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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

süd m., n.

Bd. 20, Sp. 918
süd, m., n. , hinmelsrichtung, gegend gegen mittag, der aus dieser richtung wehende wind. AA. herkunft, verbreitung und form. A@11) diese form des wortes ist ende des 12. jh. aus dem nd.-nl. ins hd. gedrungen (s. u. 4); zu grunde liegt ein germ. richtungsadverb sunþa 'nach süden' (neben sunþra- gleicher bedeutung, s. u. süder), an. suðr 'südwärts, südlich'; ags. súð 'südwärts', ne. south; afries. suth 'süden' in fan noerda to suda u. ä., suther 'südwärts'; as. suth 'im süden', suðar 'nach süden'; mnl. suut 'im oder nach süden', suder, adj., 'südlich', suut, n., 'süden'; mnd. sut-, suder 'südlich'; ahd. sund-, sund, subst., 'süden', sundar-, sundar, adj., 'südlich'; mhd. sunder, adj., 'südlich'; mhd. sûd, m., 'südwind' (s. u. 3). — meist mit *sunnon- 'sonne' verbunden, vgl. Falk-Torp 1124 u. 1561, Walde-Pokorny 2, 447; doch verdient auch H. Schröders ablautstudien 75 ff. zusammenstellung mit *suinþa- 'stark, rechts' (vgl. Jac. Grimm gesch. d. dtsch. sprache 980) beachtung, wenn nord, norden mit umbr. nertru 'sinistro' zu verbinden, vgl. auch Fr. R. Schröder beitr. 47, 345 ff. A@22) neben *sunþa-, *sunþra- steht *sunþan 'von süden her', s. u.süden. für die function der ruhe fehlt eine besondere bildung, vgl. auch Sievers ags. gram.3 § 321. die bedeutungsfunction der ableitungen ist schon im ahd. verwischt und wird allmählich, besonders nach der entwicklung des ursprünglichen adverbs zum substantiv, durch präpositionen übernommen, die schon im ahd. zu den adverbien der himmelsrichtung treten können (vgl. z. b. Tatian 113, 2 unten s. v. süden sowie süder, sieh auch Behaghel dt. syntax 2, 54), noch früher als zum substantiv (Notker, s. u.); vgl. auch den ersatz der richtungsfunction durch südwärts sowie sunthalb (Notker 1, 752, 27 P.), sunderhalp (gloss. 1, 45, 12 St.-S.), sunderthalp (obd. Servatius 2465, zs. f. d. a. 5) für 'südlich, im süden'. A@33) ein einsilbiges adverb sund ist im altsächs. noch nachzuweisen: Moesia ab oriente (ostan) habet ostia fluminis Danuvii, ... a meridie (suth) Macedoniam (11. jh.), gloss. zu Orosius adv. pagan. I 2, 55, vgl. A. Holder zs. f. dt. wortf. 1, 72. auf hd. boden schon in ahd. zeit nicht mehr belegbar. sund erscheint vielmehr als erstes compositionsglied (vgl. unten B 4) und bei Notker als substantiv in verbindung mit präpositionen: got chumet fone sunde deus ab austro veniet 2, 620, 16 P. (var. fone sundene 3, 364, 8); iudei in sunde unde gentes in norde 2, 181, 20; Bethleem, diu ze sunde ist 2, 620, 19 (var. sundene 3, 364, 11). das genus der starken a-flexion ist hier nicht bestimmbar, doch vgl. daz nord aquilonem 2, 368, 28, auch mnl. dat suut Verwijs-Verdam 7, 2450. belegt ist im mhd. und nhd. nur das mascul., vgl. z. b. den sûd (windname) unten B 3. der artikel findet sich häufig nur bei der verwendung als windname, nicht selten auch in der übertragenen bedeutung B 2, kaum je bei der eigentlichen [] verwendung als abstracte himmelsrichtung.aus nd.-nl. seemannssprache stammt gelegentliches femininum: das schiff um die süd bringen, s. u.B 1 c, vgl. nd. de ost, de nord, de süd in hd. quellen die ost, die nord, die west, s. zs. f. dt. wortf. 7, 102. — für sich zu betrachten sind fälle wie der wind ist (steht) süd u. ähnl., in denen ein in der mnd. seemannssprache noch adverbielles süd in technischseemännischen wendungen als richtungswort absolut steht, s. u. B 1 c. im seemännischen raum als adverb z. b. auch im ostfries.: he wând süd fan uns Doornkaat-Koolman 3, 360. — adjectivischer gebrauch (schon im ags. súðra, súðmest als comparativ und superlativ, s. Bosworth-Toller 938b; suppl. 715) nur ganz vereinzelt zu belegen: die kleinen sterne im krebszeichen, krippe und eselin ... und so die sudeste eselin wird bedeckt (von wolken), bedeut es regen mit winde, aber wird die nordeste bedeckt, so kömt schnee Coler öcon. (1645) 6a, unter nd. einflusz, vgl. zs. f. dt. wortf. 7, 120 anm. 2; 88; fälle wie na dem suden lande Lübeck. bibel (1494) 1. Mos. 13, 1 sind wohl als compositionen mit süden- anzusehen, vgl. unten sp. 952 u. 953. A@44) seit dem 12./13. jh. dringen die sûd-formen in das mhd. schrifttum ein; in derf. literatur zuerst bei Heinrich v. Veldeke, allerdings spärlich und nur in einem jüngeren teil der überlieferung: sûdert Eneit 7720 Behaghel nach der hs. G (Gotha 15. jh., gegen sundert der älteren BM), vgl. aber sûder Servatius 224 Bormans; dann bei Wolfram v. Eschenbach norden, sûden, ôsten, wester Willehalm 283, 13. mit den altgerm. worten der himmelsrichtung, die sich im seemännischen raum des nd. in gebrauch hielten, verschwindet auch sund-, sud- und seine sippe seit dem ende des 12. jh. bis zum 16. jh. aus dem hd. und gemeinnd.; es erscheint nur gelegentlich und deutlich fremdartig aus gelehrter tradition (z. b. Konrad v. Megenberg buch d. nat., s. u., in gloss., bei S. Franck, Aventin) oder vereinzelt dort, wo auszergewöhnliche persönliche verhältnisse vorliegen, vgl. den sûd und ost bei Oswald v. Wolkenstein ged. 68 Schatz (den ersten beleg für das einsilbige wort seit Notker), souden bei Suchenwirt 14 Pr. unformen wie susz, susse, die gelegentlich in md.-obd. gloss. d. 15. jh. als glossierung für auster erscheinen (vgl. auster susse voc. d. 15. jh. bei Diefenbach 63a, susze voc. lat.-germ. 15. jh. md. ebda, der suszwarm varilo quu. ende d. 15. jh. ebda; susen voc. rer. obd. 15. jh. nov. gloss. 44a; auster eyn zuzer wint lat.-dt. voc. von 1420 nr 226 Schröer), die wohl als mechan. unverstandene umsetzung einer nd. sut-, zut-vorlage zu verstehen sind, machen das fehlen des worts und seiner sippe im md.-obd. dieser zeit deutlich. in Oberdeutschland werden die alten richtungsworte durch bezeichnungen der tageszeiten oder des sonnenstandes ersetzt, so dasz für sund, sud und seine sippe die bezeichnung mittag tritt, wie noch heute in den obd. maa., s. u. 5. das ist die lage zur zeit Luthers. mit dem neuen aufkommen der richtungsworte im zeitalter der entdeckungen wird durch einflusz des nd. und ndl. (reiseliteratur) auch sud, süd wieder lebendig. doch steht im hd. schrifttum bis zum ende des 18. jh. häufig noch mittag(-) an stelle oder neben süd(-), oft dieses erklärend; bei obd. autoren, z. b. Stifter s. w. 9, 1 Hüller, auch noch länger, was nun aber seit dem 19. jh. als mundartliche oder individuelle färbung wirkt: von suden ... daz ist von mittem tag Konrad v. Megenberg buch d. nat. 79, 28 Pf.; 169 u. oft (in der sphära dagegen fehlt sud und seine sippe völlig); wenn sye (die vögel) nach dem mittagwynd, suden, oder nach mitternacht flyegen H. v. Eppendorf Plinius (Straszb. 1543) 205; gegen suden oder mittag (1622) Jos. Ulsheimer raysbuch, Alemannia 6, 113; gegen süden oder mittag R. Capel norden (Hamburg 1678) 220; sud heist in der seefahrt der mittag Sperander (1728) 701; Zedler 40 (1744) 1723; süd oder mittag Wolff mathem. lex. (1747) 1285; sud, süden suche mittag Zinck öcon. lex. (1753) 2, 2855 u. ö.; noch 1791 wählt M. A. Thümmel reise in die mittäglichen provinzen von Frankreich als titel, nicht südlichen. sieh auch unter B 1. vgl. auch Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 111 u. 125 ff. [] A@55) für sund und seine sippe herrschen auf hd. gebiet die -n-formen bis 1200, vgl. z. b. sundirn Wiener genesis 54, 11 Diemer; die sundern winde Heinrich v. Melk erinnerung 652 Heinzel; sunderet Rolandslied 84, 1 Gr.; auch in der älteren überlieferung für Heinrich v. Veldeke dem sundern wind Eneit 18, 4 Ettmüller; sundert 210, 10 (sûdert nach G h Behaghel), s. o. 4; nach 1200 seltener und neben formen ohne -n-: sunderwinde Kudrun 1125, 1; den suntwint Trierer psalmen (13. jh.) 364 Graff (ps. 77, 30); sundirt Rudolf v. Ems weltchronik 2581; 6064 Ehrismann; norden, sunder Ulrich. v. d. Türlin Willehalm 1, 29 Singer; sundenwint md. Hiob 13937 Karsten (neben sudenwinde 13922). in obd. flur- und ortsnamen (vgl. z. b. zuo Sunderwasser urkundlich 1217, 1373, 1491, 1515 nachgewiesen Alemannia 9, 96) haben sich die -n-formen erstarrt bis heute erhalten, vgl. Sundheim, Sundhofen, Sundhausen, Sundgau u. ähnl. sowie in der form Sonderheim, Sonderhofen, Sonderburg u. a., s. Buck obdt. flurnamenbuch2 261; Fischer schwäb. 5, 1958; Staub-Tobler 7, 1130. in den obdt. maa. ist das wort nicht volkstümlich, vgl. Schmeller-Fr. bair. 2, 229; 'aus der schriftsprache süd, populär mittag' Fischer schwäb. 5, 1949; ebenso schweizerisch, wo neben mittag auch sunnethalb 'südwärts' Stalder 2, 13, sonnenhalb volkstümlich ist Staub-Tobler 7, 331. vereinzelt aber haben die alten formen sich in zss. als relicte gehalten: der sonderloft, sunderluft, der sonderwend 'südwind', sonderwendig 'vom südwind', es ist sonderwendig 'der südwind herrscht' Tobler Appenzell. 426; Staub-Tobler 3, 1160; Stalder 2, 378 (für Davos). vgl. elsäss. sunderwind südwind Martin-Lienhart 2, 837. — die formen ohne -n-, von jeher im nd. (as. gloss. suth s. o. 3; suðan altsächs. genesis 16; vgl.aen der suder syden Heinrich v. Veldeke Servatius 224 Bormans; Suderborch [1224] westfälisch. urkunden 6 [Minden] 39, nr. 143; Suderbruch [1240] ebda s. 92; vgl. auch sudan, westsudan etc. in den gloss. d. cod. Amplonianus [12. jh.] ahd. gloss. 3, 608, 14; 30; 32; 33 St.-S.), erscheinen vom 12./13. jh. ab auch auf hochdt. gebiet, zunächst neben den formen mit -n-, dann allein; auffallend nach zeit und gegend: bi sudan ostan ahd. gloss. 1, 430, 24 (Reichenauer hs. d. 10. jh.); den súdenwint alem. predigtbruchstücke d. 12. jh. in zs. f. dt. phil. 30, 194; seit dem 13. jh. häufiger, besonders in md. quellen: sûden Wolfram Willehalm 283, 13; sûdegarte jg. Titurel 134; sûden md. Judith 1083 Palgen (13. jh. Stuttgarter ordenshs.); hl. Elisabet 215 R.; erlösung 3578 B.: Konrad v. Megenberg buch d. natur 79 Pf.; 101; 434 u. ö.; Joh. Rothe ritterspiegel 1802 Bartsch; súden historienbibel 1, 162 Merzdorf; sûd Oswald v. Wolkenstein 68 Schatz; sudwest (1470 hd.-böhm.) Diefenbach gloss. 213b; sutwint (15. jh. md.), sudenwint (15. jh. md.) ebda 63a. A@66) die schreibung mit -u- herrscht noch im 16. jh. und ist auch noch im 17. und 18. jh. geläufig, neben der -ü-schreibung, z. t. in denselben quellen z. b. sud et süd it. süden Stieler (1691) 2237; sud, suden austro v. mittag Kramer d. neue dicti. (1678) 1032a, ebenso (1698), doch sud, süd, süden 2 (1702) 1037b; sud Steinbach (1734) 2, 771, auch noch bei Frisch teutsch-lat. (1741) 2, 355; Hederich teutsch.-lat. lex. (1753) 2184; sud (süd) Chr. Fr. Schwan nouv. dict. (1783) 2, 746; unterm braunem sud Albr. v. Haller ged. (1748) 145, doch süd (1765) 130; der sud (1755) J. P. Uz poet. w. 76 dt. lit.-denkm. (von 1756 ab der süd); Wieland I 1, 85; ebda 87 (die natur d. dinge 1751); sud neben süd Röding wb. d. marine 2 (1793) 757. die -ü-lautung stammt aus dem vläm.-holl.; in der mnd. seemannssprache mischten sich mndl. und mnd. lautgebung, und es entstand ein gemisch von -u- und -ü-formen, das sich auch auf das hd. auswirkte, vgl. dazu Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 128 ff. vgl. auch in den heutigen nordwestl. maa. süden (sȳ), süder, sürer Mensing schlesw.-holstein. 4, 945 ff.; süd, söllər Schmidt-Petersen nordfries. 130b; 123a; sürern Mungard Sölring 214; sûd neben süd und süden, süder neben sûr- (< sûder) im ostfries. Doornkaat-Koolman 3, 360; doch westf. Sûderlant (s. u. sp. 958) und heute suden, sudenwind Woeste-N. westfäl. 261. — [] die -ü-schreibung findet sich schon seit dem 15. und 16. jh. öfters bezeugt, auch in md. und obd. quellen: merkwürdig früh in alem. pred.bruchst. d. 12. jh. súden wint zs. f. d. phil. 30, 194; sden chron. d. dt. st. 1, 200, 10 (Lübeck Detmar); súden historienbibel 136 Merzdorf (hs. O von 1468); sdenwint md. voc. 15. jh. Diefenbach gloss. 16c; gen syt Mynsinger von falken 13 lit. ver.; von süden 1528 Aventin w. 1, 259, 19 L.; sdwint Frisius dict. (1548) 878b u. ö. seit dem ende des 18. jh. gilt in der schriftsprache ausschlieszlich süd, süden. fachsprachlich vereinzelt noch im 19. jh. sud, sud- oder südflügel wb. der im bergbau vorkomm. kunstausdr. (Burgsteinfurt 1869) 146. gelegentlich wird im 15. und 16. jh. nd.-ndl. einflusz in der schreibung des anlauts sichtbar wie z. b. zuden, zudostzud u. s. w. in einer Zeitzer hs. von 1433, zs. f. dt. phil. 9, 137; zuden Wenzelbibel ex. 26, 18 bei Jelinek mhd.-böhm. wb. 697; zudem voc. ex quo (15. jh. md.) bei Diefenbach 63a; ostzuden Seb. Franck weltbuch (1534) 3a; zudwind Xylander Plutarch (1580) 245b; zuzerwind 1420, s. oben 4. ebenso in der vocalbezeichnung: africus zuytwestwint gemm. (Köln 1495) a 5b; seutwestwint in einer gemma von 1512 bei Diefenbach 16b; vgl. auch suidtwasser Albertinus (1612), sp. 991. aus persönlicher berührung mit dem ndl. stammen formen wie seudwerts (1556) Hans Staden warh. histor. 170 lit. ver.; auf der seuden seit der linien equinoctial 167; seudseudwest 107 u. ö. sporadisch bleibt secundäre mundartliche diphthongierung wie saud in Aschaffenburg nach Schmeller-Fr. 2, 229; Sauerland aus Sû(d)erland s. u. sp. 958. zugleich als gesuchtes und fremdes reimwort souden Suchenwirt 14 Pr., s. u. süden 1 a. A@77) die flexion ist stark, doch selten angewandt, kaum je in der abstracten bedeutung der himmelsrichtung (in sunde bei Notker s. o. 3), sondern im nhd. nur in der concreten bedeutung 2 und 3: des tobenden süds (wind) Schiller 1, 121 G.; Voss krit. bl. 1, 493; des tiefen südes kammern (himmelsgegend) Herder 11, 250; des süds (land) Hölderlin s. u.B 2 b; üblicher ist heute des südens in der bedeutung 2. ein plural fehlt eigentlich, denn fälle wie süde (südwinde für lat. austris) Fr. A. Wolff Horat. 1. satir. (1813) 1; die letzten süd und ost Caroline 1, 72 Waitz bleiben individuell.gelegentliches sude als nom. sing. ist als analogischer schwacher nom. sing. von suden her oder aus den sude-zss. (s. u.B 4, sp. 924) abstrahiert: ventorum nomina ... ostsude Claj gramm. 54, 22 Weidling; westsude 26, 29; sude, suden (mittag) Kramer nider-hochteutsch (1719) 2, 210b. A@88) über das verhältnis von süd zu süden s. u. sp. 948. BB. bedeutung und gebrauch. B@11) die himmelsrichtung, abstract, die geographische lage und richtung: sud oder mittag meridies Dasypodius (1537) 437d; nomenclator lat. germ. (Hamburg 1634) 21; sud, suden meridies, tractus versus meridiem Schottel haubtspr. 1427; sud, sd, sden, der, meridies Stieler stammb. 2237; mezo-dì M. Kramer 2 (1702) 1037b; der süd oder süden 'die mittagsgegend, die gegend, da die sonne des mittags stehet' (Ludwig) teutsch-engl. lex. (1716) 1923. B@1@aa) in allgemeiner anwendung: mein offt bestürmtes schiff, der grimmen winde spiel, ... offt wenn uns schwartze nacht im mittag überfiel ... wie offt hab ich den wind und nord und sud verkennet! A. Gryphius teutsche ged. (1698) 2, 323. am häufigsten in präpositionaler verbindung (für das ahd. vgl. oben sp. 918 Notker): der schwartzen falcken sind ... nit vil in teutschen lannden gewesen, wann sy zu dem ersten gen syt mers in den haiszen lannden gesehen sind Mynsinger v. d. falken 13 lit. ver.; so würdt das sich enden mit disen grenitzen: der mittäglich teil würdt anfahen von der wüste Sin ... und würt jhr endung haben gegen orient des gesaltzen meer: die werden umgan, die gegen sud durch den aufgang des scorpion ... vnd kummen zuo mittag bisz gen Cades Barne Johann Eck bibel (Ingolstadt 1537) 1, 80a (4. Mos. 34); die schiff auz der schifflendt (anlegeplatz) auff die seiten gegen sud [] gelegen zu bringen W. Xylander Polybius (1574) 379; das Corysche sich weit gegen sud erstreckende vorgebürg Lohenstein Arminius 1, 126b; nach (von) sud verso (da) mezo-dì Kramer 2 (1702) 1037b; bald richtet er (der mond) nach sud, bald nordwärts seinen lauf Lohenstein Sophonisbe (1680) widmung a 4; der klugheit doppeltes gesicht musz wenn die list sich regt nach süd und norden sehen Pietsch geb. schr. (1740) 68; sechs geyer die von nord nach süd hinflogen Niebuhr m. gesch. 1, 154; Tellus war entzündet worden ... sie zerreiszt von süd in norden Lichtwer äsop. fabeln (1748) 19; schon drängt das volk, es strömt herein von nord, süd, west und osten Göthe I 3, 107 W.; B@1@bb) astronomisch-nautisch: der durchschnittspunkt des meridians mit dem horizont an der dem nordpunkt entgegengesetzten seite, einer der vier cardinalpunkte des compasses, s. J. Hübner cur. lex. (1712) 1227; Wolff mathem. lex. (1747) 1285; Röding 2 (1798) 757; Stenzel 412b. B@1@cc) ein besonderer gebrauch von sud, süd, häufiger belegt für suden, süden (s. d.), hat sich in der nd. seemannssprache entwickelt und ist von dort seit dem 17. jh. teilweise auch ins hd. gelangt. formal ist der seemannssprache, im mnd. beginnend, eine erstarrte verwendung von süd (und süden) eigen als absolutes richtungswort, dessen syntaktische function als ursprüngliches adverb undeutlich werden kann. sachlich setzen die technisch seemännischen wendungen den compasz und die striche seiner windrose voraus bei bestimmung und angabe der gegenseitigen lage und entfernung, der erstreckung von küsten, des standes von sonne und mond, des kurses, der windrichtung u. ähnl. im einzelnen vgl. die wbb. der seemannssprache sowie Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 92 ff.: LesOe streck sdt und nord (d. i. in der richtung des windrosenstriches beim compasz, der den nord- und südpunkt verbindet) seekarte ost und west tho segelen (1571) j 1b; tsschen Bovenbergen und de Vlue up allen haven, ummentrent südt vnd nord de mAen, vull see (d. i. flut) ebda a 7b; den 11. dieses muhtmasseten sie, dasz sie recht s. und n. von Candinoes seyn wurden Rud. Capel norden (Hamburg 1678) 70; und da auch die wind daselbst ... gemainglich sud oder von mittemtag gehn (1557) N. Federmann indianische historia 11 lit. ver.; der wind ist sud il vento tira da mezo-dì Kramer 2 (1702) 1037b; der wind ist süd oder süden Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1923; Adelung 4, 496; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 360. vgl. mnld. und nld. die wint suut gaet Verwijs-Verdam 7, 2450; de wind is zud Kramer niderhochd. (1719) 1, 541. bei der unterteilung der windrose des compasses ergibt sich die zusammenstellung mehrerer richtungsworte, die meist zu composita werden; vgl. z. b. südsüdwest, südsüdost u. a. durch präpositionen getrennt: ein starker wind ... uns erlaubte ost bei süd und südsüdostwärts von Neu-Caledonien wegzusteuern G. Forster s. schr. (1843) 2, 336; süd zum westen, süd zum osten Röding wb. d. marine 2, 757; Bobrik naut. wb. 677; Campe 4, 746, vgl. auch zs. f. dt. wortf. 7, 232 ff.auch sonstige eigenheiten in seemänn. quellen entstammen der nd.-nl. seemannssprache; vgl. z. b.: hatte das anker von sich gekappt, um das schiff wieder um die süd zu bringen urkundlich 1795 (s. zs. f. dt. wortf. 7, 102) mit nl. vaaren om de suid 'noemen onse seelui varen naa de west' W. A. Winschooten seeman (Leiden 1681) 305; ostfries. de wind is um de süd gan Doornkaat-Koolman 3, 360a. B@22) concreter für alles, was im süden, in der richtung nach süden liegt, vgl. sud pars mundi meridionalis Wachter gloss. germ. (1737) 1644: der grosze Karl hat die vier teile der welt ... ost, sud, west, nord genennet Zesen rosenmand (1651) 23. B@2@aa) teil des himmels vom standpunkt des betrachters, vgl. süd, mittag 'den vierdten theil des himmels oder die ganze gegend, welche inn und neben gedachten (süd)punct zu [] beyden seiten lieget' Hübner cur. natur-lex. (1712) 1227: das herrliche gewitter, das den ganzen süd überleuchtet Göthe IV 3, 153 W. himmelsgewölbe auf der südlichen erdkugel: und unterm braunen süd (1748 sud) fühlt auch der Hottentott die allgemeine pflicht und der natur gebott A. v. Haller ged. 134 Hirzel; und spannt die himmel aus allein ... den wagen und das nordgestirn, die sieben stern, des tiefen südes kammern hat er (gott) gemacht Herder 11, 250 S. B@2@bb) südlicher landesteil, gebiet im süden, auch land und leute im süden, besonders in der poesie: der herrscher über ost und west und sut und nort; der (blos mit winken nur) das wilde mer kan binden J. Romper v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 17; (der kaiser,) der sud und ost und west mit wincken zähmen kan Lohenstein Ibrahim sultan (1679) 74; und vom versengten sud bis zum beeisten pol ist luft und land und meer von unserm reichthum voll Wieland I 1, 85 akad. (natur d. dinge 1751); nord und west und süd zersplittern Göthe I 6, 5 W.; im feuer des süds fielen die locken mir aus Hölderlin ges. dicht. 1, 56 L.; wie wenig reicht sie (die tugend der königin) empor zu jenem ideale, das aus der seele mütterlichem boden ... freywillig sproszt und ohne gärtners hülfe verschwenderische blüthen treibt. es ist ein fremder zweig, mit nachgeahmtem süd (d. i. im treibhaus) in einem rauhern himmelsstrich getrieben Schiller 5, 2, 268 G.; nicht mehr nun trennt uns süd und norden v. Schenkendorf ged. (1815) 49; mandelkerne, süsze nüsse früchte, die der süd geboren in dem heiszern strahl der sonne L. Rellstab ged. (1827) 146; schon die unterschiede der interessen innerhalb des deutschen zollvereins zwischen nord und süd, ost und west sind schwer ... zu überwinden Bismarck ged. u. erinn. 1, 105 volksausg.; im sprichwort: ost, süd, west, daheim ist am best Lüpke seemannssprüche (1900) 128, 87. B@33) der aus süden wehende wind, südwind; im ahd. anders als bei sundan (s. u. sp. 951) nur in zss. wie suntwint, suntostrôni u. ähnl., s. u. 4. im mnl. vgl. suuet notus Verwijs-Verdam 7, 2540. häufiger erst vom 17. jh. ab zu belegen. seit dem 18. jh. kommt als windname nur noch die einsilbige form vor: ventorum (sc. nomina), der ost eurus, sud auster (1573) Albertus teutsche gramm. 58 Müll.-Fraur.; sud, mittagswind ostro, mezzodi Hulsius (1618) 244a; sud 'der wind von süden oder mittag' Duez (1664) 504b; sud sive sudwind Stieler stammb. (1691) 2237. — insbesondere in der poet. sprache: o Trumitan, wie hastu mein vergessen hie in sölcher pein, das du hast lan gewaltig sein den sud und ost spaziern herein Oswald v. Wolkenstein 68 Schatz; ... kom suhd und nm di dunst der nächte von uns hin (1638) Ph. Zesen Rosemund 245 ndr.; der suth und die mitternächtige winden Abraham a s. Clara Judas (1686) 1, 587; doch wenn die heiszen thäler der dürre süd durchstreicht Dusch verm. w. (1754) 86; wie wenn der sud sein schwarz gefieder schüttert und auf der see sich als tyrann erhebt, verirret sich das ... schiff J. P. Uz sämtl. poet. w. 76 var. dt. lit.-denkm.; und den gefährlichen süd, den vater würgender seuchen Gieseke bei Campe 4, 746a; mancher süd und mancher nord hat seitdem über meine wange und über mein haupthaar hingeweht A. G. Meiszner Alcibiades 4, 300; winderzeugung ... ost und nord haben bezug auf hohen, west und süd auf niederen quecksilberstand Göthe II 12, 91 W.; mag der süd nun peitschen die woge, mag sie schwellen der nordsturm Platen 1, 223 Hempel; [] schauest du nicht, ... wie der mast, von des süds fliegendem sturme wund, erseufzt? J. H. Voss krit. blätter geogr. abh. 1, 493; bildlich: des fiebers süd, des alters nord pflegt auch den zärtlichsten Poppäen die schönheitsblumen wegzuwehen Triller poet. betracht. (1750) 1, 90. B@44) zusammensetzungen mit sund-, sud-, süd- erscheinen auf festländischem boden seit dem 8. jh.; im gegensatz zu den im ahd. nur noch vereinzelten resten des simplex (s. o. A 3) zahlreich in flur- und ortsnamen, z. t. sehr häufig und durchstehend bis zur gegenwart bezeugt; vgl. z. b. Sundheim (9. jh.), Suddorph, Sundcawi (8 jh.) -goe, -gou, -gau (vgl. dazu Sundgäuer Sequani Maaler [1561] 396c; Calepinus XI ling. [1598] onom. 259; Sungawer Henisch [1616] 1375), Sundhova (8. jh.), Sutholte, Sundhusun, Suthkirike u. s. w., s. Förstemann-Jell. altdt. namenbuch3 2, 2, 936 ff., wo etwa 32 bildungen nachgewiesen sind neben 23 mit sundar-, suther-, denen nur 4 vereinzelte mit sundan- gegenüberstehen, s. auch sp. 952 u. 956. rein appellativische zss. sind im ahd. ähnlich wie bei sundar-, s. sp. 956, weniger oft greifbar, im gegensatz zu den häufigen ags. sûþ-bildungen, s. Bosworth-Toller anglo-sax. dict. 938 ff.; suppl. 715: sundhalba austrum, meridiem (8./9. jh.) gl. 1, 271, 39 St.-S.; sunthalbun austri (11. jh.) 712, 64; bei Notker in astronomischem zusammenhang: sunthalb, adv.: tar sihest tu sia (ydra) sunthalb tes signiferi 1, 752, 27 P.; 751, 2; -gibil: der nordkibel ist obe erdo, also der suntkibel ist under erdo 1, 270, 8; -zeichen (s. u. sp. 998). weiterhin bezeichnungen aus der windrose wie suntnordirt euroaquilo (11. jh.) ahd. gl. 1, 752, 17; sundnordroni euroaquilo 1, 752, 17; sundostroni euroauster (10. jh.) 3, 609, 5; sundwestroni austerafricus (10. jh.) 609, 9; sundwestronowint 3, 204, 62; 3, 113, 42 (13. jh.), vgl. dazu zs. f. dt. wortf. 7, 221 ff.; häufiger bezeugt bei Notker und in den gloss. ist allein suntwint, das noch ins mhd. reicht und im frühnhd. als sudwind vom nd. her sich verbreitet, vgl. südwind sp. 996. sonst bleiben im gegensatz zum me. (s. Stratmann-Bradley 592 ff.) und mnl. (s. Verwijs-Verdam 7, 2450 ff.) doch auch zu den ahd. orts- und flurnamen im deutschen, bes. auf hochdt. boden, bis zum ende des 16. und anfang des 17. jh. die sunt-, sud-bildungen auszer den meist lexikal. tradierten windrosenbezeichnungen spärlich und selten bezeugt; gelegentlich, in nd. und md. quellen, auch in der form sude-, die wohl als phonetische erleichterung zu werten, vgl. sudegarte, -wart, -west, -wind u. ä., s. auch zs. f. d. wortf. 8, 351, je nach zeit und mundart auch aus süden- erleichtert z. b. südewind bei Mensing 4, 946: an êre gernder frucht ein sudegarte jg. Titurel 134, sudwest (Trierer ps. des 13. jh.; 1470; S. Franck 1534, Luther, s. d.), sudwesterwind (anf. d. 15. jh. Diefenbach nov. gl. 44a), sudost (15. jh. s. d.), sudwind (15. jh.; Luther, dies allein schon im 16. jh. oft, s. d.), sudspitze (1537), vgl. auch sudöde (Matthesius s. d.); sudort (Wickram, doch s. sp. 955). auf nd. gebiet sudewest, sudwesten (13. u. 14. jh.), zudost- (-west-) zud (aus d. nd. 1433, zs. f. d. phil. 9, 137), sûdland (1405), sudweges (adv. 1405). in der mnd. seemannssprache treten sie gegen ende des 15. und 16. jh. häufiger zu tage, vgl. z. b. sutende, -land, -ost, -syde, sutsutost u. ähnl., sutward, sutwest(en) im seebuch 116 ff. Koppmann, s. unten an den alphab. stellen. in der hd. schriftsprache aber kommen die sud-, süd-bildungen erst in der zweiten hälfte des 17. und im 18. jh. zur entwicklung und schwellen seit dem anf. d. 19. jh. zu gröszter fülle an; vor allem in reiseberichten (Kramer, Dapper, Olearius, Forster), die zunächst im 17. jh. oft vom ndl. abhängig sind, im 19. jh. daneben in geographischen (Ritter, H. v. Barth) und militärischen schriften ( v. Alten). dabei stehen im 17. und auch noch im 18. jh. bildungen mit süden-, die immer spärlich gewesen sind, s. u. sp. 952, und mit süder-, die auf seemännischen gebrauch und raum sich einschränken, s. u. sp. 957, neben denen mit sud-, süd-, die vom 19. jh. ab mit der zur norm gewordenen form süd- in der schriftsprache nun allein herrschen. [] die fülle der neuen süd-zss. wird hauptsächlich durch zwei gruppen verursacht. B@4@aa) jeder gegenstand, vor allem gebäude und ihre teile, jeder raum, jegliche function (-grenze, -eingang, -sprache u. s. w.) und handlung, ja auch abstractionen wie -system können heute in beziehung zur himmelsrichtung gesetzt und durch verbindung mit süd- im sinne von süd B 1 a als nach süden gerichtet, im süden liegend, von süden kommend bestimmt werden. das tatsächliche auftreten von massen dieser süd -bildungen zeigt aber, dasz ein bedürfnis für eine durch solche richtungsbestimmung genauer festgelegte raumvorstellung sich in steigendem masze erst im laufe des 19. jh. entwickelt, vornehmlich in den höhenschichten der sprache, bedingt gewisz durch die gleichzeitige entwicklung der exacten wissenschaften (geographie und deren kartengebrauch, naturkunde). jedenfalls sind vor 1800 bildungen dieser art relativ selten, vor allem weniger flüssig, auf seemännischen oder gelegentlich-wissenschaftlichen gebrauch beschränkt; noch heute fehlen sie den mundarten, abgesehen natürlich von den seemännischen (vgl.südenne, -wind im ostfries.), die aber in der regel süden-, süder-bildungen vorziehen, s. Mensing schlesw.-holst. 4, 941: südabdachung, -abfall (Laistner nebelsagen 7; Ratzel völkerkunde 60; v. Alten 9, 163), -abhang (s. d.), -angel (17. jh. s. d.), -angriff, -arm (eines flusses), -armee (s. d.), -ausgang (s. d.), -bahn (s. d.), -barke, -bastion, -batterie, -biegung, -blick, -bö (1770 s. d.), -breite (18. jh. s. d.), -burg, -eck, -ecke (17. jh. s. d.), -eingang (s. d.), -ende (15. jh. s. d.), -fenster, -flanke, -flügel (s. d.), -flusz, -fusz (eines berges s. d.), -front, -gegend, -gehänge, -gestade (s. d.), -gewölbe, -giebel, -glied, -grenze (s. d.), -gruppe, -hafen (s. d.), -halde, -hälfte (s. d.), -hang, -hauch (18. jh. s. d.), -hemisphäre (: das südhemisphär war zum groszen wasserbehältnisz unserer [erd]kugel bestimmt, damit das nordhemisphär ein besseres klima genösse Herder 13, 271 S.), -himmel (s. d.), -horizont, -horn, -hügel, -insel (s. d.), -kante (s. d.), -kap (s. d.), -kette, -kirche, -küste (17. jh. s. d.), -land (15. jh. s. d.), -länder, m. (18. jh. s. d.), -lauf, -lehne, -magnetisch, -mark (s. d.), -markung, -mauer, -orkan, -pforte (Bürger 295 B.), -pol (17. jh. s. d.), -portal, -provinz, -punkt (18. jh. s. d.), -rand (s. d.), -saum, -seite (15. jh.), -senkung, -sonne (s. d.), -spalt, -spitz(e) (16. jh. s. d.), -sprache, -staaten (s. d.), -strand, -strasze (s. d.), -strecke, -strich (17. jh. s. d.), -strom (s. d.), -strömung, -sturm (18. jh. s. d.), -system (Ritter 4, 421), -teil (18. jh. s. d.), -tor (s. d.), -tür (s. d.), -turm, -ufer (s. d.), -umwallung, -verbreitung, -verzweigung, -volk (s. d.), -wall (s. d.), -wand, -wanderung, -wasser (s. d.), -weg (15. jh. s. d.), -weisung, -wendung, -wetter (D. Cranz Grönland [1770] 1, 64; Zschokke 12, 365), -wind (s. d.), -winkel (1671 s. d.), -wirbel (1676 s. d.), -zimmer, -zirkel (1677 s. d.), -zone (: die kalte s. ... sowie in die nördlichen gegenden Herder 13, 42 S.), -zuflusz. innerhalb dieser groszen gruppe bilden einen besonderen bezirk die mit süd- verbundenen namen von ländern und völkern, hier auch oft adjectivisch; in weiterem umfang und gebrauch dem geograph., ethnolog., histor., polit. und sprachwissenschaftlichen schrifttum eigen. auch sie sind im deutschen in fülle erst im 19. jh. entwickelt, einige wenige im 18. jh., z. b. bei G. Forster. auf englischem boden dagegen ist dieser typ seit dem ags. geläufig, vgl. z. b. Suþ-Dene, -Engle, -Seaxe u. s. w. Bosworth-Toller 939a; suppl. 715; Stratmann-Br. 592b: Süd-Afrika, -Alpen, -Amerika (G. Forster 1, 15), -arabisch, -asiatisch, -Asien, -atlantisch (G. Forster 5, 75), -baltisch, -deutsch (s. d.), -Europäer (G. Forster 3, 452), -fränkisch ('südfranzösisch' Göthe I 41, 2, 295 W.), -Franzose, -Georgien (allg. dt. bibl. anh. zu 25-33, 3, 1483), -Indien Campe, -italienisch, -kaspisch, -Kelten, -persisch, -Preuszen Campe, -russisch, -Sahara, -schwedisch, -Ural u. a. für sich zu betrachten ist die ältere gruppe der süd -bezeichnungen in den windrosen, sieh darüber Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 221 ff. und unten sudnord, südost, südwest, südsüdost, -west an alphab. stelle. [] B@4@bb) die zweite gröszere gruppe von zss. entwickelt sich von der bedeutung süd 2 b aus und setzt den zweiten bestandteil in beziehung zu einem im süden gelegenen land oder volk, insbes. zu Südeuropa, spec. Italien, andrerseits zu den tropischen ländern spec. des stillen ozeans und seines südlichen teils. in der letztgenannten beziehung schon in der zweiten hälfte des 17. jh. sowie im 18. jh. seit den groszen entdeckungsfahrten und ihrer beschreibung relativ häufig. doch gehört auch in dieser gruppe der gröszere teil der bildungen erst dem 19. jh. an, in dem die beziehung auf Südeuropa und Italien (vgl. z. b. südland) mehr hervortritt als vorher als folge des neuhumanismus, der romantischen vorliebe für italien. und span. motive, weiterhin des stark gesteigerten reiseverkehrs des 19. jh.: südathmend: s. Griechen Baggesen (1836) 2, 99; -berg (s. d.); -compagnie: handelsgesellschaft z. b. im anfang d. 18. jh. in Frankreich zu betreibung des sklavenhandels mit Spanien, s. encycl. wb. 9 (1803) 99; -dichtkunst, d. i. italien. Voss krit. bl. 1, 571; -erde (s. d.); -feste (s. d.); -fisch: am himmel auf der südlichen erdhälfte Brentano 3, 297; -frucht (s. d.); -gefilde (1645 s. d.); -gegend Campe; -gelände, in Spanien E. v. Vaerst sonette (1825) 77; -gesicht, von eingeborenen in den tropen Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 185; -gestade (s. d.); -gestirn (1689, s. d.); -gewächs Jean Paul 48, 298 H.; Gaudy 5, 126; -gewohnt Rellstab ged. (1827) 146; -heisz (s. d.); -herbst I. v. Düringsfeld aus Dalmatien (1857) 1, 132; -himmel (s. d.); -insel (18. jh. s. d.); -kind aus Abessinien Pückler br. u. tgb. 9, 43; -krone am himmel auf der südl. erdhälfte Brentano 3, 297; -kunst d. i. der Griechen H. v. Chézy n. auserl. schr. (1817) 1, 161; -kur im südl. Europa Chr. A. Fischer br. eines südländers (1805) 3; -land (17. jh. s. d. 2 u. 3); -länder, m., (17. jh. s. d.); -luft, an der riviera, intell. bl. z. allg. lit.-ztg. 1840, s. 61; -meer (17. jh. s. d.); -mensch: der süd- und glutmensch vom Franzosen an durch den Italiener bis zum Portugiesen hinauf Jean Paul w. 34, 26 H.; -pflanze Gaudy 5, 154; Friedl Bärnd. 5, 142; -profil eines Spaniers Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 130; -reise, nach dem südl. Europa Chr. A. Fischer br. eines südländers (1805) 3; -revier d. i. Südeuropa E. v. Vaerst sonette (1825) 19; -saft: du hast so viel jahre bei den Münchnern und Wienern ... gelebt, südsäfte in dich eingezogen A. Wilbrandt in nord und süd 1902, 301; -see (17. jh. s. d.); -sonne (s. d.); -sprosse einer südpflanze v. Loeben lotosbl. (1817) 1, 340; -stern (17. jh. s. d.); -strich (1689, s. d.); -sucht (s. d.), vgl.-weh; -ton I. v. Düringsfeld aus Italien (1851) 55; -volk (18. jh. s. d.); -warm begeistert, schwungvoll wie ein südländer Jung-Stilling s. schr. 6, 224; -weh: vom südweh, von seinem Romleide R. H. Bartsch Schwammerl (1912) 105; 236; -wein (s. d.); -welt (17. jh. s. d.).
34437 Zeichen · 1337 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Süd

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Süd , des -es, plur. car. 1. Diejenige Himmelsgegend, von welcher die warmen heißen Winde herkommen, oder welche uns…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Süd

    Goethe-Wörterbuch

    Süd [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Süd

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Wossidia Süd s. MeckWB Süden .

  4. Spezial
    Süd

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Süd- южный , п → FiloSlov südlich, adj

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sued

309 Bildungen · 300 Erstglied · 6 Zweitglied · 3 Ableitungen

sued‑ als Erstglied (30 von 300)

südabhang

DWB

sued·abhang

südabhang , m. , abhang eines gebirges oder berges nach süden hin, zu süd 1 a, vgl. vereinzeltes süderabhang bei Fouqué unten sp. 957 : Nord…

Südafrika

Campe

sued·afrika

Südafrika , — s , der südliche, nach dem Südpol zu gelegene Theil von Afrika. Davon südafrikanisch .

Südafrikanische Republik

Meyers

Südafrikanische Republik (hierzu »Karte des Kriegsschauplatzes in Südafrika« mit Textblatt: Geschichte des Südafrikanischen Kriegs), 1884–19…

Südamerika

Campe

sued·amerika

Südamerika , — s , die größte südliche Hälfte von Amerika, von der Erdenge von Panama an gegen den Südpol zu gelegen. Davon südamerikanisch …

südangel

DWB

sued·angel

südangel , m. , zu süd 1 b, belegt im 17. und 18. jh.: sudangel polus antarcticus Dentzler germ.-lat. (1687) 277 b ; le pol antarctique dict…

südarmee

DWB

sued·armee

südarmee , f. , armee die von süden kommt, sich im süden befindet, nach süden marschiert: mit dem ausbruche der feindseligkeiten sollte die …

Südasien

Campe

sued·asien

Südasien , — s , die südlichen Theile oder Länder von Asien, am indischen Weltmeere hin. Davon südasiatisch .

südausgang

DWB

sued·ausgang

südausgang , m. , zu süd 1 a, ausgang nach süden, im süden: ( der gegner ) deckte seinen rücken ... durch besetzung des südausganges ... der…

Südaustralien

Meyers

sued·australien

Südaustralien , britisch-austral. Staat, begreift den ganzen mittlern Teil des Australkontinents (s. Karte »Australien«) zwischen dem Indisc…

südbahn

DWB

sued·bahn

südbahn , f. , in südlicher richtung fahrende eisenbahn: die ... südbahn verdankt ihre anlage ... der unmöglichkeit, das ... expeditionskorp…

südbahnhof

DWB

sued·bahnhof

südbahnhof , m. , bahnhof im süden einer stadt, bzw. für nach süden gehende und von süden kommende eisenbahnzüge: heute früh trank ich kaffe…

Südbahn, Österreichische

Meyers

Südbahn, Österreichische (genaue Firma: K. K. priv. Südbahngesellschaft in Wien ), Privateisenbahn unter eigner Verwaltung. Im J. 1856 traf …

südberg

DWB

sued·berg

südberg , m. , zu süd 2 b, berg in südlichen ländern: auf dem südberg wächst die myrthe, auf dem nordberg wächst die eibe Fr. Rückert w. 6, …

südbö

DWB

sued·boe

südbö , f. , bö aus süden: auf der fjorde krigten wir eine hefftige südboye, die uns von einander trennte Dav. Cranz hist. v. Grönland (1765…

Südbrabant

Meyers

sued·brabant

Südbrabant , früher Bezeichnung für die belgische Provinz Brabant (s. d.).

südbreite

DWB

sued·breite

südbreite , f. , südliche breite, d. i. südlich vom äquator; älter süderbreite ( s. d. ), heute üblicher südliche breite: wir hielten uns al…

südbund

DWB

sued·bund

südbund , m. , zu süd 2 b, bund der süddeutschen staaten, gewöhnlich süddeutscher bund: da der alte bund zerbrochen ist, so kann ich mir ein…

Südcarolina

Meyers

sued·carolina

Südcarolina ( South Carolina , abgekürzt S. C.), einer der atlantischen Südstaaten der nordamerikan. Union (s. Karte »Vereinigte Staaten«), …

Süddakōta

Meyers

Süddakōta ( South Dakota , abgekürzt S. D.), Staat der nordamerikan. Union (s. Karte »Vereinigte Staaten«), zwischen 43–45°50' nördl. Br. un…

südde

MNWB

südde , f. , Morast, sumpfige Wiese.

süddeutsch

DWB

suedde·utsch

süddeutsch , adj. , zum südlichen teile Deutschlands gehörig, dort einheimisch, den menschen dort eigentümlich, s. Campe 4, 746 a : die mitt…

süddeutsche

DWB

sued·deutsche

süddeutsche , m. Campe 4, 746 a ; br. v. u. an Herwegh (1861) 291; sogar die Süddeutschen Wilhelm Leibl und Wilhelm Trübner wurden ( als mal…

sued als Zweitglied (6 von 6)

Gesüd

PfWB

Ge-süd n. : ' Spreu oder Häcksel, mit siedendem Wasser übergossen, als Viehfutter verwendet ', G'sied (-šīd) [verbr. VPf]; vgl. PfWB Aas 1 a…

ostsüd

DWB

ost·sued

ostsüd , m. eurus Alberus P 3 b . Frank weltb. 3 a .

südostsüd

DWB

suedost·sued

südostsüd , m. , windbezeichnung; aus einer nd. windrose: zudostzud nothus Zeitzer hs. von 1433 zs. f. dt. phil. 9, 13 7; auster sudeostsude…

südwestsüd

DWB

suedwest·sued

südwestsüd , m. , windname; aus einer nd. windrose affricus zudwestzud Zeitzer hs. 1433, zs. f. dt. phil. 9, 13 7; sudewestsude md.-nd. voc.…

Weizengesüd

PfWB

Weizen-gesüd n. : 'mit siedendem Wasser gebrühte Weizenspreu als Viehfutter', -g'sied [ SP-Mechth ]; vgl. PfWB Gesüd , PfWB Spreu . —

Westsüd

Campe

west·sued

Der Westsüd , — es, Mz — e . 1) Die Gegend am Himmel und auf der Erde mitten zwischen Westen und Süden, oder, der Punkt des Gesichtkreises, …

Ableitungen von sued (3 von 3)

besü̑den

MNWB

besü̑den (sûden) ( c. D. ) südlich von (bîsü̑den); besü̑dôsten.

Gesüd

PfWB

Ge-süd n. : ' Spreu oder Häcksel, mit siedendem Wasser übergossen, als Viehfutter verwendet ', G'sied (-šīd) [verbr. VPf]; vgl. PfWB Aas 1 a…

süde

DWB

süde , sude , süd, f., zu sieden und 1 sud, m., gehörig, ohne dasz die form der zugehörigkeit geklärt ist, vgl. auch DWB sutte , DWB sütt , …