tücke,
f. ,
nicht vor dem späten 13.
jh. bezeugt, zufrühest bei ostmd. autoren auftretend; mundartlich gegenüber tuck,
m., nur spärlich aufzuweisen und vielleicht nur aus der schriftsprache entlehnt, zumal auch ostmd. dialekte tuck
besitzen (
s. o. sp. 1516): tikΧ,
f., '
heimtücke' Brun
Obersaxen 42; tük,
f., Hunziker
Aargau 63; tücke,
f., Müller-Fraureuth 1, 259;
ob das f. sich nach der üblichen ansicht (
vgl. Schmeller-Fr. 1, 489, Walde-P.
etym. wb. 2, 616)
aus dem plural des m. entwickelt hat oder ob doch eine selbständige alte parallelbildung zu tuck
vorliegt, läszt sich nicht entscheiden. tuck, tücke
plur. und tücke
f. überschneiden sich in der weise, dasz neben der neutralen bei allen dreien die durch charakterisierende adjektiva zum schlechten näher bestimmte bedeutung vorliegt und alle drei früh auch ohne beifügung charakterisierender adj. die bedeutung '
arglist, bosheit des charakters'
gewinnen; doch wird zumindest für das nhd. wie schon bei Luther
eine gewisse scheidung deutlich, indem nämlich tuck
und sein plur. mehr den einzelnen akt des arglistigen wollens und dessen ergebnis bezeichnet, tücke,
f., mehr auf den dauernden gesamthabitus des charakters geht; doch verliert in jüngerer zeit diese unterscheidung durch das verschwinden von tuck
aus dem schriftdeutschen ihren wert. für ältere sprache besteht die schwierigkeit, dasz neben den beispielen, bei denen durch das grammatische verhältnis die zugehörigkeit zum plur. tücke
oder zum f. tücke
bzw. zum m. sing. der tück
oder zum f. sing. die tück
gesichert ist, die grosze zahl der beispiele steht, bei denen grammatisch die entscheidung nicht gesichert werden kann. da das nebeneinander der beiden formenpaare sich bis weit in nhd. sprache hinein erstreckt, kann auch aus chronologischen gründen keine entscheidung gegeben werden. die auswahl der belege beschränkt sich im folgenden nach möglichkeit auf eindeutige fälle. 11)
zufrühest ohne pejorativen sinngehalt. 1@aa)
ohne beziehung auf ein handelndes subjekt, '
art und weise': sînes wesens brücke (
des glückes art) ist, swem zer werlde liep geschicht ie mit manger tücke Heinrich v. Meiszen 118, 4
E.; dri vrunde Job gemeinlich sagn daz nymande by disen tagn von keinerhande tucke gevalle in ungelucke ny wen durch sine missetat
paraphr. d. buches Hiob 383
K.; so berichte mich in dirre vrist nach kunstlicher tucke (
in wissenschaftlicher art)
passional 646, 54
Hahn. 1@bb)
als bezeichnung der '
hanalungsweise, gewohnheit, sinnesart'
eines menschen (
vgl.tuck 7): sin ougen er ouch ummewarf an geistlicher tucke
passional 192, 41
K.; er (
Pilatus) vorhte ir alde tucke daz sie her nach in teten als si da vor ouch heten vil ir herren getan
passional 84, 78
Hahn. mit positiv wertendem adj.: diz was ein edel tucke an eime herren also grôz
passional 71, 6
K.; nu horet al besundere ein menliche tucke
ebda 345, 34; die kunege hânt an ime (
Heinrich II.) gehabet maneger reinen tucke zil Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kun. 729.
mit negativ bewertendem adj.: das ist nit unde haz, wer sich leidit umme daz in unartiger tucke daz ein ander hat gelucke
md. schachbuch 276, 23; der bose man hin zu im steic nach siner valschen tucke unde warb in uberrucke
passional 262, 93
Hahn; der herzoge von Masaw ... warf in argir tucke vorevelîch zurucke Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 20228
Strehlke. ohne bestimmte inhaltsvorstellung in Luther
übersetzung von prov. Sal. 24, 9
im sinne von '
denken, überlegung': des narren tücke ist sünde, und der spötter ist ein grewel für den leuten,
wo eine eigenwillige umsetzung des pl. m. tücke '
anschläge' (
vgl. sp. 1522)
in den sing. vorliegen wird. 22)
in der sprache des 16.
jhs. ist die pejorative bedeutung '
arglist, bosheit'
als charaktereigenschaft einer person deutlich erkennbar, nur der immer noch häufige, aber für das sprachbewusztsein nicht mehr notwendige gebrauch eines charakterisierenden adj. erinnert an die ursprüngliche neutrale bedeutung. 2@aa)
seit dem 17.
jh. schwindet das determinierende adj. aus dem sprachgebrauch; wenn jetzt ein adj. erscheint, so hat es eine den begriff verstärkende oder erläuternde bedeutung, vgl. z. b. schon: auch weys
ich nicht was mir am wehesten thut, dyse deyne heymliche tucke oder die that an sych selbest U. v. Hutten
op. 2, 181, 36
B.; Eliphas ... will, dasz aus gottes gerechtem gerichte Jobs bossheit und verborgne tücke bestrafft werden Harsdörfer
teutsche secret. (1659) 2, 73; schadenfrohe tücke J. A. Cramer
s. ged. 2, 206; doch weszhalb zeihest du den Hermann schnöder tücke? Ayrenhoff
w. (1814) 1, 156; mit furchtbarer tücke ging der bischof zu werke, jede unternehmung war berechnet H. v. Chézy
erz. u. nov. (1822) 1, 122; nun aber löscht des trachtens böse tücke nicht einen zug des reizes, der dich schmückt Grillparzer
w. 1, 215
S.; der angestellte, der ... aus narrheit oder böser tücke den strom über Apamea habe hereinbrechen lassen, sei ... ein Christ Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 193;
auch: persische verschwommenheit, griechische weichlichkeit, syrische tücke
ebda 151. 2@bb)
in seiner hauptbedeutung '
hinterhältige sinnesart, heimliche arglist'
wird tücke
in der regel ohne charakterisierendes adj. gebraucht; für das 16.
jh. sind eindeutige belege dieser art selten; Luther
setzt gern verdeutlichend einen negativen begriff wie list, schalkheit
usw. hinzu: (
der teufel) ... aller seyner tück und list gebraucht 8, 531, 22
W.; denn es ist eine untugend ynn uns menschen, die heyst fraus, das ist list odder tucke 19, 633; die welt wyl mit schalkeyt, gewalt, tucke regiret werden 34, 1, 238; des teufels schalckheit und tücke 51, 159.
wahrscheinlich hierher: der wolff mag wol greysen, er leszt aber seiner dücke nicht Tappius
adag. cent. sept. (1545) D 4
a; weiland war die hand unsrer treue band; jetzt legt ihre stricke durch die hand die tücke Logau
sinnged. 353
Eitner; das schicksal liebt mich noch, denn eben jetzt, da es des heuchlers tücke mir entlarvt, hat es ein treues herz mir zugesendet Schiller 12, 290
G.; stirn und nase dieses sitzenden sind edel, aber in dem auge liegt tücke und kleinmuth Lavater
physiogn. fragm. 1 (1775) 119; bald eherne strenge, bald die gröszte nachsicht, bald vorurtheil und tücke, bald unzulängliche gemeinheit Göthe IV 21, 142
W.; wie manche ... fabel haben wir darüber ..., dasz falschheit, tücke und arglist überall niederträchtig (
sei) Herder 15, 560
S.; auf der einen seite so viel tücke, und auf der andern wieder so viel possierliche albernheit Lichtenberg
verm. schr. (1800) 3, 194; ein mensch, ... der dennoch durch seine gefürchtete kühnheit und noch mehr gefürchtete tücke ein gewisses übergewicht im dorfe erlangt hatte A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 292. 2@cc)
als eigenschaft des herzens, der seele oder in ihnen ruhend gedacht (
vgl.tücke [
pl.] des herzens
sp. 1521): so wie ... ein rothkelchen ... seines herzens tücke unter der einfältigen gestalt zweyer weitgeöffneter augen verbirgt J. J. Schwabe
belust. (1741) 1, 441; habt ihr jemahl eine böse falsche tücke des herzens an ihr bemerkt? Lavater
verm. schr. (1774) 2, 421; du trägst die tiefe tücke im herzen! Göthe I 11, 183
W.; was haben wir euch denn gethan, dasz ir solche tücke gegen uns im herzen hegt?
M. Miller
briefwechsel (1778) 2, 236; (
es gibt) eine gewisse tücke des menschlichen herzens, sich wegen seiner eignen guten oder bösen gesinnung selbst zu betrügen Kant
s. w. (1838) 6, 199
H. 2@dd)
in bestimmten formelhaften wendungen: ohne tücke: weil ihr ... unter einander so treuherzig und ohne tücke lebt J. D. Heilmann
peloponnes. kr. (1760) 352;
voller tücke: wer gerne tadler höret, lügnern auch nicht wehret, der ist voller tücke Schottel
haubtspr. (1663) 875; Max und Moritz, gar nicht träge, sägen heimlich mit der säge, ritzeratze! voller tücke, in die brücke eine lücke W. Busch
Max u. Moritz 17. 33)
in jüngerer sprache erscheinen schwächere bedeutungsabarten, die z. t. daraus entstanden sein können, dasz tuck
nicht mehr als schriftsprachlich empfunden wurde und teilweise verschiedene seiner sinngehalte an tücke
abtrat. 3@aa)
einzelne willensregungen und psychische zustände, die aus einer bestimmten situation entspringen, ohne jedoch ausdruck einer charakterlichen grundhaltung zu sein; '
geheime absicht zu schädigen oder zu verletzen'
; vgl. ich will dir deine tücken (=
geheimen absichten) schon aufthun Müller-Fraur. 1, 259; daher werde ich ... etwas von dieser materie ohne critische tücke an euch schreiben Gottsched
vern. tadlerinnen (1725) 2, 278;
formelhaft: aus tücke '
aus böswilliger absicht heraus': glauben sie nicht, theurer freund, dasz ich aus tücke so lange schwieg K. Fr. Solger
nachgel. schr. u. briefw. (1826) 1, 306; sehr einzeln sind die wahren kenner, ... die das amt eines kunstrichters ... nicht aus tücke, um andern eine unangenehme stunde zu machen, ... unternehmen Gerstenberg
recensionen 183, 28
lit.-denkm. noch leichter '
kleine bosheit, schelmerei': diese kleine tücke sieht ihrem herzen gar nicht ähnlich Gottschedin
br. (1771) 3, 5; ich müszte mich sehr irren, sagte Eduard lächelnd, oder es steckt eine kleine tücke hinter deinen reden Göthe I 20, 54
W.; ich trieb aus einer kleinen tücke den gehorsam so weit 24, 141; setzen sie dabei keine tücke und keine empfindlichkeit voraus Pückler
briefw. u. tageb. 1 (1873) 138; sieh einmal an, mein lieber Joannes, erwiderte mit liebenswürdiger tücke Knops, ihr seid also keine gegner des eigentums Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 206. '
zorn, groll': jetzt aber dringt Rinald voll heiszer tücke ... auf jenen ein Gries
Ariosts ras. Roland (1804) 1, 36; des sturmes tücke das meer jetzt räumt Arnim
s. w. 6 (1840) 35;
wie tuck 6 a: die geheime tücke, die er auf Siegwart hatte, liesz sich doch nicht ganz verbergen Miller
Siegwart (1777) 3, 614; ich weisz, er hat eine grosze tücke auf sie (
die Spanier) W. Raabe
s. w. I 3, 248. 3@bb)
versteckte, nicht dem ersten blick erkennbare unart oder eigenart des charakters: nehmt euch in acht; das masz ist beinah voll, und wo ihr nicht eure hartnäckige tücke und euer infames interesse conteniert, so kommt ihr zeitlebens in die festung
qu. a. d. j. 1767; Diderot wirft auch hier nach seiner bekannten sophistischen tücke die verschiedenen teile seiner kurzen abhandlung durcheinander Göthe I 36, 248
W.; seine ironische tücke ... hat unser freund aber doch nicht lassen können E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 142
Gr.; Shakespeare hat freilich die tücke, leere locos communes, moralen und classificationen ... am liebsten kindern und narren in den mund zu legen Herder 5, 230
S.; wie tücke,
pl., als '
fehler', '
laune',
namentlich von nicht sogleich sichtbaren eigenschaften dieser art: denn auch die ungerechtigkeiten und tücken des groszen königs ... minderten an dem bilde seiner gewaltigkeit nichts Immermann
w. 18, 44
Boxb.; hat man denn, so lieb man scheint, auch geheime tücken? Mörike
w. 1, 234
M.; was nun die base Schlotterbeck anbetrifft, so hat sie immerdar ihre tücken, schrullen und spitzfindigkeiten W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 2, 189; (
die novizin sei) ein sehr leichtfertiges ding ..., das trotz seiner äuszeren bescheidenheit voll heimlicher tücken und hochmütiger widerhaken war Werfel
Bernadette (1948) 406.
ähnlich gemeint: aber hier kannst du nicht bleiben; die kugeln haben ihre tücken
F. Raupach
dram. w. kom. gatt. (1829) 4, 361.
so auch von charakterfehlern des pferdes: des rechten schenkels blasz trau ja zu keiner zeit, dein leben in gefahr sein stoltz und tücke leit Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 131; er konnte sich nicht verschweigen, dasz das tier fügsamer und verständiger gewesen, da er es erst überkommen, keine der alten tücken war ihm abgewöhnt worden Tieck
schr. (1828) 14, 318; dasz Prokesch fortgeht, ist mir nicht lieb; ich betrachte das ähnlich, als wenn ich ein stätisches pferd ..., dessen tücken ich genau kenne, gegen ein ebenso böses und fremdes pferd vertauschen soll Bismarck in:
briefw. L. v. Gerlachs mit O. v. Bismarck (1893) 232;
seit dem älteren nhd. in der verbindung tücke(n) und nücke(n), nücke(n) und tücke(n),
wo in den älteren belegen noch der plural von tuck
vorliegt: offenbare einem könige nicht alsbald eines andern tücke und nücke
pers. rosenthal in: Olearius
reisebeschr. (1696) 99; drum trau keiner dem glück, es ist vol unbeständiger nücke und tück
Reinicke fuchs (1650) 196; denn auch bei dilettanten ... zeigen sich alle nücken und tücken ihrer collegen vom fach Immermann
w. 20, 196
Boxb.; sie ist ... so gut und so menschenfreundlich und hat gar keine mucken und nücken und tücken nicht Holtei
erz. schr. (1861) 13, 75; diese götter ... sind inwendig voll nücken, tücken und schrullen W. Raabe
s. w. I 5, 283; nücken und tücken
ders. II 5, 432. 44)
ein fester anwendungsbereich ist in der übertragung von tücke
auf eine gleichartige eigenschaft jener mächte gegeben, deren vom willen des menschen unabhängiges walten als böswillig empfunden wird wie bei glück, schicksal, zufall
u. ähnl.; in älterer sprache gilt hier z. t. noch der plur. von tuck
mit der bedeutung '
tückische anschläge, ränke',
vgl.guot glück ist nymmer on dück Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 56
a.
doch tritt tücke,
f., bald daneben und drückt mehr die ständige haltung des glückes u. s. w. im sinne von '
falschheit, unzuverlässigkeit, wankelmut'
aus; so wohl bereits: denn seine (
des glückes) tück und neid hat keinen andern feind als lieb und einigkeit Logau
sinnged. 11
E.; das wanckelmütige glück hat keinen menschen so gar ohne tücke geliebet Schupp
schr. (1663) 525; (
die tugend) macht zu spott und hohn des blinden glückes tücke Knittel
poet. sinnenfr. (1677) 33; das neidische glück mit gewalt an meine waffen bannen, noch einmal alle seine tücke vergessen
F. M. Klinger
n. theater 1 (1790) 268; doch unterwegs ergriff mich seine (
des glückes) tücke und machte, dasz ich hinfiel ihr zu fusze Rückert
ges. poet. w. (1882) 3, 127; und errangst du schon das ziel, fürchte noch des schicksals tücke Fr. Kind
ged. 1 (1817) 85; ... und des schicksals tücke hell vor dir stand im brand von Moskows dome Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 20; tücke des schicksals (1890) G. Freytag
br. a. s. gattin (1912) 488;
hierzu auch: du auch must hie ebendein arges meisterstück verüben an dem leben,o tod, durch deine tück
Königsb. dichterkreis 192
ndr. 55)
an das vorige grenzt ein gebrauch, bei dem tücke
das dem menschen verderbliche und deshalb als böswillig empfundene verhalten von dingen verschiedenster art bezeichnet; zwar liegt auch hier ursprünglich eine personifikation vor, doch wird sie z. t. kaum noch bewuszt, und tücke
erhält so den bedeutungscharakter von '
im hinterhalt lauerndes unheil, verderben, unglück, gefahr'
; vgl. ähnlich schon mit indifferenter form: ich hab des weyns tück auch empfunden H. R. Manuel
weinspiel 766
ndr.; o, ich kenne die tücke des weins U. Bräker
s. schr. (1789) 2, 86; wer kennt nicht meines bogens tücke? Hoffmannswaldau
u. a. Dtschen ged. 2, 100
Neukirch; ob ich gleich für andern im finstern thal musz wandern, fürcht ich doch keine tücke(
nach ps. 23, 4) Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 357; tücke und verderben lauschten nicht mehr im schleier der nacht Gerstenberg
Ugolino 247, 22
Hamel; ein strom schiffbarer als die Elbe, dabei ohne alle tücke und gefahr Görres
br. (1858) 3, 55: indem die röthe der etwas frierenden Christine eine bläuliche färbung gewann, vollendete sich die tücke des schlimmen tages
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 2, 92;
hierher stellt sich der von Fr. Th. Vischer
geprägte und viel angewandte ausdruck tücke des objekts,
der aber im sinne seines schöpfers stärker dingbeseelend gemeint ist als er gemeinhin empfunden wird: von tagesanbruch bis in die späte nacht ... denkt das objekt auf unarten, auf tücke Vischer
auch einer (1879) 1, 32; wer kann nun ... so übermenschliche vorsicht üben, solche tücke des objekts zu vermeiden!
ebda 1, 24.
vergleichbar, ganz blasz '
böses, unheil': Lyde denkt an keine tükke, weint, und geht es weinend ein Göthe I 37, 20
W. es hat seine tücken, tücke
gilt daher im sinne von '
es hat schwierigkeiten, es ist gefährlich': Homer ... mocht auch wol wittern, dasz dise wortordnung tükken hette, die der darstellung zuweilen wol gar bis ans läben kemen Klopstock
spr. u. dichtkunst (1779) 1, 296; der kleine ... handel ... hat wiederum seine tücke, wenn der krämer den saamen ein jahr borgt J. Möser
s. w. (1842) 1, 142. 66)
handlungsweise und ihr ergebnis im sinne von '
hinterhältiger anschlag, schlimmer streich, übeltat'
oder schwächer '
schlich, listige machenschaft, list'
; damit überschneidet sich tücke,
f., mit tuck 4
u. 5,
ist ihm aber in älterer sprache noch stark unterlegen und dehnt sich erst seit dem 17.
jh. auf diesem bedeutungsfelde energischer aus. in den frühen pluralischen belegen ist die zuordnung zu tuck,
m., bzw. tücke,
f., zweifelhaft: die Römer haben nicht so mit vorteil und tücken oder rencken gekriegt, sondern dem feind die nasen und stirn frisch und frölich geboten Luther 53, 239
W.; auch kan man nicht alles bose auff erden straffen, sonderlich die heymlichen bosen tucke
ebda 53, 661; Heli fiel sin kopff in stucken das er leid siner kinder ducken und ir schalckheit straffet nit Murner
badenfahrt 1, 2, 44
Michels; ihr (
der höflinge) ehrgeiz ihn mehr ungeschickt als klug zu machen bemüht ware, wormit seine scharffsichtigkeit nicht ihre tücken ergründe Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1079
b; weibern auff die tücken schauen, ... wer sich dess wil unterstehen musz mit schimpff zurückegehen Logau
sinnged. 149
E.; was menschen unterdrücken, soll kommen an das licht, dort gelten keine tücken vor Christi angesicht Joh. Preusz
bei Fischer-Tümpel 5, 586; dasz ich die macht gehabt dem meere zu gebieten seine falschen tücken zu lassen
schausp. engl. com. 205, 32
Creizenach; wenn, ungelehrt in buhlerischen tücken, die augen unbewuszt entzücken Wieland
w. I 1, 320
akad.; allein mit dieser list, mit diesen sichtbarn tücken, mit grober schmeicheley solls dir gewisz nicht glücken
samml. v. schauspielen (1761) 2, 13; der giftige hasz wird sich nur in heimlichen tücken zeigen Klinger
w. (1809) 3, 25; nun flehte sie mich an, ... sie zu vertheidigen gegen jene bundesgenossin, vor deren tücken ich mich am meisten gefürchtet hatte Holtei
erz. schr. (1861) 1, 92; vielleicht wissen sie den tücken der übrigen welt so schlangenklug zu begegnen, dasz diese nichts gegen sie ausrichtet Steub
drei sommer in Tirol (1895) 2, 111; die rechtsanwälte mit ihren schwarzen roben und baretten und weissen halskrausen und ihren tücken Feuchtwanger
Simone (1950) 45.
doppelwendungen verstärken oder erweitern die bedeutung: endlich ist das auch ein stücke von dieses (
des teufels) bösewichts listen und tücken, dasz er uns nur ein stück von Christo ... furhält Luther
tischr. 6, 207
W.; so unterstehet er sich (
der teufel), alles mit listen und tücken zu wegen zu bringen
ebda 1, 480; es sind des teufels tück und stricke, damit er uns die freiheit des worts nehmen will
ebda 2, 332; (
Jesu) reisz die seele los aus den schnöden sündenstricken, ... aus des satans mord und tücken B. Schmolck
trost- u. geistreiche schr. (1740) 1, 3; nachher sprach er ein gebet, worin er den himmel anrief, die bergleute in seine heilige obhut zu nehmen, ... vor anfechtungen und tücken böser geister sie zu schützen Novalis
schr. 4, 115
M.; so erklärte man sich böses ... aus den tükken und einwirkungen des teufels Schleiermacher
s. w. I 3, 219.
im singular: ach seht ihn nur auf list und tücke sinnen! Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 366; ein mann von riesengrösze, der einsam stets auf entlegene weiden sie trieb, und nimmer mit andern umgieng, sondern für sich auf arge tücke bedacht war J. H. Voss
Odyssee 157
Bernays. in verbindung mit einem verbum agendi tücke (tücken) begehen, beweisen, brauchen, ausüben
u. ähnl. (
vgl.tuck 4 b): eine tück begehen, die man mit dem schwerdt straffen solte Faber
thes. (1587) 139
b; das niemand auff erden ist, den man mehr hasz und neid, sampt allerley schalckheit und tücke beweiset denn seinen christen Luther 32, 404
W.; er (
d. teufel) vbete seine tucke auch an Christo
ders., tischreden 1, 500
W.; dieweil es gleich viel gildt, es brauch ein feindt gegen den andern fortel, tücken oder tugendt B. Faber
Saxonia (1563) 9
a; nicht die wider mich gewalt und böse tücke brauchten, waren meine verderber Fr. H. Jacobi
w. (1812) 1, 19; sie hörten insbesondere vom grafen Konrad viele tücken, die er in der gegend durch seine leute hatte ausüben lassen Arnim
s. w. 3 (1840) 478; sie wuszten nicht, dasz Theophilus sich der schändlichsten arglist und der anstöszigsten tücke bediente Zimmermann
über d. eins. (1784) 2, 390;
auch hier gern vom schicksal: es ist manchmal, als wenn das, was wir schicksal nennen, gerade an guten und verständigen menschen seine tücken ausübt Göthe IV 20, 140
W.; für ihn (
Max) ist keine zukunft mehr, ihm spinnt das schicksal keine tücke mehr Schiller 12, 374
G. in präpositionalen fügungen dieses sinnes: mancher fiel durch freundes tücke Schiller 11, 392
G.; o sage mir! er fiel, sein haus betretend, durch seiner frauen und Ägisthens tücke? Göthe I 10, 42
W.; er hat mir durch diese tücke mein werk über die theorie der falschen poesie vorwegnehmen wollen Friedr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 3, 87; von welscher tücke fiel er bei düsterer winternacht Fr. L. Jahn
w. 2, 5
E.; so seien die kreuzfahrer von hunger, seuche und griechischer tücke aufgerieben worden J. Grimm
Reinh. fuchs lxxxvi; '
list': die verwandten müszten alle tücken aufwenden P. Dörfler
d. lampe (1930) 59.
in zwillingsformeln: und forderet für sich allein das beste kleynot in gemein, so ihm unbillich wär entzogen durch Nisi tück und list betrogen Spreng
Äneis (1610) 91
b; du aber hoch im glücke stolzierender rival, der mir durch list und tücke Neärens liebe stahl Blumauer
ged. (1782) 56; mit list und tücke
ist in stark abgeschwächtem sinne in heutiger umgangssprache geläufig für '
auf listige weise',
oft geradezu '
mit mühe': (
ein) pferd, das wir beide mit list und tücke besorgt haben
qu. a. d. j. 1938.