synagoge,
f. ,
entlehnt aus lat. synagoga,
dieses seinerseits aus gr. συναγωγή '
versammlung'.
im ahd. noch nicht übernommen, sondern meist durch samanunga '
versammlung'
wiedergegeben (Tatian, Otfrid, Notker,
vgl. auch bei Graff 6, 40
f., noch im 15.
jh. so sammelung,
s. Diefenbach
gloss. 535
c),
durch thinc
ahd. gll. 1, 248, 13
St.-S. in einem dt. sprachdenkmal: dâ wart synagoga verchorn. dâ wart ecclesia erlôset
St. Trudperter hoh. lied 135, 20
Menhardt (
mitte d. 12.
jh.),
eingedeutscht erst ende des 13.
jh. belegt: synagogen (1287)
Erfurt. urk.-buch 1, 239
Beyer; sinagoge
minnes. 3, 338
b v. d. Hagen; in dy synagoge
ostdt. apostelgesch. d. 14.
jh. 9, 2
Ziesemer; mit der lat. endung, vgl. sinagoga Gundacker v. Judenburg
Christi hort 925
Jaksche, sermones Thauleri (1508) 39
b (
aber synagoge Tauler
pred. 57, 39
V.), synagoga Mathesius
Sarepta (1571) 44
b, synagoga
die judenschule Nehring
lex. (1717) 922;
häufiger seit dem jüngeren mhd. bis ins 18.
jh. in apokopierter form, vgl. sinagog Konrad v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 2094
Lindqvist, Hans Folz in:
fastnachtsp. 5
Keller, synagog Berth. v. Chiemsee 52
Reithm., sinagog Joh. Nas
antipap. eins (1567) 3, 118
b, synagog Mathesius
Sarepta (1571) 44
b, Micraelius
Pommerland (1640) 3, 436, Grimmelshausen 2, 626
Keller, Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 485, Rädlein
sprachschatz (1711) 862, v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 412. 11)
entsprechend gr. συναγωγή,
lat. synagoga
im neuen testament und den kirchenvätern für das '
versammlungshaus',
in dem die jüdische gemeinde zum zwecke der religiösen unterweisung zusammenkam, von Luther
mit schule
übersetzt (
s. teil 9, 1933
unter d),
vgl. auch judenschule
teil 4, 2, 2356: juden zu Erphorte, ez si umbe iren chirchof oder umbe ir synagogen (1287)
Erfurt. urk.-buch 1, 239
Beyer; und Jhesus umbging alles Galile lernt in iren synagogen und predigt das ewangelium des reichs
erste dt. bibel 1, 16
Kurr.; dieweil auch Christus dermaszen von oben herab gelehrt ist worden und nicht in den synagogen Paracelsus
opera (1616) 2, 230; habe ers (
ein jude eine hostie) ... endlich in die synagog gehangen Micraelius
Pommerland (1640) 3, 436; darauf bin ich in die synagog gegangen. über die schelmenjuden eins zu lachen v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 412; denn wer wird glauben, dasz die juden zu den zeiten des guten geschmacks so abscheulich gesungen haben wie ihre vorsänger jetzt in den synagogen zu singen pflegen Schubart
ästhet. d. tonkunst (1806) 16. 22)
für die lehreinrichtung als solche und die in einer judenschule stattfindende versammlung (
vgl. Luk. 12, 11
und apostelgesch. 9, 2),
wie auch für die ganze jüdische gemeinde einer ortschaft: daz kint (
Jesus) in allen witzen vant (
Maria) meisterlîchen sitzen der sinagôgê under, dâ al die juden wunder von sîner meisterschefte nam
Reinfrid v. Braunschweig 18027
B.; dise mêre vlugen dô in die synagogen wît. hie von samten sich enzît die vrunde und ouch die mâge
Marienlegenden 248
Pf.; wann etlich stuonden auf von der synagogen, die da ist geheissen der Libertiner und der Cirener
erste dt. bibel 2, 303
Kurr. (
apostelgesch. 6, 9); und iesch von im die brieff zuo den synagogen in Damasch
ebda 316 (
apostelgesch. 9, 2); der gute mensch (
war) von einigen seiner alten bekandten ausz der synagog benachrichtigt worden Grimmelshausen 2, 626
Keller; was will eine gabe der zungen in der jüdisch-christlichen synagoge zu Korinth sagen? Herder 19, 41
S.; Isaac Aben Sid Hassan, vorsteher der reichen synagoge zu Toledo A. v. Humboldt
kosmos (1845) 3, 314; dagegen hören wir in der neutestamentlichen zeit von einer gerichtsbarkeit der synagoge P. Volz
d. bibl. altertümer (1914) 241. satans, des teufels synagoge
nach apok. 3, 9 (
und 2, 9) '
gemeinde, gefolgschaft des satans': du selige cristenheit des sal ich dich noch hogen uzer der synagogen Sathanases; der were dich, die nu strebet wider mich Heinrich v. Hesler
apokal. 5634
H.; wo aber die clöster werden geordnet nach christlicher form, wöllen sie gern wider dar in, hie zwischen wellen sie nit sein in dysen synagogen sathane Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 105
ndr.; das die christlich kirch dess teüfels sinagog und dess lästerthiers sitz sey Joh. Nas
antipap. eins (1567) 3, 118
b.
für die örtliche lehreinrichtung als ganzes, nach Luk. 8, 41: eins fursten tochter, als man sagt, von der sinagoga Gundacker v. Judenburg
Christi hort 925
Jaksche; dann auch für die gesamtheit der jüdischen kultusinstitution (
wie kirche im christlichen gebrauch, vgl. kirche 4
teil 5,
sp. 795): Caiphas, der nur auf ain jar obrister priester der synagog gewesen Berthold v. Chiemsee
t. theol. 52
Reithm.; die hohenpriester und andere fürsten der synagog Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 485. 33)
als sinnbild der jüdischen religion für diese selbst eingesetzt; '
jüdische religion, lehre': vernihtet gar ir (
der juden) valsche sinagoge wart. der vil zarte touf (
wurde) von dir (
Maria) erniuwet
minnesinger 3, 338
b v. d. H.; und wie vil alle werg und wide herzuo dienent, also vil sint sú löbelicher und heiliger und nútzer, und wo des nút enist, do ist rehte alse der juden synagoge. die alte e, die hette vil gesetzede ... Tauler
pred. 57, 39
V.; (
Maria) du harpf Davieczs, der sinagog ein plog in aller jüdscheit weit! Hans Folz
meisterlieder 74, 85
M.; noch ein kleines, sprach er (
Christus) zur synagoge, und ich werde himmel und erde bewegen R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 6, 93. alte synagoge
im gegensatz zur kirche,
offenbar von der verbindung alter bund
beeinfluszt: das sage ich nun, hat der sone gottes im güldenen leuchter der alten synagog fürbilden wollen, das in seiner kirche ein grosz liecht werde auffgehen Mathesius
Sarepta (1571) 44
b. —
als personifikation der jüdischen religion; besonders im streitgespräch als gegenspielerin der kirche,
die die christliche religion darstellt, nach dem vorbild des in der theol. literatur seit Augustin geläufigen gegensatzpaares ecclesia
und synagoga,
fest im geistlichen spiel (
zur sache sieh A. Dörrer
bei W. Stammler
d. dtsche literatur d. mittelalters, verfasserlexikon 3 [1937] 104
ff.): diss zarten kúngs (
d. h. Christi) werden lip hat och die sinagog, sin wyp, verschmächt und gelichot den buoben Konrad v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 2094
Lindqvist; darumb ist unser weiser rat, die synagog zu stellen hie gen eur kirchen, als ir die hie sehet gegenwurtig stan Hans Folz
in: fastnachtsp. 4
Keller; die sinagog: ich haisz und bin die sinagog
ebda 5; fort sei zu wiszen in gemein, wie itz die ding ergangen sein der kirchen halb und irer frag und antwort halb der sinogag
ebda 33; der römische kaiser, die kirche und synagoge treten (
in der schaustellung) zuerst auf
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 102; heidenthum, synagoge und kirche singen nun abermals ihre eingangsverse (
im ludus de Antichristo) W. Scherer
litteraturgesch.7 78.