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schleudern

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schleudern verb.

Bd. 15, Sp. 654
schleudern, verb. dasz die beiden hauptbedeutungen wahrscheinlich als zwei ganz verschiedene wörter anzusetzen sind, ist bereits unter schlaudern erwähnt (s. sp. 511), das in beiden verwendungen daneben erscheint. da indes das zweite schleudern als einfaches verb. jetzt nur noch wenig in gebrauch ist, und vom sprachgefühle nicht mehr als verschieden empfunden wird, so ist die scheidung nicht überall reinlich durchzuführen. II. mit der schleuder werfen; ableitung zu schleuder, s. dieses. die älteste form ist auch hier schlaudern ohne umlaut (bez. schlûdern, slaudern), die noch im 16. jahrh. ganz gewöhnlich ist und in intransitivem sinne noch bei Göthe vorkommt, vgl. a. a. o. und Weigand 2, 589. zu den belegen wäre aus dem 17. jahrh. nachzutragen: weszwegen er dann keine gelegenheit vorüber lauffen liesz, seinem herrn, der ohn das sein geld so unnützlich hinausz schlauderte, abzuzwacken, was er konte. Simpl. 2, 151, 14. noch Stieler 1817 führt schlaudern, schleudern und schlautern als gleichberechtigt neben einander an, indem er die bedeutungen I und II nicht trennt, und so auch in den zusammensetzungen abschlaudern, saxa funda librare, und anschlaudern, neben aus-, durch-, zerschleudern. die schreibweise äu haben Steinbach 2, 439 und Frisch 2, 193c. schleudern steht schon bei Luther fest. im 18. jahrh. findet sich auch schleidern, so bei Lessing (vgl. unten 2): er (Quintus) läszt also zwar auch die götter grosze felsenstücke, die sie von dem Ida abreiszen, gegeneinander schleidern. Lessing 6, 453; wen meine flügel mit in die luft schleidern, der hat es sich selbst zuzuschreiben. 8, 200; dieses gestus der auszuschleidernden fackel, als sinnbild des nahenden todes, habe ich mich immer erinnert. 235; vereinzelt auch bei Herder: menschen, die Jupiters blitz mit unverletzbarem arm schleiderten. 16, 139 Suphan; die himmelstürmenden riesen wurden unter den Aetna geschleidert. 27, 24. in mundarten ist das wort wenig eingedrungen; von abweichenden formen sind bezeugt: thüringisch (salzungisch) schlūider (subst. und verb.) Hertel 40, niederd. slren Schambach 196b (als I und II). I@11) im ursprünglichen sinne für älteres schlenkern, vergl.: schleuderen, schlenkeren, mittere lapides in aerem Schottel 1401; funda saxa librare, lapides funditus excutere Apin 486; ich schläudere, fundito, funda libro; kugeln schläudern, globos funda excutere Steinbach 2, 439; funda librare saxa, mit der schläuder werfen Frisch 2, 193c; und David thet seine hand in die tasschen, und nam einen stein daraus, und schleudert, und traff den philister an seine stirn. 1 Sam. 17, 49; bis David, ein unterwachsener bissiger junge, plötzlich dem unfug ein ende machte und dem riesen aus seiner schleuder, die er trefflich führte, eine grosze roszkastanie an die stirne schleuderte. Keller 1, 107. bildlich: aber die seele deiner feinde wird geschleudert werden mit der schleuder. 1 Sam. 25, 29. I@22) gewöhnlich bedeutet schleudern überhaupt etwas mit schwung und kraftaufwand werfen, besonders geschosse: während euer ehrwürden den ungeheuern des oceans wurfspiesze entgegen schleudern. Thümmel reise 9, 131; ohne auf die brauchbarkeit des messers zu sehn ... schleuderte ich es mit der linken, wie ich es hielt, gewaltsam nach dem flusse hin. Göthe 26, 178; (er) schleuderte eine kuhpfote nach ihm. Becker weltgesch. 1, 313; das geschütz an den windmühlen, das ein so mörderisches feuer auf die Schweden geschleudert hatte, fällt in seine (Bernhards von Weimar) hand. Schiller 8, 290; wenn, von mutterhand geschleudert, die gurgel unsers feindes er (der pfeil) zerreiszt. Fr. Müller 2, 276; mit diesen worten schleudert er den schaft, der ohne klang der schwachen hand enteilet. Schiller 6, 373 (zerstör. Trojas 96); im bilde: blindwüthend schleudert selbst der gott der freude den pechkranz in das brennende gebäude! 12, 155 (Piccolomini 3, 9); intransitiv, mit etwas schleudern: mit den trümmern schleudernd rasen. Ludwig 1, 17. Jupiter schleudert den blitz als sein geschosz: sie sind immer wie ein Jupiter, der stets den blitz in der hand trägt, ohne zu bedenken, dasz er in der hitze, womit er ihn schleudert, auch einen unschuldigen treffen könne. Weisze bei Campe; Minerva und Juno schleidern bey den römischen dichtern öfters den blitz. Lessing 6, 431; übertragen: von mönchen mit gezücktem stahl, von priestern, die mit räuberischer faust den donner gottes schleudern. Wieland suppl. 4, 226; hier schleudr' ich oft, ein ächter sohn des Teut, auf das tyrannenvolk das barsch vom thron gebeut .. der wahrheit donner und des spottes blitze. Göckingk 2, 18. den bann(strahl) auf jemand schleudern: hätte man den bannstrahl schleudern können, dieser wäre wirksamer gewesen. Göthe 26, 128; da endlich auch pabst Honorius II. auf die seite seines gegners trat, und den bannstrahl gegen ihn (Konrad von Franken) schleuderte, so entgieng ihm ... die kaiserkrone. Schiller 9, 242; wo ich versuchen soll, den zorn zu sühnen des heilgen vaters, der den bann dir schleudert. Uhland ged. 186 (Konradin). worte schleudern wie geschosse, vgl.: die redner (im englischen parlamente) traten wie homerische helden vor und schleuderten die speere ihrer worte in die feindliche schaar. Grillparzer4 15, 178; seine gegen das englische seerecht geschleuderten drohbriefe und wuthreden. Becker weltg. 14, 28; sein gegen die Bourbons geschleudertes wort: 'sie hätten nichts gelernt u. s. w.' 377. I@33) mit andern objecten, heftig werfen oder stoszen: und mit gewaltgem fuszstosz hinter mich schleudr' ich das schifflein in den schlund der wasser. Schiller Tell 4, 1; auf der parade will ich ihn (den brief) als von ongefehr, mit dem schnupftuch herausschleudern? kab. u. liebe 3, 2; wie wird mir das herz so grosz, wenn der morgenwind die geflügelten schatten (der wolken) bald über berge schleudert, bald in glanzteiche, bald in gebückte saaten! J. Paul Hesp. 3, 216. kegel schleudern, schieben: laszt uns schleudern, laszt uns schieben! Göthe 47, 266. bildlich: noch einmal fuhr ich den alten Guelfo an, schleuderte die last des künftigen schicksals seines hauses in sein gewissen, wenn er mich nicht hörte. Klinger 1, 57; alle phantome verschwinden, die der träumer in meine heisze phantasie geschleudert hat. 2, 390; von lebenden wesen: wenn er mir itzund begegnete, wolte ich ihn bey der äuszersten zehe seines lincken fuszes ergreiffen, dreymal um den hut schläudern, und darnach in die höhe werffen. A. Gryphius 1, 762; wohin schleudern: das schicksal muszte mich hierher schleudern, dasz ich erführe, wer ich sey. Thümmel reise 6, 327; bildlich: an eine mauer hast du mich geschleudert. Schiller dom Karlos 1, 1; wärt ihr rasend genug, an eine redliche versöhnung zu glauben mit dem dauphin, den ihr selbst an des verderbens rand geschleudert habt? jungfrau von Orl. 2, 2; im abgrund des entsetzens, da ich kaum von jenem sturz, der mich hierher geschleudert, mich mit verstörten sinnen wiederfinde. Göthe 7, 275; so auch: o schande! schande! die den keuschen tag zurük in Hekates umarmung schleudert! Schiller Semele 1; von, aus etwas schleudern: einst günstlinge des glücks, von einem fürstenthron geschleudert, bringen sie das leben kaum davon. Wieland 23, 29 (Oberon 7, 41); bildlich: o gott! nur der gedanke wirft mich von allen meinen tronen, schleudert aus allen meinen welten mich! Schiller dom Karlos 2, 6; ähnlich: aber diesen letzten gedanken .. schleuderte er wie Paulus die schlange sogleich aus seiner seele hinaus. J. Paul Hesp. 2, 73. von sich, zurück schleudern, stoszen: d. a. Moor .. will Franzen an der gurgel fassen, der ihn zurük schleudert. Schiller räuber 2, 2 schauspiel; Moor schleudert sie von sich. 5, 2; so mag des welterlösers barmherzigkeit wie einen bösen wurm, mich von sich schleudern. dom Karlos 2, 3. in iterativem sinne, hin und her werfen, rütteln, schütteln: über die fluthen des meers von mancherlei stürmen geschleudert, heimwärts wollten wir gehn. Voss Odyssee 9, 260; diesen (mast) umschlang ich und trieb, von dem rasenden sturme geschleudert. 14, 313. selten reflexiv: dein überkühner muth, mit dem du dich, als wie an's pferd gewachsen ... durch thal und berg, durch flusz und graben schleuderst. Göthe 9, 276. I@44) in intransitivem sinne, sich hin und her bewegen, schlenkern, besonders mit den armen, vgl. II und schlaudern I, 2: viele leute schleudern mit den händen, wenn sie gehen. Lichtenberg 2, 157; es schleudert und schleift und schleppt nichts an ihm. 3, 209 (vgl. schleppen 5, d, sp. 647); nd. slren, schlendern, langsam und gemächlich gehen, dann auch: etwas gehen lassen, wie es eben gehen will; etwas unbemerkt, ungerügt hingehen lassen (letzteres wol zu II). Schambach 196b. IIII. nachlässig sein, schlecht arbeiten. ein arbeiter schleudert, wenn er seine arbeit nur so oben hin verfertigt. ein kaufmann schleudert, wenn er seine ware unter dem gewöhnlichen preise verkauft, nur um sie los zu werden Adelung; mit seinen waren schleudern oder sie verschleudern ebenda. verschleudern hat also mit dem ersten schleudern eigentlich nichts zu thun, ist aber schon früh vom sprachgefühl dazu gezogen, so bei Wachter 1430, vgl. auch die unter I angeführte stelle aus Simpl. (hinaus schlaudern) und Andresen volksetym.4 245 f., ferner Albrecht 202b. Hügel 139a. — in dieser bedeutung ist schlaudern weitaus die üblichere form, vgl. daselbst II. vielleicht beruht schleudern in diesem sinne überhaupt nur auf einer vermischung beider wörter.ist auch schleuren, trahere Schottel 1401 in diesem sinne zu verstehen, als umsetzung von nd. slüren? vgl. dazu hess. schleur, niederhess. schlür gemächlich Pfister 254.
9665 Zeichen · 149 Sätze

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schleudern

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schleudern , S. Adelung Schläuder u. s. f.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schleudern

    Goethe-Wörterbuch

    schleudern 1 etw rasch durch die Luft fliegen lassen a etw mit starkem Schwung (aus einer Drehbewegung) werfen; öfter vo…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schleudern

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schleudern , das Verkaufen von Waren zu ungewöhnlich niedrigen Preisen ( Schleuderpreisen ). In der Technik heißt S. ein…

  4. modern
    Dialekt
    schleudernschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    schleudern schw. : 1. a. 'in schleudernder Bewegung (weg)werfen', schleid(e)re [mancherorts, Krämer Gal 187], schleirere…

  5. Spezial
    schleudern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schleu|dern I vb.tr. 1 (werfen) trá (tira, trat), sciuré (sciüra) , catapulté (-tëia), smaché (-ca) 2 ‹pop › sgnaché (-c…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schleudern

6 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 5 Ableitungen

schleudern als Zweitglied (1 von 1)

verschleudern

DWB

ver·schleudern

verschleudern , verb. vermittelst einer schnellen bewegung fortwerfen, entfernen. mhd. und mnd. nicht nachgewiesen, geht auf schleudern, mhd…

Ableitungen von schleudern (5 von 5)

Beschleudern

Campe

Beschleudern , v. trs. vermittelst der Schleuder bewerfen; dann überhaupt, schleudernd etwas an eine Sache werfen. Das Beschleudern. Die Bes…

entschleudern

DWB

entschleudern , projicere, jaculari, fortschleudern: wie es nur eines geringen zündkrauts bedarf, um eine gewaltige mine zu entschleudern. G…

erschleudern

DWB

erschleudern , funda exculere, mit der schleuder treffen, erreichen.

verschleudern

DWB

verschleudern , verb. vermittelst einer schnellen bewegung fortwerfen, entfernen. mhd. und mnd. nicht nachgewiesen, geht auf schleudern, mhd…

zerschleudern

DWB

zerschleudern , verb. , auseinander schleudern, verstreuen, verschleudern: Juda were so zurschleudert und zurstOeret wie Israel Luther 20, 5…

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APA
Cotta, M. (2026). „schleudern". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schleudern/dwb?formid=S11494
MLA
Cotta, Marcel. „schleudern". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schleudern/dwb?formid=S11494. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schleudern". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schleudern/dwb?formid=S11494.
BibTeX
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