stutzer,
m. , '
geck',
nom. ag. von stutzen '
einherstolzieren, prunken' (
sp. 765).
mundartlich wenig bezeugt und dann immer aus der schriftsprache stammend, s. Bauer-Collitz
waldeck. 175; Fischer
schwäb. 5, 1943; Unger-Khull 631.
im plural auszer stutzer
vereinzelt stützer: Frankreich mag die stützer blenden J. Rist
neuer teutscher Parnasz (1652) 852; stutzers: so sitzen biszweilen allerhand junge stutzers vor dem camin
caffe- und thelogia (1690) 57;
s. auch H. Paul
deutsche gramm. 2, 132. 11)
weit früher als in der bedeutung '
geck'
des 17.
jh. (2-4)
scheint das wort, im sinne von '
herumtreiber, vagabund, nicht ansäsziger, nicht zur zunft gehöriger',
bezeugt zu sein, wohl zu, allerdings schlecht bezeugtem (
s. 1stutzen D 2), stutzen '
umherlaufen': das ie keyn uszwirdiger auf die sonnabendesmerckte feyle habe gefesze ..., auszgeschlossen die freyen merckte, und ab ein frömder stueczer here czöge und bürger wuerde, der suelde auch thu als ein ander newe meister czu den kerzen und was dem hantwerge nott ist (1487)
urkundenbuch d. stadt Arnstadt 394
Burkhardt, zugehörigkeit zu einem anderen wort ist kaum möglich, obwohl die form stützer
für unser wort sonst nicht bezeugt ist (
s. o.);
spuren der bedeutung '
armseliger; nicht dazu gehöriger'
auch noch später: können wir doch nicht reiten, haben auch keine ross, wissen sie nicht zu leiten, drum gehn wir mit dem trosz. ach! wir elende stutzer haben darzu kein geld Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 414;
im oberpfälz.: stutzer
ungeladener hochzeitsgast Schmeller-Frommann 2, 802. 22)
im 17.
jh. am reichsten bezeugt '
der in modischer, reicher kleidung sich auffällig zeigt',
s. auch kleiderstutzer Kramer 2 (1702) 1031
a,
so an 1stutzen D 2
ff. '
in modischer, reicher kleidung gehen, prunken' (
sp. 765)
unmittelbar anschlieszend: wie einer einem stutzer vorwarff, daz er sich doch schämen solte mit der neuen tracht Prätorius
anthropodemus plutonicus (1666) 3, 335; so dasz ich schier glaube, dasz etliche stutzer die jetzige mode darvon abgesehen Grimmelshausen
Simpl. 148
ndr.; lacht man nicht armer leut hoffart, eines stutzers in gelehnten kleidern? Dannhawer
catechismusmilch 2, 99; weil er ein vornehmer galan und stutzer gewesen, das seine alles an prächtige kleider gewendet, und sich über sein vermögen heraus gethan, musz (
er) nun selbsten die hosen bletzen Schoch
com. v. stud. leben (1657) k 3
r; ich habs versucht die quehr und läng, es fällt mir fast all mein gepräng, erst war ich stutzer in folio, darnach bald in sedecimo
M. Rinckhart
christl. ritter 80
ndr.; ein pfau oder ein luchs, die können sich viel wissen, dasz sie von der natur so artig bekleidet: aber ein stutzer, wenn er im bade oder im bette ist, musz den zettel aus dem krame an statt einer badeschürtzen anhengen, sonst siehet er einem schlechten kerlen ähnlicher, als einem bratenwender Chr. Weise
kl. leute (1684) 267;
in gleicher weise bis in die jüngste zeit voll lebendig: und ich sehe an eurer kleidung, dasz ihr ein stutzer, ein nichtswürdiger pflastertreter und jungfernknecht seyd Holberg
dän. schaub. 5, 277; von den damen und stutzern fand sich auch jederzeit die mode verehrt K. Fr. Cramer
Neseggab 2, 71; der stuzzer im schekkigen kleide von sammt und von gold und von seide kam summend, wie ein käfer im may Göthe 37, 43
W.; einer der gäste war der stutzer des ortes, übertrieben nach einem alten journal gekleidet, und höchst ergötzlich fürst Pückler
briefw. u. tageb. 6, 441; man musz es gesehen haben mit welcher zierlichen gewandtheit die stutzer den ausgezogenen wamms auf dem äuszersten ende der einen achsel zu tragen wissen Jac. Grimm
kl. schr. 1, 63; wie plötzlich und gierig schieszen sie nach dem bunten insect! nicht glänzende farben noch die schimmernden schwingen erretten den stutzer des sommers Zachariä
tageszeiten (1757) 40;
auch auf andere dinge der eleganz zielend: hätte auf diese weise irgend ein wohlfrisirter stutzer gesprochen, so könnte ich mich damit trösten Nicolai
reise 7
anhang 17; doch sprich, wie weit bringts wohl am end solch rohr? welch glück! als ein spazierstock dients dem stutzer Heine 1, 58
Elster; sie (
die krebse) ziehen ihre scheren wie glacehandschuhe mit der gewandtheit eines stutzers aus Seb. Brunner
ges. erz. u. poet. schr. 1, 28. 33)
andere typische eigenschaften des stutzers, die in der bedeutung des wortes mit enthalten sind oder zu bedeutungserweiterungen führen, werden häufig ausdrücklich bezeichnet. als mann vermögender, höherer gesellschaftlicher stellung: dannenhero machten die reichen stutzer mit mir, und hingegen ich hinwiederum mit ihnen nicht allein kund- sondern auch gar brüderschafft Grimmelshausen
Simpl. 393
ndr.; ich darf mich nicht unter die groszen so genannten stutzer rechnen, sondern musz mit unter den schwartzmänteln lauffen (denn so nennet man die studiosos theologiae verächtlicher weise), will aber gerne in meinen augen niedrig seyn und nicht stoltziren J. B. Carpzov
leichpredigten (1698) 153; aber höret, jhr schulverächter und schulmeisterspötter, stutzer und butzer, wer seyd jhr? wohin sehet jhr? worauff trotzet jhr? Conr. Dieterich
schulpred. (1626) 14;
als galanter abenteurer: ach! wärst du mein töchterchen, rief er scherzend aus, wie wollt ich dich einsperren, bis du dein talent völlig und folgerecht entwickelt hättest! kein stutzer sollte dir nahen Göthe
gespräche 3, 307
Biedermann; ich fürchte nur, dasz ihr etwa ein junger stutzer schon etwas anders beygebracht haben wird Gottsched
deutsche schaubühne 1, 87; mägdestutzer Kramer 2 (1702) 1031
a; so uberzuckersüsz und anmuthig kam dem verliebten und beliebten stutzer die stimme vor P. Fleming
deutsche ged. 2, 562
lit. ver.; jene scherzende malereien, wo mit neuen aufgelegten scheiben von marienglas ein alter landsknecht bald in einen einsiedler, bald in einen bärenhäuter, dann einen zierlichen stutzer und eidam verwandelt wird Cl. Brentano
ges. schr. 5, 448; ... entronnen dem getümmel der assemblee wo ich, so zürnt Apollon mir! geplagter als Yoricks staar, im kreise junger stutzer und betagter koketten war Fr. v. Matthisson
schr. (1825) 1, 88; dasz die bauren eben so wohl, wie die städter ihre witzigen köpfe, ihre stutzer und koquetten hätten J.
M. Miller
Siegwart (1777) 1, 212;
als junger, hübscher mann: es wollt ein frommes weib von neun und vierzig jahren sich einst mit einem jungen frischen stutzer paaren Ramler
fabellese 2, 523; stutzer jung und schön, ins grab müssn zu dir sie all hinab! Herder 25, 257
S.; so lächerlich musz es uns vorkommen, wenn ein greis so sehr würde und anstand verleugnet, dasz er in gesellschaft den stutzer ... spielt Knigge
umgang mit menschen (1796) 2, 9;
als prahlerisch und arrogant: von der kecken sprache ... die eher eines stutzers aus Persien würdig gewesen wäre Lenz
ges. schr. 3, 284
Tieck; der stutzer kennet sich vor hoffahrt selber nicht Bokemeyer
bei Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 278; er ändert seinen ton gegen jeden, mit dem er spricht; bald ist er ein feiner witziger spötter, bald ein plumper spassmacher, bald ein zärtlicher schulfuchs, bald ein unverschämter stutzer Lessing 9, 255
L.-M.; als verschwender eigenen und fremden gutes (
s. auch als bezeichnung der studenten, u. 4): ein stutzer, der sein gut schon mehrentheils verbracht, und auf des oheims tod die sichre rechnung macht, ... nimmt diesen helffer an Hagedorn
vers. einiger ged. 50
ndr.; herr Stern bereuet auch im freyn sein übereilen, er siehet wie sein geld mit ihm die stutzer theilen Gottsched
deutsche schaubühne 6, 408.
als eitel, im äuszerlichen befangen: der baron von Modisch ein stutzer aus der alten zeit. zärtlich, affectirt, von seiner person und seinem geschlechte eingenommen Lessing 3, 323
L.-M.; sie klagte ihn als ... wüstling, als eitlen stutzer ... rücksichtslos an Holtei
erz. schr. 27, 45; er war, was man in Deutschland einen gewichsten jungen mann zu nennen pflegt, ein stutzer Hauff
s. w. 2, 119.
als töricht, geistlos, hohl: albern, wie ein stuzer plaudern, wie ein waschweib wirst du kaudern Schiller 1, 213
G.; es würde mir niemals gelingen, den mürrischen ernst meiner vernunft in den gaukelnden witz eines stutzers umzugieszen J. G. Hamann
schr. 1, 324
Roth-Wiener; nun begann das tollste quintett, wie es von zwei alten pflegemüttern, zwei kindern und einem faden, geistlosen stutzer nur jemals gespielt worden sein kann Holtei
vierzig jahre 1 (1843) 206; im herzen leer und gleichgiltig wie der stutzer aller zeiten, hatte er für keine regung gedächtnisz Laube
ges. schr. 2, 197; lügen kannst, windmachen auch, trotz jedem stutzer, jetzt brauchst nur einen friseur und einen kleiderputzer Meisl
theatral. quodlibet 1, 23.
so auch, vom ausgangspunkt entfernter, im geistigen bereich: also der stutzer zerfällt von selbst in den gemeinen und körperlichen, und den eben so possierlichen geistlichen Lichtenberg
aphorismen 1, 98
Leitzmann; auf seine hochachtung dürfen jene wissenschaftlichen stuzer keinen anspruch machen C. G. v. Brinckmann
filos. ansichten (1806) 20; sie sollen deinen geschmack nicht verzärteln, sondern läutern, sie sollen dich nicht zum stutzer in der gelehrten welt ... machen Gellert
s. schr. 5, 176
Klee; witzige köpfe, die mehr stutzer, als ehrliche bekenner der schönen wissenschaften sind
briefe die neueste litt. betr. 12 (1761) 206; er soll aber über die galante und flüchtige art unsrer jetzigen weltweisen nicht wenig erstaunt seyn, und seinen freunden in Engelland geschrieben haben, dasz er sich in seiner hofnung betrogen fände, dasz die philosophischen stuzer auch in Deutschland überhand genommen hätten, und dasz nur hier und da noch einige rechtschaffene weltweise ... lebeten
M. Mendelssohn
philos. schr. (Carlsruhe) 1, 23. 44)
ohne verbindung mit einer attributiven bestimmung scheint in älterer zeit der bedeutung der pejorative charakter zu fehlen und eine objective bezeichnung für den elegant, den vornehmen vorzuliegen: und demnach zween stutzer zu negst bey ihm stunden Grimmelshausen 3, 50
Keller; gnädigster herr und ritter werth, ich hab jetzt newe post gehört, von unserm stutzer, ritter Martin, dasz er das volck soll an sich ziehn, und uns verbieten unverhohln, den zehnden, rent und zins zu holn
M. Rinckhart
christl. ritter 25
ndr.; sie dencke doch frau Schlampampe, es sind ein paar fremde stutzer drauszen ... gehen sie galant? überaus galant Chr. Reuter
ehrl. frau 38
Ellinger; sahen sie in dem hause gegenüber einen jungen menschen, der allen ümbständen nach wolte vor einen stutzer angesehen seyn Chr. Weise
drei ärgsten erznarren 31
ndr.; auf solche art und weise erholte (
er) sich ... gar bald wieder, und liesz sich abermals als ein völliger stutzer sehen, ohngeachtet ihn sein vater nicht einen pfennig geld übermachte
wunderl. begeb. e. Götting. studenten (1748) 2, 218.
hierher wohl auch in älterer sprache als nahezu feste bezeichnung der vornehmen (
s. auch 2)
studenten, s. Kluge studentenspr. 129
b: es kame einmal ein vornehmer studiosus (oder stutzer, wie man es zu nennen pfleget) mit seinem famulo von der benachbarten universität Bielgiz zu uns Florandus
betrüg. courtesiespiegel (1714) 113; doch kamen sie (
die mettwürste) noch wohl zu pasz, dann ich muste mein penaljahr von stund an antretten, da dann täglich die stutzer mir dahinder kamen, und ihnen den grind luseten
gepflückte fincken (1667)
vorrede 5. —
in junger zeit ist der stark abschätzige charakter immer vorausgesetzt: ein diplomat, der nicht blos die stutzer seines vaterlandes, sondern auch die stützen desselben repräsentiren will Gutzkow
ges. w. 8, 217; das machte mirs blut in den adern rasen; oder wenn deutsche stutzer den Marseiller beim theetopf sangen Cl. Brentano 7, 345; bei solchem liebeswerke betheiligten sich auch die stutzer, und das hat mich mit verschiedenen zierbengeln ausgesöhnt, die mir sonst sehr zuwider waren Holtei
erz. schr. 36, 250.
milder: wo wir in einem etwas engen raume eine brillierende gesellschaft in einem walzer begriffen fanden, ... graf Brust mit der brille, ein feiner stutzer, oberamtsrat Schultheisz freundlich und treuherzig Eichendorf
Lubowitzer tagebuchbl. 60
Nowack. 55)
composita. stutzeramant, m., stutzerhafter liebhaber: wie oft theilen sich nicht drey und noch mehr frauenzimmer in einen einzigen von unsern windigen stutzeramanten Chr. G. Klemm
der grüne hut (1767) 19
Wiener ndr. —