Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
hexen
hexen
Hexe f. weibliches Wesen, dem Verbindung zu bösen Mächten und Zauberkräfte zugeschrieben werden, nach früherem, religiösem Aberglauben (vom 15. Jh. an) eine mit dem Teufel im Bunde stehende Frau, als Schimpfwort ‘böses, häßliches Weib’. Die in den westgerm. Sprachen bezeugten Formen ahd. hazus, hazussa (10. Jh.), hazas(sa), hazis(sa), hagazussa (11. Jh.), mhd. hecse, hesse, mnl. haghetisse, -tesse, nl. heks, aengl. hægtesse, hegtes, engl. hag zeigen in ihrer unterschiedlichen Lautgestalt offensichtlich affektisch bedingte Veränderungen und Verkürzungen. Es scheint sich um ein Kompositum zu handeln, dessen Bestimmungswort aus dem unter Hag (s. d.) behandelten Substantiv besteht. Das Grundwort bleibt unklar. Man bringt es allgemein mit norw. (mundartlich) tysja ‘Elfe’, tusul ‘Gespenst’, lit. dvasià, aslaw. duchъ, russ. duch (дух) ‘Geist, Hauch, Atem’, mhd. getwā̌s ‘Gespenst’, gall. dusius ‘Dämon’, westfäl. Dūs ‘Teufel’ in Verbindung, so daß Anschluß an die s-Erweiterung ie. *dheus-, *dhū̌s- der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- in Wörtern für ‘stieben, stäuben, wirbeln; verwirrt, betäubt, albern; blasen, keuchen; Geist, Gespenst’ möglich ist (wozu auch dösig, Dunst, Tier, s. d.). Unter Hexe wäre also eine Unholdin zu verstehen, die, auf Zäunen lauernd (vgl. anord. tūnriða ‘Zaunreiterin’), die eingehegte geschützte Wohnstätte zu gefährden sucht. Andere erschließen germ. *hagahatusī, sehen im zweiten Bestandteil eine aus dem Part. Prät. von hassen (s. d.) hervorgegangene Bildung und interpretieren das Kompositum als eine Art ‘Walddämon’, wobei die Kurzform ahd. hazus als Repräsentation des zweiten Gliedes gelten könnte. Nl. 248 hält eine Beziehung des Grundworts zu aengl. tāda, tādige, engl. toad, dän. tudse, schwed. tossa ‘Kröte’ für möglich, da auch der Kröte die Fähigkeit zugeschrieben wird, Krankheiten zu verursachen und die Gestalt zu wechseln. Zum Komplex vgl. in: Ahd. 2 (1987) 1107 ff. Im 15./16. Jh. wird das Wort Hexe durch die Hexenverfolgung aktualisiert und vom christlichen Standpunkt her (s. oben) umgedeutet. – Hexenschuß m. plötzlicher Schmerzanfall im Bereich der Lendenwirbel (16. Jh.), wegen des plötzlichen Ausbrechens mit einem Schuß von Zauberhand verglichen (vgl. aengl. hægtessan gescot). Hexenprozeß m. ‘Gerichtsverfahren gegen eine als Hexe verdächtigte Frau’ (17. Jh.). Hexenkessel m. nur bildlich ‘Unruheherd, explosive, gefährliche Region, Situation’ (19. Jh.), im Anschluß an die Vorstellung eines brodelnden, Zaubermixturen von Hexenhand enthaltenden Kessels. hexen Vb. ‘von Zauberkräften Gebrauch machen, übernatürliche Dinge vollbringen’ (16. Jh.). behexen Vb. ‘mit Zauberkraft auf jmdn. einwirken’, verhexen Vb. ‘jmdn. mit Zauberkraft in bestimmter Weise entstellen, jmdn. dämonischer Macht ausliefern’ (beide 17. Jh.). Hexerei f. ‘Zauberkunst, übernatürliche dämonische Wirkung’ (15. Jh.).