lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

trüben

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
11 in 10 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
18
Verweise raus
28

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trüben vb.

Bd. 22, Sp. 1192
trüben, vb. , agitare, turbare, obscurare, affligere. form. got. und westgerm. bezeugtes wort; got. drobjan ταράσσειν, ἀναστατοῦν, συστασιάζειν, daneben intrans. drobnan θροεῖσθαι, dazu drobna, m., ἀκαταστασία, gadrobnan, indrobnan ταράσσεσθαι; ahd. truoben turbare, conturbare, corrumpere und intrans. truobên contristari; as. intrans. drôbian, ags. trans. drēfan commovere, turbare, conturbare, tribulare, contristare; mhd. trans. trüeben 'trübe machen', intrans. truoben 'trübe sein oder werden', doch findet sich schon gelegentlich vermischung, vgl. herumb so trbet mir der muot liederbuch d. Hätzlerin 8. nhd. geht das intransitivum verloren, vgl. in der form des trans. mundartl. drüebed 'wird trübe' Seiler Basler ma. 86, wo aber sekundäre ableitung aus dem adj. vorliegen wird, und wird allgemein durch das reflexivum sich trüben ersetzt, vgl. schon ahd. sie begonden truobên Tatian 158, 4 neben (Johannes) bigonda sich truoben 180, 4; mundartlich ist trüben weit verbreitet und überall mit umlaut bezeugt. die differenz zwischen den umgelauteten präsensformen (mhd. trüebet) und den unumgelauteten präteritalformen (mhd. truobte; getruobet) hat bereits das frühnhd. zugunsten des umlauts ausgeglichen. im ahd. ist das simplex weniger häufig bezeugt als gitruoben (as. gidrôbian, mhd. getrüeben), das daher beigezogen werden musz. bedeutung und gebrauch. trüben ist wahrscheinlich im sinne 'den bodensatz aufrühren', 'schlamm aufwühlen' (s. unten I A) unmittelbar zu germ. *droba- (s. oben trub sp. 1164) gebildet, also nicht vom adj. trübe abgeleitet; die ältesten zeugnisse (got., ahd., as., ags.) zeigen bereits übertragenen gebrauch, in dem die dynamische grundvorstellung der heftigen, aufwühlenden, bis ins tiefste dringenden bewegung ins bildlich allgemeine erhoben ist (näheres s. unten II); im ahd. (as.) läszt sich erkennen, wie das adj. auf das verbum zurückwirkt und es in die bedeutung 'den zustand des trübe ('verwirrt', 'traurig') seins hervorrufen' hineintreibt, die im mhd. schon stark überwiegt und nhd. allein übrig bleibt. die übertragene verwendung 'traurig machen' (s. unten III) erhält im mhd. den wettbewerb des präfigierten betrüben (s. dort), das im jüngeren nhd. den gröszten teil dieses gebrauchs an sich zieht, während umgekehrt betrüben seine konkrete bedeutung an trüben abtritt. II. transitiver gebrauch. I@AA. in eigentlicher und bildlicher verwendung. I@A@11) von flüssigen körpern, namentlich von gewässern, 'aufwühlen, aufrühren', 'unklar machen, verunreinigen'. I@A@1@aa) von gewässern, 'aufwühlen und dadurch unklar machen'; im ahd. und mhd. überwiegt oft noch der aktionsbegriff, vgl. ags. drēfan 'das wasser aufrühren, schwimmen': þonne ic (der schwan) wado drēfe bei Grein-Holthausen-Köhler sprachschatz 125b; drēfan deóp wæter Beowulf 1904; ne lagu drēfde Exon. 106a bei Bosworth-Toller 211a, drēfende turbida (aequora) ebda suppl. 156a: unde wurden getruobet siniu wazzer turbate sunt aque eius (maris) Notker 2, 175, 11 P.; du ... getruobest des meres podem (qui conturbas fundum maris) 2, 244, 5; unde wazzerdiefina wurden getruobet (et turbate sunt abyssi) 2, 310, 10; in (den brunnen) rüeret regen noch sunne, nochn trüebent in die winde Hartmann v. Aue Iwein 571; ähnlich: so si (die delphine) aber dasz wasser schlagen und trüben, ist eine anzeigung lauders und stillen luffts L. Zoleckhofer vilvaltig beschr. (1564) 190; doch tritt gelegentlich schon früh und im nhd. zumeist der begriff des verunreinigens in den vordergrund, vgl. bereits ahd. truopten, gitruopten corruptis (fontibus) Graff 5, 490 u. 491; fontes corrumpere brunnen verwüsten, trüben, vergifften Frisius dict. (1556) 339a: offt trübten sie das wasser nach in, das der Türcken pferd in der hitz nicht zu trincken funden Seb. Franck chron. Germ. (1538) 136b; wenn die gräben und forchen also gereumet und die wasser geleimet (lehmig gemacht) oder getrübet worden fischbüchlein 129; um seinen durst zu löschen, kam der reiher an einen teich, wo die rohrdommel das klare wasser aufgerührt und getrübt hatte Kretschmann s. w. (1784) 6, 55; wenn diesen quell, der dem Parnasz entspringt, ein steinwurf trübt, so fängt er an zu tosen und steigt in wilden wirbeln himmelan Hebbel w. 3, 315 Werner; das wasser war ... auffallend unbewegt, der reiter konnte es nicht getrübt haben Storm s. w. (1899) 7, 150; auch ohne den begriff des aufrührens: weiter hinab wird er (die Rhône) bald durch andere ströme getrübt Fr. Schlegel s. w. (1846) 7, 221; anders gewendet und auf die verunreinigenden fremdstoffe bezogen: kalk, ton, sand und endlich eine menge animalischer und vegetabilischer überreste trüben seine fluten H. Allmers marschenbuch 1, 5. I@A@1@bb) vielfach bildlich, wobei meist die vorstellung des verunreinigens stark heraustritt: seine gefühle entsprangen aus einer ungetheilten quelle, die weder furcht noch hoffnung auf lohn trübten Klinger w. (1809) 4, 14; wo sich die falschheit noch nicht hingefunden, da trübt kein neid die quelle unsers glücks Schiller 14, 347 G. besonders von literarischen erzeugnissen, geschichtlichen überlieferungen, deren urgestalt irgendwie gefärbt, entstellt, verfälscht ist (s.trübe, adj., I A 1 d), oft als part. adj. getrübt: wie alle unsere wanderungen im orient durch die heiligen schriften veranlaszt worden, so kehren wir immer zu denselben zurück, als den erquicklichsten, obgleich hie und da getrübten, ... sodann aber rein und frisch wieder hervorspringenden quellwassern Göthe 7, 155 W.; von beiden seiten suchte Herder, einst ein lobredner seines einstigen lehrers (Kant) ... vor dem trüben der abgeleiteten wasser zu warnen, indem er die lauterkeit der quelle selbst verdächtigte, oft mit dem unschicklichen mittel, dasz er sie geflissentlich selber trübte Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 375; (Luther:) rein soll er (der priester) wieder geben ... und nicht trüben darf, nicht hemmen er der gottheit quell Zach. Werner Martin Luther (1807) 112. von hier aus erklären sich abstraktere verwendungen: denn auch in diesem evangelium (Matth.) haben wir bereits ein durch zeitferne und allerlei dazwischen liegende vorstellungen und ereignisse getrübtes medium D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 175; welche überlieferung wird die mythologie höher schätzen, welcher gröszeren glauben beimessen, der getrübten heutigen oder der reinen alten? Scherer kl. schr. 1, 179; so schlecht unsere occidentalische überlieferung (über den krieg mit Mithradates) ... ist, so kann die zuziehung der orientalischen ... nur dahin führen sie noch stärker zu trüben Mommsen m. gesch.4 2, 305 anm. sprichwörtlich formelhaft in der negativen wendung kein wasser (wässerlein, wässerchen) trüben 'nichts unlauteres tun', literarische belege auch s. v. wasser teil 13, 2337 f.; in den dialekten weithin verbreitet, vgl. z. b. der hat nach kenn wässerle getriebt Martin-Lienhart elsäss. 2, 740b; hei droiwet kein wâter Schambach Gött. 49a; Schütze holst. 1, 261; Mensing schlesw.-holst. 1, 878; Dähnert pomm. 89b; ö ka ka wässershen driwen Christa Trierer ma. 72a; (die bischöfe) wollen alszo wider aller menschen opinion frum, gerecht und unvormakelt gesehen und gehalten werden als hetten sie gar kein wasser getrubt (1521-23) H. v. d. Planitz berichte 331; abends hat mich ein jeder raufen wollen, ... morgens frühe ... so hat keiner das wasser getrübet gehabt H. v. Schweinichen denkwürd. 424 Österley; ihr wandel, der kein wasser trübt Stoppe Parnasz (1735) 415; noch in der verhandlung hatte er (der angeklagte) den unschuldigen gespielt, der that, als ob er kein wässerchen trüben könnte tägl. rundschau 1899 nr. 57; etwas anders aufgefaszt: (sekretär:) der trübt uns kein wasser (ist harmlos, unschädlich) Iffland theatr. w. (1827) 2, 274. in positiver formel, vgl. trübe I A 1 f und IV D: die sachwalter machens wie die fischer, sie trüben das wasser eh sie angeln Hippel lebensläufe (1778) 1, 336; wie man von andern sagt, dasz sie das wasser trüben, um fische zu fangen, so trüben diese (Görres und andere) land und berg, um alle gute kritische jagd zu verhindern Göthe IV 20, 222 W.; gemeiniglich hat man nichts weiter davon (von untersuchungen über sich selbst), als dasz man das wasser trübt, in welchem man zu fischen gedachte Thümmel reise (1791) 2, 286. I@A@1@cc) von anderen flüssigkeiten; 'unklar, undurchsichtig, unrein machen' durch fein verteilte fremdkörper verschiedenster art, so besonders in technischer verwendung (vgl.trübe, adj., I A 2): (der weisze wein) musz geschönt werden. dies will besagen, dasz man die trübenden, festen stoffe ... durch irgendwelche mittel ausscheidet H. Eulenberg ausgew. w. (1926) 5, 312; (man) lasse (in der lösung) das trübende ablagern J. Liebig hdb. d. chemie (1843) 1174; der menschliche bauchspeichel wird durch essigsäure, vorzüglich beim erwärmen, getrübt Sömmerring menschl. körper (1839) 5, 170; vielfach passivisch getrübt sein und als adj. getrübt: mögen ew. wohlgeboren ... mir die operation anzeigen, wodurch der so fein getrübte liquor entstanden Göthe IV 29, 204 W.; da derselbe (äther) von losgespülten gipstheilchen getrübt ist, so ist er ... zu filtrieren Muspratt chemie (1885) 5, 1547. hierher als fachausdruck: 'die küe trüəbn, wenn sie blutrothen harn lassen ... und nicht fressen' Schmeller-Fr. bair. 1, 642; trüben blutharnen (Kärnten) B. Martiny wb. d. milchwirtschaft (1907) 130. I@A@22) von der luft, dem himmel; 'undurchsichtig, dunstig, dunkel machen' durch nebel, wolken, rauch u. s. w.: aer wirt ofto getruobet Notker nach Graff 5, 491; mhd. nur beim intr. bezeugt, s. unten II A, denn die von Lexer 2, 1536 unter trüeben angeführte stelle aus Reinfried v. Braunschweig 20543 enthält ebenfalls das intr.; so lange noch kein wetter den frühlingshimmel trübt Dusch verm. w. (1754) 86; der tiefblaue himmel hing über uns und nicht ein wölkchen drohte ihn zu trüben H. Smidt a. d. tageb. e. nord. seemannes (1830) 119: es steigt zu gleicher zeit ein schwarzer tobacksduft aus langen röhren auf und trübt die dicke luft Zachariä poet. schr. (1763) 1, 24; der die luft auf einem weiten areal trübende staub A. v. Humboldt Kosmos (1845) 1, 335; nicht trübte schon den funkelnden azur der riesenschlote schmutzigfeuchter brodem Arent mod. dichtercharaktere (1885) 159; in gleicher sachbeziehung besonders reflexiv sich trüben (s. unten II B). I@A@33) von lichtdurchlässigen festen körpern; die 'durchsichtigkeit vermindern, klarheit beeinträchtigen'; so besonders von glas, spiegeln, edelsteinen u. s. w.; meist in der form des part. prät. als adjektiv: ich lege hier bey 1) ein leicht getrübtes glas, hellgelb und violett zeigend Göthe IV 41, 237 W.; auch trübt man das glas (opalglas) dadurch, dasz man gepulverte und calcinierte knochen mit ihm zusammenschmelzt II 1, 67; die von vielen küssen getrübte scheibe (hinter der sich die kapsel mit dem blute des heil. Januarius befindet) Gaudy s. w. (1844) 5, 71; der bernstein bildet bald durchsichtige, bald blosz durchscheinende, oft auch undurchsichtig trübe, oder doch wolkig getrübte ... stücke Karmarsch-Heeren3 1, 431; bildlich: dann trübt der klarheit innern spiegel nie durch lieb und sorg und hasz die rege phantasie Platen w. 1, 56 Redlich. in mischung mit A 1: kein wind trübte den klaren spiegel des wassers Ritter erdkde (1822) 2, 984; als wir über den blanken spiegel des sees dahinfuhren, waren die kleinen wellen, die von unserm kahn ausgingen, fast das einzige, die glatte fläche zu trüben H. Seidel Leber. Hühnchen (1899) 147. I@A@44) vom auge; entsprechend dem gebrauch des adj. (s.trübe I C 2) zunächst physiologisch zur bezeichnung desvorübergehenden oder dauerndenschwächens der sehkraft: mein haar ist ergraut, mein auge getrübt Uhland ged. 1, 7 Schm.-H.; durch ihre hexenkünste trübte sie dem kutscher die augen, dasz er halb blind war brüder Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 255; und ob auch öde mich umgiebt, und ob mich würgt der nebel fast, mir wirbelsand die augen trübt ... A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 3, 80; übertragen, 'die erkenntniskraft mindern': wo das verhängnisz mir nicht geist und auge trübet, so deucht mich, dasz der reim hier nicht zu tadeln sey Hoffmannswaldau-Neukirch ged. (1697) 1, 41; vergebens ... fluchten wir andern, welchen weder habsucht noch schelmerei die augen getrübt hatte, über das unglück und das miszgeschick E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 74; so auch vom blick: sein (Friedrichs) blick war durch keine fremdartige rücksicht getrübt, noch durch das alter geschwächt Ranke s. w. 31/32, 187; wie nahe war doch Polzin der richtigen erkenntnis! wie war aber auch sein blick getrübt durch das vorurteil seiner lateintheorie F. Wrede die diminutiva im deutschen (1908) 134. von den durch tränen verschleierten augen: (ich vergosz) trübender thränen zu viel Klopstock oden 1, 112 M.-P.; und sie seufzt hinaus in die finstere nacht, das auge vom weinen getrübet Schiller 11, 290 G.; vgl. 1, 288; nach 5 übergreifend: beim weiterlesen wurde der glanz ihrer blicke getrübt durch wonnige thränen M. Meyr erzähl. a. d. Ries (1868) 1, 115; vom auge häufig reflexiv und im mhd. intrans., s. unten II A und B, vgl. auch ahd. gitruopida, f., suffusio (oculorum) Graff 5, 489. I@A@55) von licht, farben und beleuchteten, glänzenden gegenständen; 'die helligkeit, leuchtkraft, den glanz vermindern', so mhd. intrans. s. unten II A: bald brach ein wetter ein und trübte hellen schein Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 52; der Jupiter umgiebet sein freundlich angesicht mit einem solchen licht, das keine wolke trübet Triller poet. betracht. (1750) 2, 134; aber sie (die glut des feuers) reinigt sich schnell, verjagt die trübenden dämpfe Göthe 1, 241 W.; um mich lag das mondlicht mit trübenden, eilenden wolkenschatten Jean Paul w. 1, 255 Hempel; ich befleck das meine (das schwert) nur mit des tyrannen blut, mit des sklaven blut möcht ich seinen glanz nicht trüben Klinger w. (1809) 2, 379; vielfach im bilde: (brief an Cotta v. 25. 12. 1806:) ich würde ihnen anrechnen, dasz sie einen kleinen bisher leuchtenden punct Deutschlands, der doch auch ... Herdern, Schillern und mich beherbergt hat, wie es jetzt ... das unglück tun wird, mit zu trüben, zu verfinstern und zu vernichten suchen (durch falsche nachrichten über Weimarer vorgänge) Göthe IV 19, 518 W.; ich seh dein licht getrübt, dein glück entwichen Tieck schr. (1828) 1, 75; es ist darin ... zu entnehmen, wie weit der mensch kömmt, wenn er das licht seiner vernunft trübt, die dinge nicht mehr versteht Stifter 5, 1, 145 S.; dann ist alle lust vergellt, aller glanz getrübet R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 101; trübt das meines namens glanz? M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 161; sieht sie an einem frevler sich gerächt, der ihrer ehre klaren schein getrübt? Fouqué held d. nordens (1810) 1, 179. von farben, 'die farbe in ihrer reinheit herabmindern, vermischen, abdunkeln'; maltechnisch: die wilde federzeichnung nach kaazischen vorschriften getrübt und zum theil coloriert Göthe III 3, 375 W.; die flügel wenig getrübt Ratzeburg ichneumonen d. forstinsekten (1844) 1, 47; vergleichbar: Heinrich jagte mit seinem tuche den gröszten theil des staubes von dem bilde, und getrübt durch den noch gebliebenen sah ein schönes, schlankes weib ... aus der fülle der schönsten blonden locken heraus Stifter s. w. (1901) 2, 82; entsprechenden intrans. gebrauch im mhd. s. unten II A. I@BB. übertragene verwendung. I@B@11) von der bildvorstellung des aufgewühlten gewässers aus früh auf seelische und geistige zustände des menschen übertragen, die durch besondere einwirkung als gestört erscheinen; zunächst überwiegt noch der begriff der inneren bewegung, unruhe, erschütterung, vgl. der geist gitruobta then kneht (spiritus conturbavit puerum) Tatian 92, 2 und im älteren bair. betrübt im sinne 'besessen' = agitatus, turbatus daemonio Schmeller-Fr. 1, 642, Schöpf tirol. 761; später gewinnt meist der begriff des dunklen, unklaren, z. t. durch die einwirkung des adj. trübe, die oberhand und schränkt trüben auf die traurige stimmung des gemüts ein; bei persönlichem objekt wird es in diesem sinne seit dem 18. jh. von betrüben verdrängt. I@B@1@aa) 'irre machen, verwirren, erschrecken, bestürzt machen, ängstigen', 'in unruhe, erregung versetzen', vom menschen und den organen seelischer empfindung; 'verwirren' hinsichtlich der reinen lehre, vgl. þai drobjandans izwis jah wiljandans inwandjan aiwaggeli Xristaus got. bibel Gal. 1, 7, vgl. 5, 10; von der seelenlage, vgl. ags. forhwon drêfst me (quare conturbas me) bei Bosworth-Toller 211a; môd ûre drêfende (mentes nostras turbidas) ebda und got. intr. gadrobnoda (ἐταράχθη) got. bibel Lukas 1, 12 und (τετάρακται) Joh. 12, 27 (s. unten II A): Zacharias thaz sehenti ward gitruobit (turbatus est) Tatian 2, 4, vgl. 158, 3; tho wurtun sie (die jünger) gidruabtezwivalemo muate Otfrid V 11, 19, vgl. I 17, 31; dannan wurden die diete getruobet, daz chit, chamen in angest unde in forhtun Notker 2, 176 P., vgl. 215; tero ward ketruobet min muot 2, 623; des dinges ist min herza getruobet 2, 207; 'bedrängen, quälen', im kampfe: di christen waren da harte getruobet Rolandslied 209, 8 Gr.; allgemeiner: wie sie (die bösen) den strit huben unde dich wolden truben väterbuch 20880 Reiszenberger; die cristenheit sie benagen ... und truben manigen gotes trut Heinrich v. Hesler apokal. 14165 Helm; by disem bösen wib Jesabel ist bedütet dise welt, wenn dir die in den oren leyt und dich drübet und müde machet, flüch von ir Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 18d; du hast auch manchen christen trübt, vil schelmenstückh ahn ihnen geübt Endinger judenspiel 61 ndr.; ähnlich noch poetisch: der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unsre sorg uns trübt, der beste freund und rather Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 434a; kein waffenrasseln trübet sein gemüthe Denis lieder Sineds (1772) 230. I@B@1@bb) 'traurig machen, betrüben, bekümmern'. I@B@1@b@aα) von persönlichen objekten; bis ins 18. jh. bezeugt, dann erlöschend: mittiu gihôrta ther jungo thaz wort, gieng gitruobit (tristis) Tatian 106, 3, vgl. 35, 1; da wart getruobet sin lip: ein chunic nam ime daz shone wip Vorauer Moses bei Diemer dtsche ged. 16, 17, vgl. 297, 13; dar zuo sô trüebet mich ein varende leit Hartmann v. Aue in: minnesangs frühl. 206, 15; ich lasz ien reden was er will, in stil mich trbt so vil sein hertzlich leid mer dann ich klag Forster fr. t. liedlein 22 ndr.; sich stähts in allem guten üb, den heilgen geist nit weiter trüb Wickram w. 5, 41 B.; die strafe trübt dich (gott) selbst, mit der du uns belegen, uns harte sünder must P. Fleming ged. 14 Lapp.; schon etwas anders gefärbt 'in der stimmung beeinträchtigen' (vgl. unten d): mich aber trübte von neuem meine schwermuth Klopstock oden 2, 93 M.-P.; ... getrübt vom traurigen winter bist du (Prote) nicht mehr ... Herder 26, 88 S.; wie oft hat uns auch nur die beschreibung und erzählung von dieser traurigen stätte (der Morgue in Paris) getrübt und geängstigt Göthe 41, 2, 367 W.; mich trübte dies gespräch H. v. Chézy erzählungen u. nov. (1822) 1, 146; bewuszt archaisierend: 'o weh!' sprach mein bruder; 'den trübet, was mich tröstet' Storm ges. w. (1897) 3, 271. I@B@1@b@bβ) von den seelischen organen, gemüt, sinn, seele, herz u. s. w.; hier hält sich trüben bis in heutige sprache, da der bildcharakter stärker gewahrt bleibt und das adj. (vgl.trübe II A 1) stets aufs neue den bedeutungsgehalt beeinfluszt; vergleichbar schon (anders als oben 1): thô warð hugi Jôsêpes, is môd gidroBid,the im êr thea magað habda Heliand 296 Heyne; ir gemuote wart getruobet Judith bei Diemer dtsche ged. 176, 26; diu naht (ist) trüebe unde swâr, wand sî diu herze trüebet Hartmann v. Aue Iwein 7387. vgl. auch Nibel. 1856, 3 Lachm.; die trübsal trübt mir nicht mein herz und angesicht Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 310, vgl. 398; in jüngerer sprache namentlich poetisch in mannigfachem gebrauch: ... dir nur wollt ich das anvertraun, was meine seele trübt Klopstock s. w. (1823) 2, 194; lasz bange nacht nicht mehr mein herze trüben Schubart s. ged. (1825) 1, 132; so trübte bald den jugendlichen sinn der theuren eltern unverdiente noth Göthe 10, 121 W.; aber immer sind sie im ganzen zufrieden und munter, und wenn je ein schatten ihre seele trübt ..., so ... G. Keller ges. w. (1889) 4, 9. I@B@1@cc) entsprechend dem adj. trübe II B 1 vom antlitz und den gebärden 'den eindruck der trauer, des unmutes hervorrufen', vgl. verdüstern; meist poetisch: gram trübt ihr gesicht Herder 25, 167 anm. S.; mag alles, was der freude antlitz trübt, zerstören, was mein wunsch am meisten liebt Shakespeare (1797) 3, 252; dadurch gewann er die gute meinung des vaters, der die getrübte miene erheiterte Tieck schr. (1828) 17, 26; ... und raufbold trübet schon mit runzeln seine stirn, die tod und schrecken drohn Zachariä poet. schr. (1763) 1, 101; es ist nicht eigensinn, der seine stirne trübt Göthe 9, 5 W. I@B@1@dd) gefühle, affekte und andere ausdrucksformen des inneren lebens in ihrer reinheit beeinträchtigen, ihre stärke vermindern oder ihren ungehemmten ablauf verhindern; vergleichbar schon 'stören', auf die freude bezogen: die saurtöpffe jagt zum hause hinausz, sie trüben sonst alle den lustigen schmausz Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 110; trübt ich jemals deine freude ...? Klinger w. (1809) 2, 187; (ich) weisz nicht, ob durch diese unangenehme lage die heiterkeit, die ich beabsichtigte, hie und da getrübt worden Göthe IV 23, 416 W.; selbst die ersten blutigen thaten der siegreichen (französischen) revolution vermochten diesen jubel nicht zu trüben L. Häuszer dtsche gesch. (1854) 1, 345; übrigens wird die gewöhnliche gute laune Fürnsteins selten getrübt Göthe 41, 2, 49 W.; diese schändlichkeit ist nicht von umständen begleitet gewesen, die ihren humor trüben muszten A. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 2, 57 Nerrlich; herrliches wetter, unschätzbare aussicht, ländlicher genusz, durch szenen des todes und verderbens (bei der belagerung von Mainz) getrübt Göthe 33, 283 W.; jetzt haben hier die thörichten censurverordnungen ... die stimmung getrübt und verdorben briefw. zw. Jac. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 2, 62; (Posa:) ich lebe ein bürger derer, welche kommen werden. kann ein gemälde ihre ruhe trüben? Schiller 5, 2, 308 G.; wann ungeduld den seelenfrieden trübt, denk desz geduld, der dorten hängt am kreuz Tieck schr. (1828) 2, 213; auch das wirkt künstlerisch, dasz der liebenden empfindung (Romeos u. Julias) wohl getrübt wird durch den schatten der gefahr, des scheidens ... O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 189; diesz (eine meinungsverschiedenheit) veranlaszte also einen lebhaften briefwechsel, wodurch aber die herzliche bruderliebe nicht getrübt wurde Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 514; (an Schelling:) es sind umstände gewesen die deinen glauben an mich trübten, es wird nun heller werden Caroline 2, 30 Waitz; aber bey dem volk ward die aufgehende hoffnung getrübt durch das andenken an die drohungen seines consulats Niebuhr m. gesch. 2, 96; in solcher einsamkeit fand sie trost, der ihr nur getrübt wurde, sobald ein schelmischer vogel durchs gebüsch rauschte Holtei erzähl. schr. 5, 201. I@B@1@ee) die geistige fähigkeit des menschen, die klarheit seines denkens und urteilens und dessen ergebnisse selbst beeinträchtigen, schädigen, entstellen: der swarze (mohn) trubit di sinne (wirkt betäubend) Breslauer arzneibuch 10 K.-Tr., vgl. auch: der bœse toum (dunst) der betrubet die hirne bei Wackernagel leseb. (1839) 770, 38; man (konnte) erwarten, die anmuth ihres wesens und die lebhaftigkeit ihres geistes getrübt zu sehen Göthe 24, 85 W.; wird der empfindungen streit nie eines richters bedürfen, nie den hellen verstand trüben das tückische herz? Schiller 11, 70 G.; es (wäre) ihm (v. Arnim) vielleicht gelungen, das klare und nüchterne urtheil dieses herrn (Wilhelm I.) durch ein künstlich gesteigertes gefühl von angestammter fürstenpflicht zu trüben Bismarck ged. u. erinn. 2, 190 volksausg.; einen irrthum, der die richtige praktische erkenntnisz ... erschwert und trübt Jhering geist d.m. rechts (1852) 3, 1, 314; weil sich Baur durch sein ausgehen von Johannes den sinn für das naive in den synoptikern hat trüben lassen D. Fr. Strausz ges. w. 4, 255 anm.; hie und da habe ich sogar zu bemerken geglaubt, dasz sich in Luther selbst eine ursprünglich richtige und reinere auffassung durch die einwirkung des hofes trübte Ranke s. w. (1867) 4, 192; (nicht die) leiseste sinnliche vorstellung soll uns den erhabenen gottesgedanken trüben Treitschke histor. u. polit. aufs. (1886) 1, 118; hierzu: was sie aber doch vielleicht in mancher getrübten stunde nicht völlig erkennen könnten Stifter briefw. 3 (1929) 133; die reinheit der inneren vorstellung beeinträchtigen: höchst unbehaglich fand sich Wilhelm, das schöne bild Marianens ... durch Werners unfreundlichkeit in seiner seele getrübt und beinahe entstellt zu sehen Göthe 21, 93 W.; wie der feldherr (Marius) auch die erinnerung an seine glorreichen tage durch eine kette von erbärmlichkeiten getrübt haben mochte, jetzt ... war er wieder der sieger von Vercellae Mommsen m. gesch.3 2, 257; verwirren: die nachkriegszeit hatte schon die begriffe von mein und dein getrübt v. Seeckt d. zukunft d. reiches (1929) 171. I@B@22) auf zustände des äuszeren lebens übertragen. I@B@2@aa) zunächst im anschlusz an die dynamische bedeutung von A 1 a; ganz konkret 'erschüttern': so diu erda getruobet wirdet dum turbabitur terra Notker 2, 174, 20 P.; unde die berga wurden getruobet conturbati sunt montes ebda 2, 175, 14; entsinnlichter, auf eine volksmenge bezogen 'einen aufruhr machen, aufwiegeln, die soziale oder religiöse ordnung stören', vgl. schon got. Barrabas miþ þaim miþ imma drobjandam (συστασιαστῶν) gabundans got. bibel Markus 15, 7, s. auch Gal. 5, 12; er es er io nirwant,er er allaz thiz lant gidruabta harto in warumit sines selbes leru Otfrid IV 20, 26; vgl. auch: dise lute betruben unsere stat ('stören die ruhe', conturbant) ostdt. apostelgesch. d. 14. jhs. 70 Ziesemer. I@B@2@bb) in neuerer zeit geht die übertragung fast durchweg vom optischen eindruck aus (s. oben A 1-5) und verbindet sich oft mit der anwendung auf die sphäre der subjektiven empfindungen (s. oben B 1); in lebenszustände, zeitverhältnisse, geschichtliche vorgänge, menschliche beziehungen u. ähnl. 'störend, schädigend eingreifen': ja ich will von allen stürmen ausruhen, die so oft den horizont meines lebens trübten Tieck schr. (1828) 6, 22; am heiteren himmel ... stiegen aber bald schwere wolken auf, die ihm für alle künftigen zeiten sein dasein trübten jahrbuch d. Grillparzerges. (1890) 2, 21; ein launischer verdrusz ist seines herzens plage, und trübet mir und ihm die besten sommertage Göthe 9, 5 W.; die ursache meines geheimen grams, der so oft die stunden trübte, die mir deine ... liebe so selig zu machen wuszte Klinger w. (1809) 4, 21; sollte da nicht bange sorge die lezten augenblikke des lebens trüben? Schleiermacher s. w. (1834) II 4, 22; häufig vom glück, vgl. ungetrübtes glück: keine wolke trübte mein glück Schiller 4, 272 G.; ein verdrieszliches zwischenspiel auf der insel Kreta trübte indesz diesen erfreulichen erfolg der römischen waffen Mommsen m. gesch.4 3, 115; auf diese episode folgten die unruhigen bestrebungen des russischen reichskanzlers, unsre und besonders meine persönlich guten beziehungen zum kaiser Alexander zu trüben Bismarck ged. u. erinn. 2, 260 volksausg.; niemals hat ein miszklang mein verhältnis zu ihm (Moltkes bruder Adolf) getrübt Moltke schr. u. denkw. 4, 223; wohl aber trugen diese maszregeln dazu bei, das niemals aufrichtige einverständnis der regierenden aristokratie mit ... dem proletariat noch ferner zu trüben Mommsen m. gesch.4 2, 129; da trübten rebellionen seine regierungszeit Ritter erdkde (1822) 6, 1138; nur soll ich jetzt seine autorität nicht trüben und seine regierung hemmen Tieck schr. (1828) 19, 498. I@B@2@cc) vielfach ganz allgemein; die echtheit, reinheit einer sache durch fremde bestandteile beeinträchtigen, 'etwas entstellen, verfälschen', vgl. daz reht sô vil getrüeben Gottfried v. Straszburg Tristan 10358 Bechst.: wil dennez alter tumpheit üeben unde lûter site trüeben Wolfram Parz. 489, 7; die vorigen aber habend die wort Christi recht verstanden, sind mit keinen anfechtungen beladen gwesen, mit welchen die geschrift gmeinklich gewaltigot und getruoebt wirt J. v. Watt dtsche hist. schr. 1, 74; die wenigen alten originalstellen (auf Lionardos abendmahl) obschon durch fremde hand zweimal getrübt, waren seinem (des pfuschers Mazza) freien pinsel ein anstosz Göthe 49, 219 W.; dieses dogma (von der unitas ecclesiae) ist nur mit groszer einschränkung zu fassen, wenn es nicht das wesentlich christliche trüben soll Schleiermacher s. w. (1834) I 12, 92 anm.; durch den gang der geistesbildung ... ist die entstehung einer solchen gruppe (der religiösen sekten und freien gemeinden) gefordert; und je reiner sie sich herausarbeitet, je weniger sie durch anbequemung an andere standpunkte fälscht und trübt, desto förderlicher wird sie (wirken) D. Fr. Strausz schr. 6, 277; er (der kritiker) nimmt die polemischen bemühungen über sich, damit die reine aufzustellende lehre nicht getrübt werde Göthe II 5, 1, 91 W.; die menschen in masse werden von jeher nur verbunden durch vorurtheile und aufgeregt durch leidenschaften; selbst der beste zweck wird somit immer getrübt und oft verschoben IV 31, 159; durch völlige vernachlässigung des rathes ... des herzogs ist die sache so verwirrt und getrübt worden IV 10, 320; phonetisch von unreinen beiklängen der vokale: in den übrigen sprachen (auszer dem italienischen und deutschen) sehen wir die einfachen vocale oft getrübt J. Grimm kl. schr. 1, 64; philosophisch im bezug auf das verhältnis von ideal und wirklichkeit: der glanz des in der reinen ewigkeit wohnenden ideals wirft uns das licht auf unsern richtsteig heller als die von der zeit getrübte (d. i. in den schranken der endlichkeit befangene) menschenrealität Jean Paul 36, xiii (Reimer); die einzelnen dinge aber sind keine ganz adäquate objektität des willens, sondern diese ist hier (gemessen an der idee) getrübt durch jene formen, deren gemeinschaftlicher ausdruck der satz vom grunde ist Schopenhauer 1, 240 Gr.; 'die klarheit, deutlichkeit stören': allein die klarheit des stücks (Arnolds pfingstmontag) wird hierdurch (das fehlen einer genauen bühnenanweisung) äuszerst getrübt Göthe 41, 1, 161 W.; ohne den druckfehler ermitteln zu wollen, der diese stelle trübt, schreiten wir ... zur sache 48, 174 W. IIII. intransitiver und reflexiver gebrauch. got. ist das intrans. drobnan, gadrobnan, as. drôbian, ahd. nach der ê-klasse truobên, mhd. truoben, mnd. drôven, vgl. mnl. droeven; über formale vermischung mit dem transitivum s. unter form (sp. 1192 unten). schon im ahd. zeigt sich reflexive verwendung vereinzelt (Tatian 180, 4, Otfrid III 24, 57), auch im mhd. ist sie noch selten und gewinnt erst im nhd. gröszere kraft, da das intransitivum in spätmhd. zeit abstirbt und das reflexivum seine funktion übernimmt. II@AA. intransitiv 'trübe werden'. entsprechend I A 2: do begunde an allen sîten der himel vaste truoben Ulrich v. Türheim Willehalm 136a bei Lexer 2, 1548, wo weitere belege; zu I A 4: jârlanc truobent mir ouch mîniu wol stênden ougen Dietmar v. Eist in: minnes. frühl. 37, 21; vgl. auch Rother 4139, Gudrun 416, 3; zu I A 5: so sêre toumte das bluot daz ob den helden vil guot der sunnen truobte der schîn Biterolf 11333; owê, lieber sumer, dîner liehten tage lange! wie sint die verkêret an ir schîne! sî truobent unde nement an ir süezem weter abe Neidhart 58, 27 Haupt-Wieszner; beidiu bluomen unde klê ... die beginnent leider alle truoben (ihre farben zu verlieren) ebda 36, 24; zu I B 1 a und b, vgl.du ni sprauto wagjan izwis fram ahin nih drobnan (θροεῖσθαι) got. bibel II Thess. 2, 2 und saiwala meina gadrobnoda (τετάρακται) Joh. 12, 27: ak drôbda for themu dôðe ... Heliand 4759 Heyne; ne druobie iuwa herta 4707; sie tho bigondun truoben (contristari) Tatian 158, 4; uns hat der morgen pracht usz sssem schlauffe gar, herumb so trbet mir der muot liederbuch d. Hätzlerin 8 H.; er muste in di gruben: dar umb pegund truben Heinr. v. Neustadt Apoll. 20248 S. II@BB. reflexiv sich trüben 'trübe werden'. entsprechend I A 1: so glücklich nicht ist jener todte see, wo sich das faule wasser trübt J. G. Jacobi s. w. 1, 161; weszwegen sich ... das Nilwasser ... wie der junge wein in fässern trübet Lohenstein Arminius (1689) 1, 675b; bildlich: wer mir wein bringt sehe mich freundlich an, sonst trübt sich der eilfer im glase Göthe 6, 208 W.; zu I A 2: auch eine henne gibt auff ihre jungen acht, wenn sich ein wölcklein trübt Lohenstein Ibrahim sultan 58; als wir nun uns nordwestwärts in das gebirg wendeten, ... fing der himmel an sich zu trüben Göthe 27, 328 W.; das wetter trübte sich, erst gewitter, dann wolkig und stürmisch Novalis schr. 2, 82 M.; zu I A 4: aber ach! du windest dich; und mein auge trübet sich J. M. Miller ged. (1783) 124; und dennoch trübt sich im weinen der blick, träufelt die thrän auf den kranz? Klopstock oden 1, 178 M.-P., s. auch 1, 112, 1, 177; zu I A 5: schon trübet sich das licht (des tages) Bürger 1, 300a Bohtz; bildlich: kann Yngurd dulden, dasz sein glanz sich trübe Müllner dram. w. (1828) 3, 163; zu I B 1 a und b: Johannem bigonda sih truoben (contristari) Tatian 180, 4; ther furist ist allis guates,sih druabta tho thes muates Otfrid III 24, 57; wes solte ich trüeben mich durch iht? Frauenlob 114, 17 Ettm.; ob ich nun tätt durch unmuts rätt mich allweg darumb trüben liederbuch d. Hätzlerin 82; es trübt sich meine seele da ich des mannes angesicht erblicke, dem ich mit falschem wort begegnen soll Göthe 10, 60 W.; zu I B 1 c: trübte sich in heilgem zorne je dein strahlend angesicht Hölderlin ges. dicht. 1, 122 Litzm.; zu I B 1 d: allein jetzt trübt sich die stimmung O. Jahn Mozart 3, 125; das neue glück, das mich erfüllte, trübte sich jedoch schon am andern morgen G. Keller ges. w. (1889) 3, 275; zu I B 1 e: als er bemerkte, dasz der geist sich verwirre, trübe, schwach werde Göthe 41, 1, 16 W.; weil die ... gedanken sich zu trüben schienen Mommsen m. gesch.4 1, 28; zu I B 2 b: so trübt sich das neue rechnungsverhältnisz, indem das alte noch nicht aufgeklärt ist Göthe IV 29, 165 W.; diese anzeichen einer neuen bessern zukunft trübten sich plötzlich Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 377; geläufig in der wendung: unser verhältnis hat sich getrübt d. h. 'wir stehen nicht mehr auf freundschaftlichem fusze miteinander'.
34951 Zeichen · 696 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trüben

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Trüben , verb. reg. act. trübe machen. 1. Eigentlich, von flüssigen Dingen, durch Auftreibung oder Aufrührung fremdartig…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    trüben

    Goethe-Wörterbuch

    trüben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    trübenschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    trüben schw. : 1. trans. a. gegenst. 'trüb machen', in der RA.: Der kann kä Wässerle trüwe (sic!), von einem verträglich…

  4. Sprichwörter
    Trüben

    Wander (Sprichwörter)

    Trüben 1. Zwei trüben, ehe sie fischen, Fischer und (unredliche) Advocaten. 2. Er trübt kein Wasser. – Braun, I, 4608.

  5. Spezial
    trüben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    trü|ben I vb.tr. 1 (trübe machen) turbé (-bëia) 2 ‹fig› (beeinträchtigen) oscuré (-rëia), dezipé (-pa), roviné (-na) II …

Verweisungsnetz

36 Knoten, 29 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Kompositum 25 Sackgasse 8

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trueben

6 Bildungen · 0 Erstglied · 2 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von trueben 2 Komponenten

true+ben

trueben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

trueben als Zweitglied (2 von 2)

auftrüben

DWB

auf·trueben

auftrüben , turbare, das wasser aufregen und trüben: von der turteltaube: trübet zuvorhin der klaren brunnen flusz mit ihren füszen auf, im …

betrüben

DWB

bet·rueben

betrüben , n. afflictio, maestitia: was den zu loben scheint, das macht ihm nur betrüben. Fleming 100 ; disz aber mache dir so gar ein schar…

Ableitungen von trueben (4 von 4)

betrüben

DWB

betrüben , n. afflictio, maestitia: was den zu loben scheint, das macht ihm nur betrüben. Fleming 100 ; disz aber mache dir so gar ein schar…

enttrüben

DWB

enttrüben , collustrare, erhellen, der trübheit entreiszen, also gegensatz von betrüben : dan wie der höchst die, so er liebet durch seinen …

ertrüben

DWB

ertrüben , turbare, affligere, mhd. daʒ si hât ertrüebet dîn vil schœne wîp. Nib. 804, 2 . nhd. das wasser ertrüben.

vertrüben

DWB

vertrüben , v. , mnl. verdroeven. 1 1) glänzendes, strahlendes trübe machen oder erscheinen lassen, mhd.: ob in ( den stern ) die wolken hab…