schmälen,
verb. verringern, herabsetzen, schelten. ableitung zu schmal,
also eigentlich '
schmal, gering machen'.
eine auf das deutsche beschränkte bildung. mhd. smeln,
schmal machen, schmälern Lexer
handwb. 2, 1006;
daneben die intransitive bildung smaln,
schmal sein oder werden 1001,
der ags. smalian,
schmal, schlank werden Bosworth-Toller 887
a entspricht. jetzt begegnet das intransitive schmalen,
schmächtig werden, noch vereinzelt mundartlich, s. Bühler
Davos 1, 152.
mnd. smalen, smelen
Schiller-Lübben 4, 257
b,
holl. stets ohne umlaut smalen.
dagegen herscht im hd. bei dem transitiven verb. durchaus die umgelautete form; schmalen
begegnet ganz vereinzelt: der jung sagt: was hast schmalens drab an der red, so ich triben hab. Wickram
irr reitend bilger 30
b. schmalen, schmalern
in der gaunersprache, s. Avé-Lallemant 4, 601 (
vgl. unter 2).
sehr häufig begegnet in neuerer zeit die schreibung schmählen
in falscher volksetymologischer anlehnung an schmähen,
dem die heutige bedeutung ja sehr nahe steht (
s. 3).
so ausdrücklich angegeben bei Adelung.
dasz diese erklärung falsch ist, zeigt die ältere sprache, vergl. unten und Andresen
volksetymol.4 255.
die richtige etymologie indes schon bei Wachter 1439
f., s. ferner Kluge
5 329
a. Weigand 2, 599.
in neuern mundarten sehr verbreitet ohne abweichungen der form oder bedeutung, s. 3.
nur bairisch findet sich neben schmälen, schmaln, schmallen
ein ablautendes verb schmellen,
part. geschmollen,
das an ags. smellan, smillan,
altn. smella
erinnert, indes doch wol nur einer falschen analogie, etwa mit bellen,
seine entstehung verdankt, s. Schm. 2, 548
f. bedeutung. 11) schmal
machen: smalen, smallen, smaleren,
extenuare, coarctare, contrahere, minuere, diminuere, imminuere Kilian; ich schmäle,
attenuo, diminuo. den weeg schmälen,
viam attenuare Steinbach 2, 459.
diese bedeutung ist fast nur der ältern sprache geläufig; sie ist mhd. die gewöhnliche, mnd. dagegen nur vereinzelt; in nhd. zeit ist sie ganz erloschen und auf das intensivum schmälern
übergegangen, s. das.: die christen begunden schmelen der haiden schar.
quelle bei Schm. 2, 548; understunde
auch unser herre der römisch könig
etc. das heilige römische riche oder einche sine zugehörunge zu smeelen (
minorare) abezubrechen oder dem ryche zu entfrembden.
quelle vom jahre 1399
bei Haltaus 1638; weso dene dyckwech smalet, so gheve he to frethe eyn pondt en makene weder. Richthofen
s. 364, § 8; so wer die marck schmelet, so dick alss er das thut, .. so dick habe er 5 marck verbrochen. Grimm
weisth. 1, 584; so wart des roemschen richs macht sere gesmeelt ind verminret.
d. städtechron. 14, 641, 5; sîn andâht mag ein iegelîch man .. smalen oder breiten, kürzen oder lengen.
Tristan 17070; das wir die cristen breiten und die heidenschafft smelen. Reinbot v. Turn
d. heil. Georg 324; si wart ouch sa berespet, daʒ si ir opper smelte.
Elisabeth 3051.
vgl. ostfries. smallen,
schmal machen, die breite nehmen ten Doornkaat Koolman 3, 223
b. 22)
davon übertragen: einen als geringer ansehen oder behandeln, herabsetzen, heruntermachen, mit verschiedenen nuancen: smalen op iemanden,
detrahere alicui, derogare Kilian; dat gy an myne gelimpe unde eren ... hebben gesmelet und noch ytzunder smelen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 257
b; ehre und reputation to rugge setten edder schmalen.
ebenda; bairisch schmälen,
eine person oder sache als gering darstellen, herabsetzen Schm. 2, 548;
in der gaunersprache schmalern, schmalen,
verkleinern, übelreden, verraten, aussagen, stottern Avé-Lallemant 4, 601. 33)
in abgeschwächter bedeutung ist dies die gewöhnliche verwendung in der neuern sprache, wo schmälen
etwa synonym mit schelten
oder zanken
steht, nur milder als diese; zuweilen stärker, wobei oft anlehnung an schmähen
eintritt, s. oben: schmälen,
contract. ex schmähelen,
objurgare, increpare, carpere, rodere, vellicare, exprobrare, culpare, coarguere Stieler 1861; schmälen,
idem ac: schmähen, lästern;
praes. ich schmäle,
conviciis proscindo. er schmält,
linguae intemperantia furit Steinbach 2, 459; schmählen, '
seinen unwillen durch worte an den tag legen' Adelung.
dies ist auch mnd. bereits die gewöhnliche bedeutung, s. Schiller - Lübben 4, 257
b und oben 2.
ebenso in neuern mundarten: Hunziker 225, (schmäle) Seiler 257
a. Schmidt 195. Spiesz 218. Sartorius 109. Hertel 40.
seltener nd. (
osnabrückisch): up eenen smelen,
auch smeilen
gesprochen, auf einen losziehen Strodtmann 217.
in Hinterpommern schmêle,
schimpfen, schelten nd. korrespondenzbl. 13, 85. 3@aa)
ohne weitern zusatz: indem ich nun diesem seinen schmelen zuhörete und mich doch nichts daran kehrte.
Simpl. 2, 54, 30
Kurz; sie dürfen mir kein wurmloch ins holz kommen lassen, oder ich schmäle. Möser
patr. phant. 1, 133; ich wollte schmählen. Thümmel
reise 6, 121; stille doch, Guntel, Walter schmählt, der schulmeister kann nicht erzählen. Fr. Müller 1, 301; schmäl du so lang du wilst. was ich weis, weis ich. Schiller
kab. u. liebe 1, 2; er wagt es doch! — dort schwimmt er! — thut es doch und läszt mich schmälen hier nach herzenslust. Grillparzer
4 4, 51 (
Argonauten 1).
besonders von frauenzimmern: die baroninn. in meinem hause darf niemand schmälen, als ich. Gotter 3, 165; das fromme weib, das nie geschmählt ... wo trift man die? — vielleicht im mond. Lessing 1, 81; und unsrer gebieterin ist zum schmählen der anlasz benommen. Wieland 4, 112 (
Am. 5, 12); darob sein weibchen trefflich schmählt. Hölty 20
Halm; da (
in der ehe) kann man befehlen, hat mägde, darf schmählen.
d. junge Göthe 1, 100; und da begreift sie nicht, warum die mutter schmählt. Göthe 7, 47; wie konnt' ich sonst so tapfer schmählen, wenn thät ein armes mägdlein fehlen! 12, 188; allein kaum hatte sie verspürt, dasz sie vergebens schmählte, und er dabey ganz ungerührt die fensterscheiben zählte. Blumauer
Aeneis 1, 163; und beschrieben hat er mir meine tante, donna Rosa, wie sie leibt und lebt, und — schmält. Müllner
schuld 2, 3.
von männern, besonders herren, auch predigern: ach! rief das volk: unser voriger herzog .. schmälte so sanft. Möser
verm. schr. 2, 91; und mir gefällt er (
Othello) so, dasz selbst sein harter sinn, sein ernst, sein schmälen ... mir süsz und lieb ist. Herder 25, 285
Suphan; laszt unsre herzen, schlauen herren gleich, zu rascher that aufwiegeln ihre diener, und dann zum scheine schmählen.
Shakespeare Jul. Cäsar 2, 1; lasz die cantzeln schmählen! Günther 918.
in Nassau sagt man auch: das herrgottchen schmält,
wenn es donnert Kehrein 1, 355. 3@bb)
die nach der ursprünglichen bedeutung zu erwartende construction ist einen schmälen: du schmälst mich, und eigentlich bist du selbst ausgelassen. Ludwig 2, 550; und will mich dennoch der und jener schmälen, dasz ich sein feineres gefühl beleidigt. Uhland
ged. (1864) 444;
anders gewendet mit angabe der wirkung: lord Warwick findet ihn, schmählt ihn hieher.
Shakesp. Heinrich IV 2.
theil 4, 4.
indes sagt man gewöhnlicher auf einen schmälen: man soll auf die todte nicht schmälen,
fama sepulti laceranda non est Stieler 1861; ich will gern auf mich schmälen lassen,
vituperationem libenter subibo. ebenda; er schmält auf dich,
maledicta in te confert; er hat grausam auf dich geschmält,
plaustra convitiorum in te effudit Steinbach 2, 459. Kilian,
s. unter 2; se hebben ok ser up de Bremers geschmalet.
qu. bei Schiller-Lübben 4, 257
b; mithin geriethe er (
der prediger) zugleich auf die obrigkeiten und eltern, auf welche er gewaltig zu schmählen wuste.
Simpl. (1684) 3, 861; der könig sprach zu seinen bey sich habenden soldaten im grimm: was hat dieser kerl vor ursach auff mich zu schmälen? Olearius
pers. baumg. 2, 17; als neulich, da einmal dein vater auf ihn schmälte, weil ihm ein zickelchen von seiner heerde fehlte. Rost
gelernte liebe A 6
b; dann plagt ein mürrischer pedant dein köpfchen mit latein, so sehr mamachen auf ihn schmählt, bis in die nacht hinein. Hölty 122
Halm. daneben mit einem schmälen: wie stark der lohn ist, den ich meiner köchin gebe, und ob ich kürzlich mit ihr geschmählt habe. Knigge
umg. mit menschen 1, 103; andere leute haben dazu (
zum beruhigen der kinder) freylich andere mittel: einige haben kinderklappern .. andere schmälen mit den kindern, und schelten sie. Salzmann
Conrad Kiefer 34; der dichter .. hat sein theil schmerzen getragen, schmäle daher nicht mit ihm, dasz er auch die freunde zur theilnahme auffordert. Bettine
briefe 2, 155. 3@cc) auf etwas schmälen: er schmält auf den ledigen stand,
coelibi vitae intonat Stieler 1861; auf eines tuhn und laszen schmälen,
sugillare mores alicujus. ebenda; als der alte fortfuhr, auf ihre leichtfertigkeit und liederlichkeit zu schmählen. Göthe 18, 177; du lehrst, dasz lieben tändeln sey, blikst von des alters winterwolkenthrone und schmälest auf den goldnen may. Schiller 1, 248; verzeihe mir den schimpf, hochwohlgeborne nympf'! das ich auf deine gab' vorher geschmälet hab'. Raimund 1, 10.
etwas verschieden ist davon über etwas schmälen,
wobei der anlasz des unwillens angegeben wird: sein kostherr zu Cölln pflegte jmmerhin stockfisch zuspeisen, warüber etliche studenten schmelen wolten.
Simpl. schriften 4, 221, 19
Kurz; wie so zärtlich sie über meine schreiberey schmählte. Thümmel
reise 2, 183; nun fing die mutter an, über das stete lesen zu schmälen. Göthe 19, 268. 3@dd)
mit abhängigem satze: willkommen, werthesten gäste. sie werden geschmält haben, dasz der hausvater so lang auf sich warten lies. Schiller
Fiesko 4, 3
bühnenbearbeitung; auch Barbara's vater kam. er schmälte, dasz ich sie schon drei tage nicht besucht. Grillparzer
4 11, 284; du hast wohl oft geschmählt, dasz ich die kleider, mit denen du so reichlich mich beschenkst, so selten trage. 3, 195 (
Sappho 3, 5). 3@ee)
mit folgender rede: ihr bruder, der ein autor war, sah sie am spiegel stehn und schmählte. 'habt ihr euch noch nicht satt gesehn'
u. s. w. Gellert 1, 215; doch schmälet Zeus, und diesz ist wahr, dasz sie (
Junos pfauen) abscheulich schreien. Bürger 27
b.
vergl. auch: sie schmelen und sagen wofür sie angesehen würden, dasz ihnen sauer bier für gesatzt würde. Schoch
stud.-com. G 7
b. 44) schmälen
wird, besonders in der jägersprache, vom laute gewisser thiere gebraucht, so von dem schreien der rehe, wenn sie plötzlich erschreckt werden Behlen 5, 505; schmählen, schrecken, oder melden, heiszet es, wenn der rehebock sich hören lässet. dieser machet ein starkes getösz mit einem heiszern bü; bäbä, bä, bä, bäbäbäbäch, bäbä. Heppe
wohlred. jäger 264
a,
vgl. Jacobsson 3, 48
b; wenn ein rehe, es sey ein bock oder eine riecke, schleunig was vernimmt .. so fängt es starck an zu schmehlen (schreyen) dasz man es gar weit hören kan, ziehet immer von ferne herum und schmehlet. Döbel 1, 28
b; sonst läszt auch der hirsch und das thier, wenn sie einen menschen oder sonst etwas auffallendes gewahr werden, einen kläffenden abgebrochenen laut hören den man schmälen nennt. v. Thüngen
waidmanns pract. 9; jüngst stand ich unter den föhren am see, meinen büchsenspanner zur seite. vom hange schmählte das brünstige reh und strich durch des aufschlags breite. A. v. Droste-Hülshoff 1, 313.
vom schlage der wachtel: nur die wachtel, die sonst immer frühe schmälend weckt den tag, schlägt dem überwachten schimmer jetzt noch einen weckeschlag. Uhland
ged. (1864) 52. 55)
gänzlich hiervon zu trennen ist ein wort, das im nd., besonders in den nördlichen küstengegenden vorkommt, und '
schwälen, schmauchen, langsam und qualmend brennen'
bedeutet; die formen sind: smelen
brem. wb. 4, 860, smälen, smelen, smölen ten Doornkaat Koolman 3, 223,
vergl. Stürenburg 225
b, sml'n Danneil 198
b ('
wird gebraucht 1.
vom starken staube, der sich bei groszer dürre beim gehen, fahren etc. auf den feldwegen erhebt; 2.
vom starken thau und nebel, der sich erhebt oder niederfällt, von feinem staubregen; 3.
vom feuer, das nicht ordentlich brennt, sondern nur viel rauch entwickelt'), smäulen Mi 81
b.
das wort ist demnach wol mit ȫ
bez. äu
anzusetzen und zu schmauchen
u. s. w. zu stellen. es begegnet auch holländ. als smeulen '
glimmen',
vgl. Franck 907;
ferner saterl. als smäle,
wang. als sml,
s. ten Doornkaat Koolman
a. a. o. weiter gehört vielleicht dazu vlä
m. smoel '
schwül'
und engl. smoulder,
vgl. Skeat 567.