stricken,
vb. , '
eine schlinge, einen knoten knüpfen; binden; einen faden zu einem maschengewirk verknüpfen'
; denominativum zu strick '
schlinge, knoten'.
ahd. mhd. mnd. mnl. stricken,
nnl. strikken;
ags. gestricedon netta hiora '
reficiebant retia sua',
nur Mth. Lind. 4, 21,
weicht im konsonantenstand, vielleicht auch in der bildung ab. aus dem deutschen entlehnt ist dän. strikke,
s. Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 2, 1180. 11)
als ableitung zu strick '
schlinge, knoten'
tritt das verbum zunächst in der bedeutung '
eine schlinge, einen knoten knüpfen'
auf, wird aber schon früh für die vorgänge des knüpfens, bindens und schnürens überhaupt angewendet, wobei die begleitvorstellung '
mittels schlingen oder knoten'
bald zurücktreten kann. dieser gebrauch des wortes ist vorwiegend in der älteren sprache lebendig, zeigt aber im jüngeren nhd. noch starke nachwirkungen, die sich zum teil aus archaisierender wiederaufnahme der alten bedeutung erklären. zur glossographischen und lexikalischen buchung vgl. laqueo stric kin (11./12.
jh.)
ahd. gl. 4, 204, 8
St.-S.; strictus gistricheter, gestricter (
Heinrici summarium, 12.
jh.)
ebda 3, 260, 3;
nectere stricken, knipfen (1462)
in: Mone
anz. f. kunde d. teutschen vorzeit (1838) 162; stricken
vel knutten
nectere bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 4, 433
b;
vincire seylen, spannen, stricken, häfften Schöpper
synonyma (1550) e 6
c; stricken, hefften
ligare, attacare Hulsius
dict. (1618) 1, 242
b; stricken, anhefften
aliquid alteri nectere; hart zusammen stricken
contendere vincula Aler
dict. (1727) 2, 1854
a.
bei Kramer, Adelung
und Campe
ist stricken
in dieser bedeutung nicht als im gebrauch befindlicher ausdruck verzeichnet. in der heutigen mundart begegnet es nur vereinzelt: einen sack, das halstuch, einen schuh, schurz o. ä. stricken '
zuknüpfen, (
zu-)
binden'
Fischer schwäb. 5, 1866; stricka
binden, knüpfen, z. b. das halstuch, die strumpfbendel Sartorius
Würzburg 120. 1@aa) '
eine schlinge, einen knoten knüpfen'.
so bei Notker ein seil stricken '
es zu einer schlinge knüpfen': unde denitôn sie seîl mînen fuôzen ze stricche, das chit, sie strictôn iro seîl, daz mîne fuôze darana gehaftetin (
ps. 139, 6) 2, 581, 20
P. später entsprechend jmdm ein seil um den hals stricken: won sú bundent im hend und fsse ze samen und striktent im ain sail umb die kelen, daz er kum den atem hatt
St. Georgener pred. 29, 19
Rieder; die funff wurden zu dem galgen gefurt, und wurden in seil umb die helse gestrickt
Lanzelot 1, 223, 21
Kluge; und het damit den gürtel, den er umbgehabt, an sein halsz gestrickt, und jm selbs den tod angethan H. Boner
Herodian (1532) 62
b.
in gleicher auffassung: rosszhaar vmb die wartzen oder geschwer hart gestrickt, macht sie herab fallen Heyden
Plinius (1571) 209.
mhd. auch reflexiv sich stricken '
sich verknüpfen, in knoten schlingen': darumbe wâren geleit edele steine genuoge, ieglîcher fuoge dâ sich die maschen strihten, kriuzewîs sich schihten Hartmann v. Aue
Erec 7721.
häufiger aber stricken '
knüpfen'
mit angabe des ergebnisses (
schlinge, knoten): sin zwivil mahtin als unvro das er uf ewig unheil zeinim stricke strichte ein seil ob sinim bete und hienc sich dran Rudolf v. Ems
weltchronik 29 856
Ehrismann; zwivele nichtesnicht an gote. nie wart kein suntlicher knote gestricket in so leiden haft, in losete wol der ruwen kraft
passional 133, 47
Köpke; dieweil er nun strickt mit der handt den knopff und an die thüren bandt Wickram
w. 8, 223
lit. ver.; sol man machen ainen strick, damit man den fygwartzen vnden, da er eng ist, wol pinden sol. vnd wann der strick sich entwint, so sol man in bas stricken Mynsinger
v. d. falken 67
lit. ver. —
im jüngeren nhd. selten: ... dasz den vätern oft ein duftiges geschick mit gnadenreicher hand verhasste knoten stricket Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 15.
wohl doppelsinnig auf bed. 2
anspielend: die thatsachen sind wahr, aber ihre verknüpfung haben frauenhände gestrickt Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 5, 122. 1@bb)
in breiter verwendung der bedeutungen '
knüpfen, binden, schnüren'
gibt stricken,
oft im verein mit präpositionen oder adverbien, die vorgänge des festknüpfens, anbindens, zusammenbindens oder -schnürens usw. wieder. 1@b@aα)
ohne präposition; '
festknüpfen': wie man den helm stricke, des han ich vergezzen lange Ulrich v. Türheim
Rennewart 29 596
Hübner; Alpart stont vff der heyde,sin ros in dem clee, er stryckt das vorgebügevnd gurte sin ros basz, es ducht jne hart gefüge:wye rytterlich er dar vff sas
Alpharts tod 142, 3
in: v.
d. Hagen
heldenbuch 1 (1855) 300.
archaisierend: so stricket mir die riemen, seid ihr ein biedermann. der kampf muss mir geziemen, den ihr mir bietet an Uhland
ged. 1, 382
Schmidt-H. '
aneinanderbinden': ... manige valsche bruoder, die bœsiu geselleschaft und auch luoder zesamen füeget unde zwicket, als her Sampsôn fühse stricket (
richter 15, 4) Hugo v. Trimberg
d. renner 20 094
E. '
zusammenbinden': die floszlewt sullen von ainem gast nemen ... von gestricktem holz, das ze recht geladen ist, X szl. dn. (
satzung d. Münchn. floszleute, um 1346)
bei Schmeller-Frommann 2, 809. '
binden, fesseln': du bist gestricket (
illaqueatus) mit den worten dines mundes (
spr. Salom. 6, 2)
bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 4, 433; nach dem jr hend den keiben gstrickt sönd jr in füren ylends schnell gen Macherunta ins castell J. Aal
Johannes 131
ndr.; von ferne stund bei ihr (
der gefesselten nymphe) ein garstiger waldgott, ein ungeheures thier, der eben fertig war mit stricken und mit binden Rheinbaben
poet. übersetzg. (1711) 76. 1@b@bβ) stricken an '
an etwas festbinden, -knüpfen': einen vanen wizen mit eime crutze, vnd gestricht an einen schaft
Ludwigs kreuzfahrt 7484
N.; des ersten ist er mit nassen sailern vnd nachmals mit ainer kettin nackent an disen pfale gestriket ... worden Niclas v. Wyle
translat. 229
Keller; gieng in ir kamer über iren kasten, da der glückseckel innen was. den stricket sy gar wol an iren gürttel (1509)
Fortunatus 116
ndr. bildlich: swer in der werlde sich verzwicket und in der gîtigkeit ersticket, alle sünde er an sich stricket Hugo v. Trimberg
d. renner 8125
E.; die stim ist nicht frej gelassen, sondern sie ist gebunden und gestrickt an gottes wort Luther 47, 455
W.; mit nichts strickt uns eine schöne mehr an sich, als wenn sie uns anlasz giebt, ihr eine gefälligkeit zu thun Jean Paul
w. 1/2, 191
Hempel. — an ein seil stricken '
anbinden': darmede leet he den paves Paschalis unde de kardenale stricken an sele; he leet se trecken ute den munster ghebunden unde ghevanghen
d. lübeckischen chron. 1, 20
Grautoff. bildlich: Parzivâl reit âne vrâgen dâ die bluotes zäher lâ
gen. do er die mit den ougen vant, frou minne stricte in an ir bant Wolfram v. Eschenbach
Parzival 288, 30; scheiden, du bist ein schweres seil, ich bin gestrickt daran (1582)
Ambraser liederbuch 252
lit. ver. dagegen: (
er) ward ... an galgen gestrickt ('
aufgeknüpft') Stumpf
Schweizerchron. (1606) 417
a. 1@b@gγ) stricken um,
von der kopfbinde: dar umbe stricket man dir eine binden umbe daz houbet. diu bezeichent einen helm, den man einem ritter ûf bindet, sô er an den strît sol Berthold v. Regensburg
pred. 1, 300, 8
Pf.; redimiculum etwas so vmb das haupt gestrickt wirt, oder von dem abhin hanget zur zierd, ein zierliche hauptbinden Calepinus
XI ling. (1598) 1234
b. 1@b@dδ) in einen sack stricken '
einknüpfen, einbinden': darumb du nindert basz zu töchtest denn dasz man in ein sack dich strickt und in der nacht nach fischen schickt
Weimarer jahrb. 2, 119; nim fenchelsamen vnd peterlinwurtz: stricks in ein zarts säcklin, seuds in baumöl, ... leg dann das säcklin auff den bauch Gäbelkover
artzneyb. 2 (1596) 8. 1@b@eε)
weniger häufig in anderen präpositionalen oder adverbiellen verbindungen, mehrfach in bildlichem gebrauch; '
binden, knüpfen, schnüren': minne diu strickærinne diu stricte zwei herze an in zwein mit dem stricke ir süeze in ein Gottfried v. Straszburg
Tristan 12 177
Ranke; sîn swert striht im daz süeze wîp vil heize weinde umb den lîp Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 6175
Kapteyn; so daz den schepfer sin geschaft menschlichen an die welt gebar, und sich in einem libe war kint unde vater underein: und sich da stricte zuo in zwein der frone geist enzwischen, so daz ir drier mischen was niht wan der eine got Konrad v. Würzburg
d. gold. schmiede 338
Schröder; wie er der schanden saze von im mochte schicken und sich uz ir stricken
passional 317, 38
Köpke; se (
das himmlische heer) hebben eenparlike ere ogen in my (
die ewige weisheit) gestricket ('
geheftet')
horologium 61
bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 4, 433; ick (
frau Venus) byn nicht de mynste int narrenspyl; ick the to my der doren vyl. de syck so ersten to my vorselt, ick stricke vast ghar mannygen helt Hans van Ghetelen
narrenschyp 13, 4
Brandes; dann die mancherley secten, so vnder dem glauben Christi eynfallen, stricken das evangelium so in ein engs garn, so Christus das exempel vom rosz nicht geben hette, so dörffte am sabbath niemandts weder essen noch trincken Paracelsus
opera 1, 112
c Huser; hier thut die gerechtigkeit schon etwas übriges, strikt ihre knöchel aufs rad, und pflanzt ihre schlauköpfe auf spiesze Schiller 3, 30
G.; sie strickten die segel vom mast und warfen anker J. Grimm
kl. schr. (1864) 6, 47. 1@cc)
im mhd. und später wieder häufiger um 1800
begegnet das wort in der wendung etwas (sich) um einen gegenstand stricken
mit der leicht abgewandelten bedeutung '
schlingen, winden',
von pflanzen auch '
ranken': sînen zoum begunde er sweifen und umb die hant stricken Heinrich v.
d. Türlin
diu crône 6367; der wint was stark, der regen kalt: sîn mantel machte er zwivalt, und strikt in vast umb sînen lîp Ulrich Boner
edelstein 66, 35; do er (
der slange) gesunt wart unde snel, er strict sich um des mannes kel
ebda 71, 20; oder stricket sie um schwarz verglühte felsen ihren schuppenleib? maler Müller
w. (1811) 2, 310; wie um ihren stab die rebe brünstig ihre ranke strickt Bürger
s. w. 38
a Bohtz; wo um schroffe felsenhänge sich die epheuranke strickt Matthisson
schr. (1825) 1, 27; den wildliebenden bruder ..., der seit jener beichtnacht gleichsam mit eichenwurzeln sich um den liebling strickte Jean Paul
w. 15/18, 235
Hempel. besonders auch die arme um jemanden stricken '
schlingen': und des frisch erkämpften weibes freut sich der Atrid und strickt um den reiz des schönen leibes seine arme hochbeglückt Schiller 11, 392
G.; wenn ich nie mit schlanken armen mich um deinen nacken stricke Platen
w. 1, 362
Hempel; zwei arme strickten sich um seinen nacken Immermann
w. 5, 9
Hempel; sie antwortete nicht, aber sie strickte ihre arme fester um meinen hals Storm
s. w. (1900) 8, 135. 1@dd)
im 14.
jh. finden sich übertragene anwendungen, in denen sich stricken,
etwa im sinne von '
sich verbinden, verbünden',
auf den anschlusz an eine vereinigung oder den zusammenschlusz zu einer solchen bezogen wird (
vgl. strickung '
bündnis'
und strickbrief '
bündnisurkunde'): daz wir vns in der stete Erford, Mulhusen vnd Northusen helfe gestrickit vnd gezogin habin (
Hessen, 1309)
bei Haltaus
gloss. germ. (1758) 1757; dasz wir vns zu hauffe han gestrickit widdir alle die, die vns vnrechte tun vnd widder vns sin (
Wetterau, 1340)
ebda; sich verbinden vnd stricken zu den herrn vnd zu den städten vnd zu weme ihn das nützlich vnd gut ist, ohne wieder das reich (
urk. Karls IV., 1349)
ebda. entsprechend einer gemeinschaft gestrickt (
d. h. '
verbunden, zugehörig') sein oder werden: Gêrvrit muotes rîch der dritten schar ze houptman wart gestricket
Lohengrin 4150
Rückert; der eilfte pâbist Benedict, der ê dem ordine gestrict was der predigêre Nicolaus v. Jeroschin
kronike von Pruzinlant 25 299
Strehlke. 1@ee)
nur vereinzelt begegnet das verbum in der an strick '
fangschlinge'
anknüpfenden, im mnl. und nnl. geläufigen und auch dem westlichen nd. nicht unbekannten waidmannssprachlichen bedeutung '
mit einer schlinge fangen': Donald Caird kann hasen stricken, kennt des rothwilds list und tücken Freiligrath
ges. dicht. (1870) 2, 79; der in der kreisstadt am tage beeren und pilze verkaufte und des abends ricken und hasen, die er in den wäldern gestrickt hatte H. Löns
Mümmelmann (
12o. j.) 131; en hasen stricken
ihn in der schlinge fangen Schmoeckel-Blesken
Soester Börde 292.
schon früh in bildlicher anwendung: wan hut euch ..., daz auf euch icht kum der gechtag, wan er vberkumt alz der strik ze striken alle, di da siczent auf dem antlucz der erd (
tanquam laqueus enim superveniet in omnes qui sedent super faciem omnis terrae Luc. 21, 35)
cod. Teplensis (1884) 1, 113.
in den folgenden älteren belegen ist diese bedeutung nicht gesichert, da stricken
hier auch im sinne von '
binden, fesseln'
gedeutet werden kann: rede unde gebærde und allez daz daz die gedanke stricket, minne in dem herzen quicket, daz begundes an in wenden Gottfried v. Straszburg
Tristan 19 107
Ranke; hat si der bösz geist gestrickt und gefangen
F. Reiser
reformation 264
Boehme. 22)
während komposita wie be-, um-, verstricken
noch in neuerer sprache die ältere bedeutung des grundverbs (
s. unter 1)
erkennen lassen, ist das simplex stricken
mehr und mehr auf die benennung eines bestimmten technischen vorganges eingeschränkt worden. bereits im mhd. bezeichnet stricken
statt des älteren bretten
das verknüpfen eines fadens zu regelmäszigen nebeneinanderliegenden maschen, aus denen ein zusammenhängendes netzartiges gewebe entsteht. 2@aa) netze stricken '
knüpfen': das netze (
fliegennetz) was von sîden und von golde harte wol gestricket Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 8511
Hahn; die gemeinen leute stricken jhre bette gleich wie ein garn, unnd solches alles von lauter baumwolle, dan hencken sie dieselbige zwischen zwene balcken, vnd schlaffen also darinne gleich hengend vnd schwebend Scherdiger
novae novi orbis hist. (1591) 14; ein dünnes zartes heutlein, gleich einem gestrickten netzlin, mit subtilen vielen äderlein oder fäszlein vmbgeben Ruoff
hebammenb. (1580) 35; die niedergehende sonne strickte ein goldenes netz über die landschaft Hopfen
d. alte praktikant (
31891) 147.
vom netzbau der spinne: begundt gemächlich an zu heben, zu spinnen, haspeln, spülen, weben an thüren, fenstern, balcken, wenden, stricket mit füssen vnd mit henden Burkard Waldis
Esopus 1, 212
Kurz; (
die tapezier-spinnen) stricken regelmäszige, söhlige, sehr dichte gewebe in den mauer- und fensterwinkeln Oken
allg. naturgesch. 5 (1835) 694; das spinnlein selbst mit groszer müh braucht die geübte hand; es hat sein netzlein reich gestrickt, mit perlenreihn geschmückt A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 199. 2@a@aα)
insbesondere von der herstellung der fangnetze für fischerei und vogelfang, vgl. texere plagas netze stricken
nomencl. lat.-germ. (1634) 381; netze, garne stricken Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1013
c;
das stricken
der netze, eine arbeit der fischer, ist nur ganz einfach, und hat grosze ähnlichkeit mit dem filet machen, nur dasz die netze gröber und von starkem bindfaden gemacht werden Krünitz
öcon. encycl. 175 (1840) 704: waaten, tauppl und peern (
verschiedene gröszen und arten von netzen für die fluszfischerei) nach dem maass des hofmodls gestrickt (1505)
österr. weist. 5, 9, 21; die selb (
Arachne) erfand inn irem leben schneeweisz subtile leinwadt weben. dergleich durch ir vernunfft anschicken erfand sie, mit der hand zu stricken fischnetz und auch die vögel-garn Hans Sachs 2, 183
lit. ver.; die hohen netze, welche auff die schnepffen und andere grosse vögel gebrauchet und in viertzig bisz in fünfftzig ehlen lang ... gestricket Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) P 1
b; reise ... ist ... ein gestricktes, mit sprügeln eingefassetes netze, darin man fische fenget Gueintz
dt. rechtschreibg. (1666) 116; das stoszgarn wird aus grobem zwirne gestricket Döbel
neueröffn. jägerpract. (1754) 2, 165; der vater ..., der die stube, darinn er seine wachtelgarne strickt, seine studirstube nennt
br., die neueste litt. betr. 21 (1765) 157; und strickt am vogelgarne A. v. Arnim
s. w. (1853) 14, 391; ich habe ihm ein fischnetz stricken müssen Iffland
theatr. w. (1827) 4, 24; um ein netz aus garn zu stricken, braucht man auszer dem garn eine netznadel und ein ... strickholz Seligo
fanggeräte (1914) 7. —
oft bildlich: damit sie gleichwol auch anbetere finden und fahen mögen, und aus geborgten und angeschminkten schönheiten ... ein garn strickend, sich zu einem lockheerde machen S. v. Birken
lorbeerhayn (1657) 42; die welt darff deiner unschuld nicht das netze der verführung stricken Schmolck
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 811; ich weiss, dass du dein netz als meister strickst, ich bin ja selbst die erste masche drin, doch darauf war ich nicht gefasst Hebbel
w. 6, 22
Werner; o ihr Franken! wie der jäger spannt dem wilde garn und netze, also, uns hinein zu treiben, strickt und stellt ihr uns gesetze Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 138. 2@a@bβ)
als terminus der netz- oder filetstrickerei, einer an die alte netzstrickerei anknüpfenden art der ziergewebeherstellung; vgl. '
man bezeichnet mit netzstricken
oder fileten diejenige handarbeit, welche ähnlich wie das handstricken
und häkeln mittels eines einzigen fadens, der mit sich selbst verschlungen und verknotet wird, ein netzartiges fadengebilde hervorbringt' Aberle
wirkerei u. strickerei (1927) 294; Lorchen (strickt filet)
theater d. Deutschen (1768) 9, 287; morgen müsz ich nach dem hochammt zu der gestrengen frau churfürstin, sie will mir absolutement filée stricken lehren; ... sie ... will, dasz ich schon künftigem donnerstag abends in der groszen galla schlacademie öfentlich stricken soll (1777) W. A. Mozart
br. 1, 105
Schied.; eine königin, die ihre pflicht kennt, bleibt in ihren zimmern und strickt filet Dahlmann
gesch. d. frz. revol. (1845) 119; während unsre zimperlichen dinger hinter dem ofen filet stricken Fr. L. Jahn
w. (1884) 1, 278. 2@bb)
in seiner heute allein noch allgemein gebräuchlichen verwendung bezeichnet das wort die als hausfrauliche handarbeit bekannte knüpfart, durch die mit hilfe von zwei, vier oder fünf stricknadeln dichte maschengewirke, meist kleidungsstücke wie strümpfe, jacken und dergl., hergestellt werden. in der mundartlichen umgangssprache ist dieser gebrauch des wortes in allen teilen des deutschen sprachgebiets (
wie auch im südnl.)
lebendig, wird aber im alemannischen durch das dort noch gebräuchliche lismen (
s. d. teil 6,
sp. 1061)
eingeengt und hat sich im nördlichen nd. erst in jüngerer zeit gegen zurückweichendes knütten
und (
mit dem nl. übereinstimmendes) breien (
s. Mensing
schlesw.-holst. 1, 512; 3, 232; 4, 886)
durchgesetzt. zur älteren lexikalischen buchung vgl. reticulum ... est indumentum capitis mulieris ex filis cancillatis artificiose factum ..., gestricket hub
bei Diefenbach
nov. gl. 318
a;
acupicta est vestis acutexta ghestrichet kleyt Tortellius (1495) A 4
a; handschuhe stricken
chirothecas acutexere Stieler
stammb. (1691) 2194; Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1013
c; Adelung 4 (1780) 829. —
als bezeichnung einer handwerklichen tätigkeit findet sich stricken
nur selten: ouch sach man dô mit kummer leben wollær, lodnær und die tuoch verbent, die buochvel unde leder gerbent, huotær, wurflær und die dâ strickent und die dâ altiu kleider flickent Ottokar
österr. reimchron. 65 679
Seem.; seine eigene, leibliche, natürliche töchtere liesz er (
Augustus) lernen die handwercke des wullenwebens, nehen, würcken und stricken Wigand Gerstenberg
chronik 14
Diemar; die paretlinmacher .. wann sie jre paretlin gestrickt, gewalckt ... haben Sebiz
feldbau (1579) 288; mein vater ist sonst ein hosenstricker gewesen, und wann ich schweren solte, so hätte er die strümpfe, die ihr da anhabt, gestricket
d. betrogene schulfuchs (1673) 242. —
in Straszburg scheint das wort im 17.
jh. neben das im alemannischen heute noch gebräuchliche lismen (
s. d. teil 6,
sp. 1061
und dazu belege von 1535
und 1653
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 155; 306)
getreten zu sein, während sich das kompositum hosenstricker (
s. d. teil 4, 2,
sp. 1843)
bereits bei Fischart
findet: kellerin und magdlein teütscher oder französischer nation anzunehmen und das stricken oder gelissenen zu lehren oder auch zu befürdern sollen sich die meister (
des hosenstricker- und barettmacherhandwerks) fürtershin bey straf vier reichstalern enthalten (1653)
bei Schmoller
tucherzunft 304;
ferner 313; 327. —
im 15./16.
jh. wird stricken
gelegentlich auch in dem weiteren sinne von '
knüpfen, wirken'
verwendet: item noch 3 gestrickte girtl 1 rotg., ein mit der farbe, kosten 1 floren ... item ein gebund gestrickte schnurre umb 1 ortt floren (1496)
bei Röhricht
pilgerreisen 319; seidengestrickt memorialschnür, die man inn die bettbücher legt Fischart
Garg. 392
ndr.; vnd führten die in jr gezelt, dasselbige von seyden köstlich, vnnd ausz dermassen reichlich mit mancherley vögelen was gestricket
buch d. liebe (1587) 266
a; und das volgk in dem land tregt nur gestrickt schuch an Schiltberger
reisebuch 58
lit. ver. der gemeinsprachliche gebrauch des wortes setzt im mhd. ein und nimmt seit dem 16.
jh. erheblich zu: ... jâ wâren niht ze guot ir kleider, diu si (
die jungfrauen) truogen. diu strihte ir selber hant, dâ si der junge Hagene in ir ellende vant Kudrun 107, 3
Martin-Schröder; ir zopf und ir goltvarwez hâr daz hetes an den stunden gevazzet und gebunden in ein gestricket hüetelîn, daz was von sîden alsô vîn, daz man sô wæhez nie gewan Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 7495; gestricket hûben mit snüeren sih ich sumlîche tragen
Seifrid Helbling 1, 272; es sey nit war, das seyn gestrickter rock, den seyne creutziger nitt wollten teylen, sey mit yhm von iugent auff gewachssen Luther 10, 1, 1, 445
W.; gulden huven kostlick strycken
Soester Daniel 86
bei Schiller-Lübben 4, 433
b; tragen sie ... mit sich allweg wüllengarn und strickstöck, hosen, so sie und andere tragen, zu stricken Kirchhof
wendunmuth 3, 162
lit. ver.; neben jhm hett er (
der patriarch von Antiochia) strickwerck ligen, dann er strickt händeschuch Schweigger
reyszbeschr. (1619) 319; dass ein mensch, dem er ... zu ... brod geholfen, lebenlänglich mit nähen, stricken, waschen ... und andern dienstbarkeiten unentgeltlich dem herrn inspector für seine gnade erkäntlich bliebe Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 255; dasz ich zuweilen meiner mutter wegen meiner kleinen hände beym stricken, wenn etwas verknüpft war, kindliche dienste geleistet Hippel
lebensläufe (1778) 1, 98; diese strasse nach Burgund that mir einmal wieder wohl, so friedfertig sah sie aus, ... neugierige dörfer mit strickenden und spinnenden leuten (1814) J. Grimm in:
briefw. (1881) 278; ich kann stricken, ich kann nähen, ich kann sogar eine weinsauce kochen, das ist aber alles nicht für sie, ungalanter mann! (1842) L. v. Gall in:
br. 43
Muschler; wir armen mädchen! wir leben eigentlich nicht, wir nähen und stricken nur Bauernfeld
ges. schr. 1 (1871) 78; gegenüber auf der anderen bank sasz mutter Badekow, wollte stricken, liesz aber die maschen fallen Cl. Viebig
die vor d. toren (1949) 260. —
bildlich: ohn kunst, ohn müh, ohn fleisz ich dicht, ... bisz du guckst, buckst, schmuckst, druckst in kopff, ist mir schon ausgelehrt der topff; bisz du flickst, spickst, zwickst, strickst im hirn, ist mir schon abgehasplt der zwirn Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 2 (1657) 32; die 'elegante' (
zeitschrift) hatte früher abscheulich schlechte novellen, so recht gestrickte damenarbeiten (1843) L. Schücking in:
br. 175
Muschler. 2@cc) stricken
in vereinzelten übertragenen oder abweichenden verwendungen. 2@c@aα) gestrickt,
von mineralen gebraucht, bezeichnet das gitter- oder netzartige aussehen ihres kristallinen aufbaus: stufen gestrickten silbers aus Potosi Göthe III 3, 144
W.; betrachtung des ... unschätzbaren beyspiels der wechselnden spiegelung an einem ganz frischen exemplar von gestricktem kobalt
ebda 13, 141; silberglanz ... tritt ... gestrickt ... auf Muspratt
chemie (1888) 7, 1477; bismut, gediegen ... kristallisirt hexagonal rhomboedrisch, meist derb, körnig, blätterig, gestrickt Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 7, 945. 2@c@bβ) gestrickte gläser
eine art filigrangläser mit zwei einander kreuzenden fädenlagen Bucher
kunstgewerbe (1884) 139
a.
in dieser anwendung auch im dän., vgl. ordbog over det danske sprag 22, 406. —
ähnlich von eisernem gitterwerk, s. Fischer
schwäb. 3, 564
s. v. gestrickt: ein vogelhausz, mit eisenwerck und gestrickten gättern Grasser
schatzkammer (1610) 202. 2@c@gγ)
alemannisch-schwäb. stricken '
mit kantig behauenen balken bauen' (
vgl. weiteres bei Staub-Tobler 11, 2193
unter stricken b
und gestrickt b; Fischer
schwäb. 3, 564
unter gestrickt): zu Steinen im land Schwytz hat ein landmann ... ein hüpsch neüw gewätten oder gestrickt hauss gebauwen Stumpf
Schweizer chron. (1606) 512
b.