hapern,
verb. nicht vorwärts wollen, stocken. das wort scheint eine iterativbildung aus der wurzel zu sein die uns in haben
und haften
entgegentritt, bezeichnet demnach das kleben, verweilen an einem bestimmten punkte. es der form nach für niederdeutsch und erst in die oberdeutschen mundarten eingedrungen anzusehen, kann schwerlich gerechtfertigt werden, sowol weil das wort, wenn auch öfter in der nebenform happeln (
s. d.)
über alle deutschen mundarten gleichmäszig verbreitet erscheint, als auch, weil das inlautende p,
das übrigens mit b
wechselt, hier nach der ableitung nicht als eigenthümlich niederdeutsch angesehen werden kann, da ja z. b. bei dem éiner wurzel entstammenden habich, habicht
accipiter gerade die form hapich
aus Oberdeutschland gewahrt ist (
spalte 91,
vergl. unten happich). hapern
ist in ganz Niederdeutschland gewöhnlich, auch im holländ. als haperen,
dan. als happe,
schwed. weist happla
in der rede stottern, aber auch häpna
erstaunen, bestürzt werden, auf verwandtschaft hin; von mittel- und oberdeutschen mundarten ist es bezeugt aus Schlesien (Weinhold 33
a),
Obersachsen, Düringen, Hessen (Vilmar 150),
Franken (
als hôpern Fromm. 1, 281),
rheinisch hapern, habern Kehrein 186,
kärnthnisch happern
stocken, nicht vom flecke kommen Lexer 134,
tirolisch happern (Fromm. 5, 448)
und hapern: wans selber was machn soltns, nacher haperts, nacher stinkts! Schwabe
tintenf. (1745)
s. 11; wans aber an ein frauenziffer habn soll ihr anliegn bringn, nacher hats hind und vorn gehapert.
s. 55.
in die schriftsprache scheint es erst seit dem 17.
jahrh. eingedrungen, Schottel 1333
hat haper, haperen,
hindern, woran stoszen, impedire, moram causari, er hält das wort für nd., worin ihm Frisch 1, 416
a folgt, bei Stieler 766 haperen,
mit einem subst. der haper
hietans, cunctator, morator, aperto ore obtutum in aliqua re figens; seit dieser zeit führen es die wörterbücher gewöhnlich auf. hapern
wird in gehobener rede verschmaht, in traulicher gern verwendet. die construction ist mehrfach: 11)
gewöhnlich und in der schriftsprache ausschlieszlich unpersönlich es hapert,
will nicht fort, stockt, hat ein hindernis, nd. nu happert et,
nun will es nicht weiter gehen. Dähnert 175
a. 1@aa)
mit ortsbestimmung, von dem sinnlichen steckenbleiben an einem flecke ausgehend: es hapert wo, bei etwas, an etwas; ich würde bei ihren lehrern mich erkundigen. da wirds hapern, sagte er, denn seit einem halben jahre besuch ich keine collegia mehr. Hermes
Soph. reise 1, 447; im kleinen geht das an, aber im groszen, da haperts. Reiske
Thucyd. vorrede; herr .. wenns auch wo haperte (
im deutschen reichskörper nämlich), so musz ein redlicher deutscher still dazu schweigen, wenn er nicht helfen kann. J. Taul
Titan 1, 165; sie wissen alle, wie sehr es hier flachsensingischer seits haperte und zugleich wieder pressierte.
kom. anh. z. Tit. 1, 57; und wenns da auch haperte. Tieck 14, 350; weil es aber da eben hapert, so sind sie freilich gezwungen, so viele fremde herbei zu citiren, um den eignen zu verstärken.
ges. nov. 6, 53;
nd. hier hapert it,
da stehen die ochsen am berge. brem. wb. 2, 594; — aber bei den ausgängen (
im schauspiel), was eigentlich nur freude macht und tief verwickelte mannichfaltigkeit hat, haperts. Heinse
Ardinghello 1, 231; — die philosophie wollte mich jedoch keineswegs aufklären ... von dem dinge, von der welt, von gott glaubte ich ungefähr so viel zu wissen, als der lehrer selbst, und es schien mir an mehr als einer stelle gewaltig zu hapern. Göthe 25, 52;
M. zum neuen gasthof eine neue wirthin, ein neuer wirth! das liesze sich hören.
V. lasz das gut sein, daran, fürcht ich, möcht es hapern (
an der erfüllung eines solchen wunsches). 11, 288. 1@bb)
mit bestimmung des gegenstandes, bezüglich dessen das hindern, stocken, nicht vorwärts wollen eintritt, es hapert mit etwas: weil es mit unsrer eignen sache noch immer hapert. Hermes
Soph. r. 2, 511; dasz es manchmal mit ihm haperte. J. Paul
uns. loge 3, 129; es haperte schon bedeutend mit dem glauben an den sohn. Heine
werke 12, 77; haperts doch mit meiner eignen seligkeit.
Atta Troll XX. 1@cc)
ungewöhnlich es hapert einem,
es entsteht einem ein stocken, bedenken: thue ihm dabei folgende zwei bedenkliche fragen: hats auch inhalt, was du da liesest? ... haperts dem freunde bei der antwort auf die erste frage, dann ohne anstand und säumnis mit dem buche ins feuer! Klopstock 12, 139. 1@dd)
ebenso ungewöhnlich ist es hapert sich: zwar leugnen kan ichs nicht, es wird sich allzeit hapern, eh ich, wenn ich dich seh, den doctor kan ercapern (
d. h. ehe ich die anrede doctor an dich gewohn werden kann). Picander 2, 511. 22)
mundartlich ist persönliches hapern,
so von Steinbach 1, 699
als silesiace bezeugt, ich hapere
haereo; in Holstein he hapert,
stockt im aufsagen der lection Schütze 2, 103;
fränkisch - hennebergisch bu wart o pfleg (
wo wartung und pflege) nert hôpert. Fromm. 1, 281;
ähnl. niederdeutsch dar hâpert wat an,
daran fehlt etwas 3, 376.