subtil,
adj. ,
geht zurück auf lat. subtīlis '
fein, dünn, zart, feinfühlig, scharfsinnig, durch schmucklose, klare einfachheit gefällig'; H. Suolahti
d. frz. einflusz auf d. dt. spr. (1929) 247
denkt an entlehnung aus dem frz., hinter dessen gelehrter form subtil
gegenüber volkstümlich entwickeltem soutil
jedoch unmittelbarer wieder das lateinische steht, vgl. Godefroy 7, 564
a; Gamillscheg 820
a.
auch die im dt. wie frz. vollzogene erweiterung des anwendungsbereiches von subtil
gegenüber dem klassischen latein, vor allem die entwicklung des bedeutungsgehalts '
spitzfindig' (
vgl.B 1 c
und Godefroy
a. a. o.)
wird eher auf vorbildungen der gemeinsamen mlat. grundlage zurückzuführen sein als auf eine abhängigkeit des deutschen vom frz., vgl. E. Habel
mlat. gl. 386: subtilitas '
spitzfindigkeit'.
das wort taucht im deutschen im 13.
jh. in der form subtil
auf Wigamur 1540,
vor allem in der sprache der mystiker, was wieder eher auf lat. quelle deutet (
s. unter A 2 c, B 1
und B 2);
daneben steht suptil Hätzlerin
ldb. 103; H. Folz
meisterl. 223
Mayer; Öheim (
s. u.); Braunschweig
chir. (1539) 1;
im 17.
jh. bei Staub-Tobler 7, 96; sübtil H. Folz
a. a. o. 327; H. Sachs 22, 198
K.-G.; vgl. sübtilheit
fastnachtsp. 348
K.; subtill H. Neidhart
Eunuchus (1486) 3;
Wilwolt v. Schaumburg (
s. u.); Luther 11, 26
W.; Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 2;
häufig subtiel
voc. theut. (1482)
bei Diefenbach
gl. 195
b; H. Sachs (
s. u.); Luther 10, 1, 1, 25
W.; Ph. Zesen (
s. u.); Neumark
neuspr. teutsche palmb. (1668) 60;
im alem. im 16.
jh. öfter subteil Dasypodius (
s. u.); Frisius (1556) 220
b; Keisersberg
granatapfel (1510) a 3;
Züricher bibel (1531) 265
a; Wickram
w. 1, 61
lit. ver.; subtül 16.
jh. bei Fischer
schwäb. 5, 1945.
das wort zeigt sich in immer breiterer entfaltung bis ins 18.
jh., geht aber im 19.
jh. in gebrauch und verwendungsmöglichkeit stark zurück. für die frühere geläufigkeit des wortes zeugen die spuren in den mundarten, so Schütze
holst. 4, 221; Rovenhagen
Aachener ma. 167; Fischer
schwäb. 5, 1945,
vgl. auch unter subtilig; Lenz
Handschuhsheimer dial. 70; K. J. Schröer
dt. ma. d. ungar. bergl. 260. AA.
im gegenständlichen vorstellungsbereich '
von feiner beschaffenheit'. A@11)
tenuis Dasypodius (1536) 235
d;
von der in der dünne bestehenden feinheit. A@1@aa)
bei einem flächenmäszigen gegenstande: ein buochbaum geschlecht lasst sich in subtile, dünne blechlin (
laminas) oder lädlin zerschneiden (1542)
bei Staub-Tobler 5, 6; ein dünn subtil heutlin (
membrana tenuis) alsz in den granatöpfflen zwischen den kernen Calepinus
XI ling. (1598) 236
a;
insbes. von schneidewerkzeugen: so dünn sind subtil schneiden, dasz man fast dadurch sehen kan Wolley (1688) 31; subtile, feine säge Kramer 2 (1702) 410
b;
gern von feinen geweben, meist mit dem begriff der kostbarkeit: (
eine jungfrau,) welcher schneweisses klayd also subtil was, das ir weisser leib darunder, als in bedaucht, unbedecket were Montanus
schwankb. 239
lit. ver.; sindon (
nesseltuch) subteil linwaat Dasypodius (1536) 434
c;
carbaseus ausz reiner oder subtyler lynwat gemacht Frisius (1556) 190
b; H. Sachs 2, 183
K.-G.; J. B. Schupp
schr. 666;
auch von feinen netzen: ragna subtiles vogelnetz Kramer 2 (1702) 132
a; die fisch werden gefangen ... mit einem netz, das ist subtil
fischbüchlein 159;
übertragen im sinne von B 1 c: hat der teuffel ein subtyl netz gelegt allen adelichen gemütten Eberlin v. Günzburg
sämtl. schr. 1, 191
ndr. A@1@bb)
bei einem länglichen gegenstand von geringem durchmesser: man macht (
aus gold) auch subtilen fäden S. Münster
cosm. (1550) 8; ausz grobem flachs kan man kein subtil garn spinnen Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, k 2
a; subtil as dütjen (
feiner) tweern Schütze
holst. 4, 221;
übertragen im sinne von B 1 c: subtile garn stricken, welche zu nichts anders nütz sind, als dasz man lateinische hasen und schulfüchs damit fange J. B. Schupp
schr. 81; Jung-Stilling
w. 3, 69; ein dünnes, zartes heutlin ... mit subtilen vielen äderlein oder fäszlein Ruoff
hebammenb. (1580) 35; mit einem subtilen spitzigen pfriend (
pfriem) ... durch das wachs ein löchlin stechen (1608)
bei Staub-Tobler 5, 1283; ein subtiel gertlein
fischbüchl. 162. A@22)
von der inneren beschaffenheit einer substanz. A@2@aa)
bei körperlicher '
aus feinen, gewöhnlich gleichartigen teilen bestehend oder in solche zerlegt': da was das land also subtil und lauter, daz man daz möcht brauchen zu sandstunden (16.
jh.)
bei Fischer 5, 1945; wann der schne, so vom himmel fallt, gar subtil und dünn ist (
les neiges ... menues et subtiles) Sebiz
feldbau (1579) 44;
bes. von pulveriger materie: das subtil mel von bonen und waissen gemacht Österreicher
Columella 2, 34
lit. ver.; stosz alles (
sc. gewürz) zu subtilen pulver v. Hohberg
georg. cur. auct. 3 (1715) 150
b; (
man) schabet ... venedische seife, so subtil als man kann
nähtermädchen (1798) 6. A@2@bb)
bei unfesten substanzen wie flüssigkeiten oder lufterscheinungen von der dünnen art der zusammensetzung, weiterhin vom licht, zuweilen mit dem beiklang des fein durchdringenden, penetranten, vgl. unten subtile,
f., subtilig, subtiligkeit: (
in der herzgrube) würt das grob bluot, das do kumpt von der leberen ... subtil und geistlich Gersdorff
wundtartzney (1517) 8
b; gläser mit einem subtilen wässerchen angefüllet Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 210;
häufig subtiles gift: tarantulen ... haben so ein durchdrinniges subtiles gifft bei sich Chr. Weise
grünend. jugend 218
ndr.; bes. in übertragener verwendung: diese subtile gifft, nemlich die ehresucht Luther 234, 17
W.; das subtilere gift, dasz diesz ein ideal sey K. L. v. Haller
restaur. 1, xxvii; ein subtiles narkotisches parfum v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 160; solchs ist ein zeichen subtiles und mattes luffts Sebiz
feldbau (1579) 5; die lufft aber im wasser ist ... ungemein subtil, weil sie sonst durch die festen gänge desselben schwerlich dringen könnte Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 10; in subtilem gewölk (1730)
bei Staub-Tobler 7, 95; dieses licht, dieses subtilste wesen, das wir nur aus seiner wirkung erkennen, das alles durchdringt G. Forster
sämtl. schr. 4, 314;
vgl. bereits Paracelsus (
s. unter c). A@2@cc)
von der geistigen substanz, zuerst in der sprache der mystiker, vgl. auch subtiligkeit: (
gottes geburt) muoz sin in dem allerlutersten und edelsten und subtilsten, daz diu sele geleisten mac
bei Pfeiffer
myst. 2, 3; nachdem aber di seele als subtil ist, das sy mit leyplichen augen nit mag erkännt werden v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 50; (
der spiritualische leib,) der nicht grob noch roh ist, sondern so subtil als der schein der sonnen Paracelsus
op. (1616) 2, 377
Huser; von dem lychnam Christi nach siner urstände (
lehrt Origines), wie es ein subtyler, geistlicher lyb wär und nit ein waarer, menschlicher lyb (1577)
bei Staub-Tobler 7, 95; (
er hat recht,) wann er überhaupt den englischen leib als subtiler, reiner und luftiger betrachtet Bodmer
v. d. wunderbaren (1740) 66. A@2@dd)
von der inneren beschaffenheit von substanzen, sofern sie den menschlichen sinnesempfindungen als '
zart'
erscheinen: ein fisch ... hat ein subtile haut gehabt one schuppen, nicht anders als ein hart gekochtes ei, das geschehlet ist, also ist auch sein haut gewesen Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 97; (
Harlequin:) ich bin schon von natur, von haut subtil und zart Chr. Reuter
Harlequins hochzeitschmaus 48
ndr.; bes. von speisen und getränken: sin tranck sol sin subtiler win (1472)
bei Fischer
schwäb. 5, 1945; (
von) feigen nimpt man die weisszen für die schwartzen. dann sie seind subtiler
M. Herr
schachtafeln d. gesundh. (1533) a 4
a; fische, die fein hart, weisz, subtil fleisch haben
fischbüchlein 7. A@33)
von einem einzelnen gegenstand, der sich durch seine kostbarkeit, seine schöne form oder lieblichkeit auszeichnet. A@3@aa)
von meist zierlichen oder verzierten dingen, gern mit dem begriff der kostbarkeit; selten von natürlichen dingen: die subtilen bluomlein, die an etlichen enden das wasser bedecken
buch der liebe (1587) 153
c;
unter hervortreten des wertbegriffs: ... ain port pritanain ... gar subtil mit gestain geziert und auch hofflig gefigurirt
Wigamur 1540; der grosze chaam ... nymt von allir behendir und subtilir koufinschacz als von edilm gesteyne den czendin
Marco Polo 46
v. Tscharner; subtile pfenwert (
waren) als seiden, saffran und ander specerei (15.
jh.)
monum. Habsb. I 3, 346
Chmel; vor allem von zierlichen arbeiten: (
die persischen gesandten) sind gangen in schuochen ... gar subtil (
Augsburg 15.
jh.)
chr. d. dt. st. 22, 162; die tisch ausz theurem holtz gemacht da stunden mit gefäszen vil von gold und silber gar subtil Spreng
Ilias (1610) 17
a; man kan nicht ausz einem jeden holtz ein subtil bildlin schnitzen Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, N n 7
b; in so gar subtilen und kleinen reisetäschlin B. v.
d. Sohle
Harnisch aus Fleckenland (1648) 39;
auf einen alten, gewisz mittelmeerischen schiffsausdruck geht subtile gal(l)e '
schlank gebaute galeere'
zurück, vgl. Staub-Tobler 7, 95
und Littré 2, 2, 2062
b: etliche suptile gale wol mit 200 riemen (1497)
bei Staub-Tobler 2, 203; zwo galê supptil (1497)
ebda 1, 1125; uf ainer galleen subtill
Wilwolt von Schaumburg 10
lit. ver.; Arigo
decamerone 74
lit. ver. A@3@bb)
von der menschlichen gestalt, häufig mit dem begriff der lieblichkeit oder zartheit; von den einzelnen gliedmaszen: Ugolinus schreibt, das die ein huobsche fraw werd angesehen, die do ist huobsch und geziert von haubt, ... von kleinen, subtilen glideren und schmalen leibs A. v. Eyb
dt. schr. 1, 17; die (
kinder) waren eins theils schön und adelich subtiel geliedmasiert, untadelich H. Sachs 9, 354
K.-G.; insbes. von den fingern: wer den puls will greiffen, musz subtile finger haben Fischart
Gargantua 435
ndr.; subtile jungfrauenfinger sind bequemer hierzu (
zum serviettenfalten) als die groben bauernhände
trincirbuch (1652) 2;
auch vom mund: sie (
das mädchen) hat ein subtilen munt (15.
jh.)
fastnachtsp. 513, 16
K.; vor allem aber von der ganzen weiblichen gestalt: lies sich Wilwolt bedünken, das er alle seine tag subtiller, zertlicher und lieblicher weibspilt nie gesehen
Wilwolt von Schaumburg 88
lit. ver.; man kann es mir auch itzo noch ansehen, dasz zu der zeit alles subtil und niedlich an mir gewesen
jungfer Robinsone (1724) 11. A@44)
vom klange '
zierlich'. A@4@aa)
im sinne von klanglich schön: so gar suptil ich singen wil der junckfrawen (
Maria) clǎr Hätzlerin
ldb. 103; und thut im ein new lied bereiten und machets gut auff seitenspil mit lautem schall, fein und subtil H. Sachs 18, 142
K.-G.; sie (
die engel) singen lieblich und subtil Ringwaldt
christl. warnung c 5
b; (
die orgelpfeifen geben) einen subtilen schall von sich Prätorius
winterflucht (1678) 29. A@4@bb)
von der stimme '
klein, dünn'
: vox tenuata ein subtyle kleine stimm Frisius
dict. (1556) 1302
a; ein kleine subtile stimm gleich einem gewispel Nigrinus
von zäuberern (1592) 50; ein subtil (
kinder)geschrei Stoppe
Parnasz (1735) 362. A@55)
von der empfindlichkeit von farben, uneigentlich auch von der gesundheit, in der Basler mundart, s. bei Staub-Tobler 7, 95;
von der gesundheit allgemeiner, vgl. unter subtiligkeit: (
schafvieh) ist ein zart subtil viehe, das leichtlich anstöszig wird und stirbet
viehbüchlein (1667) 52. A@66)
von einer zarten, kaum spürbaren bewegung: so ich einer innerlichen subtilen bewegung ... zuschreibe Leibniz
dt. schr. 1, 266; ich musz ... einiges leichte bestreben geäuszert haben, ihre hand fühlbarer zu drucken, wie ich von einer subtilen bewegung, die ich in meiner hand empfand, fürchtete Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 1, 46; ein subtiler kusz mein liecht nimmt dir deine farbe nicht Chr. Weise
grünend. jugend 74
ndr.; sie redete von den himmelskörpern, ihrem subtilen ausströmen Bettine v. Arnim
Brentanos frühlingskranz (1844) 103. A@77)
in übertragenem gebrauch findet sich subtil
in der bedeutung '
zart, angenehm'
vom ausdruck, benehmen, von art und lebensweise; häufiger vom sprachlichen ausdruck: man wil ynn den dingen (
bei der rede von geschlechtlichen schwachheiten) unterweyl gar zu höflich und subtil seyn Luther 15, 133
W.; ich hette auch gerne vom unzüchtigen teuffelstantz subtiler und besser geredt, aber es hats die that nicht anders leyden wöllen, ... man musz die warheit in allen dingen sagen
theatr. diabol. (1569) 268
a;
in sonderheit bei der kritik: (
die laster werden) mit verdeckten, subtilen, ja, hasz und feindtschafft zu vermeiden, etwan mit schertz und kurtzweiligen, doch straff bringenden worten zu rüeren sein Scheit
Grobianus 5
ndr.; (
fabeln sind) die artigste und subtileste weise ..., bittere und scharffe warheit so wol groszen leuten als auch denen kindern beyzubringen J. B. Schupp
schr. 844;
von menschlicher art und verhaltungsweise: di alten werden (
durch wein) kinder, ... di subtilen grob J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 91; die kinder (
sind) nit alle (
gleich) geraten, eins lang, das ander kurz, eins fromb, das ander bösz, ... eins ist grob, das ander subtil Schumann
nachtbüchl. (1559) 199
Bolte; das frauenzimmer ist ohne disz durchgehends von einem viel subtilern und zärtern geschmack in allem, was die wohlständigkeit betrifft v. Besser
schr. 1, 128;
von der lebensweise: und ich het in (
den jungen dirnen) doch gern das gumpelbain und hab darumb die seu gen markt gefürt gerürt und will die iez hingeben und damit lern ein subtil leben
fastnachtsp. 348
Keller; (
in London) sy ... gar subtile ir ... leben furten Arigo
decamerone 66
Keller; unser subtyl und angenAem gevangenschaft Fr. Riederer
rhetoric (1493) c 3
b;
vgl. auch unten subtilig, -iglich, -igkeit. BB.
im geistigen sinne. B@11)
vom menschlichen wahrnehmen, erkennen und denken '
fein unterscheidend, genau': B@1@aa)
von der sinnlichen wahrnehmung so viel wie '
empfindlich': nie ouge so klar enwart noch so subtil noch kein sin, der daz begriffen möhte Tauler
pred. 121
Vetter; als der kranken gewonheit ist, ein subtiles hörn (
gehör) haben Arigo
decamerone 22
Keller; maulwörff ..., weil sie gar zart und subtil gehör haben Sebiz
feldbau (1579) 293;
von personen '
anspruchsvoll, wählerisch': (
bei der senfzusammensetzung wird) gestossen zimet rinden drein gethan subtilen leutten
Platina v. allen speisen (1530) 15
b; (
von einem medicament, dessen duft heilkraft besitzt, kommt) gar ein guoter geruch, auch für die allersubtylesten weyber Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 27. B@1@bb)
vom verstande und seiner ausübung: B@1@b@aα)
vom verstande als solchem: acies acris ingenii ein scharpffer subtiler verstand Frisius
dict. (1556) 20
a; so süllent sich hüten die subtilen vor dem vigentlichen hochvertigen geiste Tauler
pred. 310
Vetter; ain lehenman ..., dero der geschrifft nit klain gelert, von vernunfft suptil und zuo allen guoten hendeln kluk (
war) Öheim
chron. v. Reichenau 58
lit. ver.; ich hat einen jungen bruder von acht jaren, ... genug subtil des hirns, in gstalt mich bedünkt, dass ob man flyss an in wollt legen, etwas studierens halben us im wurd werden (1519)
bei Staub-Tobler 7, 96; die vor andern ein subtiles hirn haben, finden (
bei der feder) ... überflüssigen unterhalt Butschky
Pathmos (1677) 33;
von personen: was sie predigen, ist nüt anders dann der heilig Thomas, der subtil Scotus, der treffentlich Augustinus Jud Nazarei
v. alten und neuen gott 59
ndr.; Cardan, ein sehr subtiler kopf des 16. sec. Wieland I 1, 237
akad.; auch: das subtile gewissen Holtei
erz. schr. 3, 203. B@1@b@bβ)
von den denk- und ausdrucksformen eines scharfsinnigen verstandes: distinctio tenuis et acuta subtyler underscheyd Frisius (1556) 1301
b; diesen subtielen unterscheid der gemelten wörter haben zwar die alten kirchenlehrer gemacht S. Gessner
christl. betracht. (1599) y 6
b;
edisserere subtiel reden
voc. theut. 1482
bei Diefenbach
gl. 195
b; einige sehr subtile erklärungen dieses wortes Lichtenberg
nachlasz 70; eine sehr subtile spekulation Schopenhauer 1, 640
G.; '
genau'
in wissenschaftlicher beobachtung: (
er wuszte) die entfernung des mondes von der sonne oder von einem stern zu messen, folglich von allen beobachtungen die subtilste anzustellen G. Forster
schr. 5, 154; '
ins einzelne gehend': hierbey hätte er aber für einen gemeinen bauerverstand viel zu subtil werden müssen Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 2, 279.
von der sprachlichen ausdrucksform unter stärkerem einflusz von lat. subtilis '
einfach, klar von der form, prägnant'
: acromata ein subtiler kluger spruch oder red Altenstaig
voc. (1516)
bei Diefenbach
gl. 10
c; Dasypodius (1536) 3
a;
apophthegma ein subtiler, kurtzer spruch Alberus
nov. dict. (1540) 30
a; ein kurtze subtile antwort
ebda: (
der) haubtman als der besint und fürträchtig verstunde balt, warauf die sach gespitzt, gab hüpsch und subtiel antwort
Wilwolt von Schaumburg 108
lit. ver.; wie eine einfeltige junge tochter einem weisen mann auff eine scharffe frage subtiel antwortet (16.
jh.) B. Hertzog
schiltwache (
o. j.) f 5; was der Griech subtil erdichtet und der Römer süsz berichtet Weckherlin
gaistl. u. weltl. ged. (1648) 37
b;
vgl. auch unter subtiligkeit. B@1@b@gγ)
allgemeiner '
kunstvoll, geschickt, sorgfältig',
vor allem von handwerklicher tätigkeit, von handlungen, häufig in adverbieller verwendung; '
kunstvoll, kunstfertig': darumb ich schmidwerck preis und lob, wan es lig allen hendeln ob, künstreich, sübtil, glenclich und grob H. Folz
meisterl. 327
Mayer; artificium callidum ein subtyl und kunstreych handwerck Frisius (1556) 176
a; ain tüchl, daran unser frauen pildnuss mit subtiler arbait gemalet ist (15.
jh.)
bei Steinhausen
privatbriefe des mittelalters 1, 150; (
die seidene binde,) welche von goldt und berlin gestickt mit subtiler arbeit und sunst an allen enden mit guldenen sternen gezieret was Wickram 1, 61
lit. ver.; (
die vergröszerung eines bildes, so dasz) alle ding sich gerecht zusamen fügen ... disz ist das verborgenst und subtilist stück under allem malwerck H. Rodler
kunst des messens (1531) a 3
b; je subtiler ausgeschmücket (
das venetianische glas ist,) ... je geschwinder bricht auch das P. Fleming
dt. ged. 1, 264
lit. ver.; '
sorgfältig': löse dasselb (
auge) mit einem scharfen messer ... subtiel abe
haushalt. in vorwerken 107; im ausbutzen und neue speisz zu geben pflegt man sehr subtil mit ihnen (
den seidenraupen) umzugehen (1706)
bei Staub-Tobler 7, 96; '
geschickt': wir wolt gohn, den wirt und die gest beinander fein subtil auffheben Wickram 6, 301
lit. ver.; in den worten näherte er sich gegen dem grösten under den sechsen (
landsknechten), welchem er sein hellparten subtil hinweg risse
Amadis 1, 65
lit. ver. B@1@cc)
der bedeutungsgehalt des '
spitzfindigen'
entwickelt sich, wenn das denken im gegensatz zu klarheit und einfachheit als zu fein zergliedernd, als tüftelnd erscheint; den übergang kennzeichnen fälle wie: durch hohe, verborgene, subtile, behende sinne (
gemeint sind die gefährlichen lehren der Begharden) so ist zuokünftig der ... vergiftige dot cristenlicher ordenunge Seuse
dt. schr. 489
Bihlm.; vgl. ebda 352; es ist auch nicht not, das man subtil disputire vom verdienst, ob solche gott umb unser werck willen gebe Luther 26, 206
W.; im eigentlichen sinne '
spitzfindig',
häufig bei Luther: Johannes redet gar eynfelltig und schlecht, denckt unss nit ynn solche spitzige und subtile betrachtung tzu furen 10, 1, 1, 196
W.; die natürliche sprache ... geht uber alle subtile, spitzige, sophistische tichtunge 18, 180
W.; das die seele ... ain zale geacht würt, sölche red ist mer subtil weder gtes verstandts J. v. Schwarzenberg
Cicero (1535) 48
b; (
anstatt gründlich zu studieren) verschwendet man die zeit mit subtilen anatomischen grübeleien Jung-Stilling
sämtl. schr. 1, 300;
mit dem beiklang des verschlagenen, listigen: eine subtile, behende, kundige natur ist also manigfeltig und verworren und suchet und findet also vil winckel und falscheit und betriegunge und alles um sich selber, das es auch nit zu sagen, zu schreiben ist
theologia teutsch 84
Mandel; bes. in adverbieller verwendung: wenn sy (
die dirne) ein gouch berupffen wil, das handtwerck brucht sy so subtil, das der gouch nit merken kan, wo sy ein fedren gryffet an Murner
gäuchmatt v. 1016
Uhl; so findet man warlich leut, die kindens (
könnten es, das geld) ainem fein subtil ablausen, geben ainem die besten wOertlin Montanus
schwankb. 164
lit. ver.; (
dissimulatio) schleicht subtyl in die gemter Frisius (1556) 734
b;
in Holstein von einem verschlagenen frauenzimmer gebraucht, s. Schütze
holst. 4, 221.
im abschätzigen sinne auch im sprichwort: subtil taugt nicht viel Pistorius
thes. paroem. (1715) 1012; W. Körte
sprichw. (1837) 417; Wander 4, 952. B@22)
von einer schwierig zu verstehenden, complicierten oder hohe geistige aufnahmefähigkeit voraussetzenden sache: bekennit di fornuft, das subtil ist, baz bekennit si, daz grobir ist
paradisus anime intell. 34
Strauch; himlische ding sein im (
dem menschen) zuo hoch, goetliche zuo ferr, geistliche zuo subtil Berthold von Chiemsee
tewtsche theolog. 126
R.; es ist aber darbeneben so subtiel, dass auch die (
der deutschen poeterei) erfahrne solches kaum begreiffen Zesen
verm. Helikon (1656) 1, b 1
b; die aufgabe ist aber wirklich subtil, der mancherley lokalbedingungen wegen A. W. Schlegel im
Athenäum 2, 124.
insbesondere von feineren, geistigen bestimmtheiten: weil der beweis hiervon allzutief in die subtilesten wahrheiten eindringet Chr. Wolff
v. d. menschen thun u. lassen (1720) 3; die höchste consequenz der allersubtilsten ideen Göthe IV 7, 64
W.; von dem subtilen räderwerk der modernen kultur H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 169. B@33)
in besonderem gebrauch, an B 1 c
und 2
anschlieszend, von den feineren, nicht gleich ihrer art nach erkennbaren sünden, im gegensatz zu den groben, offensichtlichen: so habt yhr nu zween miszbreuche dieses gepotts (
des 2.
gebotes), den ersten eusserlich und grob, das man nicht fluche, schelde ..., der ander ist subtiler, der ein schein hat als sey er gottes ehr Luther 16, 470
W.; die subtilen und heimlichen sünden
ebda 10, 3, 128
W.; nu wollen wir komen auff ein subtilers stücklin, ... eine geschwinde gifftige anfechtung
ebda 28, 296
W.; ehrgeitz ist eben so wol ein geitz als geltgeitz, ja vil ein subtiler geitz S. Franck
sprüchw. (
Frankf. 1541) 1, 134
b;
häufiger bei Wieland: in diesem stücke schwebte er in einem subtilen selbstbetrug, den ihm vielleicht nur die erfahrung sichtbar machen konnte
Agathon (1766) 2, 59; dieser subtile stolz, der sich hinter ... meinen tugendhaften gesinnungen verbarg
ebda 1, 332; du sinnst tag und nacht, um das geld, das dein nachbar hat, dir zuzuwenden, es sey durch handel und wandel oder diebstal, das heiszt: durch grobes und subtiles stehlen Hippel
lebensläufe nach aufsteigender linie (1773) 3, 1, 176; das erweckt und kräftigt seine ideen, ohne ihn zu nachklängen und subtilem diebstahl zu verlocken W. H. Riehl
dt. arbeit (1861) 293.