schwärze ,
f. nigror, atramentum. ahd. sind zwei bildungen bezeugt, suarzî,
nigredo, ferrugo und suerza,
dat. sing. suerzo,
melanteria, ferrugo Graff 6, 900,
die erstere die gewöhnliche art der substantivbildungen zu adjectiven darstellend, die letztere eine ableitung mit -jâ (-jô),
die vielleicht auf späterer umformung beruht, vgl. Wilmanns
gramm. 2, § 203
anm., vielleicht aber als eine bildung zum verbum swerzen (
*swartjan)
aufzufassen ist. vgl. Wilmanns
gramm. 2, § 168,
wonach sie eigentlich die unter 2
erwähnte bedeutung hat (
die glosse melanteria zeigt sie unzweifelhaft in diesem sinne).
möglich wäre auszerdem noch eine verbale bildung auf -în,
die aber nicht bezeugt ist (
s. 3).
die mhd. entsprechung der ahd. formen ist swerze,
das neben der regelmäszigen starken flexion gelegentlich auch schwache formen zeigt, vielleicht nur zufällig blosz in der anwendung im sinne von 2 (
s. dies a).
in heutigen mundarten hat sich die schwache flexion noch erhalten, bair. schwerzen
neben schwerz. Schmeller
2 2, 649.
das nhd. schwärze
wird von fast allen lexicographen gebucht. Maaler
schreibt schwertze 367
b, Hulsius schwärtze (1616) 292
a,
ebenso Corvinus
fons lat. 1 (1660), 74
b. 75
b. 431
b, Kramer
dict. 2 (1702), 702
b, Steinbach 2, 536. Stieler
gibt die heutige schreibung 1956,
ebenso Frisch 2, 243
a, Adelung
und Campe. Dasypodius
bietet schwartze,
pulligo, eine form deren umlautlosigkeit wol auf anlehnung an das frühnhd. noch häufigere schwarzen,
schwarz sein (
s. dies unter schwärzen)
beruht, so dasz sie eigentlich nur im sinne von 1 (
s. unten)
gebraucht sein könnte. in der folgenden stelle liegt sie vielleicht gleichfalls vor, doch läszt sich schwartz
auch als n. auffassen: wiewol er nicht dörfft dieser kleider, dann er ist vor schwartz heszlich leider. Fischart 1, 4, 46
Kurz. dem hd. schwärze
entspricht mnd. swerte Schiller - Lübben 4, 493
b,
nnd. swärte, swätte Woeste 265
a. 11)
als bezeichnung eines zustands, so in allen oben genannten nhd. wörterbüchern angeführt. 1@aa)
im sinne von schwarz I, 1,
dunkelheit. 1@a@aα)
nach a, nachtschwärze,
color noctis Stieler 1956, wolkenschwärze,
obscuritas nubium. ebenda, schwärze des himmels: ihre (
der wolken) schwärze hätte unerträglich von dem schnee abstechen müssen, ... dämpfte nicht ihr wiederschein den weiszen glanz. Ludwig (1891) 1, 358; und dahin steht der Jupiter — doch jetzt deckt ihn dîe schwärze des gewitterhimmels. Schiller
Wallensteins tod 5, 3.
aber auch ohne zusatz so: es ist eine rechte schwärze,
finsterer himmel, dunkle luft Adelung;
vom dunkel der nacht: die legen alle jr synne, wenn der wachter verkündt den tag, das sie dann unvermeldt durch das hag komen jnn der schwärtze hin.
altd. gedichte 9, 11
Keller. im rotwelschen ist das wort der allgemeine ausdruck für '
nacht', schwerz.
liber vagatorum. Weim. jahrb. 4, 100, schwärze Avé-Lallemant 4, 606: es sind vor zwo schwärzen (nächten) drei vornehme kummerer (kaufleute) hierdurch auf schönen klebs (pferden) nach Mainz geschwänzt (gereist). Arnim
novellen 5, 151; gute schwärze. 152; eine gute schwärze (nacht), versetzte der andre, es schlunt (schläft) noch alles im schöcherbeth (wirthshaus). Eichendorff (1864) 3, 398. 1@a@bβ)
nach c: keine kerze erhelle jener kammer schwärze. Immermann 13, 257
Boxberger. 1@bb)
im sinne von 2,
schwarze färbung. 1@b@aα)
nach d, von menschen, mit bezug auf leibesbeschaffenheit, morenschwärze Stieler 1956: aber alles disz ist nicht die ursache der schwärtze an den mohren. Lohenstein
Armin. 2, 1025
b; nu wænt manc ungewisser man daʒ mich ir (
der mohria Belakane) swerze jagte dane. Wolfram
Parz. 91, 5; sehzig juncherren balt in ir swerze wolgestalt. Heinrich v. Neustadt
Apollon. 13938.
verfärbung in folge von krankheit meinend: nu aber ist jr gestalt so tunckel fur schwertze, das man sie auff den gassen nicht kennet.
klagel. Jerem. 4, 8. 1@b@bβ)
nach f, von thieren: unz sich daʒ gefider (
der jungen raben) ferwet nach der swerz als rappen an erbet.
liedersaal 3, 290, 54
Laszberg. 1@b@gγ)
nach g, von körpertheilen; so von der haut, verfärbung durch die sonne meinend (
vgl.sonnenschwärze,
nigrido a sole Stieler 1956): die haut offt damit (
mit lilienwasser) gewasschen, und leinen tüchlein darinnen genetzet, benimmet die gelbe flecken und masen auch schwärtze von der sonnen. Tabernaemontanus (1664) 1028 E,
mit bezug auf verfärbung durch schläge, stösze: swert klanch und lanzen krachesvon geschoʒʒe und von slingen vil quatschiure der wart sîn lûter vel nu vêch geverwet mit swerze und ouch mit rœte.
jüng. Tit. 2723, 4. die schwärtze der haar,
negrezza di capegli Kramer
diction. 2 (1702), 702
b: eine kleine unscheinbare figur, krauszes haar von einer unangenehmen schwärze, eine plattgedrückte nase und eine geschwollene oberlippe .. gaben seinem anblick eine widrigkeit, welche alle weiber von ihm zurückscheuchte. Schiller 4, 65; wenn Elga bei der schwärze ihre haare und brauen durch ein hellblaues auge auf eine eigene art reizend ansprach. Grillparzer (1887) 11, 232; zwei augen, die wie narzissen stralen, und wimpern, die raben die schwärze stalen. Rückert
Firdosi 1, 149. 1@b@dδ)
nach h: die schwärtze einer bluhme betrachten,
floris nigrorem considerare Steinbach 2, 536.
vom holze: sein (
des myrthenbaums) holz neigt sich ain klain von der grüen zuo ainer swerz. Megenberg 332, 4. 1@b@eε)
nach i, die schwärtze der kohlen,
carbonum nigredo Steinbach 2, 536, der dinte: die dinte hat keine gute schwärze. Adelung,
von kleidern: ihrer kleider nette schwärtze zeigt mir ein vergnügtes licht. Günther
bei Steinbach 2, 536. 1@b@zζ)
technisch als bezeichnung einer krankheit des hopfens, wobei er schwarz wird. Jacobsson 7, 287
b. Nemnich 2, 184.
vgl. δ. 1@cc)
im sinne von II, 1,
auf unsinnliches bezogen. 1@c@aα)
allgemein, wie '
dunkle seite'
im gegensatz zu glanz, '
lichtseite': laszt uns also richtiger und ruhiger die schwärze wie den glanz des kriegs ins auge fassen. J. Paul
friedenpred. 2. 1@c@bβ)
nach 1,
b, '
hoher grad von abscheulichkeit, verruchtheit' Adelung: da er oft doch weniger schwärze an sich fand als er schilderte: so setzt' er voraus, der andere finde dann sogar noch weniger als er selber. J. Paul
Titan 3, 179; ihr schmäht Marien, meinen kleinen werth durch ihre schwärze glänzender zu machen? Wieland
suppl. 4, 247. schwärze des lasters, seiner seele, dieser that. Adelung
und ähnliches: sich selbst hört er nicht an, gläubt was ein heuchler spricht, dem schein und schwanen - schnee der seelen schwärtze schmücken. Günther 517; mein äuszeres wär ihrer (
der seele) schwärze bild, prägt ich nicht die verräther des gewissens mühsam mit eiserner beharrlichkeit zu ihren gegentheilen um. Ludwig (1891) 3, 181.
nach γ überleitend: (
ich) scheue nichts so sehr, als dieses argwohns schwärze, dasz blinder eigennutz der liebe zunder sey. Günther 627. 1@c@gγ)
nach c, '
hoher grad von traurigkeit' Adelung: die schwärze dieses grams.
ebenda. 1@dd)
zwischen 1
und 2
vermitteln dichterische fügungen, die sich formell an 1
anlehnen, aber dem sinne nach der folgenden anwendung nahe kommen: tauch' in die schwärze der fluth den durstenden schnabel bedächtig (
dinte und feder sind gemeint). Rückert (1882) 12, 343; die fruchtbare schwärze des erdreichs läuft von der mitte spröd' in bläulichen kiesz gegen die enden hinaus. 344. 22)
etwas schwarzes, schwarzer körper, farbstoff, eine anwendung, die sich unmittelbar an 1
anschlieszt, wie tiefe
sowol '
tiefsein'
als '
etwas, was tief ist'
bedeuten kann. hinzu kommt aber augenscheinlich eine auffassung des worts als '
färbemittel, mittel zum schwärzen',
die es als eine bildung zu schwärzen
erscheinen läszt. vielleicht liegt schon in ahd. suerza
eine entsprechende verbale ableitung vor. s. das formale. glossiert wird schwärze
in solcher anwendung melanteria Graff 6, 900,
fucalium, fuscalium Dief. 132
c,
atramentum Maaler 367
b. Corvinus 75
a. Steinbach 2, 536. Frisch 2, 243
c.
auch Adelung
und Campe
verzeichnen es in diesem sinne. 2@aa)
allgemein: welhes augen vil swerzen habent, der ist vörhtig. Megenberg 43, 24,
besonders in gewerklicher anwendung, beutlerschwärze,
atramentum sacculariorum, kürschnerschwärze,
pellionum, hüterschwärze,
pileonum, schusterschwärze,
atramentum sutorium, druckerschwärze,
typographicum Stieler 1956: wo man ein dûch vindet, daʒ geswerzit ist mit swerzin.
quelle von 1355
bei Lexer
mhd. handwb. 2, 1368; am meisten mühe machte die schwärze, die der meister (
der drucker) nicht recht zu bereiten verstand. Ernestine Voss
bei Sauer
Göttinger dichterbund 1, cxxii; der hausfreund .. will's lieber aufrichtig gestehen, dasz er den kalender nicht selber druckt, sondern durch fremde leute fertigen läszt, und musz hübsches stück geld ausgeben alle jahre für papier, für ein schwärze, für ziegelmehl zu den rothen feiertagen und sabbathern. Hebel 2, 169; balde dar nâch diu katze gât eins nahtes in dem merzen und viel in eine swerzen.
Reinhart 365, 2010. mit schwärtze anstreichen,
tignere indurre di color nero Kramer
dict. 2 (1702), 702
b.
der bei den schuhmachern übliche ausdruck schuhe, stiefeln in die schwärze bringen,
den absatz und den rand der sohle anschwärzen. Jacobsson 4, 81
wird von Campe
hierher gestellt. er könnte aber auch nach 1
gehören. nach Wander 4, 427
begegnet bei Schuppius einen in die schwärze bringen
in übertragenem sinne, wie '
in die tinte bringen'. 2@bb)
im bergbau eine schwarze, milde, ruszige bergart, die bisweilen silber hält. Jacobsson 4, 81
a. 2@cc)
rotwelsch im sinne von '
tinte'. Avé-Lallemant 4, 606. 2@dd) die schwärtze, die einem vom geldzehlen an händen bleibt,
collybus. Corvinus
fons latinit. 1 (1660), 163
b.
vergl.schwarz I, 3. 2@ee)
eine freiere unsinnliche anwendung zeigt vielleicht Stielers
zusammensetzung ehrenschwärze,
macula honoris 1956,
die aber auch von 1
aus erklärt werden kann. 33)
denkbar ist auch eine verwendung des worts im gleichen sinne wie schwärzung (
vergl. das formale).
doch ist sie nicht belegt.