stunden umzubringen suchen J.
N. Götz
verm. ged. (1785) 3, 110.