steinig,
adj. ags. stânig, stnig
stony, rocky Bosworth-Toller 911
b.
im ahd. steinac
Monseer fragm. 11
Hench; steinago
ahd. gl. 2, 644, 71,
und daneben steinigaz 2, 656, 36;
mhd. steinig.
im nhd. hat sich steinig
durchgesetzt gegen steinicht,
welches heute aus dem sprachbrauch bereits völlig verdrängt ist (
vgl. E. Schröder
in zs. f. dt. altert. 35, 376).
in bedeutung und anwendung sind steinicht
und steinig
durchaus parallel. 11) '
voller steine'
: lapidosus, lapidiosus steynig, stenech, stienich (
hd. u. nd., 15.
jh.) Diefenbach 318
b;
lapidiosus, id est lapidibus plenus steynig oder voll stein
gemma gemmarum (1508) o 3
b.
in älterer zeit auch '
felsig, voller felsen'
: scrupea (
spelunca) steinigaz
ahd. gl. 2, 656, 36;
saxosus (
Hypanis flumen) steinago 2, 644, 71;
saxosus stenig, stenich (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 514
c; stenech
nov. gloss. 328
a;
saxosus ... steinig, vol felsen
gemma gemmarum (1508) z 1
c;
dazu auch: adricum mare stenich mer,
adriaticus stenick ulm (
vgl. 4ulm) Diefenbach
gloss. 14
a;
s. auch nov. gloss. 9;
nur vereinzelt literarisch: ihr habt gesehen und gehort Scyllam die steinig, rauschend ort (
sonantis accestis scopulos) Spreng
Äneis 6
b; ein auffrichtiger, verstendiger, freidiger herr ..., der in seinem lande, das voller wälde und steinig were, guten frieden und sicher geleit erhielte Kirchhof
wendunmuth 3, 72
lit. ver.; dazu eigentlich auch: es giebt ... mancherlei herren und diener im steinigen wie in dem glüklichen Arabien K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 3;
vgl. steinicht,
adj., 3. 1@aa) '
mit steinen bedeckt',
von erdoberfläche oder wassergrund: das gelb mäuszörlin oder nagelkraut, je besser es an der sonnen stehet und je steiniger der ort, da es wächszt, je besser das kraut ist Gäbelkover
artzneib. (1595) 1, 108; gehe hin auff ein steyniges griesz, an einem flieszenden wasser, und lisz oder klaub kleine kiszlingsteyn zu hauffen Fronsperger
kriegsb. 2 (1573) 170
b; die nothdürftigen häuser, auf einer steinigen, der überschwemmung ausgesetzten fläche Göthe IV 39, 22
W.; wir konnten nur langsam fahren in den engen, steinigen schluchten Eichendorf (1864) 3, 47; das war nun ein heilloser ritt, denn der boden ist sehr steinig und von tiefen wasserrissen durchschnitten Moltke
ges. schr. 6, 92; im ausgetrockneten, steinigen bett eines waldbachs ging er zu thal Auerbach
schr. 2, 12; bei schmutz und regen öfters am tage 180 fusz steil und steinig hinab zum schiff und wieder herauf zu steigen gehört nicht zu meinen liebhabereien Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 562; steiniger bach: alle drei zu der porten der stat auszgiengen, ab in den steynigen pach stigen, den steyn zu suchen Arigo
decam. 477, 22
K.; steinige waldbäche brausen vorüber Scheffel
ges. w. 1, 115.
auch schon früh steiniger weg;
gern im bilde und mit dem nebensinn '
beschwerlich': (
die wege sind) gar steinic und dornic Berthold v. Regensburg 1, 171
Pf.; steynig weg kümmerlich sin den füssen. ein sprichwort
Terenz deutsch (
Straszb. 1499) 34
b; weitter sichst du die kleinen thür und auch ein engen weg darfür gar ungebant, staynig und rauch Hans Sachs 3, 83
K.; modern auch steiniger pfad, steig: dem Tempe des friedens, von heerden bewallt, entwinden die steinigen pfade sich bald Matthisson
schr. (1825) 1, 172; wer überwindet nicht gern die beschwerde steiler, steiniger gebirgssteige, wenn sie ihn zu herrlichen gegenden führen? Holtei
erz. schr. 36, 21.
mundartlich übertragen als '
schwierig': des is mə z' staini
das kann ich nicht verstehen Schmeller-Fr. 2, 764. 1@bb) '
mit steinen durchsetzt',
vom erdboden u. ä.: eyn laide off ruede in steynigher erden
vibex v.
d. Schueren 200
Verdam; do der boden (
in Malta) am dicksten ist, ist er etwa anderhalb elen, dann so hat er nichts weder felsen und letten; durchausz ist er steinig Seb. Münster
cosmogr. (1564) 363; man musz die ziegel weder aus sandigem noch steinigem (calculosus) noch griesigem (sabulosus) lehme verfertigen Rode
Vitruv (1796) 1, 69. steiniger,
d. h. unfruchtbarer boden; schon früh im bilde, nach Matth. 13, 5: ist aber din herze zornic, steinic unde dornic
Laubacher Barlaam 1833; die andern fieln in daz steinig, do si nit heten vil erden
cod. Teplensis 1, 17,
vgl. o. Monseer fragm.; aber, wie der herr sagt, es ist steynich acker, und haben nit safft gnug Luther 8, 368
W.; heute hab ich auf sehr steinigem boden die gröszten, ältsten bäume gesehen Göthe III 1, 329
W.; im bilde immer beliebt: das feld der zeit ist steinig, es trägt nicht blüthe noch frucht Strachwitz
ged. (1850) 32; änderungsvorschläge wären bei seinen leuten ja doch auf steinigen boden gefallen W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 231. '
steinhaltig, körnig',
von anderen dingen: nachdem ich nur noch im fluge mir von ihm die notiz hatte geben lassen, dasz eine gute wolle weder klettig, noch haarläusig und auch nicht steinig sein dürfe Lenau
briefe 143
Schlossar; von früchten: die gemeinsten quitten sein klein, knöpficht oder voller knorren, rauhe, herb und sehr steynig Ryff
confectbuch (1548) 31
b; steinig
von birnen, deren kerngehäuse verhärtet ist Martin-Lienhart 2, 601;
ebenso schteinich Damköhler
Nordharz. 177,
vgl. seinzelle. 22) steinig '
steinern'
oder '
steinartig, hart'. 2@aa)
in glossaren: lapidius steynich (
nd., 1417) Diefenbach
nov. gloss. 228
a;
lapideus steynich Diefenbach 318
b;
saxeus staineger (
Nürnb. 1482) 514
c.
literarisch: do waren geseczt 6 stainige vas nach der gerainigung der Juden
cod. Teplensis 1, 123;
meist alemannisch: ein steiniger oder höltzener sant Peter Paracelsus
opera 2, 249
Huser; die wolthat eines unwilligen und kargen ist einem steinigen brod gleich B. Faber
thes. (1587) 433
a;
bis in die neuzeit: Tannhuser sitzt am steinige tisch
Schweizer volkslieder 2, 161
Tobler; eine stäinige stääge Friedli
Bärndütsch 5, 126;
auch Seiler
Basel. 276; Hunziker
Aargau. 252; Martin-Lienhart 2, 601. 2@bb) '
steinartig': ein jeglicher stein, der da solt geboren werden, der musz steinige primam materiam haben. darauff folget, dasz solcher steiniger materien zwo seind Paracelsus 1, 66
Huser; meist an die härte des steines anknüpfend: das fünfft und das sechst (
schädelstück) seint genant steinig. wann sye seint hart als stein (
felsenbein) v. Gersdorff
feldtbuch (1526) 4
a; das instrument oder werckzeug des gehörds ist ein fellin im loch des harten steynigen beyns Ryff
anatomi (1541) m 3
b;
modern: (
der tuberkel) wird zu einer compacten, steinigen substanz Sömmerring
menschl. körper (1839) 8, 1, 249; ein theil (
der strahlpolypen) ... enthält einen hornigen oder steinigen kern Oken
allg. naturgesch. (1839) 5, 98.
uneigentlich, vom harten sinn und herzen: ghyff doch over dynen harden stenighen zin (1487)
bei Schiller-Lübben 4, 388; es musz ein hert steiniges hertz sein, das sich nicht bewegen lasst, in solcher kranckheit hilff zu betrachten Paracelsus 1, 591
Huser; erinnert ihr euch, was wir ... von dem steinigen bauer und seinem dunkeln hofe gesprochen? Gotthelf
ges. schr. 10, 111; aber er erschrickt, wie rauh sein blick, wie steinig seine miene und wie einfarbig hart das ganze gesicht ist Federer
berge u. menschen (1911) 527.