nachgehen,
verb. sequi. ahd. nâh gân, nâh gangan,
sequi, consequi. Graff 4, 91;
mhd. nâch gân,
mnd. nagâ
n. 11)
hinterher gehen, folgen, der ordnung nach. 1@aa)
ohne dativ: gehe du nach,
i tu secundum. Aler 1431
a;
sprichwörtlich: wer nachgeht, tritt dem vorgänger die schuhe aus. Wander 3, 836; das blut geht (
flieszt) nach,
sanguis sequitur. Steinbach 1, 551; die uhr geht nach (
hinter einer richtig gehenden). 1@bb)
mit dativ. 1@b@aα)
der person: eim auf den fusz nachgon, zenächst uff in gon,
vestigia premere Maaler 298
a; die vätter lassen die kinder ihnen nachgehen, die mütter vor sie. Lehmann 194;
im tode nachfolgen: was aber diesen fall den eltern um so schmerzlicher machte, war, dasz sie kurz vorher eine tochter verloren hatten, und sich nun .. verwaist sahen, worüber ihr zartes gemüth dergestalt ergriffen wurde, dasz sie ihr leben nicht lange fristeten. sie giengen den lieben ihrigen bald nach. Göthe 23, 179. 1@b@bβ)
der sache: und der könig gieng dem sark nach.
2 Sam. 3, 31; der leich nachgon, die leich beleiten,
exequias alicujus prosequi. Maaler. Wickram
rollw. 97, 10, 13. 22)
hinterher gehen dem range nach, figürlich nachstehen: sie geht, was gunst betrifft, gewiszlich keiner nach. Hofmannswaldau
bei Steinbach 1, 551; der mutterlosen göttin witz musz eurer weissheit weit nachgehen. Weckherlin 502; aber mit einem so zufälligen vergnügen, dasz es demjenigen, welches aus der übereinstimmung der theile herkömmt, weit nachgeht. J. E. Schlegel 3, 134; in einigen wichtigen wissenschaften .. mag sie vielleicht vielen deutschen universitäten nachgehen. Stolberg 6, 379; aber einem schneider geht ein sattler nicht nach. Gotthelf
erz. 2, 304. 33)
hinterher gehen, nachfolgen der zeit nach, s. nachgehend. 44)
mit sachlichem subject, zufallen: die morgengabe gehet halbe dem man nach.
österr. weisth. 1, 41, 39 (15.
jahrh.). 55)
seinen gang, sein thun und denken durch etwas bestimmen lassen, ihm folgen: der stimm oder dem geschrei nachgon,
consequi gradu vocem; ich wil der gewonheit und brauch nachgon,
eum morem sequar. Maaler; seinem kopf nachgehen,
seinen neigungen und leidenschaften folgen. Schuppius 739. Th. Platter 208. 5@aa)
suchend und forschend nachfolgen: dem gespor oder pfad nachgon,
vestigiis sequi. Maaler;
weidmännisch: einem wilde nachgehen (
um zu sehen, ob man es gefehlt oder getroffen habe). Kehrein 214; dem naturmechanismus nachgehen,
nachspüren. Kant 7, 297;
vom nachfolgen mit den augen: man kann (
von dem aussichtspunkte aus) .. jedem pfad nachgehen. Göthe 28, 806
Hempel. 5@bb)
nachahmend, nachbildend, wiedergebend folgen: bei welchen beiden (
publicationen) man nur allein der Sichardschen ausgabe kann nachgegangen sein. Lessing 8, 348; wenn er der gruppe in allen und jeden stücken treulich nachgegangen wäre, würde er uns nicht immer noch ein vortreffliches gemählde geliefert haben? 6, 415; ein dichter stellt für spätre, die entstehen, exempel dar, den mustern nachzugehen. Hagedorn 1, 81. 5@cc)
gemäsz handeln, nachkommen, befolgen, ausrichten, mit dativ der sache: seinem fürnemen nachgon, seinem geheisz oder befehle nachgon. Maaler; dem hauptman gehorsam sein und der ordnung .. getreulich nachgeen.
städtechron. 2, 276, 16; waʒ zu recht gesprochen wirt, sol von beiden teilen aufgenomen und dem nachgegangen werden. 236, 20. 237, 11.
Mit dativ der person, folgen, gehorchen: bis sich dieselbe (
die mutter) endlich bequemte, ihm (
ihrem zweiten manne) nachzugehen und uns kinder in dem reformirten glauben aufzuziehen.
Felsenburg 2, 363 (
bei Tieck 3, 208: ihm nachzugeben). 66)
etwas zum gegenstande und zwecke seines bestrebens und handelns machen: sich hingeben, nachhängen, obliegen, etwas betreiben, ausüben: wer unnötigen sachen nachgehet, der ist ein narr.
spr. Sal. 12, 11; nicht an worten hängen, sondern den sachen nachgehen. Kant 3, 303; selbst die besten männer gehen öfters ihren launen nach. Gotter 1, 85; gieng sie der lust zu eifrig nach. Gellert
fabeln (1763) 150; wer stillem deuten nachzugehen sich bemühet. Uhland 1, xv; in Griecher und Lateiner sprach sen sy vil künsten gangen nach. Schwarzenberg 157, 1
a; dem müssiggange nachgehen,
studere otio, indulgere libidinibus. Steinbach 1, 551; seinem ampt, seiner verwaltung fleiszig nachgeen. Maaler; seiner nahrung, seinen geschäften nachgehen
u. s. w.; so musz es denn auch wohl recht sein, dasz jeder seinem gewerbe nachgeht und eine thätigkeit zeigt. Göthe 19, 144; wer kann dir was anhaben? du gehst deiner profession nach. Schiller 3, 357 (
kabale 1, 1); da mein vater seinem berufe (
als prediger) so eifrig und gewissenhaft nachging. Tieck
insel Felsenb. 2, 228. 77)
einer person oder sache folgen, um sie zu erreichen. 7@aa)
mit persönlichem dativ: und gieng dem israelischen man nach hinein in den hurenwinkel.
4 Mos. 25, 8; kurz, ob wohl ihren leib zu sehen, ihr Cypris selbs nach muste gehen. Weckherlin 348; lassen sie uns ihr (
der maske) nachgehen. Schiller 4, 199; er war kaum von dir weg, als ich ihm nachging, ich hatt' ihn noch zu sprechen.
Wallensteins tod 2, 3. 7@a@aα)
figürlich: jemandes gunst, neigung, liebe zu erwerben suchen: das du nicht bist den jünglingen nachgangen weder reich noch arm.
Ruth 3, 10; den jungfern nachgehen,
ambire virgines. Stieler 628. 7@a@bβ)
in üblem sinne nachtrachten, nachstellen: wohin wir gehn, da geht er nach und setzt uns heftig zu. P. Gerhard 88, 27
Göd.; mit dativ: er gehet der magt nach,
sollicitat pudicitiam ancillae. Steinbach; er geht dir zu unehren nach. J. Ayrer 2074, 33
K. 7@bb)
mit sachlichem oder abstractem dativ: ich gieng der weide nach. P. Fleming 30; ein menschlich wesen .. zu finden, fährt er fort, dem schimmer nachzugehn. Wieland
Oberon 1, 17; ich ging einmal der weisheit nach. Herder 1, 37
Hempel; einem geheimen wunsche nachgehen. Tieck 4, 294. 88)
verfolgen: alles unglück gadt mir nach,
omnia me mala consectantur. Maaler; wie mirs beständig nachgeht,
mich verfolgt. F. H. Jacobi
Woldemar 1, 64;
rechtlich: einem nachgên, einem mit dem gericht nachgên,
ihn gerichtlich verfolgen, ihn vor gericht belangen. Oberlin 1098
mit belegen aus dem 15.
jh.; dem gude mit gerichte nachgen,
das gut wegen ausgebliebenen zinses zurückfordern. Lörsch
Ingelheimer oberhof nr. 65; dem brief nachgen,
die verbriefte schuld einfordern. nr. 154; der pusz nachgeen,
eine geldstrafe einzutreiben suchen. Tucher
baumeisterb. 280, 5, 9.
figürlich von den übeln und schmerzenden folgen eines körperlichen oder geistigen leidens, einer leidenschaft, heftigen erregung, gewohnheit u. s. w.; der schrecken wird ihm noch lang nachgehen,
sentiet diu terroris magnitudinem et vehementiam. Aler 1431
b; es (
die französische krankheit) geht ihr noch nach der frommen tochter. Fischart
Garg. 251
b; vergisz den betrug, der ehmals deiner brust, wie billig, nachgegangen. Günther 690; der trunk geht im nach,
sollicitat eum amor vini. prompt. v. 1618; der trunk, der zech geht ihm nach,
gulae, vitium eum tenet. Aler 1431
b; der schwere fall (
vom baume, über eine treppe u. s. w.) geht mir nach; der tod meiner schwester geht mir nach
u. s. w. Schm. 1, 860
Fromm. Schöpf 186.