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überziehen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überziehen v.

Bd. 23, Sp. 682
überziehen, v. II. in untrennb. verbindung. mhd. überziehen; mnd. overtên. I@AA. trans. I@A@11) etwas mit etwas ü., es womit überspannen, überdecken, bereits mhd. und mnd., s. mhd. wb. 3, 929b; Schiller-Lübben 3, 281a; nhd. in breiter verwendung, in den gloss. u. wbb. unter obducere, inducere, (in) crustare, oblimere, obtexere seit dem 16. jahrh. regelmäszig gebucht, vgl. gemma gemmarum (1508) r 3b; Diefenbach gloss. 386b; Frisius dict. (1556) 889b; Calepinus XI ling. (1598) 707a; 965a; 968a; Hulsius-Ravellus (1616) 339a; Stieler 2644; Kramer (1702) 2, 1459a. I@A@1@aa) etwas mit tuch, leder, einer haut u. ä. ü., überspannen: (Alexander) tet die (schiffe) mit hûten alsô uberziehen, daʒ die unden dar în niene giengen Vorauer Alexander 857. ½ firdung vor tuch, dy bretter zu obirzihen vor dy alter Marienb. treszlerb. 62. nhd. dasz er ihn schinden und mit seiner haut den richterstuel überziehen lies Schütz hist. rer. pruss. (1592) 2 N 1b; etliche (hüte) sind ... mit taffat überzogen, etlich mit satin Fischart geschichtklitterung 215 var. ndr.; Marbod ... hatte etliche drommeln mit pferdehäuten überziehen lassen Lohenstein Arminius 2, 850b; die säulen waren mit rothem sammt überzogen Göthe IV 8, 65 W.; ein ... mit leder überzogener ... lehnstuhl Eichendorf s. w. (1864) 3, 194. ohne angabe des materials, womit man etwas überzieht bzw. womit etwas überzogen ist: die sessel sind recht hübsch überzogen Schiller 2, 191; 12, 554 G.; I@A@1@bb) etwas mit brettern u. ä. überziehen, z. b. wände, fuszboden ü., täfeln (schreinerspr.), s. Hulsius (1618) 2, 210b. I@A@1@cc) bekleiden: die schaff ... allweg auff der weiden mit guoten wetterdeckenen überzogen und versorget gewesen Heyden Plinius (1565) 248; wäre es nun rathsam, dasz man so viel katzen schinden liesze und überzüge euch nackend mit den noch blutigen fellen, dasz sie desto fester anklebeten? Gryphius lustsp. 13 P.; dann nahm er bärenfelle und überzog sich und sein pferd damit kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 292. I@A@1@dd) bücher ü., einbinden: die kelber werdend ... gebraucht, ... die ... bücher damit zu überziehen Gesner thierb. (1563) 125. I@A@1@ee) betten ü., mit einem überzug versehen, sie beziehen (th. 1, 1799), s. Voigtel wb. (1793/5) 3, 450b; Heynatz synom. 1, 549a; ein köstliches pette ... alles mit purpur und seydem gewante überzogen Arigo decam. 652 K.; H. Sachs 8, 454 K. ohne angabe, womit sie überzogen werden für 'mit frischer wäsche beziehen': alle monate muszte ich die betten überziehen lassen Gottsched dtsche schaubühne 6, 367; E. Devrient an s. frau (1834) 4; eine ... alte beschlieszerin überzieht die betten Gutzkow ges. w. (1872 ff.) 7, 416; seltener bei tafel- und leibwäsche: die tafel wurde ... mit einem ... tischtuch überzogen und gedeckt M. Meyr erzähl. aus d. Ries (1868) 1, 165; wie lange es sei, dasz denen knaben weisze wäsche sei überzogen worden Thomasius aufzeichnungen 687. eine construction, für die heute die trennb. verbindung anwendung findet. I@A@1@ff) ein musikinstrument mit saiten überziehen: alte geigen überzeucht man auch mit newen seiten Lehmann florilegium pol. (1662) 3, 21; sie spielte auf einer mit saiten überzogenen muschel Lohenstein Arminius 2, 485b. I@A@1@gg) die spinne überzieht etwas mit ihrem netz: (das bett,) welliches ... die spynnen mit iren weppen übertzogen haben Schaidenreiszer Odyssea (1537) 67a; die spinn ... überzeucht inen (den eidechsen) ir maul mit irem wupp oder faden Gesner thierbuch (1563) 161r; eine kiste voll noten, bestaubt und mit spinnenweben überzogen S. Brunner erzähl. u. schr. 1, 95. bildlich: wie eine riesenspinne sasz Rom im mittelpunkte der lateinischen welt und überzog sie mit seinem unendlichen gewebe Heine w. 3, 93 E. I@A@1@hh) etwas mit einer kette, einer schnur ü, überspannen, schon mhd., s. Ottokar reimchr. 97 006. nhd.: dieselbig haut schnit si (Dido) in die allerkleinsten riemlin, damit überzoch si gar vil ein weittern platz dann man gedacht het H. Boner Justinus (1532) 63b; was halff es den Antonium, dasz ... er ... das wasser neben der statt mit garnen überzoge Heyden Plinius (1565) 466; der vogelfänger ... überzieget ... die vögelein mit dem vogelnetze (adobruit) A. Comenius janua (1644) 124; welche vogel sein zuo im geflogen, die hat er mit netz überzogen, dasz sie nuo hart komen darausz Liliencron volksl. 151, 206 (1478); vgl. auch B. Waldis Esopus 1, 263 K. als jägerterminus s. Aitinger jagd- u. weidb. (1681) 17; die rebhüner mit dem schneegarn überziehen Hohberg georg. curiosa (1682) 1, 141; allgem. haushalt.-lex. 1, a 2b. I@A@1@ii) etwas mit kalk, farbe u. ä. ü. für bewerfen, überstreichen, z. b. ein haus, eine mauer ü.: sbiancare Hulsius-Ravellus (1616) 339a; smaltire Hulsius (1618) 2, 374b; incalcinare, intonicare 2, 197a. etwas mit schmelz überziehen, emaillieren Kinderling reinigk. d. dtschen spr. (1795) 128. mit stuck Göthe IV 8, 260 W.; mit firnisz u. ä.: man übergab es (d. bild) einem mahler, der es ... mit einem neuen firnisz überziehen sollte Göthe II 1, 69 W.; ich hatte ... die kartons mit leimwasser überzogen G. Keller ges. w. 2, 156. I@A@1@jj) etwas mit gold, silber u. ä. ü. für vergolden, versilbern u. s. w., s. Frisius dict. (1556) 236b; mit blei ü., applumbare Calepinus XI ling. (1598) 107a; und das bedeckt er und überzug es mit reinem golde (vulg.: vestivit) erste dtsche bibel 5, 262 var.; er hat den gantzen soler mit gold übertzogen A. v. Eyb dtsche schr. 2, 19 H.; dasz corpus ist gantz kupffern, myt golde überzaghen Lübecker münzwarnung v. j. 1482 in zs. f. bücherfr. 11, 1, 224; szo werden die fittich der tawben mit silber ubirtzogen seyn ... Luther 8, 14 W.; dazu waren die wende mit einem gülden blech überzogen Gabr. Rollenhagen indian. reisen (1603) 5; dann solltest du, ganz wie du da bist, mit gold überzogen werden Schiller 2, 60 G.; mit wachs ü., incerare Maaler 447c. Thermusa liesz ... die leiche mit wachse überziehen Lohenstein Arminius 2, 1121a; die Römer bedienten sich ... hölzerner ... tafeln, die mit wachs überzogen waren bibl. älterer schriftw. d. schweiz II 3, 8. I@A@1@kk) mandeln u. s. w. mit zucker überziehen, candieren, s. Kramer dict. (1702) 2, 1459a; Chomel 8, 2196; darum pit ich eur lib, dasz ir mir schickt überzogen mit zucker cobeben und überzogen kümel auch mit zuckern (a. 1493) Steinhausen privatbr. d. ma. 1, 306; da meinstu, man esse Christus leib im brot, gleich als wenn man ein mandel überzeucht mit zucker Luther 23, 302 W.; mit zucker überzogene haselnüsz Ruoff hebammenb. (1580) 130. auch kurz überzogene mandeln, candite Kramer dict. (1702) 2, 19a; Leipziger stadtrechn. (1541) fol. 189; Gryphius horrib. 64 ndr.; ein schüssel vol überzogen zucker (candierte früchte?) Dürer tageb. 75, 28. bildlich: süsse wort, als werens mit zucker überzogen Wickram w. 2, 91, 5 B.; also musz man offt die bittere warheit mit zucker überziehen Schupp schr. (1668) 273; Neumarck fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 410; Neukirch anfangsgr. (1724) 133. I@A@1@ll) ein feld mit dünger ü. u. ä.: wann man die linsen mit trucknem mist ... überzeucht ..., so werden sie desto gröszer M. Herr feldbau (1551) 51a; Hohberg georg. curiosa aucta 3, (1715) 7, 21. I@A@1@mm) schriftzeichen u. ä. überziehen, nachziehen: mögen sie (anrede) wohl ... meine bleystiftcorrecturen, insofern sie solche billigen, mit tinte überziehen Göthe IV 39, 21 W.; III 10, 22; es war, als stünden schon in blasser schrift die zeichen auf dem pergament und er dürfte sie nur mit geübter hand schwarz überziehen E. Th. A. Hoffmann s. w. 1, 213 Gr.; Wilhelm hat ... correcturen angebracht, ich hoffe, dasz sich sein feines blei ... nicht verwischt, an einigen stellen habe ich es überzogen Jac. Grimm im briefw. zw. J. u. W. Grimm u. s. w. 1, 97. I@A@1@nn) bei unpersönlichem subj.: etwas bedecken. der im verbum liegende bewegungsbegriff bleibt meist erhalten: die (feuchte) ist schleimig und überzeucht das ingeweid innwendig M. Herr schachtafeln d. gesuntheit (1533) Gg 3b. I@A@1@n@aα) es überzeucht (die zähne) ... ein harter schleim, den wir weinstein nennen Wirsung artzneyb. (1588) 196b; unten in der hausthür verrostete das schlosz, den messingklopfer überzog der grünspan Storm w. (1899) 2, 297. I@A@1@n@bβ) der (athem) sich über diesen klaren spiegel ausbreitet und desselben glantz überzoge theatrum amoris (1626—31) 2, 7; dann überzog ... ein feuchter schleier ihr auge Stifter s. w. 1, 290; dem überzeucht der nebl sein augen, dasz sie scharff zu sehen nicht taugen H. Sachs 17, 49 K.-G. I@A@1@n@gγ) den himel überzug ain schwartz gewülck Schaidenreiszer Odyssea (1537) 61b; Widmann Fausts leben 438 K.; die abenddämmerung überzog himmel und erde Kürnberger novellen 1, 57; Eichendorf s. w. (1864) 2, 46; die ... von schwerem gewölk überzogenen häupter der fernen Alpen Scheffel ges. w. 3, 47; bisz die finster nacht ... den gantzen erdkreysz überzogen hat Wickram 1, 24, 19 B.; wir sehen mitternacht den mittag überziehen M. Opitz opera u. weltl. ged. (1690) 1, 12. pass.: der lufft mit wolcken, regen und ungewitter offt überzogen wird Guarinonius grewel d. verw. (1610) 479; der himel überzogen wur mit duncklen wolcken gelb und schwartz H. Sachs 2, 238 K. überzogen, coperto Kramer (1702) 2, 1459a; vgl. auch Frisius (1556) 389b; s. v. lacus; der himmel ist mit wolken überzogen, nubibus tegitur Steinbach (1734) 2, 1116; dein vater droben im himel ... der hat scharffe augen und kan weit in die ferne sehen, obs gleich mit grosser finster wolcken uberzogen ... ist Luther 32, 435 W.; seit der zeit ist mirs, als wäre der himmel mit einem schwarzen flor überzogen Göthe I 8, 245 W.; überzogener nebelhimmel IV 32, 6. I@A@1@n@dδ) der ... frost hatte die wege mit glatteis überzogen Moltke ges. schr. 3, 277; das ... takelwerk war ... mit eis überzogen G. Forster s. schr. 1, 116. I@A@1@n@eε) myrtenwälder und gebüsche überziehen die hügel Chamisso w. 2, 3; auf einem groszen stein, den der weiche teppich des schönstens mooses überzog E. Th. A. Hoffmann s. w. 11, 76 Gr.; von, bzw. mit gras, wald u. s. w. überzogen (bedeckt) sein: er (d. landrücken) ist ... von heidekraut überzogen Laistner nebels. 262; die alt Germania ist ... mit dem Hartzwald ... überzogen Stumpf Schweitzerchr. (1606) 55b; M. Quad teutscher nation heiligkeit (1609) 227; steine, deren der luft ausgesetzte stellen mit grünem moos malerisch überzogen sind Göthe gespr. 5, 214 B.; I@A@1@n@zζ) der otter ... hat eine haut mit einem dicken beltz überzogen Gesner thierb. (1563) 129; die muskeln sind ... mit einer groben rauhen haut überzogen Göthe I 37, 347 W. sprichwörtlich: ich vermeyne ..., du seyst ... mit einer schalckshaut überzogen? Grimmelshausen Simplicissimus 126 ndr. vgl. auch Hans Sachs 14, 168 K.-G; 21, 256. variiert: der muosz mit einem buoben überzogen sein, der einn in einer buobenhaut wil kennen S. Franck sprüchw. (1545) 1, 47a. I@A@1@n@hη) röte überzieht das gesicht: eine ungemeine röte überzoge ihre wangen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 385; schamröthe überzog ihr ganzes gesicht S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 2, 41; Göthe I 23, 304 W.; Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 121; ein bitteres lächeln überzog mein gesicht Thümmel reise (1791 ff.) 1, 139; die farbe des todes überzog seine wangen Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 174; Heinse s. w. 4, 113 Sch.; ich schau dein angesicht dein bleiches, das tiefe schwermuth überzieht Lenau neue ged. 186. pass.: darumb ... ward ... ir angesicht mit röty überzogen Steinhöwel d. claris mul. 101 Dr. I@A@1@n@thθ) in bildl. verwendung: aus dem uralten heldenstamm gebohren ..., dessen gloire von keinem rost der zeit überzogen (ist) Hahn einl. zu d. Teutschen ... hist. (1721) 1, vorw. 3; die zeitgenossen wissen nicht lebhaft genug zu schildern, wie mächtig bigotterie und unwissenheit das land überzogen Häusser dtsche gesch. (1854) 2, 456, 26; lieder, die ... von dem reize der einfalt und unschuld überzogen sind Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 1, 305; ihr wesen ist dergestalt mit ... eitelkeit und neugier überzogen, dasz ... Bode M. Montaignes ged. u. mein. (1793/5) 5, 217; der mangel der gesundheit überzieht die seele mit einem traurigen ... wesen Gellert w. 6, 190; die ... kruste der convenienz, die ... unsere herzen überzieht H. v. Kleist 5, 233 Schm. I@A@22) ein land, bzw. jem. (mit krieg) überziehen, ihn bekriegen, angreifen, aus 1 entwickelt, häufig mit dem nebensinn des siegreichen, überwältigenden angriffs: bevehden, ankriegen, überziehen, debellare Schöpper syn. (1550) h 1b; Frisius (1556) 63b s. v. aggredi. Hulsius (1618) 254b; bekriegen Wiederhold (1669) 352a. I@A@2@aa) das landt Lutzelbourg dem Frantzosen zu guten zu überzyhn staatspapiere zur gesch Karls V. 255. Marcomanni ... überzochen dieselben lant städtechr. 3, 53. (es) thurste niemand Israel uberziehen Judith 16, 30; es wirdt vil geschriben, das der Turk betroe Ungern und Bolen zu überziehen Scheurl briefbuch 2, 240; er ... überzihet und verwüstet ihm sein land Reinicke fuchs (1650) 344; der gröszere teil überschritt die Donau, um das flache land weithin zu überziehen Wimmer gesch. d. dtsch. bodens (1905) 35. I@A@2@bb) den Türken anzugreiffen und zu überzihen Luther 30, 2, 111 W.; 34, 2, 20 W.; die Römer überzogen sie und gewunnen lannd und lüt Pauli schimpf u. ernst 311 Ö.; da er (Nectanebus) vernahme, wie ihn ein groszes heer überziehen wolte, da bereitet er sich nit einmal zu wehren Widmann Fausts leben 459 K.; anno domini 1003 überzoch künig Heinrich ... den hertzog Hermann Tschudi chron. helv. 1, 2; diser Calapinus überzoch und nötiget die christen Stumpf Schweitzerchron. (1606) 15a; der Schwede wil den pabst und den Türcken zugleich überziehen Chr. Weise die 3 klügsten leute (1675) 173; sein sohn überzog die Perser und gewann das reich Göthe I 7, 27 W., die künftigen Franzosen werden uns plündern, überziehen und plagen wie die gegenwärtigen E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Dtschen 2, 36; den uberzognen und beschedigten ... hilff, schutz und schirm ... beweysen Luther 18, 337 W. I@A@2@cc) mit präposit. ergänzung: ein land, volk, eine stadt, person mit einer kriegsmacht u. s. w. ü., überfallen, s. Kramer (1702) 2, 1459a; mit krieg ü., heimsuchen, s. Steinbach (1734) 2, 1116; da oberzoch her Gerlach ... greben Johanne von Nassauwe ... mit vil rittern Limburger chr. 52, 6 Wyss; under der zeit überzugen die Sarracenen den künig ... mit vast grossem her U. Füetrer bayr. chr. 11; mit groszer macht Hartlieb hist. v. gr. Alexander (1473) 4b; mit hörskraft Knebel chr. v. Kaisheim 110; (Xerxes,) der mit achtmalhunderttausent mann die greckischen freystedt überzogen Mathesius w. 4, 111, 26; dieser Adolf hatte seinen vater mit krieg überzogen Schiller 7, 234 G.; (er) überzeucht ein solch volck und landt mit gfencknus, mort, raub und auch brant H. Sachs 11, 130 K.; die städte mit dem schwert, mit flammen überziehen J. E. Schlegel w. (1761—70) 4, 11. I@A@2@dd) mit adverbieller ergänzung: drumb ward er ... feindlich überzogen Micrälius altes Pommerland (1640) 2, 287; wir haben unseren benachbarten nicht ursachen gegeben, uns feindseliger weise zu überziehen Harsdörfer gesprechsp. 5, 421. I@A@2@ee) der gebrauch bleibt auf kriegerischen angriff (in eigentlichem oder bildlichem sinne) beschränkt. weitere verwendung von ü. occasionell, z. b. I@A@2@e@aα) jem. wozu überreden, wozu vermögen, mhd. beleg im väterbuch 30 729; nhd.: Stoppe Parnasz (1735) 498. I@A@2@e@bβ) betrügen (16. jahrh.): damit wirt di minn oft petrogen und mit valschhait überzogen fastnachtsp. 2, 776, 31 K.; (der kaufmann) mit falscher wahr und grossem trug sein nehsten bscheiszt und überzeucht B. Waldis Esopus 2, 257 K. I@A@2@e@gγ) jem. mit vieh ü., ihn durch unberechtigten viehauftrieb schädigen Egger gloss. 935a. mit peen, ihn strafen ebenda. I@A@2@e@dδ) obscön für coire: Montanus schwankbücher 351 B. I@A@33) ein feld u. ä. ü., es obenhin bearbeiten, z. b.: mit einem rechen, s. d. raths zu Leipzig vernewerte ordn. (1596) N 4b; mit hölzernen eggen schles. landwirth (1774) 1, 251; Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715), 269a; Chomel öcon. u. phys. lex. 7, 775. I@A@44) zu viel ziehen, spannen: den bogen ü., überspannen, s. Liliencron hist. volkslieder 4, 531; nervos und ligamenta ü., verrenken, überdrehen, s. Thurneisser beschreib. influent. wirk. (1578) 52. I@A@55) vom bild der wage genommen für übertreffen, überwinden. mhd. beleg s. mhd. wb. 3, 929. nhd. nur occasionell gebraucht, daher die Wielandstelle man sagt, bey spröder überzieh die liebe doch die vorsicht nie von Heynatz antibarb. (1796) 2, 497 getadelt. vgl. aber unten den absoluten gebrauch und die trennb. verbindung. I@A@66) in der sprache der älteren chemie für filtern, bzw. destillieren neben trennb. verb.: das quecksilber ... das gold verschlickt und endist überzeucht Guarinonius grewel (1610) 40; dasz er anstatt kochens eine destillation anstellete und das wasser überzöge Marperger küchen- u. kellerdict. (1716) 1280b. subst. inf.: wenn du das übrige quecksilber vom gold ohne überziehen abrauchen lest, so ... Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 50b; ein Sizilianer ... erbotte sich, das seewasser mit destillieren und überziehen ... trinckbar zu machen M. Kramer leben u. tapffere thaten (1681) 241. I@A@77) in der jägerspr.: eine fährte ü, überspringen, übergehen, darüber hinausschieszen: ein wolgeführter leithund, der wol zur fährte greifet, keine leichtlich überziehet Heppe lehrprinz (1751) 24. vgl. auch wohlred. jäger (1763) 304; leithund 85. I@BB. reflexiv sich ü., überdeckt werden: so es nun so lang ... gestanden, dasz sich das bley ... mit den schlacken gar überzogen hat, so ... Ercker beschr. aller min. ertzt (1580) 14b; die hostie, ... welche sich mit blut überzogen hatte Grimm dtsche sagen 1, 235; die sandbank überzieht sich ... mit schlamm Allmers marschenb. 1, 15; von süssem thau hat sich die au lustiglich überzogen v. Erlach volksl. d. Dtschen 3, 114. besonders: der himmel überzieht sich, bewölkt sich, s. Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2076; der himmel hat sich ... überzogen, ich fürchte ein gewitter Göthe I 13, 1, 56 W.; IV 23, 1. ungewöhnlich: das wetter fing ... an sich zu überziehen I 19, 249; mit, bzw. von wolcken: der himmel hatte sich mit weiszen schäfchen überzogen I 19, 245 W.; als dann der himmel dick wie hartz sich überzeucht von wolcken schwartz Spreng Ilias (1610) 44b. unpersönlich: es überzeucht sich, nubilat aether Schönsleder prompt. (1647) Q qq 2b; nach und nach überzog sichs, regnete Göthe IV 21, 319 W. I@CC. absolut. I@C@11) von der wagschalenbewegung: das übergewicht haben, im eigentl. u. bildlichen sinne selten gebraucht: wenn es (das fleisch) die waagschale nur um so viel als ein einziges haar überziehen macht, so stirbst du Eschenburg Shakespeare 2, 258; diese (ordnung) bracht in widerumb zu gleichen krefften, demnach sie aber an stercke und anzal überzohen, siegten sie ohne zweiffel Wurstisen P. Aemilii ... hist. (1572) 1, 478; der fleiszige ... procesz des künstlers überzeuhet oder überwindet in dieser arbeit Thurneisser magna alchymia (1583) 25; das video meliora proboque, deteriora sequor wird so lange wahr seyn ... so lange die deteriora mit groszen, glänzenden und auf der wage des eigennutzes unendlich überziehenden vortheilen verbunden sind Wieland 29, 64. vgl. schweiz. es überziet, es überwiegt Hunziker 271. I@C@22) in der bedeutung 'überdeckt werden' neben der sprachüblicheren reflex. fügung (s. o.): überziehen, ein krust oder rinde gewinnen, incrostare Hulsius (1618) 2, 200a; unde iz überzuhet als die nebel tut di sunne Breslauer arzneib. 33; den morgen, der so schön mir aufzusteigen schien sah ich mit finsternisz und wettern überziehn theater d. Dtschen (1768 ff.) 6, 26; wann unsrer augen glantz mit wolcken überzeucht Logau 1, 37 (Eitner 233); IIII. die trennb. verbindung. II@AA. trans. etwas überziehen. II@A@11) hinüberziehen, von einem ort zu einem andern, z. b. einen schlitten ü. sc. über das eis, s. Krünitz 193, 148. bildlich: ich liebe nicht freundeszutrauen auf angelegenheiten des mein und dein überzuziehen Görres ges. br. 3, 120. II@A@22) ein kleidungsstück u. ä. ü., anziehen: die socke ü., soccis se calcare nomencl. lat. germ. (1634) 431; dasz er sich diesen panzer übergezogen hat, beweist, wie er ... unsres vorhabens kundig geworden ist Fouqué jahresz. (1811—14) 2, 87; ich ... zog mir meinen rock über Seidel vorstadtgesch. 116; Pancratius zog seinen alten mantel über Holtei erzähl. schr. 5, 159; sogar sollte die nachtmütze nicht unmittelbar aufgesetzt, sondern vorher ein netz ... übergezogen werden Göthe I 24, 277 W.; IV 24, 100; ich bin immer froh, wenn die guten herren ... die nachtmütze überziehen und aufs ohr sich legen Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 245; es scheint fast, dasz ihm in seiner eigenen haut so unbehaglich ist, dasz er lieber die eines jeden andern narren überzieht Tieck schr. 4, 51. subst. inf. das überziehen des mantels über den kopf ... ist aus dem leben genommen Welcker alte denkm. 4, 102 anm. 11. bildlich: so dasz er der prosaischen absicht ein poetisches kleid überzieht O. Ludwig ges. schr. 5, 167; die frau zeucht neue zügen über, überzieht das bett mit frischer wäsche, s. Steinbach (1734) 2, 1115; daher saget man, diese oder jene mutter giebt ihrer tochter bey der ausstattung so und so vielmahl überzuziehen mit Amaranthes frauenz.-lex. 2061 f. II@A@33) verkehrsprachlich. a) einen ü., ihn über das knie, die bank strecken und schlagen, s. Frischbier 2, 419b; als ich so gschwind ward auffgestellt, und nur im einign wörtlein fehlt, zog man mich über mit ungutn und strich mich so hart mit der rutn. G. Mauritius vom schulwesen C 1b; ich hab ihn gestern ein biszchen übergezogen Göthe I 38, 134 W. b) verkehrssprachlich ist auch die construction: einem einen hieb, bzw. eines mit der peitsche u. s. w. überziehen, s. Frischbier a. a. o.; weg ist er zum glücke! ich muszt ihm sonst ein paar überziehen C. Töpfer ges. dram. w. 1, 259; R. Fischer denkw. u. erinn. eines arbeiters 42; ein grusel ..., als wenn man gleich ein paar altpreuszische fuchtelhiebe übergezogen erhalten sollte Bismarck br. an s. braut u. gattin nr. 65. II@A@44) in die höhe ziehen, aufziehen tirare ò di sopra Kramer (1702) 2, 1459a; den hanen ü., il cane dello schioppo tirare ebenda; der schrye, ich solte das gewehr ablegen, ich antwortete, ... dir zu gefallen nicht und zog den hanen über Grimmelshausen Simpl. 334 ndr.; da stund der pfarrherr ... in der kirchen, hat das gesesz übergezogen und zeiget inen den hindern spiegel Hertzog d. schiltwache H 1. II@BB. reflexiv sich ü., sich hinüberbewegen: da sich seine werke ... auf das wissenschaftliche gebiet überziehen, so ... Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 3, 403. II@CC. intrans. II@C@11) ü., sich hinüber, bzw. vorüber bewegen. II@C@1@aa) hinüber ziehen: 2 scot an der fere zu Dirssow geschankt, als unser homeister obirzog Marienb. Treszlerb. 270, 21; deszhalb niemandt sorg hett, dasz er in solcher kelten überziehen (sc. über den Hellespont) würde Frontinus von d. guten räthen 7b; bey Neustat er zuo felde lag, schlug gar ain schöne prucken, in zwayen tagen überzog Wackernagel dtsches kirchenl. 3, 998. mit zielangabe: die auf fauler streu lagen, wollten in betten schlafen und aus höhlen ... in häuser ... überziehen W. Alexis hosen (1846/8) 1, 277. übersiedeln: Heinrich Arter, der ... nach Deutschland überzog Gutzkow d. diakonissin (1855) 29; in seine neue wohnung ü. Hilpert 650a; (mehrere gründe) bestimmten Schillern 1799, nach Weimar überzuziehen Gervinus gesch. d. dtschen dichtung (1853) 5, 512; ich hege noch drei töpfe .., die ... in der Göttinger stube standen und mit übergezogen sind Jac. Grimm briefw. zw. J. u. W. Grimm u. s. w. 1, 325; wegen überziehens der druckerei von Witzenhausen nach Fritzlar ist ... keine nr. ausgegeben (worden) lehrerstimmen aus Hessen 1849 nr. 8, 32. II@C@1@bb) in bildl. u. abgezogenem gebrauche: das murren ... zog bekanntlich in kunst und literatur über Gutzkow ges. w. 4, 234; meine seele ... zog aus meinen augen in ihren jugendlichen busen über und kehrte mit tausend ... empfindungen zurück Klinger theater 3, 329; Gustav muszte denken, der traum sei aus seinem schlaf ins leben übergezogen Jean Paul w. 1, 249 H.; der serpentin in pechstein überziehend Göthe IV 35, 115 W. II@C@1@cc) in der jägerspr. bezeichnet überziehen (trennbar u. untrennbar) das langsame und vertrauliche gehen des hochwildes über eine blösze, einen lichten schlag, einen weg, s. Behlen forst- u. jagdkunde 6, 107; Heppe (1779) 373; Dombrowski 8, 41a. II@C@1@dd) vorüberziehen, örtlich u. zeitlich: vorüber reisen Stör (1650) 503b; Rädlein (1711) 910a; to pass over Hilpert 650a. schon bei Luther (Jes. 16, 2), was Heynatz antibarb. (1796), 2, 497 als auffallend anmerkt. er blickte ... empor, ob denn etwa eine windsbraut überziehe Fouqué altsächs. bildersaal 3, 14. II@C@22) von der bewegung der wagschalen: die wage drohte, auf die andere seite überzuziehen Wieland 3, 69. II@C@33) eine flüssigkeit aus einem gefäsz in ein anderes überziehen, besonders im destillationsprozesz, s. Krünitz 193, 148 f., in der älteren sprache scheint hier die untrennb. verbindung zu überwiegen, s. o.
25432 Zeichen · 916 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    überziehenstv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    über-ziehen stv. BMZ tr. ziehen über. einen hôhen berc überz. Alex. S. 54 a . die waʒʒirvlût ubirz. und ubirwaten Jer. 1…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überziehen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Überziehen , verb. irregul. S. Adelung Ziehen . 1. Überziehen, ich ziehe über, übergezogen, über zu ziehen. (1) Von zieh…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    überziehen

    Goethe-Wörterbuch

    überziehen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    überziehenst.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    über-ziehen st. : 1. a. 'mit einem Überzug versehen, bedecken', iwweʳziehe, -zieche u. a., s. ziehen [verbr.]; 's Bett i…

  5. Spezial
    überziehen, die Buchdeckel (mit Leder, Gewebe, ...) v

    Dt.-Russ. phil. Termini · +3 Parallelbelege

    überziehen , v , die Buchdeckel (mit Leder, Gewebe, ...) ~ обтягивать/обтянуть , гл книжные сторонки (кожей, тканью, ...…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ueberziehen

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Zerlegung von ueberziehen 2 Komponenten

ueber+ziehen

ueberziehen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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