süd,
m., n. ,
hinmelsrichtung, gegend gegen mittag, der aus dieser richtung wehende wind. AA.
herkunft, verbreitung und form. A@11)
diese form des wortes ist ende des 12.
jh. aus dem nd.-nl. ins hd. gedrungen (
s. u. 4);
zu grunde liegt ein germ. richtungsadverb sunþa '
nach süden' (
neben sunþra-
gleicher bedeutung, s. u. süder),
an. suðr '
südwärts, südlich';
ags. súð '
südwärts',
ne. south;
afries. suth '
süden'
in fan noerda to suda
u. ä., suther '
südwärts'
; as. suth '
im süden', suðar '
nach süden'
; mnl. suut '
im oder nach süden', suder,
adj., '
südlich', suut,
n., '
süden'
; mnd. sut-, suder '
südlich'
; ahd. sund-, sund,
subst., '
süden', sundar-, sundar,
adj., '
südlich'
; mhd. sunder,
adj., '
südlich'
; mhd. sûd,
m., '
südwind' (
s. u. 3). —
meist mit *sunnon- '
sonne'
verbunden, vgl. Falk-Torp 1124
u. 1561, Walde-Pokorny 2, 447;
doch verdient auch H. Schröders
ablautstudien 75
ff. zusammenstellung mit *suinþa- '
stark, rechts' (
vgl. Jac. Grimm
gesch. d. dtsch. sprache 980)
beachtung, wenn nord, norden
mit umbr. nertru '
sinistro'
zu verbinden, vgl. auch Fr. R. Schröder
beitr. 47, 345 ff. A@22)
neben *sunþa-,
*sunþra-
steht *sunþan '
von süden her',
s. u.süden.
für die function der ruhe fehlt eine besondere bildung, vgl. auch Sievers
ags. gram.3 § 321.
die bedeutungsfunction der ableitungen ist schon im ahd. verwischt und wird allmählich, besonders nach der entwicklung des ursprünglichen adverbs zum substantiv, durch präpositionen übernommen, die schon im ahd. zu den adverbien der himmelsrichtung treten können (
vgl. z. b. Tatian 113, 2
unten s. v. süden
sowie süder,
sieh auch Behaghel
dt. syntax 2, 54),
noch früher als zum substantiv (Notker,
s. u.);
vgl. auch den ersatz der richtungsfunction durch südwärts
sowie sunthalb (Notker 1, 752, 27
P.), sunderhalp (
gloss. 1, 45, 12
St.-S.), sunderthalp (
obd. Servatius 2465,
zs. f. d. a. 5)
für '
südlich, im süden'. A@33)
ein einsilbiges adverb sund
ist im altsächs. noch nachzuweisen: Moesia ab oriente (ostan)
habet ostia fluminis Danuvii, ... a meridie (suth)
Macedoniam (11.
jh.),
gloss. zu Orosius adv. pagan. I 2, 55,
vgl. A. Holder
zs. f. dt. wortf. 1, 72.
auf hd. boden schon in ahd. zeit nicht mehr belegbar. sund
erscheint vielmehr als erstes compositionsglied (
vgl. unten B 4)
und bei Notker
als substantiv in verbindung mit präpositionen: got chumet fone sunde
deus ab austro veniet 2, 620, 16
P. (
var. fone sundene 3, 364, 8); iudei in sunde unde gentes in norde 2, 181, 20; Bethleem, diu ze sunde ist 2, 620, 19 (
var. sundene 3, 364, 11).
das genus der starken a-
flexion ist hier nicht bestimmbar, doch vgl. daz nord
aquilonem 2, 368, 28,
auch mnl. dat suut Verwijs-Verdam 7, 2450.
belegt ist im mhd. und nhd. nur das mascul., vgl. z. b. den sûd (
windname)
unten B 3.
der artikel findet sich häufig nur bei der verwendung als windname, nicht selten auch in der übertragenen bedeutung B 2,
kaum je bei der eigentlichen [] verwendung als abstracte himmelsrichtung. —
aus nd.-nl. seemannssprache stammt gelegentliches femininum: das schiff um die süd bringen,
s. u.B 1 c,
vgl. nd. de ost, de nord, de süd
in hd. quellen die ost, die nord, die west,
s. zs. f. dt. wortf. 7, 102. —
für sich zu betrachten sind fälle wie der wind ist (steht) süd
u. ähnl., in denen ein in der mnd. seemannssprache noch adverbielles süd
in technischseemännischen wendungen als richtungswort absolut steht, s. u. B 1 c.
im seemännischen raum als adverb z. b. auch im ostfries.: he wând süd fan uns Doornkaat-Koolman 3, 360. —
adjectivischer gebrauch (
schon im ags. súðra, súðmest
als comparativ und superlativ, s. Bosworth-Toller 938
b;
suppl. 715)
nur ganz vereinzelt zu belegen: die kleinen sterne im krebszeichen, krippe und eselin ... und so die sudeste eselin wird bedeckt (
von wolken), bedeut es regen mit winde, aber wird die nordeste bedeckt, so kömt schnee Coler
öcon. (1645) 6
a,
unter nd. einflusz, vgl. zs. f. dt. wortf. 7, 120
anm. 2; 88;
fälle wie na dem suden lande
Lübeck. bibel (1494)
1. Mos. 13, 1
sind wohl als compositionen mit süden-
anzusehen, vgl. unten sp. 952
u. 953. A@44)
seit dem 12./13.
jh. dringen die sûd-
formen in das mhd. schrifttum ein; in der höf. literatur zuerst bei Heinrich v. Veldeke,
allerdings spärlich und nur in einem jüngeren teil der überlieferung: sûdert
Eneit 7720
Behaghel nach der hs. G (
Gotha 15.
jh., gegen sundert
der älteren BM),
vgl. aber sûder
Servatius 224
Bormans; dann bei Wolfram v. Eschenbach norden, sûden, ôsten, wester
Willehalm 283, 13.
mit den altgerm. worten der himmelsrichtung, die sich im seemännischen raum des nd. in gebrauch hielten, verschwindet auch sund-, sud-
und seine sippe seit dem ende des 12.
jh. bis zum 16.
jh. aus dem hd. und gemeinnd.; es erscheint nur gelegentlich und deutlich fremdartig aus gelehrter tradition (
z. b. Konrad v. Megenberg
buch d. nat., s. u., in gloss., bei S. Franck, Aventin)
oder vereinzelt dort, wo auszergewöhnliche persönliche verhältnisse vorliegen, vgl. den sûd und ost
bei Oswald v. Wolkenstein
ged. 68
Schatz (
den ersten beleg für das einsilbige wort seit Notker), souden
bei Suchenwirt 14
Pr. unformen wie susz, susse,
die gelegentlich in md.-obd. gloss. d. 15.
jh. als glossierung für auster erscheinen (
vgl. auster susse
voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach 63
a, susze
voc. lat.-germ. 15.
jh. md. ebda, der suszwarm
varilo quu. ende d. 15.
jh. ebda; susen
voc. rer. obd. 15.
jh. nov. gloss. 44
a;
auster eyn zuzer wint
lat.-dt. voc. von 1420
nr 226
Schröer),
die wohl als mechan. unverstandene umsetzung einer nd. sut-, zut-
vorlage zu verstehen sind, machen das fehlen des worts und seiner sippe im md.-obd. dieser zeit deutlich. in Oberdeutschland werden die alten richtungsworte durch bezeichnungen der tageszeiten oder des sonnenstandes ersetzt, so dasz für sund, sud
und seine sippe die bezeichnung mittag
tritt, wie noch heute in den obd. maa., s. u. 5.
das ist die lage zur zeit Luthers. mit dem neuen aufkommen der richtungsworte im zeitalter der entdeckungen wird durch einflusz des nd. und ndl. (
reiseliteratur)
auch sud, süd
wieder lebendig. doch steht im hd. schrifttum bis zum ende des 18.
jh. häufig noch mittag(-)
an stelle oder neben süd(-),
oft dieses erklärend; bei obd. autoren, z. b. Stifter
s. w. 9, 1
Hüller, auch noch länger, was nun aber seit dem 19.
jh. als mundartliche oder individuelle färbung wirkt: von suden ... daz ist von mittem tag Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 79, 28
Pf.; 169
u. oft (
in der sphära dagegen fehlt sud
und seine sippe völlig); wenn sye (
die vögel) nach dem mittagwynd, suden, oder nach mitternacht flyegen H. v. Eppendorf
Plinius (
Straszb. 1543) 205; gegen suden oder mittag (1622) Jos. Ulsheimer
raysbuch, Alemannia 6, 113; gegen süden oder mittag R. Capel
norden (
Hamburg 1678) 220; sud heist in der seefahrt der mittag Sperander (1728) 701; Zedler 40 (1744) 1723; süd oder mittag Wolff
mathem. lex. (1747) 1285; sud, süden suche mittag Zinck
öcon. lex. (1753) 2, 2855
u. ö.; noch 1791
wählt M. A. Thümmel reise in die mittäglichen provinzen von Frankreich
als titel, nicht südlichen.
sieh auch unter B 1.
vgl. auch Wehrle
zs. f. dt. wortf. 7, 111
u. 125
ff. [] A@55)
für sund
und seine sippe herrschen auf hd. gebiet die -n-
formen bis 1200,
vgl. z. b. sundirn
Wiener genesis 54, 11
Diemer; die sundern winde Heinrich v. Melk
erinnerung 652
Heinzel; sunderet
Rolandslied 84, 1
Gr.; auch in der älteren überlieferung für Heinrich v. Veldeke dem sundern wind
Eneit 18, 4
Ettmüller; sundert 210, 10 (sûdert
nach G h
Behaghel),
s. o. 4
; nach 1200
seltener und neben formen ohne -n-: sunderwinde
Kudrun 1125, 1; den suntwint
Trierer psalmen (13.
jh.) 364
Graff (
ps. 77, 30); sundirt Rudolf v. Ems
weltchronik 2581; 6064
Ehrismann; norden, sunder Ulrich. v.
d. Türlin
Willehalm 1, 29
Singer; sundenwint
md. Hiob 13937
Karsten (
neben sudenwinde 13922).
in obd. flur- und ortsnamen (
vgl. z. b. zuo Sunderwasser
urkundlich 1217, 1373, 1491, 1515
nachgewiesen Alemannia 9, 96)
haben sich die -n-
formen erstarrt bis heute erhalten, vgl. Sundheim, Sundhofen, Sundhausen, Sundgau
u. ähnl. sowie in der form Sonderheim, Sonderhofen, Sonderburg
u. a., s. Buck
obdt. flurnamenbuch2 261; Fischer
schwäb. 5, 1958; Staub-Tobler 7, 1130.
in den obdt. maa. ist das wort nicht volkstümlich, vgl. Schmeller-Fr.
bair. 2, 229; '
aus der schriftsprache süd,
populär mittag' Fischer
schwäb. 5, 1949;
ebenso schweizerisch, wo neben mittag
auch sunnethalb '
südwärts' Stalder 2, 13, sonnenhalb
volkstümlich ist Staub-Tobler 7, 331.
vereinzelt aber haben die alten formen sich in zss. als relicte gehalten: der sonderloft, sunderluft, der sonderwend '
südwind', sonderwendig '
vom südwind', es ist sonderwendig '
der südwind herrscht' Tobler
Appenzell. 426; Staub-Tobler 3, 1160; Stalder 2, 378 (
für Davos).
vgl. elsäss. su
nderwind
südwind Martin-Lienhart 2, 837. —
die formen ohne -n-,
von jeher im nd. (
as. gloss. suth
s. o. 3; suðan
altsächs. genesis 16;
vgl.aen der suder syden Heinrich v. Veldeke
Servatius 224
Bormans; Suderborch [1224]
westfälisch. urkunden 6 [
Minden] 39,
nr. 143; Suderbruch [1240]
ebda s. 92;
vgl. auch sudan, westsudan
etc. in den gloss. d. cod. Amplonianus [12.
jh.]
ahd. gloss. 3, 608, 14; 30; 32; 33
St.-S.),
erscheinen vom 12./13.
jh. ab auch auf hochdt. gebiet, zunächst neben den formen mit -n-,
dann allein; auffallend nach zeit und gegend: bi sudan ostan
ahd. gloss. 1, 430, 24 (
Reichenauer hs. d. 10.
jh.); den súdenwint
alem. predigtbruchstücke d. 12.
jh. in zs. f. dt. phil. 30, 194;
seit dem 13.
jh. häufiger, besonders in md. quellen: sûden Wolfram
Willehalm 283, 13; sûdegarte
jg. Titurel 134; sûden
md. Judith 1083
Palgen (13.
jh. Stuttgarter ordenshs.);
hl. Elisabet 215
R.; erlösung 3578
B.: Konrad v. Megenberg
buch d. natur 79
Pf.; 101; 434
u. ö.; Joh. Rothe
ritterspiegel 1802
Bartsch; súden
historienbibel 1, 162
Merzdorf; sûd Oswald v. Wolkenstein 68
Schatz; sudwest (1470
hd.-böhm.) Diefenbach
gloss. 213
b; sutwint (15.
jh. md.), sudenwint (15.
jh. md.)
ebda 63
a. A@66)
die schreibung mit -u-
herrscht noch im 16.
jh. und ist auch noch im 17.
und 18.
jh. geläufig, neben der -ü-
schreibung, z. t. in denselben quellen z. b. sud
et süd
it. süden Stieler (1691) 2237; sud, suden
austro v. mittag Kramer
d. neue dicti. (1678) 1032
a,
ebenso (1698),
doch sud, süd, süden 2 (1702) 1037
b; sud Steinbach (1734) 2, 771,
auch noch bei Frisch
teutsch-lat. (1741) 2, 355; Hederich
teutsch.-lat. lex. (1753) 2184; sud (süd) Chr. Fr. Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 746; unterm braunem sud Albr. v. Haller
ged. (1748) 145,
doch süd (1765) 130; der sud (1755) J. P. Uz
poet. w. 76
dt. lit.-denkm. (
von 1756
ab der süd); Wieland I 1, 85;
ebda 87 (
die natur d. dinge 1751); sud
neben süd Röding
wb. d. marine 2 (1793) 757.
die -ü-
lautung stammt aus dem vläm.-holl.; in der mnd. seemannssprache mischten sich mndl. und mnd. lautgebung, und es entstand ein gemisch von -u-
und -ü-
formen, das sich auch auf das hd. auswirkte, vgl. dazu Wehrle
zs. f. dt. wortf. 7, 128
ff. vgl. auch in den heutigen nordwestl. maa. süden (sȳ), süder, sürer Mensing
schlesw.-holstein. 4, 945
ff.; süd, söllər Schmidt-Petersen
nordfries. 130
b; 123
a; sürern Mungard
Sölring 214; sûd
neben süd
und süden, süder
neben sûr- (< sûder)
im ostfries. Doornkaat-Koolman 3, 360;
doch westf. Sûderlant (
s. u. sp. 958)
und heute suden, sudenwind Woeste-
N. westfäl. 261. —
[] die -ü-
schreibung findet sich schon seit dem 15.
und 16.
jh. öfters bezeugt, auch in md. und obd. quellen: merkwürdig früh in alem. pred.bruchst. d. 12.
jh. súden wint
zs. f. d. phil. 30, 194; sden
chron. d. dt. st. 1, 200, 10 (
Lübeck Detmar); súden
historienbibel 136
Merzdorf (
hs. O
von 1468); sdenwint
md. voc. 15.
jh. Diefenbach
gloss. 16
c; gen syt Mynsinger
von falken 13
lit. ver.; von süden 1528 Aventin
w. 1, 259, 19
L.; sdwint Frisius
dict. (1548) 878
b u. ö. seit dem ende des 18.
jh. gilt in der schriftsprache ausschlieszlich süd, süden.
fachsprachlich vereinzelt noch im 19.
jh. sud, sud- oder südflügel
wb. der im bergbau vorkomm. kunstausdr. (
Burgsteinfurt 1869) 146.
gelegentlich wird im 15.
und 16.
jh. nd.-ndl. einflusz in der schreibung des anlauts sichtbar wie z. b. zuden, zudostzud
u. s. w. in einer Zeitzer hs. von 1433,
zs. f. dt. phil. 9, 137; zuden
Wenzelbibel ex. 26, 18
bei Jelinek
mhd.-böhm. wb. 697; zudem
voc. ex quo (15.
jh. md.)
bei Diefenbach 63
a; ostzuden Seb. Franck
weltbuch (1534) 3
a; zudwind Xylander
Plutarch (1580) 245
b; zuzerwind 1420,
s. oben 4.
ebenso in der vocalbezeichnung: africus zuytwestwint
gemm. (
Köln 1495) a 5
b; seutwestwint
in einer gemma von 1512
bei Diefenbach 16
b;
vgl. auch suidtwasser Albertinus (1612),
sp. 991.
aus persönlicher berührung mit dem ndl. stammen formen wie seudwerts (1556) Hans Staden
warh. histor. 170
lit. ver.; auf der seuden seit der linien equinoctial 167; seudseudwest 107
u. ö. sporadisch bleibt secundäre mundartliche diphthongierung wie saud
in Aschaffenburg nach Schmeller-Fr. 2, 229; Sauerland
aus Sû(d)erland
s. u. sp. 958.
zugleich als gesuchtes und fremdes reimwort souden Suchenwirt 14
Pr., s. u. süden 1 a. A@77)
die flexion ist stark, doch selten angewandt, kaum je in der abstracten bedeutung der himmelsrichtung (in sunde
bei Notker
s. o. 3),
sondern im nhd. nur in der concreten bedeutung 2
und 3: des tobenden süds (
wind) Schiller 1, 121
G.; Voss
krit. bl. 1, 493; des tiefen südes kammern (
himmelsgegend) Herder 11, 250; des süds (
land) Hölderlin
s. u.B 2 b;
üblicher ist heute des südens
in der bedeutung 2.
ein plural fehlt eigentlich, denn fälle wie süde (
südwinde für lat. austris) Fr. A. Wolff
Horat. 1.
satir. (1813) 1; die letzten süd und ost Caroline 1, 72
Waitz bleiben individuell. —
gelegentliches sude
als nom. sing. ist als analogischer schwacher nom. sing. von suden
her oder aus den sude-
zss. (
s. u.B 4,
sp. 924)
abstrahiert: ventorum nomina ... ostsude Claj
gramm. 54, 22
Weidling; westsude 26, 29; sude, suden (mittag) Kramer
nider-hochteutsch (1719) 2, 210
b. A@88)
über das verhältnis von süd
zu süden
s. u. sp. 948. BB.
bedeutung und gebrauch. B@11)
die himmelsrichtung, abstract, die geographische lage und richtung: sud oder mittag
meridies Dasypodius (1537) 437
d;
nomenclator lat. germ. (
Hamburg 1634) 21; sud, suden
meridies, tractus versus meridiem Schottel
haubtspr. 1427; sud, sd, sden, der,
meridies Stieler
stammb. 2237;
mezo-dì M. Kramer 2 (1702) 1037
b; der süd oder süden '
die mittagsgegend, die gegend, da die sonne des mittags stehet' (Ludwig)
teutsch-engl. lex. (1716) 1923. B@1@aa)
in allgemeiner anwendung: mein offt bestürmtes schiff, der grimmen winde spiel, ... offt wenn uns schwartze nacht im mittag überfiel ... wie offt hab ich den wind und nord und sud verkennet! A. Gryphius
teutsche ged. (1698) 2, 323.
am häufigsten in präpositionaler verbindung (
für das ahd. vgl. oben sp. 918 Notker): der schwartzen falcken sind ... nit vil in teutschen lannden gewesen, wann sy zu dem ersten gen syt mers in den haiszen lannden gesehen sind Mynsinger
v. d. falken 13
lit. ver.; so würdt das sich enden mit disen grenitzen: der mittäglich teil würdt anfahen von der wüste Sin ... und würt jhr endung haben gegen orient des gesaltzen meer: die werden umgan, die gegen sud durch den aufgang des scorpion ... vnd kummen zuo mittag bisz gen Cades Barne Johann Eck
bibel (
Ingolstadt 1537) 1, 80
a (
4. Mos. 34); die schiff auz der schifflendt (
anlegeplatz) auff die seiten gegen sud
[] gelegen zu bringen W. Xylander
Polybius (1574) 379; das Corysche sich weit gegen sud erstreckende vorgebürg Lohenstein
Arminius 1, 126
b; nach (von) sud
verso (
da)
mezo-dì Kramer 2 (1702) 1037
b; bald richtet er (
der mond) nach sud, bald nordwärts seinen lauf Lohenstein
Sophonisbe (1680)
widmung a 4; der klugheit doppeltes gesicht musz wenn die list sich regt nach süd und norden sehen Pietsch
geb. schr. (1740) 68; sechs geyer die von nord nach süd hinflogen Niebuhr
röm. gesch. 1, 154; Tellus war entzündet worden ... sie zerreiszt von süd in norden Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 19; schon drängt das volk, es strömt herein von nord, süd, west und osten Göthe I 3, 107
W.; B@1@bb)
astronomisch-nautisch: der durchschnittspunkt des meridians mit dem horizont an der dem nordpunkt entgegengesetzten seite, einer der vier cardinalpunkte des compasses, s. J. Hübner
cur. lex. (1712) 1227; Wolff
mathem. lex. (1747) 1285; Röding 2 (1798) 757; Stenzel 412
b. B@1@cc)
ein besonderer gebrauch von sud, süd,
häufiger belegt für suden, süden (
s. d.),
hat sich in der nd. seemannssprache entwickelt und ist von dort seit dem 17.
jh. teilweise auch ins hd. gelangt. formal ist der seemannssprache, im mnd. beginnend, eine erstarrte verwendung von süd (
und süden)
eigen als absolutes richtungswort, dessen syntaktische function als ursprüngliches adverb undeutlich werden kann. sachlich setzen die technisch seemännischen wendungen den compasz und die striche seiner windrose voraus bei bestimmung und angabe der gegenseitigen lage und entfernung, der erstreckung von küsten, des standes von sonne und mond, des kurses, der windrichtung u. ähnl. im einzelnen vgl. die wbb. der seemannssprache sowie Wehrle
zs. f. dt. wortf. 7, 92
ff.: LesOe streck sdt und nord (
d. i. in der richtung des windrosenstriches beim compasz, der den nord- und südpunkt verbindet)
seekarte ost und west tho segelen (1571) j 1
b; tsschen Bovenbergen und de Vlue up allen haven, ummentrent südt vnd nord de mAen, vull see (
d. i. flut)
ebda a 7
b; den 11. dieses muhtmasseten sie, dasz sie recht
s. und
n. von Candinoes seyn wurden Rud. Capel
norden (
Hamburg 1678) 70; und da auch die wind daselbst ... gemainglich sud oder von mittemtag gehn (1557)
N. Federmann
indianische historia 11
lit. ver.; der wind ist sud
il vento tira da mezo-dì Kramer 2 (1702) 1037
b; der wind ist süd oder süden Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1923; Adelung 4, 496; Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 360.
vgl. mnld. und nld. die wint suut gaet Verwijs-Verdam 7, 2450; de wind is zud Kramer
niderhochd. (1719) 1, 541.
bei der unterteilung der windrose des compasses ergibt sich die zusammenstellung mehrerer richtungsworte, die meist zu composita werden; vgl. z. b. südsüdwest, südsüdost
u. a. durch präpositionen getrennt: ein starker wind ... uns erlaubte ost bei süd und südsüdostwärts von Neu-Caledonien wegzusteuern G. Forster
s. schr. (1843) 2, 336; süd zum westen, süd zum osten Röding
wb. d. marine 2, 757; Bobrik
naut. wb. 677; Campe 4, 746,
vgl. auch zs. f. dt. wortf. 7, 232
ff. —
auch sonstige eigenheiten in seemänn. quellen entstammen der nd.-nl. seemannssprache; vgl. z. b.: hatte das anker von sich gekappt, um das schiff wieder um die süd zu bringen
urkundlich 1795 (
s. zs. f. dt. wortf. 7, 102)
mit nl. vaaren om de suid '
noemen onse seelui varen naa de west' W. A. Winschooten
seeman (
Leiden 1681) 305;
ostfries. de wind is um de süd gan Doornkaat-Koolman 3, 360
a. B@22)
concreter für alles, was im süden, in der richtung nach süden liegt, vgl. sud
pars mundi meridionalis Wachter
gloss. germ. (1737) 1644: der grosze Karl hat die vier teile der welt ... ost, sud, west, nord genennet Zesen
rosenmand (1651) 23. B@2@aa)
teil des himmels vom standpunkt des betrachters, vgl. süd, mittag '
den vierdten theil des himmels oder die ganze gegend, welche inn und neben gedachten (
süd)
punct zu [] beyden seiten lieget' Hübner
cur. natur-lex. (1712) 1227: das herrliche gewitter, das den ganzen süd überleuchtet Göthe IV 3, 153
W. himmelsgewölbe auf der südlichen erdkugel: und unterm braunen süd (1748 sud) fühlt auch der Hottentott die allgemeine pflicht und der natur gebott A. v. Haller
ged. 134
Hirzel; und spannt die himmel aus allein ... den wagen und das nordgestirn, die sieben stern, des tiefen südes kammern hat er (
gott) gemacht Herder 11, 250
S. B@2@bb)
südlicher landesteil, gebiet im süden, auch land und leute im süden, besonders in der poesie: der herrscher über ost und west und sut und nort; der (blos mit winken nur) das wilde mer kan binden J. Romper v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 17; (
der kaiser,) der sud und ost und west mit wincken zähmen kan Lohenstein
Ibrahim sultan (1679) 74; und vom versengten sud bis zum beeisten pol ist luft und land und meer von unserm reichthum voll Wieland I 1, 85
akad. (
natur d. dinge 1751); nord und west und süd zersplittern Göthe I 6, 5
W.; im feuer des süds fielen die locken mir aus Hölderlin
ges. dicht. 1, 56
L.; wie wenig reicht sie (
die tugend der königin) empor zu jenem ideale, das aus der seele mütterlichem boden ... freywillig sproszt und ohne gärtners hülfe verschwenderische blüthen treibt. es ist ein fremder zweig, mit nachgeahmtem süd (
d. i. im treibhaus) in einem rauhern himmelsstrich getrieben Schiller 5, 2, 268
G.; nicht mehr nun trennt uns süd und norden v. Schenkendorf
ged. (1815) 49; mandelkerne, süsze nüsse früchte, die der süd geboren in dem heiszern strahl der sonne L. Rellstab
ged. (1827) 146; schon die unterschiede der interessen innerhalb des deutschen zollvereins zwischen nord und süd, ost und west sind schwer ... zu überwinden Bismarck
ged. u. erinn. 1, 105
volksausg.; im sprichwort: ost, süd, west, daheim ist am best Lüpke
seemannssprüche (1900) 128, 87. B@33)
der aus süden wehende wind, südwind; im ahd. anders als bei sundan (
s. u. sp. 951)
nur in zss. wie suntwint, suntostrôni
u. ähnl., s. u. 4.
im mnl. vgl. suuet
notus Verwijs-Verdam 7, 2540.
häufiger erst vom 17.
jh. ab zu belegen. seit dem 18.
jh. kommt als windname nur noch die einsilbige form vor: ventorum (
sc. nomina), der ost
eurus, sud
auster (1573) Albertus
teutsche gramm. 58
Müll.-Fraur.; sud, mittagswind
ostro, mezzodi Hulsius (1618) 244
a; sud '
der wind von süden oder mittag' Duez (1664) 504
b; sud
sive sudwind Stieler
stammb. (1691) 2237. —
insbesondere in der poet. sprache: o Trumitan, wie hastu mein vergessen hie in sölcher pein, das du hast lan gewaltig sein den sud und ost spaziern herein Oswald v. Wolkenstein 68
Schatz; ... kom suhd und nm di dunst der nächte von uns hin (1638) Ph. Zesen
Rosemund 245
ndr.; der suth und die mitternächtige winden Abraham a
s. Clara
Judas (1686) 1, 587; doch wenn die heiszen thäler der dürre süd durchstreicht Dusch
verm. w. (1754) 86; wie wenn der sud sein schwarz gefieder schüttert und auf der see sich als tyrann erhebt, verirret sich das ... schiff J. P. Uz
sämtl. poet. w. 76
var. dt. lit.-denkm.; und den gefährlichen süd, den vater würgender seuchen Gieseke
bei Campe 4, 746
a; mancher süd und mancher nord hat seitdem über meine wange und über mein haupthaar hingeweht A. G. Meiszner
Alcibiades 4, 300; winderzeugung ... ost und nord haben bezug auf hohen, west und süd auf niederen quecksilberstand Göthe II 12, 91
W.; mag der süd nun peitschen die woge, mag sie schwellen der nordsturm Platen 1, 223
Hempel; [] schauest du nicht, ... wie der mast, von des süds fliegendem sturme wund, erseufzt? J. H. Voss
krit. blätter geogr. abh. 1, 493;
bildlich: des fiebers süd, des alters nord pflegt auch den zärtlichsten Poppäen die schönheitsblumen wegzuwehen Triller
poet. betracht. (1750) 1, 90. B@44)
zusammensetzungen mit sund-, sud-, süd-
erscheinen auf festländischem boden seit dem 8.
jh.; im gegensatz zu den im ahd. nur noch vereinzelten resten des simplex (
s. o. A 3)
zahlreich in flur- und ortsnamen, z. t. sehr häufig und durchstehend bis zur gegenwart bezeugt; vgl. z. b. Sundheim (9.
jh.), Suddorph, Sundcawi (8
jh.) -goe, -gou, -gau (
vgl. dazu Sundgäuer
Sequani Maaler [1561] 396
c; Calepinus
XI ling. [1598]
onom. 259; Sungawer Henisch [1616] 1375), Sundhova (8.
jh.), Sutholte, Sundhusun, Suthkirike
u. s. w., s. Förstemann-Jell.
altdt. namenbuch3 2, 2, 936
ff., wo etwa 32
bildungen nachgewiesen sind neben 23
mit sundar-, suther-,
denen nur 4
vereinzelte mit sundan-
gegenüberstehen, s. auch sp. 952
u. 956.
rein appellativische zss. sind im ahd. ähnlich wie bei sundar-,
s. sp. 956,
weniger oft greifbar, im gegensatz zu den häufigen ags. sûþ-
bildungen, s. Bosworth-Toller
anglo-sax. dict. 938
ff.; suppl. 715: sundhalba
austrum, meridiem (8./9.
jh.)
gl. 1, 271, 39
St.-S.; sunthalbun
austri (11.
jh.) 712, 64;
bei Notker
in astronomischem zusammenhang: sunthalb,
adv.: tar sihest tu sia (
ydra) sunthalb tes signiferi 1, 752, 27
P.; 751, 2; -gibil: der nordkibel ist obe erdo, also der suntkibel ist under erdo 1, 270, 8; -zeichen (
s. u. sp. 998).
weiterhin bezeichnungen aus der windrose wie suntnordirt
euroaquilo (11.
jh.)
ahd. gl. 1, 752, 17; sundnordroni
euroaquilo 1, 752, 17; sundostroni
euroauster (10.
jh.) 3, 609, 5; sundwestroni
austerafricus (10.
jh.) 609, 9; sundwestronowint 3, 204, 62; 3, 113, 42 (13.
jh.),
vgl. dazu zs. f. dt. wortf. 7, 221
ff.; häufiger bezeugt bei Notker
und in den gloss. ist allein suntwint, das noch ins mhd. reicht und im frühnhd. als sudwind
vom nd. her sich verbreitet, vgl. südwind
sp. 996.
sonst bleiben im gegensatz zum me. (
s. Stratmann-Bradley 592
ff.)
und mnl. (
s. Verwijs-Verdam 7, 2450
ff.)
doch auch zu den ahd. orts- und flurnamen im deutschen, bes. auf hochdt. boden, bis zum ende des 16.
und anfang des 17.
jh. die sunt-, sud-
bildungen auszer den meist lexikal. tradierten windrosenbezeichnungen spärlich und selten bezeugt; gelegentlich, in nd. und md. quellen, auch in der form sude-,
die wohl als phonetische erleichterung zu werten, vgl. sudegarte, -wart, -west, -wind
u. ä., s. auch zs. f. d. wortf. 8, 351,
je nach zeit und mundart auch aus süden-
erleichtert z. b. südewind
bei Mensing 4, 946: an êre gernder frucht ein sudegarte
jg. Titurel 134, sudwest (
Trierer ps. des 13.
jh.; 1470; S. Franck 1534, Luther,
s. d.), sudwesterwind (
anf. d. 15.
jh. Diefenbach
nov. gl. 44
a), sudost (15.
jh. s. d.), sudwind (15.
jh.; Luther,
dies allein schon im 16.
jh. oft, s. d.), sudspitze (1537),
vgl. auch sudöde (Matthesius
s. d.); sudort (Wickram,
doch s. sp. 955).
auf nd. gebiet sudewest, sudwesten (13.
u. 14.
jh.), zudost- (-west-) zud (
aus d. nd. 1433,
zs. f. d. phil. 9, 137), sûdland (1405), sudweges (
adv. 1405).
in der mnd. seemannssprache treten sie gegen ende des 15.
und 16.
jh. häufiger zu tage, vgl. z. b. sutende, -land, -ost, -syde, sutsutost
u. ähnl., sutward, sutwest(en)
im seebuch 116
ff. Koppmann, s. unten an den alphab. stellen. in der hd. schriftsprache aber kommen die sud-, süd-
bildungen erst in der zweiten hälfte des 17.
und im 18.
jh. zur entwicklung und schwellen seit dem anf. d. 19.
jh. zu gröszter fülle an; vor allem in reiseberichten (Kramer, Dapper, Olearius, Forster),
die zunächst im 17.
jh. oft vom ndl. abhängig sind, im 19.
jh. daneben in geographischen (Ritter, H. v. Barth)
und militärischen schriften ( v. Alten).
dabei stehen im 17.
und auch noch im 18.
jh. bildungen mit süden-,
die immer spärlich gewesen sind, s. u. sp. 952,
und mit süder-,
die auf seemännischen gebrauch und raum sich einschränken, s. u. sp. 957,
neben denen mit sud-, süd-,
die vom 19.
jh. ab mit der zur norm gewordenen form süd-
in der schriftsprache nun allein herrschen. [] die fülle der neuen süd-
zss. wird hauptsächlich durch zwei gruppen verursacht. B@4@aa)
jeder gegenstand, vor allem gebäude und ihre teile, jeder raum, jegliche function (-grenze, -eingang, -sprache
u. s. w.)
und handlung, ja auch abstractionen wie -system
können heute in beziehung zur himmelsrichtung gesetzt und durch verbindung mit süd-
im sinne von süd B 1 a
als nach süden gerichtet, im süden liegend, von süden kommend bestimmt werden. das tatsächliche auftreten von massen dieser süd
-bildungen zeigt aber, dasz ein bedürfnis für eine durch solche richtungsbestimmung genauer festgelegte raumvorstellung sich in steigendem masze erst im laufe des 19.
jh. entwickelt, vornehmlich in den höhenschichten der sprache, bedingt gewisz durch die gleichzeitige entwicklung der exacten wissenschaften (
geographie und deren kartengebrauch, naturkunde).
jedenfalls sind vor 1800
bildungen dieser art relativ selten, vor allem weniger flüssig, auf seemännischen oder gelegentlich-wissenschaftlichen gebrauch beschränkt; noch heute fehlen sie den mundarten, abgesehen natürlich von den seemännischen (
vgl.südenne, -wind
im ostfries.),
die aber in der regel süden-, süder-
bildungen vorziehen, s. Mensing
schlesw.-holst. 4, 941: südabdachung, -abfall (Laistner
nebelsagen 7; Ratzel
völkerkunde 60; v. Alten 9, 163), -abhang (
s. d.), -angel (17.
jh. s. d.), -angriff, -arm (
eines flusses), -armee (
s. d.), -ausgang (
s. d.), -bahn (
s. d.), -barke, -bastion, -batterie, -biegung, -blick, -bö (1770
s. d.), -breite (18.
jh. s. d.), -burg, -eck, -ecke (17.
jh. s. d.), -eingang (
s. d.), -ende (15.
jh. s. d.), -fenster, -flanke, -flügel (
s. d.), -flusz, -fusz (
eines berges s. d.), -front, -gegend, -gehänge, -gestade (
s. d.), -gewölbe, -giebel, -glied, -grenze (
s. d.), -gruppe, -hafen (
s. d.), -halde, -hälfte (
s. d.), -hang, -hauch (18.
jh. s. d.), -hemisphäre (: das südhemisphär war zum groszen wasserbehältnisz unserer [
erd]kugel bestimmt, damit das nordhemisphär ein besseres klima genösse Herder 13, 271
S.), -himmel (
s. d.), -horizont, -horn, -hügel, -insel (
s. d.), -kante (
s. d.), -kap (
s. d.), -kette, -kirche, -küste (17.
jh. s. d.), -land (15.
jh. s. d.), -länder,
m. (18.
jh. s. d.), -lauf, -lehne, -magnetisch, -mark (
s. d.), -markung, -mauer, -orkan, -pforte (Bürger 295
B.), -pol (17.
jh. s. d.), -portal, -provinz, -punkt (18.
jh. s. d.), -rand (
s. d.), -saum, -seite (15.
jh.), -senkung, -sonne (
s. d.), -spalt, -spitz(e) (16.
jh. s. d.), -sprache, -staaten (
s. d.), -strand, -strasze (
s. d.), -strecke, -strich (17.
jh. s. d.), -strom (
s. d.), -strömung, -sturm (18.
jh. s. d.), -system (Ritter 4, 421), -teil (18.
jh. s. d.), -tor (
s. d.), -tür (
s. d.), -turm, -ufer (
s. d.), -umwallung, -verbreitung, -verzweigung, -volk (
s. d.), -wall (
s. d.), -wand, -wanderung, -wasser (
s. d.), -weg (15.
jh. s. d.), -weisung, -wendung, -wetter (D. Cranz
Grönland [1770] 1, 64; Zschokke 12, 365), -wind (
s. d.), -winkel (1671
s. d.), -wirbel (1676
s. d.), -zimmer, -zirkel (1677
s. d.), -zone (: die kalte
s. ... sowie in die nördlichen gegenden Herder 13, 42
S.), -zuflusz.
innerhalb dieser groszen gruppe bilden einen besonderen bezirk die mit süd-
verbundenen namen von ländern und völkern, hier auch oft adjectivisch; in weiterem umfang und gebrauch dem geograph., ethnolog., histor., polit. und sprachwissenschaftlichen schrifttum eigen. auch sie sind im deutschen in fülle erst im 19.
jh. entwickelt, einige wenige im 18.
jh., z. b. bei G. Forster.
auf englischem boden dagegen ist dieser typ seit dem ags. geläufig, vgl. z. b. Suþ-Dene, -Engle, -Seaxe
u. s. w. Bosworth-Toller 939
a;
suppl. 715; Stratmann-Br. 592
b: Süd-Afrika, -Alpen, -Amerika (G. Forster 1, 15), -arabisch, -asiatisch, -Asien, -atlantisch (G. Forster 5, 75), -baltisch, -deutsch (
s. d.), -Europäer (G. Forster 3, 452), -fränkisch ('
südfranzösisch' Göthe I 41, 2, 295
W.), -Franzose, -Georgien (
allg. dt. bibl. anh. zu 25-33, 3, 1483), -Indien Campe, -italienisch, -kaspisch, -Kelten, -persisch, -Preuszen Campe, -russisch, -Sahara, -schwedisch, -Ural
u. a. für sich zu betrachten ist die ältere gruppe der süd
-bezeichnungen in den windrosen, sieh darüber Wehrle
zs. f. dt. wortf. 7, 221
ff. und unten sudnord, südost, südwest, südsüdost, -west
an alphab. stelle. [] B@4@bb)
die zweite gröszere gruppe von zss. entwickelt sich von der bedeutung süd 2 b
aus und setzt den zweiten bestandteil in beziehung zu einem im süden gelegenen land oder volk, insbes. zu Südeuropa, spec. Italien, andrerseits zu den tropischen ländern spec. des stillen ozeans und seines südlichen teils. in der letztgenannten beziehung schon in der zweiten hälfte des 17.
jh. sowie im 18.
jh. seit den groszen entdeckungsfahrten und ihrer beschreibung relativ häufig. doch gehört auch in dieser gruppe der gröszere teil der bildungen erst dem 19.
jh. an, in dem die beziehung auf Südeuropa und Italien (
vgl. z. b. südland)
mehr hervortritt als vorher als folge des neuhumanismus, der romantischen vorliebe für italien. und span. motive, weiterhin des stark gesteigerten reiseverkehrs des 19.
jh.: südathmend:
s. Griechen Baggesen (1836) 2, 99; -berg (
s. d.); -compagnie:
handelsgesellschaft z. b. im anfang d. 18.
jh. in Frankreich zu betreibung des sklavenhandels mit Spanien, s. encycl. wb. 9 (1803) 99; -dichtkunst,
d. i. italien. Voss
krit. bl. 1, 571; -erde (
s. d.); -feste (
s. d.); -fisch:
am himmel auf der südlichen erdhälfte Brentano 3, 297; -frucht (
s. d.); -gefilde (1645
s. d.); -gegend Campe; -gelände,
in Spanien E. v. Vaerst
sonette (1825) 77; -gesicht,
von eingeborenen in den tropen Freiligrath
ges. dicht. (1870) 2, 185; -gestade (
s. d.); -gestirn (1689,
s. d.); -gewächs Jean Paul 48, 298
H.; Gaudy 5, 126; -gewohnt Rellstab
ged. (1827) 146; -heisz (
s. d.); -herbst I. v. Düringsfeld
aus Dalmatien (1857) 1, 132; -himmel (
s. d.); -insel (18.
jh. s. d.); -kind
aus Abessinien Pückler
br. u. tgb. 9, 43; -krone
am himmel auf der südl. erdhälfte Brentano 3, 297; -kunst
d. i. der Griechen H. v. Chézy
n. auserl. schr. (1817) 1, 161; -kur
im südl. Europa Chr. A. Fischer
br. eines südländers (1805) 3; -land (17.
jh. s. d. 2
u. 3); -länder,
m., (17.
jh. s. d.); -luft,
an der riviera, intell. bl. z. allg. lit.-ztg. 1840,
s. 61; -meer (17.
jh. s. d.); -mensch: der süd- und glutmensch vom Franzosen an durch den Italiener bis zum Portugiesen hinauf Jean Paul
w. 34, 26
H.; -pflanze Gaudy 5, 154; Friedl
Bärnd. 5, 142; -profil
eines Spaniers Freiligrath
ges. dicht. (1870) 2, 130; -reise,
nach dem südl. Europa Chr. A. Fischer
br. eines südländers (1805) 3; -revier
d. i. Südeuropa E. v. Vaerst
sonette (1825) 19; -saft: du hast so viel jahre bei den Münchnern und Wienern ... gelebt, südsäfte in dich eingezogen A. Wilbrandt
in nord und süd 1902, 301; -see (17.
jh. s. d.); -sonne (
s. d.); -sprosse
einer südpflanze v. Loeben
lotosbl. (1817) 1, 340; -stern (17.
jh. s. d.); -strich (1689,
s. d.); -sucht (
s. d.),
vgl.-weh; -ton I. v. Düringsfeld
aus Italien (1851) 55; -volk (18.
jh. s. d.); -warm
begeistert, schwungvoll wie ein südländer Jung-Stilling
s. schr. 6, 224; -weh: vom südweh, von seinem Romleide R. H. Bartsch
Schwammerl (1912) 105; 236; -wein (
s. d.); -welt (17.
jh. s. d.).