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gust

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gust m.

Bd. 9, Sp. 1203
gust, m. , geschmack. im 16. jh. aus dem ital. gusto (lat. gustus) entlehnt. neben häufigerem gusto begegnen die selteneren nebenformen gustus, gustum, gustes, guster, gustem, gusti, gusdius u. s. w. am ältesten und bis ans ende des 17. jhs. allein herrschend gust, seit der ersten hälfte des 16. jhs. in der Schweiz belegt, bis heute rein süddeutsch (nicht über den Main gedrungen). im 18. jh. wesentlich durch gusto verdrängt, vor allem in der schriftspr., in der das letztere durchaus geläufig wird (vgl. H. Schulz deutsches fremdwb. 1, 259). im 19. jh. sinkt gusto wieder zur rein dialektischen geltung herab und herrscht vorwiegend in den österreich. und süddeutschen maa., wird aber auch am Rhein entlang bis zum Niederrhein gebraucht, vereinzelt sogar in Schleswig-Holstein, s. Mensing 2, 511, obgleich hier gout vorherrscht (vgl. Schulz 1, 250). die anderen formen treten nur sehr selten auf und sind teilweise spontane literar. bildungen wie gustus (Fontane ges. werke I 2, 54), gustum (Ludwig ges. schr. 2, 129), gusti (J. Gotthelf ges. schr. 7, 6), teilweise local eng begrenzte mundartliche bildungen wie gusdius Christa Trier. ma. 103, gustes Hönig Kölner ma. 70; Müller rhein. wb. 2, 1507, gustem Spiesz henneberg. id. 86, guster Loritza Wiener id. 57; Unger-Khull steir. 315. bedeutung und gebrauch. 11) objectiv, und zwar als geschmackssinn: dass aber etliche von jhnen aussgeben, wie einen überaus scharpffen gust oder geschmack sie (die mäuse) haben sollen, nimpt mich wunder I. Heyden Plinius (1565) 187; so viel aber die sinn belanget, wird der gust oder geschmack mehr von den nässen oder scharpfen, denn von den bitteren verletzet H. Frölich offenbarung der natur (1591) 81. als sachliche eigenschaft: (der wein um Zürich) b'halt doch (im alter) sein gust und härbe (1600) bei Staub-Tobler 2, 492; eines guten geruchs, geschmacks, tons und gusts (1608) ebda 2, 492; dass nicht diese speisen zusammen ganz einen unguten geruch und gust von sich geben (1702) ebda 2, 492. 22) bis heute vorwiegend angewendet für die subjective empfindung, so als neigung zu einer person: würde man die ausgeschlossen hassen, so möchten die obern annehmen, dass man wenig gust zu ihnen trage (1534) Staub-Tobler 2, 492; als 'verlangen nach etwas': was nun die arbeit betrifft, so musz ich gestehen, dasz ich ... noch keinen ganz auszerordentlichen gusto dazu habe Görres ges. briefe 1, 367; nach gusto nach freiem belieben, ermessen: nach schwerer reisbemühung ... recht nach gusto auszurasten J. V. Neiner tändlmarckt (1734) 275; wenns einmal gedient sein soll, will ich nach gusto dienen Göthe 11, 409 W.; anders: wenn mer nooch vermöga heiroothet und net nooch gusto Fischer 3, 939; von der inneren freude: in solchen schwellungen der grazie hat er sich in einer noch vorhandenen kalligraphischen musterhandschrift der oden des Anacreon mit besonderem gusto ergangen Justi Winckelmann 1, 44; ähnlich als 'wohlgefallen': wir sahen mit grösstem gust die farben eines regenbogens G. König Wiener reise (1715) bei Staub-Tobler 2, 492; und (ich) bis dato viel gusto daran gefunden habe Fr. L. Schröder dram. werke (1831) 3, 144. die formelhafte verbindung lust und gust findet sich häufiger in religiös-moralischen schriften: einige, so auch den kirchenbann verachten, jhren gust unnd lust nur an den schmutzigen häfen und stinckendem knoblach irdischer gelüsten suchen und wayden Dalhover gartenbeetlein (1689) 2, 636a; 1, 166a; mancher menschen all ihr lust und gust ... bestehet in fressen und saufen Neiner tändlmarckt (1734) 162; häufig bei Abr. a s. Clara: deswegen mit groszem lust und gust, mit unbeweglicher verständigkeit, mit höchsten begierden wollte er (St. Georg) leiden und litt wirklich werke 1, 164 Strigl; er naschte mit groszem lust und gust das süsze weltgift ebda 2, 373; (der schmeichler) der seinem herren zuträgt, ... verteufflets ... nach seines herren neigen, lust und gust. o schelm! etwas für alle 2 (1711) 395; mehr objectiv von den freuden der welt: grillen und pfrillen seynd alle lust und gust der welt gegen dem, was Paulus schon gekost mercks Wien (1680) 32; und da andere weltbürstel gleichwol nach verkosten lust und gust zur hölle schlipfern, müst ihr (geizige) aller hitz und schwitz über tragen ebda 72. 33) individueller geschmack, in den frühen belegen auch die fähigkeit zur ästhetischen wertung: es musz wohl ein verdorbener gusto seyn, der sich in solche waar würde verlieben Callenbach eclipses (1714) 37; sintemalen sie ein jedem leser, der für ein heller gusto habn thuet, besser gefallen werdn Schwabe tintenfäszl (1745) 31; so lange mein ingenium practicum noch wenig gelegenheit hatte, sich zu developpieren: so war mein gusto noch schlechter als jetzt Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 9; nun ich werde ihren gusto schon treffen Gottl. Stephanie d. jüng. sämtl. lustspiele (1771) 146; ein wunderlicher gusto für eine dam, in solchem kriegsgetümmel bey nacht und nebel hin und her zu reisen Kotzebue sämtl. dram. werke 16, 81; wer wird denn so einen gemeinen gusto haben! F. Raimund werke 1, 31 Glossy u. Sauer; s hat halt jeder seinen gusto P. Rosegger schriften (1895) II 1, 130; in einem engeren sinne: man musz auch wegen des unterschiedenen gousto der leute bey einer gasterey die speisen in einer kleinen anzahl aufsetzen Rohr zeremoniellwissenschaft (1728) 1, 434; der koch wunderte sich sehr über den gusto der baronesse, widersprach aber nicht, sondern machte eine gute portion schnecken Ph. Hafner gesammelte lustspiele (1812) 1, 5; nach ... gusto: es ist nicht nach meinem gusto displicet mihi, minus arridet Apinus gloss. nov. (1728) 260; das wäre nach meinem gusto, es stehet auch besser Callenbach wurmatia (1714) 67; man wählt sich die kleider, nach gusto den schneider Göthe 4, 155 W.; Künstler? ey! den lass geschwind herein, gib acht, das wird ein mann nach meinem gusto seyn Kotzebue sämtl. dram. w. (1828) 33, 238; wenn ich eine tichterlesfrau (frau für meinen enkel) nach meinem gustum finden müszt Ludwig ges. schr. (1891) 2, 129; auch in der form: dies Franzosenvolk ist sonst nicht mein gustus Fontane ges. werke I 2, 54, s. auch Schultz fremdwb. 259 u. vgl.: bei den kaufleuten aber, die im einzeln verkaufen, nennt man einen zeug nach dem gusto, der zwar kein reicher zeug, noch auch besonders gut fabriziert ist, oder der eben kein schönes muster hat, noch auch jedermann gefällt, sondern wobey es nur auf eigensinn und die phantasie der käufer ankömmt, dessen mode gemeiniglich sehr kurze zeit dauert; und womit ein verständiger kaufmann sich nicht gern in groszer menge beschweret, weil auf dergleichen zeugen fast beständig zu verlieren ist, wenn man nicht ihrer los zu werden eilet, so lange etwan die phantasie dauert Jacobsson technol. wb. 5, 766b. 44) im 18. jh. auch im überpersönlichen sinne als allgemeine geschmacksrichtung gebraucht: einer der sich nach dem heutigen gusto richtet Philo ruhm d. tabaks (1722) 10; je mehr wird es nach dem allgemeinen gusto seyn Philippi reimschmiedekunst (1743) 201; denn solches ist dem gusto unsers itzigen seculi entgegen 203; nach italienischem gusto Ramler an Gleim briefw. 2 (1757) 279 Schüddekopf; ich kriegte 10 zimmer alle schön und wohl meublirt nach Frankfurter gusto Göthe IV 1, 226 W. 55) composita sind nur sehr selten bezeugt: gustlos: in diesen und künfftigen exempeln müssen wir nothwendig mehr auff unser vorhaben als auff ein gustloses auskünsteln des recitatives sehen Heinichen generalbass (1728) 618;
7519 Zeichen · 114 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    gust

    Althochdeutsches Wörterbuch

    gust- s. kustor.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gust

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    gust s. tjoste.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gustAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gust , Adj. Vw.: s. gǖste

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gustm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gust , m. , geschmack. im 16. jh. aus dem ital. gusto ( lat. gustus) entlehnt. neben häufigerem gusto begegnen die selte…

  5. modern
    Dialekt
    gust

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    gust I [kùt Roppenzw. bis M. ; kot Dü. ; ko Obbruck ] 1. Adv. in dem Ausdruck g. go hn , ge hn keine Milch geben, was…

  6. Spezial
    gust

    Ladinisch-Deutsch (Mischí)

    gust [gụst] m. (gusć) 1 Geschmack m., Geschmacksinn m. 2 (plajëi, ligrëza) Geschmack m., Gefallen n., Freude f. 3 (vëia)…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gust

96 Bildungen · 82 Erstglied · 11 Zweitglied · 3 Ableitungen

gust‑ als Erstglied (30 von 82)

Gust I

Idiotikon

Gust I Band 2, Spalte 492 Gust I 2,492

Gust II

Idiotikon

Gust II N. Band 2, Spalte 494 Gust II N. 2,494

gustabilis

MLW

gustabilis , -e. 1 adi.: a qui (sapore) dinosci potest – (am Geschmack) erkennbar, schmeckbar : Hildeg. epist. 31 R ,74 omnes ... res visibi…

gustamen

MLW

gust·amen

* gustamen , -inis n. (gustare) 1 actio gustandi, edendi – das Kosten, Essen (in imag.: MLW l. 66) : Hrotsv. Sap. 4,4 delector ex vestra (sc…

gustans

MLW

gust·ans

adi. gustans , antis. ad gustum pertinens – zum Geschmackssinn gehörig, Geschmacks- : MLW p. 875, 72. Mandrin

Gustatĭo

Meyers

Gustatĭo (lat.), beim römischen Hauptmahl das Voressen, berechnet auf Anreizung des Appetits, meist aus Salat, Schaltieren, leichten Fischen…

Gustation

Herder

Gustation , lat.-dtsch., das Schmecken, gustus , der Geschmack.

gustativus

MLW

* gustativus , -a, -um. (gustare) 1 adi. i. q. ad gustum pertinens – zum Geschmackssinn gehörig, Geschmacks- : Albert. M. sent. 4,50,9 p. 69…

Gústav

Adelung

Gústav , Genit. Gustavs, ein männlicher Vornahme, so wohl der Deutschen als anderer noch mehr nördlichen Völker, welchen Prideaux von dem Pe…

Gustav-Adolfs-Verein

Herder

Gustav-Adolfs-Verein od. —Stiftung , wurde 1832 den 6. Novbr. von dem Superintendenten Dr. Großmann in Leipzig gestiftet und 1842 bei einer …

Gustav Adolf-Verein

Meyers

Gustav Adolf-Verein ( Evangelischer Verein der Gustav Adolf-Stiftung ) ist eine Vereinigung innerhalb der evangelisch-protestantischen Kirch…

Gustav I

Herder

Gustav I. (Wasa), geb. 1496, der erste König Schwedens aus dem Hause Wasa, mütterl. Seits von den Sture stammend, demnach mit den früheren k…

Gustavĭa

Meyers

Gustavĭa , s. Japarandiba .

Gustav II

Herder

Gustav II. , Adolf, geb. 9. Dezbr. 1594, Sohn Karls IX., der größte Feldherr u. Monarch seiner Zeit, der Schöpfer der neuern Taktik, übernah…

Gustav III

Herder

Gustav III. , König von Schweden, geb. 1746, König von 1771—92, ein kühner u. entschlossener Fürst, der aber die Tragweite seiner Macht nich…

Gustav IV

Herder

Gustav IV. , Adolf, König von Schweden, Sohn des Vorigen, geb. 1778, regierte von 1792—96 unter der Vormundschaft des Herzogs v. Südermanlan…

Gustavsburg

Meyers

gustav·s·burg

Gustavsburg , Wohnplatz in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau, zur Gemeinde Ginsheim gehörig, zwischen Main und Rhein, Mainz sc…

Gustavsvärn

Herder

Gustavsvärn , kleine russ. Felseninselfestung am nördl. Eingange des finn. Meerbusens.

gustbrettl

DWB

-brettl : gustobrettl in den gasthäusern das brettl, auf dem besondere speisen ausgestellt waren Schranka Wiener dial. lex. 69 ;

Guste

Idiotikon

Guste N. Band 2, Spalte 494 Guste N. 2,494

Gustel

Idiotikon

Gustel N. Band 2, Spalte 494 Gustel N. 2,494

Gustelbërg

ElsWB

gustel·berg

Gustelbërg [Kùtlpárk S. ] m. Hütte, in welcher junge Kühe eingestellt sind, die vor dem Kalben stehen.

Gustel I

RhWB

gust·eli

Gustel I -šd- Goar-Wiebelsh , Birkf ; -sd- Birkf-Idar , daneben gušdχə, –sd- ; justχən Gummb n.: Auguste.

Gustel II

RhWB

Gustel II -u-, Pl. -əln Siegld-Müsen Hilchenb f.: Tannenzapfen, Dänneg.

gust als Zweitglied (11 von 11)

august

KöblerGerm

*august , M. nhd. August ne. August I.: Lw. lat. Augustus E.: s. lat. (mēnsis) Augustus, M., August; lat. Augustus, M., Heiliger, Unverletzl…

August

RDWB1

August Spiel nicht den dummen ~! umg. - Ты мне дурочку-то не строй! идиом. , груб.

Abgust

Idiotikon

Abgust Band 2, Spalte 492 Abgust 2,492

angust

AWB

ang·ust

angust st. f. , mhd. angest f. m., nhd. angst; mnd. angest, anxt m., mnl. anxt m. ; afries. ongost, angst. — Graff I, 342. Erst vom 11. Jh. …

August

Pfeifer_etym

aug·ust

August m. Name des achten Monats im Kalenderjahr, entlehnt aus gleichbed. lat. (mēnsis) Augustus, dem mit dem Beinamen Kaiser Octavians beze…

langust

Lexer

lang·ust

langust m. locusta: ein kraut davon dy immen das honig saugen; od. klein vogelein davon sich sant Johanns baptist nerte Voc. 1482. s. locust…

Ratte(n)gust

Idiotikon

Ratte(n)gust Band 2, Spalte 493 Ratte(n)gust 2,493

Trūbe(n)gust

Idiotikon

Trūbe(n)gust Band 2, Spalte 493 Trūbe(n)gust 2,493

vorgust

DWB

vor·gust

vorgust , m. , vorgeschmack, zu gust ( s. d. ) aus lat. gustus: mit einem v. des himmlischen wesens quelle v. 1536 im schweiz. idiot. 2, 493…

Ërdgust

Idiotikon

Ërdgust Band 2, Spalte 492 Ërdgust 2,492

Ableitungen von gust (3 von 3)

entgusten

KöblerMhd

entgusten , sw. V. nhd. beunruhigen, reizen E.: s. ent, gusten W.: nhd. DW2- L.: Lexer 39c (entgusten)

ergusten

MWB

ergusten swV. ‘jmdn. erfreuen’ baide man und ouch wib / der mütt ward erlustett, / vil hertzen ergustett / des vil hoches fundes wartt GTroj…

GUSTE

BMZ

GUSTE swv. besänftige? verwunten sin mit worten minneclîchen gusten Frl. ML. 25,4 und anm.

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APA
Cotta, M. (2026). „gust". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gust/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gust". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gust/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gust". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gust/dwb.
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