neidisch,
neidsch,
adj. und adv. ,
am frühesten kommt es vor beim Franken H. v. Trimberg im
Renner 15871,
sodann in der md. bearbeitung des E. v. Oberge 3171
und im österr. meister Reuaus 472;
lexicalisch ist es zuerst in einem nd. voc. ex quo des 15.
jahrh. bei Dief. 307
a als nîtesch
verzeichnet, weiterhin obd. als neidisch (
noch neben neidig)
im Nürnb. voc. 1482 x 3
b und in der Straszb. gemma gemm. (1508) n 2
c.
seit Stieler (1691)
tritt neidisch
in den wörterbüchern ganz an die stelle des älteren neidig,
an welchem nur noch Denzler (
Basel), Kramer (
Nürnberg) und die heutigen baier.-alem. mundarten festhalten (
s. neidig 4),
während die plattdeutschen mundarten nur das erstere kennen: nydsch Richey 174. Dähnert 329
a. Danneil 149
a, nedisch, nedsch Schambach 2, 143
b, niedsk
brem. wb. 3, 237; niedsch Schütze 3, 147,
ostfries. niedsk Stürenburg 159
b,
aachenisch nitsch Müller-Waitz 164,
lipp. nîtsk Fromm. 6, 358,
märk. niets Woeste 103;
auch das nassauische neids
in neidskalt (
s. II, 1)
ist contrahiert aus neidisch. II.
adjectiv. I@11)
wie neidig 1:
spätmhd. swer tump ist, nîdisch und unkustic.
Renner 15871; gel, grun und weidein (
gedr. weide) sol des neidischen varb sein.
meister Reuaus 472;
nhd. neidiger
oder neidischer,
invidus, invidiosus, odiosus. voc. 1482 x 3
b; neidischer,
invectivus (
neben nydig,
invidus).
gemma gemm. n 2
c; ein neidischer sihet nicht gern essen, und thut im wehe, wenn er sol essen geben.
Sir. 14, 10; gleich als ob du .. umb rat .. fragest einen neidischen, wie man wolthun sol? 37, 13; isz nicht brot bei eim neidischen.
spr. Sal. 23, 6; wer eilet zum reichthum und ist neidisch, der weis nicht das im unfal begegnen wird. 28, 22; wer aber zornig .. neidisch ist. Luther 1, 70
b; im fall ich was vermag an Heliconer-gunst, so soll kein neidisch tag bezwingen deinen ruhm. Logau 1, 8, 99 (108); nahrung neidscher flammen. Günther 492; höre den rasenden lerm der neidische Lykus dort! Voss
Hor. od. 3, 19, 23; und schon weniger nagt neidischer zahn an mir. 4, 3, 16; will uns nur die neidsche welt als versuchte trinker kennen. Lessing 1, 67; er läszt gern sich bitten; ist wohl gar ein wenig neidisch. 2, 234 (
Nathan 2, 2); ihm schlosz ein neidisches geschick den mund. Gotter 1, 351; was das neidische schicksal uns versagt. Lenz 1, 243; aber den prinzen Österreichs führt das neidische kriegsglück in die fesseln des feinds. Schiller 11, 73; du falsches, neidisches, vergeblich lockendes geschick. Platen (1847) 3, 186; der durst, der Tantalus dort im neidschen wasser plagt. Wieland
natur d. dinge 6, 238. I@1@aa)
mit dativ der person: er ist dir neidisch, weil du glücklich wohnst. Schiller 14, 284 (
Tell 1, 2). I@1@bb) neidisch sein über, auf (
person oder sache): erzürne dich nicht uber die bösen, sei nicht neidisch uber die ubeltheter.
ps. 37, 1; erzürn dich nicht, sei nicht neidisch über den bösen und übelthetter. P. Speratus
bei Ph. Wackernagel 3, 59, 1; auf anderer leute lob neidisch,
aliorum laudis invidi. Steinbach 2, 115; denn da ... beide (
Augustiner und Dominicaner) auf die Franciscaner neidisch sind, was kann man sich anders als .. uneinigkeiten versprechen? Lessing 4, 93; du weist ja selbst .. wie neidisch dasz ein thor auf bessre menschen ist. Gökingk 1, 158; auf jemands gunst neidisch sein. 3, 218; und diese (
menschen von niedrigem stande) sind immer auf einen luxus neidisch, von welchem sie sich ausgeschlossen finden. Schiller 4, 99. I@22)
wie neidig 2:
md. und begundin im vorzellin nîdesch lugenmêre. Eilh. v. Oberge (
bearbeitung) 3171;
nhd. die reichen haben gemeiniglich ein untreu und scheeles auge und ein neidisch herz. Mathesius
Syr. 2, 41
b; scheint dein bild doch schön und besser als das neidische geschrei. Günther
bei Steinbach 2, 116; neidische augen,
oculi invidi Frisch 2, 14
a; sag, ausland, schielst du nicht mit neidischen blicken auf Wirtembergs glückselge hütten her? Schiller 1, 185; neidischer eigendünkel. Lessing 4, 109; bin ich auch unversöhnlich gegen die kleinlichen neidischen neckereien. Göthe 15, 46; eine neidische unbehaglichkeit unsers tyrannen. 16, 47. I@33)
auch von einem versteckenden, verhüllenden, gleichsam neiderfüllten gegenstande, der dem blicke etwas entzieht und es andere nicht genieszen läszt: noch ehe Cynthia mit vollem angesicht aus neidischem gewölke bricht. Uz 2, 135; von keinem neidischen gewand wird auch der kleinste reiz verheelet. 305; so bist du völlig eine rose, ringsum mit neidischen dornen verwahrt. Ramler 1, 15; warum verschleierst du .. dein liebesglück mit dieser neidschen hülle? Schiller 14, 40 (
braut von Mess. 1, 7); wo neidische, tyrannische stäbe (
fenstergitter) den spürenden strahl deiner augen brechen. Klinger 1, 308. I@44) mit etwas neidisch sein,
es nur sich und keinem andern gönnen: (
gegen das bild) noch bin ich mit dir zu neidisch. Lessing 2, 121 (
Emilia Galotti 1, 5). I@55)
wie neidig 3: wir nährten von jener zeit an eine gewisse unruhige, ja neidische aufmerksamkeit auf dergleichen leute, die auf ihre eigne hand hin und wieder zogen. Göthe 26, 187. I@66)
in plattdeutschen mundarten auch noch gierig und geizig (
s. neid 5): een nüdsch trunk (
ein gieriger, hitziger trunk bei groszem durste). Dähnert 329
a; he is nydsch im eten (
essen). Richey 174. Schütze 3, 147; niedsk im eten.
brem. wb. 3, 237;
begehrlich, auf erwerb bedacht (
s. neid 4) Schambach 2, 143
b;
heftig, grimmig (
s. neid 1): niedske kulde (
kälte).
brem. wb. a. a. o. IIII.
adverb. II@11)
auf feindselige, grimmige, heftige weise: gar neidisch (
er) hinden auff in drang. Waldis
Es. 3, 50, 9;
plattd. gierig: dat kind sugt to nydsch,
saugt zu hitzig. Richey 174;
heftig, eifrig, sehr: dat kind schryet niedsk,
schreiet heftig. brem. wb. 3, 237; niedsk (
eifrig) arbeiden. Stürenburg 159
b; nîtsk kault,
sehr kalt. Fromm. 6, 358,
nassauisch neidskalt Kehrein 1, 192. II@22)
neiderfüllt, schelsüchtig: daʒ du öwiglichen .. blaich, ungefar und nydisch dyne zyt vertrybest. Steinhöwel
Es. 269
Öst.; neidisch reden,
invidiose dicere Steinbach 2, 116; poeten .. sahn sein erhabnes lied, und sahn .. es neidisch
an. Zachariä (1767) 1, 137; ach! schenkte mir mein lieber gott nur einst mein liebes biszchen brod; ich wollte mich begnügen lassen und keinen reichen neidisch hassen. Lessing 1, 83; und Juno selbst wird neidisch auf dich schielen. Schiller 1, 326; aber nicht erzwingt er das glück und was ihm die Charis neidisch geweigert, erringt nimmer der strebende muth. 11, 269; neidisch spähen die berather des königs von den zinnen der burg nach unserm freien wald. Freytag
ahnen 1, 70.