Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Sühne f.
Sühne f.
Sühne f. ‘Genugtuung, Vergeltung, Strafe für begangenes Unrecht, Versöhnung’. Herkunft ungeklärt. Ahd. suona ‘Gericht, Urteil, Gerichtsverhandlung’, auch ‘Beilegung von Rechtshändeln, Vertrag, Frieden’ (8. Jh.), mhd. suon, suone ‘Urteil, Gericht, Versöhnung, Frieden, Ruhe’, asächs. sōna ‘Gericht’, mnd. sȫne ‘Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten, Friede, gewährte Verzeihung’, mnl. soen(e) ‘Versöhnung’, nl. zoen (seit Kiliaen auch ‘Kuß’ als Besiegelung der Versöhnung), afries. sōn(e) hat keine außergerm. Anknüpfungsmöglichkeiten. Es werden Formen mit sw-Anlaut vorausgesetzt, erhalten in mnd. swōne, mnl. swoene ‘Friedensschluß’. Als germ. Verwandte werden dazugestellt anord. sōa ‘opfern, töten’, isl. sóa ‘vernichten, verzehren’, norw. (mundartlich) sōnast ‘ohnmächtig werden’, svana ‘abnehmen, sich besänftigen’, aengl. āswōgan ‘ersticken’, (ge)swogen ‘ohnmächtig’. Sühne ist ein Wort der Rechtssprache; es verlagert seinen Bedeutungsschwerpunkt von ‘Gericht, Urteil’ (ahd.) auf ‘Beilegung, Wiedergutmachung, Versöhnung’ durch Gericht, Urteil (vgl. Schuld und Sühne) und ‘Preis, der als Wiedergutmachung gezahlt wird’. Um 1700 ist Sühne nahezu ungebräuchlich; durch Luthers Bibelübersetzung im Sprachbewußtsein bewahrt, wird es zur Zeit des Sturm und Drang neu belebt. – sühnen Vb. ‘begangenes Unrecht wiedergutmachen’, ahd. suonen ‘richten, einen Ausgleich herbeiführen’ (8. Jh.), mhd. süenen, suonen ‘versöhnen, ausgleichen, abhelfen, beseitigen’, asächs. gisōnian ‘aussöhnen’, mnd. sȫnen, mnl. soenen, suenen, auch ‘küssen’, nl. zoenen; vgl. auch gleichbed. mnl. swoenen. S. versöhnen.