Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
REITE swv.
1. zählen, rechnen;
2. zurüsten, bereiten. Schmeller 3,155 u. 157 nimmt 2 verschiedene worte an, reiten = zählen mit goth. raþjan, mhd. reden zusammenstellend, reiten = zurüsten aber mit goth. ráids; doch raþjan und reiten liegen lautlich fernab von einander, und füglich können beide bedeutungen aus derselben grundbedeutung erwachsen sein, die = series, ordo war. vgl goth. ráids, garáids gr. διατεταγμένος, ráidjan gr. ὀρθοτομοῦν, garáidjan gr. διατάττειν, garáideins gr. διαταγή, vitôdis garáideins gr. νομοθεσία. vgl. auch antreita ordo, series; antreitôn digerere, disponere. Wackernagel, der ebenfalls zusammengehörigkeit aufstellt, nimmt verwandtschaft an mit ich RÎTE, wohin das wort allerdings lautlich zu gehören scheint, doch ohne dass über die entwicklung der bedeutung ein aufschluss erlangt wird. im goth. fehlt bekanntlich ein stv. goth. reida. vgl. auch Diefenbach goth. wörterb. 2,159 fg.
1. aufzählen, rechnen. unde andre zirde alsô vile, der ih reiten nit ne wile glaube im leseb. 242,23. der reite die sippe von Adames rippe colocz. s. 58,135. got reitet den willen vor die tât Leys. pred. 54,8. du solt ouch reiten die jâr, die mâne, die wochen, die tage und die stunde das. 33,39. der sazte sîne knehte zu rede, die sîn guot under handin hattin. dô man dô begunde reitin, dô wart im einer vür brâht, der solde ime zehen tûsint phunt das. 75,17. swie vil doch der himele sî, ze rehte reitet man ir drî vateruns. 754. von silberîn gürteln geit man nicht lôsung, iedoch czu ainem menschen schol man nuer ain gürtel raiten brünn. stdtr. s. 387,179. dô man raite von Cr. geb. 1300 jâr, Scherz 1260. sus reiten si der tage zal biʒ daʒ si irvullet al unz an den genanten wârn Jerosch. Pf. 29. b. den niht der arbeit verdrôʒ, die man zu tugenden reitet Pass. K. 47,27 (nicht = bereitete, wie der hsgbr. annimmt). doch was ir dâ sô vil, swie gerne ichʒ reitte, ich enkan Gauriel im leseb. 646,16. dô hieʒ er raiten, was er gelobt het: dô wart sîn ainloff hundert march leseb. 839,24. kein man sal bôse silber noch bôse pfenninge in den zuber legen zu geschoʒʒe, he reite iʒ denne nâch sînem were freiburger recht 171. sô mac he fregen eines urteiles, ob man daʒ geschreie icht reiten sulle: so sal man teilen, man sulle iʒ billîch reiten das. 230. und süllen darnâch ir guot raiten, swenn die steurer hinz ir heuser koment münch. stdtr. 461. vgl. das glossar zum urbarbuch s. v. — sô grôʒe bezeichenunge, die niemer gar mîn zunge enkan wol vollen reiten, got enwolle geleiten mînen sin und mîne kunst, erschöpfend aufzählen, erörtern, vateruns. 2894, nicht = bereiten, wie der hsgbr. annimmt. wer dâ wider tæte, dem mögen si eʒ reiten und haben vor einen raub, bei Scherz 2,1291. er lasst im nit versmâhen zu tragen und verslâhen, ab raiten und über zelen Hätzl. 2,43,21. — bezahlen. er muoʒ dem wirte reiten Martina im leseb. 758,5. sîn lôn wirt ime gereitet pf. Kuonr. 3,33.
2. zurüsten, bereiten. wilt du faren zu strîte, sô reite dich bezîte Herbort 4722. vil snelle si sich reiten dô livl. chron. 2486. vgl. das. 2508. sich reitet zuo diu heidenschaft das. 974. nu was dâ nâch vil harte unlanc, daʒ er sich aber ûʒ reite mit grôʒer rîcheite, als der êren gîre tuot Trist. 411. helm und ir bereitschaft reiten die helde werhaft troj. bl. 276, bei Scherz 2,1291. vil schiere reitte er sich dar, alse er solde ûʒ gevarn kaiserchr. im leseb. 205,16.