meistern,
verb. ,
nach verschiedenen bedeutungen von meister;
ahd. meistarôn,
mhd. meistern. 11)
als meister der gelehrsamkeit oder der kunst schaffen, bilden (
vergl. meister 3
und 4)
mit acc. quoniam videbo cælos, opera digitorum tuorum. uuanda ih gesieho die himela, uuerg dînero fingerô, ih fernimo die scripturas, die du meistrotôst. Notker
bei Hattemer 2, 39
b (
ps. 8); von golde dar ûf gemeistert was ein tracke, als er lebete und obe dem helme swebete.
Wigal. 190, 5;
im nhd. selten geworden: wenn nun der schöpfer auch die würm so zart gemeistert, wenn er dieselbigen auf tausend art gemacht. Wiedemann
nov. 30;
doch in neuerer zeit hie und da wieder zum vorschein gekommen: tragen will ich, was er (
der schneider) gemeistert hat. Benzel-Sternau
bei Campe;
vergl. das folgende. 22) meistern,
ohne object, hervorragend im schaffen sein, sich als meister zeigen (
vergl. meister 5): wie der ewige weltgeist mit meisterndem finger die furchtbare harfe mit allen ihren klängen greift. Tieck
Sternb. 2, 107; wenn dein finger durch die saiten meistert. Schiller
Laura am clavier. 33)
überhaupt etwas bewerkstelligen, ausführen, mit dem beisinne des heimlichen und schlauen, mit accusativ: und sulden auch unser frunde den raid (
rat) halber besiczen zu ewigen ziten, als daʒ nach lude der briefe auch globt und gesworn ist, dar widder doch nuwe die zehen und besunder Nicolaus, uwir schriber, einen uwern raid besaczt han widder inhalt solicher briefe, daʒ der selbe uwer schriber allermeinste gemeinstert hait.
d. städtechron. 17, 374, 19 (
Mainz, von 1428); es ist an mich gelanget, wie bei euch in ewer stadt solle geleret werden, vom heiligen sacrament auf Zwinglische weise, doch unter dem schein und mit solchen worten, als solt es gar gleich und ein ding sein, mit unser und unser gleichen lere, und hab oft hören sagen, das es so gemeistert wird, das niemand gewis sei, was und wie mans meine oder gleube. Luther 6, 105
a; dieses hat dieser falsche minister, dieser schaum aller creaturen so listig meistern können. Chr. Weise
neue proben 117;
vergl. dazu meisterkunst
und meisterlich
in bezug auf zauberei. 44) meistern,
handwerksmeister sein (
vergl. meister 6): statt handlanger zu sein, will er doch noch immer mitmeistern. Göthe 33, 63. 55) einen meistern,
ihm als lehrer, erzieher, leiter vorschrift geben: magistrare, meistern, leren Dief. 343
b; mesteren, leren
nov. gloss. 243
b;
magistro, meistern, lehren, unterweisen Kirsch
cornuc.; so will ich sie mit zucht leren und meistern.
Bocc. (1535) 44
b; wenn die praxis ... die theorie zu meistern berechtigt wird. Kant 5, 368; im fleisz kann dich die biene meistern, in der geschicklichkeit ein wurm dein lehrer sein. Schiller
die künstler v. 30; sich meistern lassen,
vorschriften geben lassen wie von einem rügenden erzieher, vgl. hofmeistern th. 4
2, 1694: mit dem rechten zeigefinger winkte sie mir lieblich drohend. bedenken sie dasz es wein ist! sagte sie (
meine schöne), nicht lauter als dasz ich es hören konnte .. sie werden sich doch nicht meistern lassen! zischelte mir die éine (
meiner nachbarinnen) ins ohr. Göthe 23, 88; indem wir nun bei diesen neuen einrichtungen republicanische formen begünstigen, so sei es uns erlaubt hinzuzufügen, dasz es dagegen dem freien bürger, der sich nicht leicht von jemand will meistern lassen, gar wol anstehe, an sich selbst gesellige tugenden auszubilden. 43, 355; mein fräulein! sollst du dich die glocke meistern lassen. Hofmannswaldau
bei Steinbach 2, 43. 66) meistern,
in fachmäsziger weise und sachlich durch untersuchung und urtheil an einem oder etwas aussetzen, besser haben wollen: schriften meistern,
est censere libros et limando perpolire, aliquid nimirum demendo, addendo, mutando, interpolando. Stieler 2379; wem es sonderbar scheinen möchte, dasz wir auf diese weise den meister meistern (
durch eine kritik von Johannes von Müllers selbstbiographie), der bedenke, dasz wir nur hierdurch die schwierigkeit einer selbstbiographie fühlbarer zu machen gedenken. Göthe 33, 136; Montagne, günstling der natur, ... auch der dich meistert, musz dich lieben. Hagedorn 1, 123; der natur ... war es selbst nicht möglich, das auge ganz achromatisch zu machen .. wie sollte es also der kunst gelingen, die natur in einem solchen grade zu meistern. 54, 282; ich denke nur was mich ergetzt, ich bin gern was ich bin, und die natur zu meistern steigt meines gleichen nie zu sinn, wir lassen dieses amt euch andern groszen geistern. Wieland 5, 275 (
verkl. Amor 1,
v 128
der ersten ausg.). 77)
dieses meistern
mit dem beisinn eines dünkelhaften und sich überhebenden besserwissens und vorschreibens: Peter Rülz zu Orlamunda, der hat was newes da funden, und gibt für, man müge es nicht gnug verdolmetschen, sondern were billich, das man liesze das tuto stehen, und spreche, tuto ist der leib mein .. der eselskopf, wil griechische sprache meistern, und kan noch nicht deudsch noch latinisch recht. Luther 3, 66
b; ich wil schweigen, das der blinde freche geist, Christus wort meistert und verkeret. denn Christus spricht nicht, fleisch ist kein nütze, von seinem fleische sagt er aber also, mein fleisch ist ein rechte speise. 82
a; das heiszt ja den balken in den augen haben, und den splitter in eins andern auge meistern. 379
a; sie versuchten gott jmer wider, und meisterten (
variante: reizeten) den heiligen in Israel.
ps. 78, 41; hab unserm herrn gott oft etliche feine artikel fürgestellet und ubergeben, und jn wöllen lehren, aber der fromme gott hat mich fein lassen in hintern sehen, das mein meistern ist zu nichte worden.
tischr. 27
a; was hastu hier zu meistern,
quid insectaris, quid increpas et castigas? Stieler 2379; meistern will iederman, aber bessern nicht,
proniores sumus ad carpendum, quam ad emendandum. ebenda; ich will mich nicht immer meistern lassen,
nolo semper corrigi. Steinbach 2, 43; er meistert alle in ihren verrichtungen,
omnes in suis negotiis reprehendit. ebenda; wenn man so schulmeisterlich meistert, musz man es besser machen können. Klinger 12, 73; nun soll mich zwar der himmel wohl dafür bewahren, dasz ich unsern herrn kantor meistern sollte. Möser
phant. 2, 301; er .. drückte ihre finger so gut er konnte mit seinem arme an seine brust. man müszte keine lebensart haben, um seine zu meistern. J. Paul
Qu. Fixl. 129; er fuhr in Evens beisein fort, und meisterte sein zu hoch aufgeballtes bette.
biogr. belust. 1, 146; die was sie selber nicht verstehn, doch meistern und verachten wollen. Gellert 1, 70; die meisten drückt der klügler vormundschaft, bis an den tod, mit meisternden geschwätzen. Hagedorn 2, 169; der mein thun zu meistern denkt, predigt tauben ohren. schmähen hat mich nie gekränkt. 3, 88; schamlos scheint dir zu sein, wer sich nicht nennt, wenn er meistert. Klopstock 7, 325; wann in kleinen geistern der unfug tobt, die welt zu meistern. Gotter 1, 462; mich vorlaut zu meistern, maszt niemand sich
an. 3, lxxvi; so sind wir eines mürrschen mannes los, der unverträglich uns nur meistern wollte. Schiller
jungfrau von Orl. 1, 1; von diesen trotzig herrischen gemüthern sich meistern lassen, von der gnade leben hochsinnig eigenwilliger vasallen: das ist das harte für ein edles herz. 1, 6. 88) meistern
von alters her auch meister, regierer, leiter, herscher sein (
vgl. meister 10):
ahd. meisterôn, meistrôn,
praeesse, gubernare Graff 2, 890;
mhd. nhd. gubernare, beschirmen
l. meistern Dief. 270
c; meisteren, regieren,
magistrare, cohibere, edomare, compescere, dominari, imperium exhibere Maaler 287
b;
hierbei tritt hervor 8@aa)
mehr ein bloszes regieren, eine feste herschaft üben: die vogel fliegent scharot sam die kränch und der êrst an der schar füert die andern und ist ir belaiter. aber der letscht an der schar maistert die andern und twingt si, daʒ si die rehten ordnung haltent an dem flug. Megenberg 185, 11; weiszestu wie der himel zu regirn ist? oder kanstu jn meistern auf erden?
Hiob 38, 33 (
früher: kanstu ein ampt auf yhn legen auf erden?); gemeistert von eim weib,
gynecocratumenos Dasyp.; seine kind meisteren, in zucht und meisterschaft halten,
liberis imperare Maaler 287
c; was vermag es der fromme mann, wann er die frau nicht meistern kan. Schuppius 406; welcher unsrer väter hunden fürzustehen nichtig war, dieser hat sich unterwunden thron zu meistern und altar. Logau 2, 244; es gebürt den officialen und bischoven, weil sie nicht theologen, sondern gesetztreiber sind, nicht im gewissen zu meistern, das gehört uns theologen zu, lasse sie forum regiren, wir wöllen conscientiam regiren. Luther 5, 240
b; die heiden die nicht gleuben, das gott das los meistere, sondern glück gebe es alles. 3, 207
a; darumb mus die billichkeit hie das recht meistern. 318
b; den rath der weisen gott bald kan meistern. Soltau
volksl. 488 (
von 1631); sie werden durch den wahn, der wie ein blinder irret, im fall er die vernunft will meistern, nicht verwirret. Opitz 1, 141; euch meistern keine strengen schlüsse. Hagedorn 3, 101. 8@bb)
oder mehr die bezwingung eines widerstrebenden: in disem land haben sy die helfant also gemeistert und zum krieg und allen dingen gewönt. Frank
weltb. 220
a; windt läszt sich nit meistern.
parad. 183; vil wildigkeit so im fewer durch den stein nicht gar hat können geweltiget oder gemeistert werden. Mathes.
Sar. 108
b; lasz doch sehen, ob mich ein starrkopf von sohn meistert (
präsident zu Ferdinand). Schiller
kab. u. liebe 1, 7; das eisen meistert gold mit seinen hammerschlä
gen. Abele
gerichtshändel 1 (1661), 32; die nordischen hexen wuszt ich wohl zu meistern, mir wirds nicht just mit diesen fremden geistern. Göthe 41, 142;
in bezug auf eszwaaren, bewältigen durch verbrauch: ob sie der wirthin nicht ein körbchen mit barillen (aprikosen) bringen dürfe, sie hätten so viele, dasz sie sie nicht meistern möchten. J. Gotthelf
schuldenb. 406. 8@cc)
oder die überwindung eines feindes: wer weis, wer der jüngling ist, den ich wider dich rüsten werde? denn wer ist mir gleich? wer will mich meistern und wer ist der hirte, der mir widerstehen kan?
Jer. 49, 19; und wehret sich dapfer, ob gleichwohl der junkher vom Meer jn nach seinem willen meistert und oblage.
Amadis 77; derjenige feldherr zu rühmen ist, der die ehre verachtet, den feind mit waffen und macht gemeistert zu haben, und sihet, wie er durch listigkeit ihm den sieg aus den händen nehme. Butschky
Patm. 760; saget all ausz freien sinnen Priamus fährt wolgemuth zu den abgeleibten geistern. es kan weiter nicht geschehn, dasz ein Griech ihn solle meistern. Opitz 1, 215;
oder empörung: wol, sprach er, ruft herbei die völker die uns dienen, die frech ihr oberhaupt zu meistern sich erkühnen (
ein sultan vom aufrührerischen heer). A. Gryphius 1, 130. 8@dd) meistern,
von der zähmung und überwindung seiner triebe und kräfte: als aber Lucrezia oft und vil Euriolum sah, und ir inbrünstig liebe nit mocht meistern. Wyle
translat., Lucrezia; ein mensch der rechte forcht hat, der meistert und zemet alle seine glider und zeuchet sie ab von aller unzimlicher bewegung. Keisersberg
seelenpar. 111
b; die begirden und lüst meisteren, seine lüst überwinden und dämmen,
cupiditatibus imperare. Maaler 287
b; die liebe meisteren und hindersich halten,
flammas amoris nefasque compescere. ebenda; sein zorn meisteren,
cohibere iracundiam. 287
c; sein zungen zämmen und meisteren, nit übels ze reden,
linguae temperare. ebenda; deine oren soltu lieber brauchen dann die zungen, die zungen soltu meistern. Steinhöwel (1555) 22
b; der seine zungen nicht meistern kan. Kirchhof
wendunm. 344
a; wann der verleumder seine zunge nicht kan meistern, so hat der. gros lob, der seine ohren meistern kan. Butschky
Patm. 237; der begirden reich die sein vernunft soll maistern. Weckherlin 515; sich meistern,
in bezug auf solche triebe: sich meistern und maszen,
cohibere se Maaler 287
c;
mit anklang an die bedeutung 5: meister dich selber, als du einem kind tetest, das dir zugehört, das du gern woltest recht ziehen. Keisersberg
seelenpar., vorrede V
a;
mit gleichzeitiger hindeutung auf oben a: rosse hemmet eure flügel, fühlet den gewohnten zügel, meistert euch wie ich euch meistre, rauschet hin wenn ich begeistre. Göthe 41, 42. 8@ee)
auch von der überwältigung des menschen durch seine regungen: wo sicht man auch einichen zornmütigen, den der zorn nit so fast meistert, dasz weder zil noch masz bei jm gehalten wirdet.
Aimon, vorrede; disz schöne junge paar ... ist nicht das erste und auch nicht das letzte, so sich von den unüberwindlichen kräften der liebe meistern lassen.
Simpl. 1, 336
Kurz; (
jetzt da) die begiehrlichkeit mich wenig meistern kan, steckt Flavia mich doch als neues feuer
an. Opitz 2, 178; ich kenne mich nicht mehr und weisz nicht, was ich setze, die regung meistert mich. Chr. Gryphius
poet. wäld. 1, 268.
vergl. bemeistern th. 1, 1459. 99) meistern,
bei den färbern, auf vorher hellblau gefärbte leinwand eine dunkelblaue farbe aufsetzen. Jacobsson 3, 48
a.