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tücke

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tücke f.

Bd. 22, Sp. 1524
tücke, f. , nicht vor dem späten 13. jh. bezeugt, zufrühest bei ostmd. autoren auftretend; mundartlich gegenüber tuck, m., nur spärlich aufzuweisen und vielleicht nur aus der schriftsprache entlehnt, zumal auch ostmd. dialekte tuck besitzen (s. o. sp. 1516): tikΧ, f., 'heimtücke' Brun Obersaxen 42; tük, f., Hunziker Aargau 63; tücke, f., Müller-Fraureuth 1, 259; ob das f. sich nach der üblichen ansicht (vgl. Schmeller-Fr. 1, 489, Walde-P. etym. wb. 2, 616) aus dem plural des m. entwickelt hat oder ob doch eine selbständige alte parallelbildung zu tuck vorliegt, läszt sich nicht entscheiden. tuck, tücke plur. und tücke f. überschneiden sich in der weise, dasz neben der neutralen bei allen dreien die durch charakterisierende adjektiva zum schlechten näher bestimmte bedeutung vorliegt und alle drei früh auch ohne beifügung charakterisierender adj. die bedeutung 'arglist, bosheit des charakters' gewinnen; doch wird zumindest für das nhd. wie schon bei Luther eine gewisse scheidung deutlich, indem nämlich tuck und sein plur. mehr den einzelnen akt des arglistigen wollens und dessen ergebnis bezeichnet, tücke, f., mehr auf den dauernden gesamthabitus des charakters geht; doch verliert in jüngerer zeit diese unterscheidung durch das verschwinden von tuck aus dem schriftdeutschen ihren wert. für ältere sprache besteht die schwierigkeit, dasz neben den beispielen, bei denen durch das grammatische verhältnis die zugehörigkeit zum plur. tücke oder zum f. tücke bzw. zum m. sing. der tück oder zum f. sing. die tück gesichert ist, die grosze zahl der beispiele steht, bei denen grammatisch die entscheidung nicht gesichert werden kann. da das nebeneinander der beiden formenpaare sich bis weit in nhd. sprache hinein erstreckt, kann auch aus chronologischen gründen keine entscheidung gegeben werden. die auswahl der belege beschränkt sich im folgenden nach möglichkeit auf eindeutige fälle. 11) zufrühest ohne pejorativen sinngehalt. 1@aa) ohne beziehung auf ein handelndes subjekt, 'art und weise': sînes wesens brücke (des glückes art) ist, swem zer werlde liep geschicht ie mit manger tücke Heinrich v. Meiszen 118, 4 E.; dri vrunde Job gemeinlich sagn daz nymande by disen tagn von keinerhande tucke gevalle in ungelucke ny wen durch sine missetat paraphr. d. buches Hiob 383 K.; so berichte mich in dirre vrist nach kunstlicher tucke (in wissenschaftlicher art) passional 646, 54 Hahn. 1@bb) als bezeichnung der 'hanalungsweise, gewohnheit, sinnesart' eines menschen (vgl.tuck 7): sin ougen er ouch ummewarf an geistlicher tucke passional 192, 41 K.; er (Pilatus) vorhte ir alde tucke daz sie her nach in teten als si da vor ouch heten vil ir herren getan passional 84, 78 Hahn. mit positiv wertendem adj.: diz was ein edel tucke an eime herren also grôz passional 71, 6 K.; nu horet al besundere ein menliche tucke ebda 345, 34; die kunege hânt an ime (Heinrich II.) gehabet maneger reinen tucke zil Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kun. 729. mit negativ bewertendem adj.: das ist nit unde haz, wer sich leidit umme daz in unartiger tucke daz ein ander hat gelucke md. schachbuch 276, 23; der bose man hin zu im steic nach siner valschen tucke unde warb in uberrucke passional 262, 93 Hahn; der herzoge von Masaw ... warf in argir tucke vorevelîch zurucke Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 20228 Strehlke. ohne bestimmte inhaltsvorstellung in Luther übersetzung von prov. Sal. 24, 9 im sinne von 'denken, überlegung': des narren tücke ist sünde, und der spötter ist ein grewel für den leuten, wo eine eigenwillige umsetzung des pl. m. tücke 'anschläge' (vgl. sp. 1522) in den sing. vorliegen wird. 22) in der sprache des 16. jhs. ist die pejorative bedeutung 'arglist, bosheit' als charaktereigenschaft einer person deutlich erkennbar, nur der immer noch häufige, aber für das sprachbewusztsein nicht mehr notwendige gebrauch eines charakterisierenden adj. erinnert an die ursprüngliche neutrale bedeutung. 2@aa) seit dem 17. jh. schwindet das determinierende adj. aus dem sprachgebrauch; wenn jetzt ein adj. erscheint, so hat es eine den begriff verstärkende oder erläuternde bedeutung, vgl. z. b. schon: auch weys ich nicht was mir am wehesten thut, dyse deyne heymliche tucke oder die that an sych selbest U. v. Hutten op. 2, 181, 36 B.; Eliphas ... will, dasz aus gottes gerechtem gerichte Jobs bossheit und verborgne tücke bestrafft werden Harsdörfer teutsche secret. (1659) 2, 73; schadenfrohe tücke J. A. Cramer s. ged. 2, 206; doch weszhalb zeihest du den Hermann schnöder tücke? Ayrenhoff w. (1814) 1, 156; mit furchtbarer tücke ging der bischof zu werke, jede unternehmung war berechnet H. v. Chézy erz. u. nov. (1822) 1, 122; nun aber löscht des trachtens böse tücke nicht einen zug des reizes, der dich schmückt Grillparzer w. 1, 215 S.; der angestellte, der ... aus narrheit oder böser tücke den strom über Apamea habe hereinbrechen lassen, sei ... ein Christ Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 193; auch: persische verschwommenheit, griechische weichlichkeit, syrische tücke ebda 151. 2@bb) in seiner hauptbedeutung 'hinterhältige sinnesart, heimliche arglist' wird tücke in der regel ohne charakterisierendes adj. gebraucht; für das 16. jh. sind eindeutige belege dieser art selten; Luther setzt gern verdeutlichend einen negativen begriff wie list, schalkheit usw. hinzu: (der teufel) ... aller seyner tück und list gebraucht 8, 531, 22 W.; denn es ist eine untugend ynn uns menschen, die heyst fraus, das ist list odder tucke 19, 633; die welt wyl mit schalkeyt, gewalt, tucke regiret werden 34, 1, 238; des teufels schalckheit und tücke 51, 159. wahrscheinlich hierher: der wolff mag wol greysen, er leszt aber seiner dücke nicht Tappius adag. cent. sept. (1545) D 4a; weiland war die hand unsrer treue band; jetzt legt ihre stricke durch die hand die tücke Logau sinnged. 353 Eitner; das schicksal liebt mich noch, denn eben jetzt, da es des heuchlers tücke mir entlarvt, hat es ein treues herz mir zugesendet Schiller 12, 290 G.; stirn und nase dieses sitzenden sind edel, aber in dem auge liegt tücke und kleinmuth Lavater physiogn. fragm. 1 (1775) 119; bald eherne strenge, bald die gröszte nachsicht, bald vorurtheil und tücke, bald unzulängliche gemeinheit Göthe IV 21, 142 W.; wie manche ... fabel haben wir darüber ..., dasz falschheit, tücke und arglist überall niederträchtig (sei) Herder 15, 560 S.; auf der einen seite so viel tücke, und auf der andern wieder so viel possierliche albernheit Lichtenberg verm. schr. (1800) 3, 194; ein mensch, ... der dennoch durch seine gefürchtete kühnheit und noch mehr gefürchtete tücke ein gewisses übergewicht im dorfe erlangt hatte A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 292. 2@cc) als eigenschaft des herzens, der seele oder in ihnen ruhend gedacht (vgl.tücke [pl.] des herzens sp. 1521): so wie ... ein rothkelchen ... seines herzens tücke unter der einfältigen gestalt zweyer weitgeöffneter augen verbirgt J. J. Schwabe belust. (1741) 1, 441; habt ihr jemahl eine böse falsche tücke des herzens an ihr bemerkt? Lavater verm. schr. (1774) 2, 421; du trägst die tiefe tücke im herzen! Göthe I 11, 183 W.; was haben wir euch denn gethan, dasz ir solche tücke gegen uns im herzen hegt? M. Miller briefwechsel (1778) 2, 236; (es gibt) eine gewisse tücke des menschlichen herzens, sich wegen seiner eignen guten oder bösen gesinnung selbst zu betrügen Kant s. w. (1838) 6, 199 H. 2@dd) in bestimmten formelhaften wendungen: ohne tücke: weil ihr ... unter einander so treuherzig und ohne tücke lebt J. D. Heilmann peloponnes. kr. (1760) 352; voller tücke: wer gerne tadler höret, lügnern auch nicht wehret, der ist voller tücke Schottel haubtspr. (1663) 875; Max und Moritz, gar nicht träge, sägen heimlich mit der säge, ritzeratze! voller tücke, in die brücke eine lücke W. Busch Max u. Moritz 17. 33) in jüngerer sprache erscheinen schwächere bedeutungsabarten, die z. t. daraus entstanden sein können, dasz tuck nicht mehr als schriftsprachlich empfunden wurde und teilweise verschiedene seiner sinngehalte an tücke abtrat. 3@aa) einzelne willensregungen und psychische zustände, die aus einer bestimmten situation entspringen, ohne jedoch ausdruck einer charakterlichen grundhaltung zu sein; 'geheime absicht zu schädigen oder zu verletzen'; vgl. ich will dir deine tücken (= geheimen absichten) schon aufthun Müller-Fraur. 1, 259; daher werde ich ... etwas von dieser materie ohne critische tücke an euch schreiben Gottsched vern. tadlerinnen (1725) 2, 278; formelhaft: aus tücke 'aus böswilliger absicht heraus': glauben sie nicht, theurer freund, dasz ich aus tücke so lange schwieg K. Fr. Solger nachgel. schr. u. briefw. (1826) 1, 306; sehr einzeln sind die wahren kenner, ... die das amt eines kunstrichters ... nicht aus tücke, um andern eine unangenehme stunde zu machen, ... unternehmen Gerstenberg recensionen 183, 28 lit.-denkm. noch leichter 'kleine bosheit, schelmerei': diese kleine tücke sieht ihrem herzen gar nicht ähnlich Gottschedin br. (1771) 3, 5; ich müszte mich sehr irren, sagte Eduard lächelnd, oder es steckt eine kleine tücke hinter deinen reden Göthe I 20, 54 W.; ich trieb aus einer kleinen tücke den gehorsam so weit 24, 141; setzen sie dabei keine tücke und keine empfindlichkeit voraus Pückler briefw. u. tageb. 1 (1873) 138; sieh einmal an, mein lieber Joannes, erwiderte mit liebenswürdiger tücke Knops, ihr seid also keine gegner des eigentums Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 206. 'zorn, groll': jetzt aber dringt Rinald voll heiszer tücke ... auf jenen ein Gries Ariosts ras. Roland (1804) 1, 36; des sturmes tücke das meer jetzt räumt Arnim s. w. 6 (1840) 35; wie tuck 6 a: die geheime tücke, die er auf Siegwart hatte, liesz sich doch nicht ganz verbergen Miller Siegwart (1777) 3, 614; ich weisz, er hat eine grosze tücke auf sie (die Spanier) W. Raabe s. w. I 3, 248. 3@bb) versteckte, nicht dem ersten blick erkennbare unart oder eigenart des charakters: nehmt euch in acht; das masz ist beinah voll, und wo ihr nicht eure hartnäckige tücke und euer infames interesse conteniert, so kommt ihr zeitlebens in die festung qu. a. d. j. 1767; Diderot wirft auch hier nach seiner bekannten sophistischen tücke die verschiedenen teile seiner kurzen abhandlung durcheinander Göthe I 36, 248 W.; seine ironische tücke ... hat unser freund aber doch nicht lassen können E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 142 Gr.; Shakespeare hat freilich die tücke, leere locos communes, moralen und classificationen ... am liebsten kindern und narren in den mund zu legen Herder 5, 230 S.; wie tücke, pl., als 'fehler', 'laune', namentlich von nicht sogleich sichtbaren eigenschaften dieser art: denn auch die ungerechtigkeiten und tücken des groszen königs ... minderten an dem bilde seiner gewaltigkeit nichts Immermann w. 18, 44 Boxb.; hat man denn, so lieb man scheint, auch geheime tücken? Mörike w. 1, 234 M.; was nun die base Schlotterbeck anbetrifft, so hat sie immerdar ihre tücken, schrullen und spitzfindigkeiten W. Raabe d. hungerpastor (1864) 2, 189; (die novizin sei) ein sehr leichtfertiges ding ..., das trotz seiner äuszeren bescheidenheit voll heimlicher tücken und hochmütiger widerhaken war Werfel Bernadette (1948) 406. ähnlich gemeint: aber hier kannst du nicht bleiben; die kugeln haben ihre tücken F. Raupach dram. w. kom. gatt. (1829) 4, 361. so auch von charakterfehlern des pferdes: des rechten schenkels blasz trau ja zu keiner zeit, dein leben in gefahr sein stoltz und tücke leit Hohberg georg. cur. (1682) 2, 131; er konnte sich nicht verschweigen, dasz das tier fügsamer und verständiger gewesen, da er es erst überkommen, keine der alten tücken war ihm abgewöhnt worden Tieck schr. (1828) 14, 318; dasz Prokesch fortgeht, ist mir nicht lieb; ich betrachte das ähnlich, als wenn ich ein stätisches pferd ..., dessen tücken ich genau kenne, gegen ein ebenso böses und fremdes pferd vertauschen soll Bismarck in: briefw. L. v. Gerlachs mit O. v. Bismarck (1893) 232; seit dem älteren nhd. in der verbindung tücke(n) und nücke(n), nücke(n) und tücke(n), wo in den älteren belegen noch der plural von tuck vorliegt: offenbare einem könige nicht alsbald eines andern tücke und nücke pers. rosenthal in: Olearius reisebeschr. (1696) 99; drum trau keiner dem glück, es ist vol unbeständiger nücke und tück Reinicke fuchs (1650) 196; denn auch bei dilettanten ... zeigen sich alle nücken und tücken ihrer collegen vom fach Immermann w. 20, 196 Boxb.; sie ist ... so gut und so menschenfreundlich und hat gar keine mucken und nücken und tücken nicht Holtei erz. schr. (1861) 13, 75; diese götter ... sind inwendig voll nücken, tücken und schrullen W. Raabe s. w. I 5, 283; nücken und tücken ders. II 5, 432. 44) ein fester anwendungsbereich ist in der übertragung von tücke auf eine gleichartige eigenschaft jener mächte gegeben, deren vom willen des menschen unabhängiges walten als böswillig empfunden wird wie bei glück, schicksal, zufall u. ähnl.; in älterer sprache gilt hier z. t. noch der plur. von tuck mit der bedeutung 'tückische anschläge, ränke', vgl.guot glück ist nymmer on dück Seb. Franck sprichw. (1545) 1, 56a. doch tritt tücke, f., bald daneben und drückt mehr die ständige haltung des glückes u. s. w. im sinne von 'falschheit, unzuverlässigkeit, wankelmut' aus; so wohl bereits: denn seine (des glückes) tück und neid hat keinen andern feind als lieb und einigkeit Logau sinnged. 11 E.; das wanckelmütige glück hat keinen menschen so gar ohne tücke geliebet Schupp schr. (1663) 525; (die tugend) macht zu spott und hohn des blinden glückes tücke Knittel poet. sinnenfr. (1677) 33; das neidische glück mit gewalt an meine waffen bannen, noch einmal alle seine tücke vergessen F. M. Klinger n. theater 1 (1790) 268; doch unterwegs ergriff mich seine (des glückes) tücke und machte, dasz ich hinfiel ihr zu fusze Rückert ges. poet. w. (1882) 3, 127; und errangst du schon das ziel, fürchte noch des schicksals tücke Fr. Kind ged. 1 (1817) 85; ... und des schicksals tücke hell vor dir stand im brand von Moskows dome Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 20; tücke des schicksals (1890) G. Freytag br. a. s. gattin (1912) 488; hierzu auch: du auch must hie ebendein arges meisterstück verüben an dem leben,o tod, durch deine tück Königsb. dichterkreis 192 ndr. 55) an das vorige grenzt ein gebrauch, bei dem tücke das dem menschen verderbliche und deshalb als böswillig empfundene verhalten von dingen verschiedenster art bezeichnet; zwar liegt auch hier ursprünglich eine personifikation vor, doch wird sie z. t. kaum noch bewuszt, und tücke erhält so den bedeutungscharakter von 'im hinterhalt lauerndes unheil, verderben, unglück, gefahr'; vgl. ähnlich schon mit indifferenter form: ich hab des weyns tück auch empfunden H. R. Manuel weinspiel 766 ndr.; o, ich kenne die tücke des weins U. Bräker s. schr. (1789) 2, 86; wer kennt nicht meines bogens tücke? Hoffmannswaldau u. a. Dtschen ged. 2, 100 Neukirch; ob ich gleich für andern im finstern thal musz wandern, fürcht ich doch keine tücke(nach ps. 23, 4) Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 357; tücke und verderben lauschten nicht mehr im schleier der nacht Gerstenberg Ugolino 247, 22 Hamel; ein strom schiffbarer als die Elbe, dabei ohne alle tücke und gefahr Görres br. (1858) 3, 55: indem die röthe der etwas frierenden Christine eine bläuliche färbung gewann, vollendete sich die tücke des schlimmen tages M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 2, 92; hierher stellt sich der von Fr. Th. Vischer geprägte und viel angewandte ausdruck tücke des objekts, der aber im sinne seines schöpfers stärker dingbeseelend gemeint ist als er gemeinhin empfunden wird: von tagesanbruch bis in die späte nacht ... denkt das objekt auf unarten, auf tücke Vischer auch einer (1879) 1, 32; wer kann nun ... so übermenschliche vorsicht üben, solche tücke des objekts zu vermeiden! ebda 1, 24. vergleichbar, ganz blasz 'böses, unheil': Lyde denkt an keine tükke, weint, und geht es weinend ein Göthe I 37, 20 W. es hat seine tücken, tücke gilt daher im sinne von 'es hat schwierigkeiten, es ist gefährlich': Homer ... mocht auch wol wittern, dasz dise wortordnung tükken hette, die der darstellung zuweilen wol gar bis ans läben kemen Klopstock spr. u. dichtkunst (1779) 1, 296; der kleine ... handel ... hat wiederum seine tücke, wenn der krämer den saamen ein jahr borgt J. Möser s. w. (1842) 1, 142. 66) handlungsweise und ihr ergebnis im sinne von 'hinterhältiger anschlag, schlimmer streich, übeltat' oder schwächer 'schlich, listige machenschaft, list'; damit überschneidet sich tücke, f., mit tuck 4 u. 5, ist ihm aber in älterer sprache noch stark unterlegen und dehnt sich erst seit dem 17. jh. auf diesem bedeutungsfelde energischer aus. in den frühen pluralischen belegen ist die zuordnung zu tuck, m., bzw. tücke, f., zweifelhaft: die Römer haben nicht so mit vorteil und tücken oder rencken gekriegt, sondern dem feind die nasen und stirn frisch und frölich geboten Luther 53, 239 W.; auch kan man nicht alles bose auff erden straffen, sonderlich die heymlichen bosen tucke ebda 53, 661; Heli fiel sin kopff in stucken das er leid siner kinder ducken und ir schalckheit straffet nit Murner badenfahrt 1, 2, 44 Michels; ihr (der höflinge) ehrgeiz ihn mehr ungeschickt als klug zu machen bemüht ware, wormit seine scharffsichtigkeit nicht ihre tücken ergründe Lohenstein Arminius (1689) 1, 1079b; weibern auff die tücken schauen, ... wer sich dess wil unterstehen musz mit schimpff zurückegehen Logau sinnged. 149 E.; was menschen unterdrücken, soll kommen an das licht, dort gelten keine tücken vor Christi angesicht Joh. Preusz bei Fischer-Tümpel 5, 586; dasz ich die macht gehabt dem meere zu gebieten seine falschen tücken zu lassen schausp. engl. com. 205, 32 Creizenach; wenn, ungelehrt in buhlerischen tücken, die augen unbewuszt entzücken Wieland w. I 1, 320 akad.; allein mit dieser list, mit diesen sichtbarn tücken, mit grober schmeicheley solls dir gewisz nicht glücken samml. v. schauspielen (1761) 2, 13; der giftige hasz wird sich nur in heimlichen tücken zeigen Klinger w. (1809) 3, 25; nun flehte sie mich an, ... sie zu vertheidigen gegen jene bundesgenossin, vor deren tücken ich mich am meisten gefürchtet hatte Holtei erz. schr. (1861) 1, 92; vielleicht wissen sie den tücken der übrigen welt so schlangenklug zu begegnen, dasz diese nichts gegen sie ausrichtet Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 111; die rechtsanwälte mit ihren schwarzen roben und baretten und weissen halskrausen und ihren tücken Feuchtwanger Simone (1950) 45. doppelwendungen verstärken oder erweitern die bedeutung: endlich ist das auch ein stücke von dieses (des teufels) bösewichts listen und tücken, dasz er uns nur ein stück von Christo ... furhält Luther tischr. 6, 207 W.; so unterstehet er sich (der teufel), alles mit listen und tücken zu wegen zu bringen ebda 1, 480; es sind des teufels tück und stricke, damit er uns die freiheit des worts nehmen will ebda 2, 332; (Jesu) reisz die seele los aus den schnöden sündenstricken, ... aus des satans mord und tücken B. Schmolck trost- u. geistreiche schr. (1740) 1, 3; nachher sprach er ein gebet, worin er den himmel anrief, die bergleute in seine heilige obhut zu nehmen, ... vor anfechtungen und tücken böser geister sie zu schützen Novalis schr. 4, 115 M.; so erklärte man sich böses ... aus den tükken und einwirkungen des teufels Schleiermacher s. w. I 3, 219. im singular: ach seht ihn nur auf list und tücke sinnen! Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 366; ein mann von riesengrösze, der einsam stets auf entlegene weiden sie trieb, und nimmer mit andern umgieng, sondern für sich auf arge tücke bedacht war J. H. Voss Odyssee 157 Bernays. in verbindung mit einem verbum agendi tücke (tücken) begehen, beweisen, brauchen, ausüben u. ähnl. (vgl.tuck 4 b): eine tück begehen, die man mit dem schwerdt straffen solte Faber thes. (1587) 139b; das niemand auff erden ist, den man mehr hasz und neid, sampt allerley schalckheit und tücke beweiset denn seinen christen Luther 32, 404 W.; er (d. teufel) vbete seine tucke auch an Christo ders., tischreden 1, 500 W.; dieweil es gleich viel gildt, es brauch ein feindt gegen den andern fortel, tücken oder tugendt B. Faber Saxonia (1563) 9a; nicht die wider mich gewalt und böse tücke brauchten, waren meine verderber Fr. H. Jacobi w. (1812) 1, 19; sie hörten insbesondere vom grafen Konrad viele tücken, die er in der gegend durch seine leute hatte ausüben lassen Arnim s. w. 3 (1840) 478; sie wuszten nicht, dasz Theophilus sich der schändlichsten arglist und der anstöszigsten tücke bediente Zimmermann über d. eins. (1784) 2, 390; auch hier gern vom schicksal: es ist manchmal, als wenn das, was wir schicksal nennen, gerade an guten und verständigen menschen seine tücken ausübt Göthe IV 20, 140 W.; für ihn (Max) ist keine zukunft mehr, ihm spinnt das schicksal keine tücke mehr Schiller 12, 374 G. in präpositionalen fügungen dieses sinnes: mancher fiel durch freundes tücke Schiller 11, 392 G.; o sage mir! er fiel, sein haus betretend, durch seiner frauen und Ägisthens tücke? Göthe I 10, 42 W.; er hat mir durch diese tücke mein werk über die theorie der falschen poesie vorwegnehmen wollen Friedr. Schlegel in: Athenäum (1798) 3, 87; von welscher tücke fiel er bei düsterer winternacht Fr. L. Jahn w. 2, 5 E.; so seien die kreuzfahrer von hunger, seuche und griechischer tücke aufgerieben worden J. Grimm Reinh. fuchs lxxxvi; 'list': die verwandten müszten alle tücken aufwenden P. Dörfler d. lampe (1930) 59. in zwillingsformeln: und forderet für sich allein das beste kleynot in gemein, so ihm unbillich wär entzogen durch Nisi tück und list betrogen Spreng Äneis (1610) 91b; du aber hoch im glücke stolzierender rival, der mir durch list und tücke Neärens liebe stahl Blumauer ged. (1782) 56; mit list und tücke ist in stark abgeschwächtem sinne in heutiger umgangssprache geläufig für 'auf listige weise', oft geradezu 'mit mühe': (ein) pferd, das wir beide mit list und tücke besorgt haben qu. a. d. j. 1938.
22137 Zeichen · 459 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    tückeswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    tücke swv. ducke; bewege schnell, insbesondere nach unten. 1. intransitiv. lâʒâ nâher tücken (: lücken) W. Wh. 440,20. d…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tücke

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Tücke , plur. die -n, das Abstractum des vorigen Wortes. 1. Die Gemüthsbeschaffenheit, Fertigkeit, jemanden vermitte…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Tücke

    Goethe-Wörterbuch

    Tücke [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. Sprichwörter
    Tücke

    Wander (Sprichwörter)

    Tücke 1. Böse Tück bezahlen sich selbst. – Petri, II, 4. 2. Je grösser Tück, je grösser Glück. – Simplic., 595; Eiselein…

  5. Spezial
    Tücke

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Tü|cke f. (-,-n) 1 marizia (-ies) f. 2 (Bosheit) malignité (-s) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tuecke

77 Bildungen · 10 Erstglied · 67 Zweitglied · 0 Ableitungen

tuecke‑ als Erstglied (10 von 10)

tückebold

DWB

tuecke·bold

tückebold , m. 1 1) zu tücke 2 mit suffixal verwendetem -bold (= mhd. balt, adj., kühn, schnell ), vgl. raufbold , witzbold u. s. w.; ' argl…

Tückebothe

Campe

tuecke·bothe

✱ Der Tückebothe , — n, Mz. — n , ein Ding, welches aus Tücke eine falsche Anzeige macht, ein Irwisch. »Als hättest du mit einem Tückebothen…

tückelîn

Lexer

tueck·elin

tückelîn stn. ib. dem. zu tuc 1 Fragm. 27 b , 103. Renn. 6280. 13923. Kolm. 103,24 ;

tückepfeil

DWB

tuecke·pfeil

tückepfeil , m. ( vgl. tücke 4): obs edler, im gemüthe fortzudulden des schicksals tückepfeil und hohngeschosz Herder 25, 34 S.

tückeschicksal

DWB

tuecke·schicksal

tückeschicksal , n. ( vgl. tücke 4): obs edler sei, die pfeil und hohngeschosse des tückeschicksals immer fort zu dulden? Herder 5, 255 S. —

Tückespiel

Campe

tuecke·spiel

Das Tückespiel , — es, Mz. — e , ein tückisches Spiel, die Ausübung von Tücken. »Das Tückespiel des kleinen Zauberers « BenzelSternau.

tückespinner

DWB

tuecke·spinner

tückespinner , m. : wo werden die arglistigen renck- und tückspinner ... das gesicht lassen, wenn ihnen dieses gericht ihre gifftige arbeit …

tückestahl

DWB

tuecke·stahl

tückestahl , m. ( vgl. tücke 4): ein arges schicksal mit seinem blanken tückestahl H. Conradi ges. w. (1911) 1, 166 . —

tückevoll

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tuecke·voll

tückevoll , adj. : des durstes, den ich oft erlitten, und des irrwischs tückevoller räncke Fr. G. v. Goekingk ged. (1780) 3, 59 ; auf der an…

tuecke als Zweitglied (30 von 67)

b.nstücke

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b.-nstücke, n. , seidene Decke.

borststücke

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borst·stuecke

borststücke (borstücke) , n. , 1. ein den Oberkörper deckendes Kleidungsstück, Leibchen , Mieder; Brustharnisch. 2. Bruststück vom Ochsen, F…

bü̑testücke

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buete·stuecke

bü̑testücke , n. , 1. Tauschgegenstand, in bü̑te, bî b. kôpslāgen Tauschhandel treiben. 2. Anteil am Gemeindeweideland. 3. Beutestück .

gestücke

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ges·tuecke

gestücke , n. , für gesticke ( s. d. ), stickarbeit, stickerei: hatte i. f. g. ein gestücke von perlen .. das gestücke war über 60 thlr. wer…

g.nstücke

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g.-nstücke Stück Ochsenfleisch zum Grapenbraten. * Drohung: ênen in g.-nstücken houwen.

grafstücke

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graf·stuecke

° grafstücke , n. , gegossene erzene Grabplatte , die die Beckenwerchten herstellen, die, ohne erhabene Arbeit, mit dem Grabstichel bearbeit…

heimtücke

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heim·tuecke

heimtücke , f. heimliche, bösartige hinterlist: die scholiasten regten sich mit besondrer heimtücke dawider. die nachricht von ihren damalig…

h.nstücke

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h.nstücke Hexen-, Zauberstreich.

Judastücke

Wander

judas·tuecke

Judastücke Es ist eine Judastücke. »Unter den Papisten sind eitel Judastück.« ( Luther's Werke, I, 49. )

kîlstücke

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kil·stuecke

kîlstücke , n. , ein Hinterladergeschütz (bei dem die Kammer mit Keilen am Rohr befestigt wird ?). S. noch kîlbüsse.

krü̑zwerkstücke

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° krü̑zwerkstücke, n. , Stück (Glas) für ein Kreuzfenster (Stieda- Mettig 294).

lapstücke

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laps·tuecke

* lapstücke , pl. , kleine Stücke, in l.n tõhouwen (Bütow Isaac). —