Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
liehte Adv.
1.1 allg.
1.2 von heller Haut
1.3 vom Leuchten der Himmelskörper
1.4 von der Helligkeit des Tages
1.5 von (metallischem) Glanz ‘glänzend, spiegelnd, schimmernd, blank’
1.6 von strahlender Blütenpracht
1.7 von Strahlen, Leuchten in religiösem Zusammenhang
1.8 in der Wendung lieht gemâl ‘hell, leuchtend, strahlend’ gemâl 2 (vgl. auch liehtgevar )
1.9 übertr. ‘strahlend, leuchtend, herrlich, schön’ (offen zur wörtl. Bed.)
2 ‘klar, durchsichtig, rein’
2.1 von Flüssigkeiten
2.2 von Luft
2.3 von Glas und Edelsteinen (vgl. auch 1 i.S.v. ‘leuchtend’ )
2.4 vom Auge
2.4.1 als Schönheitsmerkmal (vgl. liehtklâr )
2.4.2 als Merkmal des gesunden Auges
2.5 übertr. von moralischer Reinheit, ‘rein, schuldlos’
1 ‘hell, strahlend, leuchtend’ 1.1 allg.: die [Kerzen] harte liehte brunnen Parz 807,13; sie [...] leyte yn zu der kamern die sere liecht innen was Lanc 428,25. – bes. von hellen, strahlenden Farben: [der Pfau] zaigt seins zagels schœne allermaist gegen der sunnen, wan dâ sint sein varb aller liehtest und aller klârst BdN 213,12; wil er die [grüne] varb lichter machen, so nem selbiu varb, dar zu auripigmentum vnd verb damit BairFärb 8,3; zwô liehte varwe an ir striten: / rôt und wîz alsam ein snê Wig 9290 (vgl. 1.2 ); geuar als ein lichtez horn SalArz 20,38 1.2 von heller Haut: der junge truoc / bî rôtem munde liehtez vel Parz 306,23 u.ö.; dîn liehte varwe wart von schame rôt SM:KvL 1: 4,12; vil ist, des ich minn an ir: / sô des meijen êre / varwe rêret, stolzen leijen, / secht, so gent ir wengel liechten schîn SM: Wi 4: 2,10 (übertr. vgl. 1.9); Tr 19382. 1212; NibB 587,3. – helle im Ggs. zu dunkler Hautfarbe: si het och ê gesehen / manegen liehten heiden Parz 29,5. – selten von Leichenblässe: sînes lîbes sterke muose gar zergên, / wand’ er des tôdes zeichen in liehter varwe truoc NibB 987,3; vgl. aber daneben: ir rôsevarwer munt wart bleich, / ir lîch diu kam vil garwe / von der vil liehten [rosigen, leuchtenden] varwe, / diu dâ vor an ir lîbe lac Tr 1300 1.3 vom Leuchten der Himmelskörper: der mane ist alle zit halb lieht, halb vinster MNat 11,27; willekomen sî diu liehte sunne, / diu den winter wîchen tuot KLD: Kzl 7: 1,9; do erscein in ein liehter sterne, den sahen si gerne AvaLJ 23,4; MF:Mor 1: 1,5; Lucid 149,9; Litan 278. – bildl. und im Vergleich: wâ ist nu hin mîn liehter morgensterne? MF: Mor 15: 3,1; dú liehte sunne miner ewigen gotheit / beschinet dich mit dem verborgenen wunder miner lustlicheit Mechth 2: 25,116. 4: 22,24; von Maria: ave, vil liehtu maris stella, / ein lieht der cristinheit, Maria MarseqM 1 1.4 von der Helligkeit des Tages: iedoch schreibt man, daz Titus der kaiser in der vinster sæh, wenn er wacht, reht als an dem liehten tag BdN 9,34; ein stein / der vmme mitte nacht schein / [...] / alsez liecht tac ware Roth 4955; der uil liechte tac / wart uinster sam diu nacht Rol 6940. 1576; NibB 683,2. 1826,3; Iw 7382 u.ö.; vom Tagesanbruch: si schuofen ir gemach, / unz man den liehten morgen aber schînen sach NibB 1360,2. 1850,1; unz an den liehten morgen Tr 7506; KvHeimUrst 1319; SM:St 8: 1,3; bildl. und im Vergleich: da woneten lichte uogele / unden unde obne, / si schinen sam der lichte tâc Rol 1574; rehter kiusche ein liehter tak SM:EvS 1: 13,8; si liuhtet sam der sunne tuot / gegen dem liehten morgen MF:Mor 8: 1,8. – liehte tage ‘heitere, schöne Tage; Sommertage’ ez wâren liehte tage, / harte wünneclich nâch sage, / weder ze heiz, noch ze kalt UvZLanz 9047; owê mîner besten zît / und owê mîner liehten wunneclîchen tage! MF:Mor 7: 3,2; SM:KvT 2: 1,2; ähnl. vom Frühling, Sommer: si hânt ersehen die liechten zît. / die bluomen lachent gegen dem meijen SM:Had 23: 1,6; sich fröid manig vogellîn wilde / gên des liechten meijen güete / durch die sumerzît SM:Wi 5: 1,2; Tannh 7,6 1.5 von (metallischem) Glanz ‘glänzend, spiegelnd, schimmernd, blank’ ê daz der marcgrâve zuo z’im vol kœme dar, / des muosen liehte ringe werden missevar [glanzlos] NibB 2218,2; ir schilde wâren niuwe, lieht unde breit, / und vil scœne ir helme ebd. 72,1 u.ö.; do reit vffe blankin marhe / in lechtime geserwe [in glänzender Rüstung] / von Rothere deme richen / ein herre werliche Roth 4933 u.ö.; bereit quam er ze velde wol / und fuorte liehten purpur [Purpurgewand] an KvWTurn 471. 302. 353; Wh 75,25; vgl.: al sîne lide im wurden warm, / sô daz sîn vel gap liehten schîn [wohl ‘frischen, rosigen Glanz’ (vgl. auch 1.9)] Parz 459,13 – von Haar: lieht reideloht [gelockt] was im sîn hâr Parz 63,20; sîn liehtez hâr, daz ê was blanc, / was nû vervilzet unde lanc RvEBarl 15335; kruselecht und liecht als ein golt Lanc 91,5 1.6 von strahlender Blütenpracht: die liehten bluomen lacheten / ûz dem betouwetem grase Tr 562; jârlanc ûf der heide breit / valwent [entfärben sich, werden fahl] liehte rôsen rôt KvWLd 5,2; liehte bluommen entspringent ûf der haide SM: Go 1a: 1,6; SM:KvL 4: 3,4; BdN 412,23; von Maria: eyâ, dû lieht prinnendeu rôs, erschein allen den, die deinen namen êrent BdN 346,28 1.7 von Strahlen, Leuchten in religiösem Zusammenhang: diu manlîche triwe sîn / gît im ze himel liehten schîn Parz 107,26; diu liehte himelische schar / wart durch nît nâch helle var ebd. 463,13; do sach er vͤf vnd sach das heilige cruce an dem himele vil harte liehtiz vnd vil schones Konr 10,12; unsers herren liehter schîn / erliuhtet hât daz herze dîn RvEBarl 6957. 15735; Hochz 799 1.8 in der Wendung lieht gemâl ‘hell, leuchtend, strahlend’ → gemâl 2 (vgl. auch liehtgevar ) 1.9 übertr. ‘strahlend, leuchtend, herrlich, schön’ (offen zur wörtl. Bed.): ir liehten münde rôsenrôt / vil senfter küsse pflâgen KvWHerzm 224; vrouwe, sælic wîp, / dîn liehtiu jugent, dîn schœner lîp / hât mir sorgen vil gegeben RvEBarl 12080; des müeze diu vil werde sæliclîche leben, / diu mich von meneger sorge vrî / gemachet hât und och vil liehten trôst gegeben SM: UvS 2: 1,4; von Maria: liechte magit, magitumis gimme, / der engele furstinne Litan 197. – ‘leuchtend, beispielhaft’ dô sach ich ir liehten tugende MF:Mor 32: 2,5; siner liechten tugenden schin Pass III 11,6. – liehter schîn ‘schöner Anblick, strahlende Schönheit’ des junkherren liehter schîn / vuogte ir herzen grôzen pîn: / sie wolten in vil gerne hân RvEBarl 11913; des verlôs Mahaute ir liehten schîn, / und lac [...] tôt Parz 178,24. – liehteʒ antlitze ‘schönes Gesicht’ (vgl. 1.2): lieht antlütze und hôhe brust Parz 361,22; wan daz sprichet dǐ heilige schrift, daz sin [Christi] antlv́ze also schoͤne vnde lieht worden wære, sam ein heiliger engel von himel chomen wære Konr 2 W1,115; swaz dînes liehten antlützes was, / dar an gewuohs noch nie dehein gran Wh 67,14. 156,21; VMos 53,22 2 ‘klar, durchsichtig, rein’ 2.1 von Flüssigkeiten: daz wazzer daz da lichte vnde luter ist. ringe. vnde keinen smac hat SalArz 19,19; liehtiu süeziu wazzer klâr RvEBarl 12386; der magde harn sol wesen lieht unde louter Barth 131,4. 131,5; BdN 255,20 2.2 von Luft: wan ain iegleich tier fräut sich des liehten lautern luftes mêr denn des trüeben [ sereno aere gaudet et in eo plus uagatur quam in turbido ] BdN 207,22; sich fræut der himel und der luft, daz si senfter und lichter sint denn ze andern ziten PrOberalt 82,13 2.3 von Glas und Edelsteinen (vgl. auch 1 i.S.v. ‘leuchtend’): die wâren steine tiure / lâgen drûf tunkel unde lieht: / ir art mac ich benennen nieht Parz 735,29; si brâhte im ein liehtez glas, / dar inne im bereitet was / sîn trinken RvEBarl 5557; etleich [ stain ] sint gar lieht sam ain cristall BdN 436,30. 441,16; HvNstAp 6058; Wig 763 2.4 vom Auge 2.4.1 als Schönheitsmerkmal (vgl. liehtklâr ): lachen iuwerm rôten munde / schône stât und iuwern ougen liht KLD: UvL 48: 3,2; des wurden liehtiu ougen von weinen trüeb’ unde naz NibB 371,4 u.ö.; dâ wurden liehtiu ougen rôt Wig 3134; MF:Wolfr 1: 1,5; Hochz 597 2.4.2 als Merkmal des gesunden Auges: daz [Olivenöl] macht diu augen lieht und die siechen gesunt BdN 335,7; batenie [...] machet im [dem Menschen] di ougen liecht unde von schimen [d.i. schëme, ein Augenleiden] vri Macer 38,15; der plinter von der muoter geboren wart, / den liezen wir ze Jerusalêm in der stât, / dem gab er liehtiu ougen Kchr 1852; Barth 145,22 2.5 übertr. von moralischer Reinheit, ‘rein, schuldlos’ gnade maket de sele luther, licht vnde vullenkomen Gnadenl 3:Wo1,326; iedoch si wir reckin / widir unsin trethin / beide lutir unde licht / her in leciz uns under wege nit Roth 3950
MWB 3,3 1124,41; Bearbeiter: Hansen