lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

überkommen

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
10 in 8 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
17
Verweise raus
13

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überkommen v.

Bd. 23, Sp. 343
überkommen, v. II. in untrennbarer verbindung. die aus der sinnlichen bedeutung des bewegungsverbums und der partikel früh erwachsenen abgezogenen gebrauchsweisen überwiegen seit ältester zeit. daneben blieb aber doch auch der ursprünglich sinnliche bedeutungsinhalt von überkommen zum theile bis in die gegenwart lebendig, während einzelne abstracte gebrauchsweisen wieder absterben; so ist die aus den keronischen gll. bei Graff nachgewiesene verwendung ubarquimit vituperat schon mhd. nicht mehr zu belegen, und auch die abstracten bedeutungen superare, accipere (s. u.), die vom 12., bzw. 14. jahrh. ab rasch breite verwendung fanden, schränken sich im schriftsprachlichen gebrauche der gegenwart auf ein enges gebiet formelhafter verbindungen ein. I@AA. transitiv. I@A@11) supervenire, über jemanden oder etwas herabkommen, auf jemanden treffen, z. theil das moment der überraschung einschlieszend: unversehentlich über etwas kommen Dentzler clavis ling. lat. 295b ; einen unerwartet antreffen Kramer hochniederd. wb. (1719) 219a; eme were widderfaren dat den vursz buschoven overquam städtechron. 13, 353; ewer hertz sölt sich frewen ..., wo ir unwissende lewt uberkempt, dasz ir in das wort gottes ... mittaylet Hans Sachs 22, 80 Götze; Jhesus uberkam ein eselin und reit drauff Joh. 12, 14; er schwuor ..., das er ... wo er inen uberkäme, alles das gold der gantzen welt kündt im nit helffen, er wölt inen erhencken Aymont (1535) d 6a; so mein vatter das innen würde, so würde er uns nachfolgen. und so er uns uberkäme, besorge ich, er würde uns tödten lassen buch d. liebe 37, 4; die schreiber ... hetten sich gern an Clawerten gerechet, wo sie denselben an einen gelegenen ort uberkommen mügen Krüger Clawerts werckl. hist. 36 neudr., einholen: der weinzepffer loufft Vlenspiegel nach und überkumpt in uff der strassen Eulenspiegel 90, neudr. I@A@22) aus 1) entwickelt: überfallen, dann weiter überlisten, überwinden, zwingen; mit persönl. obj. mhd. und älter nhd. allgemein, in der neueren sprache wird der gebrauch eingeschränkt. überkommen, overweldigen, overmeestern, overmannen Kramer hochniederd. wb. (1719) 220c. a) eine stat, den feind u. s. w. überkommen: si (die räuber) heten eine gewonheit: swer für gie oder reit, den si mohten überkomen, dem was schiere benomen bêdiu guot unde lîp Konr. v. Fuszesbrunnen kindh. Jesu 1512 Kochendörffer; swaz des gezoges alles sî, dâ er ein dorf mit überkumt. Helbling 1, 594; besich ob du Georium mügeszt überkummen oder überwinden d. summerteil d. heyligen leben (1472) 16a; als nun herr Wigoleis zu Lyon obgesiget, und land und leut überkommen und erobert hatte buch d. liebe (1587) 395c; wie Odoacar Rom überkommen hatt mit gewalt Judas Nazarei 16 neudr.; ist es dann sach, dasz ich in überkom und in slach oder töd, so werdent ir unsre knecht bibliothek älterer schriftw. d. Schweiz I 1, 8; wann zwen mitt ainander kriegen umb das chönigreich und welcher den andern überchömpt und in zu gefancknusz pringt, so nympt in dann der ob ist gelegen Schiltberger reisebuch 65, 12; hat er sich dahin bedacht, das er die feindt mit list uberkäme Xylander Polybius (1574) 164; diesem nach rückte der könig vor das haus Clempenow und überkam dasselbe glücklich in geschwinder eil Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 118. b) verengt: eine frau überkommen, vergewaltigen, coire mhd. wb. 1, 905b; wenn ein maydt yemants vermächlet ist und ein man überkumpt sy in der statt und schlafft bey ir Zürcherbibel (1531) 5 Mos. 22c; während die störchin brütete ..., kam ein fremder storch, buhlte um die störchin und überkam sie zuletzt Grimm deutsche sagen 2, 112; wer er bey der herzallerliebsten mein ... er hett sie wol uberkommen volkslied. 122, 21 deutsche texte d. ma. 5, 135; I@A@2@cc) oratione superare Haltaus (1758) 1818; persuadere, überreden Scherz gloss. 1700. belege seit dem 13. jahrh.: doch überkam er (Wilhelm) sie (die hofleute) mit bet, das es ieglicher tet Wilhelm v. Orlens 3549; er lie sich überkomen siniu kint, daʒ er den sun geben wolde myst. 1, 400, 36; also schickt der kayser Julius boten zuo in und überkams mit gütigen worten (ca. 1470) städtechron. 4, 284; do Dagrianus also durch semlich rede des freulins ward überkommen, nam er ir hant N. v: Wyle Marina in zs. f. d. a. 29, 336; Barbali, du hast mich überkon! du redst so gruntlich und wol darvon, dasz wirs sehen und grifen muessen N. Manuel Barbali 1409. mit gen.: wirt er des uberkommen und beredet städtechron. 17, 14; mhd. allgemein: ichn kunde in nie des überkomen, daʒ er hie langer wolde wesen Iwein 5954; die grîsen hânt michs überkomen, diu werlt gestüende trûreclîcher nie Walther 121, 33; ob dich die liute frâgen, wâ du habest daʒ kint genomen, ich meine ob eʒ sî funden, des lâ dich nicht überkomen, daʒ ich eʒ her fuorte Wolfdietrich A 119; I@A@2@dd) jem. mit gelt überkommen, bestechen: ihr sehent ... das wir unser rittere hant mit gelte überkumen städtechron. 9, 505; do muost ich (bischof Berthold) üch mit gaben überkummen, daʒ ir mich lieszent ungesumet Closener Straszb. chron. 92 städtechron. 8. I@A@2@ee) überführen, überweisen, mhd. belege bei Lexer a. a. o. und Haltaus a. a. o.; coarguere, reum facere Stieler 1006; von Adelung 4, 759 und Heynatz antibarb. (1796) 2, 492 als veraltet gebucht. und wo er die mitt der warheytt uberkame und betratte, die liesz er hengen, entheubten, ertrencken beleg bei Haltaus a. a. o.; uberchumet man in des, daʒ er den wîn gevelscht hat, sô schol er uns unde der stat eine mark geben bischöfl. satzungen über das eidgeschosz in Zeitz (a. 1322) 1, 69 Bech; wir wollen ouch, daʒ nîmant melze noch bruwe, er schulle zên mark vorschozze (versteuern), tut erʒ überdaʒ, sô hât er daʒ bîr verloren gegen deme râte, ob mans in überchumet ebenda 1, 38; we de ghyffte van wem neme, des me ome overkeme, unerlick scholde he werden städtechron. 16, 143. mit doppeltem acc.: wie yhr mich das uberkumet mit auszgedruckter schrifft, wil ich mein yrthum widerrufen reformationsflugschr. 1, 73 Clemen. I@A@2@ff) in weiterer verwendung: do muostu natur mit natur tœten und überwinden ... daʒ muostu als zuomole überkummen Tauler 17, 17 Vetter; (menschen, die) mit ruwen irre sünden den tüfel überkummen hant quelle bei Schmidt elsäss. wb. (1901) 366a; daʒ er (der mensch) ... sein fleischliche gier, als seinn todfeind, überkome, erober, peynig und fancklich behalte Berth. v. Chiemsee 229. eine arbeit, mühsal überkommen, überwinden: ein ding mit grosser arbeit überkommen und überwinden Frisius dict. 485a s. v. evado; ich bin yetz der gefaar entrunnen, ich habs überkommen, defunctus iam sum 379b. mhd. allgemein: wir suln sî (die swære) mit im (mit Iweins hilfe) überkomen Iwein 4772; ouch hât diu vrouwe und ir lant von sîner gehülfigen hant alle ir nôt überkomen Gregorius 2177; man sol mit im (gott) alle nôt harte wol überkomen Thomasin welscher gast 10565; darumbe ratet mir, wie ich sül die arbait überkomen die ich han von in genomen Wilhelm v. Orlens 12323. nhd.: du solt fliehen, und dich entziehen der bösen begirden, dadurch magstu den lust uberkummen Keisersberg sünden des munds 12a; als er (der patron des schiffs) kein hoffnung hat, dise sturmwind zuo uberkommen Boner Plutarchus teutsch (1534) 40b; ich hab ja gesagt, du wirst den weiten weg nicht überkommen mögen Rosegger schr. 6, 61; der alte mann hatte ... eine prise genommen, um die rührung ... schneller zu überkommen Spielhagen 1, 217. zeitlich gewendet für überdauern: nieman kan sînen tac oberkumen noch gelengen Heinr. v. Hesler apokalypse 3865; wand uberkämest drysig jor und sächs, ich dir anzeigung gab, so wurd dir got von oben ab grosz glück und heyl uff erden geben Gengenbach 89 Gödeke; und kein zu frühe frucht kan, wan man schon mit müh sie lang behaltten wolt, den winter überkommen Weckherlin ged. 1, 438. I@A@33) aus 1) und 2) entwickelt sich die bedeutung 'in die gewalt bekommen', dann überhaupt: erlangen, erwerben, erhalten, empfangen; seit dem 14. jahrh. allgemein, vgl. Lexer a. a. o., in den wbb. vom 16. jahrh. ab stets verzeichnet, z. b. Diefenbach gloss. 10b; 13a; 136c; 144a; 374c; 390c s. vv. aquirere, adipisci, comparare, consequi, nancisci, obtinere; Alberus (1540) Hhja; accipere Frisius dict. 16b; erlangen, bekommen Calepinus (1598) 24b; 32b; 713a; 900a; 931a; 1025b; Megiserus thes. (1613) 30b; bekommen, kriegen Emmelius Tij; Gueintz deutsche rechtschr. (1666) 92; Kramer (1678) 1070a; Rädlein (1711) 904a; Frisch dict. (1719) 568; Steinbach 1, 906; Ludwig teutsch-engl. wb. (1765) 1791; nach Adelung 4, 759 eine bedeutung, welche im hochd. zu veralten anfängt (s. aber u. c). I@A@3@aa) der alten bedeutung 1) stehen fügungen am nächsten, in denen überkommen soviel bedeutet wie in die gewalt bekommen, erwerben, potiri, usurpare, vgl. Diefenbach gloss. 450b; 631b; nov. gloss. 299b; Garthius 586b. noch Heynatz antibarb. a. a. o. fühlte vor allem diese bedeutung in ü. und vermochte daher der freien verwendung von überkommen bei Luther (s. u. b) nicht zu folgen. schandtlich überkon, schandtlich verthon, male parta, male dilabuntur Frisius 947b; wenn ichs verspiel, was leyt daran? leicht uberkommen, leicht verthan Jost Amman kartenspielb. (1588) 33; da er nun mit seiner betriegerei vil geltz überkam städtechron. 23, 43; was du mit gut uberkumen magst, des erlass dich kriegs 3, 289; alle ... wöllend lieber rychtuom überkomen mit übeltuon Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) e 4b; was der mensch nit mit krefften überkomen mag, das tuo er listig mit syner vernunfft Steinhöwel Äsop 358; die da mit unrecht und boszhait überkommen haben zeitlich guot Keisersberg schiff d. penitentz 13a; sie (die Germanen) achtens gar für unehrlich mitt schweisz ... zuo überkommen, das man mit bluot und kriegen erobern mög S. Franck chron. Germ. (1538) 7a; lieb überkompt man mit lieb sprüchwörter (1545) 1, 9a; wiewol er sonst nichts gehabt weder was er täglich mit saurer arbeit überkommen Montanus schwankb. 12, 6; sie ... uberkamen grosse beute Schütz hist. rer. Prussic. 1 E 4b; der wolf auch sich nicht scheuet einen smalen balken anzugehen, nur damit er die hüner überkomme Reinicke Fuchs (1650) 126; da hub der sohn an und liesz sein erz schmelzen, überkam grosz gut damit und baute Zähringen Grimm deutsche sagen 2, 135. passiv: und ob dein brot gleych wirt mit not und kommer überkommen deutsches kirchenlied 3, 50 Wackernagel. I@A@3@bb) der begriff des gewaltsamen oder mühsamen erwerbens liegt nicht immer in überkommen. es ist seit dem 15. jahrh. synonym dem 'gewinnen, empfangen, erhalten'; daher auch: kinder überkommen Maaler 444c; hoffnung überkommen, in spem venire Calepinus (1598) 694b; grün laub ü., frondescere 590a u. ä. I@A@3@b@aα) überkommen wird dem haben gegenübergestellt: ich weisz wol was ich habe, aber nicht was ich überkomme schöne weise klugreden (1548) 29b; ich will auch zuo dem allem dich und dein weib dermassen versehen, das ihr ewer narung mit besserer rhuo überkommen und haben solt dann biszher Wickram 2, 270. I@A@3@b@bβ) kinder, freunde, anhänger ü. u. ä.: Agrippa Sylvius ... der überkam eynen son Romulus Sylvius genant Carbach Livius 2b; und wenn ainer ain schönen buolen überkam, so wolt der ander noch ain hübschere haben Fortunatus (1509) 17 neudr.; M. Luther überkam von tag zu tag mer anhenger Weissenhorner historie (1533) 57 in Baumann quellen z. bauernkr.; Democritus pflegt zu sagen, das wer einen redlichen tochterman überkomme, der het einen son gefunden Fischart phil. ehzuchtbüchlin 198 Hauffen; do fieng ich an ... schuol halten, ... uberkam by drissig schuoler Thomas Platter selbstbiographie 62; die reichen ... können bald einen freund überkommen, aber auch denselben bald wider verlieren Butschky kanzlei 415; vor allen dingen soll sich ein hausvatter befleiszigen ..., dasz er ... fleiszig gesind überkomme und so er es hat, erhalte Hohberg georgica cur. aucta (1715) 3, 83a; archaisierend: meine gebete zum himmel sind nur der wunsch, dasz ich sie (Magelone) zum ehelichen gemal überkommen möchte Tieck schr. 4, 314; wörtlich nach Pauli schimpf u. ernst 16: Grete back' küchlein; ich habe einen gast überkommen Aurbacher ein volksbüchlein (1835) 112. I@A@3@b@gγ) mit sachobj.: wo ich nachts uberkom ein stro, bin ich mit weib und kinden fro Hans Sachs 9, 20 Keller; der die warheyt sagt, kan kein herberg überkommen S. Franck sprüchwörter (1541) 2, 170a; er hatte ein stock in die handt überkomen ... und schlug vil städtechron. 27, 153; und leid der convent grossen hunger ..., dass si vil kilchenkleinot musstend vertun, die narung ze überkommen Tschudi chron. Helvet. 1, 30; bei der Albrecht Dürerischen sammlung will ich so viele blätter als mir stücke fehlen frei lassen und die nummern drauf schreiben, dasz du sie, wenn du sie künftighin überkommst, nur einkleben darfst Göthe an Lavater 67. I@A@3@b@dδ) mit abstractem obj.: ein grausen und hefftig abscheuhen uberkommen Calepinus a. a. o. 6a s. v. abhorresco; (Tobias,) der da sein gesicht widerumb überkam do man im vischgall auf die augen legt Keisersberg schiff d. penitenz 34d; uff das nit der lyb überkum die ewige verdamnusz bilgersch. (1512) B 3d; wer gots ordnung widderstrebt, der wird das verdamnis uberkomen Luther 18, 303 Weim.; bleybstu drüber tod, wol dyr, seliglichern tod kanstu nymer mehr uberkomen 18, 361 Weim.; hilff gott, das wyr eyn mal rechten glawben ubirkummen 8, 234 Weim.; der poet Antipater ... uberkam alle jar daʒ feber an seinem geburtstage Heyden Plinius (1565) 69; und als sy beyde lang mit einander hetten geredt, do uberkame die schön Magelonna grossen willen zuo schlaffen Warbeck Magelone 39 Bolte; keyser Nero, welcher einen lust uberkam zu geberen wie ein weib Albertinus zeitkürtzer (1603) 51b; die warheit wird dich frey machen ..., damit du das ewige leben uberkommest Arnd Thomas a Kempis übers. (1631) 149; als mein rittmeister in einer rencontre blieb, überkam ich dessen stelle mediz. maulaffe (1719) 63; welcher gesund bleiben und ein hohes alter oder langes leben überkommen will allgem. haushaltungslex. 2, 193b; (der neue direktor) glaubte ... mit seiner würde auch alle nöthige einsicht überkommen zu haben Göthe I 21, 250 Weim.; der körper, der eine lebendige kraft überkommt Kant 8, 164; der lehrer Albin Tegner hatte ... die dritte classe überkommen Rosegger schr. 3, 199. ungewöhnlich ist in dieser fügung die perfectumschreibung mit sein: vil begerent der tugent nachzukummen, aber wenig seint sie überkommen quelle bei Schmidt elsäss. wb. (1901) 366a. I@A@3@cc) von jem. etwas überkommen, erben, u. ä.; der neueren schriftsprache noch durchaus geläufig, während die verwendungen a) und b) heute veraltet sind: zu dem reichen vermächtnisz von wahrheit, sittlichkeit und freyheit, das wir von der vorwelt überkamen und reich vermehrt an die folgewelt wieder abgeben müssen Schiller 9, 99; die ganze christliche welt hatte von den letzten heidnischen sophisten lust und leidenschaft überkommen, mit worten statt handlungen zu gebahren Göthe I 41, 2, 316 Weim.; wie ihr euer gewerb von euern eltern überkommen habt, so laszt ihr auch das regiment über euch schalten und walten, wie es kann und mag I 8, 206 Weim.; epische, lyrische und dramatische poesie haben die Römer von den Griechen überkommen Hegel 10, 2, 116. I@A@3@dd) part. prät. überkommen, erhalten, empfangen, erworben, ererbt: uberkomne freundtschafften, partae amicitiae Frisius dict. 83b; dein uberkumne kunst macht dir ein gute augenmasz Dürer menschl. proport. (1528) Tiiijb; das römische reich in denen überkommenen schrancken zu erhalten Lohenstein Arminius 1, 6b; die (durch einen stosz) überkommenen geschwindigkeiten Kant 8, 199; die religion selbst ist eben darum so tief herabgesunken, weil sie bei den meisten menschen als ein blos überkommenes erbstück im gedächtnisz haftet G. Forster sämtl. schr. 3, 330; die mit der ... scholle überkommene bestellungsweise Mommsen m. gesch. 1, 175; gewissen, religion und alle überkommenen begriffe Schopenhauer werke 1, 512 Grisebach; das von den alten überkommene erbtheil Justi Winckelmann 1, 270; doch doppelt ist der gott, der glaube doppelt auch hier selbstentglommner trieb, dort überkommner brauch Rückert werke 8, 54; die herkömmliche art und weise volksscenen einzurichten, ist eine überkommene Freytag 14, 212. substantivisch: werke ..., deren verfasser auch wiederum das überkommene selbständig ... fortzubilden sich bemühten Ritter erdkunde 2, 21; von dem überkommenen aus neues zu schaffen Jahn Mozart 4, 714; maximen und theorien, die er (Karl I.) von seinem vater aufgenommen hatte, und als etwas überkommenes betrachtete Ranke werke2 15, 276. I@A@44) aus 1) erwachsen: nacht, wetter, eine gemütsbewegung u. s. w. überkommt, befällt jemanden. die nacht überkam uns (vulgata: nox supervenit) apostelgesch. 27, 27 erste deutsche bibel ist wohl hier, sowie apostelgesch. 4, 1; 11, 27; 14, 19; 21, 20; 23, 27, ferner Johannes 6, 23; Luc. 2, 38; 11, 22; 21, 35; ps. 89, 10; Levit. 26, 10; exod. 2, 17 u. s. w., wie schon ahd. (Tatian 146), unfreie übersetzung des supervenire der vulgata. Luther setzt hier überall das simplex kommen. vom 16. jahrh. ab aber und insbesondere in der sprache der gegenwart wird überkommen in dieser verwendung allgemein: indem überkam der schlaff disen man buch d. beispiele 3; schwere reu ihn überkam Arnim werke 13, 177; eine starke freude hatte sie überkommen bei seinem anblicke Laube ges. schr. 15, 250; zaghaftigkeit und bangen überkamen ihn Auerbach schr. 17, 163; ein gefühl des neides überkam mich Hebbel tagebücher 2, 148; im selben moment ... überkam ihn ein lachen Fontane ges. werke I 4, 319; mich überkam ein verlangen Storm 5, 90; ein glühender wunsch ..., der stadt zu entfliehen, überkam mich Holtei vierzig jahre 1, 407. unpersönlich: es überkam oder überfiel mich plötzlich Ludwig teutschengl. wb. (1765) 1791; als er den offenstehenden flügel sah, überkam es ihn plötzlich. wie trunken griff er in die tasten Storm werke (1899) 1, 168; es überkommt mich heisz, kalt Staub-Tobler 3, 271. I@A@55) über jem. oder etwas hinaus kommen, jem. überholen: der hund überkommt den hasen Staub-Tobler 3, 272; der valke überkam den arn quelle bei Schmeller 1, 1248. bildlich: übertreffen, es einem zuvorthun Stör (1650) 498b; Rädlein (1711) 904a. mhd.: iegelîch geslähte dûhte sich sô mähtech daʒ sie niemen solte uberkomen kaiserchron. 13659; unde aller singer kunst, wiltu die eine überkomen, so wirt der wîsen gunst dir in vil kurzer frist benommen Herman der Damen bei Hagen minnes. 3, 168a; einen an êren überkommen, s. Lexer a. a. o.; ohne ergänzung: zwene heilige bruder baten unsern herren got, das er sie lieʒe wiʒʒen, zu welcher maʒe (von heiligkeit) sie kumen weren. do sprach ein stime: Eucharistius ein werltlich man und sin wip ... sint uberkumen veterbuch 9, 2 Palm. mit dat.: zuvorkommen, entkommen (15. jahrh.): du solt allen gevengnissen überkummen und enbunden sin Tauler pred. 39 Vetter. I@BB. intransitiv. I@B@11) herüber-, hinüberkommen, dann hinkommen, ankommen. mhd. belege in mhd. wb. 1, 905b; auch die neuere sprache kennt und gebraucht ü. in dieser bedeutung als untrennbare verbindung noch neben überwiegender verwendung trennbarer composition (vgl. Heynatz antibarb. a. a. o.: ich hoffe in der nächsten woche zu überkommen), besonders im part. prät.: die waare ist glücklich überkommen oder angelanget Ludwig teutschengl. wb. (1765) 1791. nicht in allen belegen läszt sich entscheiden, ob trennbare oder untrennbare verbindung vorliegt (vgl. u. II A 1). mhd.: die Unger bat er (Rudolf) flîziclîchen, swen si die botschaft vernæmen, daʒ si zehant überkæmen (über die Donau) Ottokar chron. 15354. nhd.: inmittelst h. Johan Oxenstirn ... nacher Pommern überkommen und den vier und zwantzigsten zu Stralsund angelanget war Chemnitz schwed. krieg 4, 1, 72; mich deücht auch, dasz das meine (mein schreiben) gar geschwindt überkommen ist E. Ch. v. Orleans 2, 39; ich hoffe die 20 man werden wohl überkommen sein Friedrich Wilhelm I. an Leopold von Anhalt-Dessau (4. VII. 1719) 153 Krauske; er (hauptm. Diebitsch) war so gütig, für herrn Voss etwas mitzunehmen; von welchem ich sehr begierig bin zu hören, ob es gut überkommen Lessing 17, 213; das versprochene blat des hamburgischen Correspondenten überkomt anbey Gleim an Uz briefwechsel 219; lassen sie mich ja wissen, ob alles wohl überkommen ist und nichts gelitten hat Zelter an Göthe 1, 161. hierher wohl auch: das gut (die waare) also einzupacken, damit es unbeschädigt überkommen möge Menantes allerneuest. artf. u. gal. zu schreiben (1718) 564; die unsern segelten nach Syrien zu, da sie in etlichen stunden glücklich überkamen Bucholtz Herkuliskus (1665) 61; worauf der graf denen ruderknechten befahl, fleissig daran zu sein, dasz sie bald nacher Sicilien überkämen Melissus graf Rifano (1722) 5; (ich) war bis Dover gekommen ... ehe mir die idee davon in den kopf kam, ... dasz ich ohne geleitsbrief nicht überkommen könnte Bode Yoricks empfinds. reise (1788) 2, 12. in bildlicher verwendung: sanct Hieronymus geschrieben hat, die buose sey die andere taffel, damit wir müssen ausschwymen und uberkomen, nach dem das schiff gebrochen ist, darein wir tretten und uberfaren, wenn wir yn die christenheit komen Luther 30, 1, 221 Weim. (oder liegt hier trennbare verbindung vor?) I@B@22) jemandem über den hals kommen, dann weiter mit abstr. subj.: zustoszen, zukommen, zu theil werden, mit dat. der person: da mir war ellend uberkommen, schreit ich zuo dir mein gott und herr kathol. kirchenl. 3, 163 Kehrein; ob mir gleich ein plötzlich unglück überkam Brockes 3, 687; der regen rauscht und morgen steht die welt im vollen frühling, wie ein mädchen, dem die erste liebe plötzlich überkam Uhland Ludwig der Bayer 111; bin auch willig ... alles zu leiden, was mir durch zulassung deiner gütigkeit überkommen mag Schupp schr. (1663) 458; wie nun, wenn mir dieser oder jener zufall überkäme? Bode Mich. Montaignes ged. u. mein. 2, 250; in seinen liebkosungen, in seinen thränen überkam ihr wieder besinung und erinnerung Arnim 8, 151; da den Griechen alles grosze was sie verarbeiteten von in kasten getheilten nationen überkam W. Humboldt ges. werke 1, 20; die Czartoryiski, die Sangusko und Wisniowiecki waren die einzigen als fürsten anerkannten häuser, welche bei der vereinigung Litthauens mit Polen dieser republik ... überkamen Moltke ges. schr. u. denkwürdigkeiten 2, 76. I@B@33) jem. zuvorkommen, entkommen, s. o. I A 5. I@B@44) übereinkommen, convenire. Lexer a. a. o.; voc. theut. (1482) hh 6a; pacisci Calepinus undecim ling. dict. (1598) 1010b; sich vergleichen Hulsius (1605) 143b. I@B@4@aa) do überkam men in dem rote, welre in ersteche oder in gevangen brechte, dem wolte men geben 15 gulden quelle bei Haltaus 1818; man ist uff dem gemeinen rade ubirkommen, wo ein man adir ein frawe in einer zunfft ist, der ensal der zunfft nicht dynen Frankfurter zunfturk. 1, 1; nun hæt der graf von Flandern diu bœsen mære vernomen, der Karlot wære überkomen, daʒ er wolt ubel tuon den kinden Ottokar steir. chron. 3480. meist mit jemand ü., pacisci cum aliquo Schöpper synon. (1550) g 6a; mit eim handlen und überkommen Frisius dict. 367b; Megiserus thes. 2, 189c; Dentzler clavis ling. lat. (1716) 295b; von Adelung unrichtig als trennbare verbindung behandelt; ich ... bekennen, daʒ ich ubirkumen bin mit Ludewige Ubilackere mime nebin, also daʒ ich dem selbin ... hon gegebin alliʒ daʒ gud (a. 1351) hess. urkundenb. I 2, 577 Wyss-Reimer; bin ... mit meinen rhäten überkummen, das ich euch wilforen soll Wickram 1, 51; am pfingstabent uberkamen die reinischen und swebischen stet zu Heidelberg mit den herrn und wart der krieg verricht städtechron. 3, 294; darnach ... waren der kötzer 14, die überkomen mit dem bischoff und gaben im 70 guldin chron. d. Burkard Zink in städtechron. 5, 46; die weisen, die sich selber weisz geduncken, mit denselben kan nyeman überkomen, sy maynen allwegen, ir syn sy der aller best Keisersberg has im pfeffer (1510) Cc 4b; die lyberey der heidnischen bücher hat er zu kauffen geben eim guotten fründt, und ist mit im uberkummen, er solt im teglich 4 heller geben Caspar Hedio chron. Germ. (1530) H 6b; da ergaben sie sich dem keyser und überkamen mit im S. Franck chron. Germ. (1538) 193; und ... überkam ich mit dem portugesischen oberkauffmann auf dem schiff, dasz er alles mein gelt annehmen, ... mir aber solches in Portugal wieder zustellen ... solte Grimmelshausen Simpl. 2, 946 Kögel. mit gen.: so han wir altesamen des overkomen mit eyme gemeyne rade, dat wir dat doen willen quelle (a. 1352) bei Haltaus 1818; mit den eyns bundes zu ubirkommen quelle (14. jahrh.) bei Diefenbach-Wülcker 881; (sie) überkamen eines gemeinen landfridens quelle im anzeiger des germ. mus. (1860) 408. mit acc. eines neutr. pron.: es haben mein rett das uberkomen und erkannt, das unser kinder zu wenig haben an der herschaft Eyb Grisardis zs. f. d. altert. 29, 416; rente und gevelle, als wir daʒ zu disem male uberkomen sin quelle bei Diefenbach-Wülcker 881. reflexiv: ich mag meinen feint nit lieben ... ich mag mich nit mit im uberkumen Keisersberg baum d. seligkeit 9b. I@B@4@bb) übereinstimmen, gleicher meinung sein: darin overcomen alle historienschriver, dat ... städtechron. 13, 336; wie wol sie (die ärzte) darin all einhelig uberkumen, das ... Murner bei Hutten opera 5, 403 Böcking. IIII. in trennbarer verbindung. II@AA. intransitiv. II@A@11) hinüber-, herüberkommen. mhd. übere komen mhd. wb. 3, 169, z. b.: so wir komen übere in daʒ Guntheres lant Nib. 488, 4. in der neueren sprache neben untrennbarer verb. in gleicher bedeutung (s. o. I B 1), vgl. Kramer hochniederd. wb. (1719) 219a; Steinbach 1, 906; Adelung 4, 759; vgl. auch Stürenburg (1857) 163b; der feind ... fassete posto an der Leybus ... welches ein sehr vortheilhaffter pas, da so leichtlich ... in gegenwart einer armée, nicht überzukommen Chemnitz schwed. krieg 2, 41; Essex ... kömmt ... nach England über Lessing 10, 9; am gestad des bächleins lief es (das wiesel) hin und wieder und konnte nicht überkommen Grimm deutsche sagen 2, 82. sprichw.: de bi de haar aver de thun (zaun) kummt, kummt der ook aver Kern u. Willms Ostfriesl. (1869) 50. der bedeutung ankommen sich nähernd: ausz meinen ... briefen werden e. l. wol vermerken das ich ... glücklich bin übergekommen (a. 1654) archiv f. kulturgesch. 7, 167; für die gläser, die gantz wohlbehalten übergekommen sind, dancke ich Lichtenberg briefe 2, 115. metaphorisch: eine lange gewohnheit, durch die der mensch vom hang zum laster ... in einen entgegengesetzten hang übergekommen ist Kant 6, 209. trennbare verbindungen (doch vgl. o. I B 1) sind vielleicht auch folgende belege: (sie) logen 6 tage am habe (haff), e sie obir qwomen Marienb. treszlerb. 326, 15; eine furt ..., da er kundte uberkommen Schütz hist. rer. Prussic. (1592) 2 M 4e; er solte eine brucken über diesen flusz machen lassen, ... damit grosze herrn in gutschen und sänften nach ihrer bequemlichkeit überkommen könten Harsdörffer gesprechsp. 3, 10; wo der zaun am niedrigsten ist, können schelmen und diebe leicht überkommen alamod. techn. interim (1675) 347. II@A@22) vorüber-, vorbeikommen, örtlich und zeitlich: da schmucket ich mich inn ein klufft, zu warten in des staines grufft, bisz das schwer wetter uberkhem Hans Sachs 5, 310 Keller. II@A@33) mit dat.: zustoszen: hüm kummt alles över Stürenberg (1857) 163b. sonst in dieser bedeutung meist untrennbare verbindung (s. o.). II@BB. transitiv für überwinden, überstehen, landschaftlich (vgl. Staub-Tobler 3, 271; Schmidt-Petersen 10a), wie auch für bekommen, erhalten (Hunziker 270; Martin-Lienhart 1, 441) neben untrennbarer verbindung: wenn man ins feuer brunzt, so kommt man blattern über Kirchhofer schweiz. sprüchw. 306.
28009 Zeichen · 621 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überkommen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Überkommen , verb. irregul. 1. Überkommen, als ein Neutrum mit seyn. Ich komme über, übergekommen, über zu kommen. (1) Ü…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    überkommen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    überkommen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    überkommenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    über-kommen st. : 1. 'auf einen kommen, bekommen', -kumme, -komme, s. kommen [mancherorts]. Das Haus hun ich vun meim Va…

  4. Sprichwörter
    Ueberkommen

    Wander (Sprichwörter)

    Ueberkommen 1. Was vberkommen ist im rhat, dass folgt drumb nicht in der That. (S. Thaten 2.) – Lehmann, 598, 74. 2. Tha…

  5. Spezial
    überkommen

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    über`kommen (kein Bezug zu "приходить") охватывать / охватить, обуять разг. , обуревать книж. , одолевать / одолеть Angs…

Verweisungsnetz

25 Knoten, 25 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Kompositum 15 Sackgasse 5

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ueberkommen

2 Bildungen · 1 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von ueberkommen 2 Komponenten

ueber+kommen

ueberkommen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ueberkommen‑ als Erstglied (1 von 1)

überkommenheit

DWB

ueberkommen·heit

überkommenheit , f. , vermächtnis, ererbter brauch: die leichenschmäuse ... sind heidnische überkommenheit Ratzel völkerkunde 3, 116 .

ueberkommen als Zweitglied (1 von 1)

herüberkommen

RDWB1

herueber·kommen

herüberkommen übertr. es kam anders (her)über - я понял это иначе, присутствующие поняли это иначе

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „ueberkommen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ueberkommen/dwb?formid=U01034
MLA
Cotta, Marcel. „ueberkommen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ueberkommen/dwb?formid=U01034. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ueberkommen". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ueberkommen/dwb?formid=U01034.
BibTeX
@misc{lautwandel_ueberkommen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„ueberkommen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/ueberkommen/dwb?formid=U01034},
  urldate      = {2026-05-10},
}