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kneten

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kneten

Bd. 11, Sp. 1412
kneten , depsere. II. Form und verwandtschaft. I@aa) es ist eigentlich ablautend wie treten, ahd. chnëtan, mhd. knëten, praet. knat, pl. knâten, part. praet. geknëten. ags. cnedan, engl. knead, nl. kneden, mnd. kneden pistare, pastare Dief. 415a. 438a (nrh. 15. jh. kneiden das.), nnd. knëen Schambach 105b, auch kneien; auchn. knede, unter deutschem einflusz (gewöhnlich älte), schwed. aber knda. I@bb) altn. hiesz es nämlich vielmehr knoða (noch norw. knoda, isl. hnoda), gleichwie treten da troða heiszt. daraus vermutete J. Grimm goth. starkes knudan mit ablautreihe u a ô u, s. gesch. d. d. spr. 848, vergl. myth. 574. bestätigt wird das durch ein nordengl. part. praet. knodden, kneaded Halliwell 498b, das auf starkes ags. cnodan oder cnudan depsere deutet, vielleicht auch durch westf. märkisch knuden (für knoden oder knuden) festtreten Kuhns zeitschr. 2, 100, vgl. II, 2; ja man kann wol nicht umhin, selbst folg. hd. geknoten als für gekneten aufzufassen: ir hern, schlotfegen ist mein ampt. wem sich im hintern het gesampt (gesammelt) des alten rusz (ruszes) mit langen zotten, das ein geselzt wer und geknoten, als der im ein bech daruber het goszen, dem kann ich esz seuberlich aber stoszen (abher, herabst.). fastnachtsp. 789, 7, der harte kot ist wie ein teig behandelt, 'eingesalzt und eingeknetet'; danach ist ein mhd. knëten, das wie stechen, brechen gieng, anzunehmen, als übergangsform zwischen den beiden ablautsreihen. I@cc) nach noch anderm ablaut geht die fries. form auf Wangeroge, knîde, praet. kneid, part. kniðin Ehrentraut fries. arch. 1, 45, es stimmt zu ags. cnîdan, forcnîdan zermalmen u. ä. (Ettm. 397) und nähert sich dem ahd. gnîtan reiben, zerreiben, ags. gnîdan, n. gnide u. s. w. I@dd) als auswärtige verwandte vergleicht Diefenbach goth. wb. 1, 315 poln. gnieść kneten, drücken, russ., sloven. gnesti (slov. auch gnetiti), böhm. hnísti (hnětu), ferner lett. gnaudu, gnaust zerreiben, altsl. gnet, gnesti zerdrücken Miklosich 131b u. s. w. I@ee) erwähnenswert ist noch ein heimischer anklang. kneten heiszt ditm. knojen (Groth vertelln 2, 161), brem. u. a. grobe arbeit thun Fromm. 5, 152, nl. knoejen. es ist das altn. knŷja pressen, stoszen, norw. knöyve, das Aasen 228a auch als kneten gibt, und lehnt sich an altn. knûi knöchel an,n. knoe, auch ditm. knoern pl. (s. unter knochen), denn mit der faust wird ja geknetet, geschlagen (s.knöbeln kneten von knöbel knöchel). ist es ein zufall, dasz auch kneten eine solche zutreffende anlehnung finden könnte in knoten 1, knöchel, finger? I@ff) die starken formen von kneten zeigt noch das 16. jh., ich knete, er knitt für knitet, praet. knat, part. gekneten, imper. knit, den ablaut des praet. zeigt vielleicht noch bair. dreckknatel f., unreinliches weib Schm. 2, 376 (s. II, 4, b). doch gehören die schwachen, wenigstens knetete, auch schon dem 16. jh. an, aber gekneten hat sich bis jetzt erhalten (s. z. b. II, 4, c a. e.) und ist volksmäszig noch vorherschend. viele schrieben knäten, noch Lessing, Voss, J. Paul, wie Maaler knätten; das tt, zur bezeichnung der kürze, gilt auch noch jetzt oberd. (wie tretten), z. b. pflaster knetten Hebel 3, 28. IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) mit den händen, kneten, den teig mischen, pastare, pistare, pistrire, pinsere. voc. inc. teut. n 3a, knetten Dief. 438, kneden das., 415b, voc. opt. Lpz. 1501 T 5a, knetten gemma gemm. S 2b. II@1@aa) starke formen: dann wer do drischet vor dem schnit und ee wil pachen dann er knit ... des schaden niemant klagen sol. fastn. 130, 27; an der heiligen drei künig tag bacht ein ieder vatter ein guoten leckkuochen oder letzelten ... und knidt in dem knetten ein pfenning darein. S. Frank weltbuch 1534 50b (leseb. 3, 1, 338), knitt wie tritt; ein andres beispiel unter 4, b. im imperativ: nim gut weizen melb, das knit mit kaltem wasser. küchenmeisterei c 4; knit es in einem rohen ei. a 4. b 4. 5; knits mit rohen eiren. b 6; das knit durch einander. c 2; verknit si mit einem rohen ei. c 1, vgl. mit einem rohen ei verkneten, gewurzt, gesalzen c 3, einkneten mit loem (lauem) wasser. das. praet. (vergl. 3): si knat und machet küchlach (küchlein). reime von 1562 bei Schmeller 2, 376. im partic. (wolbemerkt, mit kurzem vocal urspr.): ee der taig gekneten ward. Steinhöwel (1487) 94b; nimmet man zu kütt (kitt) kalch, mel und ochsenblut, wol durch einander geknetten. Mathesius Sar. 72a; gerstenmeel mit ein wenig honigs durch einander geknetten. Tabernaemont. 625: wol geknätten brot, depsiticus panis. Maaler 164d; ich hab das meel geknetten ietzt. J. Ayrer 433a; ist es (das brot) auch von reinen saubern händen geknetten worden? Lazar. de Tormes 73; ich wette drüm, er hat bereits gekneten. neueröffn. musencabinet 1183. II@1@bb) schwache formen: Abraham eilet in die hütten zu Sara und sprach 'eile und menge drei masz semelmelh, knete und backe kuchen. Luther 1 Mos. 18, 6; nam melh und knettets und buchs ungeseurt. 1 Sam. 28, 24. 2 Sam. 13, 8; da sie bei ihrer gevatterin den teig knettet (für knettete), brot zu bachen. Fischart bien. (1588) 66b; wo das mehl nicht recht geknetet wird, verdirbt das brot. Stieler 995. Steinbach 1, 885; stille kneteten wir salpeter, kohlen und schwefel, bohrten röhren; gefall nun auch das feuerwerk euch. xenien nr. 29; dasz helden gekneteter lehm sind. Platen 258. II@1@cc) es heiszt auch blosz kneten gleich teig kneten zum backen, ferner mehreres durch oder in einander, zusammen kneten, verkneten, etwas in den teig kneten, einkneten, s. auch auskneten, durchkneten. lehm, thon kneten, mit wasser anmachen und weich kneten, häcksel in den lehm kneten. II@1@dd) dann intr. kneten in einer masse, knetend darin arbeiten, greifen, wühlen, vgl. unter 4. II@1@ee) trans., knetend bilden: die r. kirch knett ausz dem deig der schrift aller hand küchlin. Fischart bien. 1588 39a randgl.; vor einem erdengott aus leim (lehm) geknetet hab ich mich nie gebeugt. Schubart (1825) 2, 290. II@22) mit den füszen, tretend kneten: calcare, knätten. Fris. 177b; sie liept mir mer denn laimen kneten. fastnachtsp. 633, 11; öfters muszte er im frühling und im herbste barfusz den lehm treten und durcheinander kneten, über den eine eishaut gefroren war. Fr. X. Bronner leben 1, 5. II@33) daher als kraftwort des 15. 16. jh. für tanzen, von dem schweren auftreten und heben der füsze beim lehmtreten, wie eʒ walken MSH. 2, 80a (vgl. 4, b): so wil ich den vorraien treten und wil so hoflich umbher kneten, als keiner hie auf dieser pan. fastn. sp. 390, 8; der schäfer von der Newenstatt mit seiner Elsen umbher knat, er het vil lieber koren droschen. H. Sachs 1, 531a (1590 397d); ein bawr war frat ... mit ir frei umbher knat. Ambras. lb. 129, 13 (wunderh. 4, 313), in der älteren fassung bei Uhland 654 trat. vergl. im Renner: als ob einer den virlei (ein tanz) trete und (dabei) in eim tiefen horwe (kot) knete. 205a (oder træte, knæte?). II@44) andere übertragungen des knetens auf ähnliches thun II@4@aa) intrans., wie arbeiten: do sasz er zwischen mir und ir, do hett er mit den knien ein kneten, und mit den fueszen ein solchs kneten und treten, dasz ich kein rue bei im het. fastn. sp. 544, 15; der .. hat mir in mein guten rubacker geschissen. do wolt mein frau die ruben geten und hat mit allen fünfen drinn kneten. 609, 19 ff., es kann darein oder darin meinen. im dreck kneten, wühlen. II@4@bb) treten (vergl. 3), im kote kneten, schwerfällig, mühsam schreiten, waten: im kot herein (einher) kneten. Petr. 29b. völlern, schlemmern wird vorgeworfen: und das ist üwer gmeiner sitt, füllen, das man mit stiflen drinn knitt. Utz Eckstein reichstag (kloster 8, 840). disz ist der pfad zum himmelthor, den gott selbst vorgetretten, wolan soldat, heb dich empor, du must auch nachhin knetten, wo dein furier dich leitet an, durch distel und durch hecken. Mezler odaeum (Freib. i. Br. 1641) 331. II@4@cc) auch trans., zerarbeiten, zerwalken, zertreten: mit ir knien si in knat, mit ir füeʒen si in trat (den unten liegenden). des münches not Haupt 5, 439. ein im grabe liegender beklagt sich dasz man rosse darauf weiden läszt: wer hütet mein grab? wer knetet mein grab? wer hütet mir all meine gräslein ab? wunderh. 4, 96. etwas mit oder in den händen kneten, durcharbeiten, zerwühlen, zerknittern u. a. (vgl.knetschen). die unterdrückte frau Wahrheit erzählt u. a.: und (das hofgesinde) mir mein nasen krümbten, mir (gedr. mit) brief und sigel knaten. H. Sachs 1, 291a; sie (Mignon) konnte nicht sein ohne einen bindfaden in den händen zu drehen, ein tuch zu kneten, papier oder hölzchen zu kauen (vor unruhe). Göthe 19, 103, vgl.hutkneten 57, 151; der schulmeister (der da sieht dasz Barthel .. seine perrücke anfängt zu kneten, wie man teig zu brote knetet). ach du lieber himmel! meine perrücke! ... vater Märten. he ha ha! zugekneten, Barthel, frisch zugekneten! Barthel. thus schon, thus schon. (er knetet und walkt die p. hin und her ...). J. B. Michaelis (1791) 4, 109; immer besser und besser gekneten! 110, vgl. 115. II@4@dd) sich durchkneten (vergl. 2, 1634), knetend durcharbeiten: steige nur weiter, knäte dich nur mehr durch. J. Paul Tit. 3, 172, hier bildlich. II@55) bildlich, durcharbeiten. II@5@aa) besonders zu einem zwecke zurichten, durch oder in einander arbeiten, umarbeiten u. dgl., vgl. durchkneten. oft mit verächtlichem anklang: art läszt jedoch nicht von art ... die natur läszt sich nicht knetten, drehen um wie hafnerletten. Abele selts. gerichtsh. (1684) 1, 96; Mephist. was hilfts, nur grade zu genieszen? die freud ist lange nicht so grosz, als wenn ihr erst herauf, herum ... das püppchen geknetet und zugericht. Göthe 12, 135, wie ein gericht, Faust antwortet hab appetit auch ohne das; der geistreiche mensch knetet seinen wortstoff, ohne sich zu kümmern aus was für elementen er bestehe. 45, 143; alles dieses, seine erfindungen und die historischen materialien, knätet er denn in einen fein langen, fein schwer zu fassenden roman zusammen. und wenn er es so gut zusammen geknätet hat, als sich nur immer hecksel und mehl zusammen knäten lassen ... Lessing 7, 144; der den Matthäus .. so unbesonnen zwei verschiedne begebenheiten in eine kneten läszt. 10, 81; der leser ... bemerke das zusammenkneten dynamischer und atomistischer ausdrücke. Göthe 59, 214; er knätete also lob und tadel nach einer horazischen mischung untereinander. J. Paul Hesp. 2, 18; wirklichkeit in die kunst zu knäten. flegelj. 2, 89. II@5@bb) für durchschütteln (vgl. die mhd. stelle unter 4, c): (dasz) bleiches zagen ihn verfolg, ergreife, knäte. Fr. Stolberg 5, 92.
10673 Zeichen · 330 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    knëtenstv. I, 1.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    knëten stv. I, 1. BMZ auch knetten, ndrh. kneiden Dfg. 438 a , part. neben gekneten später auch geknoten (: gesoten) Fas…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Knêten

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Knêten , verb. reg. act. einen weichen, feuchten Körper mit den Händen oder Füßen durcharbeiten, um alle seine Theile ge…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kneten

    Goethe-Wörterbuch

    kneten wiederholt PartPrät ‘geknätet’; einmal subst B44,23,18 a eine weiche, formbare Masse drückend durcheinandermengen…

  4. modern
    Dialekt
    knëten

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    knëte n [natə Fisl. Liebsd. ; knatə Hi. Banzenh. Su. Dü. M. Bf. ; Part. knatə Fisl. Liebsd. ; knatə Hi. u. s. w. ; kək…

  5. Sprichwörter
    Kneten

    Wander (Sprichwörter)

    Kneten 1. Wer knetet, dem bleibt Teig an den Händen. Frz. : Quand on a la main à la pâte, il en reste toujours quelque c…

  6. Spezial
    kneten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    kne|ten vb.tr. 1 (mit den Händen bearbeiten) impasté (-ta) 2 (drückend formen) modelé (-lëia). ▬ den Teig kneten mené la…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kneten

7 Bildungen · 1 Erstglied · 3 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von kneten 2 Komponenten

kne+ten

kneten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kneten‑ als Erstglied (1 von 1)

kneten II

RhWB

kneten II Allg., u. zwar Rhfrk -ērə, Part. gəknēt; Saargeb. -ēd-, –ēr-, Part. gəknēt ; WMosfrk -ēd-, –ēərd-, -īərd-, –Ed-, –ēād-, –īăd-, Par…

kneten als Zweitglied (3 von 3)

auskneten

DWB

aus·kneten

auskneten , probe subigere, nnl. uitkneden: der teig ist noch nicht ausgeknetet; gleichwie ein backofen, den der becker heizet, wenn er hat …

durchkneten

DWB

durch·kneten

durchkneten , perdepsere Stieler 995. 1 . untrennbar, knetend durcheinander arbeiten. soll der kuchen geraten, so müssen zucker, eier und me…

GEKNËTEN

BMZ

gek·n·eten

KNITE KNAT KNÂTEN GEKNËTEN knete. ahd. chnitu Graff 4,580. Gr. 2,26. pinso, pistrire sumerl. 36,73. gl. Mone 6, 213. Diefenb. gl. 214. — die…

Ableitungen von kneten (3 von 3)

GEKNËTEN

BMZ

KNITE KNAT KNÂTEN GEKNËTEN knete. ahd. chnitu Graff 4,580. Gr. 2,26. pinso, pistrire sumerl. 36,73. gl. Mone 6, 213. Diefenb. gl. 214. — die…

verkneten

DWB

verkneten , verb. durch kneten verbrauchen. heute schwach flectiert, wie das einfache zeitwort ( th. 5, 1413), in alter zeit stark, vgl. die…

zerkneten

DWB

zerkneten , verb. , ursprünglich stark wie kneten ( th. 5, 1412); 1) eine masse gründlich aus- und durcheinander kneten: zuoletst ist die mo…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „kneten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kneten/dwb?formid=K08803
MLA
Cotta, Marcel. „kneten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kneten/dwb?formid=K08803. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kneten". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kneten/dwb?formid=K08803.
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