träufen,
traufen,
vb. ,
stillare, guttare. herkunft und form. 11)
causativum und iterativum zu triefen.
ahd. troufen,
mhd. troufen;
ags. dríepan, drîpan,
engl. to dripe;
mnl. dropen,
nnl. dial. droopen,
mnd. dröpen;
an. dreypa;
got. nicht überliefert. in den dialekten durch die synonyma tropfen, tröpfeln, trupfen
zurückgedrängt. nur noch obd. häufig: trâfn Lexer
kärntn. 67; träufen, träupfen Unger-Khull
steier. 167; trâfen Schöpf
tirol. 749; träufen Schmeller-Fr.
bair. 1, 650; træupfen
ebda 1, 673; träufen Stalder
schweiz. 1, 300; traufen, dröufen Fischer
schwäb. 2, 333; trœyfə Martin-Lienhart
elsäss. 2, 743.
md. nur selten: dröhfen Waldbrühl
Rhingscher klaaf 156; träfen Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 241
b,
nd. anscheinend garnicht verbreitet. zur etymologie vgl. triefen. 22)
im mhd., frühnhd. bis zum 18.
jh. häufig und mit träufeln, triefen, trüpfen, tropfen, tröpfeln
in poesie und prosa ohne unterschied gebraucht. bei Klopstock, Hölderlin
und Novalis
besonders beliebt; seitdem ist dem wort ein eigentümlicher stimmungsgehalt geblieben; daher seit dem 19.
jh. in der alltagssprache immer mehr durch jene verben verdrängt. 33)
die grundform *traufjan
erscheint im mhd. als tröufen: getröufet Konrad v. Würzburg
Troj. 20255
K.; tröuffent
kl. mhd. erz. 94
Ros.; troift Konrad v. Megenberg
buch v. d. nat. 326
Pf., neben traufe (
imperativ) 381;
der umlaut äu, eu
bleibt auf md. gebiet die regel: treuffen
Hesekiel 46, 14; träuft D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 2, 157,
und ist die normalform der nhd. schriftsprache geworden; bei frühen Oberdeutschen seltener: getreuffet H. Braunschweig
chir. (1539) 48
d; treuffen S. Brant
in Alsatia 10, 79; getröufft P. Heuszlin
Gesners vogelbuch (1557) 37
b;
auch in die oberdt. maa. eingedrungen, s. oben. daneben überall die umlautlosen formen mit au: troufe Rudolf v. Ems
Barl. 87, 2
Pf.; troufet (13.
jh.)
zs. f. dt. altert. 15, 453; troufen
Hiob 3454
Karsten; Heinrich Hesler
apok. 14196
Helm; später vornehmlich obd.: trauft
d. hl. leben sumerteil (1472) 87
b; getraufft Paracelsus
op. (1616) 1, 74
a Huser; drawffen H. Sachs 17, 418
lit. ver.; getrauffet Tabernämontanus
kreuterb. (1588) 646
b; traufen Schwab
ged. (1838) 338.
md. weniger verbreitet: draupffet Apherdianus
meth. disc. (1601) 182; trauffet Amaranthes (1710) 470; traufe Musäus
volksmärch. 2, 125
Hempel; traufen Kosegarten
rhaps. (1800) 1, 173. Campe 4, 867
b scheidet traufen
und träufen
fälschlich nach trans. und intrans. gebrauch. entrundete formen treifen
bis ins 17.
jh. sie finden sich besonders im elsässischen des 16.
jh.: treyffest Gersdorf
wundarznei (1517) 21,
aber treuffe (1526) 23
b; treiff H. Braunschweig
chir. (1539) 31
b,
daneben getreuffet 48
d; treyffen Sebiz
feldb. (1580) 76; Ruoff
heb. (1580) 214; treifft Wickram 5, 206
Bolte; Fischart
Garg. 62
ndr.; schwäb.: getraifft Widmann
chron. d. stadt Hall 23
Kolb; Schwelin
württ. kl. chron. (1660) 327;
nürnbergisch: treiffen Eichmann
voc. predic. (1483)
s. v. stillare; bei H. Sachs
entrundung nur in den flectierten formen des verbs treiffet 9, 268; treift 9, 462; trayfst 4, 297; 5, 334
lit. ver., gegenüber dem inf. drawffen 17, 418;
österr.: getraifft Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 131.
md. seltener: treiffet Fuglinus
de praest. daem. (1586) 65
b; Lonicerus
kreuterb. (1604) 71
b.
im 17.
jh. gehen diese entrundeten formen zurück: treiffte
grillenvertreiber (1605) 266; treiffende Harsdörffer
gesprächsp. 3, 83; getraifft Grimmelshausen 1, 711,
daneben getrauft 1, 385
Keller; getreifft J. Riemer
polit. hasenkopf (1680) 393.
auch mundartlich: drifə Fischer
schwäb. 2, 333.
monophthongierung des diphthongs au
bzw. seines umlauts äu
ist literarisch nicht allzu häufig: träffen Mynsinger
von den falken 30
lit. ver.; tref (
Augsburg 1494)
bei Fischer
schwäb. 2, 333; trefen (15.
jh.) Diefenbach 552
c; getröfft Österreicher
Columella 2, 26
lit. ver.; tröffen
urkdb. von Eszlingen 2, 187
Diehl; treffen, trauffen Stör
dict. (1663) 2, 487
b;
vgl.trefften (
part. perf.)
unten sp. 1419.
in den mundarten üblich: trâfn Lexer
kärntn. 67; trâfen Schöpf
tirol. 749; trâffə Schmeller-Fr.
bair. 1, 650; trapfə
ebda 1, 673; drâfə Fischer
schwäb. 2, 333; trft Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 241
b; träfen
ebda; drêfə Fischer
schwäb. 2, 333; betrooft Müller-Fraureuth 1, 241
b; dröhfen Waldbrühl
Rhingscher klaaf 156.
neben der üblichen spirans findet sich die affricata auszer bei Apherdianus draupffet
meth. disc. (1601) 182,
nur in bair.-österr. und schweiz. dialekten, vgl. Reuter
nhd. beitr. z. westgerm. consonantengem. (
diss. Freiburg 1906) 75: träupfen (
neben träufen) Unger-Khull
steir. 167; træupfen
mit der weiterbildung træupfezen (
neben traufen) Schmeller-Fr.
bair. 1, 673.
unsicher drapfen J.
F. Castelli
Österr. 114,
vielleicht zu tropfen. AA.
transitiv. A@11)
flüssigkeiten in tropfen fallen machen: trouftun
distillaverunt (
sc. myrrham cant. 5, 5)
ahd. gl. 2, 282, 57
St.-S. (10./11.
jh.). A@1@aa)
eigentlich. A@1@a@aα)
ohne angabe der herkunft oder des zieles des tropfenfalles: und macht (
beim essen) auf dem tischtuch ein strasz mit der gestreifften suppen sein H. Sachs 21, 251
lit. ver.; (
beim martyrium japanischer christen) mit ... wasserschöpfern ihnen dasselbige wasser fein langsam über den gantzen leib getröpfelt ..., wann etzliche darunter waren, die vom treiffen des wassers ... schwach wurden Chph. Arnold
wahrh. beschreib. (1672) 420; o wie lieblich träuft die weisze stirne, träuft die rosenwange silbernässe Mörike (1905) 1, 107
Göschen; fachsprachlich in der mineralogie: tropfeinsteinartig oder getreuft, benennungen, welche ... solchen fossilien gegeben werden, welche durch das herabtropfen der mit mineralteilchen geschwängerten wasser sind gebildet worden Zappe
mineral. handlex. 3, 194; die traubigen ... gestalten des psilomelan, die getrauften des hyalith sind solcher (
amorpher) entstehung
F. v. Kobell
in Westermanns monatsh. 232 (1876) 390
b;
vgl.tropfen A 1. A@1@a@bβ)
im allgemeinen mit localen bestimmungen: unde bite in (
Lazarus) des, dasz er netze den kleinsten vinger und mir mache ringer mit einem trophen mînen pîn, den er troufe an die zungen mîn Rudolf von Ems
Barl. 87, 2
Pfeiffer; gleich als wann man ein hembd wol seifft oder ins wasser etwas treifft Fischart
Eulenspiegel 189
Hauffen; ihres geifers gift hat mich berücket, denn sie traufen ihn in süszen wein Kosegarten
rhaps. (1800) 1, 173; ein dritte teil von einem hin öle, auf das semelmelh zu treuffen dem herrn zum speisopffer
Hesekiel 46, 14; (
Nero) ... träufft schwefel auf die haut Lohenstein
Agrippina (1685) 1, 69; lasset sie (
die enten) fein gemählig und gelinde braten, trauffet auch butter drauf Amaranthes
frauenzimmerlex. (1710) 470.
in älterer zeit besonders häufig im medizinischen bereich, wo heute tropfen, tröpfeln, träufeln
üblicher ist, immer mit richtungsangabe: daz olei troufet in die wunden, diu wolle si dar uf gebunden
zs. f. dt. altertum 15, 453 (13.
jh.); der alt (
schmerz) wiert gebrent und uber den brand getröfft schmaltz oder gaisz faistin Österreicher
Columella 2, 26
lit. ver.; wann ob die schal (
schädeldecke) durchgodt, so hute dich, das du kein öl oder balsam drin treyffest Gersdorff
wundarzney (1517) 21
a; nim schäffin unschlit oder schmaltz, träuff es in die wunden, so sterben die maden O. Gäbelkover
artzneybuch (1594) 2, 234,
daneben trieffe (
Eisleben 1595) 2, 234;
bes. oft in die ohren, augen träufen: wer des öls in sein orn tröift Konrad von Megenberg
buch v. d. nat. 326
Pf.; schaffgall ... mit frauwenmilch in die ohren getreufft, heilt ... alle bruch der ohren J. Heyden
Plinius (1565) 258; Sebiz
feldbau (1580) 76; Tabernämontanus
kräuterbuch (
Basel 1588) 646
b; die pflegerin sol ihm (
dem neugeborenen) auch ein wenig baumöl in die augen treiffen J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 214;
aus dem 17.
jh. nur noch selten zu belegen, z. b.: für die würm in den ohren, ... nimm zwibeln ..., stosz die mit alten harn, und treuffs in die ohren v. Hohberg
georg. curiosa (1682) 1, 158;
später wohl nur im bilde: die gute seele möchte gerne ... mit samaritermilde balsam in seine wunde träufen Schubart
sämtl. ged. (1825) 1.
vorbericht v.,
s. u.A 1 b. A@1@a@gγ)
gelegentlich mit ellipse des objects, vgl. auch A 1 c: und eh er bracht ein bissen nein, so griff er nach eim andern wider und treiffet auf das tischtuch nieder H. Sachs 9, 268
Keller; der mit mir in die schüssel greifft, hic est, welcher treyfft Fischart
Garg. 62
ndr.; treiffet und geiffert inn die supp 197; also name er (
ein würzkrämer) das spanische wachs, hielts ubers liecht und treiffte ihm (
einem schlotenfeger) also heisz auf die nasen
grillenvertreiber (1605) 266; die fackel träufte glühnd auf deine hand Brentano
ges. schr. (1852) 6, 162; an den öden strand des lebens, wo sich dün auf düne häuft, wo der sturm im finstern träuft Göthe 3, 65
W. euphemistisch: von dem alten Tobia ist bekant, dasz er durch eine, vom dach treiffende schwalbe in blindheit gerahten Harsdörffer
gesprächsp. 3, 83. A@1@bb)
bildlicher gebrauch: got mit sunderlichen roren wirt waz troufen in ir oren, widerrufende sy gerade zu hulden und zu genade (
Lyra: per speciales instinctus revocando ad bonum) Hiob 3454
Karsten; ... die gegend fern und nah treuft lauter mark und fett J. Schwiger
Cynthie (1660) a 4
b;
seit Klopstock in der
dichtung des 18.
u. 19.
jh. auszerordentlich beliebt: ceder, die ... schlummer und thau auf die ruhenden träufte
Messias 3, 531; trost von des freundes holdem munde träuft balsam in das wunde herz J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 2, 377; vermöcht ich doch gelind zu träufen in deine brust ... nur wenge tropfen leichtes blut! Platen 1, 54
Redlich. oft ganz unsinnlich von abstracten objecten: diesz maul, das frevel träuft, und falsche netze flicht J. E. Schlegel 1, 353; ihn, dessen magischer duft ein süszes vergessen der sorgen auf unsre stirne träuft Wieland 10, 115
Göschen; hier, wo heldenschatten niederrauschen, träufe vatersegen auf den sohn Hölderlin 1, 110
L.; aus ihm träuft dir die fülle segen ins herz und innre seligkeit Novalis
schr. 1, 149
Minor; gern wohl träuft (
ich) einst mit gelindrem wohllaut übers herz euch hin den geklärten sangstrom
M. gr. Strachwitz
ged. (1850) 177;
in der prosa verhältnismäszig selten: den sturm der inversion, der den hauptgedanken wie in einem feuerregen auf die seele des höhrers träuft, liebte er gar nicht Schubart
ästhetik d. tonkunst 45; die musikanten drehten ihre instrumente um und lieszen die überschüssige kraft ihres hineingeblasenen hauches aus den schallöchern träufen J. Lauff
Pittje Pittjewitt (1903) 71.
für sich steht eine mehr gelegentlichere verwendung in der reformationsliteratur; wohl im zusammenhang mit dem gebrauch von c: aber es ist noch kein execution geschehen, vileicht derhalben das got seinen zorn über uns last treüffen, in meinung seinen gantzen zorn über uns ausz zuschüden, wu wir also blind bleiben Carlstadt
von abthuhung der bylder (1522) d 1
a; es wirt geliebkost den grossen, und sie verachten die geringen ... die selben trucken sie undter, und für die haylsam leere, so trewffen sie in (
eis) ain schmeichelwort
N. Krumpach
herrn Erasmi ... vermanung ... (1522) a 5
a. A@1@cc)
ein eigenartiger bildlicher gebrauch von träufen
begegnet in biblischer sprache als genaue übersetzung von stellen wie '
stilla ad sanctuaria'
Hesekiel 21, 2,
zu der schon ahd. die glosse trouphi 1, 645, 58
Steinm.-Siev. belegt ist: treuffe wider die heiligthüme
Hesekiel 21, 2; richte dein angesicht gegen dem südwind zu und treuffe gegen dem mittage und weissage wider den wald (
et stilla ad africum)
Hesek. 20, 46; sie sagen man solle nicht treuffen, denn solche treuffe trifft uns nicht (
ne loquamini loquentes: non stillabit super istos, non comprehendet confusio)
Micha 2, 6.
in den revidierten ausg. seitdem durchweg durch predigen
und weissagen
ersetzt; vgl. noch: treuffen heist predigen: daher durch regen (
ps. 68) die predigt des evangelii verstanden wird ...; daraus wolzuverstehen, das er mit disen worten (sie sagten man solle nicht treuffen) anzeigen wolle, das die gottlosen zu den propheten gesagt haben, sie sollen nicht solch gros unglück dem volck drewen und weissagen J. Draconites
vom durchbrecher Jesu Christo (1550) a 3
a.
vgl.träufeln A 4
sp. 1411; träufe 2 c
sp. 1407; träufler
sp. 1423. A@22) '
beträufeln, mit tropfender flüssigkeit bedecken'
; diese objectsverschiebung, durch die das ursprüngliche object zur instrumentalen bestimmung wird, erscheint seit dem 15.
jh. A@2@aa)
allgemein: und träuft sie mit den flammen hitzigen wachstropfen auf ir blos fleisch
der heiligen leben sumerteil (1472) 87
b; zerdruckt mit den henden uber das gebratens grewliche krötten und treiffet es damit uber und uber J. Fuglinus
de praest. daem. (1586) 65
b.
häufig für das beträufeln der speisen: carnem assam in veru aspergere, butyro imbuere den braden am spiesz treuffen Pomey
indic. 358;
ähnlich im schwäb., vgl. Fischer 2, 333; das pratas sol als safftig gepratten werden und nit bey dem grossen feier oder mit dem treffen verbrennt werden, das das ain herte haut gewynne (1520)
bei Fischer
nachtr. 1768; (
die köchin) würget zwey hüner an der stet, füllt sie und steckt sie an den spiesz, und sie fein sittlich praten liesz, treifft sie und priet sie in dem saft H. Sachs 9, 462
lit. ver. A@2@bb)
besondere anwendungen. A@2@b@aα)
in älterer zeit für jetzt übliches bekleckern (
beim essen): ob du gleich in den pecher huest, das du dein part mit drawffen thuest H. Sachs 17, 418
lit. ver.; mit wein getraifft, die mewler geschmutzt, das war ir hoffweis wol erbutzt H. Sachs 5, 334
lit. ver.; nur in dieser bedeutung wird traufen
auch reflexiv gebraucht: nemb auch den löffel nit zu vol, wen du dich trayfst, das steht nit wol H. Sachs 4, 297
lit. ver.; übertragen: wer sint die sich so tröuffent, daz si got noch verchöuffent? (daz sint die verschampten pfaffen)
kl. mhd. erzähl. 94
Rosenhagen. A@2@b@bβ)
in specieller, fast fachsprachlicher beschränkung übertragen gebraucht für distinguere vario colore treuffen mit farb Dentzler
clav. ling. lat. (1716) 290
a;
nur als part. perf. pass. belegt im sinne von '
gefleckt, gesprenkelt'
; s. auch getreift
teil 4, 1, 4496:
guttatus getröuft, hin und här gedüpfflet, gefläcket Frisius (1556) 615
a;
guttatus getreufft, gesprengt Calepinus xi.
ling. (1598) 632
b;
guttatus, colorem habens, maculis quibusdam instar guttarum distinctu getreufft, hin und her getröpfflet, geflecket, gesprengt Decimator 576
b: der bauch ist heiter äschenfarb mit vil düpfflinen getröufft P. Heuszlin
Gesners vogelb. (1557) 37
b; an der käl ist er mit roten fäderen getröufft, als auch am bauch
ebda 9
b; träuft '
adj. und adv. wird von der farbe einer taube gesagt, auf deren flügeln gewisse einzelne federn von einer andern farbe sind (
Bern)' Stalder
schweiz. id. 300; sondern ist zu mercken, dasz die (
hunde), so ... ein farb haben, als da ist gar weisz oder mit rothen traifft, die besten, und die andern, so mit schwartzen und grawlechten getraifft ... nicht grosz schatz werth seyen
new jägerbuch (
Straszb. 1590) 3
b; (
hunde) von farben schiltecht oder getreuft
M. Herr
feldbau (1558) 154
a.
mehrfach von pferden (
vgl. 2trauf): der weisze gaul geträifft vom schwartzen haar und roth W. H. v. Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 131; '
bis ins 17.
jh. hinein rühmt man die trefften, muckentrefften
oder träufe,
mit welchen namen man gesprenkelte pferde mit roten oder schwarzen tippeln bezeichnete'
M. Jähns
rosz 1, 42. A@2@b@gγ)
im 17.
jh. vereinzelt für das auflegen eines kuchenteiges: wäge hernach so viel mehl als des zuckers ist, streue immerzu eines in den teig, bisz er so dick wird, dasz man ihn treuffen kan, wann gleich ein mehl überbleibt, schmiere das tortenblätlein ein wenig, und streu ein wenig mehl darauf und treuff also die zeltel (
dünnblättriger kuchen, s. teil 15, 625) so grosz du wilt darauf Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 233
b;
hierzu etwa: die tröuffele
gebäck in darmform geschlungen Hunziker
Aargau 61; trauffele
gewundenes backwerk Seiler
Basel 84.
wohl auch hierher, aber im einzelnen nicht durchsichtig (
s. auch getreift
teil 4, 1, 4496): (
das gestorbene kind) hat itzt des konfektes vol auf; bauet zuckerhäuser auf, trinkt getreuft korelkonfekt, das ein engel selbst ihm rekt, schmekt den süssen marzepan, beist zitronpomranzen an S. v. Butschky
kanzelley (1666) 4, 18. A@2@cc)
im bildlichen gebrauch haben sich stellenweis besondere bedeutungsschattierungen eingestellt: wir treuffen sie (
die pfaffen) mit unserm schmaltz, dargegen crütz, esch, wasser, saltz geben sie uns S. Brant
in Alsatia 10, 79; die bauren sehens für ein blut, der arzt aber nicht, er sey dann mit der bawren adern getraufft worden: das ist, er wene, er sey ein arzt, so er doch seine scientiam als ein baur versteht Paracelsus
op. (1616) 1, 74
Huser; die hocheingebildeten herrens werden wie billig in ihrem eigenen fett gebraten und geträuft C. Herder
bei Düntzer
z. dt. lit. u. gesch. 2, 36,
vgl. das sprichwort einen mit seinem eigenen fette (schmalz) beträufen
teil 1, 1710;
noch stärker redensartlich: da doch wohl ... einer so wenig courage als der andere hat, und beyde mit hasenschmalz getraufft Grimmelshausen 1, 385
K.; der hase ist nicht nur feige sondern auch ein geiles tier, daher: indessen aber ware er doch mit etwas hasenschmaltz getraifft und von liebe übermacht, nach dem bauerngretel eingenommen
ebda 1, 711; so ein paar ungleicher liebeseyfferer und eyffersüchtige liebhaber waren dieses, alle beide mit hasenschmaltz getreifft J. Riemer
der polit. hasenkopff (1680) 393.
ohne nähere bestimmung bedeutet einfaches geträuft,
mundartlich öfters '
töricht, dumm',
vgl. in derselben bedeutung begossen
und dialektisch bedrippt: er ist 'tráfft Schmeller-Fr. 1, 650; Zaupser 77;
s. auch betrooft Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 241
b;
so wohl auch zu verstehen: und wird ihm zu lang das harren, einer rast, der ander bittet, einer klagt, der ander wütet, wohl ein paar getreiffter narren Riemer
a. a. o. 393;
ebenfalls wahrscheinlich hierher: kompt ain arms kint zu in, so sprechent sy, es ist ain treuffet oder torhatt mensch Tauler
sermones (1508) 51
b,
entgegen Ch. Schmidt,
der lat. trufator
heranzieht, hist. wb. d. elsäss. ma. 362. BB.
intransitiv. '
in tropfen fallen',
gleichbedeutend mit triefen,
s. auch dort. vereinzelt schon mhd.: die zeher trouffent mir under die ougen
minnefalkner 43, 7
bei Hadamar
jagd Schmeller; häufiger erst im frühnhd., wo auch lautlich triefen
und träufen
in der 2.
u. 3.
pers. sg. praes. und 2.
pers. imp. überall dort zusammenfielen, wo die umgelauteten formen herrschten und wo mhd. iu
zu eu
wurde. daher eine aufteilung zwischen beiden verben nicht immer sicher: es wardt kein braten nie so mager, auch den man vor drey schilling keufft, das nit davon ein wenig treufft B. Waldis
Esop 2, 29
Kurz; es wechst und treufft der wohlriechende balsam für und für
M. Ch. Irenäus
spiegel d. ewig. lebens (1589) a 2
a; der schweisz auch überall aus seinem (
des baumes) baste treuffet D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 6, 32; nu steh ich hier, der regen treufft auff mich Stieler
geharnschte Venus 71
ndr. B@11)
subject ist die herabfallende flüssigkeit. B@1@aa)
eigentlich. B@1@a@aα)
ohne nähere bestimmungen: die quelle rinnt! es träuft der thau! Klopstock (1823) 7, 82; an heiszer glut gegohren, träuft reich der traube saft
F. Kind
ged. (1817) 4, 5; ha, dir träuft die wonnetrunkne zähre Hölderlin 1, 97
L.; der eine suchte honig, der im walde träuft Göthe 11, 19
W. B@1@a@bβ)
mit angabe der herkunft oder des zieles: ... ein lautres zuckerwasser ..., das in dem kelch (
der blüte) zusammen läuft, und endlich aus demselben träuft D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 2, 157; er bringt es den hügel herab (
das blut), wie es glanzvoll von dem quell träuft Klopstock
od. 1, 253
M.-P.; thränen des danks träufen ins farbengemisch Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 29; ich will dich ... ängstigen, dasz kalter todesschweisz von deiner stirne träufen soll Klinger 10, 149; schützen dich vor hitze und vor regen, welcher heftig aus gewittern träuft Novalis
schr. 1, 139
Minor; träuft ein quell vom paradiese, leiser, frischer morgenthau Uhland
ged. (1898) 1, 41; wird mir auch honig von den bäumen träufen? Freiligrath
ges. dicht. (1870) 1, 176. B@1@bb)
bildlicher gebrauch: seht wie der kühle wind die volle wolcken häufft, woraus des himmels fett und unser segen träufft J.
V. Pietsch
geb. schriften 58; niemand vermuthete, dasz ein nägelmagazin das eigentliche füllhorn sei, aus welchem das öl des überflusses traufe Musäus
volksmärchen 2, 125
Hempel; hinter sanfter hügel schirme wo ... der liebe nektar träuft Bürger 74
b Bohtz; doch die erinnerung träuft wie blüthenschauer im maienmond so süsz auf unser herz E.
M. Arndt
werke 3, 51
Rösch-Meisner. abstracter: dasz mir deine palme kühlung wehe, kühlung, wie von lebensbäumen träuft Hölty
ged. 63
Halm; mein unglück träuft auf sie herunter, mein verworfenes geschick besudelt sie Göthe 24, 317
W.; in den regen wipfeln träuft dichterwort von vogelzungen C. A. Overbeck
samml. verm. ged. (1794) 12; o vater! es träuft aus deiner hand der segen über berg und land Loeben
ged. 20
Pissin; da träuft dem armen lügenwicht die angst vom bleichen angesicht
F. A. Schulze
ged. (1828) 105; ruhe träuft von seinem (
des abends) flügel Grillparzer 2, 81
Sauer; hatte man sich vorher in überträufende begeisterung für den reisenden hineingesprochen Alexis
in novellenschatz von Heyse-Kurz 10, 108; die menschen sind furchtbar vom licht entstellt, das von ihren gesichtern träuft R.
M. Rilke
buch d. bilder2 39. B@22)
subject ist der gegenstand, von dem die flüssigkeit herabfällt, die frühesten belege gegenüber triefen
nicht ganz gesichert; wann das tach so starck zesamen gemacht ist, das es nit treufft (
tectura ... quod non stillat)
offenb. d. hl. Birgitte (
Nürnberg 1502) n 1
a; süszer dan honig, unt was von honigsaim treuffet Melissus
psalm. 70
ndr.; (
Jesus im ölgarten) du treuffest im zornfewer deines vaters wie ein braten
V. Herberger
trawerbinden (1619) 6, 268; wenn Reinke gleich gantz überteufet von list und boszheit treufet
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 145. B@2@aa)
concret. B@2@a@aα)
ohne nähere bezeichnung der flüssigkeit: ... (
ein märtyrer) gleich wie einen hammelschlägel gebraten, und wann sein fleisch getreifft ... hat Schwelin
württ. kl. chron. (1661) 327;
wohl auch hierher: ez sulen ... ir oberhus bedecken, daz den undern gemachern ... kain schad beschehe weder mit tröffen noch mit schutten usz der kuchi
urkdb. d. stadt Eszlingen 2, 187
Diehl; die stürme wehn, die bäume traufen G. Schwab
ged. (1838) 338; die steine träuften nur wenig (
in einer tropfsteinhöhle) Platen
tageb. 1, 317; das gefäsz drohte überzulaufen oder es träufte wirklich schon Alexis
hosen (1846) 2, 3, 170;
formelhaft: ein dach, das träuft, und böse weiber können gute männer vertreiben Dühringsfeld
sprichw. 1, 155
b,
vgl.trauf 1 a
sp. 1400;
häufig vom menschlichen körper, wenn er schwitzt oder sonst nasz wird: der hette sich verweint, das sein gantzer leib träuffet J. Ayrer
hist. processus jur. (1600) 386; als er erwachte, lag er so sehr in einem schweisz, dasz bald jedes haar an ihm traufte Pestalozzi
sämtl. schr. (1819) 4, 120; ich ... versank in die wellen ... träuffend, ... stieg ich nun am andern ufer hinauf maler Müller (1811) 1, 52. B@2@a@bβ)
die herabtröpfelnde flüssigkeit wird genannt: er draupffet von wein
madet vino P. Apherdianus
meth. disc. (1601) 182;
besonders häufig ist von blut träufen: und er (
der jüngling) sollte schon das schwert, das vom blute träuft, erlangen? C. O. v. Schönaich
Heinrich d. Vogler 81; das birkenlaub, das vom duftigen frühthau träuft v. Salis
ged. (1793) 76; denkt euch einen von regen träufenden, breitastigen ulmenbaum Gutzkow
zaub. v. Rom 3, 362. B@2@bb)
bildlich nur selten vor dem 18.
jh.: sobald der seckel nimmer treifft und man zu tieff am boden greifft (
ist man ein unerwünschter gast) Wickram 5, 206
Bolte; dein (
gottes) fusztritt in den wolken, träuft von fett J. A. Cramer
nord. aufseher (1781) 1, 195; (
der frühling) träuft von thau und duft und segen Claudius
werke 1-2, 118; hain! der von der götter frieden, wie vom thau die rose, träuft
F. v. Matthisson
schr. (1825) 1, 65;
auch: von golde träufte das gestein, vom puren
F. Rückert
werke (1867-69) 3, 146; in sommerwarmer, von den süszesten düften träufender luft O. Ludwig 2, 430;
ganz abstract: den glauben der von frieden träuft Geibel 2, 96. B@33)
unpersönliches es träuft
nur mundartlich belegt; schwäb.: wenns auf de
n baure
n regnet, traufts au
ch auf den knecht Fischer 2, 333;
im elsäss. von anhaltendem feinen regen Martin-Lienhart 2, 743
a.