Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
situ
I, B, GB, O, WB, N, Npg, Ph, WH: ‚Sitte, Ge-
wohnheit, Brauch, Ausübung, Maß, Maßgabe,
Weise, Art, Anlage, Verhalten(sweise), Le-
bensweise, Lebenswandel, Sittsamkeit; ars,
conditio, conspersio, consuetudo, habitus, in-
dicium?, indoles, ingenium, inordinatio, ius,
modus, moralitas, mos, motus, ritus, tractum,
usus‘, after situ ‚mit gebräuchlicher Bezeich-
nung; usitato vocabulo‘, ânu situ ‚maßlos‘, zi
demu selbin sitin ‚in gleicher Weise; huius-
modi‘, zi situ habên ‚gewohnt sein, pflegen;
solēre‘, situ wesan ‚dss.‘, situ tragan ‚(jmdm.)
willfahren; (alicui) morem gerere‘ 〈Var.: -d-,
-tt-; -e, -o〉. – Mhd. site st./sw.m. ‚Art und
Weise, wie man lebt, Volksbrauch, Gewohn-
heit‘, frühnhd. sit m. ‚Sitte, Brauch, Benehmen,
Vorgehen, Gewohnheit, Beschaffenheit, An-
stand‘, nhd. Sitte f. ‚auf Tradition und Gewohn-
heit beruhende, in einer bestimmten sozialen
Gruppe, Gemeinschaft übliche und für den ein-
zelnen oft als verbindlich geltende menschliche
Verhaltensform, Verhaltensregel, Gepflogen-
heit, Brauch, zum Bereich der Moral gehörende
Verhaltensregeln und Verhaltensweisen mit un-
terschiedlichem Klassencharakter‘.
Das m. Genus hält sich bis zum Ende des
Mhd. weitgehend, erste fem. Belege stammen
im Obd. aus dem 13. Jh.; danach, bis ins 17. Jh.,
setzt sich immer mehr das Fem. durch. Schar-
nierform für den Übergang war wohl die meist
im Pl. erfolgte Verwendung des Worts: sit(t)en.
In obd. Dial. hielt sich das m. Genus teilweise
noch bis mindestens ins 19. Jh.; vgl. schweiz.
sitte f. neben ält. sit(t) m. ‚Sitte, Brauch, Ge-
wohnheit‘, bair. sitt(en) m. ‚Sitte, Brauch‘, ti-
rol. sitt m. ‚Sitte, Gebärde, äußeres Betragen‘,
akk.sg. den sitten ‚die Art‘. Im Mndd. treten f.
Formen später als im Obd. auf.