täuschen,
verb. fallere, decipere. die ältere und richtige schreibung teuschen
entspricht dem mhd. tiuschen (
neben tûschen,
md. auch tûsen),
dessen anlaut auf nd. herkunft weist: altclev. im Teuthonista (1475)
und mnl. tuyschen (
ludere alea, ludere lucri spe et damni periculo Kilian 570
b),
mrhein. (
voc. ex quo 1469) thussen,
nd. tuusken, tûschen (
tauschen und täuschen);
über den mutmaszlichen zusammenhang von tauschen
und täuschen
s. das bei tausch
gesagte. den oberd. mundarten ist täuschen
ungeläufig (Schm.
2 1, 628),
auch das Basler bibelglossar von Petri (1523)
bezeichnet das Luthersche teuschen
als ein '
auszlendig wort'
und erklärt es mit betriegen,
s. Socin
schriftsprache und dialekte 242. 11)
mhd. tûschen
und tiuschen
intrans., einen tûsch (
s.tausch)
treiben: alsô begint er tûschen. S. Helbling 1, 624; man mac mit ir (
mit der welt) wol tiuschen unde welten.
minnes. 2, 136
b; sus hete si getiuschet mit dem künige Pêleô, daʒ er verlôs sîn leben dô. Konrad
tr. krieg 11157; sus wolt er âne tiuschen machen si dô sicherhaft. 796; swer niht kan smeichen und tûschen.
Renner 9073; wan swer zu hofe tûschen (
gedr. tauschen) kan, der effet mangen einveltigen man. 17218.
[] 22)
nhd. (
seit dem 15.
jahrh.)
schein für wahres, für wirklichkeit nehmen machen (
reflexiv nehmen),
trügen, betrügen, hintergehn, überlisten, fallere, trufare Dief. 224
a. 599
c,
ludificare nov. gl. 240
b. 2@aa)
transitiv. 2@a@aα)
mit persönlichem object (
subject eine person oder sache): du soltest hie keufen und verkeufen und die leute wol teuschen und leichen.
osterspiel (15.
jh.), Wackernagel,
leseb. 1, 1019, 20; die weisen in der alten e ... die musten sich all teuschen lon. das macht der frauen susze minn, das sie beraubt werden irer sinn.
fastn. sp. 126, 34; und mainst ze teuschen hie die frumen. 290, 5; und er hat mich (
Laban den Jacob) geteuscht und zehen mal mein lohn verendert.
1 Mos. 31, 7; da sprach Delila zu Simson, sihe du hast mich geteuscht und mir gelogen.
richter 16, 10; meinet ihr, das ir ihn (
gott) teuschen werdet, wie man einen menschen teuschet?
Hiob 13, 9; ein freund teuschet den andern, und reden kein war wort.
Jer. 9, 5; du solt niemand teuschen.
Marc. 10, 19 (nit tu triekeit
cod. Tepl., betrieglichkeit
bibel vom jahre 1487,
goth. ni anamahtjais,
μὴ ἀποστερήσῄς, ne fraudem feceris); wie vermöchte doch der bapst selbs unsern herrn Christum so subtil teuschen und effen, als diese leute unter ihres commissarien person gethan haben? Luther 8, 250
b; er meinet, der wirth hett in also geteuschet. Kirchhof
wendunm. 204
b; so entstand auch ein sprichwort: bistu klug, so teusche mir die brüder in Preuszen. Henneberger
landt. 291; das so genannte täuschen ist bei dem einfältigen volk gar ein gemein ding, und darf sich halben weg einer bei der nacht etwas einbilden, als hätte ihn da oder dort was angeblasen, oder hätte das und das gesehen oder gehört; da heiszt es alsbald: es hat mich getäuscht; ja freilich hats ihn getäuscht; was aber? seine eigne gedanken, und unzeitige furcht hat ihn getäuscht, denn das wort täuschen bedeut so viel nach dem eigentlichen verstande, als betrü
gen. die albere einfalt aber nimmt es also: es hat mich ein gespenst erschreckt.
rockenphil. 927 (6, 46); es war kein spiegel was sie gesehen haben. ein bloszes pastellgemählde hinter einem glas, das einen mann in armenischer kleidung vorstellte, hat sie getäuscht. Schiller 4, 221; uns suchte er .. zu überreden, als ob er selbst von dem ritter getäuscht worden, und als ob er geglaubt hätte
ihn zu täuschen. 4, 250; jezt, jezt erkenn ich sie. mich hat kein traum getäuscht ... ... es ist fürchterliche wahrheit. 14, 104 (
braut von Mess. 4, 2); nichts kleines war es, solche heimlichkeit verhüllt zu tragen diese langen jahre, den mann zu täuschen, den umsichtigsten der menschen. 14, 96 (4, 1). täuschen mit: kein man mag sich vor in (
den frauen) gefristen, sie teuschen in mit iren listen.
fastn. sp. 355, 19;
mit an, um
oder genetiv der sache (
statt um): (
die) mit verschmitzter falscher lehr sie an dem glauben teuschen sehr. Ringwald
laut. warh. 335; der schmerz wird neu, es wiederholt die klage des lebens labyrinthisch irren lauf, und nennt die guten, die, um schöne stunden vom glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden. Göthe 12, 5 (
Faust 16
Weim.); ja mit ernst schon drohen .. ihr die götter jedesmal wenn des mahles sie geteuscht sein. Voss
Arist., die wolken v. 611. 2@a@bβ)
mit sächlichem object (
subject eine person oder sache): wie ein gefärbtes glas, wodurch die sonne strahlt, des auges urtheil täuscht. Haller
die falschh. menschl. tug. v. 106; nichts täuscht so sanft die winterabendstunden, ... als frommes kartenspiel. Gotter 1, 248; ergebung täuscht den gram. 2, 4; ich küsse dich, o schleier, du täuschest meinen schmerz. 3, 504; wenn sie (
viele) sich auf nichts als das gemählde einer leidenschaft gefaszt gemacht haben (
im don Carlos), so hätte ich freilich ihre erwartung getäuscht. Schiller 6, 68; jetzt täuschte kein blendwerk mein ohr. 14, 56 (
braut v. Mess. 2, 1); ihr engel alle, die ich flehend bat, ihn herzuführen, täuschet meine bitte, weit weit von hier entfernet seine schritte! 14, 82 (3, 1).
[] täuschen mit: ich täuschte unterdesz meine ungeduld mit besichtigung des ortes und seiner weinberge. Thümmel
reise 9 (1803), 274. 2@bb)
reflexiv: mir war, ich hörte von fern die stimme meines vaters! — ach wie kann die kranke fantasie sich täuschen! Wieland
suppl. 4, 271; o wie möcht' ich gern mich täuschen. Göthe 2, 29 (
deutscher Parnasz v. 177
Weim.); täuschen mit: aber ich täusche mich nicht mit leichter hoffnung. 40, 309. 2@cc)
absolut oder intransitiv: das so genannte täuschen
s. a, α; (
sie waren) lange zeit ungewiss, ob bedeutung in diesem gaukelspiel wäre, so sehr hatte der effektvolle ernst dieser spielerin getäuscht. Schiller 4, 206; täuschen durch, mit: die jünglinge sind noch die ehrlichsten, die nur durch blicke täuschen. Kotzebue
dram. sp. 3, 235;
partic. täuschend: keineswegs, Odysseus, vermuten wir deiner gestalt nach einen betrüger in dir und teuschenden (1781 losen schwätzer). Voss
Od. 11, 364; ein teuschender traum (
vgl. täuschungstraum).
Il. 2, 6; wer sich der täuschenden (
liebe) ergiebt als beute. Tieck 1, 72; mit allen groszen männern müss' ein künstler lange leben, um nur eine von ihren bedeutendsten auszenseiten in täuschender wahrheit fest zu haschen. Heinse
Ardingh. 1, 104; warm und täuschend war der empfang. Schiller 6, 116; die täuschendste ähnlichkeit. 4, 243; optisch täuschend. 9, 98; solltest du nicht ... auf täuschendem pfad ihm jammer bereiten, und ihn verderben, dir selber zur rettung? Pyrker
Tunisias 2, 286.