tränken,
vb. ,
gemeingerm. causativbildung zu trinken.
got. dragkjan;
ahd. trenkan,
mhd. trenken;
altsächs. (or-)drenkian;
mnd. drenken;
anfr. drenkan,
mnl. drenken (dranken),
nl. drenken;
afries. palatalisiert drentza,
daneben drinsa, drenka, drinka;
ags. drencan,
mengl. drenchen,
engl. drench;
altnord. drekkia
und aschw. dränki,
schwed. dränka '
ertränken',
dän. drænke '
treten (
vom paaren der vögel)',
älterdän. auch '
ertränken'. —
formales. rückumlaut findet sich nicht zu selten noch im 15.
jh.: tranckten das vieh
summerteil der heyligen leben (1472) 129
b; ich kam in der tieffe des mers: und daz ungewitter tranckt mich
erste dtsche bibel 7, 338;
vereinzelt im 16.
jh.: stackt in (
den schwamm) auff ein ror und tranckt in (
Jesus)
Zürcher bibel (1531) 2, 217
b.
composita: auf- (
s. 1 b
β), ein- (
s. th. 3, 326), er- (
s. th. 3, 1032),
ahd. ketrencan (
s. Müllenhoff-Scherer
[] denkmäler3 1, 22), herauf- (
s. 1 a
α), vertränken (
s. th. 12, 1, 1944). 11) '
ein lebendes wesen trinken machen, ihm zu trinken geben',
potum dare trencken
gemma gemm. (1508) t 6
a;
potionare i. potionem dare trencken Dief.
gl. 450
b;
potum offero Steinbach
wb. 2, 875;
in älterer sprache von menschen ebenso wie von thieren gebraucht: si ne welle mich ... trenchen und mîne olbenten
gen. u. exod. 42, 16
Diemer; also soltu inen wasser ausz dem velsz schaffen und die gmeynd trencken und ir vich
Zürch. bibel (1531) 1, 75
a. 1@aa)
heute allerdings hat sich die bedeutung grösztentheils eingeengt auf thiere tränken;
für die mundarten, die das wort in allen gebieten reich ausweisen (Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 332;
brem.-ns. 1, 247; Schambach
Götting. 48; Bauer-Collitz
waldeck. 23; Hönig
Köln. 36; Crecelius
oberhess. 299;
lux. wb. 69; Lenz
Handsch. 71; Hunziker
Aargau. 58; Seiler
Basler 83; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 760; Schöpf
tirol. 754
u. a.),
wird man diese bedeutung, auch wo sie (
weil selbstverständlich)
nicht registriert ist, unbedenklich in anspruch nehmen dürfen; im nd. allerdings concurriert das wort, namentlich in der folgenden anwendung, mit börnen,
s. th. 2, 245, Mensing
holstein. 1, 487;
Teuthonista 4, 149
und drinken laten Berghaus
Sassen 1, 363. 1@a@aα)
dem heutigen sprachgefühl zunächst liegt die vorstellung '
trinken lassen an einer natürlichen tränke': dô treip er dicke in einen bach daz vihe trenken in dem wâge Konr. v. Würzburg
Trojanerkr. 703; schnitent spen da von und legten die in ein wasser und tranckten das vich
summerteil d. heyligen leben (1472) 129
b; also muosz ich meyne ochsen, so ich mit zuo acker gangen bin, auff des andern grund umb wassers willen oder der weyde halben treyben, sy da zuo trencken oder speysen
clagantwurt (1497) 71
b; al da sy abstigen, die rosz ausspannten, an dem gstad schwempten und trenckten Schaidenreisser
Odyss. (1537) 24
a; er ... sein herd schaff gegen dem brünnlein zu träncken füret
theatr. amoris 382; (
eben ritt) der stallknecht mit etlichen schönen pferden heraus, selbige in die schwemme zu reiten und zu träncken Lolivetta
d. teutsch. gespenst (1684) 348; (
feldservitute:) das wasser zu schöpfen, das vieh zu tränken, das wasser ab- und herzuleiten
österr. allg. bürg. gesetzb. § 477;
das comp. herauftränken
fügt eine bewegungsrichtung zu dem inhalt des simpl.: da sollen die zwen höf ain gassen habn, das die von Arzell ir vich mugen herauf trenken in die harrössen (1540)
österr. weisth. 2, 220.
vom 16.
jh. ab gewinnt das 'tränken
von kriegspferden in den gewässern des feindlichen landes'
symbolische bedeutung für '
kriegerische invasion'.
der gefühlsinhalt ist natürlich je nach dem standpunkt des eindringenden siegers oder des preisgegebenen besiegten abgestuft: hat kein ansprach an das land ..., wann dasz er sin gwalt ... erzeigen wolt und ... jederman ze leid sine pferdt in dem Rhin träncken Tschudi
chron. helv. 1, 462; es wird noch mancher ins gras beiszen, bis ihr eure rosse im Neckar tränket Hauff 1, 55;
ähnlich (
refl.): dann dörft ich nicht die ströme krieger sehn, die von den Alpen rollen; dörfte nicht die heerden fremdes vieh sich tränken sehn im blutgefärbten Po Herder 27, 360
S.; in einem beliebten dichterischen bild von der untergehenden sonne: das auge dieser welt begunte sich zu sencken und wil in grünem saltz die feuerhängste träncken Treuer
Dädalus 1, 9;
sprichwörtlich: er hat die frösch getrenckt Eyering 2, 270 (
im sinne von '
eulen nach Athen tragen'). 1@a@bβ)
dem gebrauch von 2
sachlich näher kommt das tränken
durch '
eingieszen von wasser in einen trog'
u. ä. oder '
vorsetzen eines tränkgefäszes',
meist im stall, daneben ist zu trinken geben, trinken lassen
in brauch: und du trinck: ich gib auch zetrincken deinen kemlein. und ich tranck
[] und sy trencket die kemlein
erste dtsche bibel 3, 118; aus dem schafft, darausz man die rösser im stall trencket Guarinonius
greuel d. verwüstung 731; der abdecker ... einen eimer wasser in der hand, beschäftigt ..., einen dicken, wohlbeleibten gaul ... zu tränken H. v. Kleist 3, 198
E. Schm.; häufig in verbindung mit anderen vb., die stallwartung der thiere bezeichnend: des rats pferde drencken und warten (1468) Bücher
Frankf. berufswb. 35
b; (
ich will) mit fleisz versehen im sein pferd, mit strewen, strigeln, füttern und trencken H. Sachs 21, 104
Götze; von körnerfutter, von decken, streu, putzen, von tränken im stall und regelmäsziger wartung (
der pferde) ist nicht die rede Moltke
schrift. u. denkwürd. 1, 137;
häufig auch in thierärztlichen anordnungen: wann die pferd zu vil mager werden, soll man ihnen zum futer geröst korn oder gestoszne gersten zwifach fürschütten und zum tag dreimal träncken Herr
feldbau 1866; wann ein pferd nit essen mag, so nimb ... roggenkleyen, thues in ein schaf mit bronnenwasser ..., trencks darmit, es wirt gesund Seutter
roszartzney (1588) 118;
von vögeln: und darnach sol man im (
dem habicht) geben ain gantze gallen von ainem swein ... und alslang bis er gesunt wirt, sol man in trencken mit wasser des morgens (15.
jh.) Mynsinger
falken, pferd. u. hund. 45
lit. ver.; so auch oft mit qualitativen adverbialen bestimmungen: trencks (
das pferd) nit kalt in 14 tagen Seutter
roszartzn. (1588) 76; man trencks morgens law mit einer handvol kleyen darein gethan
ebda 16; trencks warm
ebda 77;
oder allgemeiner, das adv. bezeichnet das ergebnis der handlung: wann ein rosz zu rehe geträncket worden
M. Böhme
roszartzney (1618) 27; rehe-gesoffenes oder hitzig geträncktes pferd
caval rappreso Kramer 2 (1702) 200
c. 1@a@gγ)
besonderheiten. elliptischer gebrauch tritt früh auf: hie würt Parzifal vehtende mit eime rittere, der huote eins wassers, daz nieman drinne tranhte Wisse-Collin 359
Schorbach; (
die von Arzell) solten auch in dem pach nit trenken (1540)
österr. weisth. 2, 220; er war ein reutersmann, fütert, eh er trenckt, ein weidman, trib auff, eh er zu garn lauff Fischart
Gargant. 75
ndr.; doch erst trockne den schaum, dasz er kühl werd, ehe du tränkest Voss
sämtl. ged. 2, 207;
dem sprachgefühl geht das wissen um unterdrückte obj. zuweilen verloren, sodasz dann neue constructionen mit präpositionalem obj. möglich sind: darzue haben die nachpern zu Haimbingen die recht ... mit iren oxen zu trenken darin und daraus ungeverlich
österr. weisth. 3, 63;
ähnlich bei schwemmen 1 b,
th. 9, 2514.
natürlicher übergang vom transitiven zum reflexiven gebrauch tritt ein, wo subj. und obj. in eins fallen, also bei wilden thieren: gazellenheerden herbeieilen, die ufer des Nils hinabzusteigen, da sich zu tränken Ritter
erdk. 1, 618;
ähnlich: ein mann, in dessen blute sich die mücken um die wette tränckten Lichtwer
äsop. fabeln 161;
bei ellipse des refl.-pron. gewinnt tränken
intransitive bedeutung (
vgl. 3 b): ein brunnen ... gab das schönste motiv zu einem bilde: die tränkenden maulesel, deren haupt mit bunten bändern ... verziert war v. Gaudy 5, 137. 1@bb) menschen tränken. 1@b@aα)
in der älteren sprache bis ins 16.
jh. durchaus üblich: afþaursiþs was jan-ni dragkideduþ mik (
ἐδίψησα καὶ οὐκ ἐποτίσατέ με)
Matth. 25, 42; vrouwe, trenche mich nu
Milstädter gen. u. exod. 42, 20
Diemer; mich turst vast zuo menger stund, da tranktent ir gern minen mund Mone
schausp. d. mittelalt. 1, 286; (
Rebecca) trenckt in
1. Mos. 24, 18 (
ausg. v. 1523;
in der von 1534
geändert in: gab im zu trincken); do gieng sy hin und füllet die fläschen mit wasser und trenckt den knaben
Zürcher bibel (1531) 1, 10
a; die durstigen trencken Ferdinand v. Tirol
spec. vit. hum. 19
ndr.; das partic. prät. kann gelegentlich die bedeutung '
satt getrunken'
annehmen: [] sesse ein mensch vor einem keler und were nach seines herczen gierde wol getrencket (14.
jh.) Steinhausen
privatbriefe 2, 7;
mit präpos. bestimmung; selten enthält sie eine locale angabe: den stein zebrah er in demo einote unde tranchta sie samo in tieffemo uuage (
adaquavit eos velut in abysso multa) Notker 2, 314; nu saz der biscof under das folk und trankt si uz ainem kelch trüebes trank (14.
jh.) Marg. Ebner
offenb. 159
Strauch; refl.: wie oft hat er die herd und auch sich selbst getränkt aus eurem bronnen hier Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. 2, 248;
substantielle beziehung tritt hinzu: mir was, wie ich vor dem selben bild stüend, ... so naigt sich min herr Jhesus Cristus her ab ... und trankt mich mit sinem bluot dar usse (
aus seinem herzen) Marg. Ebner
offen. 21
Strauch. sie herrscht vor (ab, mit, von etwas tränken): wann allso die mess auss und der pfarrer das volk ab dem hl. bluet getrenkt (1640) Fischer
schwäb. wb. 6, 1765; (
sie) tranchton mih turstegen mit ezziche Notker 2, 269; wer dieser geringsten einen nur mit einem becher kaltes wassers trenckt
Matth. 10, 42; bist ouch keim gfangnem gnedig gsin, kein durstigen trenckt mit dinem wyn
schweiz. schauspiele d. 16. jh. 1, 39
Bächtold; refl.: darnach soltu gedencken, wie du dich sollest trencken mit wasser von pipinelle tormentille scabiosa schnelle
tractat contra pestem (1500) c 3
b; (
sie) fahen den regen und den tauw darinn (
in tüchern), damit sie sich darvon trencken Fronsperger
kriegsb. (1573) 3, 146
a;
als '
vergiften': einen mit gift tränken
venenum alicui miscere Stieler 2332;
ganz realiter vorgestellt auch: dar usz (
aus den krügen) saltu den alten judden schengken, mit swebel und bech saltu sie drengken
Alsfeld. passionssp. 8, 271
Grein; refl.: (
die törichten jungfrauen in der hölle) in smekendem nebele sich trenken sie mit swebele
sälden hort 872
Adrian; im bilde: aber den stoltzen und vorhin klugen ... welcher bauch ihr gott ist, welche allein am thiere der Babylonischen huren hangen, und sich von ihrem gifft träncken J. Böhme
schrift. (1620) 2,
vorr. a 3;
über den rein sinnlichen vorgang hinaus tut die vorstellung vom getränktwerden mit Christi blut einen schritt ins uneigentliche: wie nun der son gottes sein ... blut ... den ertzvettern ... hat fürstellen lassen und uns im abendmal damit trencket zu vergebung der sünden Mathesius
Sarepta 75
b (
ähnlich s. γ).
lexikalisch wird der eigentliche gebrauch dann bis in das 18.
jh. weitergeschleppt: träncken (einen durstigen)
ihm zu trincken geben, to give drink to one that is thirsty Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2001;
abbeveràre, beveràre einen tränken Castelli
ital.-d. (1741) 1, 3
b; mit wasser träncken
aliquem aqua potionare Steinbach
d. wb. (1734) 2, 875;
in wirklichkeit ist er in der sprache des 17.
jh. nur noch in relicten vorhanden und taucht erst im 18.
jh. wieder stärker auf, allerdings nun fast ausschlieszlich der poetischen sprache angehörig, während der alltagsgebrauch dafür nun lieber zu trinken geben, trinken lassen
u. ähnl. verwendet (
s. im eingang dieses abschnittes Luthers
correctur): Minerva tränkte mich mit ihren nahrungssäften Gottsched
ged. 1, 366; wo dich ein diener tränkt, wann ihm der herr nur winket Dusch
verm. w. 457; so eben hab ich meinen kampfgefährten, den Tartar, noch zum letzten mal getränckt
Z. Werner
d. söhne d. thals 1, 313;
ähnlich in gehobener oder archaisierender prosa: die zeit, da die ritter auf die jagd ziehen und sich von den jungfrauen tränken lassen Laistner
nebelsagen 312; gaben mir auch zu essen und tränkten mich mit dem besten
[] wein Steub
drei sommer in Tirol (1871) 1, 201;
wie wir heute, wenn wir pastoral-salbungsvoll und mit betonung des charitativen sprechen, durchaus tränken
statt zu trinken geben
sagen können, so auch schon im 18.
jh.: die durstigen tränken, ist erhabener, als den durstigen zu trinken geben Stosch
versuch 2, 546. —
auch wo sich die bedeutung mundartlich vereinzelt erhalten hat, ist sie eingeengt, z. b. trankə
scherzhaft vom menschen, zu trinken geben Martin-Lienhart 2, 760; ên dränken
jemandem vollauf und unentgeltlich zu trinken geben lux. ma. 69.
das reichliche auftreten von subjectsverschiebung wird durch eben diese gehobene verwendung in der dichtersprache erklärlich. im bildlichen gebrauch allerdings ist sie nicht selten schon vornhd. zu belegen: uuant er unsih freuuitathen guaton uuin uns sparota, ther furdir uns ni uuenkitioh geistlicho drenkit Otfrid 2, 10, 20; uns trenkent da dri chopphe beuollen erlich der driualtigen gelovbe. div labet uns des herzen ovgen in einir einekhaite Diemer
dtsche ged. 82, 27; die ewige wune, do der clar lauter prune der gotheyt reych ymer on end dich trencke H. Folz
meisterlieder 39
Mayer; getrencket hat mich laides prunn
liederb. d. Hätzlerin 7;
im 17.
jh. und später neben weiterer bildlicher, dann auch in wirklicher anwendung: denn es läge allein unter dem tempel ein solcher überflusz von wein, welcher hunderttausend menschen ein jahr lang träncken könte Lohenstein
Arminius 2, 299
a; dort tränkt dich tag für tag der allerschönste wein Gottsched
deutsche schaubühne 5, 528; aus lippen, welche stets dein offner becher tränkt B. Neukirch
ged. 191; nektar, der die götter tränkt Ramler
lyr. ged. 146; er sitzt am felsen, dessen born ihn tränket A. W. Schlegel
im Athenäum 2, 140; freiwillig tränkt uns keine traube Körner 1, 137
Hempel. 1@b@bβ)
eine einengung der bedeutung liegt vor, wenn tränken
vom anlegen des säuglings an die mutterbrust gebraucht wird, wofür man jetzt häufiger säugen
oder stillen
sagt: wenn ein kind sich nicht genügen lesset an dem, dasz man es wartet, wieget, trencket
etc., gibt ihm die mutter eins auffs mäulein Luther 34, 2, 252
W.; wenn ein kind solte in seiner mutter leib wieder gehen können ... und hernach abermahl gebohren würde ... und also noch einmahl sich stillen und träncken lassen Prätorius
philos. colus 123; sie verdankt diese (
jugendlichkeit) mit recht der sorgfalt, die sie gehabt hat, ihre beiden kinder selbst zu tränken Hermes
f. eltern u. ehlustige 1, 81; Venus tränket den Amor. eine der lieblichsten gruppen, die man sehen kann (
beschr. einer gemme) Göthe I 33, 256
W.; mit geändertem subject: noch ehe die mutter in die arme mich nahm und ihre brüste mich tränkten, fasztest du zärtlich mich an Hölderlin
ges. dichtg. 1, 152
L. mundartlich: drenke
suckle Lambert
pennsylv.-germ. dial. 44;
von einer thiermutter: ja es würde die mutter auch diese jungen nicht mit milch tränken und auferziehen Göchhausen
not. venat. 69;
vgl. aber im comp.: auftränken
ein thier ohne muttermilch aufsäugen Sallmann
neue beitr. 88.
bildlich: du solt getrenckt werden mit keisers brusten
Jes. 60, 16 (
mamilla regum lactaberis; von Luther
später geändert in: der könige brüste sollen dich seugen); wir müssen andere brüste suchen, von welchen wir satt und zum ewigen leben getränckt werden mögen Dannhawer
catechismusmilch 1, 30; hätt ich (
das alte jahrhundert) ihn (
den könig) mit der milch der tugend nicht getränkt Neukirch
ged. 241;
[] seine majestät war die amme, an deren wohltätigen brust sich jeder getränkt und gelabt maler Müller 1, 193;
naturbilder: so oft ich trauben seh, so oft seh ich sie an, als säh ich die natur mit hunderttausend brüsten ..., woraus sie uns so reichlich schenkt und mit der besten stärkmilch tränkt Triller
poet. betr. 1, 11; die sonne brach hervor aus dem himmel und tränkte die erde, das alte kind, mit ihrer strahlen milch Heine 3, 223
f.; refl. personifizierend: warum aus Junos brust die matte saat sich tränkt Wieland
natur d. dinge 1.
buch v. 140. 1@b@gγ)
in der festen verbindung speisen und träncken (
vgl. speis und trank
sp. 1191)
hat sich der gebrauch von α bis heute durchaus erhalten. das ältere synonymon für speisen
ist jedoch ätzen,
schon bei Notker 2, 329,
s. u. δ: dar zuo er in æzzet unde trenchete
Milstätter gen. u. exod. 82, 15
Diemer; der wirt in selbe trankte unt azte mit willigen handen
Servatius in zs. f. d. altert. 5, 171; wir seind unserm leibe schuldig, dasz wir ihn etzen, trencken, schlaffenlegen Agricola 750
teutsch. sprichw. j 7
a;
oft in rechts-, insbes. bannformeln: desselben helfer send durch den abt gehauset, gehoft, geesset und trenckt worden Knebel
chron. v. Kaisheim 278
lit. ver.; der Aunsorg ... erlanget prieff, wer den Putrich huset oder hoffet, aust oder trankt oder geferlichen hin hulf, dem solt und möcht der Aunsorg zuo komen als dem Putrich (15.
jh.)
chron. d. d. städte 4, 100;
weitere belege s. unter hausen II
th. 4, 2, 660;
vgl. noch: so rufen wir, in unsers reiches namen, die reichs- und oberacht ob deinem haupt, dasz niemand dich behause, ätze, tränke
Z. Werner
Martin Luther 255;
erst im 16.
jh. wird ätzen
durch speisen
abgelöst; vgl. die häufung: gott hett die juden geätzt, gespiset und getrenckt Keisersberg
s. th. 1, 596.
der charitative beigeschmack (durstige tränken)
ist hierbei noch stärker, als ihn das einzelne wort schon besitzt; demgemäsz in einzelnen belegen noch verstärkt: hungrigen speisen, durstigen trenckhen, frembden beherbergen Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 602
Reithm.; wer arm lüt spyszt, trenckt oder bekleydt H. R. Manuel
weinspiel 4190
ndr.; ethisch gewendet: schaff, dasz ich versöhnlich sey und auch meine feinde liebe, ... die verfolger speise, träncke ... und das böse stets mit gutem dem beleidiger vergelte Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 10;
im übrigen ist der gebrauch seit dem 16.
jh. unverändert: welches ist das leibliche brot? antwurt: do man den cörper mit speyset und trenckt
zwei ält. katechism. 41
ndr.; nach dem der frauen leib seubern ..., auch die frau zu dem bett verordnen und legen, sie auch speisen und träncken Ruoff
hebammenbuch 71; sie speiste und tränkte ihn, gab ihm neue kleider und fuhr mit ihm ... von dannen G. Keller 4, 198;
refl.: auch weil es (
das fieber) wehret und 2 stund darnach sich nicht speisen noch trencken, bisz sich dasselbig vollicklich gesetzet hat Wirsung
artzneybuch (1568) 557
b;
wie unter 1 b
α ins uneigentliche spielend, vom abendmahl; häufig: so ist unser seel gespyst und getränkt mit dem fleisch und blut Christi Zwingli
dtsche schr. 1, 252; schau, was dir gott vor gnad erweist und wie er dich bedenket, in dem er seinen leib dir speist und dich genädig tränket mit einer purpurrothen fluth Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 97;
oft in bildern: sie (
die weisheit) wird in speisen mit brot des verstandes und wird in trencken mit wasser der weisheit
Jesus Syrach 15, 3; die arme kirche seugen, speisen, trencken Mathesius
Sarepta 46
b;
mit beziehung zu 1 b
β: mit der millich, dem gottes wort, sie (
die kirche) die (
christen) täglich trencket und speiszt H. Sachs 6, 210
lit. ver.; [] sprichwörtlich: wort speisen und trencken auch S. Franck
sprüchw. 1, 112
b. 1@b@dδ)
aus der sinnlichen sphäre bilden sich festere anwendungen von sinnbildlichem rang heraus wie mit essig und galle, mit blut, mit tränen tränken.
mit essig und galle tränken als '
etwas bitteres antun'
; die quelle ist Matth. 27, 48 (
bzw. Marc. 15, 36): und bald lieff einer unter inen, nam einen schwam, und füllet in mit essig, und steckt in auff ein rhor, und trencket in (
vgl. noch: ich wil dis volck mit wermut speisen und mit gallen träncken
Jerem. 9, 15); wie mag uwer Cristus got sin, sit er ist geborn und von dem tyfel versuchet, von sime junger verroten, mit gallen gedrenket, gekrüzeget, gemartelt und gestorben (1400)
chron. d. d. städte 8, 364; und het in ussgemengt mit gemirten win, essig und gallen, do mit er getrenckt wart am stamme des heiligen crützes Keisersberg
bilgerschaft 16
c;
den übergang vermitteln belege wie: wenn dein begird hat eines türstigen heischen genug, ... so wirt mit mir (
Christus) dein dürstiger mund mit bitterkeit getrenckt
d. ew. wiszh. betbüchl. 45
b; aber der durst (
des edlen worts) thuth nicht alleyn eynen groszen feylgriff mit seinen reden, sunder wurt auch mit gallen und essig getrenckt, wie Christus am creutz Luther 10, 2, 54
W.; voll emanzipiert: wilt du mich kräncken,mit gallen träncken, und sol von plagenich auch was tragen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 430; mit essig und galle tränkt ihr den sterbenden Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 436; er tränkte die jugend mit galle Treitschke
dtsche gesch. 3, 710.
mit seinem blut tränken als sinnbild liebevoller aufopferung, hingabe, im bilde des pelikans: denn deine liebe gleicht dem treuen pelican, der seine jungen tränckt mit seinem eignen blute J. G. Neukirch
anfangsgr. z. t. poes. 37; hatte wie ein pelikan dich mit eignem blut getränket, und du hast mir jetzt zum dank gall und wermut eingeschenket Heine 2, 23
E.; in anderer bedeutung '
im kriege fallen': bevor nicht einer ... den grausen kriegesgott mit seinem blut getränket haben wird Bürger 161
Bohtz; das land, die erde mit blut tränken
vgl. 5 c
α.
mit tränen tränken '
betrüben': so inchist du uns daz du unsih azzest unde trenchest mit tranen be mezze (
cibabis nos pane lacrimarum et potum dabis nobis in lacrimis in mensura) Notker 2, 329,; träncke mich mit dem masz vieler thränen Arnd
Thom. a Kempis nachf. Christi (1631) 29;
refl.: (
nach dem bruch mit einer freundin) nun ... rufe dich bey meinem namen heiser und tränke dich von deiner thränen bach v. Gökingk
ged. 1, 106;
anders: ich will euch gerne mit meinen seufzern nähren und mit meinen thränen tränken Schubart
br. 2, 17
Strausz; mit subjectsverschiebung: die thränen träncken mich, die seufzer seyn mein brot Hofmannswaldau
bei Steinbach
dtsch. wb. 2, 875; verschluckter thränen bitterkeit hat sie getränkt die ganze zeit A. v. Droste-Hülshoff 2, 89; etwas mit tränen tränken
s. unten 5 c
β. 1@b@eε)
in einigen typen hat sich bildlicher gebrauch besonders reichlich und fortwirkend herausgebildet. 1@b@e@aaαα)
einerseits gehen die bilder auf die ausspendung göttlicher gnade und liebe, göttlichen segens (
vgl. auch die belege th. 8, 2550): noch dannoch dürstet in (
gott) darnach, das er in uns ainen waren durst finden müge, und das wir uns nach im mit begierden dürsten wöllen laszen, so wölt er uns also herrlichen und süssiglichen trencken Tauler
sermones (1508) 39
a; trenck uns dort ewicleiche in susser mild ausz deines heiles prunne H. Folz
meisterlieder 156
Mayer; [] es wolle dich des himmels hand mit lauter gnadenbrunnen träncken Gottsched
ged. (1751) 1, 66; du tränkest die menschen mit den ausflüssen deiner liebe, und erfüllest die reinen geister mit dir selbst Wieland I 2, 358
akad.; in der dichterischen sprache besonders breit und tief nachwirkend ist das bild aus ps. 36, 9:
torrente voluptatis tuae potabis eos, von Luther
unsinnlicher gegeben: du trenckest sie mit wollust, als mit einem strom;
stärker dem bild der vulgata sich nähernd: und von der güsz alles wollustes werden sy getrenckt Keisersberg
buch granatapfel (1510) g 7
d; unt mit deiner wollusten flus trenkest di abgematten Schede-Melissus
ps. 143, 9
ndr.; und gott träncket sie (
die engel) aus dem bache seiner wollüste Bodmer
abh. v. d. wunderb. 43;
häufig in religiöser lyrik: o Jesu süsz, wer dein gedenckt, sein hertz mit wollust wird getränckt Bäumker
kathol. kirchenl. 1, 385;
das bild wirkt dann auch in anderen (
weltlichen)
motiven und zusammenhängen: du (
Pyrmont) hast, nach schwerer last, die unsern Atlas drückt, mit neuer kraft und wollust ihn getränket Weichmann
poesie d. Nieders. 1, 32; wo die natur, uneingeschränkt, uns ihren ganzen reichthum schenkt und jeden sinn mit wollust tränkt Ebert
epist. 80;
lexikalisch ganz abstract paraphrasiert: mit wollust tränken
voluptate afficere Frisch 2, 381;
allgemein auf belebung, bereicherung deutend, greifen die bilder auch auf weltlichen bereich über: wann yhr euch denn selbs also habt wol unterweyset, so habt yhr schon eyn kunstbrun ynn ewer hertz und gedancken ..., der nymmer mehr austrücknen noch versiegen mag ... davon yhr denn alle welt muget leren und trencken Eberlin v. Günzburg 3, 189
ndr.; wie vortreflich, wenn der verf., der alle quellen dieser behandlung kennt, doch nur einige vorzügliche selbst kostete und damit seine schüler tränkte Herder 5, 372
S.; refl.: die quelle der jugend ..., aus welcher sich deutsches leben immerdar tränkt Immermann 18, 99
Boxb.; obige bilder von innerlichen und geistigen dingen als quelle, aus der man sich tränkt,
schimmert noch durch ganz uneigentliche anwendungen hindurch: mit thiu (
den hl. schriften) sie unsih iagilichodrenkent frauualicho Otfrid 2, 9, 14; da nâch begond er suochen die bluomen in den buochen, ... daz er da heim ... sîn volc ... mit süezer lêre trancte Albertus
st. Ulrichs leb. 218
Schmeller; refl.: wenn wir uns aus der schrifft trencken und stercken wollen Luther 24, 468
W.; ganz sinnlich gesehen: gebt Beethoven den jüngeren nicht zu früh in die hände, tränkt und stärkt sie mit dem frischen, lebensreichen Mozart Schumann
ges. schr. 1, 9. 1@b@e@bbββ) tränken
im üblen sinn; erst wieder als göttliche verhängung: trangtost unsih mit demo uuine gestungedo (
potasti nos vino compunctionis; Luther: mit dem daumel- [
var. bitterm] weyn
ps. 60, 5
laa.) Notker 2, 227; hast schmertzwein eingeschenket und uns damit gedrenket Kehrein
kirchenl. 3, 225;
auch sonst: es viel Babilon die michele: die do hat getrenckt alle leut von dem wein des zorns irr gemeinen unkeusch
erste dtsche bibel 2, 505
lit. ver.; das ist ja klerlich gnug gered, das er die leute habe mit dem kilch seines zorns getrenckt, das ist mit mutwilliger tyranney hochbetrübt Luther 19, 418
W.; soll ich gott loben und bekennen, so werden sie mich drob trencken mit dem kilch der marter
ebda 10, 1, 1, 715; Luther hat ir (
der hure Babilon) den guldin becher vol grewel und unflats, ausz
[] welchem sy die künig und alle völcker der erd getrenckt und truncken gemacht hat, ausz den henden geprochen Phil. Reugius
v. luther. wunderzaychen (1524) b 2
b; dort predigt der böse feind im talar und halskragen ... und tränkt die zuhörer mit einer brühe, dasz die schweine davon krepiren würden Görres
ges. br. 3, 367;
uneigentlich, doch mit stark sinnlicher kraft: da wird man ihn mit jammer tränken, dasz er erschwarzen möchte Grimmelshausen
Simplicissimus (1684) 3, 287. 1@b@zζ)
losgelöst von sinnlicher anschauung bildet sich, hauptsächlich in dichterischer sprache, ein uneigentlicher anwendungsbereich heraus, in dem tränken
je nach dem zusammenhang etwa die bedeutung '
erquicken, ergötzen, laben'
oder (
nicht ohne wirkung von 5 b
her)
mehr '
sättigen, erfüllen, überschütten'
annimmt. vorwiegend mit unpersönlichem subject. vereinzelt schon in älterer sprache: ist iz prosun slihtithaz drenkit thih in rihti (
sive sit prosa simplex, hoc refocillat te recta) Otfrid 1, 1, 19; sich daz waren schöne wînreben (
die heiligen und marterer). wann si hant braht manegen schönen wintruben. daz ist daz si manech schön werch hant gewurchet. mit dem manech sel ist getrenchet inwendeclichen
deutsche pred. d. 13.
jh. 1, 134
Griesh.; da wird der hochhaylige schaz (
reliquie) von dem pfarrherrn empfangen, dass volkh darab getrenkht (
ihm zum kusz dargereicht) (1640) Fischer
schwäb. wb. 6, 1765.
reichlich seit dem 18.
jh.: da gott dir ein gemahl geschenket, das dich ... mit süszer anmuth tränket Gottsched
ged. (1751) 1, 348; ihn ein blick von euch (
den frauen) mit götterwonne tränkt J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 234; in ein meer von süszer lust versenket, wallt die seele staunend auf und ab, stürzt, von frohen ahndungen getränket, sich im taumel des gefühls hinab S. Mereau
ged. 1, 45; es grüszt dich wohl ein augenblick, der ist so überschwellend voll, als ob er dich mit selgem glück für alle zukunft tränken soll Hebbel (1891) 7, 153;
von 1. Cor. 12, 13
leitet sich der gebrauch von einem
oder durch einen geist getränkt werden
her, dort das sinnliche benetztwerden mit dem taufwasser und das übersinnliche überschüttetwerden mit dem geist in eins bindend: jah allai ainamma ahmin dragkidai sijum (
καὶ πάντες ἓν πνεῦμα ἐποτίσθημεν); wan alle seyn wir getauft in aim geist, in ainem leip, ez sein juden, oder haiden, oder aygen, oder freyen, und alle seyn wir getrenkt in aim geist
cod. Teplens. 2, 35;
häufig in geistlicher literatur: wir ... seint alle in einem geist gedrenckt worden Murner
a. d. adel 11
ndr.; im 18.
und 19.
jh. frei verwendet: durch den allgemeinen geist, wovon die völker getränkt waren, und durch die anerkennung dieses geistes ... ist geherrscht worden E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 421; er war durchaus getränkt von dem echten geiste protestantischer freiheit Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 10;
in völliger verkehrung des ursprungs: einer des ruchlosen volks ..., das von dem schwindelgeiste getränkt von gott sich verirrt hat Bodmer
Noah 10. 1@b@hη)
übertragungen auf ferner liegendes, meist dichterisch. düfte: hierauf ergriff ich meine rosen von neuem wieder; tränkte mich mit ihrem balsam, der aus ihnen, in unsichtbaren dünsten raucht Brockes
ird. vergn. 8, 126;
lüfte: dann will ich auf der terasse dich mit frischen lüften tränken Göthe I 6, 213
W.; komm in den süden, freund, und lerne, ob geschmeichelt, getränkt von süszern lüften ..., ob dein auge nicht bricht Waiblinger
ged. aus Italien 2, 129; der luftstrom, welcher stets verklärte wesen tränkt Wieland I 1, 15
akad.; auf eine pflanze angewendet (
s. [] 5 a): so verwandelte sich diese pflanze nach dem boden, der sie nährte, und der himmelsluft, die sie tränkte Herder 1, 2
S. 1@cc)
mit specialisierter bedeutung als '
trunken machen, zu boden trinken'
begegnet tränken
vom mhd. bis ins 17.
jh.; frühe belege lassen die möglichkeit zu, sie noch im sinne eines bloszen tractierens mit geistigen getränken zu interpretieren: der bote des niht wart inne. er warp mit unsinne, daz er sich sus trenken lie, dâ von vreuden vil vergie. dô er erwachte, dô weste er niht der ungetriuwen geschiht
Mai u. Beaflor 139, 22
Pfeiffer; eindeutig: he gebot ouch sinen schenkin, daz si en soldin trenkin, so daz he von der trunkinheit virgeze siner selikeit pfarrer zum Hechte
in zs. f. d. altertum 17, 224; (
trunkenheit) die gibt ze trinken met und wein und macht die leut frolich sein und trenket also mangen man, das er nimmer reden kann meister Reuaus (15.
jh.)
in Wagners
arch. 1, 27; kum wir trencken in mit wein (
inebriamus eum vino; var.: wöllendt in truncken machen)
erste dtsche bibel 3, 100; und David der rieff im (
Urias), das er esse und trunck vor im und in trenckt (
et inebriavit eum)
ebda 5, 168; das ist, man wird dich widder trencken und truncken machen, das man deine schame auch sehe Luther 19, 419
W.; die pfaffen trencken jetzt hertzog Georgen, und hertzog George trencket die pfaffen, was gilts, wenn sie nu truncken werden, so wird einer dem andern den bosen (
busen) voll speien Luther
bücher u. schriften 6 (
Jena 1561) 16
a; aber da es zum trincken kam, wer es nicht müglich gewesen, ihn zu träncken v.
d. Sohle
Don Kichotte 34;
später gelegentlich ähnlich: dich haben s' schon wieder in branntwein getränkt Meisl
theatr. quodlibet 2, 44. 22)
die seltene construction mit accusativ der sache ruft eine neue bedeutung '
schenken', '
ausschenken'
hervor: ouch sol ein ietlicher, der an demme cruce tage kuomet gegen Selse mit veilem wine, trencken und schencken sinen win von einre vesper zuo der anderen vesper ... swer ein fuoder wines zuo Selse trencket oder schencket, der sol von rehte demme abbete dez closters zuo Selse ... sehs becher wines geben ... der ein halb fuoder trencket, der sol geben vier becher wines (1310) Mone
anz. f. d. kde d. teutsch. vorz. 5, 302.
der ausgangspunkt der construction ist in der formelhaften verbindung mit schenken
zu suchen. vgl. tränker 2 a '
dator, praebitor potus' Stieler 2333
und mnd. drenker '
schenk' Schiller-Lübben 1, 572
a. 33)
vom mhd. bis in das 17.
jh. wird tränken
in der bedeutung '
ertränken', '
ersäufen'
gebraucht. diese bedeutungsentwicklung reicht über das deutsche hinaus, es teilt sie mit dem mnl., afries., ags., altnord., (
alt)
schwed. und älterdän. s. auch vertränken. 3@aa) wer trancte Phârâô in dem sê? Frauenlob
nr. 350
Ettmüller; ber einem menschnn seinen sone oder tochtter verrett, das er verkaufft wirt, oder vorandert wirtt on seiner frund willn, den mon sol man raadprechnn, der es geton hatt, und des weib trenncken
Schemnitz. stadtr. 27
in Wiener jahrb. d. lit. 104,
anz.bl. 11;
mnd.: dar quam hertoghe B., den hie dar na drenkede, wente hie gherede des rikes
bei Schiller-Lübben 1, 571
b; ich kam in der tieffe des mers: und daz ungewitter tranckt mich (
et tempestas demersit me)
erste dtsche bibel 7, 338; herzog Ernst von Münichen (
liesz) seins suns herzog Albrechts puelschaft trenken Aventin 5, 570
L.; vielleicht must gen Rom, mit den schwencken lest er dich in der Tieber trencken H. Sachs 14, 314
lit. ver.; [] fürt (
den mann) auf ein gefroren eis, alles aus betrogner weis, vermeint in zu träncken darin
Teuerdank 55
Gödeke; häufig formelhaft in der verbindung henken und tränken,
dann auch mit vb. ähnlicher art, die die gerichtsbarkeit bezeichnen: wen si dan nit ... sich flux packen, so peut man in bei henken und trenken ausz dem land Aventin 1, 247
L.; lies si ... ain tail alda henken, ain tail trenken, die maisten köpfen
ebda 5, 588; sie zum hencker sprechen: schlag ab, henck, trenck S. Franck
sprüchw. 2, 91
b; weiter vermelden wir uns, das wir haben pann und gericht, auch über das pluet ze richtn ... mit henken, radtprechen, trenken, prennen (16.
jh.)
niederöst. weisth. 2, 679;
vgl. auch th. 4, 2, 990;
ähnlich im zeichen sinnlosen hinmordens: man sicht, wie der babst mit seiner teuffels rott ... wüttet mit hencken, trencken und prennen Luther 34, 2, 86
W.; ob wohl sich Christus ... stellet itzt, als sei er schwach, das er die türckischen tyrannen lesset also wüten, und seine christen morden, hencken, trencken und verbrennen ... aber haltu dich stille, er wird noch wol auffwachen Casp. Adler
nötige ermanung (1548) b 3
b; solches alles ist nun ... diesem Belial und soldaten teufel dermassen angeerbet, dasz er menschenwürgen, lutherisch blut vergieszen, hencken und trencken für kurtzweil helt Mengering
kriegsbelial (1633) 118;
reflexiv als '
sich ertränken'
im selbstmord: do si den herren tod ersach, vor laid trancht si sich auch in ainem wasser U. Füetrer
Merlin 7
lit. ver.; (
teufel zum bischof:) henk oder trenk dich nur geschwint Schade
satir. u. pasquille 1, 153; (
die braut) schrie überlaut: nun will ich mich drencken und meinem (
getöteten) bräutigam nachfolgen Abele
unordnung 1, 313. —
in nd. und md. vocab. des 15.
jh. belegt: mersus gedrenket (1420) Dief.
gl. 358
c;
mergere drengken
ebda 358
a;
submergere drencken, vordrincken
ders., n. gl. 353
a;
vgl. auch drenken, verdrenken
demergere, submergere, submersare v.
d. Schueren
Teuth. 85
b Verdam; in den westnd. und nordfries. mundarten noch heute: dränken
ertränken, ersäufen brem.-ns. 1, 247; Berghaus
Sassen 1, 357; drenk
ersäufen Mungard
Sylt 53; dranke
ertränken Jensen
nordfries. 78,
woselbst belege. 3@bb)
früh auf leblose dinge übertragen. das vortretende moment ist ein '
unter wasser bringen', '
versenken', '
in das wasser werfen'
und somit von dem gebrauch unter 5
zu unterscheiden. mhd. gelegentlich dichterisch; unkräftig: den satel manger trenket, der fürte daran suochet Hadamar v. Laber 429
Schm.; kräftige belege bieten das 15.
und 16.
jh.: uns langt an, wie frömbd saltz ... in unser fürstentumb Österreich ... gefürt und darin verkauft werde, das uns nit gevellt, und emphelhen dir ernstlich und wellen, wo du ... solh frömbd saltz ankemest, das du das trennckhest, die ros wegen ... nemest und die semer und furleut ... in vencknuss wol bewart haltest (1478)
monum. habsburg. I 2, 673; die feces (
bodensatz, niederschlag des scheidewassers) halt sauber zusammen, geusz die ab, treug und trencke sie ins (
flüssige) bley Ercker
mineral. ertzt 71
a:
häufiger von schiffen: was schiff für sie namen ir ker, die tränckt sie an der überfart Wickram 8, 200
lit. ver.; passivisch, mit der intr. bedeutung '
untergehen': es sollen (
infolge eines unwetters) 16 galeen vor Antdorfft getrenck worden sein
chron. d. d. städte 15, 127;
ähnlich: so man es (
das schiff) durch dy prucken ... wolt füren ..., bracht das schiff zu drümern und versenckt sich, ... im grundt verdarb vill guz (
gutes), ... es was auch tapffers gelt getrenck (
d. i. getrenckt)
städtechron. 15, 88;
als '
vollaufen mit wasser': sonsten hat der wein fast gleiche schwäre mit dem wasser, blibe für sich allein so bald unden als oben im flusz, nach dem ihn der schwal truege. sol also, dieser rechnung nach, ein trenckt schiff mit lauter wein
[] geladen, nicht gar versinken Kepler
opera omn. 5, 604;
ebenso refl.: ein schiff tränkt sich '
läuft voll'
vgl. Schmeller-Fr. 1, 667.
durch bestimmte subjectsveränderungen verschiebt sich die richtung des vorganges. die dadurch modificierte bedeutung ist ein '
unter wasser setzen', '
überschwemmen': welh man des niht tut, den mac sin nakebure zu dinge brengen unde gebe im schult darumme also ... daz in sin aizucht (
abzugsgraben) trenkit (
var.: drengeth) oder sin rinne oder waz iz ist (14.
jh.)
Freiburg. urk.-buch 3, 21;
als bergmännisches fachwort für '
ersäufen': welch erbe denne daz andir erbe alzo trenkit ..., daz zal man eygen (
eignen) von rechte zcu dem erbe adir lehen ..., dy alzo getrenckyt werden
Iglauer bergrecht nr. 27
bei Klotzsch
ursprung 244;
ähnlich: kummet do keyne clage obir, das si di nehsten lehen trenken mit irem wassir, do sal man hensenden gesworne lte, di das besehen
Freiburg. urk.-buch 2, 278;
von kohlen: wann aber das wasser auszbricht, so solt derselb hamermaister von stunden wider machen lassen, auf das das wasser ... ire koll nit trenk (
taiding d. 18.
jh., doch wohl auf älterer vorlage fuszend)
österr. weisth. 6, 278;
ähnlich: auffallend ..., warum sich solche salze in den sie tränkenden ... körperflüssigkeiten nicht in sehr kurzer zeit auflösen Sömmerring
bau d. menschl. körpers 8, 1, 312;
mit vereinzelter, ungewöhnlicher übertragung auf wucherndes gehölz: aichen und buechen andrer gestalt zu schlagen sol nit erlaubt sein, weder wann sie auf wisen und äckern trencketen (1616) Schmeller-Fr. 1, 667 (
hier auch ebenso vom unkraut).
vgl. eintränken, vertränken
und engl. dialekt. drank '
ackerunkraut'. 44)
vom vorigen weiterschreitend, nimmt refl. sich tränken (
s. 3 a)
die bedeutung '
ertrinken'
an (
ähnlich auch vertränken,
s. d.).
vornehmlich niederdeutsch: do se des hertoghen schepe seghen, se meenden, dat se zeerovere (
seeräuber) weren, unde leden se an myt harder hand unde slughen erer vele doet; ok drenckeden sik vele van en (15.
jh.)
chron. d. d. städte 28, 12;
mnd. belege bei Schiller-Lübben 1, 571
f.; auch heute noch im nd.: sik dränken
ertrinken brem.-ns. 1, 247; Berghaus
Sassen 1, 357;
doch auch in anderen sprachlandschaften: unz er von geschichte vant ein stec smaler denne ein hant ... (
sc. der mûl) wolte dar ûf springen; Kei begunde in wider twingen ... und gedâcht: war umbe tet ich daz, daz ich mich solde trenken? Heinrich v.
d. Türlin
die krone 12858
Scholl; wär ich darein (
in das schiff) gesessen, es wären vill mer darein getretten und hetten uns getrenckht, dann die wellen giengen starckh (1.
hälfte d. 16.
jh.) v. Herberstein
selbstbiogr. in font. rer. austr. script. 1, 185.
intransitiv wird tränken,
wenn die bedeutung '
ertrinken'
nicht mehr reflexivisch gebunden ist (
wobei doch wohl elliptischer gebrauch anzunehmen ist).
blosz nordfriesisch: anno 1226 was groth waterfloet ..., unde drenkeden wol 30 000 menschen
quelle bei Schiller-Lübben 1, 572
a;
vgl.: jü gratt māndrēnk
das grosze menschenertrinken, sturmflut von 1362 Schmidt-Petersen 28
b;
in den nordfries. mundarten heute durchaus üblich: drēnk
ertrinken ebda; ebenso: dranke Jensen
nordfries. 78; drēnk Möller
Sylt. 68. 55)
unmittelbar übertragen auf unbelebte objecte: etwas trinken machen als '
es benetzen, anfeuchten, durchfeuchten'. 5@aa)
in bezug auf die erde und die darauf befindliche vegetation. zuerst im 16.
jh. unter einflusz der bibelsprache, doch ohne vorliebe gebraucht, sodann untertauchend und erst vom 18.
jh. an wieder häufiger in meist poetischer und gehobener sprache. 5@a@aα)
als bedachte zweckhandlung zur anfeuchtung und bewässerung des bodens, zur erfrischung der pflanzen, wofür man heute lieber wässern, netzen, begieszen
sagt: da wessere ich meine garten und trencke meine wise
Jes. Sirach 24, 42; desselbigen gleichen bedarff es auch keynes solchen netzens oder trenckens, wo vil klee in matten steht Sebiz
feldbau 458;
ähnlich: man wil für gewisz sagen, dasz die rose von Jericho in der geburtsnacht Christi
[] blühen soll ... (
verständige leute) vermelden, dasz dergleichen rose ... zu einer jedweden zeit dergleichen prästiret, so offt man sie mit öl träncke Prätorius
saturnalia 82;
meist poetisch im 18.
und 19.
jh.: ach Benoni, mein bruder! dich lasz ich im grabe zurücke. ach nun wirst du mit mir die blumen künftig nicht tränken Klopstock
Messias 2, 230
dtsche litdenkm.; die blumen wuchsen schöner, die mir unser gärtner schenkte, wenn pachters holdes Kätchen sie mit klarem wasser tränkte Miller
ged. 64; ward ein blümchen mir geschenket, habs gepflanzt und habs getränket Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 2, 345;
als fachausdruck: tränken '
wasser auf wiesen leiten'
vgl. Mothes 4, 364;
mundartlich selten belegt: trankə
begieszen Martin-Lienhart 2, 760; drenke
to water Lambert
pennsylv. 44. 5@a@bβ)
von den elementarischen niederschlägen. im anschlusz an das vorige vorerst von der gottheit, in bezug auf regen und tau: trenckest seine (
des landes) furchen (
parasti rivos eius inebria)
ps. 65, 11; du bauest das land früchte vol; du trenckest im die furchen sein H. Sachs 18, 258
lit. ver.; du tränkst das land Gellert 2, 126; der regen ..., mit welchem der himmel unsere weinberge tränkt J. P. Hebel 2, 31
Behaghel; du himmlische jungfrau, du, du tränkst das dürre Peru Platen 1, 329
Hempel; mit dem antlitz gegen osten gewandt, beteten sie zu dem unbekannten gott, der ... die wasserströme darnieder stürzen liesz, um ihre äcker und weiden zu tränken Aurbacher
volksbüchl. 46;
auch: tränkst den erdball jetzt, dasz menschen und thiere leben maler Müller 3, 406;
im bild: seine gütte, mit welcher er das land ... tränket Butschky
Pathmos 221;
mit nicht persönlichem subj., dichterisch: denn pfiegt die sonne gleich viel dünste zu erheben und dörrt sie oft der Tellus schoosz: so tränkt sie bald den grund zu desto reicherm segen durch kühlen thau und warme regen Gottsched
ged. (1751) 1, 32; die kühle nacht streut schlummerkörner und tränkt die trockne welt mit thau Haller
ged. 80
H.; ich seh es gern, wenn der rest von mir da untersinkt, wo ... die wetterwolke aufsteigt, und die berge tränkt und die thale, die ich liebte Hölderlin 2, 170
Litzmann; subjectsverschiebungen: milde regen, die so gütig die durstige erde tränken Bräker 2, 260; der hohe wald wird grau und wiesen tränkt der thau Zachariä
poet. schr. 3, 115;
bildlich: sein segen ... träncket die erden wie eine sindflut
Jes. Sirach 39, 27;
dichterisch: denn es will kein feuchter kusz meine dürren lippen träncken Weise
überflüss. gedank. 87
ndr. 5@a@gγ)
an das letzte anschlieszend, mit den subjecten strom, bach, quelle
u. s. f.; vor dem 18.
jh. selten: es gieng aus von Eden ein strom zu trencken (
später: zu wässern) den garten (
ad irrigandum paradisum) Luther 24, 68
W.; im vergleich: (
die zunge ist) ein strom, der träncket und erträncket Gryphius
trauerspiele 42
Palm; vom 18.
jh. an fast nur dichterisch: der berge wachsend eis, der felsen steile wände, sind selbst zum nutzen da und tränken das gelände Haller
ged. 34
Hirzel; eins verjüngte mein alter, durchrann, wie der tränkende bach rint durch die wiesen, mein herz Klopstock
oden 2, 79
M.-P.; [] im lusthölzchen des herrn Naville gingen wir auf anmuthigen pfaden einen ... bach entlang, welcher bald zu felsen rauschet, bald blumen tränket grafen zu Stolberg
ges. w. 6, 291; es lacht die flur, von ihm (
dem Rhein) getränkt Böhme
volksth. lieder 24.
mit kosmisch geschautem bild: ihr quellen alles lebens, an denen himmel und erde hängt, dahin die welke brust sich drängt — ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht ich so vergebens? Göthe I 14, 30
W. (
Faust v. 459). 5@bb)
im 16.
jh. beginnt der neben 1 a
heut vorherrschende gebrauch, bei dem tränken
je nachdem '
einen festen gegenstand von etwas flüssigem durchdringen, es in seine poren eindringen lassen, ihn flüssig behandeln, imprägnieren',
meist in technisch-praktischer anwendung, bedeutet. vgl. leim tränken
th. 7, 1286
und öl tränken Schmeller-Fr. 1, 667.
vor dem 18.
jh. selten, zuerst in der alchemistensprache: domit das holtz, welches nach dem sulphure als einer erhaltung sehr durstig, mit dem frembden schwefel getrenckt und ersettiget ... werde Thurneysser
magn. alchymia 3; also tränckte das öl (
des ölbaums) auch frembdes holtz Lohenstein
Arminius 2, 315
b; (
die natur) weiszt in gebürg und see uns hundert farben an, damit man woll und seid in ihnen tränken kann
ebda 1350
a;
ähnlich: salbest mein haubt mit gutem öl getrenket Schede-Melissus
ps. 85
ndr.; mit beginn des 18.
jh. setzt lexikalische bezeugung ein: träncken mit öl
oleo imbuere Dentzler 2, 288
b; imbibiren heiszt bey den malern träncken Spannutius 276;
seither und mit dem fortschreiten der technik in immer reichlicherer anwendungsmöglichkeit: wenn man leichte, aber dichte zeuge ... mit der milch des baumes tränkte, trocknete und wieder tränkte Lichtenberg
verm. schriften 8, 332; der stein ... ward ... in gutes licht gebracht, mit öl getränkt und ... ganz genau durchgesehen und gezeichnet Göthe IV 31, 127
W.; auch dem lumpen-papier hat man, durch öfteres tränken in starkem leim- und alaunwasser, einen ziemlichen grad von unverbrennlichkeit gegeben
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 3, 267; sie hatten ihre hände und kleider mit einer phosphorauflösung getränkt A. v. Arnim 1, 170
Gr.; durch die aufsaugende anziehung des dochtes steigt die flüssige masse auf, und, indem sie sein gewebe vor zu schneller zerstörung tränkend schützt, gelangt sie bis zu einem punkte, durch dessen gesteigerte temperatur sie selbst entflammt wird Lotze
mikrokosm. 1, 83; in zündmaschinen gebrauchtem schwamm giebt man seine zündkraft wieder ... durch tränken mit ... platinchloridlösung Muspratt
chemie 7, 325; tränken
von eisenbahnschwellen u. s. f. mit fäulniswiderstehender flüssigkeit, heute dafür häufig '
imprägnieren'
vgl. Hoyer-Kreuter 1, 773;
ähnlich, beim kochen: die köhlersfrau ... (
war) gastfreundlich bemüht, erhitzte brotschnitten mit butter zu tränken und durchziehen zu lassen Göthe I 24, 52
W.; selten dichterisch auch von einer flüssigkeit als object: der rebenberg am leichenthal tränkt seinen most mit blut K. Fr. Cramer
Neseggab 3, 88; hier in den rauchenden mit blut getränkten wellen bin ich noch frei
samml. v. schausp. 5, 63;
bildlich: dies erz, dies läutr' ich in der glut des jammers hart mir zu stahl; tränk es mit gift sodann, heiszätzendem, der reue, durch und durch H. v. Kleist 2, 167
Schm.; sinnliche übertragung; von lichtstrahlen: doch gleich wie das licht der erden ... alles lässet munter werden und mit seinen strahlen tränkt Morhof
unterricht 2, 40; jede handbreit erde kann von der lieben sonne durch und durch getränkt werden mit lebenweckenden strahlen
[] Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 7;
farben: tiefes blau tränkt die tiefe, in welche jenseits der blick hinunter fällt H. v. Barth
Kalkalpen 16; dort, wo das wasser sich am stadtwall bricht, lag bunt der park im letzen abendlicht und liesz die wipfel sich mit purpur tränken Arent-Conradi-Henckell
mod. dichtercharakt. 146;
phantastisch: wisset ihr nicht, dasz, wenn das meer keinen dampff mehr über sich werffen und die sternen darmit tränken wird, selbe eingeäschert herab fallen sollen? Lohenstein
Arminius 1, 669
b;
bildlich: (
der brief) ist furchtbar wie der tod! die natter hat ihn getränkt Gerstenberg
Ugolino 242
Hamel. hieran schlieszt sich reicher uneigentlicher gebrauch, in dem tränken
die bedeutung von entweder qualitativem '
durchdringen'
oder mehr quantitativem '
überschütten, erfüllen'
annimmt; vgl. 1 b
ζ.
besonders seit dem 18.
jh.: womit man seine imagination von jugend auf tränkt, das gieszt sich über all unser gebild und gemächt aus Schubart
leben u. gesinn. 1, 197; ich halte es für ein gutes zeichen, dasz die modernen handwerkervereine so vielfach wieder die arbeitssitte mit religiösem geiste zu tränken suchen H. W. Riehl
d. deutsch. arbeit 167;
häufig mit dem part. prät.: das deutsche recht ist von poesie getränkt, in weit höherem masze als das römische J. Grimm
kl. schr. 8, 550; waren nun absicht und wirkung dieses bildes verneinender natur, so war dagegen die ausführung mit dem wärmsten leben getränkt G. Keller 2, 149. 5@cc)
symbolischen gehalt tragen einige wendungen, die in der hauptsache an den vorigen gebrauch anknüpfen, teilweise auch in die bedeutung unter 5 a
hineinspielen (
vgl. 1 b
δ). 5@c@aα) das land, die erde
mit blut tränken. allgemeiner mit dem hintergrund kriegerischer ereignisse und blutopfer: auf einem boden, wo fast jeder fusz breit erde schon ... mit blut getränkt worden war Becker
weltgesch. (6.
ausg.) 14, 385; die republikaner fanden es unerträglich, dasz nach zwölfjährigem kampf ..., der das land mit blut getränkt habe, ein usurpator über diese freiheiten verfügen wolle Ranke 17, 133; wo anders ... wird endlich das schicksal der welt entschieden werden, als auf den fluren unseres landes, die schon von so vielem blute getränkt wurden? Holtei
erz. schr. 13, 130;
ähnlich: die unseligen begriffe des eigenthums und der alleingewalt tränkten die erde mit strömen von blut Forster
s. schr. 7, 185;
von der partei des stärkeren gesehen, erlangt die wendung einen sinn wie '
schonungslose grausame kriegsführung': und es (
das feld) kein Saracen mit blut der christen tränckt Pietsch
gebundene schr. 33
Bock; dreiszig jahre lang tränkte Karl das weite Sachsenland mit blut Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 19;
vom fallenden her gesehen: '
kriegertod'
oder specieller '
opfertod': dasz mit unser beyder blut werd besprengt und getrencket die erd
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 209; als ... es immer mehr kund ward, dasz die teutschen krieger vergebens den väterlichen boden mit ihrem blute tränkten Klinger 8, 254; tausende waren gefallen und tränkten mit ihrem blute die grünen wiesen Allmers
marschenb. 1/2, 401;
in einem von der bedeutung 5 a
stark befruchteten bild: von dem schlachtfelde an der brücke bei Warschau ... bis unter die mauern von Rastatt werden sie finden, dasz überall die wurzel preuszischer freiheit reichlich mit dem blute seiner edlen geschlechter getränkt ist Bismarck
pol. reden 1, 151
Kohl. anders, etwas mit blut tränken
als '
es zum leben erwecken, mit leben begaben': du tränkst des dichters dämmernde gestalten, die ängstlich zwischen sein und nicht sein schweben, mit deinem blut und giebst den schatten leben Hebbel
w. 6, 313
Werner; Hans brauchte nicht die schatten der todten mit blut zu tränken, um ihnen stimme zu geben ... sie kamen
[] freiwillig Raabe
hungerpastor 3, 189;
ähnlich: soll ich diese maullose felsen mit herzwasser tränken? maler Müller 1, 179. 5@c@bβ) etwas mit tränen tränken
als symbolischer ausdruck der trauer, des schmerzes: komm, wir wollen ... unsere kränze mit diesen thränen tränken Bürger 254
Bohtz; du wanderst mit den vaterlosen, mit thränen neu das grab zu tränken Lenau 192
Barthel; mit thränen unaufhaltsam mein einsam lager tränk' ich Geibel (1888) 2, 18. 5@dd)
in einigen anwendungen ist tränken
bloszes '
benetzen', '
in eine flüssigkeit tauchen'.
so insbesondere dichterisch von stichwaffen: indem die andern den dolch in den neuvermähleten tränkten Bodmer
Noah 29; tränket ein gegner in euch den blutigen spiesz? Denis
Sined 162;
ähnlich, symbolisch für '
hinmorden': ich trenck meine geschosz mitt pluot und mein waffen verwüst die fleisch
erste dtsche bibel 4, 240; diese piken, mit dem blut so vieler edlen getränkt, mögen sich auch in meines tauchen Göthe I 13, 1, 327
W.; refl.: auch das spricht noch von ihm: der held der menschlich denkt, klagt, dasz sein siegreich schwert in menschenblut sich tränkt A. G. Kästner
verm. schr. 2, 175;
anders, im bilde: wenn grübler endlich die durstige feder tränken Klopstock
oden 2, 130
M.-P. 66)
ein zuflusz von wasser, wofür gewöhnlich speisen
gebraucht wird, wird in einer anzahl belege des 19.
jh. mit tränken
bezeichnet: die grotte selbst, von zwei in krystall gefaszten springbrunnen belebt und getränkt ..., scheint ein gepflegtes spielwerk des königs gewesen zu sein Laube
ges. schr. 4, 44; jener, dessen mühlwerk zum theil durch zuflüsse aus dem sogenannten see im garten getränkt werden muszte Holtei
erzähl. schr. 3, 152; einen kleinen see, den unser waldbach tränkt Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 131; die norddeutschen moore, welche mit dem landwasser der geest getränkt werden Allmers
marschenbuch 1/2, 75.