o !
mit dehnungs-h oh!
interjection der empfindung, entsprechend dem griech. ὦ,
ὤ,
lat. ô,
altslav. a
und o (=
skr. â)
gramm. 3, 288. Scherer
zur gesch.2 412. II.
Gebrauch im gothischen und altdeutschen. I@11) Vulfila
gebraucht ô
für griech. ὦ und οὐᾶ: ô kuni ungalaubjandô (
ὦ γενεὰ ἄπιστος).
Luc. 9, 41.
Marc. 9, 19; ô diupiþa gabeins (
ὠ βάθος πλούτου).
Röm. 11, 33; ô unfrôdans Galateis (
ὦ ἀνόητοι Γαλάται).
Gal. 3, 1; ô sa gatairands þô alh (
οὐᾶ ὁ καταλύων τὸν ναόν, pfui dich, wie fein zubrichestu den tempel Luther).
Marc. 15, 29. I@22)
im ahd. begegnet kein dem goth. ô
entsprechendes ô
oder uo,
sondern nur einmal bei Notker
au (
mit dem sanskr. âu,
altslav. au
zu vergleichen Scherer
a. a. o.): aû wiêo diccho sie ingramdôn in in dero wuôsti (
quotiens exacerbaverunt eum in deserto).
ps. 77, 40;
ferner im 11.
jahrh. einmal proklitisch vor wê: et tot iam ictus et incussiones ferre non sustinens, barbarice clamans: 'au wê! mir mê!' vociferavit. Ekkehard
casus s. Galli bei Pertz monum., script. 2, 98, 40; quisnam ille erat, qui 'auwê' vociferavit. 98, 46 (
bei Goldast 1, 27
a o we, owe
und darnach in gramm. 3, 293).
s.au und auweh th. 1, 598. 1045. —
altfries. proklitisch in o wach, o wopen Richthofen 956
a.
dem ags. alts. altn. fehlt die interjection. I@33)
frühmhd. im 11.
jahrh. nur proklitisch in ô wî, owî (Lachmann
zum Iwein 450. Weinhold
alem. gr. s. 315.
bair. gr. s. 271);
einfaches ô
begegnet erst in den aus dem 12.
jahrh. stammenden Windberger psalmen, die damit wol nur das lat. ô
wiedergeben wollen (
vgl. Lachmann
zum Iwein 349). I@3@aa)
vor dem vocativ: o herro,
o domine! 551 (
ps. 117, 25),
doch steht im lat. der vocativ gewöhnlich ohne o: ó herro,
domine! 143. 631. 641. 646 (
ps. 34, 30. 138, 1. 140, 1. 142, 1); ó got,
deus! 191. 242. 271. 281. 375 (
ps. 43, 1. 53, 2. 59, 1. 62, 1. 78, 1); ó Juda chunich mîn, ó Moab cheʒʒel gedinges mînes,
Juda rex meus, Moab lebes spei meae. 517 (
ps. 107, 10); ó ir rîche dere erde singit gote,
regna terrae cantate deo. 306 (
ps. 67, 36); o ir berge,
montes. 536 (
ps. 113, 6); ó du tohter,
filia. 628 (
ps. 136, 10); lobe, ó fridegesiuni burch, den herren, lobe got dînen, ó du warte. 663 (
ps. 147, 1); lobet ó ir diete liut sînen,
laudate gentes populum ejus. nachtr. zu den Windb. ps. in Haupts zeitschr. 8, 136; o almahtiger herro,
omnipotens deus! gebete zu den Windberger ps. bei Graff 36; o almahtiger
got. 38;
zwischen substantiv und possessiv: got o mî
n. Windberger ps. 60 (
ps. 17, 33). —
auszerdem mhd. in dichtungen geistlichen inhalts: ô Jhesu Christ. Wackernagel
kirchenl. 2, 52, 7 (12.
jh.); ô Mariâ. 2, 66, 3.
minnesinger 2, 255
b (13.
jahrh.); ô hôher und starker .. got! 2, 383
b; ô süeʒiu frowe! S.
Helbling 11, 5;
im 14.
jahrh. schon häufig, z. b.: ô wîp, du hôher êren haft.
minnes. 3, 392
b; ô êwiger got, pis mir niht gram. Wackernagel
kirchenl. 2, 454. 3, 2; ô edel sêle halt dich frî. 466, 1; ô wîselôse wîse .. ô unverstanden wesen. 474, 2; ô süeʒe helferinne. 485, 10
u. oft; md. ô wunneclîcher hêrre!
Elisabeth 4723. I@3@bb)
als ausruf: o wie suoʒʒe goumen mînen gespræhe dîniu,
quam dulcia faucibus meis eloquia tua. Windb. ps. 575 (
ps. 113, 103); wole sprechet ó ó ó dem herren.
nachtr. zu den Windberger ps. in Haupts zeitschr. 8, 137;
sonst mhd. und md. nur selten: o wol dir, welt, o wol dir hiute und iemer mêre wol.
minnes. 2, 357
b; o wie süeʒer smac daʒ ist. Wackernagel
kirchenl. 2, 454. 3, 4; her Brûne schrei 'och unde ô.'
Reinh. 1555 (
im alten Reinh. ohô!); eia, herre got, und ô! Jeroschin 5333. IIII.
Im nhd. ist der gebrauch dieser interjection offenbar unter einflusz und mit nachahmung des lat.-roman. ô
und dessen constructionen sehr umfangreich geworden als an- und ausruf: o vocat, clamat, conqueritur, stupet, dubitat, indignatur, optat (rueffet, schryet, claget, bittet, ersufzet, wundert, zwyfelt, ungnedigt, hoffet).
voc. incip. teut. Dief. 386
a.
vgl. gemma gemm. (1508) r 3
d. Dasyp. (1556) T 6
b. II@11)
als interjection des an- und zurufs. II@1@aa)
vor dem vocativ als ein die anrede verstärkender zuruf (
wie im griech.-lat.),
wofür sich überall belege finden, z. b.: o mensch, geh inn deines hertzen grund. Wackernagel
kirchenl. 2, 931, 8 (15.
jh.); o liebes weib meins, vergisz dich nit.
fastn. sp. 51, 4; o narr, wie tropfst also herfur? 52, 13; o neider, was suchstu? Meisterlin 32, 20; o alrun ich rüff dich
an. Pauli 99
Öst.; o got erbarm dich uber mich. 160; darumb erbarm dich unser, o lieber vater! Luther 1, 327
a; o herr hilf, o herr las wol gelingen.
ps. 118, 25; o du ungleubiges geschlecht.
Marc. 9, 19.
Luc. 9, 41; und er sprach zu inen, o ir thoren und treges hertzen. 24, 25; o lieber herr, was willst du thun? H. Sachs 1, 85, 8; o gut, o böses gut, was kanst du denen geben, die deine folger sind. Opitz (1644) 1, 95; o ewigkeit, o ewigkeit, wer wird dich können messen! Spee
trutzn. 54
B.; o freundliche gelassenheit! .. du kommst zu rechter zeit. Günther 367; o du, der erste der götter! Klopstock
Mess. 6, 521; o du, du theurste der mütter! 7, 496; o mutter, mutter! was mich brennt, das lindert mir kein sakrament. Bürger (1778) 84; o liebe, leih mir den schnellsten deiner flügel. Göthe 12, 124; o kaiser! kaiser! räuber beschützen deine kinder. 8, 151; oh meine tochter! eure liebe macht mich so glücklich. Schiller 3, 66 (
räuber, schausp. 2, 2); o knabe, werde grosz und gut! Stolberg 1, 357; o alpe, grüne alpe! wie ziehts nach dir mich hin! Uhland (1879) 2, 155; o sonn', o meer, o rose! Rückert 1, 270. II@1@bb)
in ähnlicher weise vor einem imperativ, da bei demselben der entsprechende vocativ nur ausgelassen oder dem verb nachgesetzt ist, z. b.: o helft, lieben freunt!
fastn. sp. 50, 10; o schweig du, sprach die seele. Wackernagel
kirchenl. 2, 1294, 5 (16.
jh.); o so frisz an meinen knochen! Günther 120; o! sprich zu meinem wunsch nicht nein! o! halt die arme für mich offen! Haller 162
Hirzel; o! haltet nur ein wenig stille. Lichtwer 177 (4, 23); o fluchet meinem staube nicht. Geszner 1, 115; o pack dich! Lessing 1, 256; o! schweig doch davon. 461; o quäle mich nicht. 10, 274; o kenne mich wieder! Klopstock
Mess. 6, 567; o neig auf meine leier dein allgefällig ohr! Bürger (1778) 73; o höret was wir singen! Göthe 1, 43; o löse meine zweifel! 9, 53 (
Iphig. 3, 1); oh sieh mich nicht an! Klinger
Otto 87, 12
neudr.; oh sauszt um mich, blutige schatten! 82, 16; o trockne diese thräne! Gotter 1, 29; o sei uns hold und nah! Schiller 6, 413; o! lösche deine fackel, tag! 11, 208; o! nimm der stunde wahr, eh sie entschlüpft. 12, 111 (
Piccol. 2, 6); o legt mich nicht in das dunkle grab! Uhland (1879) 1, 43;
elliptisch o stille nur! Lenz
dram. nachlasz 290
Weinh.; o stille, stille! Grabbe 1, 406; o weiter, weiter (
geredet)! 405. II@22)
als interjection des ausrufs der verschiedenartigsten affecte. II@2@aa)
vor andern interjectionen, den ausdruck derselben verstärkend, o je! o jemine! o jerum! (
theil 4
2, 2274. 2304. 2312), o pfui! o weh! o wol! (
vgl. I, 4,
b),
z. b.: es seind einmal drei schneider gewesen, o je! und haben 'n schnecken fürn bären angsehen.o je, o je, o je!
wunderhorn2 2, 682; und, o je! da ich ihn doch einmal rühmen musz. H. Heine 3, 66; o pfui, und pfui, und wieder pfui den elenden! Schiller 1, 269; o wee, ach und wee mir armen weib!
Tristrant 198, 3
Pfaff; o wee des unheils! 117, 19 (
s. weiteres bei weh); o wol der süszen streich! Spee
trutzn. 2
B.; o wol und wol der stunde, so mich zur busz gebracht! 72; o wohl mir, dasz gestorben der treue buhle mein. Uhland (1879) 1, 5.
s. wol. II@2@bb)
vor ausdrücken der bejahung und verneinung und andern interjectionsartig gebrauchten wörtern, die einen ganzen satz ersetzen, z. b.: o doch! Lessing 10, 176. 254; o nicht doch! seid auszer furcht! Schiller 3, 417 (
kabale 2, 6); o freilich! das bekümmert die dort oben! 6, 404; o gut! gut, dasz ihr kommt. 12, 545 (
Wallenst. tod 5, 12); o gewiss! das allerbeste blieb mir nicht verhehlt. Göthe 5, 72; o recht gerne!
Siegwart 1, 31;
E. kann ich hier nachtlager bekommen?
S. o mit vielem vergnügen mein herr! Lenz
dram. nachlasz 248
Weinh.; o ja, o nein! (
theil 4
2, 2190
und oben sp. 591): o ja, o ja! das will ich wol. Uhland
volksl. 274; o ja, erzähl, erzähl von wort zu wort! Göthe 9, 161 (
Tasso 2, 4);
Wagner. zu schauen wie ... .. wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
Faust. o ja, bis an die sterne weit! 12, 38; o ja, gab das schneiderlein zur antwort, die riesen will ich schon bändigen. Grimm
märchen (1843) 1, 132; o nein, es hat ein andern sinn! H. R. Manuel
weinspiel 916; o nein, sondern es geht umbher, wie es mit stank beladen wer. Ringwald
l. w. 322; o nein, das thaten sie nie! Schiller 2, 54 (
räuber, schausp. 1, 3). II@2@cc)
vor wer, was, warum, wie (
vgl. I, 4,
b)
in ausrufungs- und fragesätzen, z. b.: o, wer kan ihre freud .. beschreiben? S.
Dach 284
Öst.; o wer gibt meiner asch ein leichtes häuflein sand! Gryphius
trauersp. 604
Palm; o wer ist ärmer als du? Weise
erzn. 64
neudruck; o was für verzweiflung, wenn er mich nicht erhört! Geszner 4, 131; o was fühl ich! 1, 116. 227; o was entdeckt sich meinem blicke? Drollinger 24; o was ist das vergnügen der freundschaft für eine wollust! Gellert
schwed. gräfin (1763) 116; o was waren das für lange tage für mich! 128; o, was für eines göttlichen ursprungs sind wir! Lessing 1, 136; o, was empört mich mehr?sein undank?seine kälte? Schiller 6, 403; o! was sprech ich nicht alles aus in diesem theuren namen? 12, 104 (
Piccol. 2, 4); o warum musz ich denn ein schlachtopfer meiner feinde werden! Gellert
schwed. gräfin 24; o wie sint ir nuon sô rîch! Wackernagel
kirchenl. 2, 840, 5 (15.
jh.); o wie söll wir armen leut tuon?
Tristrant 50, 8
Pfaff; o wie ein so hartes urteil erteilet ist! 91, 21; o wie schantlich hat sich unser esel den wolf lassen fressen on widerstand. Steinhöwel
Es. 204
Öst.; o wie gut ist da sein, wo miltigkeit regiert! H. Sachs 3, 248, 26; o wie vil königreich seindt durch ihne (
ehrgeiz) verderbt worden! Albertinus
narrenhatz 33; o, wie ist solche fromme fürstin .. so schwach! Philander (1650) 2, 90; o wie bistu so verdrungen, wo ist deine herrligkeit. Opitz (1644) 2, 326; o wie selig ist die stunde! Günther 274; o wie schön, wie ungezwungen! Gellert 1, 316; o wie viele güldne stunden sind mir unbereut verschwunden! Uz 1, 162; o wie wallt mein herz so gern dir zu! Wieland
suppl. 2, 259; o wie schön ist, die ich minne, o wie schön, an seel und leib! Bürger (1778) 63; o wie hat es mich entzückt! Göthe 1, 45; o wie freundlich hat er wort gehalten! 2, 110; o wie sehr drückt die last mich, o wie sehr! Platen 2, 7. II@2@dd)
in optativsätzen vor dasz (
theil 2, 824), wenn
oder vor dem conjunctiv, wie lat. o utinam: o das mein leben deine rechte mit gantzem ernst hielte.
ps. 119, 5; o das wir mit ihnen auf der ehene streitten müszten, was gilts, wir wolten inen angewinnen? 1
kön. 20, 23; o das ich wer vor Troya todt! H. Sachs 2, 161, 25; o dasz ich doch bei euch des todes farben fünde! Haller
über die ewigkeit 8; o dasz ich in der nähe doch ihre farben sähe! Göthe 1, 69; o dasz sie frucht, o dasz sie freude bringe! 9, 150 (
Tasso 2, 2); o dasz der flügel Chronos harrte! Schiller 1, 225. — o, wann nur ich dürfte so erkühnen mich! Logau 2, 3, 82; o! wenn der geizhals nur den greis gesehen hätte. Gellert 1, 153; o wenns nur das mal geräth! Geszner 4, 129; o wenn ich nur einst seine dienste belohnen kann! 130. — o west ich doch, ... warmit man in zuo hilffe kumen möcht!
Tristrant 50, 11
Pfaff; o wölt got, das ich gelaubt het! 67, 18; o hette ich flügel wie die tauben.
ps. 55, 7; o hätte ich meine sünden recht bereuet! .. o hätte ich den armen mehr guts gethan. Philander (1650) 1, 419; o wär ich doch ein raben-kind! Günther 65; o hätt ich niemals dir gefallen! Haller 165
Hirzel; o wäre mirs nur keine schande! Gellert 1, 145; o schlief ich doch von neuem ein! Uz 1, 24; o hättest du ihn da schlummern gesehn. Klopstock
Mess. 2, 80; o weckte dich mein lauter ruf aus deinem grabe wieder! Bürger (1778) 68; o könnte man von seinem tode sprechen! Göthe 9, 48 (
Iphig. 3, 1); o trüg ich doch ein männlich herz in mir! 9, 76 (4, 4); o hätte mans gethan! Schiller 12, 98 (
Piccol. 2, 2); o könnt ich mir die lebende beschwören! Platen 1, 29; o kämest du herab zu mir! Uhland (1879) 2, 8; o dürft ich mir so hellen tod erbitten! Rückert 1, 107. II@2@ee)
auch in unzähligen andern fällen ist o
oder o!
als ausruf verschiedenartiger empfindung einem satze vorangestellt, z. b.: o das wer mir ein rechtes weib!
fastn. sp. 73, 7; o das ist ein schweer ding. Luther 3, 202
b; o, sollichs weisz ich selber wol. H. Sachs 1, 58, 4; o, es hat vil ein andre gstalt, als du .. weist davon. Ayrer 152, 20; o weicht die sonne nicht? Gryphius
trauersp. 781
Palm; o, glücke thut es nicht! Logau 2, 3, 91! o! .. was hilft dich das? Stoppe
neue fabeln 1, 2; o so schlag ich alle grillen ihrer lästrung in den wind. Günther 240; o das ist ein buch! Lichtwer 179 (4, 25); o soll mein herz nicht um dich weinen? Haller 159
Hirzel; o es kömmt, es kömmt die zeit, die zur lust uns träge macht. Uz 1, 31; o so bauten wir hier hütten der freundschaft uns! Klopstock 1, 72; o! ihr werdet mir einen gefallen thun, wenn. Lessing 1, 458; worüber lachst du denn? o über nichts. 161; o diesz will ich von dir flehen. Geszner 1, 243; o ich kann nicht, ich kann nicht fliehen! 245; o! werd ich in den dunkeln gründen .. nicht einen von euch wiedersehn? Gotter 1, 11; o sie ist werth zu sein geliebt! Göthe 1, 85; o es schläft alles, alles! 8, 152; o! das deutete der traum, den ich hatte. 126; o ich schäme mich nicht dieser .. neigung. 17, 187; o ich würde rasend werden, wenn. 16, 102; o! sie hat juwelen und eine krone. 136; oh ich musz, ich will enden. Klinger
Otto 82, 5
neudruck; o mir friszts am herzen. 85, 14; o da thun sie ein werk der barmherzigkeit. Lenz
dram. nachl. 62
Weinh.; o das wird nicht geschehen. 67; o ich musz weinen! 71; o ich werde schon mittel zu finden wissen! 419; oh ich habe viel gelernt bei meiner bäuerinn. 156; o ich bedanke mich tausendmal! Miller
Siegwart 1, 69; o es war ein treflicher mann! 1, 82; o dann rügst du mit fug. Voss
Od. 22, 45; o der freie trägt erhaben in der brust das weltgericht. Tiedge
Urania 5, 600; o ich kenne dich! Schiller 2, 55 (
räuber, schausp. 1, 3); oh es wütet in meinem innern. 65 (2, 2); oh! was habt ihr gemacht, vater! 70 (2, 2); oh sie ist ein unglückliches mädgen! 151 (4, 4); o! werden wir auch jemals glücklich werden! 12, 145 (
Piccol. 3, 5); o dieses haus braucht keines meisters mehr. 551 (
Wallenst. tod 5, 2); o siehst du hier .. die blauen blumen blühn? Platen 1, 9; o du bist gut. Rückert 1, 366;
verdoppelt: o, oh! ich weisz, der herr hat gnade funden vor Saladin. Lessing 2, 304 (
Nathan 4, 2); o, o, 's ist schändlich! Tieck
könig Lear 3, 2; o, o! lehnte der junge mann mit bescheidenheit ab. Gutzkow
ritter (4.
aufl.) 3, 192. II@2@ff)
in einen satz eingeschoben oder ihm nachgesetzt: hat — — o! hat gottes donner den bruder gerochen! Geszner 1, 212; und o welche mütterliche sorgfalt wars. Herder
id. 1, 214; aber einen bedienten hat er, ohh! ein recht abscheulicher mensch! Lenz
dram. nachl. 82
Weinh.; und o! wie bist du es würdig, dasz. Wieland
suppl. 2, 265; voll ernst ist das gesetz ... o, furchtbar ernst in seiner majestät! Tiedge
Urania 5, 267; es ist ein garstger tod, verbrennen.o! Lessing 2, 198 (
Nathan 1, 2). II@33)
die person oder sache, die den affect erregt und über die der ausruf geschieht, steht II@3@aa)
im nominativ oder vocativ, z. b.: das kind .. sprach (
vor schmerzen klagend) zu seinem vater, o mein heubt, mein heubt!
2 kön. 4, 19; o welch eine tieffe des reichthums!
Röm. 11, 33; o grosze blindheit und thorheit eines verliebtens! Albertinus
narrenhatz 279; o eiteler vorsatz der menschen! Gryphius
lustsp. 466
Palm; o armes land! noch ärmer aber wir! Hofmannswaldau
pastor Fido 108 (4, 3); o bittere gedult, die dieser mann musz tragen. Rachel 1, 153; o wonne, flammendes entzücken! o freude, die die zunge bindt! Haller 166
Hirzel; o welch entzückendes vergnügen! Lichtwer 151 (4, 8); o das rabenaas! Lessing 1, 253; o der unbesonnene .. Wagenseil! 10, 202; o die! die wissen viel. 290; o armes volk, dem je das loos solch eines herrschers fiel! Gotter 1, 64; o schöner brunnen, der uns flieszt! Göthe 12, 115; o unsre freiheit! 8, 240; o all die erinnerungen! Lenz
dram. nachl. 117
Weinh.; o mein verlornes glück! 120; o ich ungeheuer von einem thoren! Schiller 2, 146 (
räuber, schausp. 4, 3); o der heillose mann! 3, 45 (
Fiesko 2, 2); o ich unglücklicher, o ich elender
u. s. w., o ich elender mensch,
o me perditum! Maaler 310
a. II@3@bb)
im genetiv (
wie im lat.): o des senlichen und behenden scheidens!
Tristrant 67, 23
Pfaff; o der losen christen! Luther 3, 118
a; o der undankbaren menschen,
o hominum ingratitudinem. Dasyp. (1556) T 6
b; o deiner elenden bulerei! H. Sachs 3, 378, 11; o meines königs und meines herrn! Ayrer 351, 10; o der angenehmen frucht, die da deine liebste bringet. Opitz (1644) 2, 37; er that es, o des schimpfes! um mehr zu erben. Lichtwer 146 (4, 5); o des zaubers! den sie scheidend zauberte! Klopstock 2, 6; o der wunder! 2, 168; o des todes! der gottesgabe!
Mess. 16, 540; o der aussaat, welche du, ewiger sohn! dir in Smyrna sätest! 20, 759; o der erzthoren! Lessing 10, 57; o des höllischen gauckelspieles! 2, 187 (
Em. Galotti 5, 7); o des Franzosen, der keinen verstand gehabt hat! 6, 398; o, des groszen dienstes, den uns die thorheit dieses fakirs gethan hat! Wieland 8, 183; o! ruft sie, des gütigen zufalls!
der neue Amadis 12, 28; o des schändlichen beginnens! o des bübischen verraths! Herder
Cid 57; o der niedrigen verräther! 58; o des betrugs! Voss
Il. 22, 15; o des geschickes seltsamer windung! Göthe 1, 120; o des eitlen, kleinlichen menschen! 14, 145; o der unnöthigen strenge der moral! ... o der seltsamen anforderungen der bürgerlichen gesellschaft! 20, 137; o des goldenen tags, da bei dem volke Teuts noch gerechtigkeit galt. Stolberg 1, 9; o der helle, die dem guten schwärmer nichts zu zeigen hat, als seine nacht! o des lichtes, das den glauben ärmer und die weisheit doch nicht reicher macht! Tiedge
Urania 1, 17; o der unglückseligen stunde! Schiller 2, 321 (
räuber, trauersp. 5, 5); o des frevelhaften eigensinns! 3, 500 (
kabale 5, 7); o des kläglichen miszverstands! 3, 503; o des verderblichen lichts! Platen 1, 168. II@3@cc)
im dativ (
wie im griech.): o dem verhängnis! Opitz
Arg. 1, 603; o dem schmerzlichen brande! 2, 432; o den betrübten tritten, mit welchen erstlich wir das Persien beschritten. Fleming 204; o den trefflichen menschen!
d. j. Göthe 1, 361; o mir (
griech. ὤ μοι)!
werke 13, 152. Gerstenberg
Ugolino 4.
aufz. Immermann
Münchh. (2.
aufl.) 4, 89; oh mir! Schiller 2, 165 (
räuber, schausp. 4, 5). II@3@dd)
im accusativ (
wie im lat.): o mich (
engl. oh me) getreu!
die schausp. der engl. komödianten 179
Tittm.; o mich elenden! Schuppius 746; o dich ein unglückseligen martyrer! 705; o mich vergeszlichen! Lessing 2, 266 (
Nathan 3, 2). II@3@ee)
im accusativ mit über: o, über die vorbitterinn! Lessing 1, 590; o über euch Pharisäer! Schiller 2, 104; o über den klugen einfall! Immermann
Münchh. (2.
aufl.) 3, 233; o über sie! o! o, sie sind nicht gekommen! Gutzkow
ritter (4.
aufl.) 4, 46. II@44)
in substantivischer verwendung: die 'o hätte ich! o wäre ich!' (
s. 2,
d). Philander 1, 419
ff.; lieber läszt er sich beschämen, als sein o und ach sich nehmen. J. A. Schlegel,
Gödeke elf bücher 1, 586
a; hier fliegt manch feurig o, und manch betraurend ach. Zachariä (1767) 1, 167; die zahlreichen ach und o! Börne 1, 169; dieselben achs! dieselben os! Gutzkow
ritter (4.
aufl.) 9, 53.